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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-14 · Heft 322 (14.12.1919) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 322 (14.12.1919)
Date
1919-12-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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^IBegeW , Sonntag Äviener MyrgenzertmtK 14. Dezember lvlS —- — ..—— —..... - ,i -tjrr— Si« Theaterskandal in Berlin. Nach den vorjabngen Wiener Theaterskandalen, die im imtztveatrr bei der .Fahrt mS Blaue" begannen und sich nach »em Gesetze der Serie in andere Theater verpflanzten. gab es in _ erlin einen ganz unerhörten Theaterskandal. es wird darüber au§ Berlin unter dem 13. d. M. telegraphiert: Lrü Staatlichen Schauspielhaus tam es gestern abends infolge/der grundlegenden Neuinszenierung des .Wilhelm Test", gegen, die ein Teil der an der alten Tradition zänaenden Zuschauer opponierte, zu einem großen Skandal -selbst wahrend der offenen Szene kam es durch Zurufe aus den Mihen der Zuhörer an die Darsteller zu einem fortwährenden Disput, her im Augenblick, als Baffermann die „Hohle Gaffe" vtt Äüßuacht avostiophierte, das Spiel für einige Minuten Unterbrach. Die Besucher «m Parkett und aus den Rängen verlangten in stürmischen Rufen die Beseitigung - der Ruhestörer. Nachdem einige Ruhestörer' entfernt worden waren, konnte die «vrstrllung ihren Fortgang nehmen. v Da- Annsgste EhanuKageschenK ist der Jüdische k. t i o n a l k a l e n d « r, herausgegeben von Otto kl es und Ludwig. Dato. Reich illustriertes t o n i sti f ches Jahrbuch mit Beiträgen aus den federn der bekanntesten jüdischen Autoren. Preis K li.—/ Z» Ziehen durch den B e r l a g .I Ü d i s ch e Zeitung", H.. Taborstraße i. Auch her den Schaltern der „Wiener Motgentzeitnng" erhältlich. - st- Die Wiener Juden (17Q0-I9ö0> schildert Sigmund D^atzer nl seinem Werke, das' in zweiter vermehrter und verbesserter Auslage d'm Buchhandel Lberg den winde. Das Buch Littet mehr als es dem Titel nach verspricht, es ist in Wahrheit Me großzügige Wirtschafts- und Kulturgeschichte der letzten Jahrhunderte. geschildert von einem mündlichen Kenner des kommerziellen Lebens. Gehestet Preis K 19.90, gebunden '■% beziehen durch R. Löwit. Verlag, Wien, •* Flenchmarkt 1. H<*< _ _ fn ggrn grettramn. NedaraMre« unter Garantie. ffarbbänvrr für olle Lysteme, erstklassiges Material'. teop. Kurzer, Wien, VII., Westliahnstraße 23. Trlehpo» 81537. sn Sport. Hakoah. , MA JSioIä nennt heute jeder bewußte Fude den Wimen Hakoah und jeder Sportsmann spricht, ihn Dutt Achtung aus. Aus den kleinlichstem Verhältnissen Hervorgegarigen, von allen Seiten ange feindet, ohne hie geringste Unterstützung hat sich der Sportklub Hakoah tzn einer staunenswerten Höhe hinaufgearbeitet. Vor dem denkwürdigen großen Kampfe lohnt es sich, einen kurzen Rückblick über hen Werdegang ihrer Fußballsektion zu halten. Sie wurde im Jahre 1909 von einigen begeistertenNutionaljuden gegründet, die dwhl die Liebe zu ihrem Volke, aber nur wenig sportliche Befähigung mitbrachten. Die jungen Fußballer wurden in die vierte Klasse eingeteilt. Im Jahre 1611 wurde das erste entscheidende Treffen ausgetragen. Um in die dritte Klasse aufzurücken, mußte die Hakoah den seit dem Jahre 1901 bestehenden Renntveger Sportverein besiegen. Nach schwerem Kampfe blieben die jüdischen Farben 3:2 siegreich. Zwei Jahre spielte die HakSah in der dritten Klasse. - In der Saison IS 12/13 gewann sie mit Admira gleichzeitig die Meisterschaft. Die beiden Spiele gegen den tüchtigen Gegner endeten 4:1 unentschieden. Die Hakoahner hofften gleich im ersten Jahre in der zweiten Klasse Erster zu werden. Die Hoffnung war um so begründeter, da es den Blau- Weißen gelang, ohne eins einzige Niederlage zu erleiden. Ht Herbstserie des Jahres 1913 zu bestreiten. Wacker w.nrde damals auf eigenem Platz 2:0 besiegt. Obwohl M Hakoah nur einen schwachen Angriff zur Stelle hatte, war der unbeugsame Wille zum Siege für den Erfolg ausschlaggebend. Leider mußten bald darauf drei der besten Spieler Wien verlassen, wodurch, die Hakoah auf de« dritten Platz zurückfiel, i Auch wahrend des Krieges gelang es der Hakoah, die führenden Vereine der zweiten Klasse zu besagen. Wir verweisen nur auf das Wettspiel gegen Vienna, r 3:1 Qtimnmn wurde. Nach Ariensschluß machten es sich die Fußballer zur Aufgabe, die Meisterschaft zu gewinnen, um die Mischen Farben in di« Ligaktasse zu führen«- Mit Interesse irrfolgte die gesamte sportliche Oeffrnttichkeit den beispiellosen Siegeszug der Hakoah. Ihre Erfolge liefen die Begeisterung der Judenfchaft weit über die Grenzen der eigene» Heimat hervor; der heutige Entscheidungskampf gegen Germania bewegt die Gemüter sämtlicher Interessenten- Die gesamte Presse ist sich darüber einig, daß das Wettspiel das größte Treff«« der Saison ist. Schon Wochen lang füllen sie die spalten mit Dorbetrachtungen. Die elf Spieler, die JMsdHAtdes. Verbindung Jerzl“ veranstaltet Montag den 22. Dezember 1919 um 4 Uhr nachm, in den Olympia-Prachtsälen, I., ßothgusse 6, . eine grosse Fest«Akademie mit anschliessender Tansuntevhaltung. Der Reinertrag ist für unbemittelte jüdische Hochschüler und jüdische Mensa Academica bestimmt. PROGRAMM: Bläserchor, des Tonkünstlerorchesters „Hatikwah“, . Fr!., Rena Pfiffer, Volksoper, Frl. Marie Kocran,• Klaviervirtuosin, F»l. Lohka Wolf, Konzerisärtgerin, Frt. Erna Haüdek, Vlollnvirtuosiri, Herr Karl Neumann, Volksoper, Herr Ernst Tauber, Volksoper,Herr Rudi Merstallinger, » Volksoper. Karteftvorverkauf: Wr. Morgenzeitung, II., Tabdrstr. 1, R. Löwit, I., Roten turmstr. 22, Kartenbureau „Aida“, II., Taborstr. 5, und Jfid. Hochschul Ausschuss, IX , Alserstr. 28. 60£S die Ehre haben. Judas Farben zu neuem.Ruhme zu führen, sind sich ihrer Verantwortung voll bewußt. Von den größten jüdischen Zentren sind AufnnmterungStelegramme gekommen, von denen wir einige nachfolgend wiedergeben. Wir sind überzeugt, daß der groß^ Kampf, dem sicherlich taufende Zuschauer beiwohnen werden, den Hakoahnern den Sieg, bringen wird. Sie können überzeugt sei», daß ihnen heute nachmittags die Herzen aller Juden zuschlagen werden. F. B. » . ' : -Unter anderen liefen folgende Telegramme ein: Paris: Wir erwarten mit großem Interesse günstiges Resultat eures Fußballspieles..Mit Glückwünschen die franzöfifchen .Sportkameraden. Genf: Sehen eurem Spiele mit Spannung entgegen und wünschen euch besten Erfolg. Gesinnungsgenossen Genf. . Graz: Zu eurem letzten Meisterschaftsspiel von eurem Bruderverein beste Glückwünsche. Wir hoffen zuversichtlich auf euren Sieg. Grazer Hakoah. Budapest: Unseren Brüdern wünschen einen glücklichen Kampf. Viro es Athletitaiklub. Wi.en'U: Die Anhängerschar der Leopvldstadt bittet, die Stüpm^rrtzihe in der Ausstellung Katz, Slutzky, Gansl II, Häusler, Neuseld spielen zu lassen, da sie den Sieg verbürgt. Tje Hakoah tritt mit folgender Mannschaft an: Tor:' Halpern, Verteidigung Trümer, Scheuer; Deckung: Molnär, Neufeld, Juhn; Angriff: Katz, Slutzky, Gansl, Jszo, Grünfeld, Senzor. —' Ueber die Chancen zu sprechen ist müßig. Die Hakoahner werden zu kämpfen verstehen; sie werden bei nor>- nralem Spielverlauf siegen. Das Wettspiel findet bekanntlich' auf dem WA. C.- Sportplatz im Prater statt, dev sich in der Prinzenallee, in unmittelbarer Nähe der SofienbrÜcke, befindet.-Der Beginn ist mit 2 Uhr festgesetzt, doch ist es an gezeigt, sich. zumindest eine halbe Stunde, früher auf dem Sportplätze einzufinden. da ein sehr großer Anfang zu erwarten ist. Im übrigen findet vorher das Wettspiel der Reservemannschaften statt, das gleichfalls einen sehr interessanten Verlauf nehmen dürfte. (Beginn halb 1 Uhr.) — Die Kassaeröffnung erfolgt um .12 Uhr mittags. . Die heutigen FußbaSwettspiele. Mit den bcuti'aen Mettsvielen findtt die hemme WQ< saison ihr vfnzielles Ende. Dann Irrten schon die scharfen Bcickluff« in Kraß, die der Fußballvrrband gefaßt hqt. um dir Verhältnisse auf den Spottvlävm wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Ab 15. Dezember bitrfen bis auf weiteres in Wien keine Fußballwetlspikle mehr stattffnden. mit AuSnabme der wenigen Mristerfchaitsspiele, die noch auss'ändig find. 'Doch ist auch von diesen Spielen das große Publtknm ansgeschlosfen, da die Ausgabe von Einiriitskartcn nur an jene Pe'sonrn erfolgen darf, die sich als Muglieder von Verbandsverrinen legitimieren können. Der Fußballverband hofft, durch diese radikalen Maßnahmen den rüdaulnstigen Teil des Ftißballvublikums zur Verminst nt bringen. Än der ersten Klasse sichen nur zwei Metstersckastssviele auf dem Programm. Der Sportklub fvirlt in-Dornbach aegen den W. A. F. /und Wacker in Meidling gegen die Vienna. Sportklub und Vienna dürsten knappe Siege davontragen. Bon den FrevndschaftMelcn ist jenes zwischen Rud olfshüge l und Hartha daS wichtigste. Rapid hat die 'Admira zu Gaste und der F. A. C. spielt in Floridsdorf gegen denSrmmeringrrSvortklub. In der zweiten Klaffe finden außer deni Treffen Hakoah —G trtnfinH noch solgende Meisterschaftsspiele statt: Ostntat l—S lvvan, Cricke t—B lueStar. Sportfreund e—D onaustadt, RedS. ta r—N u ß d o r f, V o r w 8 r t s—B e w e g u n g und Ottakrings Sturm. Sportklub Hakoah; Wien. Die Mitglieder werden aufmerksam gemacht, daß Negltkarlen für das Weltspicl Hakoah— German'a nur nn Klubheim, I., Konkordiaplatz 4. aus gefolgt werden. Die Ausgabe erfolgt von 3 bis ka llhc vormittags. Eine Ausgabe von Repiekarten ans dem W A. C--Platze erfolgt nicht. Auf dem W. A C -Platze ist sowohl die Regiekarte als avch die Mitgliedskarte voizmveisen. — Um 6 Uhr abends Klubabend tftt Cas6 ^Ätlashos". Gerichtssaal. ' Der eiferMchiiqe Gatte. Bor dem Schwurgerichte hotte sich gestern der öltährige Kellner Franz H ö rm a n n wegen Verbrechens des Mordes zu'verantworten. Am 13. Juli hatte die. Gattin des Beschuldigten, Josefine^Hörma n n, nt Gesellschaft des 23jährigen Josef T r rsko und seiner Schwester Stephanie einen Ausflug nach. Kalksburg gemacht. Hörmann fuhr später nach Kalksburg und traf dort gegen 7 Uhr abends ein. '* Frau Hörmann verlieh um diese Zeit Kälksburg tmb fuhr mit der Gesellschaft nach Wien zurück. Der Beschuldigte verweigerte seiner.. Gattin, mitv der er in Kalkßburg znsammengetroffen war, di« Herausgabe her' Wohnungsschlüssel mit dem Bemerken, daß er ohnehin bald Nachkommen werde. Jndeffen trank er einige Liter Wein und kehrte erst um 11 Uhr nachts in seine Wohnung' zurück. Seine Gattin war inzwischen zweimal nachschauen gekommen, ob Hörmann schon -heimyekehrt sei, fand aber die Tür stets verschlossen und nahm die Einladung der Mutter des spater Erstochenen an, bei ihr zu übernachten. Nach heg Angaben der. 19jährigen Tochter des Beschuldigten soll der Vater um .1 Uhr nachts plötzlich gesagt haben, er gehe weg, seine Frau bleibe zu lange aus> ,«t wolle in der Wohnung kein Blut sehen. Dabei soll, er die Klinge -feines Veriexmessers auf ihre Schärfe geprüft und der Tochter gesagt haben, morgen werde sie keine Mutter mehr haben. Hörmann verlieh, hierauf sein Quartier und begab sich in die Wohrinug der Familie Trisko, wo er Josef TriSko einen Messerstich versetzte, an dem dieser bald starb.' Der Angeklagte,, verteidigt von Dr. Bring, erklärte gestern, er habe nicht die Absicht gehabt, den Trißko zu toten. Hormann schildert dann, wie er nach Kalksburg gekommen sei und seine Frau mit ih.r^r Gesellschaft sofort das Gasthaus verlast enhabe, als er emtrat. Er vermutete sofort, daß seine Frau mit Trisko nach Hause gefahren sei, und suchte den Nebenbuhler in der Nacht in seiner Wohnung aust Als er an die Tür klopfte, kam 'Trisko mit einem .kurzen Prügel heraus und begann sofort aus ihn loszuschlagen. In höchster Aufregung über den Angriff zog er sein Nester: und hielt es zur Abwehr vor sich hin. Ob er gestochen, puffe er nickt mehr. . . Die Frau der Beschuldigten konnte als Zeugin ihre vor dem Untersuchungsrichter gemachten Angaben nicht'auf», recht erhalten. Die Tochter entfchlug sich der Aussage. Das Urteil. Die Verhandlung wurde am Abend zu Ende geführt, Die Gefchwornen erkannten den Angeklagten mit elf Stimmen des Verbrechens des Totschlages schuldig, die Frage auf Mord wurde mit der gleichen Stimmenzahl verneint. Auf Grund dieses Verdiktes verurteilte der Gerichtshof Franz Hör ma nn unter Anwendung des außerordentlichen Milderüngsrechtes zu nur einem Jahre schwerem^ Kerker. ' * In die Strafzeit wurde die Untersuchungshaft vom' 14. Juli bis heute eingerechnet. Dir ungarischen Kommuniftenprozeffe. Budapest» 13. Dezember. lUng. Tel.-Korr.-Bur.) Hmte begann der Prozeß gegen die Mitgl'ider.der ehemaligen Terraristentruppe Karl Stürz. Arpad Ke>ekes-Kobn. und Ludwig Kovacs. die an den verschiedenen Provinzexveditionen Tibmt Szamuelhs teilgenommen und hierbei zahlreicke Morde mVfei Räubereien begangen haben. Gegen S t n t z wird die Anklage wegen 65Mordtaten und 2Fällen von Raub, gegen K er ek e S-i Kohn wegen 15 Mordtaien und 9 Fällen von Raub und gegen K o v a c 8 wegen 5 Mordtaten und 3 Fällen von Rauo erhoben. Die Verhandlung dauert fort. i im KUTREPflRATUR-AMSTALT a. f&wtäiiMxks? Werrenu. Da rhenhüte werden nach neuest. •* Mode prompt und billigst modernisiert . XVitIn WaLtrineer öftrtel 21 und VN., MarlaMlf»0tr&*B6 SS Der VEswirt. Zur Börfettlage. Bon einem Fachmann. . Seit wir zum letzten Mals über hie Börse gesprochen haben, hat die Haussebewegung sich namhaft fortgesetzt und sie steht, wie es angesichts der sinkenden Valuta natürlich ist, auch weiterhin im Zeichen der ValütapüPiere. Optimisten erwarten von der 81eise unserer leitenden Staatsmänner nach Paris bedeutende Ergebnisse, die eine Besserung der Valuta' oder; auch nur deren Stabilisierung auf einen etwas höheren Stand zur Folge haben würden. Wir wissen genau, daß das Höchstmaß unserer Hoffnung darin gelegen sein kann/ daß Dr. Renner soviel Kredite mitbringt, daß wrrj aus ihnen den Lebensmittelbedarf für die nächsten Monate bestreiten können. Vielleicht werden wir auch' etwas Valuta für die Kohle übrig behalten. Angesichts der allgemeinen Versteifung des Weltkreditmarktesdis dazu führt, daß auch die Siegerstaaten augenblicklich nur schwer Kredite erlangen können, obwohl sie bereits.ihre Emiss8re bis nach Argentinien entsandt haben, können wir wohl in absehbarer Zeit auf Kredite nicht rechnen. Auch der einzelne Private, der zur Beschaffung von Materialien aus dem Auslände für seinen Betrieb insbesondere von unentbehrlichen Rohstoffen Valuta braucht, ist bei der allgemeinen Kronenflucht schwerer als je in der Lage, solche Valuten zu beschaffen. Es ist Pratep-Sportplate das Wp, AthletikaportVIiih», Strassenbahnlinie L, M U. H2 Heute Sonntag den 14. Dezember, 2 Uhr nachmittags GERMANIA-HAKOAH Entscheidung der Meisterschaft der Herbstserie der II. Klasse. «0

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