Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 272 (22.10.1919)
- Date
- 1919-10-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979349--02434-2987947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9tr.272' ^Men» Mttwoch. Wiener MorKeRzriL««- 22. Oktober IdK Seite '«. -- - —^ - . . iiiMire— . III i i i ■■■-**■»• >—* ** - ‘ Politische ^RuRdschau. Die jugoslawische Krise. , 'Dir schwere politische Krise in Belgrad ift ttatlj wochenlangen Verhandlungen, die der Prinz-Regent Alexander mit den Parlellührern selbst geführt hat. ungelöst geblieben. Der Prinz-Regent war gezwungen, Frrrtag abends die Besprechungen endgültig abzubrechen. Es blieb mch'S anderes übrig, als das im Stadium der Demission befindliche Kabinett Davids v i c, das nur aus Mitgliedern der demokratischen Partei besteht, im Amte zu belassen, da der Kronprinz von allen Parteiführern, darunter von Nikola P a s i c. P r o t i c, K o r o s e c, sowie insbesondere vwn den Kroaten Absagen erhalten hatte. Das Serbische Prefsebureau bat in einer, hinterher zwar widerrufenen Darstellung das politische Programm des Thronfolgers dahm entwickelt, daß dieser entschlossen sei, eine Kocrlitionsregrrrungzu bilden. Dieser Plan ist vostkommeir mißglückt. Der Kampf zwischen den Zentralistea und ftööeroltftcn hat tzerarl,ge Heiligkeit angenommen, daß die Idee des Prmz-Reaenren, alle Parteien in, einem Kabinett zu vereinigen, ohne aber die nötigen Konzesstouen zu machen, von vornherein zum Scheitern bestimmt war. Die mnere Lage rm Staate S. H. S. hat sich durch das Mißlingen der Koalrtionsbilvmrg verschärft. D i e U n a bh 8 n g rgk e i t sb e st r e b u n g en in Kroatien und Slawonien sind eher rm An wachsen, die Bauernschaft erhebt sich gegen das sogenannte Belgrader System. Es wird unter diesen Umständen dem Prrnz-Regcnren Nichts übrig bleiben, als. das Parlament auszulösen, da ein gedeihliches Arbeiten der Parteien unter Davidovic ausgeschlossen ist. Dir Stimmen der kroatischen Bläiter spiegeln bei allen Einschränkungen durch die Zensur den Ernst der Lage wider. Das republikanische Bulgarien. Das neue bulgarische Kabinett besteht aus vier Mitgliedern der Bauernpartei, drei Sozialdemokraten und einem Progiesfisten. Kabmensches ist Stambulmskr, der Führer der radikalen Bauernpartei. Eine der ersten Aktionen der Regierenden Partei war ein Beschluß ihres VollrugsausschusteS, beim Zrrammentntt der neuen Svbravje den Antrag zu unterbreiten, ten srüheren Zaren Ferdinand und, die gewesenen Ministerpräsidenten Radoslawow und M a l i n v w in den A n k l a g e - i u ft ci n b zu versetzen. Die bulaarrsche Negierung soll die Auslieferung des Er-Zaren Ferdinand von Deutschl a n d fordern. Ferner wird dre Partei den Antrag stellen, d i < Güter des srüheren Zaren zu beschlagnahmen. - Die kürzlich vollzogenen Sobranjr-Dahlen haben der Baueriipartei und den Soüald'mokraten einen erwcheidrndev Steg gebracht: von den 222 Mandaten fielen dem Bauernbund 8';. den Sonaldemokralen 85 zu. Die Bauernpartei rst cnlsgrsp,ochen republikanisch. Stambrrlmski war und ist ein «btlteitcr Feind Ferdinands und aus sein Betreiben äst wohl der oben mitgeteilte Beschluß des Vollzugsausschusses seiner Partei zrnücknrführen. Die Sozialdemokraten erstreben die Bildung eines republikanischen Balkanbunr-eS, der allerdings solange undurchführbar ist, als Jugoslawien und Rumänien die morrarchistrsche Staatsform beibchalten. . _ Hilfe für Wien. Intervention der Ententemissionen in Parks» Der Leitern der Wiener amerikani'chen Mission, Halstead, der ebenso wie der französische Gesandte Älliz6 nach Paris gereist ist. um den Obersten Rat zu einer Hilfeleistung für Wien zu veranlassen, hat einen ausführlichen Br r i ch t über die Situation' der Stadt mitgenommen. Darin wird namentlich die trostlose Kohlen läge geschildert und auf deren, mögliche Konsequenzen verwiesen. Der Bericht hebt herpor,' daß Deutsch Österreich in erster Reihe produktiv gemacht werden rnu-ß und daß durch Drosselungen nichts erreicht werden könnte, solange alle Kräfte brachliegen. Ferner behandelt der Bericht die Ernähr ungsla ge und die Wohnungsnot. Es ist zu hoffen, daß durch dieses Einschreiten der Wiener Ententemissionen das Interesse der Entente für Deutschösterreich wachgerusen werden wird. . Es handelt sich vor allem darum, ob Deutschösterreich eine Finanzhilfe gewährt werden kann, damit wenigstens die Lebensmittel und Kohlen bezahlt werden können. Mau nimmt <rn, daß dies jetzt möglich sein werde und sieht deshalb der Hilfe der Entente mit Erwartung entgegen. * Die Ankunft der Expertenkommission der Revarationskommission bü fte n or en abends mit dem Enlentezug erfolgen. Colonel Smith, der zwar kein Mitglied der Kommission ist, aber gegenwärtig in Angelegenheiten der Kommission in Prag weilt, und der amerikanische Sekretär Bäte sind schon früher hierhergekommen, ^um die Vorarbeiten zu leiten. Heute werden die Italiener Bertolt int, der Amerikaner William Good und der Franzose Maucler in Wien ankommen. Andraffy über die Iudenfrage. 'Budapest, 21. Oktober. Graf Julius Andrassy erklärte gegenüber einfm Berichterstatter des „Az lljsak", daß er sich an dcr gfgerrwärtiAn EntwirrrmgSaktrön nicht beteiligen tonne und sicki eher den Aufgaben der Zuknnst widmen wolle, de lür die Ausgaben der Gegenwart übe, genug Urilelnebmer sich finden. Urber die I u d e n s r a g e erkürte Andrasfy, diese müsse zweifellos gelöst werden, aber rrrchtmrtBtut und Ersen, sondern mit Geduld, Klugheit und konsequenter klrbeu. Die eingewurzelte alte magyariicheJudensch aft müßte den R einigungSprozeß beginnen und diese Aktion leiten, denn cs gebe hier einen neu fingt» s r e d e l t e n T e i l der I u d e n s ch a f t, die neuen Ungarn, b,e in ihrer Presse selbst ihm hinsichtlich deS Chauvinismus eine öekli'on erteilen wollten. Dieses Element war es. welche-glaubte, daß die Zeit deS Siegeder Internationale gekommen sei, und hat jich dieser, ioforrt angeschlossm. (Man steht, auch der alte Andrasfy stößt wacker inbewerte Horn. Er rät der emgeWurzeUen magyarischen Judenschaft. den . ^Nemigungsprozeßselbst zu leiten. Ob wohl die ungarischen Juden schon klug genug sind heute ju verstehen, worum es bei der Judenfrage in Wirklichkeit geht oder ov sie wieder darauf hereinfallen werden?) Wilforrs RoRe im Krieg. Bermstorfi vor dem Aeichstag. Berlin, 21. Üftobrc. In entern Sitzuriyssaale des ReichstagSflebäudeS rrat heute um lUll Uhr vormittags der U nie r* a u s s ch u ß des Parlament-, der vom Urntrsuchungsarisscliuß, her sich mit den Friedcnsmögl'ckikeitkn bckcküitigt hatte, geb ldct worden war, zu seiner eilten S tzrmg zusammen. Bor 10 Uhr vormittags waren der srühcre Reichskanzler B e t h m a nutz o l l w e g, der Minister a. D. H e l 1 e r r ch und Botschafter a. D. Graf B t v n ft o c f f erschienen. Auch Zahlreiche Abgeordnete aller Parteien batten sich e ngcfiniden. D^m Publikum stirnden 76 Plätze zur Verfügung Für die Prelle waren ungckähr 25 Plätze vorgesehen. Reben .dcntichen Zeitungen waren auch zahlreiche ausländische Blätter vertreten. Der Vorsitzende eröllnete die Sitzung mit einigm einleitenden Worten über die Angaben deS Ausschusses, der sämtliche Möglichkeiten, die zu Fnedensbesvleclurrigeri mit dem Feinde hatten führen können, aufzuklären habe. In erster Reihe habe der Ausschuß die B e r m i t t l n n g s a k t r o n Wilsons auizullären. Zum Schlüsse richtete der Vorsitzende an die Piclle dre Bitte, in ihrem Urteil eine gewisse Zurückbalnrng ausuben zu wollen, bis die Bewcisaumahme bei jcbent Bcweispunlt völlig erschövll sei. - Rach Vereidigung der Sachverständigen durch den Vorsitzenden erst.ttttte Abgeordneter Sincheuncr sein Referat zur Äilsorischen Friedensaktion. Nach der Bcreidiaung , der Sachverständigen erstattete Abfleordne'er Dr. Sinzhermer das Neserät. Er fölnte aus: Am 16. Oktober 1916 batte He r von B-ulirnann-Hollweg r.m Harrptqucr'trer zu Ptcsr mit dem Grasen Bur>an eme Un-errcdung. um b;e für das Friedensangchot zu finden. Gas B u r r <1 n w>kS daraus bin, daß auf eme m r 1 r t ä t 11 d) t Entscheidung des Krieges nickt mehr zu r echncn fct. Man miille die Fri-'-ensverhandlmigen herbeifübren. Damit war Herr v. D^bmanr-Hollwrg einverstanden, zumal er sich schon truher mit diesem Gedanken getragen habe. Diese Vorberatungen nabmen ,m Laute der Zeit konkretere Gestalt an und iübrtcn schlreßlich, zu dem Friedensangebot. An'angs Terember wirh dem Brafen Brrnstorfi M'lgeteilr, eine solche Fiiedmsaktion l siebe!>evor, er möge dar ans dringen, daß Wilson möglichst bald die Fncdensakuon übernehme. H'eeauf kam ein Briel vom Oralen Bcrnstorff, daß em Schritt WüsonS in dieser Hinsicht spchestens pr Nenjobr in Aussicht stehe. Es wird dre Frage rn Betracht kommen, ob und warum eS gerechifcrligt war. trotz der von unS annercgten Fricdeusakt'on nnd trotz der Mnteilnngen deS Grafen Bernstorfi am 12. Dezember die FuedcnSakrion durch uns erfolgeir zu lasten. Dies wrrd e ne der Hauptfragen se n, mit denen wir uns, zu beschä-t'rgen haben, in welchen Verhältnis diele Friedensaktion vom 12. Dezember mit der »on uns angei raten und mich von Wilson in Aussicht g stellren Friedensaktion steht Das wesentliche an dem Vermiltlungsangebot W>l:»nS war dir Bitte, konkrete FriedcnSbrdingnnaen m'tmteil-n. Dre Antwort des Staatssekretärs Zmrmermann enthielt indes keinerlei Andeutung darüber. Glctchik g teilte eine neutrale Macht m-t. daß em Friedensappell WilwrrS in Aussicht stehe, der mifin-st ernst zu nebmen sei. Dieser angebliche Schrill der neutralen Macht war bereits am 18. Dezember »n Berl n bek mnt. Am 26. Dezember erwkgte die Antwort 8 r m m e r m a n n s, die dahin ging, daß er auf d-e Forderung. konkrete Frredensbedrngungen zumachrn, nicht^eingehe. . Es wird hier namentl cki scstmstellen sein, welche konkreten Friedensbed'ngungen unseren Friedensabsichten vom 12. Dezember zugruiidegcl'gkn sind- G'ai Bern stör st machte wiederholt energische Veisuche, wen gstms veitrariUch von der Reichsregierung dre Frredrnsbedingrmgkn firr Washington zu erhalten Staatssekretär Zimmcrniann bat am 7. Jänner die Frage der vertraulichen Mitteilung dcr FuedenSbedingungen d latorisch zu bebniidekn. Daraus wurde am 9. Jänner der rücksichtslose U-Bootkrieg beschloilen. Am '16. Jänner tilegravhierte Bernstorst. daß Oberst Honst im ausdiückllchen Aubrag Wilsons unS von nnrem FriedeuSocrl>andlnngen angeboten habe. Er wolle sich Nicht m tcuttorialc Fragen entmischen, wolle uri'er allm llmständen den K''rcg vermeiden und wün'che eine baldige Beendigung de-Krieges ohne Sieger und Besiegte. Alle Voibkreittingen zur FuedenS' aklion seien getrosten. Darauf tand eine Nene Bethmann- H o l l w e g § nach dem Hauptgllartrer statt. Das Ergebnis war. daß Bcthmann-Hollwcg an Beinstorst trlcgraph erte, eS sei. zu spät. Wili'on bätke siüber Mit emer solchen Atkion kommeii sollen. Eme Rücknahme des ll Boot-Krieges sei nM mehr möglich, weil es technisch undurchfülirbar fei, die V-Boore, dre bereits in See seien. zurÜckMinfen. De deutsche Regierung sei aber bereit, ihm vertraulich die FriedenSbedi ngunaenmtzuteilm. Sie werden dann am> 28. Jänner dem Grafen Bernstorst mitgetfilr. der sie zur Kenntnis W-lsons bringen soll. Es heißt nun nrcht im Schrecken des RkichStanzlerS, die FnedenSbebrngungen, die er mr'te.le. feien dre Bedingungen, unter denen er bereit sei, Frieden zu schließen, sondern es Hecht. eS seien chie Bedingungen, unter denen Deut'chland bereits gesonnen gewesen wäre, am 12. Dezember Frieden zu schließen.. A»n 31. Jänner 1917 erfvlgte dre Uebergibe über den rücksichtslosen V-Boorkrieg und der Abbruch der Beziehungen ni't Amerika. Wilson scheute sich offenbar, in den Krieg einzutretsn. Daraus deutet die Daiiache hin. daß er die gleiche Erklärung des österreichrschen Bolschafier« in Amerika verheiml'chre, um den Weg zu Oesterreich vff'N zu halten. Ueber dre Schweiz ist dann gemeldet worden, Wilivn suche wfüer den Frieden zu vermitkeln und verlange nur^ eine Erklärung, d«ß Deutschland dre Au- Wendung des rücksichtslosen U-Bootkrreses skr Umerika nicht ins Auge fasse oder wieder zurückziehe. Darauf wrrd erw dert, daß die Durchlührung des U-DoolkriegeS eine allgemeine Änivendung verlange. Rach dem Referate SinzheimrrS wird in die Vernehmung des Grafen Bernftorff eingetreten» ^er erklärt, Wilson habe Anfangs August sofort nach A u S- ELn Strafantrag Wilhelms lh gegen den Schauspieler Bonn. Berlin, 81. Oktober. (Korr.-Vrir.) Im Aufträge deS ehemaligen Kaisers hat, wie das „Berliner Tageblatt" vernimmt, Rechtsanwalt Dr. Siebert bei der Staatsanwaltschaft in Berlin einen Strafantrag gegcht den Schauspieler Ferdinand Bonn wegen des von ihm verfaßten Kaiserfilms gestellt. Wilhelm II. klagt wegen Beleidigung und wegen Mißbrauches feines Blldes und verlangt Verhinderung aller Ausführungen. Die R2chtSverteii^i-«rrg der Liirkei. Paris, 21. Oktober. (Funkspruch.) Aus Konstantinopel wJrd gemeldet, daß laut Ministerratsbeschluß eine Kommission unter Vorsitz Tewfik Paschaeingesetzt wurde, welche die Einzelheiten der NechtSverungder Türkei vor der BxiebettSfonfewiti brüch deS Krieges eine erste F r i e d e n s v e r m r H» lung versucht. Im Sevkember habe er den, zweiten Versuch machen lassen, der daran scheiterte, daß die Entente gar nicht geant^ woitel Hot. Als dos zweite Friedei,snngebot kcherterle, hielt er es f!d> norwcndig, sich mehrzn'ückzuhalt'-rr Er sandteirotzdcm Oberst tzoust im Winter 1914/15 nach Paris,^ London rmv Berlin, wo er im M8m weilte. Er sollte dre Fricdensvermiltlung Wilsons vorbereiten. Al« er von Berlin zmückkam. sagte er, der Augenblick wäre noch nicht gekommen. Als ich nach der „L u s i t a n r a"-Angelegenhei» eme Äublern bei Wilson bekam, sagte er, wir solllen durch n> Rachgeben im E-Bvotkrieg emen Appell an die Moral richte^ da nur durch eine Vei ständiaung und nicht mehr durch dre Wasten der Krieg endgültig enlsch'kden werden konnte. Würden wir de» il-Booikricg aufgebcn, würde er auf die A u f h e b m f her englischen Aushungerung dringe* Das enczlstche Krbmett werde darauf cingeheu, und er hoff^ daß danyt em Ansana gemacht sei, der eine Frieden saklro» ermögliche. Das war am 2. Janncr 1915. Es wurde Nns->rcrseits nachgegben. indem zugrstandm wurde, daß Passagierich'.ffe nicht ohne varberige Wahrnuna torpediert werden sollten, D>e Verhandlungen über die..Lusitania" brachten uns zum dritte« Male an den Rand des Krieacs, weil wir anerkennen sollten, daß dle,Versenkung, illegal geschehen iväre.Dleies Wort wurde von »ns , unbedingt abgelchrt. Schließlich gab Wilion nach. Bald darauf wurde die^Suskex" torpediert. IM kam eine endgültige Einigung zustande. Der U-Boorkrieg sollte nach den Grundkatzert der Kreuzerkrieges ge'ührt werden. Im Jänner 1916 war Oberst House zum zweiten Male in Be'lrn. Als er znrückkam. erklär« er mir, daß der Haup'widerstand ^egen den Frieden vorläufig noch in P a r i s zu finden wäre, daß er in England eine gewisse Bereitwrlligke t gefunden hätte und auch rn Berlin habe^ man ihm gesagt, wrr würden zu ge> ergneter Zeit bereit sein, auf eme amerikanische Friedens« Vermittlung emzugeben. Wilson bitte nicht mehr die Macht. England zu zwmgen. d-'N völkerrechtlichen Norm«'« zu gehorchen, weil Amerikas Hansel ko sehr mit dem der Entente verbunden wäre, daß es W lion unmöglich geworden sei, diese Handelsbeziehungen stören zu lassen, ohne emen ungeheuren Sturm m Amerika hervor» zuru'cn. Im Gegensatz dazu hatte er die Absicht, einen Friede» ohne Sieger hcrberzuführen, und dies zu tun, sobald die Gelegenheit dam käme. . . - Sodann wurden die Instruktionen verlesen, dre dem Botschafter am 18, August mitgeteilt wurden, wonach dre deutsch« Regierung sich bereit erklärt, in Verhandlungen emzugehen, aber sich nicht auf irgendwelche konkrete Friedens» keSingnnge» j v''rpfl'chteii könne. Graf Dcrusioiff erklärte hierzu: Nach den Jnsirnkc onen. deren Inhalt ich Oberst House mirgeteilt halte, sagte mir dieser, daß eine Vcrmlttlnng Wilions jetzt unmöglich wäre, weil infolge des Emtriites ^Rumäniens in den Krieg die Entente völlig siegesbewußt geworden wäre^ und Wilson dahev abweiscu würde. Wichtig scheint mir rn diesem Zusammenbaus das Memorandum zu sein, das vom Kaiser selbst geschrieben g war und Gerard nach Amerika nntgegeben werden sollte, als er auf Urlaub dorthin fuhr. Darin wurde mit geteilt/ daß dü deutsche ,Reg erimg es für nöt>a sindeu würde, die beabsichtigt, Attron des Präsidenten zn beschleunigen, damit sie nicht so spa^ >m F chre stattsinde. . Ge.ard nvar aber bererts abgereist» deshalb wurde es mir nach Washington telegraphiert. Bst den Unterredungen, dre hieraus folgten, wurde Immer wieder be* tont, daß vor der Wahl des Präsiden len W'.l' vn ern^Fnede um? möalich wäre. Ick habe sväier erfahren, daß Wilson die FriedenKnoie, die er am 18. Dezember ausgeiandt, schon Mitte November! autges-.'tzt, aber in seinem Schreibtisch gehalten hatte, well damals in Amerika wieder wegen drr^belgischen Depov« tationen eine antideutsche Welle durchs Land ging, Nach den ergänrenden Ausführungen des Vorsitzenden des Unter aus ich usscs und des Referenten Sinchermer zu den Miß« teilungm Bernstorffs erklärte dieser, auf eine Frage des Abgeordnelen Kaptstem, däs deutsche Friedensangebot vom 12. Dezember sei von der amerikanischen Regierung als eine Gefährdung ihrer Friedensakt vn aukgetaM worden, weil es als Schwäche Deu schlands ausgclegt wurde. Das habe Oberst House ihm im Aufträge W>li'onS gesagt. Äuf dre Vorhaliung des Abgeordneten Sinzhermer, Berrp störst habe sich doch dahin ausgesprochen, daß unser Angebot nicht ernst genommen worden sei, weil es ohne konkrete Frieden-- bedingungen eriolgt ser, nur zu dem Zwecke, den unbeschränkte« U-Bomkrieg führen zu können, erw ederle Bernstorst: D^eS,bezog sich nur ans die östentl che Meinung rn Anrerika. nrckt auf die Ansicht der Regierung. Die östentlicke Memung war, bevor, dre deutsche» Meldungen kamen, schon längst durch die Telegramrüe aus Londo» sehr stark beeinflnßt. Es war nicht möglich, unsere Nachrichte» dann noch rn die Preste zu bringen. - Zum Schlüße führte Abgeordneter Smzheimer aus: - Wi, sind der der heutigen Vernehmung brs zum 12. Dezember gekommen. Ich stelle somrt als Ergebn>s brr heutigen Sitzung fest: Laben Sre die Jnstraktron in d^-m Sinne aufgesaßt, daß si, den Präsidenten Wil'vn oder den Obersten House ermunter» oder beeinflußen stzlllen, eme Friedensaktion zu unseren Gunsten zu unternehmen? Graf B e r n st o r f i: Ja! (Bewkgunz.I Ab,e»rd«eter S r n z h e i m t x: War Wilson bereit, diese» Wünsch'« Rechnung zu tragen? Graf B e r » st o r f i: Ja! Abgeordneter S i n z h ctmtr: War innerhalb dieses Rahmens, der Ihnen gesteckt war. Wrlion bereit, aus eme FriedenAkonfcrenz mrt miernauonaler Grundlage emzugehen, auch ohne konkrrte Frledensvorschlnge nnserersens? Graf Bernftorff: Ja! ^Bewegung.) Die Vernehmung wurde sodann auf Mittwoch vertagt. zusummenstellen wird. Die. interalliierte Kommission für die Untersuchung der Smyrnaer Ereignisse hat ihre Arbeiten beendet und wird ihren Bericht im Laufe, dieser Woche der Friedenskonferenz einsenden. Ge«eralstreik in Polen. ' Berlin, 21. Oktober. (K.-B.) Die „B. Z. am Mittag" meldet aus Breslau: Aus Warscha« kommende Berichte melden den Ausbruch des Generalstreiks. Oppelner Meldungen besagen, daß in der Sitzung des E)'ekutivansschusseZ der polnische» Sozi allsten Partei beschlossen wurde, bizur endgültigen Bewilligung aller Forderungen den Gtznerakstreik zu prbklamieren. Führer der -polnischen $+• zialrstenpartei erklärten, daß - der - landwirtschaftlicht Streik den Anfang einer allgemeinen Osfensrve des. OrgrnisiLrteit polnischen Prosetariats bedeute.