Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 278 (28.10.1919)
- Date
- 1919-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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GWp»t»»»«Prarr V«k« -ES- HeAer «in,: «» Lustivm-s ts» Han«: ZfUpnatHfy. . . ,Ä Ow-» tftarUlfaUirti . . » »r-.-. . . . * es.- ««»!ßSk»rks.r»v.- M»«aterch.. * s.- .Vr»rtvriA,v;s.. L-?.- O«»d1»h»r« . * * 8®^* '- #MtffSlr*<« . » . IOO.— Mt Me Mite« «Wfi* 5t MeOifdkcr «aöw Qbi}iitvnn9r«) mm %*9te S-W» BSBMBMMBMggt Nr. 278 Wien, Dienstag, den 28. Oktober ISIS NrL»r«rnkV«rLsn»» pxttft fite d«» Kr,«-!anv» AS»Nttt«ch . . .L LÜ^. M-vr»«Mrra..« m— D atlrfMv.ß« » m 00.— „ 180.— Uyr»qcktro« tu Admtrrkirra- : ««»: ,'- ' Me«, 33. eal»o*Jtt;cßa;»r. 1-3 A "Trlvptfo«--. Admintstru^ Om ^Mrs, saodiEs« ‘48010, ab S «v»nv» Av. «<rrwL NoKspirvkaNen-KMrts Nv.130.S0» 1. Jahrgang Ehemalige Erzherzoge und Erzherzoginnen verzichten auf ihre Zugehörigkeit zum Hanfe HabSburg. Die StaatKonespondenz meldet: Die vormaligen Erzherzoge Franz Salvator, HubertSalvator, Josef Ferdinand, Heinr ich F e rd i n a n d, ferner die vormaligen Erzherzoginnen Margarete, Agnes und G ermana, end- »ch die vormalige Großherzogin Alice von Toskana haben die im Gesetze vom 3. April L919 betreffend die Landesverweisung und die Uebernahme des Vermögens des Hauses Habsburg-Lochringen vorgesehene Erklärung abgegeben, auf die Mitgliedschaft zu d iesem H ause und auf alle aus ihr gefolgerten Herrschaftsan» spräche ausdrücklich zu verzichten und sich als getreue Staatsbürger der Republik zu bekennen. Die Staatsrcgierung hat im Einvernehmen mit dem ^Hcmptausschkß der Nationalversammlung diese Erklärungen als ausreichend gefunden. Daher erstreckt sich die gesetzliche Landesverweisung nicht auf 'die genannten vormaligen Erzherzoge und Erzherzoginnen. -,—r D'e Kampfe in NußSirnd.- PrtkiS, §7. OHboBet. (Del.-Domp.) Wir von bolfch e w i k i s ch e r Gerte gemeldet w ird, sind in den letzten Lagen mehrere Regimenter der OrenSurger Kosaken z;rr G»wietregierung üb er g e-g a n g i it. Urrch bei den Üraftruppen soll sich eine Bewegung zugunsten der Gowietregierung geltend machen. . Paris, 87. Oktober. (Funffpruch.) Ms Reval rvird gemeldet, daß der Angriff In de mit sch' auf St. Petersburg wieder eingesetzt hat.. Die Mckzugsbewegung der nordwestrussis-chen Arme« in den letzten Tagen war durch daS NbisarLen b«S MntresfenS schwerer Geschütze »rbingt. -- Sch«jv»ps^ I7.' Oktober. ^unkfpruch.)'.. EÄ 'den letzkeP Kämpfen nm WoMnrsch haben dir Trr.pp^nDenißmZ 83.600 Gefangene LemachL, SL Geschütze «nd einige Panzerzüxe erbeutet. ' MoSkan, 87. Okl»ber. Kunlspruch.) FrontberM 26. d. M.: Rörbkich v-rn KraSnöje Selo weitere Kämpfe, PawlowSk wurde von nnZ behauptet, wir machten zahlreiche Gefangene. ' - .Frontbericht vom 86.- d. M.: "46 Wrrst nordwestlich von Bvryftow über sch r iLte n die Rottruppen in breiter Front die Berösina. Vor Gt. Petersburg Kampfe. Die Noitruppen haben mehrere Ortschaften K3 Werst siidlich von Peterhof wkedererobert - mrd KraSnoje Selo im Sturm genommen. An alten anderen Fronten dauert die Vorrückung an. - . Nepal, 27. Oktober. (Agence HadaZ.) Unter dem 24. Oktober wird gemeldet, daß trotz des Eingreifens neuer bolschLwikischer Truppen der Vormarsch aus St. Petersburg, andauert. Auf dem rechten Flügel wurde Jenvra genomnren und.die Station Nikolai, §ö Meilen von St. Petersburg, erreicht. Auf demlinken Flügel Konnte bis zu der Station Liffinow vorgedrungen werden. Gegenangriffs 'wurdetl notdivestlich von ZarZkoje Selo aügewiefen. . Reval, 37. Oktober. (Agende Sava§.) Die Lage vor Riga ist unverändert. Did Stadt wird weiterhin mit Gasbomben beschossen. Die Verfolgung Wilhelms!!.' . Berlin, S7. Oktdber. DciS ^Drrl'mer Tagclatt'" mekdrt «mS Vafilr Aus 2»nd»n wad brrchlct, daß m Bemnw»rtnn« riner Anfrage tm Nntnhmrs wegen der Versolanng Wilknlms H. Vsnar 2 »a evffait liad-, nach dem Ausl am ch. der RatlsrkatlvnZstrkrmdrn drS FnedrnSvnlraM werde das AuSliefernnkSbearhrnr an H»8a«d grsteM werden.' Inzwischen schrnte man m den ttlksprechrnden Dorwhmngen für den Drvzest. Es feiwahrscheinlich, 'daß, saLs Holland, wre verlautet, die ArrSl^ürung verweigern Mte, die Adlirterlung in oontuora«»«, ersolgen werde.. PS sei tzweiWast, sd die «rgkrsche öffentliche Meinung sich damit zufrieden geben würde. __ ‘ NrnerlLcho- Ansuchen Am ArrKlieferUNI Bela KötSkL und Geudsteu. - B«d»pe.K, art. Okt«der. cllng. Tel Me die WM»r NtO»«,, M bie GtacUksnwÄtschau au B-'-ukchlAxreich M Aw«4«t nun B,l« f«M« wu> «». paffen «n«r Wir»«ü-«« «nier Reihe »«« ^süm«»Mrn «ejk«U^ Weiche die v»n dm etzemali-gen Bolkskoimuchare« detzanamen ge« Weinen Berdrech« bmsräcn ivlle«. * Die kKMpslustige Union. In den Wiener Sonntagsblättern finden wir folgendes Inserat: . »Die Oesterreichrfch-israelitische Anion ersucht uns um ^Aufnahme fotzender Ertlärung: Die Forderung nach Anerkennung einer jüdischen Ration tn der Republik Oesterreich war bisher leomlich Gegenstand" von Meinungsverschiedenheiten wnerhaw der ost-erreichischen Fudenschaft. Durch die Anträge des christlichsozialeir Abgeordneten Dr. Gimpl und des , jüdischnationalen Mgeordneren Stricker, bei der bevorstehenden Volkszählung, das Bekenntnis zur jüdischen Rationalität zuzulassen, ist diese Frage nunmehr auch, zur pärlarnentarischLn Diskussion gestellt worden. Die weilergehenden Absichten,, von welchen sich dw ' Christlichsozialen bei dieser Anterstützung der Mifchnätionalen Bestrebungen leiten lasten, gehen aus dem zweiten Anträge Gimpl, die Juden von oer Wehrmacht aus- Mschlirtzen, und aus dem -iw einer Versammlung formulierten Programme des Abgeordneten Ä u n sch ak, die Juden in einen nationalen ZwangSkataster zu verweisen und sie zu den öffentlichen Aemtern sowie zu den Schuten nur im Verhältnisse ihrer VollSzahl zuzulassen, hervor. Die Anerkennung: einer jüdischen Natron tn Oesterreich wäre hiernach nur die Voraussetzung für die Aufhebung der staatsgrundgesetzlichstatuierten Gleichberechtigung und der Beginn einer Ausnahmsgesetzgebung gegen die Juden. Dem gegenüber betonen wir in Aebereinstrtnrnung mit der überwiegenden Mehrheit sdcr österreichischen Staatsbürger jüdischen Glaubens neuerdings unseren in-der Preffe und in Versammlungen wiederholt kundgegebenen Standpunkt, daß das cnngende Band für die Judenheit nur die in . unterer Religion enthaltenen ethischen Grundsätze sind und daß eS jedem Juden freistehen muffe, sich zu jener Nationalität zu bekennen, der er sich durch Heimat, Sprache und Erziehung zugehörig fühlt. - Für die Konstituierung einer jüdischen Natron in der Republik Oesterreich fehlen oie unerläßlichen Grundlagen der sprachlichen Gemeinschaft und der geschloffenen territorialen Siedelung. Die Zustimmung und Förderrrng aber, welche die jüdischnationale. Bewegu'ig . von seiten der antrser^rtischen Partei findet, läßt uns deutlich ihre Gefahr für die öffentliche Rcchtestellung der Staatsbürger jüdischen Glaubens erkennen. An Stelle-der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung soll ein fragwürdiger K?i narr täten schuh treten. DaS wäre der erste Schritt einer Srndergrsetzgeburtg, deren Degrxnzung nicht in - unserem, sondern im Willen der Mehrheit läge. Wir . -werden-deshalballe Bestrebungen für diechAnerkennung - einer jiidisch^n^-Natron in Oesterreich — mögen sie:.von, «ttisemrtisäzLr qhwc jüdischnatidnaler. Seite oder gar uon Lewen zusammen «uSgehen — auch fernerhin mit allen zulässigen Mitteln Lekanipfen/ Mc« reibt sich die Augen: „$M, Oesterr t i ch i schr Js r a e litis ch e. Union ersitcht um Aufnähme folgender- Erklärung . . ."'Also die „Oesterreichische Israelitische %iion" le&t noch? Und tritt auf den Plan -7wozu? Um den Juden zu helfen? Nein, um eine Äustmhuw einer Erklärung zu versuchen. Seit den letzten Wahlen ist soviel Gewaltiges i:u jiid:scheu Leben vorgegangen, 'daß man. an die -Existenz der „Union", die sich zum " letzten male bei den Wahlen bemerkbar gemacht hatte/ beinahe vergeffsn Ha4. - Das jüdische Volk auf der ganzen Welt erwartet mit Sparmnng.die politischen Ereignisse, welche sein- LoZ für die nächste Zukmrst bestimmen werden; in Oester-' reich stehen die Juden'einer bisher hier nicht gewohnten antisemitischen' Agitation gegenüber, die -sich zur offenen Pogromhetze steigerte; die wirtschaftlichen Verhältnisse , der Juden werden immer schwieriger/ die unnatürliche wirtschaftliche Lage des Staates kompliziert die Un- Natürlichkeit der jüdischen Situation um ein Vielfaches; das jüdische Elend in Wien nimmt in schreckenerregender Weise zu. Eine ungeheure Arbeit wäre cm Körper und Seele des jüdischen Volkes in Oesterreich zu leisten, um eS wirtschaftlich, kulturell und politisch zu stärken. Erst v-r wenigen Wochen hat die FlüchtlingSaüsweisung, die zahlreiche Ir,denfamilien in ihrer Existenz auf das empfindlichste bedrohte und sie der Fahrt ins Ungewisse überantworten wollte, eine Pani? in den jüdischen Häusern hervorgenisen. Da galt eS zrr helfen. Wo war die „Union"? Wenn die „Union" sich ckls jüdische Organisation betrachtet, dann.müßte sie einsehen, daß sie alle ihre Pflichten in der gröblichsten Weise vernachlässigt hat. Aber hie „Union" weiß nichts von Pflichten, tveil sie Überhaupt keinen Zusammenhang mit dein wirklichen jüdischen Leben hat. Die ist ein Nudiment Ms einer längst versunkenen Epoche, das heute keinerlei Daseinsber-echtigung mehr hat. Die'„Oesterreichische Israelitische. Union" konnte die Fiktion, eine Vertretung der Inden zu sein, in einer Zeit aufrecht erhalten, da daS jüdische Volk politisch nicht mündig und nickst reif war. Ein paat Ni-tvbr-ln haben sich in Wien zusammengesetzt und sich m Nolls jÄdisilM Führer ohne Geführte gefallen. hfckm niemals irgend olwaS Positives getan, ihre wichtigste Netiltig'.mg war da§ Protestierst^. Wenn irgendwo ein Bezirk-'-tzauPimann oder ein Proviuzblatt sich mt antijenlitische Landlnug ztischulden kommen ließ, wurden vom rührigen Sekretariat Eingaben cm Ministerien geumcht und diese Eingaben samt der erfolgenden Antwort in der Monatsschrift des VereiueK abgedruckt und an sämtliche Mitglieder verschickt. Von. dem Ruhm ihres Auftretens in der Hilsner-Affäre Hab die „Union" jahrzehntelang gezehrt. Diese Verdienstes woften wrr nicht verkleinern. - Aber man?. braucht kein; großer Politiker zu sein, um einZusehen, daß solche'-. Abwehrmaßnahmen keinen Anspruch auf politisches Führertum verleihen. In der Politik. aber hat. i)fe „Union" nicht' nur völlig versagt, sondern: mit -ihrer.; Kurzsichtigkeit, KleiMchkeit, .mit ihrem--völligen-Unver-. stünönis für. .die wahre Natur und den Unrfang öeE jüdischen - Problems beträchtlichen-, Schaden angerichteU . Die „Oesterreichische" Union, deren Mitglieder auchin Böhmen und GEizien saßen,-hat m Wien fkrupelloI Deutschliberale - Politikgemacht. Sie - hat dadurch öter Juden, die in nichtdeutscher Umgebung 'leben, auf daN schwerste kompromittiert. Die groteske Absurdität dieses Standpunktes - zeigte ' sich nach dem Verfall des. Reiches^, als-die „Union", während für dasselbe Jahr die Mitglieder aus Böhmen wahrscheinlich noch-den Mitgliedsbeitrag gezahlt haben (denn eine andere Leistung iskniemals von einem Mitglied der „Union" verlangt worden), die Erklärung veröffentlichte, daß ihre Mit-, glieder sich zum Deutschtum bekennen. DaS Motkb ihreK öffentlichen Auftretens ist immer nur die schlotternde Angst, es könnte, Gott belMe, jemand an ihrer Loyalität irre werhen. Die Politik der „Union" war immer nrrv vom Geist des Ghetto bestimmt. Die ruhige Selbst» sicherheit des freien Mannes, der für seine-Taten, sem' Leben und seine Gesinnung ehrlich einsteht und es daher verschmäht, sich durch ewige Beteuerungen seiner Treue zu demütigenist den Herren von der „Union" so döllrA' fremd/daß sie sie überhaupt nicht begreifen. -- .Das Schmählichste ist aber das völlig, verlogene Verhältnis dieser Menschen Mm -Judentum. Sie geben ,ftn der Presse und in Versammlungen (unter Lev. Sammlungensind^ckDohl -L^gvheirnrn- Konventikel gemeint) wiederholt den Standpunkt kund", i»ä% „dtzM einigende Band für die Judenheit nur die in unser«; Religion enthaltenen ethischen Grundsätze find." Manche mal bat nian schlechthin gesagt, das einigende Band ssr „die Neligion"; doch diese Lüge ließ sich zu Leicht entlarven, da die assimilierten Kreise der „Union" von den Gesetzen der Religion weder tewas wissen wollten, noch darnach lebten. Jetzt spricht man von „ethischen Grrmdsätzen". Dieser Schwindel ist nicht minder durchsichtig; man möge einmal sagen, welche ethischen Grrmdsätze Lak sind, welche ^-die Juden ' von der „Union" einigen. Zweifellos sind in den Dokumenten der jüdischen Religion ethische Vorschriften enthalten, die heute Allgemeingut' der-Menschheit geworden sind; Mgemeingrü nämlich m dem Sinne, daß' die Menschen zwar davon reden und sie. in Erklärungen und Artikeln beschwören, wenn es sich gerade gut ausnimmt, .daß sie aber in Wirklichkeit ebensowenig darnach leben wie die Zerren von der „Union"^ Im Namen der ethischen Grundsätze der jüdischen Religion muß sich dasjüdische Volk dagegen verwahren,, daß nnan diese Grundsätze dazu mißbraucht, um die Existenz deSjüdischen Volkes mit Manifesten zu unter- Auf eine Diskussion der <^ache selbst brauchen wie; j uns um so weniger eiinzulassen, stls in diesem Blatt«! wiederholt der Sinn der Forderung nach Anerkennmi» } der.jüdischen Natiosi klargelegt ^würde. Daß es sich' hei der Protesterklärung der „Union" um eine beabsichtigte Entstellung der Tatsachen und rrm einen i Kampf mit uyzulässigen MitLeln handelt, 1 geht schon daraus hervor, daß die Erklärung völlig die? Tatsache verschweigt, daß Abgeordneter Stricker mrS» ' drücklich das freie BekennünS verlangt hat. Die „Uniondie ihre Politik mit Narliebe-„liberal" nennt, bezweckt -also die beispiellose Intoleranz, solchen Juden, die e$ . wollen, daS Bekenntnis zur jüdischen Nationalität tti*> möglich zu machen. Sie ignoriert den Umstand, daß eins! - große Anzahl von Juden das Bedürfnis hat. ihre Zui gehörigkeit zum jüdischen Volke, mit' dessen Vertreters ' die Großnrächte verhandeln, obzwar die „Union" erklär^; daß es kein jüdisches Volk gibt, zu bekennen. Sie wiLauch Heute noch dem jüdischen Problem mit Vereins»! meierei beikommen. Die Jndenfrage ist hsiü'e in ihrem Sanzvrr riescnhafteir Umfang aufgerollt; die VrrichtmrK eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina, dieTsitimst der bsvsrstLhendon großen Wanderbewsgung, die Konsolidierung der jüdischen Gruppen in den einzelne« Ländern als Teile eines zu neuer Blüte empo- [t reoctibcut! kulturellen Ganzen: das sind Aufgaben, di.' nur mit