Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-10-29 · Heft 279 (29.10.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 279 (29.10.1919)
Date
1919-10-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979356--02492-2988012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Wien. Mmmocy Wiener Morgenzeitung 2d Oktober 1919 Nr. 279 tiefstem Verständnis und teilnahmsvoller Sympathie gegen« siberstehen. Denn kein Voll kann so deutlich empfinden, was Freiheit bedeutet, wie das Volk, daS seit 2000 Jahre:, auf feine Befreiung wartet. Und tatsächlich hat auch der Jüdische Nationalrat, der kurz zuvor in Prag begründet worden war, sich sofort auf den Boden des tschechischen Staates gestellt; om 28. Oktober wurdö seine Deputation von dem Präsidenten des tschechischen Nationalrvtes gerade, zu öer Stunde empfangen, wo in der Nationalversammlung die tschechische Republik auZgerufen wurde. Als die jüdische Delegation das tschechische Nationalhaus verließ, kamen die ersten Nachrichten über das große Ereignis. So war hie jüdische Nation die erste von den nationalen Minderheiten, welche die Souveränität de§ neuen Staates anerkannte. Die Tschechen verstehen es, Feste zu feiern. Das abgelaufene Jahr war reich an Umzügen, Paraden, Feuerwerken und Begeisterung. Slber ein Jahr ist eine lange Zeit und ein Volk kann auf die Dauer nicht mit Begeisterung allein regiert werden. Schwere Sorgen haben sich eingestellt. Nicht alle Träume haben sich'erfüllt. Das tschechische Volk bat sich von Oesterreich losgesagt, aber der tschechische Staat hat manche verhängnisvollen Elemente des österreichischen Geistes in sich ausgenommen. Die große staatsmännische Kunst, in dem national zerklüfteten Zentrum Europas einen modernen, wirklich freien Staat zu schaffen, in dem die Bürger und die Völker ihre Fähigkeiten und ihre Kulturkraft frei entfalten können, ist den tschechischen Politikern bisher nicht gelungen. An der Spitze des Staates steht ein Mann, den die gedankenlosen und feilen Patrioten Oesterreichs, maßlos begeifert haben, der aber die aufrichtige Verehrung jedes gerecht und menschlich empfindenden Menschen genießt. Es ist bisher nicht sichtbar geworden, daß sein Geist sich in der Republik durchgesetzt hätte. Außer ihm ist bisher keine Persönlichkeit von größeren Dimensionen im politischen Leben der Tschechen zu bemerken. In der letzten Zeit ist besonders in ver Slowakei die Sprache der Tatsachen so deutlich geworden, daß auch die tschechische Presse sich nicht mehr der Wahrheit verschließen kann, daß die tschechische, Politik auf grundsätzlich falschen Dahnen gewandelt ist. ES ist abzuwarten, ob man aus diesen Fehlern lernen wird. Auch dar soziale Problem droht neue Konflikte zu schaffen. Jedenfalls ist die Lage der Republik an ihrem ersten Geburtstag keine, allzu rosige. Die Erhaltung der Armee verschlingt riesige Mittel, ohne daß es dem Staate gelungen wäre, die Volkswirtschaft bisher wieder in Gang zu bringen. In ben letzten Tagen spricht man sogar immer offener von neuen Kriegen, zumal die inneren Vorgänge in Ungarn den Bestand des tschecho-slowakischen Reiches ernstlich zu erschüttern drohen und die Stimmung gegen die Polen anläßlich der bevorstehenden Teschener Volksabstimmung immer gereizter wird. Trotz allem: Die Renaissance eines Volkes zu neuem staatlichen Leben kann sich nicht in einem Jahre vollziehen. Es ist kern Zweifel, daß im tschechischen Volk große schöpferische Kräfte schlummern. Man kann daher die Republik zu ihrem ersten Geburtstag beglückwünschen. Und man, muß ehrlich wünschen, daß ihr die Männer erstehen, die imstande find, das spezifische Problem des Staates mit Weitblick und Großzügigkeit zu lösen. Sie werden dabei nicht nur aus, den eigenen Fehlern lernen können, sondern auch aus den Fehlern Oesterreichs, das mit dramatischer Eindringlichkeit der Welt das Beispiel dorgeführt hat, wie ein Staat sich selbst zugrunde richtet. Eine Botschaft Masaryks. Prag» 28. Oktober. (Privat.) Der Jahrestag der Revolution in Prag wurde heute gefeiert. Die Stadt ist festlich geschmückt. Im Repräsentativ n sh a u s e fand eine Festsitzung derNatioHalber summ lung statt, in welcher Präsident Tomas ch e k darauf hinwies, daß in diesem Saale der Schwur der tschechischen Nation geleistet wurde, Oesterreich- Kngarn zu zertrümmern. Hierauf verlas Präsident Masaryk seine Botschaft in der ausgeführt wird: Unsere Revolution war von ganz bc'oDerer Art. Es wurde fest gearbeitet. Sie ist eine Revolution der Arbeit und Arbeit und abermals Arbeit werden die Republik halten. Hoffen wir, daß Kämpfe nicht mehr nötig sein werden. Die österreichisch-ungarische Erbschaft und die schwere Lage, in der sich ganz Europa, besonders aber Osteuropa nach dem Kriege befinden, nrichen im? un kre Au'ga'ie sch ree. Aus jeden Fall mü sen w.r bei unserer Tätigkeit daheim daran driften, wie sie jenseits der Grenzen wir?'. Der Präsident sprach dann sehr aus führ ich über bi« Sozi ü ierung. Cs genügt nicht, die sogenannte Bourgeoisie durch Diktatur /ur So-ioli ierung zu zwi gen. Gewalttätig feit ist niemals heilbringend. Int ra ive ist riö ig, aber nicht Spiftuakn und Uebcr pe ulation. Es handelt sich nicht um den verteilenden Soziali mus, sondern um den der Produktion. Der P äsident sprach lange ü er fDtj r x und E n ne l S und ihre A isichten und sagte: Jfrie neu,ei ige Bon geoisiebesonders das Großkapital, schreitet in den Fußstapsen der Aristokratie, welche blind war und in den Abgrund stürzte. DaS Stichwort der Zeit lautet: „Ausgiebige soziale Reformen ohne Blutvergießen." Gegen die Sozialisierung bin ich nicht. Die Sozia- Werungsprogramm niuß aber international vereinbart ioerben, was für das Tempo eine große Bedeutung hat! GS ist möglich, daß es vnS nach der SSl.iaiisi.rung noch schlechtergehen wird. Denn es handelt sich um einen Uebergang von Jahrhundert zu Iah hundert. Del der Sozialiiieruna darf nicht auf die Sozialisierung Die Mandalsfrage im Orient. P-ariS, 38. Oktober. (Funkspruch.) „New-York TimeS"'melden ans Paris, daß die englischen, französischen und italienischen Delegierten bei der Friedenskonferenz zur Ansicht ‘gekommen sind, daß die Bereinig ten Staaten keinerlei Mandat, weder über Armenien, noch über Kvnstantinopel. annehmen werden. Der soeben aus der Türkei zurückgekehrte amerikanische Generalmajor Harbor habe an den Präsidenten Wilson durchaus ablehnend berichtet. Es. sei möglich, daß die türkische Frage schon bald nach' Weihnachten, statt, wie ursprünglich deabsicht'gt, erst im nächsten Sommer, werde geregelt werden- Seitdem die ablehnende Antwort der Vereinigten Staaten bekannt geworden sei', waren die europäischen Mächte bemüht, utfteceinander Mkommen über Einslußgebiete und Vorrechte zu treffen. Großbritannien zeige sich weniger interessiert; Frankreich und Italien seien die Hauptrivalen, jedoch werde von französischer Seite auch schon sehr, vorsichtig Rußland vorgeschoben. r * der Bildung vergessen werden, ühne welche eine' wirtschaftliche Sosia.i.ürung nicht mögsich ist. Die weitere Rede des Prä identen war dem rü fische» Bolschewismus gewidmet. Er fü.fr:e auS: Den Bolschewismus hübe ich in Rußland mi erlebt. M arx baut seine Lehre auf dem Grundlage der. Mehrheit auf. Lenin stützt dagegen seine Diktatur auf die Minderheit. Lenin und seine Genossen stellen den wirtschaftlich und kulturell einfachen Zustand des ru'sifchrn bau r.ichen .Anlphabelentums dar. Die t'chcchi'che Ar' ei:er,chastf h--t eine höhere Bildung und kann und darf das ruffifche Vorbild nicht nachah ren Der bol chrwi.i che Kom;nunismuZ ist unmöglich. Ader aus dem Surdes Bol chewismuZ dürfen wir nicht einen Grunds ü r die Reaktion schöpfen. Etwas anderes aber ist eine Intervention gegen den Bolfchewismus. Ich war und bin gegen eine Int r: cntban in Rußland und tu Ungarn. Jede Nation muß sich selbst helfen. Ma aryk sprach sich dann für den Ausgleich der nationalen Gegen atze aus; seine Botschaft k ang iy die Morte. „Mehr Freiheit und wirkliche Fiel heit!" aus. , Der Präsident sprach eineinhalb Stunden und mußte sich während ^des zweiten TrileZ seine'Nets setzen. Den Schluß der Rede hielt er in slowakischer Sprache. ' Der Kampf gegen ZMerutzland Die Lage böi HZsteösdurg unverändert. Paris, 88 Ottobrr. ' Fuitklvutch) Aus Rseval wird gemckdck. daft die Laac vor Petersburg säst u n v e rander t 'st. Dos Org m der notdweiirussischen Regierung, die Zeitung „S l o b o d j e R o s s 11 n“, ichrc«bt, da» die bet KrasnajaGorka kampienden Trunven eine schwere Aufgabe haben. Dieser Punkt tä der S ch Ni s s e 1 von Petersburg und scm. Beuusi wäre für die nordwcstrussische Armee schwerwiegend. Berlin» 2?. Ob ob kr. (Tel-Komp.) Einem Brief des Stockholmer Berichtet statterS der' „Volsisckien Ze lung" über die Lage h Petersburg iss folgendes zu entnehmen: Die Stimmung in Pctnsburg iss zur Zeit fcfir gedrückt, aber doch nicht hofsi'nngslos. Durch Brot- und Fettrcmk-porA aus Moskau ist die Nahrnngsmulelnor in den letzten Tagen, etwas gemildert worden und bic sonst täglich tu verzeichnenden Nahtuugsrnätrltmvuhrn haben fast aufgehört. Säm liche Theater und Vergnügnngslokale der Stadt sind g e s ch l o s s e n, daS Betreten der Straßen nach Eintritt der Dunkelhett tss bei Slraie verboten. Denikin, der Indenschlächter. Moskau, 2«. Oktober., (Fnnkspruch.) Rach gestern eingelauftnen genaueren Nachtich'en winden im Gebiet von Orel während der kurzen Besetzung dwch die Den i kr n scheu T r u p P e n von diesen über 5000 Juden getötet. Iud knitsch räumt. — Der Iudenschlächter in Vrazlaw. — Koltschaks Gegenangriff. Berlin» 28. Oktober. (Korr.-Bur) Die «Vossüche Zeitung" gibt folgende dem Biaite .P r i s y w* zuaelommene Kampsberichte von der russischen Front, unter dem 27. Oktober emgeuossen. w eder: Fi ont des Generals I u d e n i t s ch: Wir haben L i g o w o, Pulkowo, ZarskoieSelo. Kolptno. Pawlow und T a ss n o räumen müssen. Beim Wiadinm-Lager hestlger Kamps. Tie Essben haben Pskow geräumt ' Front des Generals D e n i k t tt: A'.rk dem linken Flügel in der Richtung aus Mobilem baben wir B r a z l a w e> reicht. Im Zcnliiim suhlten die Bolschewiken einen befugen Gegenangriff auf Bachmalh. Aus der Linie D mitri—Kromy—Ocrl— Mzeutzk greisen überlegene fe endliche Kräsie an. Front des. Admirals K o l t s ch a k: Dir gehen auf der ganten Front mm Gegen angrijf Über. Kämpfe bei XobotSf, die noch nnbnltett. Bei K u r g a n wurden bie Bolschewikm aus daS linle Tobolujer geworfen. Ukrainische Kriegserklärung an Denikin. Aovenhagen, 28. Oktober. Der Ukrainische Pressedienst meldet: Der Chef der ukramckchen diplomatischen Masion. Dr. Demeter Lew i c f tj i, bat dem dänischen Mincktetinm deS Aeufi-rn am k4. Oktober die Kriegserklärung der Ukrainischen Volksrepublik an General Denikin offizkell nottsiziett. Die französischen Intellektuellen gegen die Blokade. Berlin,?8 Oktober. lKorr.-Bur? In der »vumanttü* verässeitilicht rme Äleihe von Jntellckmellen. batuntcr Anatol Franc e .nni» B a r d « s s e. einen Ausrns gegen d«e Blockade SowiekuißlitHs. Washington, 28. Oktober. (Funkspruch.) „Chicago Daily News" veiö'frntlicht eine Unterredung ihres Pariser Sonderberichterstatters mit Emir Faisul, dev eben von einem Besuch Lloyd Georges nach Paris zurückgekehrt war. Emir Faisul zeigte sich über bie geringen Erfolge, die er bisher bei Llvyd George und' Clemenceau erzielt hatte, sehr unzufrieden und verwies.auf die eigentümliche Haltung Englands gegenüber einem Volke, das.Großbritannien einen nie zu vergessenden Dienst dadurch erwiesen habe, daß es den- Ausbruch des heiligen Krieges verhinderte. Nach bkx Erklärung, Faisuls werde das yrabische Volk dgs geheime Abkommen zwischen Frankreich ttnd England wom Jahre 1916, welches die Aufteilung Syriens vorsche, nicht anerkennest und eher, zu den Waffen greisen, als sich unter europäische Vormundschaft zu stellen. Die syrische Frage könne nur durch den Völkerbund und so pst , auf ckeine andere.Weise gelöst werden. . (Die Meldung, die wir mit aller Reserve Wiedel geben, ist in dieser Form nicht ganz klar. Anm. d.' N.) PoLiLLsche^AuKhschüp.' Die Avbeiter?raqe in Amerika. Die Natisikativn -des Friedens durch Amerika läßt noch immer auf sich warten und die Opposikton ist noch nicht besiegt. Aber man darf daraus nicht schließen, daß dreS Friedensproblem im Mittelpuitlt deS amerikanischen Interesses steht. Auch in den Veroinigien Staaten heischt die Arbeiterfrage gebieterisch einer Lösung und dre Nachricht von einem orohenden Niesenstrerk. beweist, daß die Schwierigkeiten einesi. Uebergnngs zur Friedeuswirrschaft sich auch drüben ist voller' Schwere geltend macht. Die drohende Haltung der Eisenbahner utw Kohlenarbeiter hat zur Einberufung einer Jndustriekonferenz geführt, an der Arbeiter wie Unternehmer beteiligt sind. In den letzten Wochen haben in Amertka 2000 Ausstände stattgefunden und die Produktion ist um 40 Prozent zurückgcgangen. In der Arbeiterschaft macht sich, die radikalere Strömung intmer stärk«: geltend und die wichtigstem Kategorien, nämlich Eisenbahner .und; Kohlen» arbeiter, groherp am 1. November.in den Streik zu treten, wenn ihre hohen Forderuttyen nicht bewtlligt würden. Dw ' Lstztgenatinten verlangen neben hoher Lohnerhöhung den ^Sechsstündentag und die fünftägige Arbeitswoche. Außerdem aber beginnen die Arbeiter p o l i t r f ch e Forderungen zu stellen, die über das reut Gewerkschaftliche hinüuSgehen und die beiden genannten Kategorien fordern -ie Verstaatlichungdrx Eisenbahnen und Bergwerke. Den Kernpunkt aufi det Kon- , ferenz bildet bisher der-Streit um dos Koalitionsrecht dev Arbeiter, dessen unbedingte Anerkennung^G om p e r sifordsvh» wahrend die Unternehmer den Sympathiestreik'und >Bohkoü ablehnen und nur mit Arbeitern ihrer eigenen Betribe verhandeln wollen. GomperS, der Führer der Gewerkschaften, ist: bisher auf Widerstand, gestoßen, doch hofft man auf eine Einigung, da man etnsieht, daß die- Gewerkschaften ini Falle, eines Mißerfolges ihr Prestige verloren und dre radikale Richtung die Führung der Arbeiterschaft übernehmen wüxdtz. Auch in den angelsächsischen Ländern beginnt sich der Gegen,' satz zwischen Unternehmertrtm und Prokotartasi sin->/siestlex ganzen Schürfe zu zeigen und es sönnie der Fall eintreten,! daß auch Amerika von schweren Knsen nicht verschoüt bliebe, wenn es nicht im letzten Augenblick gelingt, zu einör Einigüng zu kommen. So begreift man, daß die ämerikamsche äffent-.'. liche Meinung der Friedeuöfrage Europas, überdrüssig -z«: werden beginnt und sich das Interesse den ünmittelbarep interessierenden Probien,en der Arbeiterbewegung ^zuwenScck, die allmählich ein neues Gesicht anzunehmen begitrnt.'/- ^7 Dre Lüge vom jüdischen Bolschewismus. W. T. G o o d e, der nach .Rußland entsanbätz Korrespondent des „Manchester Guardian", schreibt^ Es wkrb immer gesagt und geschrieben, daß die Juden Bolschewiken und die Bolschewiken Juden sind. Aus meiner ersten^ ss^ise begegnete ich einem j un ge n j ü d i sche n O f f i jiex in Gribuchi, der sich zu seinem Vataillonskommanoo nach Nowi-Usitowo begab. In.Ostrowo, wo ein Brlgadestab stationiert war, traf ich wieder mehrere jüdisch« Offiz iere. In Lelikic-Luki sprach ich mit einem VvlkS^ kommissär, der Jude war. Und gelegentlich sah ich auch unter den vielen Soldaten einige Juden. Auf meiner zweiten Reise fand ich unter-den Stabsleuien in Velikiv« Luki keine tt Juden me h r. Da ich auf meinen Reifeü durch Rußland auch in Gegenden kam, die vo» Truppen überflutet waren, so ist die kleine Anzahl Juden, die ich zählen konnte, geradezu auffallend. In Moskau, ist von 18 Volkskommissaren nur einer jüdischer Ab stam mun g, das' ist Trotzki. Unter den Angestellten der -KoiilMlssaciate fand ich viele Juden, aber noch mehr in den Straßen von Moskau. Man b.arf nicht vergessen, daß unter dem Zarismus die Juden an jeder revolutionären Bewegung regen Anteil nahmen — als Folge der gegen sie ausgeübten Unterdrückung — und daß daher bei der letzten Revolution Juden mit dabei sein mußten. ES wäre auch geradezu absurd, wollte man Mitglieder einer Rasse aus den Negierungsamtern ansschließen, weil sie immer Kultur und Schulbildung hochschätzten. Aber wo immer ich Jude» sah, sah ich auch Russe n in ungleich größerer Zahl und kam tzu dem Schlüsse, daß die Juden wohl in der Sowi'tregierung in einem stärkeren Berhältnis vertreten sind, als eS ihrem Prozentsatz 1« der Gesanilbevölkerniig ent,p,ill)t, daß aber Juden - und Bolschewiken durchaus nicht identische Begriff e sind. Ich halte meiye Feststellung aufrecht und kür einwandfrei und glaube daher, daß die öffentliche Meinung auf die schrecklichen Folgen des verbreiteten I r.vglanbenS aufmerksam gemacht werden muß. Letten und Polen. Am 22. Oktober wurde ,m Warschauer Schlosse die Delr«- gafion der letttichey Regierung, au deren Spitze der lettische Minister deS Aeußern Herr M e j e r o w i t s ch stand, von dem polnischen Minisserprästdcnten P a d e r e w s t i empfangen. - Als ständiger divlomat scher. Vertreter Lettlands in Warschau iss. wie örvfanict, Adgeoidnetkr A ss i k o n i s ch. der Fiihrer deS DemokratentzundeZ im tcitifrfjcn Landtag, in Aussicht genommen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.