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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-21 · Heft 271 (21.10.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 271 (21.10.1919)
Date
1919-10-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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iaanitMHa'f»i«iftii rnmt. «Vi.n »i Men, DkenÄny 21. Oktober 191V Nr. 271 Bersammlttngsverbot in Budapest. Tagesbericht. . Sette 4 - Telegramme. Sitte Drohung gegen Wttson. ' DvSfailles, SV. Oktober. tAorr.-Dur.) Der SbrlderbsMtcrstatter deS ^Trho dr Paris* in Washington meldet: Senator Fall bat anläßlich de- Entschlusses Wilson-. Truppen nach Ob:rsck>lrsiru zu entsenden, erklärt, eine derartige Maßnahme könne cs dahin bringen, daß der Präsident m den »nllagezusiand versetzte wcrd. ' Senator Walch hat im Senat eine Entschließuna eingebracht, die inländische Frage bei der ersten Taaung des Völkerbundrates oder bei der ersten Vollsitzung de- Völkerbündezur Sprache zu bringen. Feldmarschall Alleriby ObsrKommisiLr für Aegypten. London, 20. Oktober. (Funsspr. des Korr.-BurO Feldmarschall l l e n b h ist an Stelle des Generals Sir Reginald W i n g a t e zum Ober kommrssar für Aegypten und den Sudan ernannt worden. Aederall siegt die Demokratie. Versailles, 20. Oktober. Durchs ein Dekret des Präsidenten sind gcstnn nachts Kammer und Senat geichlosien worden. In seiner Schlnstanspräche sagte Präsident Deschanel: In Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Türkei sei es mit der UnterrrüäunciZmacht und mit dem System dcS Stillschweigens zu ■ Ende, welche die Völker an den Abgründ gebracht hatten. Ueberall siege dre Demokratie und die Völker vigonlsieren sich im S>rme der Grundsätze einer internationalen Gerechtigkeit. Mehr als je erscheine der Desvotismus als die g^fähr liebste Regienrngsform. In der neuen Welt, die awsteige, müsse das französische Volk alö Losung proklamieren: Alles für das Vaterland, für die Freiheit und für die Gerechtigkeit. Vertagung der internationalen Arbeits- Konferenz. Berlin, Sy. Oktober. Die »Deutsche Allgemeine Zeitung^ wßict ans Basel, daß die Washingtoner Regierung beschlossen habe, b:e auf den 29. Oktober festgesetzte internationale Arbeüs-- konfercn.; auf kurze Zeit zu vertagen, weil keine bevollmächtiglen Vertreter dcs Völkerbundes diS zu diesem Zritpunkl ernannt werden können. Arrato! France Kandidiert nicht. Paris, 20. Oktober. Anatol France richtete ott die 16. Sektion der sozialdemokratischen Partei, die ihn als Kandidaten für die Kammerrvahlen hatte aufsteilen wollen, ein längeres Schreiben, in dem er sich voll und ganz zu dem sozialistischen Programm bekennt, aber gleichwohl bittet, von seiner Kandidierung .abzusehen. Nicht als Kandidat, sondern als einfacher Wähler wolle er seine Pflicht tun. Budapest, 20. Oktober. (Privat.) General M o s d i tt> der Kommandant der rumänischst Besatzung, hat ein allgemeines Verlammlunasverboi ertasten. Zugleich wurde dem Publikum die Verordnung in Erinnerung gebracht, wonach mehr als drei Personen nicht auf der Straße beisammen stehen dürfen. Die Kohlenkrise in Prag. Prag, 20. Oktober. (Tschecho-slow. Preßbm.) In einer vom Bürgermeister Dr. B a x a einberusmen Versammlung aller Vertreter der zu Groß-Pray gehörigen Gemeinden wurde gegen die mangelhafte Versorgung Groß - Prags mit Kohle und Pe 1 rolleum protestiert. Es wurde festgestellt, daß 470.000 Tonnen Braunkohle, über 200.000 Tonnen Steinkohle und 34.000 Tonnen Koks nach dem Auslande ausgeführt wurden, feit der Zeit, als die Kohlenquote von 30 auf 25 Kilogramm pro Woche herabgesetzt worden war und nur 12 Liter Petroleum pro Haushalt für 12 Monate abgegeben werden. Die Versammlung faßte eine Entschließung, worin eindringlichst gefordert wird, daß in der Zukunft knne Verbindlichkeiten bezüglich derKohlenausfnhr eingegangen werden, solange der Bedarf aller Schichten der einheimischen Bevölkerung nicht befriedigt wtzrde. Mit aller Entschiedenheit erklärten die Vertreter, daß sie keine Verantwortung für die katastrophalen Folgen übernehmen, die sich einstellen müßten, wenn die Kohlen- und Petroleumverforgung nicht rechtzeitig verbürgt würde. Ein LW-MiMorren-Krsvit pm Ankauf von Petroleum für die tschecho-slowakischen Raffinerien. Prag,^20. Oktober. Der Verband der tschechoslowakischen Banken Hst dem Verbände der Petroleum-Raffinerien in d« tschecho-slowakifchen Republik einen Kredit von 200 Millionen Kronen zum Ankauf von Petroleum und Benzin in Polen, Rumänien und Amerika gewährt. Der Wert des in Polen beschafften Petroleums beziffert sich auf 80 Millionen, des in Rumänien beschafften auf 20 und des in Amerika beschafften auf 16 Millionen Kronen: außerdem wird für ein gewisses Quantum von amerikanischem Zylinder- und Spezialöl für die tschecho-slowakifchen Staatsbahnen vorgesorgt werden. Slowakische Banknoten. Iüdtschnationale FunKtiomSre vor ihre« Wähler». Eine Versammlung auf dem Alsergrund. Die jüdischnationale Bezirksorganlsation Alsergrund hiell Sonntag dxn 19. Oktober im Saale der Dezirksvertrelung Alsergrrlnd eine stark besucht« Versammlung ab. Der Bor» sitzende Dr. Schallt begrüßt die Erschienenen und erinnert daran, daß die Zionisten die ersten waren, die für die nationale Autonomie der Völker des alten Oesterreich ein« traten. Im Jahre 1906 hat die Regierung diese ihr von den Jüdiichnationalen empfohlene Lösung des Nationalitäten« Problems für undurchführbar erklärt — ein Dutzend Jahr« später ist sie verwirklicht worden! Es sei Pflicht jedes Juden, sich für die Erhaltung der Republik einzusetzen. Dazu braucht er aber nicht den sogenannten „Bürger- und Ständ tat'', der nur eine ch r i st l t ch soziale Mache ist. Jeder bewußte Jude tritt vielmehr der jüdischnationaleri Organisation bei. (Lebhafter Beifall.) Geinrtnderat Dr. Pollal-Parmm weist darauf hm, daß der Wiener Gemeinderat satzungs« gemäß nur wirtschaftliche Fragen zu lösen hat und daß den Jüdischnationalen eine Betätigung auf diesem Gebiets durch, die Art der Geschästsführung sehr erschwert sei, namentlich dadurch, daß sie über Betreiben der Christlich« sozialen keinen Sitz im Stadtrat erhalten haben. Trotzdem sei «3 ihnen gelungen, sich zur Geltung zu bringen. Die egeuseitige Eifersucht der Chriftlichsozialen und Sozial« emokraten mache aber bisweilen den Gemeinderat auch zum Schauplatz' politischer Kämpfe. Hierbei zeigen sich dir Christlichsozialen als die Schlaueren und Redner sehe mit Bedauern dem Tag entgegen, da'die Sozialdemokraten wieder in die Opposition gedrängt würden. Dieses Bedauern müsst auch wirtschaftliche Gegner des Sozialismus beschleichen. Des« halb arbeiten die Jüdischnationalen im Gemeinderate in engster Fühlung mit den Sozialdcmokraten.Jhre Taktik sei eine doppelte: Abwehr und aktive Judenpolitik. Erstere be« stehe-in der Erwiderung auf antisemitische Reden, besonders aber auch in der Zurückweisung sozialdemokratischer lieber« griffe. Ein solcher str zum Beispiel daS Seversche DusweisungS» gcsetz gegen die jüdischen Flüchtlings, daS auch von den Sozialdemokraten als Fehler anerkannt würde. DaS aktive Programm der Jüdischnationalen fei i« der Resolution festgelegt, die Dr. Ehrlich in der ersten Sitzung deS neuen Gemeinderates unter allgemeiner Aufmerksamkeit vorgelesen habe. Sie enthalte daS Bekenntnis zu einem Nationalismus, ahne jeden Chauvinismus. Die Zionisten fordern Minderheitsrechte für die Juden, ohne an dem deutschen Charakter der Stadt Wien rütteln zu wollen. Redner schließt mit einem Appell zur Unterstützung der zionistischen Organisationen und ihres Sprachrohrs, der ,L2iener Morgenzeitung". (Lebhafter Beifall.) Mne türkische Kommission geht nach Paris. Versailles, W. Oktober. (Korr.-Bur.V Nach emer»Meldung des „Echo de Paris soll das neue türkische Ministerium de» schlosien haben, eine Kommission nach Paris zu entsenden, die die türkischen Interessen vor der Friedenskonferenz vertreten soll. Zum Präsidenten dieser Abordnung sei der ehemalige Großwesier Tewfik Pascha ernannt worden. Die deutsche AnLersachrrngskomr-risfiorr für die - Kriegsschuld. Berlin, 30. Oktober. Der erste Unterausschuß deS parlamentarischen Untersuchungsausschusses über die Kriegsschuld horte heute Karl Kautskp alS Sachverständige« über ferne Vorschläge zur Beweiserhebung über die unmittelbare Vorgeschichte dcS Krieges. In dreistündiger eingehender Verhandlung wurde« die Fragen iestgcstellt. die an die verantwortlichen Staatsmänner zu richten sind und die die Ereignisse vom Attentat in Sarajevo dis zur Kriegserklärung betreff«. I« etwa hi Tagen gedenk der Ausschuß mu der Befragung der ArrZkunstSpersonen zu beginnen. Dis ungarische Sozialdemokratie für ei» demokratisches Regime. : Budapest, SO. Oktober. (Korr.-Dur.) „Az Ujfag" meldete gestern, daß die sozialdemokratische Partei bereit sei. den Klaffenmmpf. zn suspendieren und ern Kompromiß »nt Friedrich zu suchen. Der sozialdemokratische Führer G a r a m i erkläct nun mit Bezug auf diese Meldung mehreren Zeitungsberichlerstattern pegenüber. daß, soferne ei« demokratisches Regime, welches die freiheulichen Rechte respektiert, -ustandekomme, die organisierte Ärbeiterschait allerdings bereit sei. sich auch aus wirtschaftlichem f ebiete auf du ÄasiS der Verständigung und der gemeinsame» rbnt zu stellen. Kuckuck ist der Zeitvogel. Cr galt sür unsterblich und allwissend, konnte daher, durch die Wiederholung seiner stereotypen Rufes die Lebensdauer verkündigen. Ferner prophezeite sei» Ruf de» Heiratslustigen Glück; zugleich aber war er da- Sinnbild des treulosen Ehemannes. Außerdem prophezeite er und für das ganze Iahe reichlich Geld, wenn wir i« dem Augenblick »i»e gefüllte Börse tragen, in welchem wir ih« im Frühjahr -»erst höre». Die Erscheinung einer Raden giU ganz allgemein als UnglLckszeichen. An de« Raben aber knüpfen auch «och abergläubische Vorstellungen prophetischer Art m einzelnen Gegenden au. So geht in Oesterreich die Sage, daß jede-rnal, wenn dem kaufe tzabsburg ein Unglücksfall bevorstrhe, dies durch da- Erscheine» eines Raben vorher angrzeigt wmdr. Unmittelbar bevorstehenden Tod -eigt die Totrmchr au, «kl Fnsest, das sich mit Borliebe in di« Dielen Ater« Häuser einbohrt. i Der »böse Blick* ist mehr eine BpozinliM der Südländer, »« Rachklang demittelalterlichen Glaubenan Behexung. Ihm begegnet man durch das Tragen gewisser Amulelle und sofortige handbrwegungen, welche daS Unheil auf de« Küssender zurück« schleudern. Auch sonstige« Uedeln kan«' «an zuvorkommen, zum Beispiel der Bedrohung durch Gicht, fallman ein Ei ißt, ohne hinterdrein die Schale zu zerbreche«, indem man diese ebm zerdrückt. Oder indem man ei« Glanicht völlig leer trinkt, waS unfehlbar einen Gichtanfall zur Folge' habe« würde, wenn es halbgefüllt stehen blieb«. Und wie leicht ist es, dafür zu sorgen, -aß man stetgut bei Kasse ist! Man braucht doch nur ernige Schüppchen vom NnrjahrÄarpftn i» die Geldbörse zu stecken. Will mcm ober andere« wohl «nd sie bei ihw« Anwrnehmi^gen »««stützen, f» hstlt «an ihnan den ibamnen rt« schenkt ihnen ein »lerblLttrigrö Kleeblatt, denn nur ü« geschenktebringt Glsick.' "•'"'rxrnmmMKUIV Prag, 21. Oktober. (Tel.-Komp.) Wie der „Derer" meldet, wird au) Antrag des Min sters Dr. Srvbar die tschechische lltegierung einen Teil des neuen tschecho-slowakifchen Gcldcs nur mtt slowakischem Texle auSgcbcn, medzwar ungeiahr in dem Ausmaße, als gegenwärtig Banknoten in der Slowake! im Umlauf sind. „Zuchthaus uud PolitiL." Prag, 50. Otiober. (Privat.) Im „Pravo L'du" besvricht der Abgeordnete Bechyne den Fall Hlw.ka nt einem Artckel „Zuchthaus und Polttrk". Er verlangt, daß dem M.nister für die Slowakei, Srobar. die Vollmachten ent'vgen würden und das Verhältnis der katholischen Dolksparlei zur Republik endlich aufgeklärt werde. Nach Muna und Lobkowitz sei Hlinka der dritte ZuchthauSsall der Republik. Diesmal müsse aber die Angelegenheit so erledigt werden, wre eS in Rechtsstaaten üblich fei, durch eine Anklage, eine Verhandlung und ein Verdikt. Der Fall Muna sei ru emem Uebergiiss der Mrlttarjnsti-r geworden, der Ausflug der Vobkowitz rnS Zuchthaus babe wahrscheinlich mit einem opulenten Mahle m einem Prager Palais gecudet. Drei Zuchkhaussälle in vier Monaten sei zu viel für die junge Republik. Bechyne schließt: ^DaS^AuchthauS war imurcr daS Ergebnis emer schlechten Das «erre serbische ReKisrungsprogramm. Dielflrad, 10. Oktober. (Sübslcw. Preßbur.) Ministerpräsident Davidovie führte gegenüber einem Mitarbeiter des »Beogradski Dnevnik" mit Bezug auf die neue Regierung^ aus: Mr werden nach dem Programm der alten Deklaration verfahren. Wir werden es als wichtigste Aufgabe betrachten, dem notleidenden Tell der Bevölkerung zu helfen. In Erster Linie wird die Regierung für den Wiederaufbau der verwüsteten Gebiete und für die Unterstützung der Bedürftigen sorgen. Schon früher wurde alles Mögliche getan, und es wurden 7 Millionen Kronen für die Flüchtlinge in Bosnien bewilligt. Außerdem wird die Regierung für die Obdachlosen provisorische Bauten enichten lasten. Vor allem ist dafür zu sorgen, daß das Land über den Winter dmchhalten kann. Besondere Aufmerksamkeit wird der Valutafrage gewidmet werden. Die Regierung wird trachten, daß die Nationalversammlung sobald als möglich einoerufen werde. Die Regierung hofft, daß ihr die Opposition keine allzugroßen Hinderniffe in den Weg legen wird. Bei den Montenegrinern fand die Regierung eine günstige Stimmung. IngoflEwien uttterzeichnet. Belgrad,. 19. Oktober. (Südslarv. .Preßbm.) In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß Dr. Trumbic, der am Dienstag nach Paris abreist, Instruktionen für die südslawischen Delegierten in dem Sinne erhalten wird, daß . der Friedensverlrag mit Oefterreich zu unterzeichnen sei. Kleine Nachrichten. SS. Oktober. (Funksprach.) Präsident lD k l,s o n h<rt die Nacht gm verbracht; in fernem Zustand ist keine besvndere Aenderung ein^etretkn. Am Tamstag konnte der Präsident eiuLreichend Rnhrunz z» sich nehmen, wodurch er etwaS ßchältiat wurde. Rom» 20. Oktober. fFrnckspnrch.) „ÄonittH b^talia* teilt mit, daß Admiral Cm am Qtanfalitniect cm Stelle Thcwn di Resüs zum (kßef drS AbmiralstabeS unsnnt werden wirb. BeztrkSra!t Dr. Weiner weist auf die Geringfügigkeit der Agenden einer Bezirks« Vertretung hin, in deren Rahmen nicht große prinzipielle Fragen zur Erörterung kommen. Die Wahrung jüdischer: Interessen fei daher auf Einzelfälle beschränkt. Die zionistischen Vertreter erfüllen in jedem solchen Falte ihre Pflicht, doch fallen tljitgn. dabei die sogenannten liberalen Bezirksrate in den Rücken, welche stets mit den Antisemiten stimmen. (Lebhafte Entrüstungsruse.) Redner schließt mit der Mahnung, mit solchen Vertretern endlich gründliche Abrechnung zu halten und auch für ihre (Sntfemuttg aus der Kultusvertretung zu sorgen. (Lebhafter Beifall.) ' Gemcinderat Dr. Ehrlich beleuchtet bas widerspruchsvolle Verhalten der Christlichsozialen und Sozialdemokraten zueinander — rm Parlament Koalition, tm Rathaus Krieg! — welches für den Urrernst charakteristisch sei, mit dem in Oesterreich Politik gemacht werbe. Hierauf polemisiert Redner gegen dir Auffassung, daß KunschakZ bekannte Judenrebe sich mit den zionistischen Forderungen decke, und gegen ein Flugblatt, daS von den „vereinigten nichtj üd isch nationalen Parteien" anläßlich der Kultusgemeinde-Wahlen ausgegeben wurde. Es erwecke den Anschein, als ob die Liberalen ihre Pflicht als Vertreter der Juden restlos erfüllt hätten, während die Zionisten die Flinte ins Korn werfen und die Juden ins Ghetto zurückführen wollen. DaS Gegenteil sei richtig. (Lebhafter Beifall.) Hierauf wrrv aus der Mitte der Versammlung dev Antrag gestellt, den gewählten jüdischnattonalen Funktionären! Dank und Anerkennung auSzusprechen. Nach dev emstimnirgen Annahme dieses Antrages schließt der Vorsitzende die Versammlung. Der Wirtschastsverband der rrLchtaktiven Gagisten deutschnational unantisemitisch. Sonntag fand im großen Saale des Militärkasinos am Schwarzenbergplatz eine außerordentliche Generalversammlung des „Wirtschaftsverbandes der nichtaktiven Gagisten und Gleichgestellten Deutschösterreichs" statt, die außerordentlich stark besucht war) Der Generalversammlung war eine lebhafte Agitation vorhergegangen, die die gegenwärtigen Machthaber des Verbandes vor allem durch ein neugegründeteS Wochenblatt „Die neu« Front" betrieben, die sämtlichen Mitgliedern seit einigen Wochen zugeschickt wird. Aus dieser Zeitschrift, die in wenigen Nummern zum Rang des unflätigsten antisemitischen Hetzblattes Wiens aufgestiegen ist, erfuhr der uneingeweihte Angehörige des Verbandes erst, daß sich in dem Verband ein Umsturz vollzogen hat, daß er ausgesprochen anttz« semitisch geworben ist. Seit seiner Gründung in den Novembertagen 1918 stand ein« Leitung an der Spitze des Verbandes, der auch mehrere Ju^en angehörten, die sich damals zur Uebernahme der Arbeit, zum Teil nur auf Drängen der Kameraden, bereit erklärten. Allmählich sind viele demobilisierte Reserveoffizie.re, darunter viele Juden, dem Verband beigetreten, weil man meinte, daß er a!» Vereinigung zu ausschließlich wirtschaftlichen Zweckün den Mitgliedern gewisse wirtschaftliche Benefizien bringen wird. Bor «inigenMonaten nun begann ein« lebhaft« Opposition g»g«r dieLoitung; m wurden Verdächtigungen «nd Ansch«ldig»ngen aller Art verbreitet, insbesondere wurde behauptet, daß ein- Mfc* MitallLdLk dar Lettuva. tm Berüaub fcör üzk

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