Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 305 (26.11.1919)
- Date
- 1919-11-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 805 w- Wien, Mittwoch Wiener MorgsrrzeLLmiK 26. November L918 Seite 3 Kriegsgewinnern dazu benützt, um in. Tirol Grund und Boden an sich zu bringen. Dadilrch wird die bodenständige Bevölkerung verdrängt, und in wirtschaftlicher .und nationaler Hinsicht geschädigt. Die Landesregierung . Zv.ird daher aufgefordert, an die Staatsregierung heranzutreten, daß sie ehestens ein. Gesetz einbringe, welches die wirtschaftliche und nationale Schädigung des Tiroler Volkes durch Ankauf von Grund und Boden durch Angt> .hörige fremder Staaten (?) und die Uebertragung'an solche, beziehungsweise Nichttiroler, verhindert. Der Antrag wurde nach Begründung durch die Antragsteller ohne Debatte angenommen./ tote StimmrmH an der ukrainischen Front. , Proskurow- 24. November. (Funkspruch.) Der Ukrainische 'Pressedienst meldet: Die Bekanntgabe des verräterischen UebereinkommenS des Generals Tarnawskyj.mit General Denikin, dessm rechtzeitige Entdeckung die galizisch-ukvaimsche Armee vor dein Schicksal bewahrt hat, für die großrussischen Däne Denikins mißbraucht zu werden, hat das StaatSober- Haupt Petljura veranlaßt, bei den Truppen, die sich an Ker antibolschewikischen und. an der gegen Denikin gerichteten Krönt befinden, für die Fortsetzung des Kampfes einzustreten. Die versuchte Desorientierung der.Armee ^wurde durch LäS persönliche Eingreifen Petljuraö vereitelt. Sein Generalistabschef Oberst Junakiw trifft-in der Kampflinie neue Anordnungen, um die durch den Abfall kleiner Abteilungen ^vorübergehend verwirrte Lage wieder herzustellen. - lieber Befehl PettjuraS wird eine neue Scharfschützenbrigade ausgestellt. Zum Kommandanten dev» ukrainischen Armee wurde zum Kettjura. Ataman T j u t j un e k bestünm-d. . * -. < „Wpered" berichtet aus Odessa: Auf dem ganzen von Denikin besetzten Gebiete sind Aufstände ausgebrochen/. 'Der gesamten Bevölkerung ist. Denikin. wegen seiner zaristischen Tendenzen verhaßt; nur mehr an der Front kann er sich Behaupten. Die - Unternehmung des Generals. Denikin, vom .Süden aus Großrußland wieder, aufzurichten, gift als gescheitert. Noch vor Eintritt des strengen Winters wird Denikin Hinter den Dnjepr und auf die Küstenstriche der Ukraine . VtMgeworfen sein. Telegramme. Die stalienssche Presse gegen d'Ar^nrmzis. Bern, 2s. November. Dft Landung 'd'Annunzros m ßara und seine weiteren Unternehmungen begegnen in --er italienischen Presse fast allgemeiner Verurteilung. ,,Corriere della Sera" spricht von einen: muttermörderifchen Schlag, der gegen Htalien geführt werde, imf);bo^} Lenten,. die, während sie glauben, Dakmätien zu anhek? - Heren, Italien auflösen. ' ' „Avanti" schreibt: Nicht von der Regierung erwarten wir Len Kampf gegen die Provokationen des Militarismus. Wir wissen, weiches unsere Kräfte sind, UM allen Provokationenentgegenzutreten. , '<■ Die römische Presse verwirft mit Ausnahme der »iFdea Nazionale" einmütig das neue Abenteuer d'Annunzios. / . i In einem Artikel verweist der „Avanti" im Zusammenhang mit dem Abenteuerd'Annünzios aus das LLahlergebnis und sagt:. Die Sozialisten Haben die Regierung auf dem Boden gesetzlicher bürgerlicher Demonstrationen geschlagen; die Militaristen besiegen die Regierung auf dem Boden der Verschwörung und des Pronunziamimtos. Gibt es noch eine bürgerliche Re-' gierung in Italien? Gibt es noch verantwortliche Minister? Ist die monarchistische italienische Bourgeoisie noch fähige weiter sortzuwursteln, oder stehen wir vor einer militärischen Diktatur ols Vorläuferin einer DiktML des Proletariats? Demission Tittünis. > Seialosa Nachfolger. , Rom» 25. November. (Funkipruch.) Der gestrige M tu i st e rrat hak die Demission . Titto n i s alä Minister ,des Aeußern angenommen und zu dessen Nachfolger S c i a l o j a bestimmt. Mailand» 85. November. Dem „Corriere della Sera" zufolge hat Ttttoin auch den Vorsitz der italienischen Friedens-- d e l e g a t i v u niedergelegt. Auch dieses Amt wird wahrscheinlich vom Senator S c r a l o j a übernommen werden. Sine amerikanische Anleihe für die Ententeftaaten. Paris» 24. November. Aus Ncw-Vork wird der „Presse de Paris" gemeldet: In einer gemeinsamen Aussprache des amerikanischen AusichussrS der Bankers. Association und eines .Ausschusses der wirtschaftlichen Missionen F r a u k r e i ch S, Englands, Italiens nutz B e l g i c n 8 ist die Ausgabe einer Anleihe von z w e i b i v i e r M i l l i a r d e u -Dollar beraten worden. - Mitglieder der alliierten wirtschaftlichen Missionen, die aus New"8)ork zmückgekchrt sind, erklirren sich von ihren Eindrücken sehr-zufriedengestellt und meinen, baü die nötigen Kredite von den' Bereinigten Staaten gewährt werden dursten. Eröffnung deS rumärilfchesr Parlaments. Bukarests 84. November. Der-König und die Königin haben gestern unter begeisterten Ovationen feitender Lvi) Abgeordneten und Senatoren das Piulament eröffnet. Der König/ bestätigte in seiner Ansprache den Wille« Rumäniens, sich von den Alliierten nicht zu trennen. Herabsetzung des Kohlenprelser in England. London» 85. November. (Funsspruch.) Der Skohlonpreiö wurde »in 1.0 Schilling fitr die Tanne herabgesetzt. Prinz WZndischgrLtz in Bsrli«. Berlin, 85. November. Blattern zufolge ist der ehemalige Mgarische Minister Prinz Ludwig Wiudisch^rätz kürzlich m Berlin femgettossen. Er HM hiex VrjMrh'.zngm mit dmsschm Politikern. Die dsnt^che Hilfe ku» OeftorreiH. Berlin, 26. November. (Tel.-Kvmp.) Derv bereits vor einiger Zeit gebildete deuftchösterreichischc Ausschuß der Nationalversammlung, dem Mitglieder sämtlicher^ 'Fraktionen angeboren, hat herüe vEMittags unter dem Vorsitze des Präsidenten der Nationalversammlung. . F e h r e n b a ch- und im Geisern des deutschösterretchischen , Gesandten Professor Hartma n« sowie des Reichsivirckschaftsmmisters Sch m idi über die Hilfeleistung an Deutschösterrerch beraten. Dieser Beratung sind bereits. ' gestern,Besprechungen im Ausschüsse selbst voran- (gegangen. Es werden demnach seitens des Ausschusses 'dem Kabinette Vorschläge gemacht.werden, über deren Durchführbarkeit der Mirüsterrati entscheiden wird. Da ' das Reich an sich für dre Aushilfe mit Lebensmitteln nicht in Betracht kommt, soll in dieser Hinsicht eine P r i v a t'a k t i o n in die -Wege geleitet werden. Dagegen dürfte die Regierung jedenfalls in der Lage sein. Deutschösterreich eine gewisse finanzielle Hilfe zu gewähren. Die außerordentliche Notlage, in der das deutschösterreichische Volk sich.befindet, hat den deutschen Städten die Veranlassung öatzu gegeben, .eine' Hilfsaktion für Deutschösteneich einZuleiten. .* Oberst Neir°chrrÄt beurlaubt. Bertitt. -November. Wik bas -Lolssiche Bureau ersähtt, äst Obr-ft Reinhardt beirrlarkN worden. (Diese Maßnahmr bürste mit der anläßlich deS Hmßendurgvnhöres rnt« ialletex T'ittgken Reinhardts prsanml^tzLnak«. Z« einer -är^l^che« Verabsckukdun«, dicseköingStreuen Mamu-s / hat N.oske ckcht den Mut awgchra.he. Die Ncd.) . / Die VeefolgU«g ÄaSfsv LMherchs. London, 85. November. Wie mittzereilt wird, haben die. alliierten und vstoziierten Regierungen nunmehr ^genügend Unterlagen für die Strafversolgung deS'KaiserS-Wilh elm-zurHand. - ^^K«Adgebuntzen-gege«/Pr.i DoFte«. . Fs«nl:furLa. M., 25. November. Äls gestern abends m Köln bekannt wurde, daß sich der aus den Sonderbundbcstrebunaen bekannte Dr. D orten m der Stadt aufbalte,. sammelten sich ßvofiP. Massen vor seinem Ovatlier. Die Arbeiter der' Zentralessenbahuwerkftättr legten die Arbeit nieder und zogen geschlossen ppr das Hgus. Unter Hochrufen auf die deutsche Republik wurde .die Auslieferung, Dr. DortenS.gefordert. Erst iy. spater Nachtstünde konnte dir Menge von deutschen und britischen Polizisten, die zum Schutz Dortens aufgeboren worden warm, zersireut -werden, . Das Schicksal Sstgaliziens. Paris» .85. November. (Ukr. Pressedienst.).^ an Lerne" berichtet, daß der Oberste Rat die Entscheidung treffen werde, Polen, ein zeitlich üe-ürenrt es Mandat für Galizien zu geben. Bei Ablauf dieses-Mandats wird. 4er Völkerbund mtfcheiden, ob 'die VereinbarMtz 'geändertwerden soll. . i -^Die-Msch-etzMPrßMzMo«rWWn.. ( Praft» 25. /November. Die PlebiSrilkommiffio»- für das Teschener Gebiet wird 40 Personen umfassen und chre« Srtz in Teschm haben. Sie w,rd 6 Monate amtieren und aus 7 Franzosen, 4^lalienerm 4 Engländern, 1 Japaner nebst zahlrercheiu Personal bestehen. Den Vorsitz wird ein Franzose führen. Die Tschecha-Slowaker Umtt die dtten Wirtschaftsbeziehungen nicht entbehren« Prag, 25. November. Bei der Beratung der außerordentlich ^wichtigen Bvrlaae, welche die Negierung ermächtig.'die Hattdelsbenchungen mtt auswärtigen Staaten vrovffonsch zrc regeln, rrklärtr heu'e ur der Nat-vnalvrrsümmlung der HandelSminister -Dr. H e r d 11 r: .Kem voluifches Ereignls kann die wirtschafl- >lichtn Mammenbiiuge und anSzetretene»'Wege deS Handels zerstören. Trotz aller unserer Bemührmgen, mrserm Handel nach Westen zu vrrenliercn, bleibt unser bester Abnehmer doch d«S, Gebier der chemallgen österrelchisch-vngarischen Monarchie". Verpsärrhrmg dsrLschschische« NaphLhagruberr. - Prag, 2.">. November. (P'rwat.) In der Rationalverfammlung richtete heute der Abgeordnete Dr. ßukarSkh rine^Anfrage an die Regierung, über d'e Verhandlungen mit dem.englischen Finanzmaun Oppenheim. Opperiheim soll der tschrcho-slowasischen Regierung einen Kredit gewähren gegen Verpfändung der Rapbtha-- .gruben in K b e ly, Mahren, dre der W i e n e t Gesellschaft ..Galizia" grhöreir. Ferner soll ihm das alleinige Recht auf Naphthagewttiuung im Gebiete der tschecho-slowakrschen Republst eingcräumt werden. ' Zur Rrrcklrchr Dr. Kramsrsch' srrs WrßlK«Ä. Prag, 25. November. Zu der unertvarbet schnellen Heimreise des Dr. Kramarsch aW Sübrußland schreibt „Pravö Zidu": Die politische Expedition des Führers der Jungtschechen hat ganz unrühmlich geendet, gleichwie ' eine große Reihe seiner anderen politischen. Unternehmungen. Diesmal hat die Robe Armee die Pläne . Kramarsch' durchkreuzt» doch muh der Hintergrund seiner Reise für das tschechische, Volk eine Warnung bleiben. Der Plan, die tschechische Armee m Sibirien in neue Kämpfe gegen dar sozialistische Rußland auf Seite der Reaktion hineinzuziehen, ist also vereitelt; doch hat er dem ganzen tschechischen Volk gezeigt, in welcher Richtung die Politik ber^Regierung gehen würde, wenn die Reaktion siegen^sollte./^ ' Die Pariser Dr. Pe«esch^ Prag, 25. Novembers „Vecer" verössentlicht eme Unierredung seines Pariser Berichterstatters mit Minister Berresch, der sich über seine Konferenzen mit politischen und''Finanzkreisen über die tschechischen Forderungen harchelspolitischer, sinanzieller und allgemein wirtschaftlicher Natrrr sehr optimistisch ausspricht und erklärt, daß er auf einen volfv« Erfolg in Paris und London rechne. Zur ILesche»er Frage bemerkte der Minister, daß die Verbündeten einer diesbezüglichen EntsckMung neuerlich ausgewichen seien und die Lösung der fraglichen Bedingungen für da-, Plebiszit, betreffend die HLimatSzuständigkeit, der neuen Teschener Kom-, .Mtz?! MMB» M M MWK.WM (ISWkfc Kleüee Nachrichten. Moldau, .25. Nopembrr. Fremde.Frmksprüche yeMvtm die N icki Eche, brtf; Den-l'm zwischen Orel unp Tänü'vw d'e 'Front hu chbrochrn und über 50.000 Ronruppen gefangengenolun'.custabe. Rom', 'LO.islkavembn'. Au-s A d d i s -'A best« wud gr» meldee, bau ® t a-ct-i k der Einführung dcS parlameulai «schm Systems iq Abesfymen ^gestimmt hot. -'"-V . Mailand, 25. Rpvember. Nach einem. Bcnchte, dtL \yo ca" hyk .das ägyptische Kabmen Sa \ d - P a s ch « demissioniert. . i ' HeiftngforS» SS. November. Nachhier emgelasigten. Meldimäen kann der R a n d st a a l e n b n st d Estland. iM- ' land, dimnen als abgeschlossen gelte«. Die Bundesbestemmunaew mmassen miliräri'che, politische und wirtschaftliche Fragen. 4)ie erste Frage des Bundes wrrd^ der FreedenSschluß'nur Sowiötrusiland bllden. , . _■ Wie es i« Bupayest z«geh't. . Die ungarische Nesieruna hat sich iw ' dev Vorwoche durch Wiener Journalisten^ dieim ExtraMg zum Einmarsch Horthys- ' nach Budapest gebracht wurden, feierq lassen. Nk?ch deren Schilderungen ist Budapest eine'wahre Insel der Seligen. - Wie , es wirklich dort auSsieht, darüber, belehrt die folgende Zeichnung» die der Duda» pester Korrespondent der- „Frankfurter . ) Zeitung" entwirft Iokai erzählt von einem Kanarienvogel eines ungarischen Gutsherrn, der anno Metternich wegen Aufreizuus zum Hochverrat zum Tode verurteilt wurde, weil 'er —' i der Vogel, nicht fetif Herr -r das Rakvczy-Lied pfiff. Tendenzen, alle Andenken an die' verpönte Zeit auSzurotten, wie 'sie nach der Kuruczenzeit und dann nach achtundvisrzig um sich griffen, treten min auch heute, nach her verunglückten ungarischen Revolution 1S19-—1619 in die Erscheinung. - Auch aus dem Gebiete von Kunst, Literatur und Wissenschaft vollzieht sich ein' „großes Reinemachen". So produzierte die Polizei buchstäblich einen langen „Index", gefährlicher Bücher. In den Theatery tagen Rechtfertigungsausschüsse: Jeder , -Bühnenangehörige muß Nachweisen, daß die Revolution seine Seele nicht infiziert hat, und eine etwaige Beteiligung auf roten Konzertmeettngs u. dergl. bloß auf äußeren Zwang - hin erfolgte. Die Operettendiva Sari F e d^a k, dis an Werbungen für die rote Armee teilnahm (zu Lenaus Zeiten machten eS noch nicht Soubretten), ließ sich diese nachträgliche Indemnität zum Neid aller Berufsgenosiinnen durch eine -4 Jury aus Politikern der römisch-eins-A-Klasse erteilen. Der? Heldendarstellerin des - Nationaltheaters, Frau P a u l a h, Nützte auch das günstig abgelaufene Nechtferttgungsverfahre«/ nicht, eine unverbrauchte Kampfesnatur von einem Leutnant j warf ihr aus einer Loge trotzdem einen Zwiebelkranz an , den Kopf. Die' „erwachenden Ungarn", eine Mischung von Petersburger ^schwarzen Hundert^ und Pariser „eamelots' du - roi", haben unter anderem mif* ihr Programm gesetzt, die -1 Aufführung von Werken, deren Autoren j ü d i s ch c ft* U i> ( sprungssind, gewaltsam zu verhindern. Wenn sie es durchführen.: Molnar, Biro, Brödh, Lenghel und mancher andere muß dann aus dem Repertoire heraus und viel bleibt, dann an ungarischen Autoren nicht übrig. , Mehr als auf dem Theater konnte die Richtung der «erwachenden Ungarn" an der Universität und der Technischen Hochschule bereits. Erfolge zeitigen. Michael BabitL, der bedeutendste heute lebende Lyriker, der vortreffliche Ueber- ' / setzer Dantes, durch Lessen Ernennung zum Professor der - Weltliteratur die ungarische Revolution, nur sich selbst ehrte, '/) / Alexander Ferenczi, der bekannte Freudianer, mit dem in der Revolutionszeit die Psychoanalyse auch auf der Buda- ' pester Universität, ihren .Einzug hielt,, und manche andere / müssen nun daran glauben, weil sie daS Pech hatten, erst - von einer RevoluÜonsregierung auf den ihnen gebührenden - Platz gestellt zu werden. Aehnlich erging es dem Pianisten und Konlponisten Ernst von D o h n a n y i. Dieser Beethoven- Interpret von internaüonalem Namen wurde von der Revoluttonsregierung dadurch an Ungarn gefesselt, daß er an die Spitze der Musikakademie berufen wurde. Die Regierung Friedrich glaubt nun nicht das Musikleben Ungarns, . sondern Dohnanyi zu strafen, indem sie ihn schroff „fteigibt". Auf dem Gebiete der Musik ist die „Restauration" überhaupt sehr energisch. Das Opernensemble wurde dezimiert. Man * kann auch oft lesen, Bartok und Ködalh und ihre Musil müsse , gänzlich verschwinden, denn die expressionistische Musik führe ^deutlich vernehmbar die Sprache eines vaterlandslose» Bolschewismus. . r Wie gelangt aber.Hugo Wolf auf den Index? Nach Sturz, der Räteregierung wurde unter andere» auch der' Professor Czobel, der frühere'Gesandte Sowiet- UngarnS, in Wien verhaftet. Da man annahm, daß gerade er viel Beziehungen zu. ausländischen Kommunisten hatte, wurde bei ihm eine besonder» gründliche HauSdurchsuchun» vorgenommen'. ES fand sich eine an seine Frau gerichtete Bisitkarte eines ungarischen Literaten vor, in der eS hieß: „Morgen abends bringe ich Ihnen den Genossen Wolf mit. Wir werden eine interessante Seanee haben." Der Schreiber dieser Karte wurde prompt verhört. Erf sei Musikfteund, gab er zu Protokoll, und musiziere öfter« ' mit Frau Czobel. Hugo 88 o l f sei sein Lieblingstondichter. und von dessen Noten sei die Rede. Polizeiliches Mihträuen, einmal geweckt, ist von hohem Munrerkeitsgrade. Wolf könne ganz gut ein polnischer Jude- Emissär direkt von Tschitscheri» sein. Unser Literat, eine notorisch unpolitische Naturwehrt ah. ES heißt ja «Genosse Wolf", sagt die Polizei scharf-, sinnig. Da» beweise nur seine ironische Einstellung gege». 1 über einer Zeit, in der eS nur „Genossen" gab, beteuert der Wolffchwärmer und fügt hinzu, er habe damals auch i«««e von Genosse Shakespeare und Genosse Goethe gesprochen. Schließlich wird »r entlassen, aber im Busen der heiligen Hermandad sitzt der Stachel. Und unter den vielen Steck.- brirfen gegen verdächtige Persönlichkeiten, die man vorläufig m ieneS^ürnbneger Mundes willen «pK