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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-19 · Heft 298 (19.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 298 (19.11.1919)
Date
1919-11-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 298 Wien. Mittwoch 2ölener Movserrzettrmz 19. November 1919 . Seite $ PotttLsche^undscha«. „Westminfter Gazette" zum Deklaratiorislag. Die „Wcstnnnster Gazette" widmet' in ihrer Ausgabe vom 1. November dein Deklarationstag einen Artikels in tvelchein sie unter anderem sagt: Man kann die historische Bedeutung der Erklärung Balsours nicht überschätzen, denn sie bezeichnet den Entschluß Großbritanniens, die Hoffnungen und Träume zahlloser Generationen von Juden m die Wirklichkeit zu übertragen. (Seit dem Tage, Iv>» die Erklärung erlassen wurde, bildete sie den , Gegenstand von zahllosen Reden und Artikeln, Diskussionen und Demonstrationen. Sie war vor allem die Hauptqurlle der Hoffnungen der Juden in den Ländern, wo sie der Vernichtung ausgesetzt waren. Wenn Leiben bas Schicksal dieses Volkes vor dem Kriege war — so ist es zehnfach mehr seit dem Waffenstillstand geworden, da die Massakers in Zentral- und Ost- Europa alle früheren Rekords von Verfolgungen verhältnismäßig bedeutungslos machen. Und der einzige Ausweg ist heute, wo auch die demokratischen Länder des Westens ihre Kiisten gegen „unerwünschte Einwanderer" ab schließen, das Land der Verheißung.. Aber das Land der Verheißung der britischen Negierung ist den Jude« «och verschlossen. Alle Alliierten haben die Erklärung Balfours sich zu eigen gebracht, aber nach zwei Jahren ist noch kein entscheidender Schritt zur Einlösung der eingegangeven Verpflichtung Unternommen worden. Der Grund ist natürlich, daß die Bestimnmng der Zukunft Palästinas' ein Teil des allgemeinen Friedensvertrages mit der ott-omanischen Negierung ist. Bis zu seinem Abschluß ivttfitn die Juden, die 19 Jahrhunderte gewartet haben, sich damit abfinden müssen,' noch etwas länger zu warten. Die britische Regierung erklärt, so lange sie das Mandat über Palästina nicht besitzt: „Non possnmns." Darum wird der Deklarätionstag nicht mit solchen: Enthusiasmus gefeiert werden wie vor einem Jahre oder mit der gleichen Begeisterung wie vor ztvei Jahren; aber er wird durch eine tiefere' Sehnsucht und einen entschlosseneren Ernst gekennzeichnet sein. ' __ KKLHolizismns und Zionismus Der B:äsidcnt dcS „Congres cathoJiquo international de Palestine 1919“ iEinsltdkln), Dekan K a r 11, har au das ziouisüsche Aktionskomitee zu Händen des Herrn S o k o l o w m Paris rin Schreiben gerichtet, ' in welchem das Aktionskonutec verständigt wird, „daß unsere Im Unionen dem Wohl des jüdischen Volkes und den Imcrcsscu des Zionismus niitrt nur keineswegs e n t g e g e n l a u f r n, sondern daß wir im Gegenteil dm aufrichtigen Wunsch haben, sowohl mit dem jüdischen Volk als auch mit der zionistischen Organisation als besten legitimer Vertreterin in bester Eintracht und m Frieden zu leben. Der Kongreß wird auch in seinen Deschlüfsen den durch Me Friedenskonferenz geichaffencn politischen Dcchäitmssin in Palästina Rechnung tragen. Die Krise in der Slowakei. Ein ^Lxposü Schrobars. — Die katholische Dlgitatisn für Angara. — Sine „Errnahurrnx" «« die JnSe«. Kaschme, 17. November. (Privat.) In den Beratungen der Gespane und Abgeordnete!: befaßte sich Minister Doktor Schrvbar unter anderem mit der Frage des Plebiszits ift der Zips und irr der Arwa undversicherte, daß die Bevölkerung dieser Gebiete leinen Augenblick verlange.: würde, an Polen angeschlofsen'.zu werden und dast ftin Mensch in. diesen' Gebieten die Abtrennung' von seinem Heimatland fordere. Sodann besprach' der Minister die Agitation Hliukas und seiner Genossen. Einer derselben, Pater Jehlicka, der vollkommen das Gefühl der Schande verloren habe, arbeite ganz offen für die Abtrennung der Slowakei vo n der tscheck) o-slo wakischen Republik und für den Anschluß der Slowakei an Leu magyarischen Staat. Mrs einem Gespräch Jehlickas mit einem magyarischen Journalisten gehe hervor, daß Hl in ka für die Abtrennung der Slowakei in der Heimat, Jehlicka in Budapest und die übrigen in Pole::, der .Schweiz und Amerika arbeilen sollten. Wie sehr die Tätigkeit dieser Leute an ihre. eigene Person geknüpft und wie künstlich der Haß zwischen Tschechen und Slowaken gesät tvurde, sei deutlich ans dem lssystande ersichtlich, daß das slowakische Volk nach Entfernung der Hauptschuldigen in brüderlichem Einvernehmen und in Liebe mit den exponierten/Beamten aus Böhmen lebe. „ - Die heutige Situation in,der Slowakei fei. sehr gut. Der -Minister'konstatierte ferner,' daß einige Zeitungen das Maß der Loyalität "überschritten und die Verhältnisse derart geschildert hätten, als ob. sich das Land. in Zerfall befände. Dieser Alarm, war völlig überflüssig. Der Minister berührte 'sodann die, Wahlen in die Gemeinden und die Nationalversammlung, welche auf Grund des allgemeinen, gleichen und geheimen' Wahlrechtes . mit Minoritätenvertretung vorgenommen werben würden,' bemerkte, daß die Juden in. .der Slowakei in letzter Zeit engste Beziehungen mit slowakischen Kreisen suchen und ermahnte bas Judentum, diese Beziehungen intensiv zu pflegen, und den Standpunkt der völligen Isolierung int Staat und Volk aufzugeben, damit das Mißtrauen und der Argivohn gegen sie. schwinde. Schließlich erwähnte der Minister oie in der Slowakei vorgerwmrnene Bolkszählung, ivelche eine Bevölkerung von 2,940.374 Menschen ergeben habe; davon sind Slowaken 1,940.980, ttas sind 66,3 Prozent, Magyaren 666.793, das sind 22,7 Prozent, Russen 134.761, das sind 4,5 Prozent- Deutsche 143.322, bas sind 4,7 Prozent, andere Nationalitäten 55.608, das sind 1,8 Prozent. Ans dieser Statistik folge, daß die Slowakei in erster Linie dem slowakischen Kolke gehöre. ..Das Expose Schröders zeugt davon, daß dieser Minister »sicht gewillt ist, die Bahn seiner falschen Politik auszugeben. Seine Darstellung macht stark den Eindruck der Schönfärbevei und er meiitt noch immer, den Ernst der Situation, der aus zahlreichen Berichten und den Artikeln der tschechischen Presse bekam:t ist/durch Beschwichtigungen, verschleiern zu können. Seine Bemerkungen über die Indens rage zeigen denselben Geist der Ullausrichtigkeit. Er ermahnt das Judentum, BczichUllgen mit slowakischen Kreisen zu suchen und seine „Isolierung" aufzngeben; gewiß sollen die Hilden gute Beziehungen zu den Slowaken pflegen, aber aufrichtige Beziehungen sind nur auf. Grund der Anerkennung der j ü d i s ch e u Nationalität möglich.' Die Pflege des eigenen Volkstums bedeutet keine Illoyalität, sondern die einzige Möglichkeit, als Jude gleichzeitiger ehrlicher Staatsbürger zu fein. Alles andere ist Lüge, und Herr «Schrobar, der soviel über die magyarische Assimilation der Juden.zu sagen weiß, sollte sich hüten, ittr.i die slowakische Assimilation zu predigen. Daß seine Regierung für diese einfache Wahrheit kein Ohr hat, beweisen die angeführten Ziffern der Volkszählung, wo die 800.000 Inden über' Haupt nicht figurieren. Statt dessen scheint man nach wie jfcKÄ in brutalem Antisemitismus das Allheilmittel zu schert. Die Tariferhöhungen bei den städtischen Anteznehmungen. Große Preissteigerung bei der Gas- und elektrischen Beleuchtung. — Erhöhung der Fahrpreise auf der Straßenbahn von 60 Heller ans eine Krone. berührt. Die Vorschläge, welche die Direktion der Straßenbahn erstattet, sind folgende: Tarifgebiet 1. T Ueber Einladung des Bürgermeisters Reumann versammelten sich heute nachmittags Vertreter der Wiener Presse im Rathause, um Aufklärungen über die Lage der städtischen Unternehmungen und über die beabsichttgten neuerlichen Tariferhöhungen bei diesen Unternehmungen emgegenzunehmen. Bürgermeister Reumann führte aus: Wir sind zu diesen Maßnahmen gezwungen durch eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Erscheinungen, die ihren Einfluß natürlich auch auf die städtischen Erwerbsunternehmungen nehmen muhten. In erster Linie ist dies die Kohlennot, die zu einer katastrophalen Erscheinung geworden ist. Ich muß leider bemerken, daß nicht abzusehen ist, wann eine Milderung eintreten könnte. Die Mitteilungen, die mir in letzter Zeit zugekommen sind, sprechen davon, daß in absehbarer Zeit eine Besserung des gegenwärtigen Zustandes nicht zu erwarten ist. Die Bemühungen, die von Seite der Gemeinde und auch des Staates erfolgt sind, haben kein-solches Ergebnis gezeitigt, daß n:an mit einer gewissen Beruhigung rn die Zukunft blicken könnte. Im Gegenteil, augenblicklich spitzen sich die Verhältnisie derart zu, daß bereits, die Frage erwogen werden mußte, ob nicht eine.weitere Drosselung des Straßenbahnverkehrs und eine weitere Einschränkung in der Stromabgabe an die Industrie platzgreisen müsse. CS wird natürlich alles Mögliche getan, um dies abzuwenden; ob die Bemühungen aber einen Erfolg zeitigen, ist noch sehr unbestimmt. Diese katastrophalen Verhältnisse haben natürlich auch ihren Einfluß auf die Tarisbildung ausüben müssen. Speziell bei den Straßenbahnen kann der Betrieb nicht voll ausgenützt werden, es müssen daher die gleichen Betriebsmittel und im vollen Umfange auch für den eingeschränkten Verkehr aufrecht erhalten bleiben. Das muß seinen Einfluß auf die Tarisgestaltung ausüben. Wenn eine Tariferhöhung durchgeführt werden muß, so darf das nicht vom fiskalischen Standpunkte aus betrachtet werden, sondern hier spielt der eiserne Muß die erste Rolle. Sin weiteres Betriebsdefizit der Unternehmungen ist die Gemeinde nicht mehr in der Lage auszuhalien, da die Gemeinde selbst ein solches Defizit in der eigenen Verwaltung mitzuschleppen hat. Es muß bei dieser finanziellen Situation der Gemeinde darauf gedrungen werden, daß die Unternehmungen sich selbst decken, beziehungsweise ihre Deckung in den eigenen Einnahmen finden. Darin ist auch die Begründung gelegen, warum die Tariferhöhungen wirklich durchgeführt werden müssen. Ich gestehe ganz offen und ehrlich, daß der Blick, den wir in die Zukunft werfen können, ein ungemein trüber ist. Wir stehen einem Winter gegenüber, in welchem Ereignisse eintreten könnten, die zu bändigen wir-vielleicht nicht mehr die Macht haben. Erhöhung des Gaspreises. Die Vorschläge der Direktton der Gaswerke gehen dahin, den Gaspreis von 78 Heller auf K. 1.40 pro Kubikmeter zu erhöhen. Erhöhung der Preise der elektrischen Kraft. Die Direktion des Elektrizitätswerkes beantragt die Hinaufsetzung des Preises pro Kilowattstunde von gegenwärtig. K. 2.20 auf K. 4.— bei Licht, von 80 Heller auf K. 1,80 be: Kraft. Dabei sind die gegenwärtigen Kosten der Kohle Zugrunde gelegt, und es bleibt noch ganz außer Berücksichtigung, daß durch die bereits in Vorbereitung befindliche Einführung des Heizölbetriebes die Kosten eine ganz außerordentliche Steigerung erfahren werden. Die Erhöhung des Strasrenbahninrffes. Die weitesten Kreise der Bevölkerung werden durch die unabweiSlich. gewordene Erhöhung der Straßenvahntarifc Kinderfahrscheine und Fahrscheine für die Strecke am Jlöhersteig von 20 Heller auf 60 Heller, Frühfahrscheinc und Fahrscheine für die Sondertarifstrecken nach Rotneusicdl und zum Lusthaus an Nichtrenntagen von 40 Heller auf 70 Seller. Tagesfahrscheine von 60 Heller auf K. 1.—, Tngesfahrscheine mit Berücksichtigung -der Zone 6 von 80 Heller ans K. 1,20, Hin- und Nückfahrscheme von 80 Heller aus K. l.20, Mock- . karten für 20 Hin- und Rückfahrten im Vorverkauf von K. 14 auf K. 28, Nachtfahrscheine von K. 1.— ans K. 1.80, Netzkarten mit eimnonattger Gülttgkeit von K. 100 auf K. 170, Netzkarten mit halbjähriger Gültigkeit von K. 520 auf K. 940, Streckenkarten von K. 36 auf K. 68, von K. 46 auf K. 80 und von K. 54 auf K. 90. Tarisgebiet 2. Auf eine Teilstrecke von 40 Heller auf 70 Heller, auf ztvei Teilstrecken von 60 Heller auf Kt 1.—, ans drei Teilstrecken von 80 Heller auf K. 1.40, auf vier Teilstrecken von K. 1.— auf K. .1.80. Kinderfahrpreis für eine Teilstrecke von 20 Heller auf 60.Heller, für zwei Teilstrecken von 40 Heller aus 60 Heller, für drei Teilstrecken von 40 Heller auf 70 Heller, für vier Teilstrecken von 60 Heller auf K. 1,-.; Ansnahmstarif 2 von 60 Heller cmf K. 1.—. Die höhere Gebühr beträgt das Doppelte des einfachen Fahrpreises, mindestens jedoch. 2 Kronen. . Durch all diese Steigerungen wird noch immer nicht erzielt, daß die Werke auch, nur glatt bilanzieren, geschweige denn irgendein Erträgnis ablrefern. Es soll damit nur jene Grundlage erhalten bleiben, die im Juli dieses Jahres festgelegt wurde, wonach Gas- und Elektrizitätswerk im Laufe der nächsten fünf Jahre, die Sttaßenbahn im Lause eines vollen Dezenniums ihr Defizit ttlgen, das sie zum Teil aus dem Dettiebsjahr 1918—19 übernehmen mußten und das ihnen zum Teil aus den derzeittgeu Drosselungen erwächst. Der außerordentliche Verlust, den die Straßenbahn im heurigen Jahre durch die achttägige Stillegung erlitten hat und der 6 Millionen Kronen ausmacht, wird ebenso ans die Zukunft verlegt, wie der Ausfall, der sich gegenwärtig an iedem Sonntage im Betrage von rund 400.000 Kronen ergibt. Bei der Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Tarife würde sich beim Gaswerk noch überdies ein Jahresal^ang von 60 Millionen Kronen, beim Elektrizitätswerk ein solcher von 82 Mlliönen Kronen und bei den Straßenbahnen eine Unterbilanz von mehr als 100 Millionen Kronen ergeben. Es müßten also aus Gemeindemitteln auf diese Betriebe in einem einzigen Jahr eine Viertclmilliarde Kronen zugezahlt werden, was bei dem Defizit im eigenen hErneindehaushaile von 400 Millionen Kronen vollkommen ausgeschlossen ist und wofür eine Anleihe nicht erhältlich wäre. Der gegenwürnge Zirstand, daß diese drei großen Unternehmungen der Gemeinde, die kaufmännisch betrieben werden müßten, au jedem Lohnnnd Gehaltsauszahlungstag in das Rathaus schicken, um die fehlenden Beträge zu erheben, kann auch nicht einmal mehr durch Wochen aufrecht erhalten werden, sondern müßte unbedingt zu einem finanziellen Zusammenbruche sichren. Derzeit schulden die Unternehmungen der Gemeinde Wien mehr als 70 Millionen Kronen. 9 ■ . Die neuen Tariferhöhungen sollen, was Gas und Elektrizität anlcmgt, mit der eben einsetzenden neuen Ablesung :n Kraft treten, während die erhöhten Straßenbahntarife von: 3. Dezember cm Geltung haben sollen. > - mtT-axjrrrvTvmr't ■w gm Davon jCegfc die Haltung der slowakischen Presse ebenso beredtes Zeugnis üb, wie die weißen Flecke in dem Preßburgcr jübischnationalen Organ. Die Prager Regierung sollte sich bewußt sein, daß die Schrobarsche Pottttk eine Gefahr für de:: tschecho-slowakischen Staat bedeutet. - Demission des polnische« Eisenbahn Münsters? Aus Warschau wi:d uns telegraphiert: In parlamentarischen Kreisen vnlautct. daß der Eisenbahnminister Eberhardt iniolge der heftigen Angriffe, die int Berkehrausschuv des Landtags gegen seine GnchäUssührung erhoben wurden, seine Demission geben werde. In Landtagskressen wird viel von der Notwendigkeit der Erüchümg einer Verkehrs- und Kohlenbitiatuv gesprochen. _ PilsndE über die gegenwärtige Situation Polens. Aus Lemberg wird Len „Polnischen Stimmen" berichtet: Wie der „Kursier Lwowski" mitteilt, hielt Präsident P i l s u d s ki in der letzten Sitzung des Subkomitees des Landtagsausschusses für auswärtige Angelegenheiten und des Wehrausschusses ein eingehendes Referat über die gegenwärtige Situation Polens. Unter anderem stellte er fest, daß die Lage Polens eine viel günstigere sei, als vor einen: Jahre. Bor einem Jahre stand den Polen nur eine Armee von Freiwilligen zur Verfügung und alle Gegner Polens waren ihm militärisch überlegen. Heute hat sich die Situation geändert und Polen ist militärisch stärker als seine Gegner. Die militärische Lage ist günstig. Wir werden, sagte Präsident Pilsudski. militärisch ausbalten und die Situation auf den Kriegsschauplätzen nötigt uns keinesfalls' zun: Friedeusschlutz. In politischer Hinsicht ist Polen erst jetzt zu einer realen politischen Kategorie im Westen geworden. Was den Osten aulangt, so können wir mit dem gegenwärtigen Rußland keine Vereinbarung eyo treffen, weil es dort noch immer keine verantwortlichen Faktoren gibt. _ Der schimpfende Reventlorv. Der bekannte Siegfriedler Reventlow. einer der hervorragendsten Hinterländler der alldeutschen Richtung, der eine Zeitlang geschwiegen hatte, macht sich wieder bemerkbar. Er ist, wie alle Leute dieser Serie. Antisemit und bemüht sich krampfhaft, alle Verbrechet: seiner Kaste durch Judenhetze vergessen zn machen. Jetzt spricht er in der „Deutschen Tageszeitung" von der Vorladung Hindenburgs in einem Artikel, der die Ueberschrift: „Unter der Judenfahne" trägt. Er erklärt, das Ziel der Untersuchung sei, dem Volke die Erinnerung, an die großen Taten aus dem Herzen zu reißen und ihm den nationalen Gedanken zu rauben, damit der „jiidifche und judaistische" an seine Stelle treten könne. Hin denbürg und Ludendorff würden im Untersuchungsausschuß „von einer Anzahl Juden und Judengenossen" verhört werden, dieser Vorgang aber werde die Deuffchen auf-, rütteln „zum rücksichtslosen Kampf gegen ihre Verderber". Er schließt seinen Artikel mit den Worten: Hindenburg und Ludendorff „vernommen" von Cohn, Sinzheimer, Bonn, Gothein, und wer n,xh dazu kon:mt! Die Deutschen sind schuld, daß sie diese Schmach über sich haben bringen lassen. Sie haben in der Hand, sich zu befreien, wenn sie wollen. Jetzt aber weht über ihnen die schwarz-rot-goldene Indensahne. - Das „Berliner Tageblatt" bemerkt hierzu, das; kn dem Untersuchungsausschuß drei deutschnationale?logeordnete und nur ein Vertreter einer anderen Richtting sitzen.

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