Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 295 (15.11.1919)
- Date
- 1919-11-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte 2 Wien. Samstag te*-',» ■ . ii.i—- —■ -- »«»»»»»»»»»»»»»»»» ZIGARETTEN PAPIERE ■ Zigarettenhülsen: SVc üfc ^treffen s«!bsf f die Höc ten Erwartungen | . des Rauchers. I . ' I anerkennen wird, die gegentpärtig in Dessarabien wie in ganz Rumänien öurchgcführt wurden. Das letzte Wart Mer die definitiv« Zugehörigkeit Bejfar.abiens scheint noch nicht gesprochen zu sein. Wanrd tritt der Friedensvertrag in Kraft. D e r l i n. 11. November. (Korr.-Bnr.) Die ,,Vofsi^che Zeitung" meldet aus Kopenhagen: Die dänische Regierung hat, wie „Extrabad" meldet, in Paris und London arrgefragt, bis wann das Inkrafttreten deS Friedens« vertraget zu erwarten sei. Die Antwort lautete dem Sinne.nach von beiden Seiten übereinstimmend dahin, mcitt über den Zeitpunkt nichts sagen könne. Die Ä?tf* der Friedenskanfarenz. * Mailand, 10. November. (Pripat.) Italien bcantrugt nach dem „Corrieor della Sera" Verta gung der Friedenskonferenz um einige Monate. Dieser Vorschlag prill vermitteln zwischen dem ameriktznisch-englischLN Bestreben, die FricdenSkonse enz agf- Lplöse» und dem ftanöfischen Wunsch, sie bis Mir. Herab schiedurrg oller Geschäfte fortzufetzen. Der „Terriere" mibbMgt das Drängen der cngelsachsischen Regierungen, das ,-oberste" übernationale Tribunal anfzuheben. Das Blatt erblickt darin eine Desavouierung des auf ein Zusammenarbeiten der Völker 'gerichteten Programms, daS der Völkerbund halte verwirklichen io'tm. Clemenceau wider etzts sich den angelsächsischen Tendenzen, weil er von der vorzeitigen Auflösung der Konferenz die Gefahr befü.chte, daß D^u'che land bej der Ausführung des Fi.iedensvertrogeZ O bstr/uktion machen könnte. ,.f;, Der erste amerikarri.che Aonferenzdelegie te P o l k erklärte laut einer Pariser Meldung des „Corriere della Sera". Laß er auf all« Fälle am 1. Dezember nach Amerika zurücklshren werde. Ludendorff als Protektor des Bolschewismus. Eine Berliner Sorrespondenj sch-eibt unter dem Titel: ,Me Ludendorff den Bolschewismus gründet", folgendes: . Im -fJärz 1917 hatte der unter dem Schriftstellernamon P a r t> n $ bekannte Dr. Helphant durch Vermittlung Scheidemanns und Bethmänn- Hollwegs eine Unttrrevung mit dem Eist nGeneralguarttermeister. Parvus trug Ludendorff vor. daß man Rußland als Kriegsfaktor ausfchalten könne, wenn man <ftch jener radikal sozialistischen Kreise Rußlands bediene, die in der kurz vorher siegreichen russischen Revolution von A e r e n s k i beiseite geschoben worden waren. Es sei um so leichter, sie zu gewinn », als ihre Führer, Trotz kt und Lenin, damals in der Schweiz lebten und Parvus mit Tvotzki persönlich befreundet fei. Man solle die Genannten und die anderen in der Schweiz lebenden russischen Radikalen nach Rußland bringen unb sie mit Geld und sonstigen Hilfsmitteln ausstatten. Sie würden Kerenski in absehbarer Zeit stürzen können, und die neue Regierung werde mit Deutsch laich sofort Frieden schließen. Nachdem Lubendorffs po.^i'cher Berater. General Barte n we r f fe r, sich mit Hilfe von Parvus über das politische Programm T.otzkid o ientiert hatte, wurde ParvuS beauflagt, mit Trotzki in der Schweiz zu verhandeln. Das Resultat ist bekannt. Lenin und Trotzki wurden im plombierten Sonderszug durch Deutschland nach Rußland befördert und haben dann sehr bald den Bolschewismus in ■ Petersburg .on Siege gebracht und KerenSli gestürzt- In dem Artikel wird noch behauptet, daß deutsche Generalstabsoffiziere die Pläne für die Besetzung Petersburgs durch die Bolschewiken am 7. November 1917 ausgearbeitet hätten. In Brest -Li towSl sah Ludentwrff erfüllt, was ihm Parvus versprochen hatte. Aber noch kein Jahr spater sah er auch die Nachfrüchte seines Experimentes, als Herr Josse in Bettln die deutsche Revolution genau so unterstützte, wie Ludendorff die Revolution der Bolschewiken gegen Kerenskt. Die Mehrheitsbttdung im polnischen Landtag. Wir dm «Polni'iken Summen" auS W.nlchm telegraphiert Kürt», nehmen die De» Handlungen über d>e MedcheuSbildung im zwischen Landtag rmrn günsttgenVerlaut. Zwüchen dm Parleien, die d,e Majorität bilden sollen, ist bereueme Einigung m der Frage der Agrarreform nzieü worden. Giotzt Skdweügkeiien bestehen noch in der BerfassungSfrage. doch hofft man auch diese überwinden zu könne». Die SieParatisnskrommifstoa. Pie. R«-.'^ali»n-k»A>M,fff»N vernob« ßtün« dm Sekretär »er <tifi. GhlwMchsff Z I ♦ i« l liec tza Kohlesf®'.v.u ^edorochM, mto heute MS^W. Wienev MorgenzelLung 15 November 1919 ' Nr.?95 Llsstfchkin in Jerusalem. v Die Hebräifierrmg der zionistischen Berrrmttung. Wie wir „Chadfchoth haarez" entnehmen, hat I Ufsischkin bald nach Uebernahme seines Amtes sämtliche ' Beam'e der „Pa'Lst^nakommission" und des . PilästinaamteS" versammelt, um ihnen grundsätzliche Jnstrukticrien zu geben. Es erschienen mehr als 40 Personen. Der Leiter deS Jerusalem««. ÄmteS, Moxdochai bcn Hillel Hakohen. eröffnet« die Versammlung, indem er Ussischk'n die Beamten vorstettte, di« in den schweren ^Zeiten, die wir gerade hinter uns haben, ihre Pflicht: pünktlich - erfüllt haben. Hierauf setzte IMifchkin sein Programm ausekn inder. Da fetzt die drei wichtigsten Zentralstellen im Lande vereinigt werden, sei «S notwendig, daß auch die Beamten sich als Glieder einer einzigen großen Familie an'ehen. Sie müßten immer bedenken, daß der ein iue Herr, der üler ihnen steht, bas jüdische Volk selber ist, für bas wir alle arbeiten und um dessentwillen wir auch unsere persönlichen Interessen zuweilen zurückstellen müssen. Er iverde bestimmte Stunden in der Atz che festsetzen, in denen er die Wunsche der Beamten .-entgegennehmen werde; s« müßten sich zusammen schließen und nur ihre Vertreter sollen vor ihm erscheinen. Jeder Wunsch, der vom Geschtspunkte b/es allgemeinen Wohles berechtigt ist, wird erfüllt werde», jeder unberechtigte Wunsch wird ab gewiesen werden. Usfischkin ermahnte die Beamtenschaft, ihre Arbeit mit Jn.erefse zu tun; der Platz, den ein Beamter ausfüllcn kann, braucht nicht durch zwei besetzt zu werden. Wir müssen große'Sparsamkeit in unserer Arbeit einführen. Auch wenn wir über Milliarden verfügten, könnten wir unse^ Gemeinwcs.-n nicht anders als auf dem Fundament der Sparsamkeit aufbanen. Wir müssen auch straffe Disziplin einführen und ein lebendiges Verhältnis zu unserer großen Aufgabe schass n. Jeder Beamte muß seinem Vorg7stHten gehorchen und seine Pflicht mit Liebe und Verantwortungsgefühl erfüllen. Und zum Schluß, „acheron chawiw": die hebräische Sprache muß in unserer ganzen Arbeit herrschen. Viele von Ihnen — sagte Ussipchkin — beherrschen die Sprache und müssen sich ihrer bedienen, allen Parteien gegenüber, die zu ihnen kommen. Und jenen, welche nicht hebräisch können, wird eine kurz« Frist gegeben werden, innerhalb welcher sie hebräisch reden, lesen und schreiben lernen müssen. Dies sind unsere Forderungen. Wer das Gefühl hat, daß er sie erfüllen kann, der möge mit uns bei der'Arbeit bleiben; wer dieses Gefühl nicht hat. der möge sich andÄrenortS eine Arbeit suchen. Ich hoffe, daß Sie alle von dem gwßen Gedanken der Wiedergeburt unseres Volker durchdrungen sind und daß Sie Ihre Pslicht mit Hingabe erfüllen werden. Hierauf ergriff namens der Beamtenschaft Herr Rosenstein bas Wort und drückte die Freude der Beamten über die Ankunft ihres neuen Chefs aus; die Beamten hoffen, daß sich ihm die Möglichkeiten zu jener , großen, wahrhaft schöpferischen Arbeit. Wien tverdmi, nach der sie alle init ihrem ganzen Herzen verlangen. Mit Dankesworten UssischkinS schloß die Versammlung. Empfang in per jüdifch.-u Gemeivhevretretung. , " Anläßlich der Ankunft UssischkinS fand tot „Äaab ha ir^ (ver jiU i'chen Gemeindevertretung! in Jerusalem ein sti.'rlicher Empfang statt. David Peklin eröfsnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er auf die hervorragende Nolle hinwies, die Ufsischkin seit' den Ansängen der Chi^ak?^ion.Bewegunq im Zionismus gespielt hat. Vor 16 Jahren hat "er auch an der Begründung der palästin.-n'i'chen Organisation hervorragenden Anteil genommen. Sein Wahlfpruch ist: Kein Ding ka rn bestehen vor dem Willen, und sein einziger Wille ist. unserem Volk seine Auferstehung zu kringey. „Wie ein Fels bist du, den keine Stürme erschüttern können,, und wir l azrüsZen dich und wünschen, daß Heine künftige Arbeit die Fortsetzung der vergangenen sei. Eine groß« Gegnerschaft wird dir in den Weg treten, du aber schreite vorwärts auf dem rechten Weg uner wich dich zum Ziele führend Aellin schildert dann die Gründung des „Ward ha-lx", der neuen Leitung der Jerusalemer jüdischen Gemeinde. Diese Neuschöpsung ist entstanden, als nach der englischen Erklärung in den Köpfen die Erkenn nis dänimsrte. daß es nicht angeht, daß die Juden chaft der Hauptstadt zersplittert und unorganisiert bleibe wie bisher. Obwohl bas Werk noch nlwT/i vollendet ist. hoffe er doch, daß Jerusalem wieder das Herz der Nation, eine Stätte jüdische» Geistes werden wird. Hierauf sprach Dr. Schiller, ülssischkin, so sagte der Redner, gehöre zu jenen seltenen Menschen, diy nicht nur in dev kauerhasten Arbeit, sorrdern auch! >in den enlschcidenden Augenblicken ihren Mann stelM. In den Augenblicken der-^rise und Gefahr sei er zur Stelle und vermag mit seiner Kraft die Entscheidung und Notlung zu bringen. Solche Momente gab es in Heu Anfangszeiten des Zionismusals man die ZivnSliebe zuriulstellen und sich mit der sogenannten Gegen« . toartTarüeit in den Wohn ländern begnügen wollte, ein solcher Moment war zur Zeit deS sechsten Kongresses und auch jetzt steht unser Volk wieder am Scheide-» weg und wir hoffen, daß Ufsischkin wieder die Lösung für unsere Probleme finden wird. In weiteren An'prachen feierten den Gast die Herren Co he n, Sch e r.m an», her bemerkte, baß die Feier nicht nur UssischkinS Person, sondern heu in seiner Ankunft liegenden Verheißung gesteigerter! Arlelt im Lande gelte; Reubeni, der aus dje Fehlev der früheren Palästinakommission verweist und verlangt, baß von nun an ein enger Kontakt zwischen der Zkommisslon und der Eemcindevertretung herrsche, u. a. Ufsischkin antwortete in einer längeren Rede. Telegramme. ni"r,,ir ' Einmarsch der Magyaren ln Budapest. Vudavest, u. November. «PrwM Die Rumänen habe» gestern väh Budavest gegaumt, nicht obne noch in letzter Stunde em büchen zu plündnn und Uhren und Bäder wegzutraqen. Unmittelbar nachher m«lschierlen die?nwv<m HvUbvS unterstiibrnna t arwwcher O'ini've in Ofen ent. Die Bevölkerung eutpfing die Truppen mit groxer Freude. Die Weltzen Ofsiziere Insultieren die Jude« Budapest» 14. Novencher. (Meldung des Ung. Del.* Korr.-Bur.) Auf die Nachricht, daß in Pomaz «in Ofsi'ier der nationalen Armee anzebllch (?) den dyrtigen israelitischen Einwohner Josef Winter tätlich insultiert habe, hat sich eine aus mehreren Offizieren bestehende Untcrsuchungsbsmmission nach Pomaz begeben, um fest^ustellen, ob sich ein solcher Vorfall dort tatsächlich zugetragen hat, her. einen Mißbrauch darstellen würde und der sowohl vom KrtegSministerium als auch vom Oberlommandanten aufs schärfste verurteilt werbenwürbe. Die Mission Clarks. Vtßtzstzest. 14. Oktober. (Meldung deS Ung. Del.- Korr.-Bur.) Generalbevollmächtigter der Entente Sir Georges Clark wandte sich an den Ministerpräsidenten Friedrich mit dem Ersuchen,säm tl 1 che politischen Parteien zu einer gemeinsamen Konferenz einzuberufen. Diesem Wunsche gemäß hat Ministerpräsident Friedrich die Führer der einzelnen Parteien für Monlag nachmittags in dis Wohnung Sir Clarks zu einer gemeinsamen Konferenz eingeladen, die sich mit der Frage der Entwirrung der politischen Lage bcsthäftigen wird. In dieser Konferenz werden die linksstehenden Parteien durch, je ein Mitglted, die christlichen Parteien durch je drei Mitglieder vertreten fei«. Der Ausschuß der sozialdemokratischen Partei hat in einer gestern abgehaltenen Sitzung die Parteileitung ermächtigt, sich in dieser Konferenz vertreten zu lassen. Dar Friede für Ungarn. PraO, H. November. fPnvat? Kn dem Friebensverircqe, der der mu>n m n g b a t i f eb t n w e g i « t u n g ootßeleat wird, sind dleGrenze» Ungarngegenüber Oenerreich w ttftgelegr, «,e ne der Ssterttnvische AuedenSverrma dehiyimt. Die S a l g o t a r j a n e r » r u b e n ' n i l e n an Ungarn. Sülvkalja'Wely bludt tschechisch. Die Grenze gegen RumLvtrn 16 Kilometer westlich Arad verlaufen und bewegt i wdaua längs - de« NmdufrrS der Maros. Die allam m e l« e W e v t p f L t et) t wird a u i g e h o b e n. Dre Gesamtstärke der Freiwilltgenarm« darf 80.0 Q Mann nicht übet* stelgen. Ungarn eibalt eme freie Erl enbahnürrck« mx Adr a. ES muß der tschecho-ilowakischen Republik einen treieu Ersenbadn* und Telegraphenweg Von Pretzbmg n a ch F t u m e zuerkennen. Die Frieden-Verhandlungen mit Sowjet» s rnßland. verkitt, 14. November. Nach einer Meldung de- Kiopenhagenev „Abend" meldet „Chicago Tribüne" au- Dorpat, daß die dort tagende Konferenz, an der Esten^ N::.'srn, Litauer, Finnen, Polen und Ukrainer teilnehmen. bereit sei, Frieden mit Rußland zu schließen. Wenn disfer Friede zur Wirklichkeit werbe, wäre General Judenitsch gezwungen, die baltischen Provinze« zu räumen, so daß die Bolschewiken darauf ihre ganzeul Truppen gegen Denilin und Koltschak verwenden könnten. Der Korrespondent des Blattes ist überzeugt, daß Polen, Finnland und die Ukraine sich den baltischen Pr.'vin-en anschließen werden, wenn es ihnen gelingt, den Frieden mit Sowietrußland herzustetlcn. Mn A'tlmatum der Donkosaken an Koltfchat. Mörla«, 14. November. (Funkpruch.) Aus Rostow wird gemeldet, daß die Donkosaken an Koltaschk ein, Uktimatum wegen Abschlusses eines sofortige» ZLaffenstillstarrdes gerichtet haben. Die Auflösung der Armee KollschaK. Berlitz, 14. November. Nach einem Amsterdamer Tele/arnm deS „Abend" wird aus tzelfi"A'orS ^'meldet. da'' die Armee AaltfchakS mit L^ßrr Schnelligkeit ihrer Auflösung entgegengehe. Tcotz her zahlloses Dode^strafen bestehe die Disziplin nur dem Ramcw nach. Die Desertionen nehmen einen immer größerer ,Umfang an. Die Soldaten denken nur noch daran, sich gefangen nehmen zu lassen. Sie erklären vssen. dätz der Fall von Omsk KvltschakS Ende bedeute. Ueber die Fortschritte dev Roten Truppen sei auch das Offizterskorps bestürzt. Die Revolten der' Aufständischen werben grausam geahndet, doch getvinne dt« Bewegung! gegen Zkoltschak immer größere Ausvehnnng. j L'tane« unter englischem Protektorat. «varschau, 14. November. D<» Bliltim» «pdu Hot ßch hie luaulschr Aeguwag » Koma» twt* daß «mtM -rottkwntz . rssssasTr* * 'Z+S&MmäO. t*l.