Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 278 (28.10.1919)
- Date
- 1919-10-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sitte 2 Wien, Dienstag Mener MorgePzektrm- 28 Oktober 1919 Nr. 278 Andauernd ernste KohlenLage. Frrrmer Verriger Zkshle. — Vor der wirLschastttchen KatastrophL. —- Neuerliche ELujchrLrrkuug im BahnverLehr wahrscheinlich. — Die Hilfe der Ertterrtee kowmisfioneu. Srotzzügiger Bolkspolitik, nur vom Volke febst, zu lösen sind. Die jüdische Sache ist im Fluß und im Werden und es ist zumindest naiv, wenn man sie mit Erklärnnöen/in den Tagesblättern, hinter denen keine Spur jüdischer Aktivität steht, mrfhakten will. Darum kann auch das Volk über diese Erklärungen lächelnd zur Tagesordnung überchihen. Polittsche^undschau. Die OrgLNisuLiou des VöLKerdundes. „Jorrrnnl be Gendve" vrröffentlicht Gnzelheiwn über die Zukünftige Organisation de? Völkerbünde?. Generalsekretär toicb Erik Drummond. DaS Sekretariat hat vollständig internationalen Charakter. Settre Mitglieder werden nicht von einzelnen Ländern, sondern direkt vom Völkerbund ernannt, so daß sie nicht Vertreter ihrer Staaten, sondern Beamte des Völkerbundes find. Dem Sekretariat unterstehen etwa zehn Sektionen. Drei Sektionen sind mit Bearbeitung der besonderen Aufgaben betraut, die der Friede ns der trag dem Völkerburck» zugewrefen hat,' die eins wi.d «n!er Leitung eines Amerikaners die AuZübnng der Manb-at« über dis deutschen Koks nie n überwachen, eins andere wird sich mit einem Norweger an der Spitze mit der Verwaltung des Saargeb ietes, von Danzig, Fiume und Thrazien durch den Völkerbund befassen. Die wirtschaftliche Sektion, der sehr wahrscheinlich eine Finrnzkommission angegkiedert werden wird, bsschäftigt sich unter Leitung eiweS Engländers mit der Weltproduktion un& ihrer Verteilung an die einzelnen Märkte; außerdem hat sie baS Problem der Wechselkurse zu bcarbeite« und die Schaffung eines internationalen Geldes t»s Auge zu fasse«. Die Sektion für Transporte mit einem Italiener an der Spitze wird beauftragt, in enger Verbindung mit der wirtschaftliche« Sektion die internationale» Transporte zu Wasser und zu Lande zu organisieren und wird so die Fortsetzung der Interallied Shipping and Chabering Executive bilden. Die politischeSektw n untersteht einem iFrsnzo fe n. Sie hat die große« pEischsn Fragen zu studieren, die dem Völkerbund vorgelegt irerden und ihre Erledigung durch das ExekutivLomitee vorzuberüten, ferner hat sie alle authentischen Auskünfte über dies« Probleme zu besorgen. Die Sektion für Informationen untersteht gleichfalls einem Franzosen und soll die Verbindung zwischen dem Völkerbund urch der öffentliche« Meinung der einzelnen Länder aufrecht erhalten. Sie wird authentisch« Dokumente über alle den Völkerbund berührenden Fragen veröffentlichen und in enger Verbindung mit einzelnen Depeschenagenturen arbeiten. Die A r b e i t Sfektion untersteht der Leitung ettreS BelgierS nnd die Sektion für soziale Werke wird,sich in allgemeiner Weise mit dem Wöhle der Menschheit befassen. Die juristische Sektion wird unter Leitung eines Holländers vom juristischen Standpunkt aus «.Ke Fragen, die dem Völkerbund vorgelegt werden, prüfen. _ Llotzd Ge-rge rr«d die Akrsirre. Der Ukrainische Pressedienst meldet: Bei einem Empfang der Journalisten der Pariser Friedenskonferenz, der dieser Tage in London stattfanb, hatte der Premierminister Lloyd George eine Unterredung mit Sawtschenko, dem Leiter de- Ukrainischen Presse- SureauS i» Paris. Lloyd George stellte eine Reih« von Fragen, die bewiesen, daß ihm ernstlich daran lag. die Wahrheit über die Ukraine zu erfahren. Er zeigte sich der Schwere des Konfliktes zwischen Petljura und Denikin bewußt, informierte sich über die Stärke der nationalen ukrainischen Armee und über die Beziehungen, welche die ukrainische Volksrepublik gegenwärtig zu ihren Nachbarn unterhält. Der polnische VsrfassurrgSenIrvurf. Aus Warschau wird den „Polnischen Stimmen" telegraphiert: Ministerpräsident Pa de rew s k i hat kurz nach seiner Rückkehr einen Mirrtstvrrat einberufe», um über die Ergebnisse seiner Reise nach Paris und London Bericht zu erstatten. Hierauf wurde der Verfassung Sentw ur f der Regierung erörtert, der in vielen Punkten mit dem Entwurf der Landtagskommission Übereinstimmt. Er verwirft gleich diesem daS Zweikammersystem und sieht die Institution dsS „Rechtsschutzes" vor, daS ist einer Fachkornnnsfis» bestehend aus Delegierte« der Universitäten, Advolatenkammern usiv., die mit der Aufgabe betraut werden soll,"die Nichtigkeit der beschlossenen Gesetze zu prüfen. Die Wahl des Staatsoberhauptes soll im Wege der DolVSabstimmung erfolge». ES wurde eine aus vier Mitgliedern bestehende Zkommission gewählt, die den endgültigen BerfassungSentwnrf der Legierung auSarbeiten^ soll. Bor einem Umschwung ht Itackre«. „Brosklhn b«gle" bringt eine« SituationSbecrcht feines römischen Berichterstatters, der mit der Prophezeiung *4*41 »ollständige« politischen Umschwunges in tztolten beginnt. In dar mue Perlaw.ent dürfte fexm ein Fünftel der jetzigen Abgeordneten zurückkehre». ISO Abgeordnete kandidiere« überhaupt nicht mehr, SO andere haben sich vom Wahlkampf zurückgezogen, weil sie ihre Niederlage do.rLuS- Me Zusagen und Versprechungen, welche unseren Unterhändlern und dem Chef der interalliierten Kohlenrsimmssion in Prag gemacht wurden, haben bis zum heurigen Tage keinen greifbaren Erfolg gezeitigt, unser Kohlenvorrat wird immer geringer, die Kechlensitrmtion ist geradezu trostlos. Die Einläufe aus Böhmen find fehr^ schlecht und sie reichen kaum hin, um selbst den äußerst eingeschränkten Betrieb der Wiener GaS- und Elektrizitätswerke zu führen. Neuerliche Sparmaßnahmen durchzuführen, ist kaum noch möglich, dennsie vertragen keine Steigerung mehr. Wir stehen vor einer wirtschaftlichen Katastrophe, , wenn uns Paris im Stiche läßt, wohin her französische Jnteudanzchef Mauclöre zuril'ckgc kehrt ist, um dem Obersten Rat da'elbst Bericht über unsere jammervolle Lage zu erstatten. Die Ha up. Ursache der Krise kigt »ach wie vor i« TranSportschwierigkeiten, obwohl hundert französische Lokomotiven eingelangt sind. Um diese aber zu heizen, fehlt es an Heizmaterial, so daß. wie es heißt, in den^ letzten Wochen nicht weniger als 7000 Waggons auf den Strecken stecken geblieben sind. Er wird uns nun versichert, daß für den Augenblick keineweseutltche Erleichterung im Verkehr zu erwarte» ist, ja, ©8 droht sogar für die nächsten Tage schon eine neue Einlchr^nlrmi im Dahnveekehr in der Richtung, daß wahrscheinlich die Fernzüge im Persvnenzugsverkehr ganz eingestellt werden. Die Beratungen mit den Ententekoiiinnssionen wurden gestern vor- und nachmittags .ftrtgesoHt. Es wurden hierbei die Grundlagen unserer Kshlenverforgung erörtert. Staatssekretär Zerdik und Hoftal Kloß hatten eine Statistik unseres Aohlenbedarfts und der minimalen Belieferungen vorgelegt und dabei unsere katastwphale KvhlensiLuatton geschildert. V . Der tschechische Gesandt« halte ebenftM eine Statistik im tschechischen Sinne vorgelegt und es wird sehen. Drei Hariptparteien kämpfen um die Vormacht: die erste tritt für die Bodenreform sin, die zweite, hinter b'Annunzio stehende, suchtdie militärische Macht Italiens auZzubaue» und möglichst v^el Land zu gewinnen, die dritte, hie sozialistische, will eine gründ-- liche Reform der industriellen Arbeitsbedingungen. Das Land Problem ist in vielen Teilen Italiens, wo sich der urbare Boden in de« Händen der Großgrundbesitzer befindet, das Wichtigste, und täglich laufen Meldungen über Bewegungen unter den Bauern ein, welche auf die Aufteilung des Grundbesitzes unter die Pächter abzielen. Die Militärpartei ihrerseits beantragt die ge-, waltsame Besetzung eines großen Teiles der dalmatinischen Küste und der adrialischen Inseln und die Gewinnung eines großen Einflußgebietes in Syrien und Kleinasien. Diese Gruppe nimmt an den inneren* Fragen keinerlei Anteil. Di« sozialistische Gruppe, welche nreist die Städte vertritt, hat sich auf ein fast b o ls ch ew i k is ch e S Programm geeinigt und'verlangt bk Verstaatlichung der Bergwerke, der Wasserkräfte, der Großindustrien und der Banken. Man envartet nun ein Zusammengehen der ersten —Pächter- Partei — mit her dritten, de» Sozialisten, gegen die zweite Gruppe. Dadurch käme das radikale Element in die Majorität. Man glaubt nicht, daß Tittoui oder Crespi, Orlando, Sonnino oder irgendeiner, dessen Namen an die Friedenskonferenz mahnt, wiedergewählt werden wird. _____ Kleine Nachrichten. Washington, 27. Oktober. lHnvaS.) Drr von G^mperS antzckündigte Kongreß der Trade Union wird am 18. D e* zemderm Washington stattfinden. London» 27. Oktober. Komiefse Astor hat ihre Kandidatur für daS Unterhaus awgefiellt als Nachfolgerin chres verstorbenen Garten, der Mitglied der konservativen Porter war. London, 27. Oktober. Munter.) Sechs Sinnfeiner, darunter die UntelbauSmitadeder Stock und B e r 2 l e y, sind aus dem Gefängnis m Manchester entflohen. Paris, 27. Oktober. «Funkipruch) AnS Marseille wird -^mckdei, daß der große japanische Dauiptec „Kobe Maru" aus der Rcrd« von Marfeille verbrannt ist. Nom, 27. Oktober. (ynnki'prvchck Der regelmäßige Sch. ffahrw reust pvische« dm italunüchm Hattn und Hamburg wurde aufaenommeu. Washington, 27. Oktober, llfnnksvmch) Der Znstand des Präsidenten b e s s e r t sich. Du letzte Nach» hat er gut verbrachtbaS Befinde» rst gut. Lnnobrnch, tz7. Oktober. Veam SchÜrung deS KlassenbatseS und K r i t l j 11 r n « e, der bestehend'« Ein'.ikbtmrge« wurde, d m ^Atl-eweinen Tirottr Anzeiger"-utolge, der Fahrer p?r Tr>entüter Loulürüen S r i v i e Fi » r verhauet. Nach längerem Berhör wurde « vorläufig w Frechett besetzt. sich nun darum handeln, welche der beide» Statistiken von der Eytenbe als Grundlage angenourrnsn wird. Die Enwntevertretvr legten das größte Jnteresstr für unsere Kohlenversorgung dar und erkurchigten sich angelogeutlich auch nach -er Höhe der einheimischen B r e n n h o l z a u f b r i n g u n g. Besonderes Jnteresfo erwerbe bei ihnen die traurige Lage unserer Schule» und Spitäler und sie äufferten den Wunsch, derr Betrieb dieser Anstalten unbedingt anfrechtzvevhalten. ES ist begründete Hoffnung vorhanden, daß diese Beratungen ein posttives, günstiges Resultat und zwar recht bald zeitigen werden, so daß mit Recht mit einer baldigen Hilft der Ententekommission zu rechnen ist. * , Der gekürzte Kstchenbrand g^hrdet. Die kritische Situation wird dort unterrichbetrp Seite mit folgenden Worten gekennzeichnet: ,Wir sirch an einem toten Punkt an gelangt, der es uns absolut nicht gestattet, weitere Sparmaßnahmen vorzunehmen, es sei denn, baß «ine vollständige .Sperre evfolgt. DaS Gas- und Elektrizitätswerk haben nur «vH für eine« bis eineinhalb Tage Kühlenvorrat. Zu einer Sperrung auch nur einzelner Teile vo n Spitälern dürfte es ni cht kommen, da die Spitals kohle als ein Erfordernis angesehen wird, von dem selbst Straßenbahn und andere Verkehrsmittel zurückireten müßten. Trotzdem der Küchenbrand schon gekürzt ist, wird eS immer ilarer, daß selbst die gekürzte Abgabe von 7oder10 Kilogramm nicht regelmäßig abgegeben werden kann. Die Veschlagwnhwe des SdohlsuzrrKes fc» §r ndenh«rg. Bei der gestrigen Beratung mit den Endentekotw» Missionen wurde nnr dem tschrchischen.Gesandten Doktor Flieder die N:rgeleg«nh-ett der Beschlagnahme uns er es Koh-lenzugeS in Lunbvnämg eingehend besprochen. , Der geftrhge Ekrlarrf. ApS O st tu u 1ÖS ^Wa-sgonS, *0 Serlchlekisn 855 Waggons, Gmünd 135 Waggons, Polen 3 Waggons, zusammen 599 Waggons. Eine ganz unzureichend« Menge. NÄLiSKalversammlun 7. In der cheütigen Sitzung' wird die Nätkonakbev» fammlung die Debatte über die wirtschaftliche unh finanzielle Lage zu ^nde führen. Auf der Tagesordnung steht ferner der Bericht des Ernähr ungSa us s ch u s se S über die Regierungsvorlage betreffend die Abwicklung des Verkehrs mit Getreide und Mahl» Produkten sowie der Ausschußbericht über die Regierungsvorlage beiressend die Aushebung der Steuerbegünstigung zur Herstellung von Heilmitteln. In dieser Woche soll dann nur noch eine Sitzung der Nationalversammlung, und zwar^am Mitttvoch, Pattfinden, worauf eine kleine Pause in den Beratungen eintriit. Freitag nimmt der Sozialdemokratische Parteitag. seinen Anfang, bereinige Tage dauern dürfte. Am 3. November wird daS Haus die Verhandlungen wieder aufnehmen, nachdem vorher der HauptauSschuß das weirere Arbeitsprogramm fest gestellt haben wird. An erster Stelle des Programms wird natürlich der Finanz plan stehen, an dessen technischer Ferttgstellung in den Staatsämtern g-earbeilet wird. DerhandkAttgen Aber ProdAkirt-nsrmd Arbeiterfragen mit Gewerkschaften und Unter» nehmer^ Staatskanzler Dr. Renner hat gestern mit Vertreters von Acvtllcrunr Angestelllenorganifakionen über EtNährungS" und Lot»,nagen vrrtiandckt.' Die mm Teil schon eingttrctenen» zum Teck chevo,stellenden Pleiserböhunflen der Lebensmuts uns Gevranchsakgenftünde machen e ne Neuregelung der, Lohnvnhälmiste dringend nonrnndig. Es wicd erwogen^ diese rv der Weise durchzusühren» daß eine periodische Anpassung der A-,be»tslöhne an die jeweiligen iiebensmik elvrem stchergeftellt ,v,rd. Gleichzeitig und noch glcickärtigev Glundsägen wir der den Arbeitern der Privalindustrie sollen auch die Be ,Kgr der Piwatangestellten sowie der Gesamtheit der Angestellten deS, Staates, der Länder und der Geiueinden neu geregelt werden. WritecS sollen auch über die allgeuic.nen Fragen deS Wiedeiau baues der Industrie, wie Beschaffnug von Nohstosfeu und Auötandskrediten, SachdrmodiUsirrung und L-antdierung, Authebung der VerkehrSbeschränkungen -w scheu den Länder« Bev> Handlungen gepflogen werden. Alle biete Gegenstände sollen »v e«Ner gemeinsame« BeratiMg der Vertreter der Unlernchmerverbündi »nd der Arbeiter- und Ängesielltcnoraanisatron unter Leitung deS StaaiSkunzleikS am 1. November d. Z. zur Verhandlung kommen Nach den Vertretern der Gcwerlschaiten empfing der Staatskanzler »en Pläfivenken Hamburger vom Hauptverband der Fuduürie Dcutschosterrrchs. um Mit chm die dilngendeu Fragen der Fnduitree zu be'piechen und ihm milzuteilen, daß dtt Ärbeckeroraau'satlonen aut eine organische Lösung der durch den ttniammeribruch der Währung heroorgeruirnrn ErnährungSschwierigteire« drängen. Der Staatökanizler teilte mit. daß er dre geplante Industrieenqnete auf Dunag den. 1. R >vemdcr einher uie« habe, um sowohl der Unternehmerschäkt als auch der Arbrüettchaft Gckkg,>nhert zur Besprechung von Veschwerdeu. z« geben und dreien -eü Maßnahmen zu beraten, die geeignet find, daS Land Über dr.e allgemeine Krise tilgwegznsührett. IrrlMd.