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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-30 · Heft 309 (30.11.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 309 (30.11.1919)
Date
1919-11-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien. Sonntag Zigaretteil'MlSSn und Papiere unübertroffen in Qualität! Ueberall zu haben. «:#t Fabrik: Hahn & Jura, Wien, IX., Altmüttergasse 3. Ebrrt an Sertz. Berlin, 89. November. (Korr.-Bur.f Reich-Präsident Ebert hat an den Präsidenten der deutschösterreichischen Republik die nachstehende Kundgebung gerichtet: .Die Nachrichten von der Not des dcutschösterreichischen Brudervolles haben in ganz Deutschland das tiefste Mitgefühl aller Dollsschichten ohne Unterschied der Parteistellung ausgelöst. Selbst in schwerer wirtschaftlicher Bedrängnis und in ernster Sorge um seine Zukunft, hat Deutschland sich doch ein Herz bewahrt für die Leiden seiner Stamme»- genossen ausserhalb der Reichsgrenzen, deren es in diesen Tagen mit brüderlicher Herzlichkeit gedenkt. Zum Beweise dieser Gefühle ist in ganz Deutschland eine umfassende Hilfsaktion eingeleitet worden, die hoffentlich zu einer Milderung der grössten Not beitragen wird. Ich darf Sie, Herr Präsident, bitten, dem deutschosierreichischen Volke aus diesem Anlass die treuen brüderlichen Grütze des ganzen deutschen Dolles und die innigsten Wünsech für eine baldige Besserung der Lage übermitteln zu wollen. _ Ebert." Dr. Reisch Über den Annahmekurs der Kriegsanleihe bei der Vermögensabgabe. Bei der Vorsvrache der Abordnung der deutschen Bauernpartei der Staatssekretär für Finanzen Dr. Reisch kam auch die i» letzter Zeit viel umihittrnt Frage des Ännnhmelurses der Kriegsanleihe de: der Vetmögensabfiabe zur Sprache. Staats» fekrelär Dr. Nesich erklärte, dag er sich garnicht dagegen wehren würde, wenn die Nationalversammlung als Ukbernahmstuts bei seldstgezeichneten Kriegsanleihen den E m i f s i v n s l u r § seftsetzr, für bie tm Spekulationswege aufgekausttn jedoch einen niedrigeren. Nur ist er der Meinung, baß diese Art der uiiterschiedlichen Behandlung großen technischen Schwierigkeiten begegnen werde. Kein Verkauf der Eisenbahnen und Wasserkräfte. Die von einer hiesigen Korrespondenz gebrachte Meldung, wonach zwischen der Regierung und einem ansländischen Finanz» konsortium Verhandlungen wegen eventuellen Verkaufes der ösierrelchischen Staaisbahnen und Wasserkräfte staitfinden, entbehrt, wir wrr erfahren» jeder Begründung. Der Wechsel in der Leitung der Wiener Nuntiatur. , Dir .Korrespondenz Herzog" meldet: Der bisherige päpstliche Nuntius in Wien. Dallre dr Bonzo, verläßt morgen Wren, »m sich anläßlich ferner bevorstehenden Ernennung rum Kardinal nach Rom zu begeben. In den nächsten Tagen trifft Monsignor O g n o hier ern, um als Charge d'ÄffaireS zu fungieren. Telegramme. E^rre Korrrrptlonsaffare in Schweden. Berlin, 89. November. (Privat? Das .Berliner Tageblatt* meldet/aus Stockholm: Inlolge Bankerottes der Cvenska Jmport-Äklimgrsellschafi und der Entdeckung von großen Gebens« MiNelschiebungrn dieser Gesellschaft siebt Schweden vor einer trilwefen Minifterkrile. Der sozialisii'che Minister R h d e n und brr liberale Minister Schotte werden rum Rücktritt gerwtiiicien sein. Die Oessentltchkett fordert den Rücktritt dieser Mmisier wegen ihrer Anteilnahme an der bankcrolltn Gckrlffchait. Dit beiden Minister waren Teilhaber der Gesevschatt und galten als Kapazitäten auf den Gcbtetrn ihrer Ressorts. Das Kabinett wird. Ae nur schwer entbehren können. In der Anfelegenheit ist auch eine Reih« hervorragendt» schwedischer Abgeordneter verwickelt. Aoover füV die Kinder. Kvankfart a. M. 29. November. (Tel -Komp.) Me der ^rlbend belichtet, wird a,tS Ne,v-Nork gemeldet r Hoovek erließ einen dringenden Aufruf für die K i n b «t Deutschlands und Oesterreich <. Die Amerikaner>werd«n mit H.i l s e d 1t O u ä! t r eine groß rüg ge Hilisaktron kinteNen, ohne daß dadurch das im Gange befindliche deulsch-amttikamfche HilsSwerk beeinträchtigt wülde. Die Tschechen nnd Angarn. Karolyi wird nicht ausgeliestrt. Budapest, 29. November. ^Korr.-Bur.) Der Prager Berichterstatter des ^Az Est^ hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten T u s a r, der erklärte, daß nicht nur die Negierung, sondern die ganze Nation aufrichtig wünschen, mit Ungarn in einem guten Verhältnis zu leben. Auf eine Frage des Berichterstatters erklärte der Ministerpräsident, daß ihm nichts davon bekannt sei, datz sich ungarische bolschewistische Führer nach der Tschecho-Slowastei geflüchtet hätten. Grundsätzlich nehme die tschecho-slowakische Republik den Standpunkt ein, datz sie fremde Staatsbürger, die hier ein Asyl finden, aus politischen Gründen nicht ausliefert. Von diesem Prinzip könne sie auch bezüglich der Person des Grasen Michael Karolyi nicht abweichen. Weitere tschechische Meldungen Über eine ungarische Mobilisierung. Pr«g, 89. November. (Tel.'Komv.) Wie der .Berer" meldet, kommen aus den slowakischen Grenzbe.urlen Z vrlisten und Offiziere, welche mittcrien, daß dir Ungarn in verschiedenen Orten;tt der Nähe rer Grenze große militätische Krittle konzentrieren, ^irt Gebiete der Km-aihorussiii entialteii ungarische Agenten eine überaus eitrige Tätigkeit mid libtr'chivrniiiitn das Gebiet mit tatschen tschechischen Bnnkiioirn. Auch gegcnüb« Partany werden starte wtütärüchr Kr fiste marumeugrzogeu. Wiener Morgenzeitmig '80. November 1919 Nr. 309 -—j Die mirkschas^iche FSdoralion. Prag» 29. Rev'mber. «Pr-vat? Bei der Beiprechnng der Wiener Bttitterstinimen zu der Nche HetdletS in der Na'ionol-' vcrsammstmg richtet »Narodni Vistv" am die Negierung den dringenden Avpell» sofort Präzäe Eiklätungen darüber abmgebeu und ungesichts b efer Konjcltmalvoliiik. tu wklche tue D'chrcho- Slowakei nnbezogen werde, zu verl tutbaren. waOihr von so che* Plänen bekannt sei. in welchem Stadium diese eventuell sich befinden und welche Stellung bie Tschecho-Slowatei bet Kombinationen einnehmr. ' Deutschland borat der Tschecho-Slomakei Waggons. Prag» 29. November, lPrivat.) Nach einer Meldung der *£ttttnw" habe sich Deutschland bereit erklärt, der D'chrcho- Slowakei Waggons zur Be örhrnmg von Koble zur Verfügung zu stellen, und zwar will es trog der eigenen Verkehrsnot den Tschechen bis zu 69.000 Waggons leihen. Die Ssrben räumen FLufKische«. Budapest, 29. November. Wie das Nng. Te1.-Korr.»Bur. meldet, deuten alle Anzeichen darauf bn.daß die Serben tatsiichl'ch die N a n m n n g des KonulalS B a r a n h a und der Stadt F ü n f k t r ch e n begonnen haben. Die Sinnfeinerbewegung. London» 29. November. (Koii^Bur.) Der Dnbliner Korrespondent des »Dailfi Exbrest" w ll von bevorftelnndm Gewäliaknonen der Sinnseiner erlahrei, haben. In ihrem Besitze betäuben sich grosie Menaen von Explosivstoff. Man gewärtige Angriffe gegen ofäfelle Peisönlichkeiten sowie gegen NegrerungSm,d andere öffentliche Gebäude in Dublin. DrrditschsSv «nd Kaziatyn von be* Ukrainern erobert. Der Nkr. Preffedintst meldet: D e r d r t s ch e w «nb Kaziaiyn. zwei w'chtige Eisenbalinknotenpunkte, sind von d u Truvven PetljuraS e r n g e n o m m e n wotden. Dte Erobertmg KaziatnS ermöglicht den Truvven Pctljuratz, die direkte Berblndnna mit den von Ataman 8elenyj gelührten Aulständischen im Gebiete von Kiew aufzunehmen- De«ik!n in Proskurow. Paris, 29. November. (Funkspruch.) AuS W a r s ch a » w'rd gemeldet, daß daS Hauvtalmrlier D e n r k i n S sich gegenwärtig rn Proskurow befindet. Moskau. 29«, November. (Funsspruch ) Rostow und Taganrog werden von D r n i k t n geräumt. Tagesbericht. Die attjüdische Schule. Ueber oicseS Thema sprach Oberrabbiner D-oktor C h a j e s im Nahmen der Vorträge der Lese- und Rede- Halle jüdischer Hochschüler. Bor allem wies er auf den bederttsamcn Umstand hin, daß es bei den Juden so gut wie keine Analphabeten gäbe. In allen Ghettl der Welt, sei es nun im Osten Europas, in Arabien oder in Nordafrika, überall sind auch d^e ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung zumindest des Lesens kundig. Selbst bei versprengten Teilen des Volkes, bie durch das Schicksal vom Stamme schon vor Jahrtausenden abgesondert wurden, wie die Fataschas, die in Messinien, einem Lande leben, wo es überhaupt keine Schulen gibt, gehören die Analphabeten zu den grüßten Sclienheiten. Dieses hohe kulturelle Niveau, daS den Stolz des Judentums bildet, habe seinen Ursprung in der altjüdischen Schule. Wie die altjüdische Schule in den ersten Zeiten beschaffen tvar, darüber fehlen nähere Aufzeichnungen, dagegen geht aus einigen Stellen der Bibel ganz klar hervor; daß es bereits in den ersten Jahrhttnderten des jüdischen Staates einen geregelten Unterricht gegeben habe. In den späteren Jahrhunderten hat sich daS Schulwesen immer mehr entwickelt. Zur Zeit der Königin Alexandra, der Witwe d-eS Königs Jaerai, hat eS Schimon ben Schetach übernornnren, das Schulwesen zu reformieren. Eine der größten Erruitgenschaften des antiken Judentums ist die Schulpflicht der Kinder, die genau so wie im modernen Europa mit sechs Jahren festgesetzt war. Wie das altjüdische Unterrichtslvesen sich später entwickelt hat, beweist der Umstand, daß es auch eine S ch ul inspizier ttng gab. So kamen einmal zwei Gelehrte in eine kleine Stabt und fragten die Äeltesten nach den Hütern der Stadt. Diese ließen die Wache antreien. „Die sind die Zerstörer der Stadt." sägten die Weisen, „führet uns zu den Lehrern, sie sind eure Hüter!" Jede Stadt . und jede Ortschaft hatte die Verpflichtung, auf allgemeine Kosten eine Schule zu erhalten, wobei in eine Klasse nur 25 Schüler ausgenommen werden durften. Wie man sieht, beruhte die altjüdische Schale auf ganz modernen Prinzipien: auf der Schulpflicht und der Oesfcnilichkett des Unterrichtes. Aus dem Werdegang des Rabbi Akiba geht auch hervor, baß genau so wie heute auch in der altjüdlschen Schule das Kind zuerst in die Taferlklafso laut. In der nächsten Klasse begann der Unterricht mit dem dritten Buche Mosis, eine Sitte, die sich im Osten bis zum heutigen Tage erhalten hat. Mit dem Hinweis auf die große Aktualität des jüdischen Schulproblem- und dessen Zusammenhang mit bet altjüdlschen Schule schloß Dr. Lhajeseinen überaus interessanten Vortrag, dem sich demnächst ein Vortrag über die jüdische Schule tm Mittelalter als Fortsetzung anschließen soll. ' * Der Verein jüdische tttnderfr«»nd«" veranstaltet am 18. Dezember tm grossen KonzerthanSsaal eine Ettern« Lhanukkah-Feier, deren vleinerträgntzur Vrhaltuna der de» .«<) n «n und Kr boi rt<ue* z.el stät 1„ i-tettt. Ferner intat Di«ii»ltig den SÜ Dezember im Vraßen Mnsilkpereinsaale ein KiiHtar-ThachtNah-Fest statt. Karten erhältlich: -o,»zerthsu4kasse Kuttmonn, Buchhottblung LSwit Mb im GekvkMrtat des Vereine- .Litdtfche Mnderfrerln^, Wie«, IL, Obe« DoMustrasre AL. Die Wir«er Wochenratton. W«. dt« Kürzung d«r Brot» und Mrhlquut« bedeutet, , L)ie Hnngersetot. Schon vor Monaten haben hervorragende Srnährnng»- gelehrte berechnet, daß dje Versorgung der breiten Massen - ver Wiener Vevölkertmg wett unter dem Ernährnngs-Bedarfr» nttnimtrm bleibt, dass beispielsweise der Wiener Buchhalter. Kommis 1060 Kalorien täglich verbraucht, während der Erhaltttugsuntsatz eines Mannes von 70 Kilogramm Körpergewicht allein 1000 Kalorien' pro Lag benötigt. Wenn jener Mensch regungslos verharrt, auch die leiseste Muskelarbeit uttterlässt, sino zur reitten Erhaltung deS Lebens allein^ also für die Arbeit von Herz und Lunge, für den Swftwechsel der Zellen, 1600 Kalorien im Tag notwendig. ES ist dies daS Mindestmaß, daS der Organismus an Nahrungsstoffen zur Erhaltung deS Lebens erfordert. Angenommen» eS wäre der Durchschnitt deS Körpergewichtes der Fixbcfoldcten mit 60 Kilogramm berechnet — was selbstverständlich zu niedrig ist — würde die TagcSquote der arme» Fixbcsoldeten mit 1460 Kalorien zu werten sein, also noch immer unter dem Erhaltungsumsatz liegen. Waren die auf die amtlichen BezugSkartcn angewiesenen Lebensntittel ür jener zum Beispiel im Frühjahre 1018 rationierten Menge auch tatsächlich verabfolgt worden, so wäre nach den Berechnungen der ntedizinischen Kapazitäten daS ErnährungSdcftzit mit 66 Prozent attzufctzen gewesen, eS wären bloß 36 Prozent des normalen DurchfchnittsbedarfeS gedeckt gewesen. Wie im Frühjahr 1618 sind auch derzeit die amtlich festgesetzten Ouatttitäten der rationierten Lebensmittel gänzlich ungenügend, ja die Lage hat sich sogar noch verschlechtert. Im Hinblick auf die Normierung der Lebensmittetquotcn fei darauf vertviesen, dass damals eine Wochenratioit von 200 Gramm Fletsch galt, die seither auf 120 Gramm' und neuestenS auf 80 verringert wurde, dass die Kartoffelquote 1 Kilogramm pro Woche betrug und nun auf die Hälfte gekürzt erscheint, wobei die: gleiche Erscheinung zu beklagen war und ist: Die Festsetzung der Quote ist no>b lange nicht die Garantie deS tatsächlichen Bezuges. Borwoche Jetzige Woche Brot ...... 3.75 Kilonem 2.35 Ktlouem Meh! . .... .2.6 . 1.13 „ Fett ...... 16 . 1.6 . Kartoffeln ...»0.62 . — , Fleisch .... . 0.25 „ 0.3 „ pro Kopf tt Woche 8.72 Kilonem 6.28 Ktlouem pro Tag .... 135 * 0.75 . M gleich dem Nährwerte von 0.78 Lttcr Mtlch.) Voraussetzung dieser Berechnung ist, daß ein« volle 33* lieferung zu verzeichnen war. Es ist bekannt, daß der außoordentlich hphe Preis des Corned B'ief von 84 Kronen p^o Kilogramm zahlreiche Kreise vom Einlaufe zurückschreckte; a>io angenommen, jene auf Karten ausgegeberten Lebensmittel würden pro Tag und Kops 0.78 Kilonem bedeuten. Sollte es eines drastischen Beweises bedücseit, möge folgender Vergleich das übrige sagen: Der Konsum in den Stabten wurvr in früheren Tagen (vor dctn Kriege) mit 3.6 bis 4.5 SMl«- nein pro Kopf beziffert (zum Beispiel London 4.0, Paris 4.4. München 4.6 Kilonem) und eine wesentliche Einschrättllunq des Verbrauches in Betracht gezogen, mit 3 Kilonem bewert cc Diese Nährwertmenge als notwendig, jede Vermindert:!»a erschiittt als bedenklich: Der Wiener Bevölkerung hat etn grausames Geschick bedeutend weniger als ein Drittel dieses Bedarfes r,t"e:nes'en. Statt 8 Kilonem bloß 0,78 Kilonem und dieser Tiefstand nach Uoa-ert, ja nacy Monat«: harter Entde-cungru i Weit ist der LeidenStveg, den diese Wietter 3>evolkerung tu Geduld zurückgclegt hat, an Entsagungen, an Kummer utio drückende Sorge gewöhnt ist, diese freudlose, abgehärmt-, unlerernährte, friereitde und hungemde Bewohnerschaft eiir^r unglücklichen Stadt. Die Geschichte erzählt vom tragiscken LoS so mancher Städte. Wie sie iu ben Fluten der hereinbrechenden Wogen versanken, im gierigen Flammenbrand zer. stört, vom urplötzlicher:, unentrinnbaren Erdbeben zermaltul wurden. Hier ein Schrecken ohne End«, eine Millionenstadt, in Hungt!r?ttot, eine Tragödie der Huttberttausende. Die jetzige Woche bedeutet für bie LebenSmittelberfor» gtrng jener Wiener, die nicht von Vorräten zehren oder iint Schleichhandel sich die ertvunschten Ergänzungen beschaffen können, d«ö HöchstauSmass an Entbehrung. Die Wochenration ait Brot ist von 1 Laib auf fünf Achtel gekürzt worde»!, die Mehtquote von früher (im Oktober deS heurigen Jahres noch) 8vt> Gramm pro Woche auf 125 Gramm herabgesunken, wozu 12& Gramm Erbsen verabreicht werden; Kartoffeln wurden in dieser Woche nur in einem eittzigen, uttd noch dazu in einem der kletneren Bezirke auögegebcn, Eier fehlen. Dt« Äufzühlung der von den Behörden unter dem Zwange der geradezu etttsetzlichen Verhältnisse für diese Woche festgesetzten Wochenratimten entrollt ein trauriges Bitd. Was diese Zahlen bedeuten, wird aber erst düUtt dem allgemeinen Verständnis klar werden, wenn wir die AahrungSmengen in „Wemum» werten, wenn der Nährwert jener Wochenrationen ausgesprochen wird. Für den vielen ungeiausigen und schwer zu Handhabenden Begriff ^Kalorie" witrde jener des „5!^* gewonnen, von dem nur kurz gesagt fei: Die Cilbe ..Nem" bedeutet die AnsangSbuchstaben der Worte »Nahruttg", *$iit* heit", «Milch". Also Grttttdzahl dieses SliftemS ist der Nährwert eines Liter» Milch, 1 Kilogratum Nem ist dem Nährwert eines Liter» Normalmilch gleich, ltiib nun eine Tabelle der rationierten Lrbensiitittei Wien» mit der Umrechnung in Nem: Rativnierte LebrnSmttttl. B r o tr'Wöchrnilich 1 Law zu 1?60ss . ...» * 8‘Tft fttlöntitt M Diese Woche: */» Laib allgrmeinl * . . « 2*85 w Mehl: Vom5. biSIl.Oktober KOOkMkht 25 . 12. »18. . 250 ü . .2501 Bahnen 21Ä „ w 19. . 96. « 250 ft Mehl 950 9 iKetB 9» „ I.Novemb. 260 ft Mel»l m # Dohnen 9*26 8. . S8.Slt.. S.Nsv.. SbO s Mein «U»rvohnen 2*26 »9. „ 16. w S7>0 ft Mbl 260 ftAiüeü 9D6 16. . 93. 0 250« Webt *160 e ßmfett 98. „ 28. 0 125 ft Mebl 125« Erbsen Fett; 120 jr pro Kopf und Woche E111: 0 Fleisch: Dicke Woche SO % pro Kopi miss WvO Kartoffeln: Dtcke A'ochc nur int!X.Drztt ke. ANSgobe Vro Kovf. Milch: Diiugl'mgc b s zu einem Jahr. Nnhnntg-- «tbtchm iür Kmdrr bis zum sechsten Lci'enslabrr; doch keine Milch. Die ^Rem"-Rechnung enthüllt die ganze Tragik. 1'IS r« 09 V9S

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