Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 316 (7.12.1919)
- Date
- 1919-12-07
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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'SBwsresfttmir 'feeRnr , WJ5?«» M-rgrMwms 7. DWiiKk "ivw '911.' 3TS anbeter auf und sammelt ihre einzelnen Silben oder Laute, sperrt ihren beziehungsreichen Sinn in daS Gefängnis seinenervös eilenden Rythmus und senkt in ihre traurig ge« rupften Kelche die bleichen Leidenschaften deS urwalddurltigen verkrüppelten Europäers.* «ES sind Dichtungen im mediumi« stischer Trance und spiegeln den zerwühlten Zustand, hin« väinmecnden Weltlebens zersetzter, geschwächter und zur schöpferischen'Ohnmacht verdammten Völler." «Aber Hackhock ist auch Hackhack in der Seele und das taugt Dada nicht." lllle Schuld aber senke die Schwerheir ihrer Fülle auf mein von Sündung erfülltes Haupt (wie sagt doch irgendwo ein Dada: Seit wann schreibt man Ludwig Meidner mit qq?), so ich „Dada" von Knobknoblauchlauch Unrecht zugeflößt, ftmen. ' ha. Erich Freiberger: „Narrenlieder". (Amalthra-Berlag, Wien.) Eine Reihe von ungemein zart empfundenen Gedichten, aus denen ein begabter junger Lyriker spricht, der durch Vornehmheit und ehrliches, urigekünsselleS Wollen von seinen expressionistischen Zeitgenossen wohltuend obsticht und sich durch keine modernen Schlagworte und «Richtungen* beirren läßt. Die bieder stnd^ „meinem Schneeglöckchen gesungen*, einem Mädchen, daZ der Sänger nur vom Sehen her kennt, das er als Ideal liebt und dessen Tod er beweint. Er wühlt in seinem Schmerz, der Schmem wird ihm zum Genuß. Freibcraer hat schwärmerische Töne der Klage gesunden, die in ihrer Schlichtheit echt und ergreifend wirken. Man darf auf seine Weiterentwicklung gespannt sein. L. JOdisctt-tfKßdsm. Verbindung „Hera!“ veranstaltet Montag1 öen 83. Dezember 1919 um 4 Uhr nachm, in den Olymp in-Pr acht slllen, 1«, Botbgasse ö, eine grosse Fest-Akadei mit anschliessender £> Tanzunterhalfungi > Oer Reinertrag ist für unbemittelte Jüdische HochschQler und Jüdische Mensa Academica bestimmt. PROORAMM: Bllserchor des Tcmkünstlerorehesters „Hatikwah*1, Frl. Rena Pfiffer, Volksoper, Frl Marie Kosfan, Klavierviritosfn, Fr!. Lottka Wolf, Kon^ertsängerin, Frl. Erna Haudek, VloJinvfrhrosln, Herr Karl Neumann.Volksoper, Herr Ernst Tander, Volksoper,Herr Rudü Merstallinger, _Volkaoper,_■ _ Karten Vorverkauf: Wr. Morgenzeitung, II-, Taborstr. 1, R. Ldwtt, I., Rotenturmstr. 22, Kartenbureau „Aida", II., Taborstr. 5, and Jüd. Hochsehul* ausschuss, IX., Alaerstr. 28. 8088 Dos Taylor-System. Von Gustav Winten. Verlagsbuchhandlung Karl Findeifen. Leipzig, 1919. Das Taylor-System ist eine wissenschaftliche Nrbeitskeilung in Fabriksbetrieben, die eine außerordentliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit des Einzelnen zu schaffen vermag. Da der Arbeiter nicht mehr Kraft aufzuwenden braucht, als bisher, braucht er auch nicht mehr Nahrung zu kaufen, so daß ihm bei Akkordarbeit ein höherer Lohn verbleibt. Dann soll durch die kürzere Arbeitszeit und längere Erholungs- Möglichkeit bei guter Wohnungsreform und allgemeiner Volks- Hygiene eine außerordentliche Gesundung und Stärkung aller Volksgenossen erstrebt werden. Di« schnelle und zielbewußte Einführung und Weiteransbildung dieses Systems in Amerika hat an den großen Erfolgen der amerikanischen Industrie!rn internationalen Wettbewerb, einen hervorragenden Anteil. In der möglichst allgemeinen Einführung des Taylor-Systems in Deutschland sieht der Verfasser die einzige Rettung «MS der jetzigen wirtschaftlichen Krise. '? ^Moriah". Soeben erschien das Dezemberheft der bekannten und trefflich redigierten jüdischen Monatsschrsst in polnischer Svrache „Moricch* mit folgenden Beiträgen: Wilhelm Bcrkelbammer: „Zwei Posten*; Dr. Simon Lustig: ,Die Nationalisierung des Bodens*; Abgeordneter S. Hirschhorn: „Dre Fudcn in Polen zur Zeit des Herzogtums Warschau (1807 bis 1819)" I.; Achad Haam: „MajmonidkS — die Henschast des Verstandes" (übertragen von Dr. I. Fraenkel); Dr. Ignaz Schwar.chart: »Die Zukunft des jüdischen Volkes in der Beleuchtung Klatckms und Zollschans*: B. Z>mmermann: „Zwei Schlagworte H."; Jeboas,: „Gedichte —- Rundschau*; W. B.; „Anniemlusmus und jüdische Ethik*; Dr. I. F.r „Aus der neuhcträischen Literatur*; Dr. Heinrich Lilien: „Pädagogische N>uerscheinungcn"; Dr. H. Bimenstock: „Eine jüdische Kunstausstellung in Lemberg — Bücherschau*. Preis des Heftes K 4.60!S Mark', Bierteljihrsabonnrment bl 12.— (9 Mark). Adresse des Verlages: Krakau, Slradom 1b. „Das neue Europa", Internationale MovatSschrist, Zürich, Jahresabonnement 10 Franken. Das soeben erschienene Dezember hest der von Dr. Paul C v h n herausgegebenen Züricher Revue „DaS neue Eurova" we>st mehrere sehr bedeutsame Beiträge, insbesondere in voliiischer und volkswntschMicher Hinsicht auf. Bon den rrsteren srrm h-'rvvrcieboben »Die Schuldsrage und der Versailler Friede* von Dr. Hans W e h b e r g und „De l’hypocrisic inte*» nationale" von Dr. Guido P e t t r f e«. Das brennmde Problem einer „Internationalen Balutaregelung* wird von E. Trott-Helge eingehend gewürdigt. Karl Zimmerin a n n lBcrn) tritt mit Überzeugenden Argumenten für „DaS Sicm'Zerbrecht als Lösung der sozialen Frage* ein. Ein Gottsucher spricht ans,E l i s a r i o u s „Gottes neue Zeit*, über „Talent und Schule* äußert sich Dr. Ferdinand W t n k l e r in bekichieuswerier Weise. Literarische Essays „Deutschösterreichische Zeugelchichre im Film* von Dr. V ern e ck, „Anatole France* von BertaSchult, Gedichte und eine BÜchrrschau beschließen das reichhallige Heft. Sport. Dis Hakroah im Kampf um die FuZball» Unter den im Fußballsport konkurrierenden Nationen fehlte jahrelang das jüdische Volk. Wohl gab' es einzelne hervorragende jüdische Spieler, so Hirsch (Deutschland), Kurp iel, Dr. Fischl (Prag), Kahn, Grotzmann, Lang, Dünnmann (Wien), Weiß, Karolh (Budapest). Jede Nation drückt dem Sport ihre Eigenart auf. Diese Spieler pflegten deutschen, ungarischen oder tschechischen, aber keinen jüdischen Sport. Als die Hakoah im Jahre 1909 gegründet wurde, hatte sie auf allen Seiten mit Vorurteilen zu kämpfen. Die größten Gegner waren die in Wien' bei großen Vereinen tätigen jüdischen Spieler. Sie fürchteten, daß sich die Hakoah lächerlich machen würde. Die Entwicklung unseres 'jüdischen Vereines setzte aber alle Sportkreise in Erstaunen. Die Hakoah wurde in die vierte Klasse eingereiht und gewann im ersten Ansturm die Meisterschaft, so daß sie in die dritte Klaffe aufrückte. Im Jahre 1919 wurde die drittklaffige Meisterschaft gewonnen und die Hakoah schickte sich an, den Siegeszug in der zweiten Klasse fortzusetzen. Da brach der Krieg au8 und machte den Bestrebungen ein Ende. Sofort nach Friedensschluß gingen die Hakoahner aber daran, ihr vorgestecktes Ziel zu erreichen. Wie schwer die Erreichung der Erstklassigkeit ist, mögen folgende Ausführungen erläutern. Eine Meisterschaft erstreckt sich über die Herbst- und Frühjahrssaison. In jeder Saison mutz die Hakoah gegen sämtliche 14 Vereine spielen, und zwar einmal auf eigenem und einmal auf gegnerischem Platze. Ein gewonnene» Spiel zählt zwei Punkte» ein unentschiedene» einen Punkt und ein verlorene» null Punkte. Wer am Schlüsse d»r Meisterschaft die meisten Punkte aufzuweisen hat, ist Meister und rückt in die erste Klaffe auf. Die Hakoah hat bisher 13 Spiele ausgetragen und alle gewonnen. Sie .weist demnach 34 Punkte auf. Sie hat 54 Tore erzielt und sechs erhalten. Die Leistung ist wahrlich imponierend. Die Hakoahner haben, wie au» dem oben Gesagten ersichtlich ist, noch im Herbste zwei Spiele auszutragen, und zwar gegen Cricket und Germania. Während des Kriege» gab e» keinen Klaffenwechsel, so daß derzeit in der ersten Klasse schwächere Vereine sind, al» die führenden Klub» der zweiten Klaffe. Eine ganz hervorragende Mannschaft ist die Germania, gegen die die Hakoah noch anzutreten hat. Doch hofft der jüdische Verein, auch das schwerste Wettspiel siegreich zu bestreiten. Gelingt e» der Hakoah, am 14. Deßember zu siegen, so kann hr im Frühjahre nach menschlicher Voraussicht die Erstklassigkeit nicht mehr genommen werden. _ F.B. Die heutigen FußballwetLspiele. Heute kommen fast durchwegs Meisterschaftsspiele zur Austragung, die mit Rücksicht auf den baldigen Abschluß des ersten Teiles der Konkurrenz besonder» interessant verlaufen dürften. Die Amateure haben in Ober St.-Deit die Hertha zu Gaste, der sie nach scharfem Kampfe die Punkte abnehmen werden. —> Rapid wird in den Simmeringern auf keinen allzu schweren Gegner stoßen und auch der W. A. E. dürste der Admira, obwohl da» Wettspiel auf deren Platze stattstndet, glatt die Punkte abnehmen. — Der AuSgang der Spiele Rudolfshügel — SB. A. F. (Hütteldorf) und F.A.C. — Vienna (Floridsdorf) ist völlig ungewiß. Die Hakoah spielt auf dem W. A. C.-Platz im Prater gegen die Cr ick et er, die stark genug sind, um die Hakoahner zur Entfaltung ihres vollen Könnens zu zwingen. —. Die Germania tritt schon um 12 Uhr auf dem Amateurplatz gegen den Ober St.-Veiter A. E. an, der kaum einer schweren Niederlage, entgehen dürste. — Weiter» spielen: N. A. T. — Sturm (Nußdorft, Red Star — O.. S. E. (Ottakring), Blue Star — Ostmark (Ottakring) und Slovan i- Bewegung (Hohe Warte). Sin Freundschaftsspiel Sportklub — Wacker auf dem Dornbacher Sportplatz, da» die Hausherren gewinnen dürsten, vervollständigt da» Programm, Die Spiele -es Montags. Morgen kommen durchweg» nur Freundschaftsspiele zur Austragung, von denen jenes zwischen den beide« alten Rivalen W. A. F. und Rapid da» wichtigste ist. Auch da» Treffen Rudolfshügel gegen Simmering (Favoriten) dürfte ganz anregend verlaufen. Ansonsten spielen mehrere erstklassige Vereine auf ihren Sportplätzen gegen zweit- und drittklassige Klub», und zwar die Vienna gegen Wiedner Sportfreunde, der Sportklub gegen Red Star, der W. A. C. gegen Karl Marx und der F. A. C. gegen Wiener Bewegungsspieler. Drei jüdische Bücher von Micha Josef bin Gorion. Ini Bcrloqe R. Lowit sind nachstehende Werke des bekannten Auicus cnrliienen und zum Preise von K 6."- pro Band vom ü.;ciloae, 2Ö:cn, l., Fleii'chmarkl 1, zu beziehen: Vom östlichen IudenNim. Land und Leute. Religion, Sprache und Literatur, Pol tl'cheS Zwei Generalionen. Erzählungen, Bilder. Bor dem Srm m. Ost jüdische Geschichten. Die gesprungene Solle. Ein Lickirsirabl, D>e Trauerrede. Der unheimliche Gast, Eine Schreckenstat, Das 'inz!gr Kmd, AusgcgliUen, Die Heimkehr, Ueber das Grab Hinang-. Jizchok Leib Per«». Demnächst, erscheinen im Pktlqg N. Lowit biet Diamen des großen jüdischen Schriftstellers, die. i'en.eit un Buchhandel veigriffen stnd, in Eimelau-ggb'N. ringele -ict von Martin Buber. auSgcstattct nach Einbandzeichnungen vi-.i, lliol Birnbaum. Es sind die Stücke „Die Nacht auf dem niLn Mailt", überseht von Hugo Luckerwann, -Die goldere und „In Fesseln", übersetzt von Sieg'ried Schmitz. — Die beiden ErsiililiMgsbü'nde von Perez: „Chassidlsche Geschichieri* ,m* „Ans dieser und jener Welt* sind zum Preise von st H.40 (Kiicvr und K 19.20 gebunden durch A. Löwst, Men» i.. ^iv>u:iu;mfl>aße 22, zu bezichnr. Kreis Oesterreich der jüd. Turn« und Sportvereine Hebräische Arbeitszentrale. a ,ir..,r ■-- ■ ■. ■■ - , <jrujnnii~mm visnstaß den 28. Dezember 1919, 0 Uhr abends SOTif'CHANUKA jYiaKHabäir-pcicr Im Grossen MusiKverelnseftnfe» — Mit wirkend; Obeikantor JaUob Kostrov, Chorvweinigung, das Sympbonjoorcbester Louis Vits (Orgel), David RomWum; Hebräische Ansprache. Otto'Abele»: Festrede, Dirigent; Komponist 8. Braalareky, Karten i Tageakaese des MuuikTereinssaal«», Buchhandlung Lttwit und m den Kartenbuteaue II., Tabowlrasse 1—8, XX., Wallenstolnftvasee yo»s mammmmmmmmmm ■ nmmmimmarnßmmmm — Ein zweiter jüdischer Leichtathletikverband in Wien. Mittwoch abends findet die konstituierende Sitzung der Leichtathletiksektion des I. Sp. E. Hechawer statt, die von etwa dreißig Leichtat^letikern besucht war. Als SekionSleiter sprach Dr. Erich Friedmann, der in kurzen Worten seit» Trainingsprogramm entwarf und die Mitglieder ermahnte, treu beim Verein zu bleiben und pünktlich beim Training zu erscheinen ' Nach ihm sprach für die Klübleitung Ernst' Schiller.x der der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß diese Sektion irr Balde der jüdischen Nattzrn uns dem Vereine zur Ehre ge« reichen würde. Ferner teilte er mit, daß die VereinSleitung, die Mitaliedsbeiträae aufs äußerste ermäßigen, beziehmigs-' weise im Einzelfalle ganz ausheben werde. -- Neu. anmeldungen sind an das Sekretariat, 9. Bezirk, Alfer, strahe 89, Cafe „zu - den drei Laufern",, zu richten. Die Trarningszeiten werden noch bekanntgegben. Wer wird da» Meisterschaftsspiel Hakoah — Germania' leiten- Diese Frage ist noch immer offen, da Professor Schmieger das ihm vom Schiedsrichterkollegium angetragene Amt abgelehnt hat. Wahrscheinlich dürfte Schiedsrichter Hagler mit der Leitung des Spieles betraut werden. S. Sp. B. Hechawer spielt heute um 2 Uhr*auf deyr Hakoahplah gegen Floridsdorfer Viktoria, Montag um 9 Uhr und halb 11 Uhr mit zwei kombinierten Mannschaften gegen Makkabi 10. Pratef-Sportplatz des Wr. Athletiksportklubs Endstation des L- und M-Wagens vv? Sonntag, 7. Dezember, 2 Uhr nachm. Vorletztes Meisterschaftsspiel Cricket-JCakoah Halb 1 Uhr: Wettspiel der Reserven. Voranzeige: GERMANIA—HAKOAH, 14. Dezember 1919 Gerichtssaal. Näherin Berta Netter gegen FriedrichHaösbrrr'g In den letzten Tagen ist das Urteil in dem Prozesse, den die Näherin Berta Netter gegen F r i e d r i ch H a b s» burg-Lothrtngen beim Wiener Zivillandesgerichte angestrengt hat, im schriftlichen Wege herabgelangt. Die Klage lautete.auf Zahlung von 3170 K. Die Verhandlung leitete OLGR. Dr. B e r n a r d i. Nach der Klage haben ihre Eltern Jojef und Karoline Raftl im Jahre 1874 anläßlich von Manövern den damaligen Erzherzog Friedrich in ihrer Villa in Purkersdorf und sein aus mindestens 20 Personen' bestehendes Gefolge und zahlreiche Pferde vier Tage beherbergt und verköstigt. Ein zweites Mal genoß der Beklagte in Gemeinschaft mit dem Kronprinzen Rudolf. die Gast-,i freundschaft ihrer Eltern durch sechs Tage. Da es der Kla« gerin in der Folge sehr schlecht ging und gänzliche Verarmung eintrat, machte sie für die ersterwähnte Beherbergung und Verköstigung einen Anspruch von 4000 K. geltend. Das Obersthofnrarschallamt leistete eine Zahlung von 830 K., der Rest mußte im Klagewege beansprucht werden. Der Beklagte wendete ein, daß sowohl die Klägerin als auch ihre Mutter im März 1603 ausdrücklich die Gr l ö s ch u n g. deS Klageanspruches anerkannt haben. Die Kiägerin hat dies zwar zugegeben, jedoch die Ungültigkeit dieser Anerkennung eingewendet; sie habe damals nicht einmal daS zum Leben Nötigste besessen, so daß sie Hung-er leiden mußte. Um sich über diese drückende Notlage hinwegzuhelfen,, würde, sie jede von ihr verlangte Erklärung unterfertigt haben. Im Jahre 1908 habe sie sich für die bisherigen Spendest' von zusammen 230 K. beim Beklagten bedankt und unter Hinweis auf die von ihren Eltern ihm und seinem ^Gefolge gewährte Gastfreundschaft um eine weitere Unterstützung gebeten, und zwar benötigte sie 400 K., um sich eine bescheidene Existenz zu gründen. Die 400 K. wurden ihr bewilligt, ferner im Jahre 1615 weitere 200 K. Sie mußte eine Empfangsbestätigung ausstellen, daß ihr diese 200 K. als Unterstützung geschenkweise übergeben wurden und daß ehr auf Zahlung dieses Betrages kein Anspruch zustand. Dcks Landesgericht hat die Klage auf Zahlung der restlichen 8170 K. ab gewiesen und in der Begründung, die im Wortlaute vorliegt, u. a. hervorgehoben: Die Klägerin macht geltend, daß -sie sich bei Erklärung der Anerkennung in einer die freie Willen Sbestimm ung aus schließenden Notlage befunden habe. Wenn dieses Vorbringen auch richtig wäre, so läge darin kein zur Anfechtung berechtigter Tatbestand, weil Beweggründe selbst, wenn sie dem anderen Teile gegenüber geäußert wurden, auf die Gültigkeit von Rechtsgeschäften ohne Einfluß sind, und die Klägorrn selbst nicht behauptet, daß die Anerkennung des Ver-?ichte» durch Zwang oder Irreführung zustande geommen wäre. Der Exzeß im SKtvurflerichtsfaal. Die Verhandlung gegen Franz Weinmar und Ge» nossen, über deren turbulenten Beginn wir gestern berichteten, »Liiu-ytf in spater Abendstunde zu Ende geführt. . Wie bei der Eröffnung spielten sich auch bei der Urteilsverkündung Skandalszenen ab. Die zum größten Teil geständigen Än- Öten wurden von den Geschwornen schuldig erkannt. Der stshof verurteilte hierauf Karl Raab er zu sieben Jahren, Martin Schimmel zu sechs Jahren» Franz Weinmar zu fünf Jahren, Josef S i rn e c e k und Josef Reil zu je d r e i I a h r e n, Josestne H e i n z e lmayer zu zwei Jahren schweren Kerkers. Die Frau schrie, als sie d«S Urteil vernahm, gell auf: ..Un, Gottes willen, mein Kindl* — „Ihr Justizmörder, das ist mein Todesurteil!* rief, die geballte Rechte drohend schüttelnd« Weinmar den Geschwornen zir Dann machte er Miene, ans di« Volksrichter loSzustllrzen. Nur mit Anspannung aller Kräfte vermochten die herdeigemlten Jr-stizwr>chleute d-n halb rasenden Häftling mit der ebenso h>'-*ens dreir.schroiei'den Josefine Heinzelmaher ans dem S^<e zn schaffen, Inch oie übrigen Angellagten nahmen daS "itcil mti Vern>Hnschilng:n nnd Schmähungen gegen den Gerichtshof niid die Gefmvo-nen auf und muhten mit Brachialgewalt au» dem Saale entfernt werben. Auf den Stiegen und in den Gangen des Genchrs- Hause» trieben sich tnde» die Freunde der Verurteilten, durch« wegö verwegene Gesellen, uncher und belästigten tzie Passanten in rohester Weise.