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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-12 · Heft 320 (12.12.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 320 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. 820 _ Wien, Freitag Wiener Morgenzennnst Telegramme. Kein neues Abkommen zwischen Frankreich und England. Parts, 11. Dezember. Äie die hent'gen Morgenblaiter niS Londoir melden, hatBonarLaw auf eine Anfrage des Obersten Wedgcwood im Unterhaus erklärt, daß derzeit weder » ffi zielte noch offiztose Verhandlungen-wischen ter f r a n z L s i s ch e n Regierung und der englischen Negierung betreffend das Garantieabkomnien ffatlffndeu. lluch werde die Regierung keine neue Verpflichtung aus sich zehnten, ohne Las Parlament zu befrage». Die Verhandlungen in London. London, II. Dchembrr. lFunkspruch.) Zur Zusammenkunft Llemenceaus Mit Lloyd George fdjrctbt b\t .Wcstminster Gazette", daß vor ollem drei Dmge zur Verhandlung kommen werden. Erstens die Verzögerung der Natifizrerung durch Amerika und die Möglichkeit der Annahme von vichligen Vorbehalten, die eine Ueberprüsung des brrtisch-fianzösijchen Uebereiukommcns notwendig machen. Zweitens das adrratijche Abenteuer d'Annunzios. das nicht ewig bäumt dürfe. Drittens sie Schwierigkeiten in der Ratifizierung durch Deutschland. 'Der Viererrat fordert die baldigste Entsendung der ungarischen Friedensdelegatiou. Pari», 11. Dezember. (Funkspruch.) Im Namen des Obersten Rates der Alliierten hat PiLstdcnt Clemenceau das Lchrelben des ungarischen Ministerpräsidenten kurz b antwortet, huszar habe nach Ansicht des Obersten Rates verschiedene Vorhände vorgebracht, um die Delegierten noch nicht nach Nemuy jendcn zu müssen. „Der Oberste Rat", Hecht es wörtlich, „hat ton der Antwort der ungarischen Negierung Kenntnis genommen,, toß drei Personen, die als Delegierte nach Ncmlly kommen sollen, von den Rumänen zmückgrhatten werden. Der Oberste Kat beabsichtigt nicht, in dieser Angelegenheit bei der rumänischen Kegirrung einzuschreiten und fordert die ungarische Regierurg »euerlich auf, so rasch als möglich ihre Abgesandten nach Nemuy M senden." Die Amerikaner haben Paris verlaffen. Paris, 11. Dezember. Die amerikanische Friedensdclegation bat gestern abends Paris verlaffen und wird heute morgens ans »em amerikanischen Dampfer „America" von Brest auS die Heim? reise antreten. Das Schicksal der öfterreichisch-ungarischen Kriegsflotte. Paris» 11. Dezember. (Funksprnch.) Der Oberste st a t hat mlschieden, daß Polen, Südsiawien, Portugal, Griechenland und Rumänien eine gewisse Anzahl von Kanoneni/O o t c n und Wachschiffen aus dm Beständen der ehemaligen ssterrelchisch-ungarffchen Kriegsmarine erhalten.werden. Die Polen besetzen Minsk und Wolhynien. Paris» 11. Dezember. lFunksvruch.) Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß laut „Echo de K-ew" zwischen D e n i k t n wd dem polnischen General Kar » itzky ein Ilcberemkormmn ^geschlossen wurde, nach welchem sich Polen verpflichte, die vestlichen Teile der Provinz Minsk und vo« W o l h y n i t« vorübergehend militärisch zubesetzeu. Da« Reichsnotopfer angenommen. Per»«, 11. Dezember. Die Nationalversammlung hat i« ihrer heutige« Sitzung die zweite Lesung der Geietzesvorlage über laS Reichsnotopfer beendet und das Gesetz un wesentlichen nach len Beschlüßen des Ausschusses angenommen. Der neue Schweizer BundeSral. Bern, 11. Dezember. Bei der heute stattgefundenm Neu-, nah! der Mitglieder des BundesrateS durch die Vereinigte Bundesversammlung wurden Motla, Schulcheß. Calonder und Haab lestätiat. Neu gewählt wurden Scheurer, Musy und als siebentes Mitglied Chuard, welcher sich zur Annahm: der Wahl eine kurze Bedenkzeit erbot. Zum Bundesprästdetzlen wurde Bundesrat »chuliheß gewählt. Dr. Bcuesch über die tschechische Handelspolitik. Prag, 11. Dezember. (Tschecho-stow. Preßbur.) Die „Times" vom 5. d.M. veröffentlicht eine Unterredung des Korrespondenten des Reutcrschen Bureaus mit dem tschecho slowakischen Minister der Aeußeru Dr. Benesch. Der Minister führte unter anderem mS: Meine Aufgabe ist, die Handels- und Kreditfragen, die jntser Land betreffen, besonders die wirtschaftlichen und Handelsl»ez«ehunam zwischen der tschechoslowakischen Republik und Nrvßbritannien zu regeln. Die Lage von Mitteleuropa ist sehr schlecht. Oesterreich schwebt in Not und morgen kann auch Magyarien in dieselbe Lage geraten. Das einzige Land, das unmittelbar hikfssähig ist, ist die Tschecho-Slowakei, weil sie «ine» großen Reichtum an Kohle, Zucker und Fndustrioerzeugnissen besitzt. Unsere Politik ist eS, soweit rs möglich sein wird, unseren Nachbarländern zu Helsen und ein neues politisches System zu schaffe«, in dem die älte Feindschaft der friedliebenden Arbeit Platz machen wirb. Meine Aufnahme in Paris und London war sehr sympathisch and ich erwarte, daß uns England und Frankreich ttn Darlehen von 26 Millionen Pfund gewahre» tverden. * Sturmszeuen itt der Prager Nationalversammlung. Prag» 11. Dezember. <Privat.t Heute gab es in der .Nationalversammlung Siurmszenen, wie sie der Saal noch nicht erlebt hat. Der Abgeordnete Myslyvec, Chefredakteur des „Ccch" brclt eine Rede gegen die Warenumsytzstcucr. welche seine Partei, die katholische Volkspartet, ablehnl. Er erging sich dabei tn den hestlgsten Angriffen gegen dte Sozialdemokraten, denen er vormarf, daß-sie die Regierung terrorisieren. In der Sache M u n a leien alle Minister vor ihnen auf die Knie gefallen. Wenn ober der „Cech" verlange, daß' man Hlinka anhöre, bevor man tbn verurteile, werde er. wie das heute geschah, konfisziert. Die Konstskationsprax S und die Amtsführung des Ministers des Innern. S v e h l a, nannte er ,eine Pgscha- Wirtschaft und erklärte, es bade den Anschem, als ob diese Versammlung, die sich selbst eingesetzt habe, in der Slowakei magyarüche Wahlen zu machen beabsichtige. Diese Worte entfesselten einen Sturm der Enttrifftung bei de« Agrar'ern und Sozialdemokraten. Man rief Myslyvec zu: Schmach. Schande, magyarischer-Hausknecht! Der neue slowakische Minister Milan Hodza erhob beide Hände drohend gegen Myslyvec und mehrere Agrarier wollten sich auf rbn slürzen, wurden aber von 'ihren Parteigenossen zurückgehalien. PMdent Tomaschck, der sich in dem unbeschreiblichen Lärm kaum verständlich machen konnte, rief Myslyvec wcgen seiner Acußerungen zur Ordnung und bcmetkie. die Nalioualversantmlung habe sich Nicht selbst eingesetzt, sondern sei von der Revolution entieudet worden. Diele Worte fanden lebbaitcu Beffall' der den Abgeordneten der Regicruntismehrbeit. MhSkyvee stand dann auf und erklärte, aus dem B nehmen der Slowaken entnehme er, daß magyarische Wahlen in der Slowakei nicht erwün'cht seien. Später stellte es sich heraus, daß die Bemerkung, die Versammlung habe sich selbst eingesetzt, n-.cht rom Abgevidneten Myslyvec, sondern vom Abgeordneten Imriga gemacht worden war. Juriga wurde zur Ordnung gerufen. Masarhlrs Sommersitz. Prag, 11. Dezember. tPüvat.) Dem Ansuchen der Stadtgemeinde Böbm.-Lc-pa, das Schloß R e i ch st a d t für Wohnungszw.cke zu benützen, wurde von der Regierung nicht entsprochen, weil dieses Schloß der Sommersitz des Präsidenten Masaryk werden soll. Plünderungen bei einem Eisenbahnunglück. Prag» 11. Dezember. (Privat.) Bei dem Effenbabnzusammeustoß in Chwala-Potschermtz am Samstag, welcher fünf Todesopfer forderte, haben sich auch Plünderungen ereignet. „Narodni 8>sty" meldet darüber: Die Verlotterung, dre in der letzten Zeit bei uns grwiffe arbeitsscheue Leute ergriffen bot. zeigt sich in bestialischer Welle auch bei dem Eisenbahnunglück. Gefühlloser Answmf der menschlichen Gesellschaft benützte die allgemeine Verwirrung und nahm die Postsendungen heraus und beraubte auch dte wehrlosen Verletzten, ohne ihre Schmerlen. und ihr Jammeln zu beacht-n. Einen von ihnen beraubten sie um einige tausend Kronen; sie plünderte» auch einige Wohnungen in der Nähe der Ziegelei, deren Bewohner am Unfallsorte werkten. Tagesbericht. Amerika gegen die Pogrome. Der Aufmarsch der Hunderttaufende. — 10.000 jüdische Soldaten an der Spitze. — Ein Tag der Trauer. Am 84. November fand in New-Dorl eine jüdische Ricsendemonstratron gegen die Pogromein der Ukraine statt, wie sie New-Uork niemals vorher in dieser Größe gesehen bat. Einige Hunde, ttaulende von Ittden marschierten zum Protest durch die City. Mehr als 10.000 jüdische'Soldaten bildeten die Spltze des Zuges, der alle Straßen d.es jüdischen Viertels mit seinen Mafien bedeckte. Eine besondere Gruppe bildeten die jüdischen Palästinalegionäre. Neben den Versammlungen, die in verschiedenen Teilen der Stadt abgehalten wurden, fand eine R'escnversammltmg in der . Carnegiehalle unter Vorsitz von Oberst Cultler stait. . Als Redner traten Minister Daniels, Kardinal L a w e (, Gouverneur Walker, H y l a n, der Mayor von Rew-Aoch Rabbiner Wist, der Vizepräsident der zionistischen Organisation, M a r s h a l l. Richter Mack und her bekannte jüdische Philanthropist Jakob Schiff aus. Die Redner rührten mit ihren Schilderungen die Versammlung zu Tränen Die Versammlung nahm eine Resolution an, tn der sie die Großmächte zur Intervention auffordrrte. da nur diese Maßregel den Pogromen «in Ende werde bereite« können. . x Aehnliche Demonstrationen wie in New-Aork fanden auch in den anderen größeren Städten der Vcremigtcn Staats« statt. Jüdische und amerikanische Fahnen mit Protest-und Trauerinschrifren wurden dem Zuge rvorangctragen. Alle jüdischen Geschäfte, Handwerlsstätten und Fabriken waren geschloffen. In den Synagogen wurden feierliche Trauergotlesdienste abgehallen. Beinahe du gesamte jüdische Bevölkerung trug an diesem Tage Schwarz und Trauerbändcr. .Die jüdilchen Geschäfte und Hauser waren m>t Trauerfahnen versehen. Du jüdische» Blatter erschienen mit Trauerrändern. Jüdische Nationalverband in Graz. Ende November fand die Generalversammlung des Jüdischen Nationalverbandes in Graz statt. Der Obmann, Dr. Artur Rosenberg, erstattete der Tatigkettsbencht und einen Ueberl'lrck über das nationale jüdische Leben m Graz. Gegenwärtig bestehen an nationalen Organisationen der I Ü d i s ck» e N ationalverband, die Frauenorganisatio» und der Sportverein „H a k o a h". Dazu kommt noch der Jüdische Studentenvrrein und der Hebräische W a a d. Der Nationalverband zählt gegenwärtig 300 Mitglieder. Ihm obliegt die polüische Arbeit, während die Frauenorganffmion vorwiegend soziale, Aufgaben erfüllt. Vom Hebräischen Waad werden Kurse geleitet, in tonen 160 Erwachsenen und Kindern hebräischer Sprachunterricht erteilt wird. Der Nationalverband gibt seit September rme eigene Monatsschrift heraus: „Grazer Jüdische Nachrichten", «it deren Leitung Dr. Jakob Weiß betraut ist. Zum Nationalfonds- Kommiffär wurde nach Abgaug des Herr« Karl Rosenberger Herr Hermann Bürger bestellt. Der Zusammenhang zwischen den nationalen Orgamsat onen der österreichischen Provinz wird durch e-ne Tagung in Linz Ende Dezember gefördert. — In der Adwehrbewegung gegen dte antisemitische Hetzwelle ergriff der Nationalverband mit rascher Jnitialme dte Führung. Er mtervrmerte bei der Landesregierung, beim Bürgermeisteramt, bet der Staatsanwaltschaft, beim Polizeipräsidium und bxim Rektorat Mit dem Ei folge, daß von allen Behörden die exekutiven Organrangewiesen wuiden. weiterenUebcrgriffen der B-volkerung, wie sie namentlich durch das Ankleben antisemitischer Zettel, den Ausdruck fanden. Einhalt zu tun. — Die Versammlung nahm den Bericht mit Befried'gung zur Kenntnis. Bei den Neuwahlen wurde zum Obmann Dr. Artur Rosenberg, zum l. Obmann-Stellvertreter Julius Grüner zum H. Obmann-Stellvertreter Dr. Jakob Weiß gewählt. Der Amsterdamer Gemeind erat für die Wiener Kinder. Haag, 11. Dezember. Tel.-Ko mp.) Hollandsch N>euwS' bureau meldet: Der bekannte holländische Kommunisteuführer W l j n k o o p stellte im Amsterdamer Gemcinderate den Antrag,' für die W > e n e r Kinder 100.000-Gulden zur Verfügung zu stellen. Trotzdem gegen einen von hicser Seite kommenden Antrag regelmäßig Widerspruch.erhoben wird, wurde der Antrag einstimmig angenommen. Italienische Hilfe für Wien. Berlin» li. Dezember. Der „Abend" meldet <tns Hamburg : Das Hamburger „Fremdenblalt" eriäh'.t aus Rom, daß die Aktion zur Unterstützung der Wiener Kinder in Ikal'en einen erfreulichen Umgang annchmrDre Stadtverwaltungen von Mailand, Bologna, Aleffandria und anderen Stäütrn haben die Negierung gebeien, die Züge des Rote» Kenzes zur Beförderung der Wiener Kmder zur Verfügung zu stellen. Der Awemhalt der Wiener Kinder in Italien wird auf vier Monate berechnet. Lebensmittelkirawalle in Steyr. Linz, 11. Dezember. Wie die Linzer Blätter melden, kam es heute vormittags in Steyr infolge, der Lebens-- mittelnot zu Demonst''atlonen der Arbeiterschaft vor der' Beztokshauptmannscsaft und dem Rat Hause. Auf 'dem Stadtplatze, wo sich, einige tausend Menschen ange-- 12 Aezemoer 1919 De/vce -—----^ sammelt hatten, sprachen mehrere Redner, welche btJ .Forderungen der Arbeiter nach einer besseren 'Lebens^ nrittelversorgung aufstellten. Später begannen Gruppen aus der Menge in einzelne Gasthäuser einzudringen^ in welchen sich wegen des Wochenmarktes zahlreich^ Bauern aus. der Umgebung befanden. Einige deri Bauern wurden mißhandelt und verletzt Gegenwärtig herrscht in der Stadt wieder Ruhe.^ Sofort nach Bekanntwerden der Ruhestörungen m Steyr haben sich Landesamtsdirektor Attems, deri Bürgermeister von Steyr, Wokral, und der Abgeordnet^ Dr. Jetzinger, welche gergde im Larchinae. in Stit$ weilten, nach Steyr begeben. Ein französischer Vortrag in Deutschland. In Darmstadt sprach jüngst über Einladung der Darm« ftädter Sezesffon der Generalsekretär der französischen Gruppe „Claris", Herr Paul Colin aus Paris, über die „Freundschaft der Völker" und die „Unabhängigkeit deS Geistes"^ Anfangs gab es eine Lärmszene. Nachdem jedoch einige nationalistlsche Schreier aus dem Saale entfernt worden waren^ hatte der Dortrag einen sehr großen Erfolg. Auf bemj Bankett, das sich an den Vortrag schloß,, hielte» Bertretey der deutschen Intelligenz und Kunst - sowie der deutschertz Arbeiterschaft Ansprachen.; Eine Berliner Zeitung hatte die Nachricht gebracht daß der ' Vortrag gesprengt worben sei. Giwq ausführliche Schilderung der Vorgänge gibt Kasirnür Edfchmid. .Er telegraphiert uns: „Die tendenziös entstellt« Notiz ist anscheinend vor dem Beginn der Versammlung onj die hetzerische Presse Deutschlands versandt worden. DeÄ wie ich glaube, ungewöhnlichen Wichtigkeit deS Moments wegen, in dem zuerst ein französischer Redner össentliÄ in Deutschland spricht, mit Zorn und'Pathos die Verbrechen seiner imperialistischen Regierung anklagt und unter tot» Jubel der Versammlung die Freilassung der Gefangenes fordert, der Wichtigkeit .des Moments wegen, ftt dem eint Belgier brüderliche Grüße von gleichgesinnte» Menschen, über» bringt, stelle ich. die Sachlage fest. In dem Saal befanden sich einige hundert MeufcheiL Ms in den überfüllten Raum, vor Beginn des Vortrag« ehemalige junge Offiziere ohne Karten eindringen wollte« wurden sie leicht hinausbefördert. Wilhelm Michel, der; bedeutende Essaist und Hölderlin-Forscher begrüßte Colins Dann las, von heftigstem Beifall unterbrochen, der Schauspieler Gynt einen Aufruf Colins vor. Als Colin auftvL^ wagten drei junge Offiziere einen Zwischenruf. Darüber; waren die Besucher so empört, daß innerhalb zwei Mjnntoni die jungen Herren mit automatischer Präzision aus d«oj. Saal entferntwaren. Selten sah Ich eine so auS der Ge« meinsamkeit des Gefühls von Hunderten kommende Handlungi Darnach sprach Colin. Fast nach jedem Satz applaudiertes die Hörer. Am Ende wurde der Redner minutenlantz gefeiert. Außer dem erwähnten Versuch einer Störung: kein. Zwischenruf, keine Polizei, kein Militäraufg^bot! Das' Gesagte wurde noch einmal deutsch referiert. Dann brachte eine Eskorte von hundert Mensche« Colin in sein Hotels während irgendwo in den Straßen verhetzte Jüngling« es sich nicht nehmen ließen, im Regen, mit entblößten Häuptern „Deutschland über alles!" zu singe«." Meyerbeer mb der Wiener Vormärz. An Jahre 1817 kam Meyerbeer nach Wie», vm der Aofführung emiger . seiner Werke in der Kaiserlichen Oper ber° zuwohnen. Aber wäbrend sich Adel und Gesellschaft zu «nrw festlichen Empfange rüsteten, kam die Hohe Wiener Polizei tri nicht geringe Verlegenheit. Denn vor 1848 durste sich kem ftemdto Jude ohne besondere behördliche Bewilligung in Wien amhalte«,' er mußte sich bei der Poltzei emfinden, den Judmzoll enttrchtm und dte Bewilligung tn Empfang nehmen, die ihm eine» ko» bemkffenen Aufenthalt in Wten ermögltchie. Dteser Prozedur trau«, man sich dev berühmten Komponisten doch nicht zu unterwerfe«^ da man sich nicht vor ganz Europa lächerlich machen wollte, «ndi Meyerbeer als Chrcken zu behandeln, hätte ein gefahrltches Präjudiz bedeutet. Da Hali ein findiger Potizeibeamter auS der Bev-i legenheit : er erinnerte fich, daß Meyerhrer preußischer Hofkapellmeister und Ehrenrttter sei und so erhielt dieser seine» Paß unter diesem Ttfel. während man sein Judesein mit Stillschweigen Lbergmg. So war wred er einmal der Staat gerettet. VismarS hielt Wilhelm II. für geisteskrank. Aus Leid zig wird depeschiert: Im dntten Band tot „Gedanken und Erinnerungen Bismarcks", um drffe» Erscheine« — wie schon berichtet — etn Rechtsstreit schwebt, find — »ach Mitteilung einer Münchener Zeitung — auch drei wichtige Dalumente enthalten, die stch auf dc«Gesu»dheitSz«- st a n d W i l h e l m 8 ll. beziehen. Bismarck sah fich bereit vor der Evtzwelung mit dem Kaiser als Ministervrafident veranlaßt, über den Gesandheitsmfiand des Koffers ärztliche Gutachten einzuhoien. Diele Gutachten sind rm dritten- Band der „Gedanken und Erinnerungen Bismarcks" enthaltend Sie stellen Lbereinstimmend das Vorhandensein rmer aeistiaen E r k r a n k u n g fest und rechnen mrt der Mögltchteit rmes Ausbruches des dauernden Wahnsinns tn zwei bts drei Jahren. Wen» P es d o r p, der berühmte Münchener Psychiater, mit seinen Behauptungen recht bat. so wird allerdings der CinspruL Wilhelms ll. gegen die Veröffentlichung des Bismarckschen BarckD begrerfltch. _ * Abgeordnete« Dr. Baue« über die neue Wehr» macht. In einer sozialdemokratischen Versammlung lm Ottakrmgev Arbeiterhcim spiach^Dr. Bauer über die neue Wehrmacht. Er erklärte, daß man sich crff die Oisiziere aus der alten Armee anlehen müsse, die man in die neue Wehrmacht übernehmen werde. Die Soldaienräie wurden in der neuen Wehrmacht bä--' behalten werden und die Soldaten werden das Ko.rl!t>onsrechd und das aktive und passive Wahlrecht besitzen. Zum Schluffe seiner: Ausführungen war nte Redner den Bürger- und Ständeat vor einem Versuche der Aufstellung und Organisierung weißer Garden. Jeda solche Agitation müßte erneu Bürgerkrieg zur Folge haben. vi * Hebräische Konversationszirkel. Das hebräische! Sekretariat des zionistischen Landeskomitrcs, II, Zirkusgaffe 38^ ruft hebräische Konveriativuszirkel ms Leben. Diejenigcu, die Hebräisch ^verstehen, jedoch 'im Hebräffchiprecheu kerne Uebung haben, können sich daran beterl'pen.^ Geplant sind Zirkel von zirka 10 bis 15 Personen. Die Eröffnung erfolgt, wenn sich zu-- mindest zehn Personen anmclden. Dre Anmeldungen erfolge» mündlich (Drenslag und Donnerstag von 4 bis 5 Uhr) oben I christlich. * Pvknearö wird wieder Advokat. Porncarä ge--, .wahrte dem „Journal" eine Unterredung, m der er erklärte, eu 9 wcrde nach Ablauf seiner Amtszeit feine vol,lischt Tätigkeit als Parlamemcrner fortsenen und seinen Beruf als Anwalt wieder autnehtnen. Die Pursidentschaft sei re cht dazu angetane um Reichtüiner zu erwerben, so daß er oorrneuem crerrön'at re iw Wirb, »u vlädrererr.

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