Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 327 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Seite 4 Wien. Freilag Wiener Morgerrzeitunk 19. Dezemver 1919 Nr. 327 D'Anrmnzio verläßt F'nme. Dnceari, 16. Dezember. (Südslaw. P.eßbur.) Gestern hielt der Nationalrat in Fiume eine ^Sitzung ab, in welcher mit 48 gegen 8 Stimmen besch.'o'sen Wurde7 daß der jetzige Zustand aufgehoben und mit der italienischen Regierung ein möduZ vivendi gefunden werden müsse. Es wurdeauch der Wunsch geäußert, daß reguläre italienische Truppen Fiume besetzen. A.'s die Berö kerung ton t irsem Beschluß in Kenntnis gesetzt wurde, strömte sie in Massen vor das Palais des Gouverneurs, während alle Glocken der Stadt geläutet wurden. Auf dem'Balkon erschien b'AnuuNzio, der erklärte, es sei noch nicht entschieden, ob der Beschluß des Naiionalrates sanktioniert werdenrvü.de. S it gestern befin et sich d'Annün?,io lnicht mehr in seiner Wohnung, sondern ruf dem Dampfer- „Pannoma", der zur Abfahrt bereit steht. Man erwartet, daß die „Pannoma" noch heute abends oder morgen auslaufen werde. Krawalle i« Fiume. Fiume, 16 Dezember. (Südslaw. Pccßbur.) Gestern abends fanden hier Demonstrationen statt,, an welchen sich Soldaten und ein kleiner-Teil der Bevölkerung beieiliglen. Die Soldaten d-Annunzios wollten - gegen Sussak Vordringen, wo ein starker Kordon. regulärer Italienischer Truppen, ausgestellt war. Die Hauptstraßen und die Brücke von Sufsak waren durch Drahtverhaue geschützt. Als die So baten d'Annunzios sahen, daß sie nickt Vordringen konnten, kehrten sie nach Fiume zurück, ch Der Garni'onskomm-ndant von Bolosoa, Oberst Davon ist wegen seiner Propaganda zugunsten d'An- »nmzio alaesetzt worden. Er hatte seinerzeit eine Verordnung erlassen, wonach alle die'enigen, d'e'nack Jugoslawien geflüchtet waren, ihr H.imats-echt in Vow?ca verliere'. In"'o^oedessen hatten 'die Familien einiger Flüchtlinge den Auftrag erhalten, Volosca zu verlassen. Die Schweiz für die Rettung der Kinder. Bern, 18. Dezmiber. (Mrldung der Schwei;. Depeschen. Agent.) Ein Zentralvcrband der Hilfsstellen ist rmt-r der Patronanz des internationalen Komitees vom Roten Kreuz gezründet worden: Das Ziel des Verbandes ist die Sammlung nnes internationalen Fonds zum Zwecke der Rettung der. drei- - ünhalb Millionen europäischer Kinder. Der erste Beitrag wird Sas Ergebnis der in den Kirchen am 28. Dezember, dem Tag Zer Nnschuld'gen Kinder, veranstalteten Kollekten sein. - Karoltzi kehrt nach A»7arn zurück. Budapest, 18. Derember. (Tel.-Komv.) Wie „R»mzrti lljzag* meldet, hat Gras Michael K a r o l % i den Einschluß. geiaßr, rnch Ungarn zurückzukelnen. Kürolm wurde mit Garaml gemeinsam vor kurzer Z'it vom Präsidenten Pi a s a r h k empfingen, mct dem er, wie es Heist!. Berein^aiunaen abgeschlossen hat. Zwischen Garami und dm Tickieckiv-Slowaken bestehe nach sem gleichen Blatte eine ständige Verbindung. VombenatLentaLe in Madrid und Barcelona. Parks» 18. Dezember. (Funkiprueh.) Airs Madrid rmd Barcelona w.rd von Zusammenstößen' rnd Bombenartentaten berichtet. Viele Personen rmrden verwundet, darunter mehrere schwer. Einstellung des Personenverkehrs in der Tfchecho-Slowakei. Prag» 18. Dezember. (Tschecbo-slow. Preßbnr.) Infolge des Koblevinangels wrrd ow allen E senbahvlmien der lichcchollowokischm Republik von Mittwoch den 24. d. M.. Mitternacht, »is Samstag den 27. L M.. Mitternacht, der gan'e Persancnjugsverkchr m t Ausnahme der EmenteschnellMe Piag-Paris rnd Warschau—Paris emoesirllt werden. rnS. Schabe, daß Klatzkin diesen Schritt nicht vollzogen ^rt; er wäre sonst zweifellos daraufgekommen, daß bei dem Ltande der heutigen national-theoretischen Einstellung und tzrer strengen Trennung des Staatsbürger- -und Nationbsgriffes ein' großer Teil seiner Ausführungen, die sich immer und immer wieder nur in das spezifisch-jüdische Problem verbeißen, gegenstandslos ist. Prinzipiell Stellung zu nehmen zu Liesen Gedankenzangen scheint uns hier nicht erforderlich. Wohl aber wäre rs interessant, festzu-stellen, worauf es zurückzuführen ist, kaß Klatzkin trotz seiner dialektischen Begabung verhältnismäßig enge' Grenzen der Erkenntnis fand. Hier' scheint, psychologisch betrachtet, ein charakteristischer Prozeß vorzustegen, der sich zunächst schon dadurch'verrät, daß Klatzkin tben wiederum, wie es so häufig geschieht, das jüdische Problem aus den allgemeinen Menschheitsproblemen so isoliert herausgreift, als wäre es etwas ganz Exzeptionelles. Klatzkin ift nämlich, so heftig er sich auch gegen das spiritualistische Judentum wendet, selbst nur ein spiritualistischer Jude durch rnd durch. Kaum hat er die Säkularisierung des Judentums begrifflich durchgeführt, fallt er in den charakteristischen Fehler, daß er bei der Frage nach den nationalen Formen -es jüdischen Volkes nur solche Formen findet, die Ausdrnckslormen nur des spiritualistischeu Judentums sind, so daß er die Frage, ob nicht auch' ein rein weltliches Judentum lediglich aus seiner wirtschaftlichen und soziologischen Struktur national widerstandsfähige Formen schassen könnte, Überhaupt nicht begreift. Und im weiteren Verlauf seines Buches, wo er Palästina dem Galuth gegenüberstellt, spricht er von Volljuden und' Halbjuden genau so, wie eben nur ein An-! Hänger des splritualistischen Judentums sprechen kann, und ohne zu bemerken, daß auch «jedes andere Volk, wie zum Lrispiel die Deutschen, Volldeütsche und Halbdeutsche kennt — wobei die Vorsilbe „voll" allerdings "gewöhnlich gerade die chauvinistischen und auf imperialistische Expansion bedachten Elemente bezeichnet. Und das dürfte kaum im Sinne Klatzlins sein. Heinrich Margu lies. Konferenzen der Vertreter der deutschen Parteien mit der tschechischen Rrgierunz. Pra18. Dezember. (Tel.-Komp.) Die -Verschlechterung der ^rnährungslage und die steigenden Schwierigkeiten in der tschecho-slowakischen Nepublik. die zu einer förmlichen Krise geführt haben, unter der vor allem die deutsche Bevölkerung im tschecho-slowakischen Staat schwer zu leiden hat. sowhe die fortgesetzte Verschärfung der politischen Verhältnisse haben einen Zustand geschaffen, der für die Deutschen immcr unerträglicher wird und nach einer raschen und gründlichen Lösuüg drängt. Aus biefern Grunde ist der Versuch unternommen worden, eine Aussprache zwischen den deutschen Parteien und der Regierung herbeizüführen, die am Samstag, beziehungsweise Montag statlfinden wird. Ministerpräsident Tnsar Hat veranlaßt, daß die Aussprache mit den Vertretern der deutschen sozialdemokratischen Partei, der deutschen Gewerkschaft-- Kommission und des deutschen Wirtschaftsverbandes in der Tfchecho-Slowakei am Samstag und jene mit den Vertretern der bürgerlichen Parteien am Montag im Ministerratspräfidium stattfindet. Zum erstenmal werden also die deutschen Parteien Gelegenheit haben, ihren grundsätzlichen Standpunkt in den Fragen des Verhältnisses der deutschen' zutti tschechoslowakischen Staate «nd über die augenblicklich aktuellsten Fragen der Regierung gegenüber zu vertreten. Die selbständige tschechische Staatsrank. Prag, 18. Dezember. (Privat.)FinanzministerS onn t a g erklärte heute in der Nationalversammlung. daß er un Vau5t des Monates Jänner dreBoilage betreffend die Euitlttung einer selbständigen tschecho-slowakischen Staatsbank einbringen werde, ferner eine Vorlage betreffend die Bereinigung sämtlicher Landesftuanzinfhtiite. ___ ( Tagesbericht. Dst: Papst gegen Ken Chauvinismus. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung* meldet ans Rom! Es verlautet, daß die Rede des Papstes int geheimen Konsistorium großen Eindruck auf die anwesenden Kard »Lle gemacht habe. Der Wortlaut der Rede soll später, wenn'd.e' polnische Lage sich gebrffert und die erreg'en Gemüter sich beruhigt hätten, veröffentlicht werden. Der Hauptpunkt. der-^Rede bestand in Klagen darüber, daß dir Katholiken — die höchste Geistlichkeit nicht auSg en o m m en --- i n d e n v e r s ch irdenen Ländern dem wildesten Nationalismus und dem Bölkerhaß aehuld i g t h 8 t ic n. Ferucr bedauert« der Papst die verschiedenen G e w a l t f t i e d e n, die erneu chrM chm Dauerst even verhindert hätten. Codaun sprach der Papst den Wunsch aus, daß der Völkerbund Besiegle und Sieger brüderlich vereinigen möge. Er richtete, an die Kardinale dm emste Mahnung, in diesem Sinne.zu wirken. Schließlich untersagte er allen Missionären, die n.atronalrstischePropag a n d a unter den Eingcbornen irgendwie zu begünstigen oder zu bct'.e ben. Die „Wiener Stimmen", ein Organ des praktischen Eingesendet. Am Storni Cholojov Verlobte. Wim im Dczember ISIS. Loses Zglcr Sombor. > Verein „Ahawath Zion" veranstaltet Samstag den 20. Dezemb.r 1919 in den Prachtskilm des „Phönix-PakasteS", ll. Praterstraße 26 (neben dem Lustspielthealer) eine (neben dem Lustspielthealer) eine Programme Liihtanzönben: KantorA.J.Feuer mltvertiSrNem Thor. FeflrederLr.Meter Geier. SioNnvortröfte rKomerim, IsterAimbler. Seian!,«vortrS„e: Mitglieder der Jüdischen Bühne. Rezitation: Sr. David Eilderschein. «nfdliegfflb Tanz. Musik besorgt eine 24. Mann starke Kapelle. Entree im Borvci kauf 5 Ki onen. Begmrr 6 Uhr abends. Karten im Lorverkauf bei LSwit, I.,Rotenturmstiahe '.r, «nd ab heute abends im BereinSheim, U., Etuwerslraße »S/S. I GOLD BRILLANTEN! 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Die Abgeordneten werden von einer Volksküche verpflegt. **. Berlin» 1«. Dezember. Jrstolae des gestrigen SBeTcbTuTTcS der Berliner Gastro rte und Hotelbesitzer sind heute die Rest a u rg tie neit btt tÄ « e g S g el ch t o ff e« AuckdiA' B.thnhoiwirlsck'ätt.'« verabrercheu weder Svesien noch Getränke. ' Da auch die G.rstw.rtscha t im Gebäude der N rtionalver' ammluna nicht rm Betrieb ist. wurden t>en Abgeordneten etwa 300 Gedecke von einer Volksküche mittels Fcldküchenwagms zugeführl und zur'Verfügung gestellt. Ko' le »nd Mehl für Wien. Amsterdam, 18. Dezember. Dem »Telegröast'-llO wlge hat die brit sehe Regierung dem englischen HilfSäuSschutz tür -Wien ihre volle Unterstützung zugeiagt und erue ausreichende Menge Steinkohlen nach Wien zu senden beschloffen. Berlin, 18 Dezember. Die für das hungemde Deutschösterreich bestimmten 80 0 Tonnen Mehl, die durch d>e wöchentliche Er'paruis von HO Gramm für die Brotkarte van der yeuiichm Regi.-rung der österretchi'chen Regierung zur Verfügung gestellt werden können, sind, wir die »B. Z. am Mittagerfährt, letzt im Abrollen nach Lesterrerch begriffen. Dir verkürzte Brotguote. Da sich dir sju'chübe. vor allem aus dem Süden, au- Triest, noch immer nicht gebeffe« haben, wird auch in der nächste» Woche nur die » e r m »n d e r t e M e h t- « n d B r o V güvte in demselben Ausmaß wie in dieser Woche ausgegebe» werden tonnen. 14 Terroristen in Budapest hingerichtet. Budapest» >8. Dezember. (Ung. Tel-Korr.-Vnr.) Nachdem die Kurie die Begnadigung der zum Tode verurte ltea 14 Terroristen ahgilehnt batte, wurden Gabriel Schön-Goldberger. Alexander MrszaroS, Gcza Gros, Johann Steiger, Ludwig Küver, Max Max. Franz KataS. Geza Rmmayer-Nagy, Martin Löscher. Moriz Löbl. Trbor Bonhbati, Gabriel Csomor, Alexander Pap und Joses CSernh heute vormittagS rm Hofe des MilttärgefangenhauseS auf dem Margaretenring durch den Strang Eingerichtet. Aus den G^eimniffe« der Wnrstfabrlkation. In den letzten vierzehn Tagen haben in Meidling die den Bezirkswucherstellen zugeteilten Arbeiterräte :at Bereist mit Organen der Polizei, des städtischen Marktamtes und. Veterinäramtes Nevisionen bei fast allen Pferdefleischhäüern de»' Bezirkes vorgenommen und dabei haarsträubende uich direkt widerliche Zustände vorgefunden, die von sachverständigen Amtspersonen (Tierärzten und Marktinspektoren) fest« gestellt: und protokollarisch ausgenommen wurden. Es wurden, von kleineren Anständen abgesehen, beim Pferdefleifchhauer Anton Halzl 65 Kilogramm'Wurst und 80 Kilogramm Wnrstfleisch beschlagnahmt und noch an Ort und Stelle festgestellt, daß sowohl in der Wurst als auch im Wurststeisch nicht nur. wie es schon allgemein Brauch zu. sein scheint, rohe, behaarte Hautstücke in großen. Mengen enthalten waren, sondern auch männliche, und n e iblicheGeschlechtSteile (Gsbärmutterteile, Schläuche usw.), eine Menge verdorbenes und gesundheits« schädliches Fleisch nnd, so unglaublich es klingt, auch ganze Pferdeaugen. Beim Pferdefleischhauer AloiS Hellar wucken 29 Kilogramm Wurst konfisziert, deren Inhalt nach amllicher Untersuchung gleichfalls aus Haut-, Angen- und Geschlechtsteilen zusammengesetzt war. rvergeuvetes Blut und Geld. Der.,Carnegie-Fonds für den internationalen Frieden" veröffentlichte soeben einen Bericht über die dire^en und indirekten Verluste, die der Krieg dev Weltverursacht hat. Diese Verluste betragen 1.2,990.571 Tote und 331.613,&42.ö60r Dollar. Die Kriegstosten der einzelnen im Kriege engagierten Länder »verden auf 186 Milliarden Dollar geschätzt. In dieser Summe sind auch die Schäden inbegriffen, welche die Neutralen erlitten haben und mit 1,750.000 Dollar bewertet werden. Ebenso schließt diese Ziffer auch de» mit 45 Milliarden angenommenen Produltionsentgang und die mit einer Milliarde bewerteten Unterstützungen, die während des Krieges verteilt werden mußten. Auch das Leben der Soldaten hat seinen Wert, der in der obigen gesamte» Derlustwertzlfser inbegriffen ist. Der Verlust an Besitzwerten verteilt sich wie folgt: zu Lande 29,960.000 Dollar, zu Wasser 6800,000.000 Dollar (Schiffe und Ladung). Die Zahl der identifizierten Toten beläuft sich auf 9,998.771, diejenige der als tot angenommenen Vermißten auf 2,991.800. Im übrigen gehören in die Totenliste des Krieges auch diejenigen, die später infolge ihrer Verwundung, einer Krlegskranihcit, Epidemie, infolge der Entbehrungen und der phyiischen Erschöpfung gestorben sind. — Der Carne-ie ^onds wurde durch Ernest L. Bo gart, Professor der politischen Oelonomie an der Universität von Illinois ins Leben gerufen. - -vr. vernimrv muna gestorven. Mittwoch ist hier dk Bibliothekar der Wiener Kultusgemeinde Dr. Bernhar Münz im 64. Lebensjahre gestorben. Ein gebürtiger Lest niler. war er durch sein tiefe« Wissen in der Gekehrtenwe sehr bekannt und geschätzt. Aus seiner Feder stammt ein ganze Reihe philosophischer Werke, so: „Die Keime der Ei kenntinstheorie in der vorsophistischen Periode der ariechiscke Phllosophie", »Dr« Erkenntnistheorie^ des ProtaaoraS „Lebens- und Weltfragen", Froschommer, der Philosop V-j, .;. S. « Äiuututu« 5at)irciajct ^euunne und Zeitschriften. Die Beisetzung erfolgt heute um 10 Ul vormittags auf de»n neuen indischen Friedhof (3. Tor d, ZentralfnedhofeS)