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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-19 · Heft 298 (19.11.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 298 (19.11.1919)
Date
1919-11-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Mittwoch Wiener Morgerizeitimg 19. November 1919 >, Seilte« Beweises. Das ist in großen Linien die tragische Entwicklung des Krieges für Deutschland nach einer Reihe glänzender, nie dagewesener Erfolge- Ich erkläre, daß Gene r al Ludendorff mü> ich bei allen großen Entscheidungen die gleiche Auffassung gehabt haben und in voller Uebereinstimmung gehandelt haben. Wir vertreten hiermit auch Hand in Hand die Auffassungen und Handluvgen der Obersten Heeresleitung seit dem 19. August 1916. Wir hielten de» uneingeschränkten U-Bootkrieg schon bei unserem Eintritt in die Oberste Heeresleitung für geboten. Anfang 1916 war zu übersehen, daß, wenn Armee und Marine ihre Vorbereitungen für den U-Bootkrieg beendet haben würden, die Führung des U-Bootkrieges zur Pflicht wurde, weil andere Mittels der schwer bedrängten Westfront zu Hilfe zu kommen, nicht bestanden. Dies war aber der einzige Weg, den Krieg zu beenden. Wir durften nicht mehr zulassen, bas; unsere braven So'-:a en mit amerikanischer Munition beschossen uito irr der Heimat durch die Bio'lade Weib und Kind hungern sollten. Da war der U Bvntlrieg das einzige Mittel, um dem e tzegenzuwirken. General LtiLnckorfs führt auS: Ich kann nur aus dem Gedächtnis sprechen, denn die Akten sind mir erst gestern zugegangen. Als der Generalfeldmarschall und ich in die Oberste Heeresleitung eintcaten, war di« Lage sehr ernst. Diese Ansicht war damals auch Gemeingut des Volkes. Wir standen an d-rr Front dem Feind gegenüber wie sechs zu zehn. Unsere Materialausrüstung war nicht genügend, die Munitionsaufstapelung zugering und das bedeutete mit klaren, dürren Worten: Schwerste Verluste an Menschenleben und Webten. Wie der Generalfeldmarschäll und ich damals über die U-Bootfrage dachten, geht aus den Akten hervor. Wir mußten mit der Möglichkeit neuer Kriegserklärungen und mit Landungen in Holland und Dänemark rechnen. Es war in dem Weltkrieg, in dem wir gegen eine ungeheure Ueberlsgenlet rangen, ein Unding, daß unsere Marine mit so erheblichen Kräften so gut wie brach lag. Auf Grund der Mte Wilsons war aber der U-Bootkrieg m einer Weise durch Einschränkungen belastet,- daß Einsatz und Wirkung nicht miteinander im Einklang standen. Die Blockade war nur mit Zustimmung der Dereinigtev Staaten möglich. Die sogenannten unerschöpflichen Hilfsmittel Amerikas standen der Entente bis auf die Dienschenkrafte scyon vorher zur Verfügung. Fürs den Generalseldmarschall Und mich war bei der Stellungnahme Ende August gegen d en U-Bootkrieg und damit gegen den Chef des Admiralstaües lediglich der. Grund maßgebend, daß der Reichskanzler ein feindseliges! Handeln Dänemarks und Hollands unter dem. Drück Englands in den Kreis [cinei* Berechnungen zog iiitb wir keinen Mann übrig hatten, um die Grenze zu schützen. Das war die Weltlage,/ .als der Generalfeldmärschall und ich in die Oberste Heeresleitung berufen wurden mit dem klaren Wittert und mit dem klaren Hoffen des gesamten Volkes,/zu siegerr. Hindenburg und ich waren der Ueberzeugung. daß wir mit dem gesamten Volkle einig wären, auf Sieg zu Kämpfen. Tatsächlich waren aber schon Strömungen vorhanden, die diese Ansicht nicht vertraten. Zu' meinem Bedauern muß ich einen Aussprtrch Walter RaihenauS wiedergeben, in dem er etwa.sagt: An dem Tage, wo der Kaiser als Sieger mit seinen Paladinen auf weißen Rossen durchs Brandenburger Tor einziehen würde, hätte die Weltgeschichte ihren Sinn'verloren." Im September 1916 stimmten wir dem Gedanken xiner Friedensvermittlung durch Wilson xu. Ich weiß heute noch, mit welcher Spannung, aber auch mit welcher Skepsis wir warteten, ob Wilson wirklich den Frieden vermitteln würde. Als nichts kam, waren wir nicht überrascht, da.wir die engen wirtschaftlichen Beziehungen der' Vereinigten Staaten zu England kannten. Als der Reichskanzler dann das Friedensangebot der Mittelmächtevorschlug, machten wir gleichfklls loyal mit. Auch über die Wirkung dieses Angebotes dachten wir sehr skeptisch, da die militärische Lage beim Feinde ikrine zwingenden Gründe für eine Frizens geneigt heit hervorgebracht hatte. Die feindlichen Völker waren noch gesund. Es war ganz klar, daß etwaige Friedensneigungen in England durch die Ernemnmg Lloyh Georges endgültig zerschlagen waren. Daß Lloyd George die. Waffen nur dann niederlegen würde, wenn England am Ende seiner Kräfte war oder sein Kriegsziel erreicht hatte: die Vernichtung Deutschlands. Der Generalseldmarschall und ich waren in Neberrinstimmung mit dem Chef des Admiralstabes entschlossen. im Februar 1917 auf dem Uneingeschränkten U-Boolkrieg zu bestehen, falls unser Friedensangebot rbgelehnt werden sollte. Unsere Lage anfangs Dezember war trotz unserer glänzenden Siege in Rumänien und der heroischen Leistungen an allen Fronten überaus ernst. Aber der Geist an der Front war noch ungebrochen. Immerhin" war die Lage schon so, daß wir zu Lande auf einen Sieg nicht rechnen konnten. Wir konnten günstigenfalls hoffen, in der Verteidigung den jetndliAm Siegeswtllen zu lähmer. Mr mußten aber auch darauf gefaßt sein, daß' unsere Truppen bei der gewaltigen Ueberlsgenheit deS Feinden feindlichen Angriffen stellenweise nicht standhalt-en konnten, ttm unser Ziel zu erreichen, nämlich den Krieg so schnell und so gut wie möglich zu beenden, mußten wir etwas tun, wenn unser Friedensangebot keinen Erfolg haben sollte. Nun besaßen wir nach dem Urteil der Marine in dem verschärften U-Bootkrieg das Kriegsmittel, das uns diesem Ziele näher bringen konnte. In der Lage, in der wir uns befanden, war die Anwendung des uneingeschränkten U-Bootkrieges. dem deutschen Heer und dem deutschen Volke gegenüber eine Pflicht, falls das Friedensangebot nicht angenommen werden würde. Am 8. Dezember gaben wir dem Reichskanzler gegenüber unserer Ansicht nochmals Ausdruck und bezeichneten den Februar 191? als den Zeitpunkt für den uneingeschränkten U-Bootkrieg. Im weiteren Verlaufe seiner Aussagen erklärt General'Ludendorff: Wir haben nach Pflicht und Gewissen die Politik der Reichsregierung nach außen unterstützt. Es ist behauptet worden, wir hätten uns um viel zu viel Dinge gekümmert. Nim, als die Hetzerei» und Wühl veien de: \ «abhängigen Entwicklung der Krieges für Deutschland na cheinei im Heer und in der Marine ... Der Vorsitzende unterbricht, mit den Worten: Ich bitte, derartig scharfe Werturteile zu unterlassen. Ludendorff: Was ist ein Werturteil und was ist eine Tatsache? Vorsitzender:- Sie fällen ein verletzendes Urteil über die Haltung einer Partei. Dieser Ausschuß ist so wie die Nationalversammlung aus allen Parteien zusammengesetzt. Als Vorsitzender habe ich die Pflicht, sämtliche Mitglieder des Ausschusses und der Nationalversammlung dagegen zu schützen. Ich bitte deshalb von solchen scharfen Erklärungen Abstand nehmen zu wollen. Ludenl» otff:. Also wir verlangten ein Eingreifen der Reichsregierung; aber es geschah wieder nicht. Die Oberste Heeresleitung bat, eine Stelle zu schaffen, in der die Zusammenhänge der revolutionären Bestrebungen mit Rußland festgestellt werden sollten- Die Reichsleitung überließ es aber dem G-en-ecalstab, ,eine solche Abwehrstelle einzurichten- Sie wollte sich offenbar mit solchen Dingen nicht befassen, weil sie davon politische Schwierigkeiten befürchtete. Joffe kam nach Berlin und in verschiedenen Städten wurden russische Konsulate errichtet. Das hat für Heer und Marine traurige Folgen gehabt. An der Front erfolgte am 15. Dezember bei Verdun ein schwerer feindlicher Angriff, der uns eine große Krafteinbuße brachte. Der Vorsitzende verliest nun aus Ersuchen Ludendorffs dick ein-eütMKMpW./- '/ Bethmann-Holl.weg stellt fest, daß er am 29. Jänner in Gemeinschaft mit Zimmermann den Admiral Holtzendorff gebeten habe, in Rücksicht auf das Bernstorffsche Telegramm den U-Bootkrieg amznschieben, daß aber Admiral-Holtzendorff erklärt habe, daß die Ü-Boote nicht Mehr zürückgerufen werden könnten. Rach dieser bestimmten Erklärung war für ihn die Frage eines Aufschubes erledigt. Infolgedessen bestehe ein Widerspruch zwischen den Ausführungen Ludendorffs und seiner Erklärung nicht. Hindenburg: Die vom Reichskanzler angeführten, gegen den U-Bootkrieg sprechenden Gründe sind von uns voll bewertet worden; die militärischen Gründe waren uns aber stichhältiger. Der Entschluß zum U-Bootkrieg war wohl der schwerste, der von uns bis dahin gefaßt worden ist, schwerer war nur noch» der Entschluß am 28. September zmn Waffenstillstand. Ludendorff fährt dann in seinem Bericht fort. Am 18. Dezember war an der Westfront bei Verdun ein schwerer feindlicher Angriff erfolgt. Es war eine' schwere Einbuße an Menschenleben, Gefangenen und Kriegsmaterial. Diese Niederlage war ein Hinweis auf den Ernst der Lage, und die Ersch ö pfung unserer Truppen. Damals sandte ich das Telegramm ab, in dem erklärt wurde, baß, nachdem Lloyd George unser Friedensangebot abgelehnt habe, ich der Ueberzeugung sei, daß nunmehr der U-Bootkrieg mit voller Schärfe einsetzen müsse. General Ludendvrf f führt aus: Alles, worüber hier verhandelt wird, sind nur Episoden. Wir hatten Krieg zu führen und unser Sinnen und Trachten war nur auf die Kriegführung eingestellt. Der Artikel des Abgeordneten v. Schultze-Graevernitz hat nur Bedeutung für uns, wett in ihm. betont wurde, wir hätten gespielt. Das ist eine infame Lüge ... Vorsitzender (unterbrechend): Ich bitte dringend, derarttge Werturteile zu unterlassen. Ludendorff (fortfahrend): Ich wollte sagen, baß dies die Lügen sind, die im Volke umherlaufeu und dahin gehen, daß wir an allem schuld seien. Der Vorwurf der Zwiespältigkeit hält der Nachprüfung nicht stand. Das möchte ich hier mit allem Nachdruck betonen.. Dann ist gesagt worden, baß wir die politische Aktion WilsonS gestört Hütten. Für uns war das Friedensangebot am 9. Jänner beendet. Von einer Störung kann demnach nicht mehr die Rede fein. Ich weiß nicht, wie Graf Bernstorff zu dieser Aussage kommt. (Bewegung.) Wenn Graf Bernstorff sagt, seine Tätigkeit hinsichtlich des Friedens wäre mir unerwünscht gewesen, so ist das falsch. Ich halte mich daher für vollberechtigt, auszuführen, daß mir die Tätigkeit dieses BotMaftM durch, und durch unltz.nrpathifch, war, (Um Nr. 298 "■ ] ruhe.) Dann soll ich gesagt haben, ich' wollte den Friede« nicht, in drei Monaten wäre die Sache ohnehin dur« den U-Booikrieg zu Ende. Diese Worte (mtt steigend^ Erregung und mit der Faust auf de« Tisch schlagend) habe ich nicht gesagt. Ich verlange, daß Generals felldmarschall von Hindenburg und meine sämtlichen! Mitarbeiter darüber vernommen werden, ob ich gesagt habe, daß ich dem deutschen Volke keinen Friedens bringen wollte. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Deni^ das ist ein Hohn auf die Verantwortung, die ich im!, Herzen gefühlt habe. Diese Verantwortung war so,' schwer, daß ich es gar nicht sagen kann. Man sagt^ ich könne nicht mehr lachen. Nun, das Lachen ist mir! vergangen bei der großen Sorge um Land und Volk.' Ich verlange hier, daß durch Vernehmung aller Mitarbeiter auch über diesen Punkt volle Klarheit geschaffen werde. Generalfeldmarschall v. Hindenburg: Ich wollte nur aussprechen, daß auch ich entrüstet bin über das, was meinem treuen Gehilfen und Mitarbeiter hier nachgesagt worden ist. Er ist stets für den Frieden eingetceten, aber allerdings nur für einen ehrenvollen Frieden, und de« hofften wir damals durch einen deutschen Sieg zu erringen. In diesem Sinne haben wir gearbeitet bek Tag und bei Nacht. Ich weiß nicht, ob die Herren eine Vorstellung von der Verantwortung haben, die wir jahrelang zu tragen hatten.. Jedenfalls weise ich den Vorwurf gegen meinen Mitarbeiter auf das schärfste und mit Entrüstung zurück. Bethmami-Hollweg: Wenn General Ludendorff, meint, ich hätte gesagt, er wolle überhaupt keinen Frieden, so ist mir das gar nicht eingefallen. Was ich' gemeint habe, war, daß General Ludendorff mit gegenüber ausdrücken wollte, er wünsche die Friedensvermittlung Wilsons nicht. Etwas anderes habe ich nie behauptet, nie behaupten wollen. Ludendorff: Für mich war Graf Bernstorff damals! nur noch eine Privatperson, die keinen Einfluß mehr auf die Geschicke des Landes hatte. Wenn ich bei dieser Unterhaltung erregt worden bin, so glaube ich das, denn Graf Bernstorff war für mich der Mann, der mich i« meiner Ehre verletzt hatte. - Vors. Gothein: Das kann ich nicht zngeben, dieser! Schluß ist nicht gerechtfertigt. Ludendorff: Ueber meine Ehre habe ich allein W befinden. . Vors. Gothein: Als Vorsitzender habe ich darüber zu wachen, daß niemand.gekränkt wird. Ludendorff: Wir haben Beweise gegeben, daß wir. den Frieden wollten. Als in Rußland die Revolution ausbrach und der Erfolg am Stochod überraschend groß war, bat mich Bernstorff, wir möchten von dem Erfolg möglichst wenig machen, damit die Friedensverhandlungew mit Rußland nicht gestört würden. Das war eine große Härte gegen die, Truppen, aber wir haben zügestimmt. In jenen Tagen sind von mir die Bedingungen für den Waffenstillstandsvertrag mft Rußland entworfen worden. Sie waren so mild, daß kein Pazifist etwas dagegen haben konnte. Das sind doch Beweise, die schlagend sind. Ich muß bedauern, daß ich mich Iveiter mit dem Grafen Bernstorff beschäftigen muß. Es ist mir ausgefallen, daß er jedes meiner Worte wußte. Das ist sehr schmeichelhaft für mich; er hat mich' wohl für einen großen Mann gehalten. (Heiterkeit). Es ist aber auffallend, daß er sich andere Aeutzenmgen nicht mit derselben Bestimmtheit gemerkt hat. Generalfeldmarschall v. Hindenburg erklärt, daß etz nicht in der Lage sei, heute noch zu erscheinen. Vors. Gothein: Dann besteht die Möglichkett, datz wir General Ludendorff allein vernehmen. General Ludend'orff: Ich bin auch nicht in der Lage. Vors. Gothein: Es kommt dann in Frage, ob wir morgen am Bußtag eine Sitzung abhalten. Donnerstag ist es nicht möglich, da dann die Nationalversammlung wieder zusammentritt. Der Ausschuß zieht sich zu einer Beratung zurück. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verkündet Vorsitzender Gothein: Da wegen der Erschöpfung der Zeugen heute eine wettere Verhandlung .ücht möglich ist, da morgen am Bußtag wegen religiöser Bedenken einzelner Mitglieder auch nicht möglich ist und Donnerstag.wieder nicht wegen der Sitzung der Nationalversammlung, hat der Ausschuß beschlossen, die Verhandlungen zunächst auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Der nächste Verhandlungstermin wird bekanntgegeben werden. Der Vorsitzende schließt um halb 3 Uhr die Sitzung. Gegen eine Intervention in Rußland. London» 18. November. Im Unterhalts begaun grstcrH die Desprechmra der auswärtigen Aligelegciiheuen. ] Donald Maclean ltomue den Bolschewismus die Verneinung der Demokratie. Man müsse Ru Irland zu seinem eigenen Wöhle a i b c 11 e n 1 n i i e n. i Lord Ereil war der Ansicht, daß die im amerikanischen Senat angenommenen Vorbehalte zum FmdmsverNag beinahe einer Äblehnungdes Vertrages glcichkännn. Der Völkerbund mäße aber gleichwohl, selbst ohne die Mnw.ckin'.g der Vereinigten Staaten, *u wirken beginnen. Redner brandmarkte die TY r anne i des B o ls ch ew i s m ti § und sprach die Hoffnung aus, daß Dcmkiri und Kollschak darauf verzichten würden, nach Moskau zu marschieren und daß sich ihre Anstrengungen m der Richtung der Bildung einer festen Regiri in dem beschini Gebiet bewegen würden. H e n d e r s o n führte aus, daß die Arbeiterpartei gegen '1 e d e 2 u t e r v e n t i o n in Rußland sei»

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