Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 318 (10.12.1919)
- Date
- 1919-12-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 318 /Wien, WtlwoH Wrenev Morgenzerrung lUasal»aaaWaaaaa»a»aaa»s»aaaaaasi>»»aaaai>aa>N>WaMaL»aW>l.aa»a»a»»a»fl»»»>i>»»»aa»»M»»»»»»» ki'WGTS Süakkabäer-Feier - a Karten Ton K 20,— Ms IC 2,— im Zionisti- ■ selten Bureau, H., Zirkusgasse 88, .an ,den a Schaltern dep „üdorgenzeitung“ und in der Z Buchhandlung Löwit, I., Eotenturmstiasse. v’ j* Festrede gehalten yom Oberrabbiner vr. Cbajes. I Erstklassiges künstlerisches Programm, : des zionistischen Landeskomiiees Dienstag den 16. Dezember, Sofiensäie. - . Dieser Bericht hes Warschauer Blattes widerspricht Ken vom Polnischen Korrespondenzbureau ausgegebetten' Ler ick kn über die Anschauungen Sir Samuels über - bis otn'a berührten Fragen. . . ‘“’ilitä Warschau wird berichtet: Zu.Ehren des . nach Beendigung seiner Mission nach England zurück- -lehreuixm Sir Samuels haben sowohl' der Warschaus!: ' „Misrachi" als ' auch das z io nistische Zentralkomitee in Warschau Münde veranstaltet, an welchen Delegierte der zionistischen Vereine uttb Institutionen sowie der jüdischen Presse teilnahmen. Nach kurzen Reden des Präsidenten des zionistischen AMtraMmttees, Dr. Klümel, der Herren Dr. P o srrans ki und Podlischewski, welche Herrn Samuel 'ersuchten, der englischen Regierung den -Dank der Ziomsterr Polens für ihr gerechtes Verhalten den Juden . 'gegenüber zu übermitteln, hielt über Einladüng Sir Samuels Abgeordneter Dr. Thon, eine scharf pointierte Rebe über die politischen Forderungen der polnischen .Juden. Dr> Thon gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Mgesandte der englischen Negierung, trotzdem -eS sicherlich schwer, sei, inmitten einander so widerstrebender Wünsche und Ziele das kritische Gleichgewicht $u bewahren, mit klarem Blicke die tatsächliche Lage her Juden erfaßt hahe und seiner Regierung objek- . ttvew Bericht erstatten werde. Mgeodneter Grün- ' b aüÄ . hah den Gast, den englischen. Zionisten, mit - denen sich die. polnischen Zionisten eins fühlen,, die '.brüderlichen Grüße übermitteln zu wollen und skizzierte .die Wünsche der polnischen Zionisten bezüglich Palästinas und ganz besonders den Wunsch, sobald als. . möglich eine Erleichterung der Einwanderung der Juden, .noch Palästinaherbeizuführen? - . .. Sir Samuel erwiderte allen Rednern in einer lattArn Ansprache. Er .stimme den 'Aus- ^führungen Dri Thons vollkommen bei, insbesondere seiner Forderung, daß Miaute len dafür ge- ' schaff» werden müssen, daß das Friedens traktat bezüglich-.ocZ Schutzes der Mtnherhe itsrech te nicht --'Mißlingendes,,aher leeres Wrt bleibe.. Hinsichtlich Palästinas sprach Samuel die Hoffnung aus, daß'es der englischen Regierung „in kürzester Zeit gelingen: werde, die Schwierigkeiten, die ihr m der-restlosen Erfüllung > ihres. Versprechens entgegengestellt werden, zu ' heutigen. Nach einigen Mitteilüngen. Mer seine Verhandlungen mit der polnischen Regierung schloß Samuel seine Rebe Mt der Versicherung, daß er auf sxin Judentum stets stolz' war, diesem nicht nur seine gegenwärtige. Mission, sondern seine ganz« Stellung verdanke und. diesem Prinzip auch immer treu bleiben werde. .. England und die Bolschewiken. ' •i Der bolschewiktsche ' Volkskonünissäp L i t w i nv w, welcher bekanntlich in Kopenhagen mit dem englischM Wgeordnetsn O'G r a d y verhandeltehat einem Vertreter des Reütter-Bnreaüs seine wahren Absichten kundgetän. Die Verhandlungen sind abgebrochen, worden, ' weil die beiden Unterhändler neue Richtlinien der ' beiderseitigen Regierungen abwarten. Litwinow erklärt nun, ex wolle die Grundlagen zu einem Frieden zwischen den Bolschewiken und der Entente legen und '.hebt die,ökonomischen Vorteile hervor, welche die Westmächte von einem Frieden mit Rußland hätten, welches stets, zu einem.' solchen bereit sei, obwohl seine letzten militärischen Erfolge und die Kriegsmüdigkeit Dolens und der baltischen Staaten jede Gefahr für das Regime der Bolschewiken beseitigten. * Zu gleicher Zeit veröffentlichen die , englischen Blätter ein Schreiben des Obersten M alo ne, der jüngst .'aus Rußland zurückgekehrt ist und im Parlament für den Frieden mit den Bolschewiken eingetreten ist. In seinem Rundschreiben an die Press«' evklürt der Oberst, daß. er von der Svwietregi-erüng präzise Friedensvorschläge, erhalten habe und ermächtigt fei, sie der eng- ' lischen Negierung vvrzulegen. Die Vorschläge selbst decken sich mit denen, die seinerzeit der Amerikaner Bullitt vertreten hat und enthalten also nichts Neues. Interessant sind auch die Aeüßerungen, welche ^Litwtnow einem Vertreter des Londoner „Dailh Expreß", des bekannten Organs der Labour- Partei gemacht hat. Die Bolschewiken, sagte er, würben wirtschaftliche Beziehungen zu England oder Amerika . solchen zu anderen Staaten entschieden vorziehen und sie kennen die wahren Gründe der Intervention der Alliierten in Rußland, die sich in dem einen Worte „Konzessionen" ausdrücken lassen. Da sie Realisten sind, würden die Bolschewiken lieber dem Kapitalismus der Alliierten Konzessionen machen, als die Kräfte Ruß? lanbS in einem endlosen Kriege zu zerfleischen. Ein vollständiger Kommunismus wäre nur möglich, wenn andere Länder ein ebensolches Wirtschaftsregime einführten. Also würben -die anderen Länder entweder Rußlands, Beispiel folgen müssen, oder dieses, müßte zum Kapitalismus zurückkehren, weil die Stunde für eine vollständige Durchführung des Kommunismus noch nicht gekommen sei. Was die den Bolschewiken zugeschriebenen Grausamkeiten, anlange, würde die Regierung von Moskau eine gründliche Untersuchung fordern, welche sie nicht im mindesten, zu scheuen hätte. Man muß sich erinnern, daß es nicht,düs erste Mal ist, daß man' ähnliche Erklärungen von Lölschewikischer Seite zu hören bekommt. Aber 'die Tatsache, daß in England' mehr denn je von den Möglichkeiten eines Friedens mit den Bolschewiken die Rebe ist, verdient immerhin Beachtung.' - Marloh freigesprpche«.!!: Berlin, 9. Dezember. Unter großem Andrang des.' Publikums wurde-heute das Urtejl im Prozeß gegen den OLerleutn'ant Mar lo h wegen Erschießung von 22 Matrosen der Bolksmarine-Divtsiön verkündet. Das Urteil lautet: Der Angeklagte wird von der Anklage des Totschlages, da er lediglich befehlsgemäß gehandelt hat, frei gesprochen. Er wird wegen unerlaubter Entfernung zu drei Monaten Festungshaft, von denen zwei Monate durch die Untersuchungshaft verbüßt find, und wegen Gebrauches von falschen Legitimations- Papieren, der ihm ein besseres Fortkommen ermöglichen sollte, Fu 30 Mark Geldstrafe, eventuell zus drei Tagen Hasst verurteilt. > i ' Obwohl die Verhandlungen gegen Mar loh mehrere Tage in Anspruch genommen haben und obwohl ein großer Zeugenapparat in Bewegung gesetzt wurde, ist es nicht gelungen^ die geheimnisvollen Vorgänge zwischen Matloh und dem Obersten Reinhard restlos aufzuklären. Der' Freispruch dürste an und für sich .berechtigt sein, denn tatsächlich hat Märloh picht den Eindruck gemacht, als vb er die Erschießung aus eigenem Witten veranlagt hätte. Die Befehle, die er von Oberst Reinhard erhalten hat, dürsten, sogar erheblich weiter, gegangen sein. Und wenn auch nicht einwandfrei festgestellt werden.konnte, yb der Oberst' 'tatsächlich, wie behauptet wird, die Zähl 150 vorgeschrie.pen. hat, so. machte er ‘ selbst jedenfalls kein Hehl daraus, daß er die Absicht hatte» die aevolutivnären, Isnruhen mit rücksichtsloser Schärfe zu unterdrücken' und daß die Befehle, die er erteilte, von dieser Tendenz diktiert wurden. Run kann mau sich zwar vorstellen, daß ein Kommandant in so schwieriger und verantwortungsvoller Stellung, wie.sie. Oberst Reinhard während der kritischen Zeit bekleidete., mildem Befehl zum rücksichts^- loseu Waffengebrauch tatsächlich glaubt- ,die Ruhe und Sicherheit des Staaites zu erkaufen. Was jedoch die Dinge, so mysteriös, macht? baß sind die Vorgänge bei der Unterfertig Mg des ersten Protokolls durch Marlvh und seine Flucht. Das Protokoll scheint von Reinhard aufgesetzt worden zu sein: und' Marloh unterschrieb es, mit den Worten: „Es ist zwar, eine Gemeinheit, aper ich tue es im Interesse des Vaterlandes" Später wurden ihn gefälschte Papiere Und ein größerer Betrag zugesteckt, und ihm nahegelegt, .zu verschwinden. All bk Dinge, welche hierdurch, totgeschwiegen, entstellt oder verfälscht werden sollten, hüllen sich nach wie'vor in ein geheimnisvolles. Dunkel. ' i * ''\i'A : 1 Reichsfinanzminist-er Erzberger erklärt: > ' \{r! Der Vorredner hat den sonderbaren Mut gehabt, von der Tribüne des Hauses herab in wohlvorbereitetech' Redewendungen Unerhörtes auszurusen. Die Person' des Redners reicht nicht an meine Stiefel-, absätze heran. Namens der'Negierung muß ich diese Unterstellung aufs, schärfste zurückweisen. Das Schwerste, das der Fcnrd uns auferlegt hat, ist die> Besetzung..Wir stehen mit hem Feinde in schweren Unterhandlungen. Die. neue No.te droht mit neuen Besetzungen, und in diesem Augenblicke bringt es ein Mitglied der deutschnationälen Partei fertig, mit dem Gedanken: eiyer Preisgebung weiteren deutschen Landes zu spielen^ ^Andauernde Pfui-Nufe bei den Mehrheitssozialisten^ In persönlicher Bemerkung erklärt Abg. G u g e nb er g, er habe sich keiner Verleumdung schuldiggemacht, auch nehme er den Vorfall nicht tragisch unp * verwahre sich Nut dagegen, daß er gesagt haben könnte,.' -er wünsche die Besetzung des Ruhrgebietes. Gr habej. nur gesagt, die Politik Erzbergers würde dahin führen,.' und dann möge or es nur lieber gleich tun. Er Habe- Herrn Erzberger lange für eimn Landesverräter gehalten.- (Präsident Fehrenbachruft dea, Redner zur Ordnung.). ‘;.-,j \ 1 i.-- Eröffnung der französischen Kammer. >, Paris. 9. Dezember. (Funttvruch.) Heute nachmittags wurde die neuaewählte Kammer eröffnet. Die Sitzung trug ' mit. Rücksicht aus die Anwesenheit der 24.Vertreter der W ied erst e w o n,nenen Gebiete einen besonders feiemchen Charakter. . - > Alterspräsident Sregfrie>d hielt zunächst eine Be-. arüßungsansprache. worauf namens der Vertreter Elsaß- Lothringens Dr. F r a n y o i s, BiirgermeistZc von Delme, ritte Erklärung verlas. Hierauf sprach Noch Clemenceau, welcher die Rückkehr der beiden Provinzen zum Mutterlande begrüßte. ■, > - . . Friedensbereitschaft Sowietrußlands. Moskau, 9. Dezember. (Funkspruch.) Der siebente Rate- , kongreß hat auf Vorschlag Lenins neuerlich einen F r i e d e n s-'s b e s ch l u ß gefaßt, worin an die alliierten und assoziierten' Mächte die Aufforderung zum sofortigen Eintritt in I x i e h e n s v e r h a n b (u « g e n gerichtet und der VoPf kommiffär für Auswärtiges aufgefordert wird, alle hierzu nö!» I wendigen Schritte ehestens zu unternehmen, ' Telegramme. Slrandalszenen Itt der deutschen National- > Versammlung. Berlin, 9. Dezember. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung wurde die zweite Beratung über den Gesetzentwurf betreffend das- Reichsnotopfer begonnen. . Im Verlaufe der Debatte spraich auch' Abgeorbneler Gugenberg (deütschnational). .Er erklärte im Verlaufe seiner Rede: Ihnen, Herr Erzberger, muß ich ein furchtbares Wort sagen, gegen das mein ganzes eigenes Empfinden sich'sträubt, das Gis aber mit.Ihrer Politik geradezu Herausfördern: Wenn schon einmal Schritt für Schritt das deutsche Volk an die i^ette internattonater Wirtschaftssklaverei gelegt . werden svlh. (Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten: Durch Eure Schuld), dann matz es doch lieber offen und ehrlich! geschehen, als hinten herum, dann lassen Sie den Fein- — es wird mir schwer. Ahnen das vor afler Well zuzmnfen doch - lieber das Ruhrgebiet besetzen. (Ungeheurer, minutenlanger Lärm bei den Sozialdemokraten, Demokraten und beim Zentrum, fortgesetzte Schlußrufe, Zurufe: Hochverräter! Lump! Pfui-Rufe.) Das wird die Folge Ihrer Politik sein. (Glocke des Präsidenten. Redner versucht, tveiter zu sprachen, wird aber durch andauernden Lärm daran g«- hinbert. Vizeprüsident Hausmann versucht^ vergeblich, dem Redner Ruhe,zu verschaffen.) Bolschewilrischer Kampfbericht. Morgen des 8. wurde sie von den Rottruppm zurückerobert. Die Elsenbahnliuie K i e w—P o l t a w a wurde erreicht, imb überschütten. Bjetgorod wurde besetzt. Deniki« °r8umt Charkow. Wien» 9. Dezember. Der Ukrainische Preffedünst Meldet > Denikin hat imter dem Druckender ukrainischen Aufstävdischeu die Räumung von Chaüow, des wichtigsten EffmbahnkuotenPUMs der Ukrame, angeorduet. - 1 Drohender Streik in Vorhslaw. ' Lemberg» 9. Dezember. (Privat.) Die Grubenarbeiter von Bor H s l a w verlangen eine KOprozetttige Lohnerhöhung. Da die Arbeitgeber die Forderungen nicht erfüllen wollen, besteht hte Gefahr eines S t r e i k 8 sqmtlicher Grübettarbeiter. . Tschechen und Südslawen gegen Angarn. ' Prag, 9. Dezember. (Privat.) „Der 28. Oktober" meldet*. Die tschecho-slowaklscheund südslawlscheRegierung haben zur gleichen Zeit in Budapest Schritte gegen die Amon zm Wied e'r> Herstellung Ungarns in seinen früherem Grenzen unternommen und mit der Einstellung der Einfuhr, von Kohle. Holz und Lebensmitteln gedroht. Unter Einwirkung - der Ententemnsionen in Budopest mußte sich Ministerpräsident Huszar dem Verlangen der ischecho-slowakisrhen und der südslawischen Regierung fügen und jede Tätigkeit in der genannten Richtung einstellen. v ' i Verlegung der Prager Regierungskrise» . Prag» 9. Dezember. (Privat,) Es ist mehr als wahrschein- - lich,. daß der morgtge MtNlsterrat jene Verordnung beschließen wird, welche die Nationnlioziallsten als Provisorium verlangen, solange nicht das Gesetz gegen Terror und politische Vergewaltigung dntchgeiährt werden kann. Dann ist das Verbleiben der National-. sozialen m der Koalition und Regierung gesichert. Kein Streik in den böhmischen Kohlenrevieren. Prag, 9. Dezxmber. (Tschecho-ilow. Preßbttr.^ Auf der Konferenz der Bergarbeiter der Reviere - Falkenau, Etbogew uttd^ Karlsbad wurde-beschloffe«, vom beabsichtigten Streik a b st a y d z u nehmen, da für die Verproviantierung der i Bergarbeiter Vorsorge getroffen wurde. Der maskierte Zeuge.; 1 Prag, 9. Dezember. (Privat.) Wie wir seinerzeit berichtet, Wurde der Schlesier S u s z e k auf Grund der Aussagen eines vermummten Zeugen vom hiesigen Divisionsgerichte wegen Spionage zum Tode verurteilt. Die Mitteilung in den Zeitungen hatte zur Folge, daß der^ Minister für nationale Verteidlgung sofort die Erhebung des Sachverhaltes veranlaßte. Gestern wurde nun das Urteil vor der Kaffationsinstanz als nichtig ausgehoben, weil dem Angetlagten durch die bis zur Unkenntlichkeit erfolgte Aermummuntz des Kronzeugen die Möglichkeit genommen war, sich gesetzmäßig zu verteidigen. Die nruerl.che Berhandluna vor dem Divisionsgerichte w,rd in nächster Zeit üattsinden.