Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 313 (4.12.1919)
- Date
- 1919-12-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 313 '353ie«, Donnerslas a»a- Wiener MorgenzerrunK Wilsons Wirtschästspro ramm. _ _ Washington, 3 Dezember. (Del.-Komp.) In seiner Botschaft an den Kongreß sprach Wilson'den Wunsch ans, Künftig ein Budgetsystem einzuführen, durch das die Kontrolle Lver dst nationalen Ausgaben und die Geldmittel ermöglicht werden^ kann. Er verlajigte ferner Unterstützungen für die »ehemaligen Heeresangehörigen, eine Förderung der Nahrungsnnrttelerzengung und eine. Verbesserung der Beschaffenheit der Nahrungsmittel. Es ist geplant, ,hierfür eine besoudere Entrolle zu schaffen. Wilson verlangt weiter scharfe gesetzliche Maßnahmen .gegen Negi-srungsfeinds, insbesondere gegen Anarchisten, sowie eine Aendernng der Kriegsgewinn- und Einkommensteuer. Der Präsident behandelt« sodann die ßndustrielle Frage und sagte, es sti.äpßerst wichtig, ein enb-' jgültiges Programm für die Verbesserung der Arbeits- Ledin.'ung'u festerstellen. Das Rehl des einzelnen Arbeiters, zu streiken, sei unantastbar und keine istegierungömaßnahme dürse dieses Recht beeinträchtigen. Es bestehe aber noch ein höheres Recht, und zwar jenes der Regierung, die allgemeinen Interessen der Bevölkerung sicherzustellen und zu wahren. Gleichzeitig habe die Regierung die Aufgabe, ihre eigenen Rechte gegen jeden Eingriff zu verteidigen. Di« Grundsätze der Arbeitsregelung seien' in der Verfassung des Völkerbundes niebergelegt und diese zeige den Weg zum industriellen Frieden Und zur Versöhnung. Daher verlang« sie die Schaffung eines allgemeinen Schiedsgerichtes für Arbeitsfragsn. Üeber den Gang der amerikanischen Geschäfte sagte der Präsident, die frühere kleinkrämerssche Politik müsse aufgrgeben werden. Durch diese sei die amerikanische Geschäftswelt in einer Art Zwangsjacke gehalten worden. Der Krieg, der jetzt zu Ende sei, habe die Isolierung beseitigt und Amerika groß« Verpflichtungen und Verantwortungen anserlegt. Die Vereinigten Staaten müßten an dem viel weiter ausgedehnten > Weltmärkte, der jetzt entstanden sei, ihren Anteil haben. Istker die Frage der Eisenbahnen witd der Präsident in einem späteren Zeitpunkte. eine .Sonderbotschaft an den Kongreß richten. Die Bekämpfung des Anarchismus m Amerika! 3 Dezember. (Tel.-Komp.) Hollands^ MeuwSLurnu meldet aus Washington: Das Mitglied deS Repräsentantenhauses. Kelly, hat eine Gesetzesborlage zur Bekämpfung des Radikalismus und Airqrchismus eingebracht, welche' Strafen bis zu .fünf Jahren Gefängnis und 5006 Dollar Geldbuße wegän. aller terroristischen Handlungen und Bestrebungen .zum Sturze der Regierung oderzur Schädigung des industriellen Lebens Vorsicht. Ausländer sollen überdies'nach, Kerbüßung ihrer Strafe aus gewiesen werden. . Politische Streiks in Italien. . Aom» 8. Dezember. Gestern waifen einige s p z i alistiscke D e p u t i e r t e Gegenstand feindlicher Kundgebungen ans der Piazza Cvlonna. Jnsolgrdessm .beschloß di« Arbe.tsbSlle den Streik für Dienstag morgens. Der Streik hat m aller Sülle begonnen. Straßenbahn und Fuhrwerke verkehren picht. . Auch in M a i l a n d und in Florenz wurde dev Generalstreik erklärt. ZimschenMe werden bis jetzt nur aus Mailand gemeldet, wo. bei' .einer öKpydgchung zwe^ Demonstranten getötet würden. ' ' '' In Rom erscheinen, keine Zeitungen. Orlando Kammerpräsident. «om, 3. Dezelnbcr. Zum KgmmervrMenstn wurde O r l a n d o gewählt. Er erhlest 261, 3 a z z a r t 143 Stimmen. rU*0 n 1 wn* vom König offiziell g!L Senatspräsident vor- Mlagen. . . , DemWyn des rrrytRuischen Kahknetts. ..Mausenburg, iS. Dezember. (Numän.Pießbur.) Die mmanische Drvutierlenkmnjricr wählte in ihrer heutigen Sitzung hen Abgeordneten Dr. Alexander Baida-Bosvod, Delegierten der; ■’ Regierung bei der Pariser Fürdensloristrrnz, mit 860 Stimmen zum Präsidenten. Ministerpräsident General B q j t e g n u sstnbigte den bcvoHkhenden Rücktritt d er R e g i e r u n g au. . ' '^unmer und der. Senat haben sich big zur Bildung der muew Regierung vertagt. Die alte Regiecung wird inzwischrit du Geschäfte wettcrMren. Die Polen in Proskurrow. m Sürich. 8. Dezember. lPrwaU Denikin bat Pvoskurow wieder ve> lassen und die P o l e n haben die Stadt besetzt. Der linke Fttigel der vorstehenden polnischen Gruppen bandet 'sich bei Schiiomir. der rechte Flügel bei Kamenetz'Podolsk. Das Ächickfal Oftgattzlens. - v ... 8: Dezember.. «G o n i e c K r ft« s k t" meldet, daß P a d e r e w s k i den Frtedrnsveriräg »lber Ostgalizcen nicht unterschreiben werde, wenn derselbe für Polen ungünstig ausfallen sollte. %fatuW drr.galizischen Abgeordneten mit Pstde- W»h - über die Veyvplruugselnteiluna Gallzitns wurde -eschlpsteu, Nt n f Herz o g t ü nt t r auizusieven, deren Sitze Lemberg, - Krakau. Przenrysl, Stanislau und Tarnppol sein werben. . Paris, -3. Dezember. Der^ Oberste Rat hat stch neuerlich Mil derImge rer O st grenz e P o l-e.nö deschästigt. Wie verlautet, werde Polen du Derwglmng drsienigen.Gebietes über- Mn werden, das sich westlich der ursprünglich festgesetzten Demarkattonslime befindet und das keineswegs der Linie rnisp»cht, dw gegenwärtig von den Polnischen Truppen gegen die Bolsche« , wilen gehalten wird. ' Der ungarisch-südslawische FspWenfaA. kvelarad, 3. Dezember. Das südslawische Preßbureau ruefdet; Am 29. November überschritt in der Nähe von Sabolakosa eine ungarische Abteilung, dir mit einem Maschinen« Mehr ausgerüstet war, unvermutet um 6 sthr d:o Demarkalionö- ' luue. Nachdem sie imkere Abteilungen in der Richtung aus Hoszufalu Mückgedrängt hatte, drangen die Ungarn nt Lendva em. wo murre dort untergebrachten Rekruten den Ungarn rm Gefecht lieferten und sie um 10 Uhr zurtickdrängten. Beim Rllck- Auge sührien dir Ungarn den. Kapitttu Georgewilsch uno sieben Gendarmen als Gefangcne Mil. Gcaru S Uhr überflog ein ungarischer Aexovian die Gegend. . Unsere Verluste betrugen 4 verwimdete und » Gefansrne, dMNtßr e,n Oistiier. Auf «r te d», Feinde» wmden IVSüdftlen SttSwt, «me pomuche AnM n»d rmige gejanAen- »WKWMk«.! Unsere sftrgiernnft hat ihren Vrrtretex m H «d n P r st beoultragt, einen energischen. Protest WzWtzen. 4 De-mber 1919 / Seite Der neue südslawische Gesandte in Wien. Gelgrad, 3. Dezember. Die jugoslawische Gesandtschaft in Wim wird, in den nächsten Tagen umgestaltet werden. Zu ihrem Lcitrr wird M i h a\ A t * t c ernannt werden. Grssudtrr Pogacnik erhält eine andere politische Verwendung.. Die Regiprungskrise in Prag. Prag, 3. Dazeniber. Ministerpräsident T u s a r hat im Sinne des gestrigen Mi-nisterratsbeschlusses heute die Verhandlun'geq zwischen den beiden sozialistischen Parteien ausgenommen. Obwohl beide Teile bisher unversöhnlich sind, ist die Möglichkeit eines Ausgleiches doch gegeben, wenn die Rationalfozialen nicht ^bedingt darauf ansgehen, sich ein Plattform für die Wahlen zu schaffen. Prag. 3. Dezrmber.'Der.Vorftaiw desDollWsaußschusieS der tichecho-flowakischen sozialistischen Parier hat cn AnwesMeit der Atinlster D^. Franke. Dr. H e i d l e r, K l o f a t s ch und Dr. B e s o l y fijtc Sitzung abgehaltrn. in der über di« Lage beraten wurde, die dadurch hervorgernfm worden ist, daß die Sozialdemolraten die Vrrhandlungcn über den Gesevenlwnrf betreffend dce Arbeitssreiheit abgelehnt haben. Es wurde cinmillig beschlossen, die Minister, die der Partei augehörru, zum sofortigen AuStriit ans der Regierung aufzufordern. , . Maekerrfsn irr Bsplür; Berlin, 3^ Dezember. (Tel.-Komp.). Bei'seiner Ankunft iit Berlin wurde Feld marschall Ma cke nse ch von einem, taüsenhköpstgen Publikum'und Hünderten, von Ossi zieren ein begeistdrleL Empfang bereitet. MilitärischerseitS waren eine Ehrenkompagnie und ' Ehrenfchwadron gestellt. Die Degeisterü ng dev Menge nahm «inen säst MensgesälMchen Charakter an.' Prinz August Wilhelm von P pe u ßen und General Lud endo rf f waren . allenfalls zur Begrüßung des Feldmarschalls erschienen. ' ' Die neuen QHiter« in Deutschland. Berlin, 3. Dezember. (Nationalversammlung.) Nach Eröffnung der Sitzung gelangt ein Telegramm, des Präsidenten der deutsch österreichischen Nationalversammlung zur Verlesung, in welchem dieser für die gwßzügige Hilfe, dankt, die Desterreich in seiner Lebensmittelnot durch Deutschland gewährt wird. . Hierauf ergreift ReichsfinanzministerErzbvrger bei der ersten Beratung des Entwurfes eines Rationalsteuergesetzes dps Wort. Er betont in längerer Rede, daß es sich bet einer Finanzreform, die eine Neugestaltung des Steuerwesens darstellen soll, um eine hreisache Aufgabe handelt, nämkich um eine quantitative, qualitative und eine distributiv«. Erster« besteht in der Aufbringung der benötigten Milliarden. Die Vereinheitlichung des Eisenbahnwesens^ wird den Auftakt zu einer großen Gesetzgebung bilden, deren Leitgedanke dM Mmeinchohl und-die Solidarität im ganzen Wirt-' schaftZleben" seist wird. Der- Etat vom Jahr« 1619 werde eine Entlastung in den Gesamtausgaben von 24i/g Milliarden Mark bringen. Im wesenPchen bleibe .dieser . Etat aber ein KriegSetas, da. die außerordentlichen Ausgaben in der Höhe von 41 Milliarden Mark ihn dazu stempelten. Diese hohen Ausgaben werben durch die Demobilisation des alten Heeres und der Marine, dnpch Zuschüsse zur LebenSmittelverbilligung usw. bedingt. Die Besoldnngsreform hält Redner für eine der wichtigsten Ausgaben, da «in nicht verschuldeter Be amten stand im Interesse beS Staates liege. Die fortlaufenden Ausgaben seien mit 18^ Milliarden Mark veranschlagt.. Die laufenden Einnahmen durch Steuern werden aus eine MMards Mark geschätzt. Die außerorbe ntliche Kriegsabgabe für das Jahr 1919 und hieB.«rmögenSzuwachSsteuer sollen jährlich 12 'Milliarden Mark bringen. Da Deutschland möglichst bald aus dem ^chuldenmachen berauskommen müsse, ersucht Redner, die gegenwärtigen /Steuergesetze möglichst bald zu verabschieden. Da es nötig sei, eine Gesamtsumme von 84 Ms 35 Milliarden Mapr durch 'Steuern aufzubringen, müsse scharf zugegvissen werden. Aus den d irekten Steuer n würden sich also insgesamt 15 Milliarden, von denen 9^ Mlliarden auf das Sketch und 5*4 Milliarden auf die Länder und Gemeurden entfallen würden, herausholen lassen.^ Mit den Einnahmen aus Zöllen und indirekten Steüern von insgesamt 11 Milliarden Mark könne man nur rechnen, wenn das Wirtschaftsleben Deutschlands sich'wieder besser gestaltem werde. Bon de^ gesamt n Steuerlast sollen also nahezu 60 Prozent auf direkt« Steuern und 40 Prozent auf Zölle und indirekte Stenern entfallen. , , ■ ' , , . \ . ' Einges««det. Tagesbericht. Llonlstisvllss l.sn^Hskomr'tev fstr psutsebSslo/rbivk Meystax äen 1b. Versmver 1919, prtzrise Uhr absnäs, im Loklvnsaal, HI , Marxergaase Nr. V Grosse MakkaMerfeior .PROßUAMM Liclit.Mi/.Hii <«n: OberUani1 r Don FuchB. Obtn-rahli. Dr. Chaje». kt>avi»kvortr»i»: Prof. Julius Wolfsolm. .Ge8*n|avortr{Li«: JiR Qe8a«|«v*m» ualw Lsitupg »i’i»«« OKsrnf^Urti VroN>§e>»i' kträsiela Aesfata«»: Jtzsek SchUdVrnut untl Mlrjmn Schnabel KauiM iw ri»»iLlis«k»N Rwr*au. IL 00, 1 b*i Läwit, 1., R<»t«ätui'u)uUa3ti« 88, goüo Mkolsburg. - Eine Kottnfcifi im hügeligen LMtchen, das stih! märchenhaft schön auS der südmährischen Ebene erhebt. , D'er offizielle Bericht besagt: Unter dem Vorsitze deS BeZirlshauptmailneS Navratil fand die letzte öffentliche ^itzüns' * deS AttöschusseS. der Isroelit?nsemeinde Mols bürg statt. Der BeLirkShanptmann Machte Mitteilung vvn der an geordneten 'DeretMMg beider Gememdkn, dankte der gesamten Tertretnng für die stets korrekte Führung bet Amtsgeschäfte und lud den Bürgermeister Frapz Deutsch «in, vorläufig. die Verwaltung der Gencetndc /biS zur' Emennnng des gemeiccsamen Regierung^ommissärS weiterzuführen. : Eigentlich ist ja die Judenftadt schon lange tot. Lebte nur mehr von ihrer vierhundertjährigen Geschichte. Pie aber war so -glanzvoll, so erfüllt von jÜdischenr Leben und ^Leiden, - ,se stolz , sin jüdischen GeisteMmfsen, daß diese Totenfeier jedem Juden nahegeht, der um den Ruhm des alten, jiidijchen Nikolsburg, um die Treue der Urväter, utn' das bunte Sagengergnke rings um die schmalwinkeligen Gassen am Hang des Berges und um die Trefflichkeit der jüdischen Menschen des Städtchens weiß. Einer der größten.JeschibaS toäten in die Stadt Mische Lerabeflissene aus allen Pegendsni und diese Stätte der Lehre stand mit den anderen großem .'Schulen — erstaunlich, wie dies bei den Fährlichkeitm und/ grausamen Beschränkungen des Ghettolebens, möglich war —- mit den Jüdengemeindxu Prag, Krakau, Preßburg in sehr innigem KonMt. AuS der > Jubengasse, *die man später in ten Jahrzehnten der Agonie verschämt ,Hauptgasse"- nannte, ging SonnenfelL hervor, der später in Wien als Theaterzenfor wirkte, dem es gelang, die Bühne vom Wurstel zn befreien und tem die große Tat zn banken ist, dast die Tortur aLgeschafft wurde. Immer wieder entsandte die Jildengemeinde den jungen Nachwuchs in die Großstädte, der sich auf allen'' Fakultäten der Hochschule hervortat und auf dem Gebiete der Rechtsgelehrsamkeit, der Volkswirtschaft und vor allem/der Arzneikunde . ausgezeichnete Vorkämpfer der Wissenschaft hervorvrflchhe. Hier war bie/'volkstümliche Figur der jüdischen Frau Sopherl zuhause, die Nikolsiburger GänSlerin. Hier gab eS noch in der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts emsige jüdische Gewerbebetriebe/ rühmliche Zuckerbäcker, wohlakkreditierte Wirtsleute uyd jene ' merkwürdigen eigenartigen ÄYPen, wie sie in den mahrifchm und böhmischen Kehilas so-zahlreich gediehen und bei Zkompert und I. I. David verewigt sind. Dann begann die Ttagödie des ProvinzjubeMmS auch'hier zu wirken, die, Feindschaft der Umgebung, dar Assimilationsdrang und der wirtschaftliche Boykott-mächderr die gesunde Entwicklung und AuSbrejtstug des GenwinwesenS unmöglich. Die Kinder strömten yb, faßte« rn Brünn und Wien Fuß und nur die Großmütter und Großväter . verbringen jetzt noch in den verödeten Juben^äüser« ihren Lebensabend. Bon der Gemeinde war nicht viel mehr zurückgeblieben, als der würdevolle Ausschuß der politische« Judengemeinde' mit dem Bürgermeister an d«r Spitze, die zahlreichen uralten Tempel und „Schulen", ein paar Groß-'' Händler, der uniformierte jMsche Polizeimann und der Schames zur Disposition. Aber ha steht noch, manches Patrizierhaus und wer durch die sehr still gewordenen Zimmer geht, sieht köstlichen, urväterlichen jüdischen. Hausrat vom Duft . einer reichen hochkultivierten Vergangenheit umtvoben. Ein Paradox der Wei'tgeschichte: Ikurz vor der Toieicstier der politischen Jutengemeinte NikolSburg würden in Viehwagen immer neue Scharen vstjüdischer Flüchtlinge her"-' geschleppt, Menschen, die ist Tracht und zumguten' Teil auch in GeisteSrtchtung jenen glichen, die vor langer, langer.- Zeit in: Nikolsburger Ghetto über dem Ta.lmudfolianstn. saßen und die Lehre als des Lebens höchstes Gut erachtemi Diese Neuangekommenen schmachteten oben am Berge, «ng gedrängt in dem neuen hölzernen Ghetto teS Flüchtlingslagers und sahen in unsäglich qualvollen Monaten und Jahren unfreiwilliger Gefangenschaft auf dis gestorbene Judenstaht hürunter, die einst an allen Freitag-Abenden in' weihevollem Lichterglanz erstrahlte, die eine feste Burg wa? echtjüdischen Familienlebens und die von den Epigonen ach so leichten Herzens preisgegeben wurde. A. BemerLurrgeK zum zweiten jüdischen SLudeuLenLag. Am 7. Dezember wird der zweite allgemeine jüdische Studententag Oesterreichs eröffnet. Sämtliche .jüdische Studenten, die sich zur jüdischen Natton bekennen, haben sich' bekanntlich vor Jahresfrist zu einer einzigen großen Vereinigung zusammengeschlossen. Der Verband ^Judaea" u'n,- faht heute mehrere tausend Hörer und Hörerinnen und hat ein Jahr reger Arbeit hinter stch. Wenn nrir diese Tatsachen^ voransschicken, so wolen wir anschließend daran unsere rein persönlichen Ansichten und Bemerkungen knüpfen, hiy sich auf die ZukunftSarbeit beziehen und die am kommenden Studententag ihre prinzipielle und grundlegende Lösung finden sollen. Der alljüdische Verband „Jndaea" verfolgt keine poliii-> scheu . Zwecke in des Wortes speziellster Bedeutung, das heiße, er schließt sich nicht einer tageSprlttischen Richtung an, die kämpfend auf dem Forum der Greignisse tätig ist. Der Verband wäre aber zwecklos, wenn er unpolitisch wäre, dao heißt, wenn er nicht besondere Ziele und Zwecke hätte, die i», weiteren Sinne des Wortes unbedingt politisch, genannt werten sollen und müssen. E» soll nach unserer unmahgahlichen Meinun, im Verband »Judaeaehrlich« und offene Politik getrirtzest »erden. Politik, die sich scheu im Progra»« «usdrTM, »«* # ftgt, 1*1 de« Herdonde »ur Mdisch« chteer *mk HörWWM» »ügthdrs» dürfen, die sich zur jsd'rscho» R»ch«i 6* hießo VogelstpanßpelM treibe«, wenn das Bckeu«t«iS iÄ Mi«»- sticht. voMM gSWM-SSchr- K» jjt «ch