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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-24 · Heft 332 (24.12.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 332 (24.12.1919)
Date
1919-12-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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s '!' Nr. chr , Wien. Mittwoch Wienit Morgenzeitunst 24. Dezember 1919' BtmI Telegramme. Oie Wirtschaftlichen Schwierigkelte« Frankreichs. Paris, 23^ Dezember. Heute um halb 11 Uhr totmittags findet im Elysöe ein Mi nisterrat statt, in welchem die wirtschaftlichen und finanziellen Vorschläge zusammcngefaßt werden sollen, die in den letzten Tagen Gegenstand zahlreicher, unter dem Vorsitze Poinrarss stattgefundener Beratungen, gebildet hatten. Insbesondere soll die Art der nächsten Staatsanleihe bestimmt und ein Mittel zu r Hebung der französischen Valuta gesucht werden. Auch die Erhöhung der Post-, Telegraphen- und. Telephongebühren, ferner Maßregeln gegen die Teuerung. Erhöhung -er Brotpreise, die Kohlen- und Transportfrage und schließlich die Erhöhung der Eiscnbahntarife bilden den Gegenstand der Beratungen. Ueberdies soll Finanzzninister Klotz im Kammerausschuß sein Exposö Hallen.! Berlin, 23. Dezember. Die „Vosfische Zeitung" sneldet aus Genf: FinaNMinister Klotz will der Kammer Vorschlägen, die Eisenbahntarife der 3. und 2. Wagenstasse um 70, und den Tarif der 1. Wagenklasse um 100 Prozent zu erhöhen. Die Frachtentarif« sollen um 140 Prozent erhöht werden. Das Programm des Intetttatf ottafett Sozialisten- Kongresses. London, 23. Dezember. (Del.-Komp.) Der DollrugZrat des internationalen Kongresses der sozialistischen Parteien hat beschlossen, den Kongreß, der im Februar ln Genf zusammentreten sollte, bis zum 31. Juli 1920 mfzuschieben. Der DollzugSrat verüssentlicht ein Programm mit folgenden Punkten: 1. Baldige Ratifizie- Mirg des Friede ns Vertrages, entweder mit gewissen Vorbehalten oder mit einer vorläufigen Aenderung, Ke ein sofortiges Inkrafttreten des Friedens ermöglicht, besonders verlangt der Vollzugsrat die endgültige Feststellung deZ Betrages der Schadensvergütung. 2. Baldiger. Zusammentritt des Völkerbundes. 3? Friedens- Schluß zwischen Rußland und den Übrigen Mächten. 1. Gründung eines internationalen Wirtschaftsrates, m dem Arbeiterorganisationen vertreten sind. ü. Eine internationale Anleihe, die die sofortigen Bedürfnisse m Nahrungsmitteln decken sollen. Englands Schwierigkeiten in Aegypten. Rotterdam» 23. Dezember. Die „Morningpost" meldet ,us Kcnrvi daß die anfänglich auf die Milner-Kommission geetzten Hoffnungen schnell abgenommen haben. Die Stimmung imrr der Bevölkerung werde immer gereiuec. Die Emgeborencnrcrichte haben für eine Wochen ihre Tätigkeit eingestellt. Dt« Studenten sind von fanatischer Wut gegen bu Müner-Kommissio« «füllt. Die Adriafrage und der Friede mit der " Türkei. London, 83. Dezember. In Beantwortung einer Anfrage «klärte BonarLaw im U n t e r h a « s e, daß die beiden!' auptsächllchstrn Fragen, die auf der' nächsten Interalliierten- Konferenz in Paris werden besprochen werden, die Adriar a g e und der FriedmSvertrag mit der T ü r k r i seien. Die polnischen Sozialisten für eine Verständigung mit den Ukrainern. Dem Ukrainischen Pressedienst wird aus Warschau gemeldet: Die Zeniratteitung der Polnischen Sozialisten-Parte» sP. P. S.l bat den Beschluß gefaßt, in einer gemeinsamen Konferenz mit Vertretern der ukrainischen sozialistischen Parteien dre Regelung her allgemeinen Beziehungen zwischen Polen end Ukraine zu versuchen. Zur Pathologie der Juden. I. Nervenleiden. Bon De. Sanrl Beer. Wie es zweifellos einen Unterschied' des Einzellttdividuums oder der beiden Geschlechter bezüglich der Empfänglichkeit, des Verlaufes einer Krankheit oder fer Häufigkeit der- Sterblichkeit gibt, so fielen einzelne Kassen und Völker durch ihre pathologischen Merkmale tuf. Nur zu bekannt ist daS differente Verhalten der veißen und fchlvarzen Raffe gegenüber gewissen' Jnlekt-ionSkrankhciten. So dezimieren Masern, auf eine Fnsel verschleppt, bie bodenständige Bevölkerung, vährend Europäer im Gegensatz zu d^n Eingebornrn!>em Gelben Fieber oder dem Wrchselsieler nur geringe lViderstandöfähigkcit entgegensetzen. Zur Erklärung bicfec Empfänglichkeit werden zuerst Rafsentheorien heran gezogen, die sich aber mit fortschreitender Kenntnis der Jmmunitätslehren älS nicht stichhältig ertsiesen. Unter diesem Gesichtspunkte bildete sich im Volke änd in der medizinischen Literatur der Glauoe ans, daß die. Juden von. gewissen Krankheiten verschont würden. SchoN im Mittelalter, zur Zeit des Schwarzen Todes, wurde die vermeintliche Immunität (Unempfänglichkeit) dev Juden gegen Pest und. Cholera zum größten Unglück für sie, denn man beschuldigte sie damals mangels der Kenntnisse Über die Berbreitungsart dieser Krankheiten der Brunnenvergiftung und des Einverständnisses nit dem Satan. Diese sogenannte ^Immunität, di« zar nicht überall besteht, ist keine ethnische Eigentümlichkeit, sondern begründet in den sozialen Verhältnissen und der Mäßigkeit int Alkohol. - \ . , Außerdem spricht man von Judenkranlheiten, von Leiden, die die Juden angeblich in größerer Häufigkeit befallen. Der Wiener.Psychrgter Pilar wollte sogar eine Pfychvris judaica abgcgrenzt wissen, womit er zweifellos etwas übers Ziel schoß. Es aibl keine btf&i* Neves Friedensanbot Sowietrußlands an Polen. Verhandlungen feit April. Moskau» SS. Dezember. (Funkspruch.) Der VolkSlom» mistär des Auswärtigen, T s ch i t s ch e r i «, wendete sich gestern sn einem Funkspmch an dir polnische Regierung mit einem FriedenSvorschlag. Tsckilscherin erinnert die polnische Regierung, daß mit ihrem Moskauer Vertreter W e n e k o w S k i feit April dieses Jahres ergebnislose Verhandln n'g e n aepflogen werden. Die Arußerung des polnischen Unter staatSsekrelärS Skroczhnski vom 83. November, daß Polen niemals ein FriedenSanbvt von Sowjet-- rußland erhalten habe, entspreche daher nicht den Tatfachen. Sowirtrußland sei gerne bereit, einen 'dauerhaften Frieden mit Polen zu schließen, damit d a S B l u t v e rhießen beendet werde und beide Länder ihr Wirtschaftsleben entwickeln können. Die Sowirtrepublik hoffe, daß Polen stch zu Berhandlunflen. derenOrt «ndZeit «3 bestimmen möge, bereit erklären werde. Baku und Batum von den Engländern besetzt. Moskau, 23. Dezember. Baku und D atum wurden neuerlich von den Engländern besetzt. Kaiser Wilhelm will vor einem Gerichtshof der Alliierten erscheinen. Berlin, 33. Dezember. DaS „Berliner Tageblatt" meldet aus Bafel: Nach der „Daily Mail* soll Ex-Kaiser Wilhelm stch nun damiteinverstanden erklärt haben» vor einem Gerichtshof der Alltiertenz« erscheinen. Er wünsche jedoch, dm Ort und dm Zeitpunkt selbst z« bestimmen und von deutschen Juristen verteidigt zu werde«. Die Liste der verfolgten deutsche« Militärs fertiggeftellt. London, 23. Dezember. (Tel.-Komp.) Die Liste der aüszuliesernden Deutschen ist jetzt fertiggestellt. Sie umfaßt insgesamt 1500 Namen,-darunter einen Sohn des Kaisers und den Kronprinzen Rupprecht von Bayern, lieber den früheren deutschen Kaiser sollen Sonderbestimmungen getroffen werden. ' Proteststreik wegen Lebensmittelausfnhr a«S Südafrika. Lündo«, 22. Dezember. (Tel.-Komp.) Me au» Kapstadt gemeldet wird, hat dort gestern als Protest gegen die Lebensmittelausfuhr aus Südafrika ein Streik der Dockarbeiter begonnen, der sich zu eiyem allgemeinen Streik auszubreiten droht, wenn die Regierung ,den gestellten Forderungen nicht entspricht. Die österveichisch-nngarifchen Verhandlungen gescheitert? Budapest, 83. Dezember. (Del.-Kvmp.) Den Blättern zufolge sind die zwischen der österreichischen und der ungarischen Regierung in den letzten Tagen in Budapest gepflogenen Kompe nsatumSverhand lungen vorläufig abgebrochen worden, da eins Verständigung noch nicht erzielt werden konnte. Die Verhandlungen werden nach den Feiertagen wahrscheinlich in Wien fortgesetzt werden, wohin sich die Delegierten der ungarischen Negierung begeben werden. * ,jr: Bor einer ungarische« Regierungskrise? Budapest, 23. Dezember. (Ung. Tel.-Korr.-Bm.) Die Mitglieder der Regierung traten heute um 6 Uhr abends im Palais des Ministerpräsidiums zu einem . ii,.„..im! tun J± .m.Ufli.LJ fische jüdische Jrrfinnsart, sondern der Unterschied zwischen Juden und Christen liegt allein in der Häufigkeit der Geisteskrankheiten bei erster««. Die vergleichende Rassenpathologie bestätigte kaksächlich die Auffassung, daß die Juden von den sogenannten funktionellen nervösen Afsektionen, besonders Neurasthenie und Hysterie, mehr ergriffen werden. Di« meisten der unter Juden praktizierenden Aerzte müssen die Häufigkeit der Sprüngen des Nervensystems unter dem jüdischen Volke zugeben. Die Nervosität äußert sich schon in der großen Aengstlichkeit und der Aufregung dev jüdischen Eltern, wenn sich auch nur ein leichter Krankheitsfall in der Familie ereignet. Ein Todesfall gar löst bei Juden viel heftigere Schmerzen-- auSbrÜche mit nachhaltigerer Wirkung aus, als bei den Nichtjuden. Nach von ZiemsenS Behauptung geht überhaupt ein neurotischen Zug durch daS Volk der Inden. Ein nicht geringer Teil der hysterischen Anlage der östlichen Juden ist zweifellos auf den strengen orthodoxen Kultus Und Ritus zurückzuführen, der Geist nnd Gemüt so ungebührlich in Anspruch Nimmt, daß, wer Gott und sich selbst gerecht werden will, alle seine Kräfte aufs äußerste anspannen, nervöS und schließlich hysterisch werden muß. (Hepner.) Schwere organische Gehirn- und Rückenmarkskiden taffen wir bei den Juden viel seltener an, wohl deshalb, weil sie weniger dem Alkoholismus ergeben sind und infolge des solideren Lebenswandels auch seltener Syphilis akquirieren. Die große Armee der Neuro- und Psychopathen unter den Juden ist nicht di« Folge einer anatomischen oder physiologischen. Besonderheit, wie von gelehrte« Grarern behauptet wird, sondern ihr« Ursache liegt in "der Geschichte der unsäglichen Leihen und deununterbrochenen Martyriumde» jüdischen Volkeseit zwei Jahrtausenden. Kein Bolk hat gegen ungünstigere Verhältnisse und da^ Nervensystem aukreib««- dou Widerstände zu käftipkcn c. Ministerrat zusammen, woran sämtliche Mitglieder des Kabinetts teilnahmett. Nach Erledigung laufender Am gelegenheiten wurde in den späten Abendstunden mit der Beratung des Memorandums der soziale demokratischen Partei begonnen. Prinz Wlndischgratz in Budapest» Budapest, 23. Dezember. (Ung. Tel.-Korr.-Bur) Wie die Blätter melden, ist der ehemalige Ernährung^ minister Prinz Ludwig Windischgrätz in BudapM eingetroffen. Wahlvorberettttnpe« der deutschen Partes in der Lschecho-SlvWakei. Prag, 23. Dezember. „Narodni Listy" wM erfahren haben, daß sich die Vertrauensmänner vtlerj deutschen Parteien in der tschecho-slowakischen Republik entschbossrn hatten, mit Rücksicht auf die bestimmte Er^ klärung des Ministerpräsidenten Tusar, daß die Par-« lanrentZwahlen gleich nach Neujahr angcvrdnet werben sollen, unverzüglich die notwendigen Vorbereitungen einzuletten. Die deutschen Sozialdemokraten und die bürgerlichen Parteigruppen wurden in der Wahlaktion gemeinsam Vorgehen.!. Dasselbe Blatt steM fest, daß sich an den Beratung^ der Negierung mit den deutschen Parteivertretem die * agrarischen Minister des Kabinetts nicht beteiligt hätten, so daß die Verhandlungen als ein Unternehmen bloß , der beiden ^pzialistischeu Parteien erscheinen. , . Dev Prozeß Iirak. . Prag, 23. Dezember. (Privat.) Heute findet unter großer Teilnahme die Verhandlung gegen den ehe^ maligen Sektionschef des Finanzministeriums, IiraK^ statt. Die Anklage hält ihm vor. daß er dem Sekretär des Ministers Benesch 300 Aktien der Kreditbank anbot, dem Minister selbst aber 20 Millionen Kronen und außerdem 4% Millionen Franks. Ferner 5 Centimes vom Kilogramm der 300.000 Tonnen Zucker, die an bas holländisch-ftanzostsche Konsortium geliefert werden sollten. Der AngeÜagte soll dem Minister gesagt haben .' »Du mutzt selbst, stark und' reich sein und wir klinnen Euch sehr viel Geld zur Disposition stellen.* Iirak leugnet alles ab und er-j klärt, seine Angebote seien mißverstanden worden. Er produzierte auch ein Schreiben de- Ministers Beneschworin ihn dieser zu Transaktionen zur Geldbeschaffung für den auswärtig rn Pressed ienft autorisiert. Der Mitangeklagte, Direktor der Kreditbank T u m a, versichert, daß er von den Transaktionen - Jiraks nicht das geringste gewußt habe. Heute werden noch einvemommen die Minister Benesch und tzeidler und der ehemalige Minister Raschin. Die Verhandlung , dürfte erst spät nachts beendet werden. - Der verpönte Alkohol i« Amerika. London, 23. Dezember. (Tel.-Komp.) Die „Dmes^ meldet aus Washington: Bei der Abstimmung über das Alkoholverbot erhielt die Partei, die ftch gegen? dm Alkoholgenuß erklärte, die Mehrheit. ' h v^| Der Kriegszustand -« Amerika aufgehode»^ Basel, 23. Dezember. (Tek-Komp.) Die Preß-! information berichtet aus Washington» daß am 1. Jänner in den Dereinigtm Staaten, der Kriegszustand und alle dadurch bedingten Einschränkungen durch eine amtliche Kundmachung ausgehoben werden sollen. Die pathologischen Unterschiede, di« zwischen den Juden und den nichtjüdischen Bewohnern bestehen, lassen sich sowohl durch die Unsumme der ans gestandenen Leiden als auch durch die verschiedenen sozialen» Und nirtschaftlichen Bedingungen erklären. j Da « ungeheure Anwachsen der jüdischen Nervvsitäc itt den Jahren bei Kriegennd der Pogrome beweist, drre'r Zr'ammenbang mit den seelischen Verwundungen/ die Todesangst, Mord, Verfolgung und Beraubung irr den Gemütern hinterlassen haben. Dazu kommt betf Umstand, daß Städtebewvhner, welche di« Juden vorzüglich sind» an und für sich ein hohe- Kontingent ar« Nemr-pather stellen. DaS aufreibende Berufsleben» die unsichere Existenz, die rastlose Geschäftsgier» die Spe* kutaiione't verursachen nicht wenig Kummer und Sorge»' so gerät das ruhelose ermüdete Gehirn beS Inden bei minoerentwickeltem Körper unter geringfügiger Ursache leicht in Unordnung. Bon einigen Nervenärzten werden auch dir vielen Verwandtenehen sür die Nervosität der Juden verantwortlich gemacht. \. Aber gerade die untzehrure Steitzerung der Nervösen und' Zitterer bei allen am. Weltkrieg' öe-, , teiligten Völker erklärt mit erschreckender DenikichkeitZ baß oie Nervosität der Inden nicht, eine ethnisch« Eigentümlichkeit, sondern ein trauriges Erbteil ihrer nnsthandelten Ahnen, eine traurig« Folge ihrer psychischen Insulte und ihrer sozialen Nöt ist. , So hat leider die Rassenpathologie recht, was dH Häufigkeit der Nervenkrankheiten im jüdischen Botke betrifft, für eine Zunahme anderer Leiden fthlt der Beweis. > Wenn man so di« Ursache der neurytischen Diathese der Jude« nicht in einer Eigentümlichkeit der Rasse erkannt hat, dann bleibt auch di« Hoffnung, dag neben eugenetischen Bestrebungen eine Besserung der sozialen Verhältnisse des jüdischen Volles und em Aushören der physischen und psychischen ^dv,ickru!ae>r /Genesung.herüeiMvm wird.

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