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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-16 · Heft 324 (16.12.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 324 (16.12.1919)
Date
1919-12-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Z _ Wien. 5)lengtag Inland. Die Hilfe filr Oesterreich. Einteilung Mitteleuropas in Einflußzoneu der Entente. In bicfiflen politischen Krciscn sind im Laufe - degestrigen 5ageS au- Paris Meldungen eingerrossen. wonach die Entente beschlossen habe, die neuen Slawen Mitteleuropas in Einfluß- Zonen der einzelnen Entenlegenosten einzulelien. Oesterreich » n d d i e T s ch e ch o-S l o w a k c i würde in de französische. Ungarn m die englische Interessensphäre fallen. Dir Entente ist entschlossen, diesen Ländern finanziell zu helfen. um die soziale Ordnung zu sichern. Es wird angenommen, daß Dr. Nenner in feiner heutigen Besprechung mit dem Obersten Nal wirtschaftliche Zugeständnisse ei langen wird. die rhm das Verbleiben int Stinte ermöglichen. Freilich miistie Oesterreich in der Zukunft aui jedepolitische Eigenleben verzichten. Frankreich zeigt offenkundig das Bestreben, zwischen Oesterreich und der Tschecho-slowaker eine enge wirtschaftliche Verbindung herzustellerr. Nation afvorsammlung. Im Parlament herrscht das Bestreben vor. kn brr Nationalversammlung mit möglichster Raschheit alle Vorlagen zu erledigen, um die Bahn für die groß; politische Debatte, beziehungsweise süß die durch bie Pariser Konferenzen notwendig werdenden Gesetzentwürfe freizubekommen. Sollte es durch die Verhandlungen Dr. Nenners möglich werden, einen Teil der Staatseinkünfte von der Wiedergutmachung auszuschalten, so wird der Nationalversammlung voraussichtlich noch vor Weihnachten eine Vorlage über Hie Verwertung dieses To lies des vom Obersten Nat fr-eigegebenen Eigentums zugehen. Dudgetausschuß. Der Unterausschuß deS Finanz- und Vndgettusschusses hat die Beratung der Bcamtenbesolduugsreform bereits beendet und die einzelnen Bestimmungen nach den Wünschen der Beamtenschaft umgearbeitet. Gründsätzlich hat der Unterausschuß alle Forderungen der Beamten befürwortet, doch nur so viel vorgeschlagen, daß die neue Erhöhung der Ausgaben hundert Millionen Kronen im Jahre nicht überschreitet. Der Budgetausschuß wird nunmehr die Notstandsanträge, dann die Vorlage über die Ruhegenüsse der katholischen Seelsorger. ferner die Bestellung und die Bezüge für ^Hochschulprosessorcn verhandeln. Die Bcsoldungsresorm dürfte erst heute im Ausschuß zu Ende beraten werden. i Rach Wiederaufnahme der Sitzung um 6 Uhr Abends brachte der Obmann Dr. Weiskirchner die Mittlerweile eingelangten Telegramme von Staatsbeamtenorganisationen aus den verschiedenen Ländern ß«r Kenntnis. Sodann machte der Obmann die Mitteilung, daß sich der Kabinettsrat. in mehrstündigen Beratungen mit den Beschlüssen des Unterausschusses befaßt hab^. ES werde nunmehr der, Unterausschuß Neuerlich zusammcntreten müssen, um zu den Beschlüssen der Negierung Stellung zu nehmen und dem Plenum des Ausschusses zu berichten. Ferner werden im Laufe des heutigen Vormittags Verhandlungen der Parteien notwendig fein. Mit Rücksicht auf diese Umstände schlage dr vor, die Sitzung zu schließen und die nächste Sitzung morgen nach Schluß der Haussitzung abzuhalten. Der Ausschuß stimmte diesem Vorschläge zu. 3» der heutigen Sitzung der Nationalversammlung weiden die grohdemschen Abgeordneten den Antrag aus Erlassung eines LnsnahrnegcsetzcS zur Abhrl.e gegen Wucher, Schleich- und Kellen« Handel stellen. , Die Forderungen der Beamtenschaft. Wie wir erfahren, befaßte sich der gestrige Kabinetlsrat mit den, neuen Forderungen der Beamtenschaft. die sich derzeit aus 461 Millionen stellen. Die Zugeständnisse der Regmung können «it 816 Millionen Kronen friert werden und ntan glaubt, daß ein Uebertinkommen erzielt werden wird. Schwierigkeiten macht die Frage der Besoldung der Hochschulprofessoren, die eine Höhe von K 48.000.— erreichen soll. Die Hochschulprofessoren erklären Me Begründung ihrer Forderungen ganz richtig, daß sie keine Möglichkeit besitzen, ihre Bezüge durch private Arbeiten zu erhöhen. __________ Tirols LoslSsungsbestrebungen. Innsbruck», lö. Dezember, Dem »Allgemeinen Tiroler- Anzeiger" zufolge hat der Tiroler Landesrat m feiner Samstagsitzttng in Ausführung des Beschlusses' de- Tiroler Landtages vom 12. d. M. die für die Wiener Staatsregierunü bestimmte Rate versaßt» in der das Ersuchen um Einleitung von Verhandlungen «it dem Oberste» Rate gestellt wud. Äer Minoritätenschntz km Vorarlberger Landtag. Innsbruck, 15. Dezember. Die „Innsbrucker Nachrichten" melden aus Bregenz:' Der Vorarlberger Landtag hielt am 12. d. M. eine Sitzung ab, in der neben der Erledigung kleinerer Angelegenheiten auch >eine neue Geschäftsordnung, welche die Rechte der Minderheiten berücksichtigt, angenommen wurde. Wiener Morgenzeitung Politische ^Rundschau. Max NordauS Eintritt in die zionistische Leitung. Das Kopenh^gener Zionistische V."veau te^egaph'ert uns, daß Max Nor b au, auf eine Einiauing eeS engeren Aktionskomitees hin, all der Leitung der zionistischen Arbeit teilznnehmen, am 14. Dezember in London eingetrossen ist. Diese Nachricht wird zweifellos in allen an der zionistischen Bewegung interessierten Kreisen mit lebhafter Genugtuung ausgenommen werden. Max Nordau war Jahre hindurch eine der mar-» kantestcn Erscheinungen auf den zionistischen Kongressen. Als erster und treuester Mitarbeiter Herzls hat er später, nach dessen Tode, nicht iuriner mit her Entwicklung der Dinge innerhalb der zionistischen Bewegung einverstanden fein können. In den letzten Jahren vor Kriegsaiisbr.uch verschärfte sich dies zu einer erheblichen Entfremdung zwischen ihm und dem Aktionskomitee, Eine Reihe bedauerlicher Umstände hielten ihn dann, als der KriegauSbrachi von den politischen Zentren überhaupt fern — er mußte Paris verlassen, cie slücht he nach Spanien und hielt sich dort bis zur Gegenwart aus. Dadurch wurde der Eindruck von der bestehenden Entfremdung begreiflicherweise noch verstärkt, und als sich im spä.e.en Borlause der Entwicklung eine Opposition gegen die j<tz'ge Leitung bildete, welche vorwiegend aus den alten politischen Freunden Herzls bestand, gewann es den Anschein, als ob sich diese um NordauS Person gruppieren wollte. Die Tatsache, daß er nunmehr in die Leitung eintritt, muß daher als bedeutsamer Schritt zur Wiederherstellung jener geschlossenen politischen Einheit begrüßt werden, deren wir jetzt dringender als je zuvor benötigen. Mitte Jänner tritt in Basel der sogenannte kleine Kongreß, die zionistische Jahreskonferenz, zusammen. Auf ihr werden zum erstenmal wieder seit de»n Jahre 1213 die zionistischen Gruppen aller Länder zur gemeinsamen Beratung zusammentreten. Max Nordau wird an ihr teilnehmen, und so ist die Gewahr-dafür gegeben, daß ihr niemand fern bleiben wird, dessen Mitarbeit bisher wertvoll war. Eine Pariser Stimme geg»n die FlüchtlingS» ausrver ungen aus Oesterreich. Der Pressedienst der Delegation des Jüdischen Natioualrates für Ostgalizien meldet aus Paris: Die „Lan lerne" vom 6. Dezember tritt in einem Artikel „Oesterreich und der Saint-Germainex Vertrag" für die anSgeniesenen Flüchtlinge ein. In dein Artikel wird die sofortige Wderru ung der Aus^wrisungsoerordnung und energische Intervention der Friedenskonferenz gegen diese widerrechtliche Vertragsverletzung seitens der österreichischen Negierung verlangt. * ES ist rniS bekannt daß die eigenartige Auslegung deS Friedensvertrages durch die österreichischen Behörden nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Ententestaaten die Aufmerksamkeit der Presse auf sich gezogen hat. Sehr zum Schaden der Republik, deren Lage so schwierig ist und die auf wohltvollende Beurteilung angewiesen ist. Jin Interesse Oesten-eichs liegt es, zu verhindern, daß irgendwo an seinem guten Willen zur Demokratie und zur Loyalität Zweifel auftauchen. Dies geschieht aber, wenn die gegen jedes billige Empfinden verstoßenden GeueralauSlveifungen sortdaurrn. , . ,; _________ Eine Wische Partei in der Slowakei. Diedem Prager Jüdischen Preßburean berichtet wird, hat der Dolksverband der Juden für die Slowakei in seiner letzten Plenarsitzung beschlossen, sich an den kommenden Wahlen a!S »Jüdische Partei" zu beteiligen. Dom Volksverband haben sich bereits über 70 israelitische (orthodoxe, neologe und ftotitS quo) Gemeinden angeschlossen. In den übrigen Orten der Slotvakei wurden Ortsgruppen gegründet oder deren Gründüng vorbereitet. Der Delegiertentag deS Bolksver- Landes findet am 2. und 8. Ferbruar 1920 statt. Die Verhandlungen in Dorpat. SluS Stockholm wird gemeldet, daß die Dorpater Verhandlungen zwischen Estland und Lettland einerseits und» Sowie trußland andererseits nach allem Anscheine eher zu Verwicklungen a!» zu einem Einverständnis führen werden. Estland sei anfangs zu einem Einvernehmen bereit gewesen, Sowletruhland habe jedoch verlangt, daß Estland dle Beziehungen zu den Alliierten und zu Finnland abbreche und seine Käsen den Streitkräften Sowietrußkands öffne, während sie den Alliierten verschlossen bleiben, müßten. Diese Bedingungen zu unterschreiben, habe sich Estland geweigert; daher sei keinerlei Vertrag zustandegekommen. Bolschewistischer Kampfbericht. ' ENossiau. lö, Dezember. tFunlsprnch.) Gcschiitzferm mn N a r w a. An bei Südstout wurden bedeutende Erfolge errungen. Der Fund wmde ans den Vorstädten K eivs vcnrieben und ans das andere Dnjepi-User gewogen. Im Abschnitt KlemeMikdug haben die Rortrapvcn Tnraitzn. 2» Weist südlich von Lokwiya, erobert. Wecker westlich sieben Rotiruppen 30 Werft nördlich von K r ov i a n s k i. A» der Ost-ront hoben die Awständischcn die Stadt B a r n a u l besetz'. Die Ronuwven sind 70 Werst wesil'ch vdu Nowonitolajewsk und vor dem Ewmarsch m <e'N>!>4l-?Nnsk. 16 Dezember 191? Nr. 324 Telegramme. Furchtbare IüdenmasfasterS in Kiew. Das Pariser Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz telegraphiert dem Prager Jüdischen Preßburean: Wir erhalten'soeben anS Kionftantinopel auS absokut zuverlässiger Quelle Nachricht von einem ungeheuerlichen Pogrom, der vom 14. bis 18. Oktober in Kiew stattfand. Die Zahl der Opfer steht noch nicht genau fest. Die jüdische Intelligenz ist dezimiert. ES. werden surchtbareEinzel Helten über die Bestialität der Mörder, hauptsächlich Soldaten der Denikinschen freiwilligen Armee, berichtet. Die Zeitung „Priasowsky Kraj",die in Rostow am Don unter Denilinschev Militärzensnr erscheint, gibt folgende Zahlen an: -In einem! einzigen Viertel von Kiew, in Podol, sind bereits 14.700 Lins geplünderte registriert, in dem Viertel Lllbed 6000« im jüdischen Haupelöviectel 3000. Wilson lehnt jedes Kompromiß ab. Washington, 15. Dezember. (Wenter.) Eine Mitteilung ans dein weißen Hause beiagi: Die Hosinung der republikantt scheu Führer im Senat, daß W i l ( o n ietz' n gend einen Schritt tun werde, der die Lage mit Bezug auf den Fuedensveiiraa,klärt, ist volltomm n imi'egründct. Der Präsidem beabsichtmt keineilei AiiSgleichzugeständnifr. londeiu w ll vielmehr den lepubliklMischett -Führern d:e ansschi'.eßl'.che B>-rantwonuiiki für das Schicksal deck FriedensvntrageS und demnach buch filc die augenblickliche Weltlage überlasten. Die italienischen Sozialen gegen de« Friedensvertrag. Paris, 1b. Dezanber. (Funksprach.'» AnS Nom wird (ft meldet, daß sich die.Sozialisten tür die-volle B moerf imj der Fnedensveruäge ansaei'pioche» haben, wählend die Kath»like0 eine Ueberprüsung mit Aenderungen »vüuschrn. Den Krieg haben die Amerikaner gewonnen^ London» 75. Deze^nber. In seinem Schluvbericht machk General Pershing die Aenbei img, daß durch das Einschreiten der Vereinigten Staaten der Krieg gewonnen worden sei« In seinen Aussührimgen bemüht sich P.rshing, aifrnzeigen. witz die amenkanllchr Armee die unabwendbar scheinende Niederlage in einen S i e g v e r w and e l l e. Clemeneeau ist zufrieden. Parks, 15. Dezember, lieber das Ergebnis feines Befnihröl in London befragt, ciftciitc Eleineneeau, er sei äußeist befriedigt. Bei der Aussprache habe sich vollkommeue Ueberriustimmung m alle» brhandelltu Fragey ergeben.! ' Die denische Antwort übergebe«. Parks, 15. Dezember. (HavaS) Heute vormittags übergab die deutsche Friedenödeiegation dem Gena.ck'ekretarmt de? Friedenskonscreni die An>wort der dewschen Regieruna auf die letzte Rote der Alliieitm. bcueffcsib b»e Ratisikauon deS Frieden« vertragevon BersalüeS. „Obacht auf die Dona«." Bern, 15. Dezember. ^Coriiere della Sera" schrelbt p» gevkamen Re.se Dr. Renners nach Prag unter dem Titel »Obacht auf die Donau* wie folgt: Der Aailel Lv deS FriedensverlrageS von Saint Germain verbietet Oeflcricictj Nicht mit de» Anichuß an Deuifchland. sondern auch dir Rückkehr zn allen Derwandischaiien und Italien ist nicht geneigt, -lese seine Sicherstellung über Bord m werfen. Manche Leuie haben dir Jdr« einer wiit'chacklichen Föderation an Stelle der politischen ausgeklügelt. als ob es wirtschaftliche Baude gebe» tänille, die nicht gle.chzenig xoinifche würdeir. Ungarn wird den FriedenSvertrag unterschreiben. Budapest» 1kl. Dezember. (Tel.-Komp.) Ministerpräsident H « g z a r' hielt Sonniag in KccStemei eine Rede, ,n dkr ex auch über die Frieden-fragr sprach und ertlärie. daß seines WissenS der Friede streng, ungeircht und unhaltbar sein werde, die Regierung ihn aber trotzdem unterschreiben wrrdh weil es eine Ekiltenzsrage für das Land sei, ehest Lufi zu bekommen. Huszar betonte jedoch, die Äiegierung weide, trotzdem Ungarn den Frieden sehr nöng habe, die Delegierten nicht eher mr Friedenökonserenz enlscuden, als die Entente verspreche, daß sich die feindlichen Truppen auf du festgesetzte Demarkationslinie MÜckziehe» werden. DaS Sinke« der kanadischen Dalnta. Mew-Dork, l5. Dezember. ^Tel.-Komv ) Astoeiated Preß meldet, die kanadische Regiklung habe 38 Millionen Dollar nach Rcw'Ävik geschickt, um den kanadischen Wechselkurs zu stabilisieren, der beiritS sehr ltark zmückgeggngeu war. Der Kurs war bereits» stark gesunken, daß die Ännahme von Postanweisungen nach den BerelNlgren Staate» eingestellt «erden muiite. El« Attentat gegen den Sghptlschen Premsers minister. Kakeo, 15. Dezember. <Reuter.) Heute morgenist er» e t f 9 i » \ o f 11 Anschlaa au! das Leben deS ägtztifchen PreniierminifteiS verübe wordetu Der Täter, ein Student, wurde verhaflet. . Eme BerschwVrung in Konstantinopel? London, 16. Derember. (Fnnkspruch.) Rach einem rassischen Funkspruch soll in Konstm nopel «ine Veischwöiung im Gauge sein, die eiAikn Sohn Abdul H a m i d S aus den Thron bringen will. Der Bevollmächtigte Kaiser Karls in Warschau. Wavfcha«, 15. Dezember. lPrivak.) Der Waischaner Korrespondent de- ^Echo de Paris* meldet, daß in Warschau gegenwärtig der BevoÜmächt'gte Kaiser Karls. Fürst W i n d i I ch-> g r 8 tz. mit einer veitraulichrn Miision an dir polnische Regierung werlt. Eknbernfrrng polnischer Offiziere. Warschau, 15. Dezember. Das Kiiegsnumsterium hat die Einbenifung aller polnischen Olfiziere der Jahrgänge 187:», 1SL0, 1881, M >, 1888, 1884, 1885, 1886, 1887, 16^8 veifügt. Die diesen Jahrgängen augcbörenden O'stziere müssen sich am 18. Dueinder rur Musteruna bei den Kaders emsiudeu.

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