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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-15 · Heft 295 (15.11.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 295 (15.11.1919)
Date
1919-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4i«f«l*0»aiMav: Weis Keüer •«Mt vn H«tidunt« ts» 4an»t MmtoMch . . .X Vs— pttytelfSfcvt« . . « S»s- .•«tfrfiftvia M 52.-* «MMfBiivia .... ..loo^- ®Kt S*0»«f8«t>: pt*tt«tttdr. . X S.- ybrftlfSiitig 37/— m 5X— •mntSlrH«.... loo«- ftftr M* trftn »«K Bwa«*rHf« Viener _ (ShtftitfttmplaMi \ &ttla 40 gelle« Vriuutturatffrtt*» trveir» W* fr«* An»la«frr> r»»n«tttch .. .x ir»s-i Ui»r-t>,nsirk«s, 00.-^ ■*«fetfrfSlttflor •* 00.—^ Citmfälnrl« , »M tÄÖ,^ N«fr«ktto» n. Afrtttinf |S*»ri ««1K Dvie», xx. ftabar{ir«i* Rlv. i—8;j Kslrpfto».,: ALMk«lg»«- «l«n 44038, Stebnlttffti» 4S81V. «fr «?Ihr afr^üfr» > N». «ASOl l!rftftmrbair»iHft0Kt* Av. L40.SW Nr. 295 Wien, Samstag, den 15. November 1919 1. Jahrgang Die nächste Ausgabe der „Wiener Morgenzeitung" erscheint Montag mittags. _■ Frankreich vor den Wahlen. > —7. Wien,. IS. November. .,/: ■ Mit dem morgigen Tage nimmt in Frankreich M Zeit der ^heiligen Einheitihr Ende. Die Bürger Frankreichs sind an die Urnen gerufen, um die neue Deputiertenkammer zu wählen und damit die Periode 4>es Krieges formell abzufchließen. Natürlich werden die Wahlen durch die, Resultate des Krieges außerordentlich beeinflußt, da sich ja auch in Frankreich eine Umformung der politischen Kräfte vollzogen hat. Zum. erstenmal wird wieder Elsaß- Mhringen mit dem übrigen Frankreich mitwählen. Diese sinnfällige Aeußerung des großen Sieges über Dem.chland wird aber kaum viel Einfluß auf dieParteien- KLmpfe des übrigen Frankreich ausüben. In zwei großen Heerlagern stehen einander die Wähler gegenüber: In dem nationalen Block, der alle republikanischen Fraktionen mit Ausnahme der Rechtsreaktionäre umfaßt, und in der Partei der geeinigten Sozialisten. Diese verfügt über eine ausgezeichnete Organisation und wurde bei den bevorstehenden Wahlen die besten Aussichten haben, wenn nicht der Kampf gegen sie zugleich, der Kampf gegen den Bolschewismus märe. Die unifizierten Sozialisten sind M den deutschen Mehrheitssv-ialislen nicht iu verwechselnd Sie find wirklich . WMtiM sympathisieren ' W xin.^ W ümf;Hb#P - schärfste her Fortsetzung der bewaffneten Interventiönspylitik gegenüber Rußland. Da ihnen auch der Rätegedanke nicht fern geblieben ist,. haben sie aste Elemente, die unter dem Deckmantel der Verteidigung des Privateigentums und der legitimen Ansprüche des Besitzes ihre Umtriebe gegen eine freie soziale Entchicklung verbergen, einander in die Arme geführt, und als Wortführer dieser Gruppen hat jüngst Llemenceau ich Straßburg eine sehr giftige Rede gegen die Mehrheitssozialisten gehalten, weder er sich allerdings auch auf die Gefolgschaft desjenigen Teile» der Sozialisten stutzen kann, die sich von der großen Partei abgesondert und für die Ratifizierung des Friedens mit Deutschland gestimmt haben, womit sie sich aus den Boden der Clemenceau'schen Politik stellten. Die morgigen Wahlen bringen aber auch die für Frankreich neuartige Tatsache, daß die Bewerbung der Persönlichkeiten aushört. Die Wahlen vollziehen sich in der Form des - Llstenfystems, »elches diealten Attondiffementswahlen aufhebt und den Uebergang zum Verhaltniswahlrecht darstellen soll. Damit ist natürlich nicht Gesagt' daß nicht auch bei diesen, Wahlen scharf unnissene Individualitäten auf den Plan treten. Das politische Leben Frankreichs ist sehr reich und vielgestsltig unb verfügt über weit mehr Charakterköpfe als etwa das arme Deutschösterreich' Millerand, Barrvs, Leon Daudet und so viele andere finden sich unter den Kandidaten, aber nicht allein und auf Grundlage des Programmes, das ihr Name darstellt, söndem als Mitglieder einer Kollektivliste. Es wird also auch in Frankreich durch denGang der politischen Entwicklung die Einzelindividualität zugunsten der Parteigruppierung zurückgevrLNgt und äusgeschaltet. Dadurch ist vielfach die Erscheinung zu verzeichnet, daß sich Männer der verschiedensten politischen Bekenntnisse auf einer Liste vereinigen mußten, um nicht das Schicksal von Eigenbrödlern zu erfahren. Auf diese Weise ist auch eine große wirtschaftliche Partei gebildet worden, die von ihren Kandidaten nur die Berücksichtigung wirtschaftlicher Interessen verlangt, ohne sich um ihr sonstiges Kredo zu bekümmern. Das neue Wahlsystem bringt es mit sich, daß man über den'Ausgang der Wählet keine Be-, rechnungen anstelle» kann. Esind natürlich Ueberraschunget nicht ausgeschloffen, die sich aber eben nur quf die Wahl von Personen beziehen können. Im -roßen ganzen wird die neue Deputiertenkammer, die sich aus 628 Abgeordneten zusammenfeßt, das Zweiparteiensystem bestätigen. Etwa ein Drittel der Kammer wird von «euen Abgeordneten. gebildet werden, die Monarchistische Kundgebungen der Deutschnationalen in Berlin. Hindenburg wird verhindert, vor dem Untersuchnngsansschutz zu erscheine«. Berlin, 14. November. (Tel.-Komp.) Heute vormittags fanden vor dem Reichstag große dcutschnationale Demonstrationen für Generalscldmarschall v. Hindenburg statt, bei denen es zeitweilig zu sehr stürmischen Auftritten kam. Die Kundgebungen nahmen einen dersuchungsansschnß ausfragen." Hindenburg protestierte, vermochte sich jedoch in dem ungeheuren Lärm kem Gehör zu verschaffen. Plötzlich brachte jemand ein Höctz auf Las Kaiserreich aus, in das die Menge stürmisch einstimmte. Inzwischen war es dem Chauffeur Hindenartigen Umfang an, daß Hindenburg, der sich zu feiner bprgs gelungen, das Auto wieder in Gang zu festes Vernehmung vor den Untersuchungsausschuß begeben und in voller Fahrt fuhr der Wagen zum Reichstagswollte, baS ReichStagSgebäude nicht betreten konnte und gebände. Dort wurde jedoch der Generalfeldmarfchatg umkehren mußte. Ueber die Zwischenfälle wird be°, neuerdings von einer großen Menge erwartet. Es fatnj richtet: Heute gegen 9 Uhr früh sammelten sich vor, wieder zu großen Kundgebungen und hie Menge der^ der Berliner Universität etwa 3000 bis 4000 national hinderte Hindenburg, das ReichStagsgebäude zu betretend gesinnte Studenten, die zum Teil mit ihren Korß* fiftrfi tfim «t^fa porasionstafcln erschienen waren. Als das Automobil des Generalfeldmarschalls erschien, ertönten brausende Hochrufe auf Hindenburg sowie Rufe: „Nieder mit der Revolution!" „Nieder mit der Judenregiernng!" Hindcn bürg dankte für den Empfang und bat die Studenten, die Straße freizugeben, da er in den Untersuchung-, ausschuß fahren müsse. In diesem Augenblick schwavg sich ein Student auf das Trittbrett des Autos und rief: „Wir lasse« Hindenburg nicht vom Unter. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als dem Chauffeur den Auftrag zu erteilen, nmzukehren. Hindenburg wirH erst Montag vor dem Untersuchungsausschuß vernommers werden. » Wie die , Vossische Zeitung" meldet, entspricht dA/ Bcsiattprnng, daß Hindenburg vom Betreten des Reichs-- tagSgcbandes nbgchalten worden sei, nicht den Tatsache»^ Hindenburg sei für die heutige Sitzung gar nicht Moti geladen gewesen und werde wahrscheinlich erst in deL. Mont.7gsitzung erscheinen. u, « dates gelangen. fi)le Sorgen der neuen Kammer werden -der dieselben sein wie die der alten: Liquidierung de» Krieges, Heilung der sozialen Schäden und Sanierung der Finanzen. Frankreich ist der Staat der .LrüeMe, der die größten Opfer an Blut und Geld im Krieg gebracht hat. Ts hat im vergangenen Jahr sehnsüchtig nach der Hilfe seiner Bundesgenossen tutgeschaut. Aber, diese Freunde^ haben entweder zu stark tM drr ‘ r!g en^MotGWWchW HHtzOWWhAsrikg^ auf den günstigen Moment, um mit unerschütterter Kapitalskraft die Herrschaft über dar ausgeblutete und verarmte Europa auszmichten. Der Streit um DruLsch-W-fitmez-rn. Quertreibereien de» Grafen Gate» in r Wien, 14. November. Das Ungarische Telegraphen- Kovreft-ondenzburecru meldet, das; gestern abends im Klub der christlichnaiionalen Berrin'gung die Deiegier!en der österreicl)ischen christlichen'nati«nalen Par.ei Pfarrer Gras Galen. Ch.'fcedakeur BöSbauer und Generalsekretär Günther eVschienen und erklärten, daß die deuischoste'reich','che christlichnat'onale P r ei auf -keinen einigen Westungarn Anspruch erheben Und den Standpunkt zur Geltung bringen wolle, daß Oesterreich auf das großmütige Geschenk der Friedenskonferenz freiwillig Berzicht leiste.; Demgegenüber wird amtlich festgestellt: Eine christlichnationale Partei ist hier ofsi^Lell unter dieser Bezeichnung nicht bekannt, sie fung!:rt nicht unter den bei den Dahlbehörden angemeldetcn Parteien'. Auf keinen Fall sind diese drei Herren van der christlichsozialen Partei entsendet oder zu einer solchen Erklärung ermächtigt worden. Pfarrer Galen dürfte al- Angehäriger des Stiftes EmauS in Prag gar nicht dentschösterreichifcher Staatsbürger sein. Chefredakteur Bösbauer redigiert eine Wiener Tageszeitung, welche bei Wahlkämpfen vielfach im Gegensatz zur christlichsozialen Partei stand, und hat auch persönlich auf einer bürgertich-freisinnig-nationalen Liste in Wien gegen die Christlichsozialen kandidiert. Generalsekretär Günther ist im politischen Leben unbekannt. Im übrigen ist dieses Auftreten der drei Herren in Pudapest ein Akt unerhörter Landespreisgebung, welcher in allen politischen Kreisen, ganz besonders auch in der christlichsozialen Vereinigung, die schärfste Verurte'.lung findet. Die Krise in Wie wir bereit» gerpeldet haben, ist Professor Wei-mann am 17. Oktober mit seiner Gattin in Jerusalem eingetroffen. Er besuchte in Begleitung Dr. Eder» da» Palästinaamt und empfing mehrere Persönlichkeiten. Einige Tage später verließ er Jerusalem, um sich nach Jaffa zu begehen und von. dort die ^Kolonien zu bereisen. „Chadschoth haarez" widmet seiner Ankunft einen Leitartikel, in welchen: die bedenkliche Lage im Lande geschildertwird. Der erwartete Aufschwung sei nicht gekommen, die Produktivität schwinde und die Arbeitslust erlahme Eme betlagenSwerte Indolenz fei eingenssen, die Augen blicken zum Himmel oder wenigsten» auf den reichen Onkel in Amerika, obwohl die LebenLbedürfnifse ständig wachsen, die Teuerung größer ist als in Europa, so daß eine Krise unvermeidlich ist. Die Menschen verzetteln ihre Kräfte;n sinnlosen Versammlungen und Parteigefchäftigkeit, ohne daß diese Tätigkeit zu einem Ziel führt. Hier mutz Wandel geschaffen werden. Denn kein t Volk bedarf jo sehr de? Konzentration aller Kräfte, wie dag unsere in diesem historischen Augenblick. Auch die Lage erheischt dringend Aufklärung/Das Blatt richtet, .a Werzmanw den Appell, die Lage.mit offenen Dugew. MM :'traKten u^> .'nach, seiner' zu berichten, wäS er gesehen habe.' tßim «ird Besiarabie« gehöre« Ä Räch den neuesten-Meldunejen haben sich vie Rumänen doch, endlich entschlossen, ihre passive. Resisten^ gegen den Obersten Rat von Paris aufzugeben uny den Friedensvertrag von Saint-G-ermain ,zu unterzeichnen. Damit wird auch Rumänien zur« AnnahmÄ deZ Mi no ri t äte'n fch u tze s verpflichtet, der in einem besonderen Paragraphen'niedergelegt ist und gegen ek sich bisher so beharrlich , gewehrt hat. Ob Rumänien mit dem Schutze der Minoritäten diesmal ernst machen und die Welt nicht eine Wiederholung des nach, dem Berliner Vertrage eingeschlagenen Verhaltens der rmnäß Nischen Regierungen erleben soll, welches allen in Berlin eiugegangenen Verpflichtungen Hohn sprach, wird von der künftigen Cntwickluüg der Weltpolitik abhängen und' namentlich von der Frage, was aus dem Völkerbund werden und ob er wirklich ein lebendiKs Instrument einer neuen irnd höheren Politik werden wird. Mil der Un'erreichnung des Fricdensvertrages von Sajnt^ Germain sind jedoch noch nicht alle Probleme Rumä^i niens gelöst, welche den Obersten Rat beschästtge« Namentlich bereitet die Frage der Annexion von Befsarabien . in Paris viel Kopfzerbrechen. Dev Cntente und namentlich Frankreich fällt es schwer, dies<f Annexion gutzuheißcn, ohne sich gleichzeitigdie Syms pathien aller jener russischen Kreise zu verfcherzew. mii denen die Entente auf gutem Fuße bleiben will und di» im Gegensatz zum Bolschewismus stehen; denn all« diese Parteien werden schwerlich auf einem gänzlichen Verluste Bcssarabiens eingehen wollen. Auch die Bolschewiken hätten niemals gutwillig aus den Verlust Besiarabiens verzichtet. Die Schaffung antibolschewikischer Regierungen durch Koltschak und Denikin wurde nur möglich, indem diese die Wiederherstelhungj Rußlands in ihr Programm aufnahmen, und sie würden ihren Anhang in dem Augenblick verlieren; als sie auf dieser Programm verzichteten. Die Rumänen haben die Hoffnung nicht aufgegeben/ daß die gegenbolschewikischeu Armeesührer zuguterletzt doch noch ditz rumänischen Forderungen anerkennen werden. > .Der Minister für Bcssarab ien im neuen rumänischen Kabinett,- der gegenwärtig in Paris weilt, versichert im „Temps". baß dierumänische - Negierung in Befsarabien ditz Rechte der Minderheiten schütze. So seien 12 Prozent.des Schulbudgets den jüdischenDchulen reserviert, außerdem werbe in Kischinew eine jüdische Mittelschule erhalten und alle Minderheiten seien in den Landgemeinden und Gemeindeverwaltungen cn^prochend vertreten. Für die bevorstehenden Wahlen könnten alle Minderheiten in voller Freiheit ihre Kandidaten aufstellen. Bessarckbien werde ball» feinen festen Witten, best Rumänien zu bleiben, kund» geben. M scheint jedoch, daß die Entente ändert, dünkt. Und eS Ä iEli^ Pb sie die Gültigkeit der Mhlen

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