Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 325 (17.12.1919)
- Date
- 1919-12-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Ar. 825 "Men, Mittwoch Aus den Makkabäer-Büchern. Die Abtrünnigen. In jenen Tagen gingen aus Israel ruchlose Leute auS, und beredeten viele, indem sie sagten: Laßt unS gehen und einen Bund schließen mit den Völkern, die rings um unS sind; denn seitdem wir uns von ihnen abgesondert, haben uns viele Leiden getroffen. - Und diese Rede gefiel tn ihren Augen. Und einige aus dem Volke warfen sich auf und reisten hin zum Könige, und er gab ihnen Erlaubnis, die Weifen der Heiden einzuführen. , Und sie bauten einen ÜebungSplah in Jerusalem nach den Sitten der Heiden. - Und sie stellten sich die Vorhaut wieder her und fielen ab vom heiligen Bunde und gesellten sich zu den Heiden, und bestrebten sich, BoseZ zu tun. 1. Buch, Kap. 1 (il—>18). Die Skst. Und eS jammerten die Fürsten und die Nettesten, Jungfrauen und Jünglinge seufzten, und die Schönheit der Frauen ward entstellt. Jeder Bräutigam erhob Klage, und die im HochzeitSgemach Sitzende (Braut) war in Trauer. - Und das Land erbebte gegen seine Bewohner, und das gange Haus Jakob war in Scham gekleidet. 1. Buch, Kap. 1 (26—28), MattathiaS. In jenen Tagen machte sich auf MattathiaS, Sohn des Joannes, Sohnes des Shmeon, ein Priester von den Söhnen Joarib, aus Jerusalem, und ließ sich nieder in Modein. Dieser hatte fünf Söhne: Johannan, mit dem Beinamen Kaddis. Simon, mit dem Beinamen Thassi. Juda, mit dem Beinamen der Makkabäer. Eleazar, mit dem Beinamen Avaran. Jonathan, mit dem Beinamen Apphus. 4 Und da er die Lästerung sah, die da geschah in Juda und in Jerusalem, " - Da sagte er: Weh mir, warum wurde ich dazu ge. boren, zu sehen die Vernichtung meines Volkes und die Vernichtung dev heiligen Stadt, und dort zu wohnen, da sie gegeben ist in die Hände der Feinde, und das Heiligtum ist die Hände Fremder? * Ihr Tempel ist geworden wie ein entehrter Mann; Ihre herrlichen Gerate sind gefangen weggeführt, ihre Kinder getötet iy ihren Straßen, ihre Jünglinge mit dem Schwerte des Feindes. Welches Volk hat nicht ihres Reiches sich bemächtigt und nicht ihre Beute sich zugeeignet? All ihr Schmuck ist hinweggenommen, aus einer Freien ist sie eine Sklavin geworden. Und siehe, unser Heiligtum und unsere Zierde und unser Ruhm ist verwüstet, und geschändet haben es die Heiden. , Wozu soll uns noch das Leben? ' Und Djtattathias und seine Söhne zerrissen ihre Kleider, legten Säcke an und trauerten sehr.. Des MattathiaS letzte Stunde. Da nun die Tage des MattathiaS zum Sterben nahten, da sprach er zu seinen Söhnen: Jetzt herrscht Frevel und Züchtigung und ist. eine Zeit der Verwüstung und des grimmigen Zornes. Und nun Kinder, eifert für das Gesetz und gebet euer Leben hin für den Bund unserer Väter. Gedenkt der Taten unserer Väter, die sie vollbracht in ihren Geschlechtern, so werdet ihr großen Ruhm und ewigen Namen erlangen. So seid nun gesinnt von Geschlecht zu Geschlecht, daß alle, die auf ihn hoffen, nicht zu-Schäyhen werden. Und vor den Reden eines sündhaften Mannes fürchtet euch nicht, denn seine Herrlichkeit wird zu Moder und zu Würmern. Heute erhebt er sich und morgen wird er nicht gefunden, denn er wird verwandelt in dön Staub, von dem et ist, und seine Anschläge gehen unter. .' Ihr, Kinder, seid stark und fest in Gesetz, damit ihr in ihm Ruhm erlanget. Siehe, Simon, euer Bruder — von dem weiß ich, daß er ein Mann des Rates ist; auf ihn höret alle Tage, er wird euch zum Vater fein. - Juda, der Makkabäer, ist stark an Kraft von Jugend auf, der fei euch der Oberste -es Heeres und führe die Kriege mit den Völkern. , ■' ‘ Sammelt zu euch alle, die das Gesetz üben und rächet euer Volk. Uebet Vergeltung an den Feinden und merket wohl auf die Vorschriften deS Gesetzes. Und er segnete sie und ward eingetan zu seiner» Vätern. Gr starb im hundertundsechsundvierzigsten Jahre; und eS begruben ihn seine Söhne im Grabe ihrer Vater in Modern und es hielt ganz Israel große Trauer um ihn. . - 1. Buch, Kap, 2 (49-51, 61—TO.); Juda. Da trat Juda, genannt der Makkabäer, sein Sohn, cm seine Stelle. Und es halfen ihm seine Brüder und olle, die seinem Vater ängehangen hatten, und kämpften mutig den Krieg Israels. ■ Er verschaffte weithin Ruhm seinem Volke, er legte den Panzer an wie ein Held, umgürtete sich mit kriegerischem Gerät, lieferte Schlachten und schützte das Heer mit dem Schwerte. Er glich dem Löwen in seinen Taten und er war wie ein junger Leu» der dem Raube entgegenbrüllt. Wiener Morgenzekrtrirg Winterlieb. von Ch. B.ialik. (Aus dem Hebräischen übertragen von Israel Auerbach.) vom Himmel warf der Herr felsstarken Tag. Lrafttag, von Reif und Eis Und Frost ein Schlag. Die ryölbung hoch, der Erdball unterm Fuß, - Das Licht, die Luft, das ein einz'ger Guß. So war'e r zur Nacht, schlaff lag die Welt gespreitet, Hat auf den Ambos sie der Herr gebreitet — Der Himmel flog, ein Donnerkrachen gellt', Die Lraft rief Gott und hauchte: „Stark sei, Welt!" Die ganze Nacht schlug Zwischen Erz und Erz Der AUgewalt'ge Wucht ihr in das Herz. Nun liegt ein Tag in Sonne, strahlumsioffen, UrweltenftLrke fest tn ihn gegossen. Noch hängt in Lüften flimmerweißer Rauch Vom Gdem Gottes, seines Munde» Hauch. Die Strahlen siebt er, da sie durch in sinken, und ihre Glut verfliegt — was bleibt ist'Blinken. <0, endlos Schimmern! Glänzen ohne Saum vom Grund zur Höhe, über Haus und Baum! Der Schnee, geklärt in Filtern dreizehnfalt, Deckt weißen Glast auf jegliche Gestatt. Die Dächer rings gleich Marmorhelden sitzend, Halb glühendwerß, halb silderbläulich blitzend, Dem Sonnengleißen frisch entgegenfunkel». Die Aaben einzig über ihnen dunkeln; Auf dem LrLstallmch gleiten sie und kreischen, Zerkritzen, löchern es und — husch! mtfleuchen. ' Der Hütten Rauch, ein greiser Silberbarr, Hebt ringelnd sich empor zur Höhenfahrt. L» brennt der Frost! In alle Poren dringt Er nagelscharf, und Stahl wird, «a» ihn trinkt. wie klar und fest die Welt! Das ist die Lraft, Die, sich bezähmend, Macht in sich erschafft! Aus langverhalt'ner Stärke überfließen, Zerspell'n im Walde krachend Eichenrtesen, " Als brächen, aus dem Lecker sich zu rette», Die Lrdgewalt'gen klirrend ihre Letten — Rüttelten und rissen sich empor und drängen — Lin Ruck noch— und der Erdball muß zersprenge»! : * *- * Und stolze Macht blüht auf in Mannesbrust: Auch er heur' kalt und klar und kraftbewußt. Sie schwillt und wächst und steigt, die Stärke, und Wird mächtiger in ihm von Stund' zu Stund'. Eng wird ihr feines Busens Lerkerhaft — Wie pocht an Herzens wand verhatt'ne Lraft! Die Mu»kel bebt gestrafft, da» Antlitz glüht, Wie Tritt der Riesen sicher ist sein Schritt. Tieftiefen Zllg des Frostes Hauch er trinkt, wie Erz durchs Blut es in die Arme dringt. Sieh! Seine Hand ballt sich zur Eisen fällst — : Und wild Verlangen durch sein Inn'ces braust: Zerhämmern und zerschmettern allzumal De» Himmel droben und den Erdenball! Ihn stickt die Lraft, sein Busen faßt sie nicht, Sie ringt sich loe, und ihre Fessel bricht -- wirft er sich einem Schlitte« ln den Schoß: „Dem Adler gleich ins weite! Fuhrmann» los! Dahin, dahin, «o Wangen glühend sind, Wo Lraft und Jugend stürme, wie Spreu im Wind! Dahin, wo noch kein Pflug ging! Dort sei weit, Wie Asche, Lraft und Lust umhergestreue!" Er Verfolgte hie Abtrünnigen, spürte sie aus und die das Volk schreckten, verbannte er. Da verzagten die Abtrünnigen auS Furcht vor ihm und alle lleheltäter erbebten; Gelingen und Sieg war in seiner Hand. Er machte vielen Königen Sorge, aber JakoL machte er Freude durch seine Werke und für ewig ist sei« Andenken gesegnet. Er zog durch die Städte Judas, verttlgte die Gottlosen daraus und wendete den Zorn ab von Israel. And er ward genannt bis ans Ende der Erde, und er sammelte, die Zerstreuten. 1. Buch, Kap. 8 (1—8). Die Mutter der Märtyrer. Vorzüglich aber war die Mutter bewundernswert und rühmlichen Andenkens würdig, da sie sieben Söhne an einem Tage umkommen sah, und e§ mutig ertrug in der Hoffnung auf den Herrn. (' Einen jeden von ihnen ermahntesie in der väterlichen Sprache voll edler Gesinnung, und die weibliche Denkart mit männlichem Mute stärkend, sprach sie zu ihnen: Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Schoße euch gebildet habt, nicht ich habe euch den Atem und das Leben geschenkt, nicht ich habe die Bestandteile eines jeden berechnet, rr. Dezemvtt <&mrü : Demnach wird der Schöpfer der Welt, der den Menscher in seiner Entstehung bildet, und die Entstehung aller bv stimmt, euch auch den Ateln und das Leben in Erbarme« wiedergeben, wie ihr dieselben jetzt'um seiner Gesetze Wille« verliert. AntiochuS aber, welcher meinte, verspottet zu werden, und ihre Rede für eine Beschimpfung ansay, ermahnte dev Jüngsten, der noch da war, nicht bloß mit Worte«, sonderv versicherte ihm eidlich, daß er ihn zugleich reich Und glückt lich machen wolle, wenn er von den väterlichen Gesetzen abfiele, und daß er ihn für einen Freund halten und jfut seinen Bedarf sorgen wolle. ‘ \ Da der Jüngling aber durchaus darauf nicht achteterief der König die Mutter herbei und ermahnte sie, dein Kinde zum Heile zu raten. . ' ' Nachdem er sie lange ermahnt hatte, übernahm.sie e# den Sohn zu bereden.! Sie beugte sich zu ihm. Nieder und verspottete de« grauen Wüterich, und sprach so kn väterlicher Zunge: Sohn, erbarme dich meiner, die ich dich neun Monate in meinem Leibe getragen, und dich drei Jahre gesäugt und dich er«; nährt, und Vis zu diesem Alter auferzogen und dich vev sorgt habe. , . - * , Ich bitte dich, Kind, schaue zum Himmel und zu« Erde, sieh alles, was in ihnen ist, bedenke, daß Gott sie aus Nichts geschaffen, und daß auch das Menschengeschlecht so entstanden ist. j! Fürchte nicht dsesen Henker, sondern würdig deiner Brüder gehe in den -Tod. damit ich in Erbarmen mit deinen Brüdern auch dich erlange.' , 2. Buch, Kap. 7 (20-30);.' Die Wiederherstellung. Der Makkabäer nun und die Seimgen nahmen unter de«? Beistände Gottes den Tempel und die Stadt wieder ein. j Riffen die aus dem Markte von den Heiden errichteten Altäre und die Götzentempel nieder, > Und machten, nachdem sie den Tempel gereinigt, einen anderen Altar, schlugen Feuer aus Steinen, und indem sie dies nahmen, brachten sie Opfer nach einem Zeitraum von zwei Jahren, und stellten Raucherwerk und Leuchter uny - Schaubrote hin. j Nachdem sie dies getan, warfen sie sich auf ihr Angesicht und beteten zum Herrn, daß sie nie wieder in solches Unglück geraten möchten, sondern, wenn sie gefehlt, mit Milde von ihm gestraft und nicht gotteslästerlichen und rohey Heiden überliefert würden.! Es traf sich nun, daß an demselben Lage, an welchem;' der Tempel von den Heiden entweiht worden, auch die Reinigung geschah am fünfundzwanzigsten desselben Monats nämlich des KiSlev. Und mit Freude feierten sie acht Tage nach der Weise deS Hüttenfestes, indem sie sich erinnerten, daß sie voy kurzer Zeit das Fest der Hütten in den Gebirgen und Höhlen unter wilden Tieren gefeiert. So trugen sie Epheustäbe und blühende Zweige und' Palmen und lobten denjenigen, der es hatte gelingen lassen^ daß sein Ort wieder gereinigt würde. :j Auch setzten sie durch gemeinsamen Beschluß und An^ ordnurrg fest, daß das ganze Volk der Juden jährlich diese; Tage feiere. 2. Buch, Kap. 10 " "" , , v«. Judenstaat und WeltpoNttk im Altertum. Bo» Heinrich Marguttes. Me Geschichte Palästinas unterstand int Altertum einem Gesetzt auf dessen. Auswirkungen die Juden selbst fast völlig ohne Einfluß waren. Gingelagert zwischen zwei mächtiges Kräftegruppen, deren unversöhnlicher Wettstreit um die Welt--!, Herrschaft die ganze Geschichte bis zuw Beginn des römische» Imperiums erfüllt, war fein Geschick davon abhäirglg, auf wessen Seite sich das jeweilige SchlachtenglÜck neigte. Eine eigenttiche staatliche Unabhängigkeit hat es nur in jene^ frühen Zeit besessen, wo der Gegensatz zwischen dem Rillaud und dem Euphratlaud noch nicht völlig ausgereift.KxirJ Bon Jahrhundert zu Jahrhundert aber erwies sich, daN insbesondere dein Letzteren eine ungeheure KrLsteLynamüj innewohnte. Es wurde stets gewalttger und stets expansiver! und seine Kraftlinie, zielte' quer durch Palästtna nach Aegyptens Gegen diese drohende Gefahr kämpften die beiden Wischers Staaten in Palästina einen heroischen aber hoffnungslose« Kampf. Im 8. Jahrhundert vor Christi dehnte der nördlich^ Feind (damals die Assyrer) feine Grenzen bis zur Norb-f grenze Judäas aus, so daß daS Zehnstämmereich zusammen^ brach (738). Dem Erbvolk der Assyrer, den Babyloniernss gelang es dann, auch Judäa miteinzu^eziehen. (Zerstörung! deS Tempels 586.) Damit waren die Grenzen Aegyptens erreicht und ein Menschenalter darauf wurde der letzte Schritt vollbracht: Unter dem Anprall der Perser, die ihrerseits bas babylonische Erbe übernommen hatten, brach auch rlegypten zusammen und bildete nunmehr nur noch, genau so, wie Palästina, eine Provinz deS persischen Weltreiches'^ Damit begann für Palästina eine neue Epoche. Dev gewalttge Gegensatz zlveier Kolosse, die Palästina dauernd! zum Kriegsschauplatz machten, die seine außenpolitische Be^ wegungSfreiheit auf ein Minimum reduzierten und feine! Selbständigkett schrittweise untergruben, war überLrüüt. Als Provinz eines Weltreiches genoß es genügenden politischem Schutz und der Verzicht auf eigene staatliche Existenz, aus! eigens Politik und eigene Kriegsmacht öffnete der reinem Geisteskultur die Wege. MS Cyrus, der Perserkönig, dem durch. die Babylonier aus Jerusalem Verschlepptet: die Er-I laubnis zur Heimkehr gab (was nur dtz Wanderung von' einer Provinz in eine andere Provinz des gleicher: Weltreiches bedeutete), entstand irr Zion ein neues Gemeinwesens welcher bfc materiell-ökonyMicke mrd. die