Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 332 (24.12.1919)
- Date
- 1919-12-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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CI Sette 4 Men. Mittwoch Wiener Morgenzerrung i4. Dezember 1919 Nr. 332 Tagesbericht. Beginn der itaii-nitchen <^etr-idernin^ren. Vom.italienischen Ministerpräsidenten Nitti ist heute ein En den Staatssekretär für Volksernährung gerichtetes Telegramm eingelangt, m welchem mitgeteilt wird, daß die Verspätung - in der Auftraggebung zur Absendung der 80.000 Tonnen Getreide ab Triest ausschließlich dadurch hervorgerufen wurde. Laß die Frage der Finanzierung noch nicht gelöst sei. .Der italienische Ministerpräsident teilte gleichzeitig mit, daß er mit Rücksicht auf das dringende Ersuchen der österreichischen Regierung den Auftrag gegeben habe,, die erste Absendung einiger Züge sofort vornehmen. Cr erklärte ferner in seinem Telegramm, sicher zu sein, daß die Weiterbeförderungen ohne Verspätung fortgesetzt werden, wenn die Finanzierungsftäge geregelt sein wird. Aeberdids ist vom Vertreter des Staatsamtes für Dolkr. rrnährung in Triest die telephonische Mitteilung eingelangt, wonach > aus' Rom der Verladeauftrag v auf vorläufig lö.OOO Tonnen Weizen aus Venedig und 9000 Tonnen Mehl ruS Triest eingetroffen sei. Zunächst werde der .Abtransport »es Fehles.stattfinde«. ..Die Verladung deS'MehleS soll am 84. Dezember früh beginnen. Da dem Staatsämte für Volks, rrnährung bekannt ist. daß die DerladüngSkapazität in Venedig eine, gelinge ist, wird' seitens deS Staatsamtes der« sucht werden, wenn möglich die Verladungsaufträge von Venedig auf Triest, falls dort genügend Ware ist, zu über-- »eisen. Hierauf steht, jedoch dem Staatsamte für Volks, rrnährung keine unmittelbare Jngerenz zu, da die Verladung?' »ufträge von der rtalienischen Negierung auSgehen. - Kohle und Brot. Ernährungslage ist in den letzten Stundet: k!ns leichte' Vesfetung ein getreten, da die Lebensmittel« einläufe -gegen die Vortage etwas starker waren, damit erscheint die Gefahr, in der Neujahrswoche selbst die gekürzte Brotquote nicht ausgeben zu können, behoben, diese Quote ist, wie wir erfahren, gesichert. Aus hiesigen Ententekreisen verlautet, daß von Rumänien 650 Tonnen Mais — unter englischer Flagge — über Polen im Anrollen seien. Ganz im Gegensatz zu dieser leichten Besserung unserer krnährungslgge stellt sich die Kohlensituation dar. Sie ist permanent ungünstig. Di« Kohlenzu« schübe sind gering. Wohl haben die Bahnen seit der tekannten Rede des Dr. B e n e sch in Paris etwas gebesserte Fuschüb« erhalten, aber sowohl bas Gas«, wie daS LlektrizitätSw«rk, wie auch der Hausbrand haben Moüu nichts profitiert. Gerade in den letzten Tagen sind! sie Zuschübe so S«ring . gewesen, . daß - eine Unterbrechung selbst dieser minimalen Menge zu einer - Katastrophe Ähren müßtet - ' Ä te Besorgnis für die Weihnachtsfeiertage ist daher sehr.groß und die Einstellung \tt Str aßenbahne» nicht ausgeschlossen. Sie Nur' abgewenbet werden, wenn die Nachrichten von rbrer besseren Förderung und einer' intensiveren Köhlen« »bsendurrg .aus 'O. berschlesien nach Oesterreich sich betätige». . - . - . . Die trostlose Lage der galizischen Juden in Ungar«. SstS W a t f ch a u wird uns berichtet; Auf da8 . dringliche Ersuchen des' jüdischen- Ländtagllubs. wegen' Abstellungder un- «nnschlicheu Behandlung der gastrischen Judm in Ungarn d»e «forderlichen Schritte zu unternehmen, erhielt der Klub nunmehr Müteilung, daß bte polnische Regierung iurch ihre»Budap'esterBertreter beider in gar i scheu Regierung wiederholt, und stvar «cht Erfolg intervenrert habe. - Was die in der Znschiift des Klubs angeführten lonkreien Falle betrifft, habe der Minister deS Auswärtigen den Budapcsirr Geichässslräger bcan^tvoaU an Ort rnd Stelle nachmkorschkn uud sofort Bericht zu erstatten. Das Ergebnis werde dem Kind bekanntgegeben werden. El« Brief Napoleons I. über die Inden. Als Napoleon im Mai 1812 in Kowno lagerte, befahl er. daß man mit Danziger Juden Lieferungen ablchlreße, damit diese Sicht den Preußen in dir Hände fallt«. Er selbst halte sich ldrefsen von Juden verschafft. Nach einem alten GetchicbtSivelk von Graf von Segur^ betitelt : '„Napoleon und die große Armee," »mvfing der Danziger Jude ^Kublofcher" von dem Kaiser einen Brief, der in deutscher Uebersetzung wre folgt lautet: »Men Herr! Wie m«r Mitgrttilt wurde, l ettm Sn gut und billig. Das hat wem Herz er freut! Wcnn Gott mir zum Siege verhütt. sowill ich Europa beweisen, wie dankbar sich ein Kasser gegm d eJuden, Ihre Stammesgcnoiscn, zeigt. Ich werde Europa Vorlchrstien machen Md die Gefahr ausheben.in neueBarbarelzurückzüstnken. Hat Ihr Volk die Finsternis des Mittelalters überssanden,, so soll neser Krieg dam.dienen, alle barbarischen Böller »n Zivilisirrung w versetzen! Wer könnie wohl glauben, daß es möglich ist, wenn man tm Jahre des Heils 1818 noch Abneigung gegen die Juden fiat. Was soll der große Kampf der Menschen, der Krieg deS Glaubens, welcher die Staaten im Innern zerrütte! Ich bade Mich langst über die Leidenschaften der christlichen Welt durch eigene Anschauungen rmvorgeboben. Noch viel Blnt muß vergossen. werden, ' ehe auch dir Juden aller Länder Europas r»e Sonne der Freiheit schauen! In Memer Lage muß Ich viele Interessen ausgleicken und Pflichten erfüllen. Hätte Ich dre Welt' rrplett. dann wären die Juden weiter. Eist wabr. Ich liebe Ihre Nation; Sest zwanzig Jahren erblicke Ich. Eure.Kaufleute an Meiner Seite, auf den Schlachtfeldern Italiens,'-und m den Gefilden Spaniens hat mancher Jude für Frankreichs Größe fein Leben gelassen. Ich billige eö. wenn Ihr auch in Preußen nach Rechten strebt. Preußen hat große Ptaffrnmacht, das ist schlimm. Ich gebe meine Zustimmung;n den Anstrengungen, die Ihr beginnen wollt. Alle-, was in meiner Macht liegt, werde Ich tun, Eure Bestrebungen zu unterstützen. Scnd Eure Amtrnicmngen einstimmig, dann könnt Ihr die Hoffnung hegen, die Dcui'chen zur ÄNerlcmiung Euier Rechte zu zwingen. Volker genug find durch unermeßliche Grausamkeit, die ste an dm Juden verübten, nicht ohne Berechtigung znginnde gegangen. Man bat «n die Welt.b'ncmßposaunt, Ich baue die Anrßernng getan: »Die Juden sind'die Raubritter nnscrer Zelt." W^ch eine schimpil'che Lüge! Mein Gott, waS toll Ich in letzter Zeit n-cht Alles gesagt und geschrieben haben. Jetzt, mein Herr, bade Ich einige M'tte lunaen gemacht, die Ihr Herz e> krenen werden. Wahr lick, wie Ich geschrieben habe, so denke Ich! ^er Kaiser Frankreichs ist dankbar! Alle Lieieinnge« schnell nach Kowno. Geben Nns die Gelder aus. so gilt Mein kaiserliches Woit.'^Jch zahle rede Forderuny! MeinHerr. Ich habe die Ehre Napoleon!" Dieser Brief ist lnstori'ch. denn er entstammt einer rnverlästigen Quelle. Gras von Segur bat selbst im Dienste- Napoleons gestanden und dessen letzte Feldzüge m»tgemacht. denen Halskette/ des Schatzes deutlich« Älutfpu«« her« vortceten gesthen und gleichzeitig die Erscheinung ein«! Frau „gefühlt, der augenscheinlich einst di« Juwele«! gehört hätten und die der Kleinodien wegen vor Jahrhunderten ermordet worden sei (!) . . . , j . Die „Blutjuwelen" bilden auf Grund dieser Zeitungsverösfentlichungen gegenwärtig den beliebteste« Gesprächsstoff des geistergläubigen London und säms^! liche Spiritistenzirkel der Metropole harren erwartuag-i voll weiterer Enthüllungen. / Das erste Schiff von Odessa nach Palästina. Wie in vielen Städten EmovaS befanden stch auch in Odessa mehrere hundert palästinensische Judn, die vor Kriegsausbruch dahrngekommeu waren und, vom Kriege überrascht. de He'mre se nickit mehr antrcten konnten. Wie nun ouS Odessa über Warschau , berichtet, ist es nach langen Bei Handlungen M't drr russischen Sckrsis- und Handelsgssellschäit gelungen. 60V palästincnstschen Hcimatlo'en die He-mrehr nach Palästina zu ermögl'chrn. Die Abfahrt erfolgte am 29. November aus dem Dampfer .Rußland-, unter großen Feierlichkeiten, an denen der engltsche Kon'Nl. ein Oistzier dm. englrschen Milltärmissson. Delegierte der Odestaer Kehilla und zahlreicher jüdischer Körperschaften te ln abmen. Es wurden herzliche Reden gewechselt. Der engl sche Konlnk, wie auch der Vertreter drr, englischen MiliiäiM'fnon beglückwünschten die Heimkehrer zur Heim'eise und sprachen von - der Bedeutung des Ereignisses. Als duS Schiff unter den Klängen d-r r k w a h" m. See stach,, wurde die blau-weiße Fahne gehißt. , D?» Londoner „Blut-Iüwelen". Ein Vertreter der Londoner ,/vallY Mail", der das sogmannt« Goldzlmmer der Londoner Museums im Lancaster Hause besichtigt«, wo eine prächtig« Juwelensammlung au» der Aeit der Königln Elisabeth auf- . bewahrt wird, erfuhr van einer „km Besitz der Tatsachen befindlichen Autorität» die aber anonym zu bleiben wünschte," folgende merkwürdige Geschichten, die stark an die Romane der Gräfin Adlersfeld-Ballestrem erinnern: Die erwähnten Juwelen wurden vor etwa acht Jahren von Arbeitern bei Ausschachtungsarbeiten für den Bau eines Warenhauses in der City in der Nähe der St. Pauls-Kathedrale gefunden. Sie befanden sich in einer. vermoderten Holzkiste und umfaßten etwa 150 goldene und emaillierte Gegenstand«, Halsketten, Anhänger, Ringe, ungefaßte Steine und verschiedene Schmucksachen. Die Arbeiter Übergaben den Fund einem Beamten des-Londoner Museums, der ihn vierzehn Tage lang in einem Bureauzimmer aufbetvahrte und inzwischen das Schatzamt von der Entdeckung benachrichtigte. Die Kleinodien waren nach Aussage de- Gewährsmannes der .^vaily Mail" eine- Abends gegen 6 Uhr in der Beamtenwohnung abgegeben worden. Plötzlich, etwa urn^lO. Ahr nachts, verspürten der Beamte, seine Frau und Tochter trotz der warmen Juninacht in dem Zimmer, das bi« Juwelen enthielt, die Sensation einer eigenartigen kalten, frostartig anmutenden Temperaturveränderung. Etwas später betrat ein der Familie befreundeter Künstler, der sich viel mit Okkultismus beschäftigte, das Zimmer und überraschte die Anwesende» mit der positiven Erklärung, er sehe ganz deutlich in der Nähe der Juwelen eine Erscheinung, die er als einen schlanken, hageren Mann im elisabethanischen Kostüm beschrieb. „Die Gestalt blickte sehr ärgerlich darein, als ob sie sagen woMe: ,DaS sind meine Kleinodien, welches Recht habt ihr daran?'" Zwei Jahre später, nachdem die Juwelen bereitlängere Zeit im Londoner Museum ruhten, begab sich ein sonderbares Nachspiel. Ein berufsmäßiges „Medium", das nichts von dem früheren lVvrfall wußte, besuchte den Beamten in dessen Privatwohnung und beobachtete angeblich die nämliche Erscheinung, einen großen, hageren Mann in mittelalterlicher Tracht, zur Seite der Tochter stehend und sie mit bösen Blicken betrachtend; die Tochter pflegte, wie hervorgehoben se n mag, die Juwelen, während sie im Hause bewahrt wurden, zu putzen und hatte sich überhaupt des öfteren mit ihnen beschäftigt^ Der dritte sonderbare Fall, in dem die geheimnisvollen Kleinodien eine Rolle spielten, ereignete sich kurz vor dem Kriege. Eine sehr bekannte Spiritistin, der man die Juwelen im Londoner Museum zeigte, fiel in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kam. erklärte sie ihren Schwächezustand damit, sie habe auf einer gvl- Eingesendet. von Lot/, Houblgftnlt Rog«r-C3all«l Frenzäslsche Stlfcn von Reger-Ü«llftt| Houbigant Parfümerie FIORIS Wien, I., Oraben 29. ««, Sä GOLD BRILLANTEN g BjW?| Platt«, M»ln #n Fnl«*, OTiren, falsch« Zäbno, nIVe ittid»rx«xv»»<dn6« M« - verkaufen Sie am beste« iftreKt dam Juwallaro Oo!i)arbblter S. Holiapfel. düv IfS&j V/Ian, VI. [irarlahdferstraeee 79, oder Werkstbtte: I. Wothoits 17/13, Ws Zahlt Mehlte Prell«, da für eigene Verarbeitung. 90« liffla Eine Spende des Ex-Kaifers ifatrt für di« RettrrngsgeseLschaft. Wie wir im gestrigen Morgenblatte mitteilten,ist der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft aus diai' Schweiz von e'urem „treuen Wiener^ eine anonym« Spende von K 100.000 zugekommen. Nun wird bekannt, daß in der vorgestrigen Sitzung des Aktion»» Komitees der Vermögensoerwalter des Ek-Kaif«« Karl, Dr. Schager, ein an ihn gerichtete« Schreiben des Ex-Kgi'fers aus P r a n g i n s verlas in dem dieser erklärt, der Rettungsgesellschaft eine Spendy widmen zu wollen. Doch könne er in Anbettacht d» Eingriffe, die der österreichische Staat in sein Pnvadi vermögen unternommen habe, .leider nicht mehr «eb«^ als er hiermit schicke^. Dr. Schager erlegte hierauf einen Betrag von K 100.000. Ehrenpräsident gm WUczek beantragte, an den Adjutanten der Kaiser» ein Dankschreiben zu richten. Der Antrag Vurdls etme stimmig angenommen. Die bevorstehende Erhöh»»- der Brut» «ch Mehlpreise. Die durch die Landesregierung verschöbe« E Höhung der Brot- und Mehrpreise dürfte^ uns mitgeteilt wird, zum Jahresschluß i« AugrifL genommen werden. Das Ernährungsamt wird bis z«. dieser Zeit der Landesregierung über die Höhe Bov>s sch'äge gemacht haben, worauf dann nach Neujahr dtp endgültige Erhöhung vorgenommen werden wird. AU Grund für diese Maßregel wird bekanntlich btt ttttm0p{ lichleit des Staates, weiter die großen Zuschüsse zu vast Mehl- und Brotpreisen zu leisen, angegeben. Mißgeschick des Virtuosen Moriz Roseutha^ Beraubt n«d ansge-lündert. Don einem ganz besonderen Mißgeschick ist tfe# berühmt« Kammervirtuose Moriz R o se »thal betröffe» worden. Er ist am 20. d. M. mit dem letzte«, voe der Derkehrssper« hier eintteffende» Zuge von Pranach^Wren znrückgekehrt. Im Bahnhof herrschte es» riesiger Trubel und im Gedränge wurde chm gleich nach seiner Ankunft eiy krokodillederner Hand ko fse« mit einer vollkommenen Gilbereinrichtung, ungemein wertvollem Schmuck und sonstigen' Kostbarkeiten, die meist Andenken an Bewunderer seiner Kunst sind, sowie wich igen Dokumenten entrissen. Als er dann fei» Gepäck behob, stellte Herr Rvsenthal fest, daß ei« große Handtasche, die er als Gepäck aufgegebe« hatte, säst vollständig auSgeplündert angekommen ist. Auch ihr Inhalt war sehr wertvoll. Der Schade, de» der Künstler erleidet, beziffert'sich auf Hunderts laufende. Die polizeiliche Anzeige wurde sofort erstattet, doch ist es bis je-t nicht gelungen, der Täter habhaft zu werden. _______ Das Verschwinden der kleinen Mizzi Kram«, Aus der Spur de» Mörder« - ' DaS verschwinden der achtjährige« Schülerin Mwst .fltatnw ist noch immer nicht aufgeklärt und die Annahme daß die Flcischstücke, die am 24. v. M. von Frau Julie Steirer im Reifentol auf dem SchuttablagerungSplahe. Nächst der Laxenburgerstratze gefunden worden sind» von de« vermißt» Kind stammen, ist wohl sehr wahrscheinlich, aber noch nicht erwiesen. Am 21. v. M. ist Mizzi K^amm, di« im 1V. Bezirh. Jnzersdorferstraße 71. wohnte, verschwunden, Der daS hübsch« Kind an stch gelockt hat, ist noch nicht bekannt. Nunmehrdsst aber ein Verdacht gegen eine bestimmte Person oufgetöucht, die nach ihrer verbrecherische» Veranlagung wohl kür fähig gehalten werden konnte, daS verbreche» an dem Kind begangen zu haben. Ss ist . dieder am 90. März 1689 zu Wien geborene Stukkateur Max Ka* luscha, der nur fünf Häuser weit von der Wohnung devermißten KtndeS im Hause Jnzersdorferstraße 81 gewohnt hat. Gegen den Mann, der verheiratet ist, ist gegenwärtig beim hiesigen Landesgerichte ein Strafverfahren wegen Schandung eines unmündigen Schulmädchens anhängig. I« Laufe der Untersuchung wurde ermittelt» daß Kaluscha noch vier andere Mädchen in seine Wohnung zu locken versucht hat. Der Mann befand sich auf freiem Fuße. Die Hauptverhandlung, gegen Kaluscha war für den 1V. November angesetzt; ehe eö aber dazu kam, ist Kaluscha am 18. November aus seiner Wohnung verschwunden. Bisher sind' die ein» dringlrchsten Nachforschungen nach seinem Verbleib erfolglos geblieben. Ssienn man erwägt, daß der Mann in der unmittelbaren Nähe der Wohnung der kleinen Kramm gewohnt hat^ daß er so veranlagt war, wie man es bei dem Mörder deS kleinen Mädchens voraussetzt, ist der Verdacht nicht völlig' von der Hond zu weisen, daß vielleicht Kaluscha da- Kiud an sich gelockt hat. Die Nachforschungen nach ihm werde» eifrig fortgesetzt. Er ist mittelgroß, hat volles Gesicht» gesunde Gesichtsfarbe, schwarzes Haar, schwarzen, englisch gestutzten Schnurrbart, tänzelnden Gang, vorgebeugt« Haltung, und trug zuletzt kurzen, braunen Ueberrock und graue» Plüschhut.