Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 334 (27.12.1919)
- Date
- 1919-12-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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► Seite 6 Wien, SamstaA Wiener MorgenzenunK 27. Dezember 1919 Sir. 334' » Brand In einem Waggon. AuS Prag wird gemeldet: Auf der Strecke B r Ü n n—B l a r a p a 8 brach während der Fahrt im, letzten Waggon Hl. Klasse de- Personenmacs zwischen den Stationen Zahopowitz und Netzdenitz mfolqe Explosion von B en a t n, das Reisende bei sich führten, kn B r a n d ans. 24 S o l d a 1 e n und d r.e i Zivilisten erlitte nVerbrennungen und mußten nach «l n g. -> B r o d gebracht werden, wo sie ärztliche Hilfe fanden. * Unaufgeklärter Tod eines Arztes«. Der 51jährige Nervenarzt Dr. Jakob K r t a i' wurde am 24. d. M. abends m bmer Wohnung. XVIII,, Mihrmgerstraße 162, t o t aufgesunden. Dr. K i t a j litt seit längerer Zeit an BerfolgungSwahmdeen und es konnte bisher nicht festaesteflt werden, ob er nicht etwa »inen Selbstmord durch Vergiftung begangen hat oder ob er plötzlich gestorben ist. Die sanitätspolizeillche Oeffnung der Leiche vmoe veranlaßt. * Dev gestohlene Goldklumpen. In der Nacht zum 14. d. M. wurde im Uhnnachergeschäfk deS Moriz Spiegel. I, Laurenzerberg 3. ein Einbruch verübt, bei dem ein Klumpen ilkaratigen Goldes, 1853 Gramm schwer, X 94.000 wert, dann iwci Sparkasienbücher der Länderbank auf Le» und Rebekka Spindel lautend, auf X 200, em Sparkassebuch des Wiener Bankvereines, auf Leo Spindel» 200 deutsch-rumänische Lei, & Lerstncke, ein blauer Anzug im Werte von X 3000, ein ’l aar Schnürschuhe im Werte von X 900, 72 silberne Erbestecke im Werte von X 10.000, fünf Dutzend silberne Kaffeelöffel im Werte von X 8000 und einige goldene und silberne Uhren gestohlen wurden. Der Gesamtlchade beträgt etwa X 150.000. Spiegel ist I i ch t v e r s i ck e r t und hat eine Belohnung von 10 Prozent des zustandegebrachten Gutes ausgeseht. * Juwelen «m 300.000 Krone« gestohlen. Wie berichtet, wurde die in der Schwindgasse 3 wohnhafte Frau Anna Maria Erlach das Opfer eines förmlichen Gaunerkomplottes. Ein jupger Mann, den sie durch Vorstellung in Laden kennen gelernt hatte und der sich „Jenö Molnar" «enannt hatte, stahl ihr während eines Austandsbesuches Juwelen im Werte von 600.000 Kronen. Wie npn ver- Baden kennen gelernt hatte und der sich Jenö Molnar heißen und aus Raab stammen. Er hat - zuletzt im Hotel Vuth, Stephamestraße 14, gewohnt und ist von dort aüszeblieben, ohne feine Schuld zu begleichend In einem Briefe hat er dann, versprochen, die Wohnungsschuld vor 24. d. M. zu bezahlen. Eine der goldenen Handtaschen wurde am 24. d. M. bei einem Juwelier zustandegebracht. Sein angeblicher Diener, der zweifellos fein Helfer ist, soll Sitz heißen. * Zur Gründung der Genossenschaften der deutschösterteichischen Invaliden. Die gewerbliche Gruppe der deutschösterreichischen Jnvalidenschulen wendet sich in einem «Aufruf an Alle" unter anderem an die internattonalen Behörden, die internationale Presse, an die Jnvalidnorganistionen, Hilrs- Vereine, Menschenfreunde und Wohltäter mit der Bitte um Geldspenden behufs Gründung eigener Genossenschaften deutschosterreichi scher Invaliden. * Ueberschlvemrnungen im bayrischen Dvnaugeblet. AuS München wird telegraphiert: Schwere Regenstürme haben zu Hochwasser und Ueberschwemmung einer großen Anzahl jwn Ortschaften im bayrischen Donaugebiet geführt. Professor von Seivl gestorben. Aus München wird telegraphiert: Der Architekt und Professor Emanuel von Seidl ist aM 25. d. M. im Alter von 64- Jahren an den Nachwirkungen einer Magcnoperation gestorben. Der hervorragende Baukünstler hat zahlreiche Bauten ansgeführt und war an zahlreichen Ausstellungen beteiligt. * Lebensmüde. Die 16jährige Kontrollorin Rosa I e ck l, XVI., Biüälaasse wohnhaft, sprang gestern vormittags mt Hause Nr. 49 der Silrergasse von einem Gangftnster bc§' ersten Stockes in den Hof und erlttt eme schwere Quetschung des Beckens. * Palästinensische Films. Wie aus I e r «s a I e m berichtet wird, entwickelt fick rn Palästina allmählich eine starke Filmindustrie. Palästina ist ja, wie kaum ein zweites Land, eine wahre Fundgrube. für reizende Filmentwürfe. In Jerusalem gibt es bereits zwei größere Kinounternehmungen,. m denen die Bilder der Jerusalemer Filmfabrik vorgesührt werden. Englische Fachkreise haben an diesen Bilder so lebhaftes Interesse bekundet, daß ein Teil der Aufnahmen nach London gebracht wurde und dort demnächst zur Aufführung gelangen wird. * Warnung vor Steifen nach Belgien und Frankreich. Das Zionistische Zentralbureau m Brüssel teilt mit, daß seit ungefähr zwei Monaten zahlreiche Pogromflüchtlinge aus Osteuropa dort verhungert und halbnackt ankvmmen und mangels ausreichender Ausweisnngspapiere von der Polizei verhaftet.und entweder inS Gefängnis oder in ein Gefangenenlager ringesperrt werden. Die meiste« von diesen sind Arbeiter, denen man in ihrer Heimat erzählte, daß sie nach.Fr ankreich aus Arbeit gehen sollen, da sie-dort viel Geld verdienen können. Nun ist aber die französische Grenze streng; gesperrt und da selbe nicht lsiirein könne«, werden sie interniert. Es wird daher jedermann, in seinem ureigensten Interesse vor unzweckmäßigen und unbedachten Ressen nach Frankreich oder Belgien gewarnt. * Für unsere Kriegsgefangenen. «Journal d « SenStit" weist in einem Artikel erneut auf die Leiben der deutschen und der österreichischen Kriegsgefangenen jn Sibirien hin und verlangt im Namen der Menschlichkeit, daß afieS ge? scheben möge, nm die LeidenSnit dieser Unglücklichsten der Unglücklichen abznkürze«, Wie das Blatt weiters mitteilt, hat sich das Zentralkomitee " vom Noten Kreuz an dir Zentralstellen m den verschiedenen Ländern mit der lBitte gewandt, es in feinen Bemühungen zv unterstützen. Zur Erleichterung dieser Ausgabe hat sich das i«1'rnationale Komitee vom Roten Kreuz bereit erklärt, die verlchrcdenen örtlichen Aktionen zu zentralisieren und ein Aktionskomitee mit dem Sitz in Wladiwostok zu errichten. * Hechaluz. Die Nummer 8—9 heS ,Hkchaluz*, Organ deS Zentralkomitees der Hechaluz in Warschau, ist sorben erschienen und ist während der Amtsstnnden deS Hechaluz, H., Zirkusgaffe <68. von 10 bis 12 Uhr vormittags (ausschließlich Samstag 8nd Sonntag) zu haben. Vereinsnachrichten. NachrichtenvonBereineverfcheinenauSrahm-loSuuratnT'agederBeranstaltung.) Heute: Hechaluz, '/,6 Uhr abends, lm Jüdischen Arbeiterheim, M.. Hohenberggasse 24, Baracke 2—3. Heimabend. — Z i otistischeBezirkSfektivn XX., '/,7 Uhr abends, Geneinderat Dr. Leop. PlaschkeS: »Unsere politische Arbeit^. Cal- ^Ürt. XX., Machildenplatz. — Der einiguug ukrailisch-heimgelebrter Studenten. 3 Uhr nach- «iitagS. Gene, alversammlung aller Abiturienten des U. Malurai lmsrs i« East Rrmbrandt, N., Unter, Augartenstraßes. Briefkasten der Redaktion. Treuer «bonnent. Der Betreffendwohnt U., Prater« Mg: '^5 a. Letzte Nachrichten. Entdeckter kommunistischer Putschplan in Budapest. Budayest, 26.- Dezember. Wie dem Ungarischen Telegraphen * Korrespondenz- Bureau von MftSndiger Stelle mitgetettL wird, sind die Mttitürbehörden vor «ngefLhr 1V Tagen einem A t t e n t a t s p l a n und Putschversuchen von seiten der K o m m n n i st e n auf die Spur gekommen. Gs war beabsichtigt, das Oberkommando der« n g arischen N a t i o u a l a r m e e, den versammelten Ministerrat und die Oper in diezu Luft sprengen. Gegen. die Person des Oberbefehlshabers tz o v t h tz wollte man auf verschiedenen Wegen einen Mordanschlag verüben. Es wvren bereits die weitestgehenden Vorbereitung e n zur Ausführmrg dieses Planes getroffen worden. Die Verschwörer und ihre Mitschuldigen wurden v e r h aftet. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschloffen. Es ist gelungen, einige namhafte und bereits seit langem gesuchte Kommunisten festzunehmen» deren Namen jedoch im Interesse der Untersuchung noch nicht bekanntgegeben werden können. Dübners Ikursalon der Stadt Wien Doswl . 1kon; ert Domsnsk? A ein e K ü d? e T39 Die Ernährung Die Mehl- und Brotquote in der Nelljahtswoche. Die Mehl- Mb Brolquvte in dn NeujührSwoche ist g tsichert, leider aber nur in. der bisher gekürzten Form. Diese Tatsache ist darauf zmückzusühren, daß der Transport des in Triest für uns lagernden Mehles eine Verzögerung erfahren hat. Wohl ist ein Teil desselben schon verladen worden, aber unterwegs sind während des Transportcs infolge der plötzlich e'mgetretenen BerkehrsschwierigkAle« Stockungen emgetreten, welche die rechtzeitige Ankunft deS MchleS verhindern und aüS. diesem Grunde vorläufig Aue erhöhte Quote unmöglich machry. Koscher-Fleisch ans Amerika. Die Abteilung Wien des American Joint Distribution Commütee teilt uns folgendes mit: Das uns seitens der Zentrale in Ncw-Dorl zur Verfügung' gestellte Fleisch ist für . notleidendjüdische KriegSopser und ausnahmsweise auch für diejenigen Wiener bemlttrlttn Juden bestimmt, welcheinfolge ihrer streng, rituellen Ledensiührung.und des bekannten Mangels an koscherem Fleische seit Monaten des Fleischgcnusses enlbchrm Mußten. DaS Fleisch gelangt auf Grund unserer, Bezugsscheine als Ersatz für die dev gesamten Bevölkerung zugewieseye Zubuße an Schwkinrfleiich pnd dergleichen zyr Abgabe. Diese erfolgt daher mur gegen Abtrennung des ftmeils in den Verlautbarunge« des Ernahrungsamtes bezeichnten, zum "Bezüge der angeführten Zubuße berechtigten Abschnittes des amtlichen EinkausscheineS. Diese Abschnitte werden von uns der zuständigen Behörde abgesührl werden. Hierdurch kommt unsere Flejschaktio.n nicht nur der rituell, lebenden jüdischen Bevölkerung zugute, sondern entlastet in gleichem Maße die allgemeine Apprvvlstonierung. - , Zum Bezüge deS Fleisches sind berichtigt: I. Unentgelilich und tzhne Nücksicht auf die bisherige Rayonierung folgende unbeniittelte Kategorien: , Ai Alle gegenwärtig bei uns ml Genüsse.der fortlaufenden Dar- oder «ebensmittelurtterstützung stehenden Personen; diejenigen jüd schen Wiener Familren, deren Oberhaupt im Kriege gesallem w Gefangenschaft lebt oder infolge Kriegsinvalidilät erwerbsunfähig ist, und die sich deshalb in Notlage befinden. ,. II. Gegen Entrichtung des jeweils von unS fesizusetzenden Preises: - Personen, die zu keiner der obrnerwßhnten zwef Kategorien gebören, wenn sie be» einer der unten angeführten, unter Rabbmatsaufstcht sichenden Fleischabgabesteüen rahoniert sind. AlS Stichtag für die Rayonierung gilt der 17. De zember 1919. D>e nnler l»f bezeichneteu Personen erhalten dm Bezugs schein per Post rekommandiert. Em besonders Einschreiten ist zu unterlassen. Die zur Kategorie Id) gehörenden Bewerber um unentgeft liche Fleischzumcisuntz können .spätestens bis einschließlich tz. Jänner 1920 bei unserer Abteilung für fortlaufende und HeimreiseunlerstUtzungen. VI.. Marrahilseistrgße 47, um Zulassung zum Flcsschdrzuge ansuchm. Die unter H erwähnten, aus den Bezug dlrses Fleisches rrfleltierenden Personen können ihre Absicht der obaenanuten Abtttl.unL spätchms, bis einschließlich 5. Jänner 1980 belanmgeben. Spätere Gesuche, beziehungsweise Anmeldungen gelangen nicht zur Behandlung. Diletzterwähnten Gesuche, - beziehungsweise Anmeldungen sind unter Benützung der in den Trafiken: I., Sßileistätte 19, ll.,:Tabvrstraße 10, ll., Praterstraße 11, IX.. Servitengasse 7, XX.Wallenstemstraire 20, XX., Kloster- «eubuigerstraße '61,' vl., Gumpendorserstraße 101, zum Ptnse von 10 Heller für die Kategorie ld, von 20 Heller für Me Kategorie I! in der Zeit vom 89. d. M. biS 2. Jänner 1920 erhältlichen DrucksorteN einzubiingen. Behufs. Vermeidung einer Verzögerung sind sämtliche Rubriken der Drucksvtte genau uttd leserlich aUSzusüllen. Di« Liledigung, beziehungsweise Vorladung wird schriftlich jeder Partei dekanntgraeben «erden; t». ist daher ein persönliches Erfchemen zu unterlassen. Die eistmaliae Wochenmenge wird ans der Rückseite deil Bezugsscheines ersichtlich lei», sie kann iodann jchcrzett giÜndert werdav. - D>e ^leischausgabe wird im Wege der unten angeführten,' unter Rabblnatsaufsicht stehenden Ab'gabestelle»s erfolgen. Den Beginn der Fleischabgabe jv'.rd m denselben Zeilschriiten» in denen diese Mitteilung zum Abdrucke gelonat, verlanibatt weide». "> Die Abgssbezrtt sowie alle sonssiueu, genauest cinzukialrend^u Modalitäten wird die Nückscite des Vezugsscheincs entholten. American Joint Distribution Commitkee. Abteilung Zenttalbureau, 1., Selkrstätte 15. V e r z e i ch n i s d e r n n t e r R"a'b b i n a t s a u f! i ch . st e h e n d e n, F l e i s ch a b g a b e st e l l e n: Schwarzbrod Jr>tef. I., Seitenstettengasse 3, Reist Sidonie, II., Leovoldsgass« 31, Lustra Nathan, lk, Leovoldsaafse 49, Hömgsberg Rosa, II., Kleine- Schisfgasse 23/ Stern Joses, tt.. Gro»e Schrffgasse 6, Großschlächierek, II,, Taborstraße 51, Sregmund, II., Große Psarrgasse 1, Srtiönield Moritz, 11.. Große Epttlgasse 31. Ger st Ignatz. II., Malrgasse 5. Winter Mor>tz, II., Kaiser Josefstraße 9, Nussenbanm- Cha>m Sckiulim, 11.. Schiffamtsgasse 14, Schönfeld Israel W.. II-, Krummbnum-- , gasse 1. Fellner Helene, ,JI., Hachoasse 7, Fächer Gabriel, 11.. Große Schiffaasse 11, Rosenhcck Moses, Grove Everlgasse 8, Sckerf Tom,v II., SchiffanitZgasse .19, Täuber Michael, H., Haidgasse 8. Lemporl Anna, Hl., Cnstviragassr 8, Morgeil- . stern Emannel, IX., Berggasse 26, Kornnirhl Siegnmnd,J%,{ ptxa? gaffe 19, Steffel Max, X, Planetengasse 8.- Großschlackterri,. XIV., Sechshanscrstraße35, Großschlächterei, XV., Turriergasse 2A, PlvMkow'itz^WM XVI.' Hofserplatz ln, Burghäuser Bikr^ 86, Lernport Anna, XX., Kloster»euburger- XX., Jägerstraße ..... —, - - straße 1, Hiischl Eugen. XX., Tnmstraße i, Pettzan Wilhelm, XX.. Klosterneuburgrrstraße 10, KöhlerMor.Joh-, XXl.,Schloßhosstraße 33. . . LLteratur -n, Wissenschaft. Ernst Toller : „Die Wandlüm g? (Verlag Gustav Kiepcnhcuer, Potsdam)' ■ , ' Ernst Toller ist in der Reihe der 'jüdischen Revolutionäre im jüngsten Deutschland eine der anziehendsten Gestalten.' Dee Jüngling, den daS . hahrische Standgericht bekanntlich zu fünf Jahren Festung per.inteillliat — über den Prozeß, ferne Geschichte und das Menschliche des Falles hat Stefan G r o ß m ck n n bec Ernst Rowohlt m Berlin unter-demTitel ^Der Hochveriäter Einst Toller" m ssesielnder Weise berichtet — ist daS tpp'sche Beispiel des Juden, den sein Idealismus in die Revolution reißt, der den TW gekommen wähnt, an dem das Prinzip der brutalen Gewalt durch die geistige Vorherrschaft nbgelöst werden kann und der seine Träume zerschellen sieht in einer ihm wesensfremden Welt- Jn dem Drama r e W a v d l u n g", die bereits in Berlin, gespielt'wurde, bat der/Dichter Toller — für sein Dichterirtm baden in jener Verhandlung Deutschlands repräsentative Männer gezeugt — sein eigenes Erlebnis gestaltet', er zeigt den Juden, den das Gefühl des FremdscinS. in deutscher. Umgebung pechigt,, den typischen Edelassimilanten. der durch heroische Kriegstaten ‘ sein deutsches Bürgerrecht oröbcrn will, Aber, noch in'den vordersten Reihen, m der größten Helle wird er als „Fremder angeruien. Allmählich weitet sich, sein Blick; er sieht dem Grauen der mtfeffelllen Bestialitäk ms Antlitz, und verwirft das Vatcrlarid, das sich «an den Staat verschachert" bat. Hier ist wahre Gestaltung, und einzelne Szenen,' io der düstere Kriegersransport nu ' vllendcn'Zug, her ^Toteytanzhumor" der Skelette zwischen den . Drahlverbaürü.-dek grauftthgit schöne Chor der^ Krüppel sind von stärkster Wirkung und zeigen einen Dichter, .der aus übrrström'epdem " Menschentum seine Visionen schöpft. ' < — d. j ' @eo*o Hermann, N a n d'fi e m er k u n g e n (1914/17), Egpn Flesschrl & Co.. Berlin. . - In. einem langen.Borwort sucht, der. Verfasser , die Herans- ^abe dieses (wie er selbst iüblt) überflüssigen Buches zu begründen/ Hermann will ' nämlich' seststellen, daß ' er scho», wahrend' 'des Krieges pazisistssche — Gedanken hatte..Er schrieb sie alle,aus. barg ste^orgjam im Schreibtisch, um sie 1919 der staunenden Mitwelt zu Überliefern."Einige SllchprobtN genügen zur Feststellung,^ daß die Gedanken des Herrn Hermann, die zum Beispiel so lauten: „Dev Kriegist eine außerdentlich begeisternde Ängelegenheftv— solange -die anderen - lotgeschossen werden", hierzulande jeder sogenannte „Tachenlerer" (oft sehr gewöhnliche Menschengehabt hat — .ohne sie hernach in einem anspruchSoollep Buche zu'veröffentlichen. ■ - ■ ■ - * OSkar Baum: Die verwgndölte Welt, Deutschösterreichischer Verlag, Pien-Leipzig. - ' Durch plötzliches unbekanntes Ereignis erblinden alle Bewohner der Welt.. Matt Verzweiflung aber.erfaßt sie. die Erkenntnis der Notwendigkeit,-auch^bttnd.w^iterzul-eben. DieS ist die Voraussetzung des neuen Romans von Oskar Baum. Eine weitere Inhaltsangabe deS Buches, zu geben, ist nicht Sache einer Anzeige, Zu sagen aber, daß der Roman in seiner außerordentlichen utopischen (wenn man trotz des gesvoynten Votstellungsbegrifses dieses Wort so sagen darf) Originalität außerordentlich fein aufgebaut - ist, tst notwendig, chenn: es scheint mir wichttg, immer wieder auf den blinden Prager Dichter Baum hinzuwelsen. Baum ist nicht-nur Dichter, sondern wie dieses Buch aufqeigt, auch Musiker (was eigentlich identisü) sein sollte), der nicht nur die Harmonien hört, > die lvic Sehenden zu hürey vermögen, sondern auch jene, die zwischen den Welten schwingen, die dem Sehenden unfaßbar, unerlebbarsind, es'sei denn, in den ..Augenblicken unsäglicher Ekstase. — Die politische und soziale Ümkrempelung der Welt nach dem Erblinden ihrer Bewohner, die Schärfung anderer Sinne hernach, Konsequenzen, die intuitiv zu erfassen und aufzuzpichnen nur« Sache eines blinden Künstlers sein kann, die in allem Konsequenten Aufzeichnungen aus einer.verwandelten Welt machen den Roman zu einer der besinn phantastischen Erzählungen vieler, letzter Jahre. IlncndlichoS Glück des Blinden, das mehr ist als resigniertes Sichbeschetden im. Ilnabänderlichen läßt sie ahnen: Masiife eitler unendlich gütigenZufriedenheit. Güte ist der Urgrund deS Romans, der wohl dort gewesen wäre, in besserer Ausstattung, zu er scheinen. (In den Tagen,, da für. ganz schlechte Bücher tiod gutes Papier vorhanden ist. darf ein gutes Buch nicht wie deoletzte Eisenbahnroman aut derartig niederträchtigem Zeitung^, päpidr gedruckt werden, oaZ^in einem Jahr, zerfällt.) Doch dies ist nicht Schuld des Dichters. Eugen H o e f l i ch. Pas deutsche Judentum, seine Parteien - und Ol-anntsattyncu. Sammelschrsst der N uen Jüdischen Monätshcste, Berlins. In dieser Broschüre berlchteü dit 7 einzelnen Paltesitthrtr selbst Uber die von ihnen verkreteven verschiedenen Richtungen im deutschen Judentum. Natürlich tritt dort, wo di« betreffende. Nickltung eine verschwommene ist, wie das bcriihmte „liberale Judentum^, dies auch aus der Darstellung hervor. Es llmgt fast komisch, wenn dessen WvrtsUhrer, Dr. Felix Gold mann, erklärt, daß der LibernliSmutz «der lebendmen Entwicklung stetö zu ihrem Rechte verhilft". Denn da es kcm jüdisches Volksleben uiihr gibt, z'umäl in Deuttchlünd, so ist unter jener Entwicklung, eben die riichtjüdische gemeint, indes schon Moses Hey. lange vor Achud Hüam. gegenüber dem seichten Retolmjttdmtmn nargelegt hat, daß die Entwicklungen m der Wischen Gerstesgeschlchte stets anS drm Innern des Volkslebens geflossen sind, daß eS ein solches seit der Emanz pat'on nicht mehr gibt, weshalb olle liberalen „Retarmerüur Kunstproduktt ohne Seele ttrrd. Dchjrgtz litzel'als mmmaeu*,,*- i.ifTi 1.11 <^ÜSiÜt—h'li ammii