Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 298 (19.11.1919)
- Date
- 1919-11-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Setze 6 Wien, Mittwoch Wiener MorgenzekLung 19. November 1919 Nr. 298 Bühne und Kunst. Gesangskonzerte. - Gelegentlich eines Liederabends im Rahmen der Tiroler Musik-Woche hörte man Lieder von Wasse rmann,Schemeich Pambaner, Thuille und Senn, die ohne besondere nationale Eigenart aufzuweifen, sich an der Grenze zwischen.,Ueberliessru.ng und Moderne halten, wie die durchschnittliche Produktion allerorten. Am wertvollsten erschienen die Arbeiten Karl Senns, der mit der sangbaren Linie seiner Melodik den Stimmungsgehalt der vertonten Gedichte am glücklichsten festhält. Das wohlgebildete Organ Herrn llbls und die musikalische Sicherheit der Sängerin Frau Bruck - Zimmer verhalfen bcu Liedern zu freundlicher Ausnahme. Ein neuer Begleiter, Doktor Gustav F u ch s, der in letzter Stunde einspramh löste seine Aufgabe so erfolgreich, daß man ihm wohl noch häufig an dieser Stelle begegnen wird. — Ein Ereignis, das die Welt des TheaterZ wie jene der Konzerte mit gleicher Spannung erwartete, war das Debüt der Frau Erika Wagner als Liedersängerin. Daß die schöne Heroine durch ihre glänzende Erscheinung und den deklamatorischen Ausdruck ihres Vortrags das Spiel halb gewinnen mußte, war vvranszusehen. Aber zum Ganzen rundete sich der Erfolg, als man merkte, daß die Sängerin üler ein warmtonendes, überaus angenehmes Organ verfügt, das den tieferen Sopranregionen angehört und mit voller Beherrschung der Gesangstechnik gemeistert wird. Sie saug unter' steigender Beifallsfreude des Publikums Lieder von Schubert, Brahms, Wolf und Strauß, bis am Schlüsse die Begeisterung zeigte, daß Erika Wagner den bedeutungsvollen Schritt nicht zu bereuen haben wird. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird sie als Opernsängerin'die volle Verwertung ihrer schauspielerischen und musikalischen Gaben und ihre größten Erfolge finden können. — Der Grazer Tenor, Fischer - Niemanu gab einen Lieder- und Aricnabend im großen Musikvereinssaal. Es scheint, daß das Wiener Publikum geneigt ist, seine Sympathien dem auch ir nhause geschätzten Gast dauernd zu bewahren. B - iger Begrenzung seiner Aufgaben, die vorzugZlv.. Bel-Canto zu suchen wären (die Gralserzählung erfordert doch ein stärker tragendes Organ), wäre Herr Fischer-Riemann auch für Wien eine nicht zu unterschätzende Akquisition. — Herr A. M. To Pitz, den man heuer in den Opernvorstellungen der Akademie, kennen lernte, exponiert sein Talent noch zu frühzeitig. Sein Tenor klingt etwas farblos. Der Vortrag ist noch im Schülerhaften befangen. Für einen eigenen Liederabend (ein lesie Aehnlichkeit mit dem Komponisten führte ihn vielleicht dazu, ausschließlich Schubert M singen) reicht die Gestaltungskraft vorläufig nicht aus, wenngleich die vorhandenen Anlagen für eine nahe Zukunft das Beste erwarten lassen. _ Tw. K- M. Sezession. Herbstausstellung.) Die 55. Ausstellung ist in ihrem Gesamtbild frei von jenen unrstürzlerischen Kunsttendenzen, deren sich der Bürger, beim Worte „Sezession" schaudernd zu erinnern Pflegt. Es ist eine Schau über hie Arbeit von ungefähr zehn wohlakkced stierten Künstlern, die ruhig schassend und durch keinerlei prinzipielle Bedenken gestört, seit Jahren ihren Weg gehen, oljnc den Ehrgeiz zu haben, den immer ertvarteten Anstoß zu einer Wenonng der Kunstgeschichte zu. geben. Die Leitung der Ausstellung befolgt den richtigen Grundsatz, die einzelnen Künstler wirklich zu repräseniieren. Wir begegnen deshalb einer Reihe von Kollektionen statt einer verwirrenden Fülle von Namen, wie es sonst üblich ist. Ferdinand Andri füllt den Hauptsaal mit seinen Lcmdschaften und Bildnissen. „Tiroler Kunst in Wien", auch dies. Das Massig-Klobig« der Baucrnkörper ist für Andri Lieblinasvorwurf, wie etwa auch für Hobler und Egger-Lienz. Seine stilisierende Naturauffassung kennt man seit dem „Holzschlag" in der BK?cderesarumlung. Die gewollte Symmetrie des Landschaftlichen zeigt sich auch hier im ,Herbst", „Nachmittagssonue" wie in den Kompositionen, darunter der eindrucksvollen „Mutter und Kind." Zum Tode Max Kttngers. (18. Februar 1867 — 10. November 1919.) In diesen letzten Jahren war es um Max Klinger stiller. geworden. Er lebte in tiefer Zurückgezogenheit in Leipzig, mit der Ausübung feiner Professur und den eigenen Arbeiten beschäftigt. Sein Märchrnzyktus „Das Zelt", eine Historie'in 46 radierten Blättern, war das letzte größere Werk, das die Öffentlichkeit beschäftigte. In den Neunzigerjahren hatte er den Zenith seiner Berühmtheit erreicht.. Damals, als er seine großen Wandgemälde, kühne Gesamtkmrstwerke fertiggestellt hatte, von denen Wien in der Belvederesammlung die wertvollsten besitzt. Das „Urteil des Paris" und „Christus im Olymp" sind malerische. Darstellungen, in denen ein neuartiger Hellenismus bedeutungsvoll, für die Entwicklung der Kunst in Erscheinung getreten ist. Klinger war von der Graphik ausgegangen. An der Berliner Kunstakkbernie hatte er die Technik des Nadierens erlernt und gleich mit dem ersten seiner Zyklen, „Zum Thema Christus" (einer deutlich antijüdisch gefärbten Blätterfolge), den ersten. Erfolg errungen. Es folgten die „OvidilchenRadierungen", „Amor imb Psyche", „Eva und die Zukunft, die seltsame „Geschichte eines Handschuhs" (die auf einer Rollschuhbahn spielt), die wundervollen Zyklen: „Ein Leben, eine Liebe", „Vom Tode" and endlich die' „Brahms- Phantasie", ein später oft wiederholter Versuch, die Kunst des Nadierens zur Ausdeutung musikalischer Vorwürfe zu verwerten., In Frankreich und Italien studierte er Malerei und schuf seine „Pieta", eine „Kreuzigung", zahlreiche Freskobilder und viele längst populär gewordene Werke, wie die „Quelle" und „Blaue Stunde". Die altgriechische Plastik zog ihn später in ihren Bann. Unter den bildhauerischen . Arbeiten des Vielseitigen wurde jener polychrome „Beethoven" ain bekanntesten, der anläßlich seiner Ausstellung in Wien lebhafte Widerstände erweckte. Seine „Salome", „Kassandra", „Das badende Mädchen" undzahlreiche Porträtbüsten stammen aus dieser Periode. Klinger ist auch als Schriftsteller tätig gewesen und hat in seiner Abhandlung „Malerei und Zeichnung", der „Griffelkunst", die er als geistig-literarisches Gebiet innerhalb der graphischen Künste besonders h-och schätzte, besondere Ausführungen gewidmet. Mit Klinger ist zweifellos eine der prominentesten Erscheinungen des künstlerischen Deutschlands dahingegangen. Sein Einfluß auf die neueren Kunstrichtungen ivar ungeheuer, hauptsächlich wohl deshalb, weil er, der herrschenden „literarischen" Richtung im Kunstleben besonders entgegenkam und durch seine phantasiereiche Art in allen Techniken befruchtend wirken konnte. —l. ArrS dem Brrrgtheater. Eine Neueruna. di« kein Kunstfreund begrüßen wird. Das Verbot, autVarietäbühnen a u f z u t r e t e n, das bis Nun im Bur gib e ater bestand, soll aufgehoben «erden. Herr L a ck n e r, Frau M e d e l s k y und Frau Senders beabsichtigen, täglich an Wiener Rauchblihneu mitzuwirken. „ Daher soll Herr T r c ß l e r. >er gerade wegen seiner Betätigung am Brettl aus dem Burglbeatervcrband ausscheiden mußte, wieder Bwgslhauspreler werben. 'So läßt sich der r-trihm des alten Burgtheaters nicht aufrecht halten. Die Künstler müßr-en solche Gagen beziehen, daß sie dre Nebenbeschäftigung rm Barntä nicht nötig hätten. Freilich muß man glauben, daß keine Burgüimlergage hoch genug wäre, um sie von dnn verhängnisvollen Entschluß, rm Äarieiö leicht und rasch Rresenverdrenste zu erzielen, abzudnnsen. Das rst traurig. Der beste AnSweg wäre doch noch das aeplante Frlmunter nehmen, das den Künstlern reiche Einkünfte sichern würde, rme neue Aera rm Fitmive'M bedeuten könnte und den Burgtheatermitplieberu er» wirklich künstlerisches Betätigungsfeld zu eröffnen geeignet wäre. A«s de« Theatern. In der Renaissance-Bühne findet Samstag den 22-. d. M. um Ys3 Uhr nachmittags öre Erstaufsührnng des Märchens „Die Jahrtausendnacht" von Wilhelm Stekel Und Otto Eisenschitz statt. Die Hauptrollen werden teils von Kindern, teils von Schauspielern dargestellt. Regie: Viktor Franz. Klein« Preise. Alois Hönisch läßt sich von materiellen- Kostbarkeiten inspirieren. Die Prunkkarvssen der Wiener Hofburg, gleißendes Edelmetall, buntschillerndes Gefieder exotischer Vögel, Bluinen und Früchte, seltenes Porzellan, heben sich aus den dunklen Grundierungen seiner Bilder leuchtend ab. Ein Mißgriff: die leere Dekorationsmalerei des großen Speis»- zimmerbildes. Adolf G e r st e n b r a ii d zeigt seine karikaturistische Begabung, daneben aber auch Wiener Veduten von feinster farbiger Durchbildung. Vielleicht wächst hier, weiin der Maler seinen Weg richtig erlennt, ein Wiener Spitzweg heran. Von der Karikatur kommt auch Franz Wacik her, den die „Muskete" populär gemacht hat. Der starke Hang zum Grotesken prädestiniert ihn zum Illustrator der Barockzeit. Er stellt die Originale zu den E. u. A. Hosmannbilderw, dem „Prinz Engen" und vielen Märchen aus. Wie er seine Fabelwesen mit der Natur verwachsen läßt, das zeugt von dichterisch-pantheistischer Naluranschaumrg. Oswald Roux bringt wieder Szenen aus veni bäuerischen Leben und Pferdestudien. Man könnte ihn fast den Schilderet: des Seelewlebens der Pferde nennen, so sehr hat er sich in das Wesen dieser grüßten Dulder unter unseren Freunden im Tierreich vertieft. Heinrich Krause ist mehr als die anderen „Maler an sich." Er lebt nur der Farbe und bevorzugt hier die verschwimmenden Tönungen der Atmosphäre, die die malerischen Gegenstände reizvoll verschleiert. Ferdinand Kitt und Joses Dobrovskh sind d3 Bachcrschüler wesinsverwaiidt. Hätte Dobrovsky nicht den mittelalterlichen Einschlag, man würde ihre Werke nicht unterscheioen, können. In der Kollektion Dachauer erregt „Die Erde uno der Regen" beträchtliches Aufsehen. Ein großer weiblicher Akt, von Putten umgeben, die ihn mit einem leuchtenden Blumenkranz umrahmen, wird vom schattenhaften Regengott umfangen. In seiner einfachen Sch-ikn-lik und der glücklichen Ausiühnmg gehört dies Bild zu den besten der hübschen Ausstellung. —l. Im Bur gl he ater wird morgen Donnerstag Haus Müllers Schauspiel „Die S t e r « e" zum ersten Male aufgeführt. Im Operntheater gebt morgen Donnerstag „Die Frau ohne Schatten" in Szene. Anfang 5 Uhr. Im W i e n e r S t a d t t h e a t e r gelangt das Lustspiel .Gin Freund der Frauen" rn>t Josts Jarno m der Titelrolle morgen Donnerstag, ferner Samstag und Sonntag abends zur Wiederholung. In der N » u a is s a n c e - Bü h n e (Direktion Harry Waiden) gelangt SamStaa. V-3 Ulir nachmittags, als erste Kinderkomödie .Die Iahrtausendnacht", ein lnstigrs Märchen in d>« Aufsitzen von Wilhelm Slckrt und Otto Eisenschitz, m den Hauptrollen teils mit Kindern, teils mit Schausvietern iestvt, zur Anssühirmg. Kleine Preise. Harih Waiden spielt Sonntag nachmittags um ‘/«S Uhr die männliche Hauptrolle im Lrrstfpirl .Der dritte Gaue". Nachmittagsprerse. Am WienerKomödienhaus gelange« Samstag den, 22. d. M, nachmittags 2 ll!n, „Die Kreuzetf ch r e i b e r", Sonntag den 23. d. M., nachmittags 7a3 Uhr, „Eriwan" zur Ausführung. Irdische VnstchtsK«rte«. Eme gcLsieuAliswahl von Mcistkiwerkcn jüdischer .Künstler in larbengetreuer Wiedergabe, darunter die bckanrricu Bilder von L K r e st i n aus der ostjüdi'chcn Welt der Talmudisten und des geheiligten Sabbatledcns, ferner Surinen von D a v i d K o h n. Otto H e r s ch r l. F. Obermüller. Grtte K a tz und eine besonders vorzügliche Neprodntaon von Ilttor Kaufmanns .Festtag" ist dll'ch die Buchhandlung N. Löwit. Wien. I, Rvttnluunstraße 22, zu beziehe«. Preis ernrr beliebigen Serie vor» zehn Stück K 5,—. ch Sport. Die Gsemania v«stet. Die Entscheidung der Herbstserie der Meisterschaft der II. Klasse stillt am 14. Dezember im Wett«» sp'el H a k o a h gegen G e r m a n r a. Die letztere macht verzweliette Anstrengungen, um aus diesem Treffen rr'olgreich bervormgrhen. Niichde,r, die Schwechater vor kurzem den rechten Flügtlstinmer Pepr Stürmer von dem ihnen befreundeten W. A. F. übernommen haben, wurde jehr auch der bekannte internatiouale Hali S e d i a t s ch e k f gleichfalls W. A. F.) m die Spiclelllstö des Vereines emgetragr», so daß er gerade noch für das Hakoah- Wettspiel die Splelbewilligiing erlangt. Für dieses Entscheidungsspiel herrscht in allen Sportkrcisen ein ungeheueres Interesse. BerschoSeneS WohltAtigkeitsrveltspiel. Das Wohltätigkeitsmettspiel zngnnstrn der Invaliden der Leopoldstadl, das heute nachmittags zwischen dem W. A. C. und einer konibmierten Mannschaft hätte stattsinden sollen, wurde, der ungünstiaeu WitteruttgSverhäliyisie wegen, auf Donnerstag den^ 27. d. M. verschoben. Intern«tis««!eS WettsPieltonrnee. Der Sportklub Naprd bat nunmehr die Termine für sein Tournee genau sixiert. Die Dkanuschait spult demnach am 25. Dezember gegen „Bayern" in München, am 26. Dezember gegen dm Sprelverernigung Fürth in Fiüth, am 28. Dezember gegen Nordstern in Basel und am 1. Jänner gegen Old Boys in Zürich. Der «ie»er»fterreichische Cup. Die Meisterschaftsspiele der zweiten Klasse erfahren am Sonntag durch die letzte Vorrunde rini den Cup eine llnterbreebung. Die größeren zweitklassigen Vererne sprelen fast durchwegs gegen schwache Gegner D^e Hakoah wurde gegen Rasenspieler (dritte Klasie) ausgelost. Sportklub H«koah. Heute, präzise 6 Uhr abends, Klubleitungssitz uu g. -FW ttrrren-r>«tnenhiite werde« nach neuest. Mode prompt und billigst modemisiert ■*"—-' XVIII., TTSbrlÄser «flrtel Hl und V2I., BErvriahllfergtrggge 88 Das Verfahren gexzen die polnischen Legionäre eingestellt. Wie seinerzeit berichtet wurde, fand arn 20.^ September dieses Jahres vor dein Schwurgerichte der Prozeß gegen die Mitglieder der polnischen Legion Ladislaus H o r o d y s k r, Josef Makowskt.unb Zvgnrirnd Chruszyuskt wegew Verbrechens des versuchten Mordes, begangen an de>« poürbschen Legionär'R o se n baum-R o z y c ki, statt. Der Vorfall ereignebe sich * im März I.. im Prater und erregte» oamals großes Aufsehen. Sehr interessant war insbesondere das Motiv der Tat, da die Angeklagten keinerlei persönrlichen Grnnd hatten, gegen Rosenbaum-Rozycti ein Attentat zir verüben, sondern ihn bloß aus dem Grunde beseitigen: wollten, weil er durch koinnnrnistische Agitation und durch! geheime Beiiehllngen zur ungarischen Nät^regi.>rnng nach dev Darstellung der Äuge klagten die Interessen des f>oülischeü Staates gefährdete und die Unternehmungen der poünschen- Armee und ihrer Missionen hätte schädigen können. t ' Die Verteidiger,.Herr Dr. Preßburger für denEstangeklagten und Herr Staatsanivalt a. D. Dr. P r e w i n g e r für den Zweit- und Drittangeklagten, Äuachten die Exterritorialität der Beschuldigten bei der Schwurgerichtsverhandlupg! geltend mrd bekämpften die Zuständigkeit des Wiener. G.e^ richtes. Nachdem der, Gerichtshof in Würdigung dieser Ausführungen der Verteidiger die Verhandlung vertiigtx, um ein Gutachten vom Staatsanite für Justiz, beziehungsweise vom Staatsamte für Aeußeres einzuholen, erwirkten^ die Verteidizer die. Enthaftung der Beschuldigten gegen ErlaA einer Kaution. Nunmehr ist bereits die Arußeruitg des Staats«mies für^ Justiz herabgelangt, welches seine Entscheidung dahin kunbgab, daß den Angeklagten Mitgliedern einer polnischen MMürmission schon nach demWafsenstillstandsübereinkomme-r die Exterritorialität zukomme und baß demnach dir inländischen Gerichte znr weiteren Verfolgung nicht zuständig seien. . Die Staatsanwaltschaft hat im Sinne dieser Weistjng die erhobene Anklage zurückgezogen uild den Antrag gestellt» daß die Akten dem zuständigen polnische» Gerichte übermittelt werden. Zwei zw««ziziähri^e Burschen vor den Gelchwornen. Der 20jährige Skonti st im Bankgeschäft Moritz L e b o w i t s ch, Ferdinand E n d l, unterschsilg Ende Juni dieses Jahres 30.000 Kronen, die er für seine Firma bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank eingewechselt hatte. Vierzehn Tage später wurde er in Heiligenberg hei Weizenkirchen 'in Oberösterreich verhaftet rmd befaß nur mehr 2000 Kronen. Das übrige Geld hatte er in der kurzen Zeit durchgebracht. Er behauptete, fein Freund, der gleichfalls 20jährige Kaffeekoch Oskar Knapp, habe ihn veranlaßt, mit dem Gelbe durchzugehen. Knapp gab aber nur zu, daß er nachträglich vM dem Plane Enbls erfahren habe und mit ihm zlvei Tage lustig zechte; auch habe er von Endl 500 Kronen bekommen. Endl war heute vor dem Schwurgerichte unter'' dem Vorsitze des Oberlandesgerichtsrates Dr. Haller wegen Verbrechens der Veruntreuung, sein Freund Oskar Knapp wegen Teilnehmung daran angeklagil.! In die Verteidigung teilten sich Dr. Julius Much viid Dr. Hans Tausk y. Die Verhandlung wurde abends zu Ende geführt. Die Geschwornen bejahten die Schultz-, fragen mit Einschränkung der Schale,Ziffer auf einen Betrag von unter 4000 Kranen, woraus der Gerichtshof Ferdinand Endl zu fünf Monaten und Oskar Knavp zu drei Monaten schweren Kerkers verurteilte. Eme neue Eidesformel für die Geschrvolneu. Bckanatlich werdrn vom 1. Jänner 1920 ab auch Fraucn als Gckchwrrnr r chim. Es wmd? wmit btc Eidck.wrmrl, hitt Vü.Uki vor jeder VeihmUlnng bic Bolksuchttr in Eid gmommoir u um, licützlich vahm avgcälidert, daß in Zukunst der Satz: ..Mit der Fenlgkrit und Redl uh seit eine- .freien Mannes" weg» Aiibkiben bat. — w 4i* —x——