Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 339 (1.1.1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite fiT /Wien.'Donnerstag X-- ---, .■»M.ia'iiir.' * Jüdische Schrebergärten. Mannigfache Momente sowohl ökonomischer, als geistiger und. in Verknüpfung beider, »olksreformischer Art, haben rn jüngster Zeit allenthalben zur Ertarkung der SchreLergärtrnbew,egung' im Zusammenhänge mit Ledlerischen Bestrebungen überhaupt geiübrt. Innerhalb des jüdiichen Volkstums haben der Zionismus und die Renaissance- -ewegung im weiteren Sinne gleichen Bestrebungen die Balm itet gemacht. In solchen Zusammenhängen, denen zum Beispiel itudj in München unlängst der „Damelbnnd* entsprungen ist, soll nun auch in Wien der Versuch gemacht werden, die Gründung einer jüdischen Schrcbergartenkolome ins Auge zu fassen. Eme Vorbesprechung findet Samstag. den 3. Jänner um. 7*6 Uhr rbends im Caf6 Prückefl l., Slubenring, statt. * Telegrammverkehr mit Rlrmänien. Das Kone* ipondcnz-Bureau Laibach meldet aus Groß-B«cSkerek: Am t. Jänner wird Rumänien mit allen Ländern mit Ausnahme von Ungarn und Bulgarien den t elegraphischenVerke'hr Dieder ausnehmen. * Der Bahnverkehr In Ungarn. Aus Budapest >vird gemeldet: Die ungarischen Eisenbahnen nehmen am r. 2 ä n n e r den Verkehr im beschränkten Umfange wieder auf. * Gunar LolnaeS und. die Berliner Damenwelt. Die Zeitung „Mgrgenbladet" in Christiania brächte kürzlich einen hohnvollen Artikel „Deutsch-skandinavischer FreundschaftSbund Germania und Gunar Tolnaes", indem sie von einem nordischen -Abend im Berliner „Rheingold" berichtete, an welchem der nordische Filmschauspielec Tolnaes geradezu das Opfer'der rabiaten Berliner Damenwelt geworden ist. Es ist beschämend, zugestehen zu'müssen, so schreibt der Berliner „Vorwärts", wie Augenzeugen berichten, daß dieser Filmstern aufden jüngeren und älteren Damenflor Berlins eine derartige Wirkung ausgeführt hat, daß die Direktion des „Rheingold" zur Vermeidung einer Verrehsstörung TolnaeS durch. den Hinteren Eingang zu dem Festsaale einlasien mußte, Kaum var der Filmschauspieler erschienen, als die „Damey" im Alter von 14 bis 70 Jahren herbeistürzten und sich um ein Autogramm balgten. .Als schließlich ein Offizier um.eine rücksichtsvollere Behandlung des Künstlers bat,' beruhigten sich die erregten Gemüter. Es gab aber, immer noch Heißblütige genug, die es sich nicht nehmen liehen, seine Papierservietten einzustecken. * Der städtische Baurat Ing».De. Franz Must!, »er bekannte Fachmann auf dem Gebiete der Untergrundbahnen, wurde Nom , Ocsierrerchischen. Jngemeur- und ArchitMnverem zum Schriftleiter der Veremszektschrfft bestellt. » * Die Tlmtsftundeu im Dorotheum. Dir Zentraldircktion des Dorotheums vcrlautbart, daß der in der Haupt- Malt, I., Sp'.egelgasse 16—Dorothecrgasie 17, von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends eingesührte Permanenzdienst für bte Belehnung von Pretiosen vom L Jänner 1920 angrfangm auch auf die Beleimung von Effekten ausgedehnt wird. Die Umsetzung und Auslösung sowohl der Pretiosen, als auch der Effeklenpstinder bleibt wie bisher auf die Zeit von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags beschränkt. . ' ' * Die stärkste elektrische Lokomotive der Welt. Die Vereinigten Staaten besitzen jetzt die stärkste elektrische Lokomotive der Welt. Ihre effektive Stärke beträgt 7d00 Pferdekräfte und wurde von der Pensylvania Railwod Cy. für die Eisen- ' bahnlinie erbaut, welche die Alleghanh-Bepgkette durchquert, deren Züge gegenwärtig durch drei Dampflokomotiven gezogen werden: Drese Riesenmaschine ist 25 Meter lang und wiegt 240 Tonnen, wird durch einen Strom von 11.000 Volt ilimentiert und wird angesichts der Terrainschwierigkeiten in der Stunde 18 bis 38 Kilometer zurücklegen. * Professor Stegrmmb Freud. Der Präsident der. Nationalversammlung hat den weit über die Grenzen Oester-, retchs bekannten Forscher Professor Siegmund Freud zum ordentlichen Professor ernannt. Professor Freud ist . der Schöpfer der unter dem Namen „Psychoanalyse" bekannten Wissenschaft, die auf dem Gebiete der Erforschung des Seelenlebens bahnbrechend gewirkt und eine ganze Forscherschulv begründet har. * Mufiksektrsn der Hakoah. Heute, präzise 7*10 Uhr vormittags. Güamtorchesterprpbe im Veremssaale des Konzerthausrs, l., Heumarkt. Da berenS zu einer Aufführung geprobt wird, - ist bestimmtes Erscheinen jedes Mitgliedes u nb e d i n d 1 notwendig. ■ * Ein Journalist als Grsandter. Der bekannte Journalist und Pazifist Norman-Hapgood wurde zum Gesandten der Berernigten Staaten in Kopenhagen ernannt. * Qu^mms Paris—Wien—Warschau.. Der bisher Zwischen Paris—Wien—Warschau mit einer Abzweigung von Linz nach Prag und umgekehrt wöchentlich dreimal geführte sogenannte Ententeexvreßzug wird am 1. Jänner 1920 als rin für den allgemeinen öffentlichen Verkehr zugänglicher Luxuszug verJnternattona'lenSchlafwagengeselb» s ch a s t gleichfalls wöchentlich dreimal verkehren. * Ritter der Lüste. Wie die „Times* meldet hat der König von England die beiden erfolgreichen Flieger nach Australien Kapitän R. M. Smith und Flregerleutnant K. M. Smith in den Ritterstand erhoben. Diese beiden „Ritter der Lüste* haben den Flug vom 12. November ab Hounslow bis zum 10. Dezember, an welchem Tage sie Port Darwin erreichten, absolviert. England bat jetzt vier „Rrttex der Lüste". Die ersten zwei waren Sir John Allock und Sir. A. Whitten Brown, die im Juni 1919 nnt ihreyr Flug über de» Atlantischen Ozean so großes Aufsehen erregt hatten. * Qelbftmotb Zoltar» v. Paps. Aus Budapest wird gemeldet: Der gewesene Reichstagsabgcordnete Zoltan v. Pap hat fich gestern vormittags erschossen. Er hatte als Mitglied der Achlundmeruger-Unabhängigkeitspartei eine Rolle im politischen Leben gespielt. Sein Name wurde besonders bekannt. als er seinerzeit die Enthüllungen über den Bestechungsskcmdal der Regierung Khuen-Hedervary machte. * Die falsche Kommission beim Kaufmann Diklkeuraxk. Es wurde bereits berichtet, daß die meisten Mitglieder der falschen Polizeibommission, die am 23. Dezember beim.Tuchrestenhändler Josef Dänemark, Praierstraße 50, erschienen ist und Henenkleiderstofse im Wert? von 80.000 Kronen als angebliche Schmuggelware, 823 Silberkronen und zwei serbische Tabaklose beschlagnahmt, hat, verhaftet wurden. Die falsche Kommission «war von einem „Pvliz-eikomrnissär" geführt und bestand aus. einem falschen Arbeiterrat, zwei Polizeiagenten Ünd einem Volkswehrmann. Die Beute führte sie auf einem Handwagen weg. Als Anstifter wurde der 26jährige Volkswehrmann des Bataillons Nr. 23, 2. Kompagnie (Bahnsicherungsgruppe), Franz Preslicka, vonBerus Handelsangestellter, als Teilnehmer an der ,,Kommission" der Optiker Friedrich Stindl, der Masäftnenaröeiter Leopold Fleischer, der Advokatursbramte Rudolf Pariser und der geivesene Beanlte Richarv Blumenthnl veMjLet. WMsr MSrgenMunS . '!l. IDrntt IS2V « Wie sich dtp amerikanischen ANoholNer Helsen. Wie New-Aorker Blätter berichten, hat, die Zahl der amerikanischen Bürger, die um Reisepässe nach der Insel Cuba angesucht haben, bereits 86.000 überschritten. Nachforschungen über die Ursache dieses auffallenden Dranges nach dem ehedem ^durchaus nicht favorisierten Jnselgebtete haben ergeben, daß diese Massen von der Sehnsucht nach dem lang und-schwer entbehrten Alkohol ist, dessen Verschleiß bekanntlich in den Vereinigten,Staaten seit dem Eintritte Amerikas in den Krieg verboten ist.' Die Insel Euba Hingegen ist das Paradies der Trinker, in dem man ein solches Verbot nicht kennt. Daher der Zug der Antiprohibitionierten ' nach dem gelobten, Lande Ci. ha. ■ * „Tcheinerschietzrmg" eines deutschen Kapitäns in einem indischen Lager. „Mcffaggero "erfährt aus Triest über, die S ch e i n e r s ch i e ß u n g emeS d e u t f. ch e tt Kavi t ä u S: Jur Jnftrniertnüager in Menagar in Indien dtfimd fich neben -anderen. 1S00 Deutschen der SchiffSmvitän, Johann Sch m i d t. Als-die Internierten emeS TageS gegen allzustrenge Behandlung protestierten, wurde der Kapitän verhaftet, mit verbundenen Augen außerhalb deS Lagers geführt und wor ein Peloton geWt. das eine Sch e i n e r f ch i e ß n n g vornahm. DannMNrde der Deliquent auf die Großmut Englands bingewjseit. das sich nicht mit Blut bestecken wolle, und zu E i n z e l k e r k e r veturtellt.- der ja auch ein „kleiner Tod" sei. Die Gefangmen find nimmehr an Bord deS Dampfers „Czar" der ffunard-Linie in Triest ciugetroffen. ' *° Schlafwagen als Hotels. Aus Berlin wird gemeldet: D<e beiden sozialdemokratischen Fraktionen' im Berliner Stadtparlament beantragen die Errichtung eined städtischen Klemwäbnimgs- und Siedelungsamtes. Am der Hotclnot in Groß-Bmm m steuern, sollen in. den Bahnhöfen Schlafwagen als Hotels verwendet werden. \J .' '1 * Verhastetev Terrorist. Aus Budapest wird gemeldet: Die Polizei verhaftete beute den gewesenen Terroristen Josef En g4. - gegen den der Verdacht vorlicgt» den gewesenen Präsidenten des Abgeordnetenhauses Ludwig Nadah ermordet zu haben. - 7 . ' ' * Bom Krregsmnchrvamt. Der Direktor. der Wiener Industrie-Filmgesellschaft Leo F e ß l e r - F e l s, Xll.. Schallergaste 39, wurde-mit einer Woche Artest und ll 10.000 Geldstrafe bestraft, weil er unter dem Borwande'.emer Filmaufnahme ein Nächtliches Zechgelage im Hause, H., Sebastian Kneivpgasse 18, veranstaltet halte. — Der Gästtvirt Johann DialaS. -VI., Kaunitzgässe 2, wurde mit vierzehn T a g e n Ärrcst und ll 15.000 G e bd st rase wesen Nichteinhaltung der Keischlosen Tagt Md wegen ükhertretung der Llchtspamatznamnen anläßlich einer nächtlichen Prasserei m seinem »Biertunnel*- bestraft. - Vereinsnachrichten. (Nachrichten von Vereinen ers che'ine« au§- n a h m s l o s n u r a m T a g e d e t-B e r a n st alt u n g.) H ent e: H akonh^Orch ester. Nächste Probe heute um TAO Ühr vormittags im Vereiussaßle des Wiener Konzrrthauses (Stiege 9, Eingang. Hrumark^. ''-iv.-:. : < Miefftastey per srsdaÄtton. . KriegSwnife Wenden Sie sich s-sort an das Flüchtlings». Hilfskomitee, II., Taborstraße 62b.; - We Ernährung. Unsere Ernährung. ' / Ja, der G roßmarkthalle herrscht« gestern Außero r d e n t l i ch. st ar kerKäuferan drang. Da aber nicht .emmäl halb soviel Selch- und Sveckfleisch zur Verfügung stand wie Mn Weihnachtsverkauf, konnte nur ein Teil der Verbraucher etwas erhallen. Die aus 18,000 Kilogramm bestehenden Vorräte waren bereits um 7,9 Uhr vormcktagS geräumt. Nach dieser Stunde .kam es zu wiederholtenmalen zu Demo nst r a t i o n e n derjenigen, die nichts erhalten hatten. Es standen aber keine Vorräte zur V e r f U g u n a, die weiter Härten art-gegeben werden können. Nebst dem rahomertrn Rindfleisch bildete daS Speck-und Rauchfleisch das. einzige Angebot der Großmatkthalle. > Die F r s ch a b t e i l u n g verfügte. rm über gesalzene und geräucherte Schellfische. Auf dm Grünwarenm ä r'k t e n hrnschte derhältmsmäßig sehr schwache Nachfrage. Selbst die soyenanntrn^ billigen stemschen Aeptel zu K 8.— das Kilogramm bUrben zum Teil unvcrckaust. Sonst kamen noch Korborangen das Kilogramm zu ll 18.— »ud Mandarinen zu ll 22.— znm Verkauf. Kartoffelabgabe. Heute und an dm folgenden Tagen gelangen auf dm Märkten und in den Markthallen der Bezirke l bis VU und IX leicht angefrorne polnische Kartoffeln zum Preise von K 360 pro Kilo gram in gegen Abtrennung der Abschnitte R und I Md für jene Parteien, welche die Abschmtte 0, E, b' und v noch nicht eingelöst haben, auch für diele Abschnitte der Kartoffelkarte, und zwar für-jeden Abschnitt 7, Kilogramm zur Ausgabe. Diese Ausgabe findet bei den in Verbraucherorganisationen (Konsumrereinm) zügeteiltrn Kunden gegen Abtrennung des entsprechenden KartoffclabschnitteS statt. Keine Vermehrung der Mehl- und Brotquote. Auf den jugoslawischen Bahnen ist wegen Kohlmmangeis der Güterverkehr biS 4. Jänner eingestellt worden. Dadurch wird untere Verpflegung auS Jngoflawim g e f 8 b r d e t. Nach Mitteilungen ans dnn ErnährungSamt würde die Wirkung dieser Verkehrsstockung jn bezug auf dre Versorgung WienS von dieser Seite erst in vierzehn Tagen sich äußern. Für die nächsten zwei Wockm ist also nichts zu befüichten, aber auf eine Vermehrung der Mehluud Brotquote m den kommenden Wochen ist nicht z u r e ch n e n. - Tukerkelfraie Kindermilch. Die Landesregierung hat für die rm Betrieb der Schwarrmberaschen Merrret Ncuwaldegg erzeugte „tuberkelfreie Kindermilch", fofeinc sie nn Gemelndegeb et von Wien erzeugt wird, einen Kleinverschleißpreis, von K 4,66 pro Liter festgesetzt. ___ Jüdische Gemeinde. DaS Kultusgemernveghetto. In Frankfurt am Main hat sich, tvie in verschiedenen «teeren Stäüten Deutschlands dis KultuSgemetnd« bemüßigt, gesehen, dem Zeitgeist etliche Konzessionen zu machrn: Man. hat sich' drüben offenbar gesagt, daß es cu^f die- Dauer nicht angehe, den alten Zopf w«4ber zu schleppen, während, die, Welt ringsum ein anderes Gesicht angenommen hat. In einer Zeit, da der Geldsack und' die Höhe der Steuerleistung aufgehärt haben, wenigstenim politischen Leben das einzige Kriterium zrr bilden, kann sich ans die Dauer I Schreibmaschinen - 9 E er*tkla*al|jc Systeme, fabrjkspou und «braucht, in allen Preislagen 1 F . wlofter vorrfttl^. 217? F I I., Btberstraise SS, JH©*:ss,»l», jraprenftbör der Postsparkasse 1 | oegr. 190« JOB .XiB 8T1 WPO-. 1003 | ii i> ■». qmmssusosm tltt Wahlrecht nicht behaupten, welches eigentlich ein Wahlunrecht /ist,', und dessen einstige Einführung, ein Zeichen dev inneren.Eytjubung und der äußeren Assimilation, schon esne. kritiklose Nachäffung der damaligen ,Zeittendenzen bedeutet.' Kurzum, die Statutenrevtsidn in der Frankfurter jüdischen Gemeinde hat ein modernes, -durchaus demokratisches Wahlrecht ergeben. Die Gemeindevertreber-. — auf je 600 Wähler entfällt ein Repräsentant . werden von allen männlichen und weiblichen Genreindemitgliehern nach dem Proportionalwahlsystem getvählt. Wahlberech'ig ist jeder, der mindestens 20 Jahre alt ist. Das Wahlrecht ist weiters! unabhängig von jeder S teuer lei stung-und von der S taatSz ügeh örigkeit. Die Kranksurter Kultusgsmei'ndeväter sind beileibe keine Zionisten: Es sind wohl lauter gute- „deutsche Staatsbürger jüdischen GlaubenZ" und von einer modernen Auffassung des jüdischen Problems - meilenweit entfernt- Aber immerhin haben sie' sich -durch ih^en Beschluß als Zeitgenossen bekannt und der Gegenwart Rechnung getnagen. Die Frankfurter Kultusgemeinde steht den Wiener Gemeindegewaltigen sicherlich viel näher als uns und', so mögen sie sich, denn in Frankfurt Rat erholen, r was man zu tun hat, um,zu einem befriedigenden!! Wahlentwurf zu gelangen. Um den. ganzen Abstands zu ermessen, vergleiche man die jüngste Wiener Kultuswahlveso^m,' welche die Herren! als ein RefoMwexL allerersten Ranges vnsehen möchten - und. erinnere sich an hie kleinlichen und häßlichen Widerstände, auf welche jeder Versuch her jüdischnationalen Vertreter gestoßen -ist, aus henHEntwurf der rückständigen Monstrositähen zu beseitigen- Die/ Herren Haben sich als uwbelehrbär erwiesen und möchten am liebsten, koste es,/ was es wolle, schön unter sich bleibenhinter-geschlossenen Türen beraten und da^ alte Wiener .Ghetto in die neue Zeit weiter schleppen. " - Alles, was über den engen Horizont dieser Körperschaft und über dem. ebenso engen Rahmen ihrer bisherigen Betätigung? hinausgeht, heißt „Politik" und diese muß um jeden Preis aus der Kultus gemeinde ausgeschaltet bleiben. Dabei erweist sich diese als unfähig, auch nur. die alten hWohltätigkeitsinstitnte in befriedigender Weise weiter zu führen. .Der allgemeine Zu-' ' sammenbruch droht das ganze Werk ins Stocken zu bringen und da! inan nie einen wirklichen Kontakt mit - der jüdischen Bevölkerung gesucht hat, ihm vielmehr stets. gänzlich 'ausgewichen ist, fehlt es nunmehr an Mitteln , für bie, Wohlfahr.Lanstalten. Sa kommt es, daß sich zur Sanierung dieser Institute durch spontanen Entschluß! ein privates Lkvmiäa gebildet hat, welches einen' Aufruf versendet, dem wir die folgenden Stellen entnehmenr „Der Zusammenbruch Oesterreichs hat die Judenschaft Wiens besonders schwer getroffen.. Unser Gemeindespital, dieser. Hoffnungsanker- Heilungsuchenderweit üher die Gemarkung Wiens hinaus, unser Siechen- und Altersversorgnngshaus, die Zuflucht der Hilflosesten und Beklagenswertesten in unserer Mitte, unser Blindeninstitut'und unsere Taubstummenanstalt, die so viel gelähmte Kraft einem Lebensberufe zugeführt haben,, diese vier Anstalten, Ruhmestitel des Wiener Judentums, stehen aus Geldmangel unmittelbar vor der Notwendigkeit, ihre Pforten zu schließen. . Wiener Juden! Müssen wir, nicht alles daran setzen, zu erhalten, was unsere Väter geschaffen haben? Und wie muß es auf unsere Kinder wirken, wenn unzählige obdachlose, hungernde und frierende Greise, schmerzgepeinigte Kranke, jammernde Sieche unserer Herzlosigkeit oder Lässigkeit zum Opfer fallen!; 1 Wir sind entschlössen, in die Bresche zu treten.-. Helfet uns, Brüder, das schwere Werk zum Siege führen! - Schätzet euch selbst ein, wie es euch eingibt euer jüdisches Herz, das Andenken eurer Eltern, der Gedanke an das Elend, daS ihr verhüten könnt durch rascheste ausgiebige Hilfeleistung. Spendet für Gememdespltal, Siechen- und' Altersversorgungshaus, Blinden- und Taubstummeninstitut.: (Postsparkassen-Scheckkonto Nx. 9052 der Allgemeinen Verkehrsbank.)" Es braucht nicht gesagt zu werden, baß das Unternehmen alle Unterstützung verdient. Aber, es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Kultusgemeinde, wenir private Initiative Einrichtungen aus eigenem Entschluß beispringin muß, deren Situation die erste Sorge der Gemeinde bilden sollte! Ltteratue m 2Uiffewf#$ji Karl Kauisky: „Die Sozialisierung der Landwirtschaft*, Verlag Paul Cassirer, Berlin. Wie schon in seiner .»Agrarfrage", die vor zwei Jahrzehnten erschienen ist, bemüht sich Kautsky. in dem vorliegenden Buch gegen die Verfechter des Kleinbetriebes in der Landwirtschaft, die auch in der Sozialdemokratie zahlreich vertreten sind, nachzmveisen, daß nur durch den Großbetrieb die höchste' Produktivität zu erzielen ist. Er brillgt eine Jülle von Statistik, bei, doch wird man, eiligedcut des langjährigen Streites über diese Frage, wobei beide Teile eine Unmenge von Zifferntnaterial aufmarschiercn ließen, trotzdem die Kautslysche These nicht als uttdebiugt bewiesen ansehen. Unterstützt wird Kautkly'durch eine in seii'.em Buche abgedruckte Arbeit deS bekannten sozialistischen Lond'uirtes % Hofer.- Dieser rechnet Beispiele durch, die zeigen, um