Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 271 (21.10.1919)
- Date
- 1919-10-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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21. Mover ISIS Wien. Dienstag füllt, ist, die Zentrale beS ganzen Reiches, I ja des ganzen Bolschewismus verloren. Ob sich die Bolschewiken dann noch halten könnten, muß als unwahrscheinlich bezeichnet werden, während der Verlust von Petersburg für sie tatsächlich nichts als »'ine Epifo de wäre, hie ohne jede politische Folge vorüSerzgehen würde. Ban Tula gegen die Wolga zu mußte sich Denikin hingegen zmückziehen, die Bolschewiken drängen hier scharf nach Süden vor. An der turkestanischen ilIrßnzo ist nach der Zertrümmerung des Südflügels dev Ko itschak. Armee ein großes Loch geschlagen worden, durch daS die Roten Armeen ohne Hindernis nach Turkestan und sogar nach Afghanistan eindringen konnben. Hier erst trete» ihnen die Engländer entgegen. Der Nordflügel der Koltschak-Armee war vor sechs Wochen im Vormarsch gegen Tobolsk gewesen, er ist aber jetzt aufgehalten worden und der Kampf Hat sich an dieser Front beruhigt. Die gesamte Nordfront bis zur Murmanküste und bis nach Archangelsk steht für die Bolschewiken felsenfest, eher könnte hier an eine Offensive der Roten Armee gedacht werden. Einbruchsstellen sind demnach nur bei Petersburg und bei Tula. Die übrigen Fronten der Bolschewiken find unangetastet, allerdings sind jedoch die beiden Einbruchsstellen gerade an den Punkten gelegen, die die Herrschaft der Bolschewiken am allermeisten bedrohen. Der Sitz des Völkerbundes. AuS Brüssel wird gemeldet.daß im bclgschen Parlament em GrsetzeSantrag eingebracht wurde. wvnnt der 75» 0 Acker große ehemalige Besitz Heverlebe »Löwen des Herzogs von Arenberg. der diesem wegm seiner deutschfreundlichen Ge- (tnnmtö von der Regierung weggenommen wurde, als eximitonal erklärt und dem Völkerbund als Sitz angebotcn weiden soll. Außer den RrglerungSgedändm soll eine internationale S t a d t auf diesem Gebiet erbaut werden. Di« Arbetterkoirfereirz.? Aus Washington wird gemeldet: „New Port Times" meldet, daß am Samstag in der ArbeitSttnigungSkvnfecenz durch di« öffentliche Arbeitcrkonferenz rin Antrag eingebracht wurde, der die Verhandlungen auf eine gänzlich neue Grundlage stellt. Der Antrag besagt/ daß das Recht der Arbeiter, sich nicht zu organisieren, gleichgestellt werden müsse mit dem Rechte, sich zu organisieren und daß die Vertreter der Arbeiter auS der Mitte der gesamten Arbeiterschaft, nicht nur der organisierten, genommen werden müssen. Bei Besprechung dieses Antrages beschwerte sich der Führer der Arbeitergruppe, Tokin, über die Verschleppungstaktik der Konferenz, welche diesen Antrag abermals dem allgemeinen Komitee überweisen wolle. Allüberall herrsche Streiklage, die Wechselreden hätten kein Ende, die Aussicht auf eine Besserung der Lage der Arbeiter durch friedliche Vereinbarung schwinde immer mehr. Der Führer der Unternehmer, Loree, beantragte, die Arbeibervereinisiungen der bundesstaatlich-« Regelung zu unterstellen. Italienische Konsulate in Polen. Der .Wiener Kurier" meldet aus Rom: Die italienische Regierung hat beschlossen, in kürzester Zeit Konsulate m den polnischen Städten Warschau, Krakau, Posen, Lemberg und Lodz zu errichten. Ingoslarvifche Darstellungen wegen Fiume. Paris» 20. Oktober. lFunk'pruch.f T r u m b «c ist von Fiume nach Pari» abgcrrist, um dem Obersten Rat eine D e n k s ch r i t t der serbischen Regierung über die F i u m ave r F r a g e zu übermittln. Moderner Aberglauben. Bon Dr. Med. Frendenberg.*) Hinter der kaum übeUchbar großen Zahl von abergläubisch :« vdrstellungen. welche die Gegenwart mehr oder weniger beherrschen» steckt ein gutes Stück Wahrlagegrist. Din« fast durchgebends handelt es sich um Zeichen, dir entweder rtwaSGuleS oder etwas Böses sch: die Zukunft versprechen, mögen diese Zeichen nun passiv von onS bmgenommm werden müssen, oder aber unsere aktrve Mitwirkung zur Voraussetzung haben. Eine scharfe Grenze zwischen diesen beiden Gruppen ist Überhaupt schwer zu ziehen. Wenn auch die Behauptung zu weil geht, daß kein gegenwärtig lebender Mensch ganz frei von Aberglauben sei. so steht doch immerhin so wel fest, daß wirklich ganz abnglaudcnSireie Menschen äußerst selten sind. Hält man sich auch selbst dasür, so wird doch immer eine kommende Gelegenheit oder eine scharte Selbst- Prüfung ergeben, daß sich in rrgendeinem Seelrnrckchcn rin kleines Stückchen Aberglauben verbirgt. Eine ganz persönliche Eigenheit, aber immerhin ein Stückchen Aberglauben. Im vielen Fällen wird es sich dabei um bewußte oder unterbewußte Ennnerung an KindhettSvorstellungen handeln. In allgemeinen aber düifte es schon genügen, zur Erklärung das allgemeine Gefühl der menschlichen Schwäche hnanruziehen. das Gcsübl unserer Ohnmacht gegenüber der Außenwelt, von der unjeder Schritt abhängig macht, den wir aus un5 selber heraus tun. So kommt rS. daß sich unter gleichen Verhältnissen auch gleiche Kreise von abergläubischen Borstestungen emwickeln, die *lW«r entnehmen dielen Abschnitt dem inte, essanttn und vorzüglich insornnerenben Buch ,Der B! ck in die Z»klm'i*. D,r Wahr läget»»,st im Spiegel der Zeit und der Völkigeschich'e*. dasoeben m der EammlUng ^G» Henne Wissenschaften" deS Verlage- Hns«»nn V « r » d o r 1, Bt»lm A io, erschienen ist. Bei dieser Gekgncheit »ertowita wir auf bte Artikelserie .Aus dem re! aiöien Leben der Ostjvde»" v»* Favpaso,l m .Juden", wo zahlreiche lchEechhkchchldg,^stüAz»ftAl OÜiKjobelüoof ülÄtüdol»werde«, Ein Aufstand in Indien? Siml«, 20. Oktober. (Reuter.) Truppe« Wana Wagirs in der Stärke von 800 Mann griffen am 5. Oktober zw schen Manglsi und Lun! eine Panouillenabte'lnng an. Die britischen Verluste besingen an Toten und Vermißten rß Mann, darunter rin Offizier. Die Feinde hatten schwere Verluste. E>ne Kolonne ans Cambridge (?) stieß am 8. Oktober in der Rahe von Manghl auf dieselbe Streitmacht, dre dickeSmal schätzungsweise 600 Mann betrug. Anfangtrieb ste sie hinter die Berge zurück, siel jedoch anfcheinmd in einen Hinterhalt. Die Kolonne erreichte Cambridge erst nach schweren Kämpfen. Die Verluste betrugen' schätzungsweise 80, darunter sind zwei britische Okstz'ere «nd ein indischer Sanitä'tSossizier tot. Eine neue Kolonne mit Geschützen hat sich gm 8. Oktober nach Manghi begeben. Di« französische DentobMsterrmg. Paris, 20. Oktober. (Funffpruch.) Während der Kammerdebatte über die Amnestie gab der Unlrrsiaatsiek, cttir des Justiz- Wesens bekannt, daß während des Krieges 167.000 Franzosen — Soldaten und Zivilisten — von Militärgerichten abgeurteilt worden sind, von denen bisher 12.67t begnadigt wurden. Die Demobil'sation sei nahezu beendet. An Pferden besitze Frankreich über 8 Millionen, mehr als m KneaSbeamit. 50000 Pferde und 50 000 Motorwagen sein zu verkaufen. Seit dem Waffenstillstand seien 6000 Gebäude ihren friihrrrn ' BenÜtzern zrerückgegeben .worden. Das Lufidevariemrnt'habe 21.«v'v Hektar Boden, die Landungsplätze gewesen waren, zmückgcsiellt. Die politische «nd militLrische Lage Polens. Dre Rr.chstagStommissioncn für answäitige und Militärangelegenheitm haben unter Zuziehung von Vertretern der Regierung und des GenrralstabeS eine gemeinsame Sitzung zwecks Besprechung der politischen und militärischen Lage Polens ab* gehalten. Abgeordneier M oraczcwskr und D cr s z y n s k i legten den Standpunkt der polnischen sozialistischen Partei dar. welche t sofortigen W a f f e n st i l l st a n d mit Sowietrusi landverlangt. Ans Antrag des Abgevidneten L u t o s l a w s k i wmde beschlossen, das Staaisobrr* hauvt P'lsndsk» zur nächsten Sitzung emzuladen. Die Sitzung wmde für stitng vertraulich txtlait. Dke polnische Derfafs««s. Die DeisaffungSkommi'sion des polnischen Rerch-lages begann die allgemeine Debatte über bie grundsätzlichen Vestimmiingen der polnischen Verfassung. Der Berichterstatter Abgeordneier Nataj legte in einem Referate dre allgemeinen GrnndsL'öe deS parlamentaisichen Systems in Polen dar. 'D'e Regierung bnnge einen Versasiungsentwurf rin. welcher die Cchaffnng des Einkammerinstems vor sieht. Doch lost zu jede Tagung des- Reichstags eine Fachkommission, bestehend ans Delegierten, der Universitäten. Ädvokatenkamnrern, mit der ,Aufgabe,. die Richtigkeit der beschlossencu Gesetze zu prüfen, eindrrusrn werden. Kege» die kommunistische Azitatisn «ntev den polnische« Landürbsitern. Der polnische Re ch-tgg hat den Dringlichlritsantrag des Abgeordneten GlombinSkr und Genossen betresirnd d>e Maßnabmen gegen dir bolschewikrsche Aviation unter den polnischen Landardertein angenommen. Die Negierung w»ide antgssordert, alle Geseke rmd Verordnungen, die gegen die staatsfeindliche Aktion der Kommunisten gerichtet sind, mit aller Strenge und Energie anznivendm. Infolgedessen lehnte das Ministe, mm deS Innern, welche- Verhandtungrn mrl den Landarbeitern führte, rh'.e Forderungen. dir hauptsächlich politischer Na'ur waren und den bolschewitischen Umsturz m Polnr vorher eiten lollie. ab. Das Sekretariat der Gewcrkschast der Landarbeiter bat darauf den Streik proklamiert. D>e vereinigten polnischen Banernpimeien nehmen gegenüber den Forderungen der Landaibriier ab1«-lrnknde Haliung e>n und haben bereits ihre Peurtter aus der Gewerkschaft ab» berufen. Zur Begründung der Dringlichkeit seine- Antrages hielt Abgeordneter Glornbinskr eine Rede, worin er unter anderem erfliiue: Im Augenblick, in welchem der polnische Staat Schwierigketten wntschalttichrr Nainr zu Überwinden hat und der polnische Soldat die Grenzen des Vaterlandes tapfer verteidigr, proklamieren d,e Kommunisten einen Streik, der keine Brsserung der w'rtschaftlichen Lage der Landarbeiter bezweckt, sondern volik'schen und staatsfeindlichen Charakter hat. ES rst die Wicht der Realerung, diese veibrecherische Agtat-on mit schäilsten Pkitteln zubekamv'eii. eben nur einer ganz bcstimntten Gruppe von Menschen eigentümlich sind. So haben di« Jäger, die Seelelire, die Artisten und dergleichen ganz spezielle abergläubische Vorstellimg'krcise. Das ist allgemein bekannt, und es würde gradczn gegen den guten Ton verstoßen, wenn man einem auf dre Jagd gehenden Bekannten statt. »Alm- und Beinbruch* „Biel Glück* wünschen würde. Näher auf dies« Besonde-rheiten eirizugehen, verbietet «nS der Raum. Rur eine Reihe von allgemeinen provhetisch-abergläubrscheu Vorstellungen woll-'v wir nachstehend anführcn.' Begegnet einem des Morgens beim Ansgehen zuerst ein alte- Mcib. so bederttrt das Unglück sür den gai-zeu Tag. ebenso wie es Verdruß für uns weissagt, wenn w'.r mit dem linken Fuß zuerst auS dem Bett ausgestanden sind. , Verschütten wir mittags bei Tische Salz, so werden wir unfehlbar Streit bekommen. Machen wir zunächst bei diescmSalzve, schütten einen Augenblick Halt und traaen uns» ob ein derarlrgcr Abe>glaube denn wirlsich so völlig sinnlos sei? Diese Frage wird die heutige Biologie vielleicht verneinen. Denn sie w.iß, baß sich daS menschliche Leben m Wellenlinien beweg!, bei denen man einen männlichen und einen weiblichen Typus von je 28. beziehungsweise 29 Tagen. Von leichten persäiil chen Schwankungen abgesehen, unterscheidet. Währenddie'er sich alle drei oder vier Wochen emstellenden kritischen Tage ist der Mensch weniger leisiunpStähig als sonst, er ist gereizter, ungcschrckter. Er wnd sich vielleicht schweriäll'ger als gewöhnlich auS dem Belt erheben und mrl dem linken Frrß zuelst herauStrrten, während eS sonst der rechte ist; er wird der Tische vielleicht das Sal faß umstoßcn und w'rh,. da seine Stimmung ans natürlicher Uriache eine pei l te >si. leicht in Streit geraien So haben sich m stanz liiti’nlidKi Fol u das Beti- und Sa! laßovalel boreits ri'ülli. Roch rin anderele!,.t uns die P y'l olo^t: die ungchi'nit Macht der Suggestion. Der von der Begegi'ttnst mir dem allen Werbe hrnührknde unaugenrhme Eindruck hattet und ^iabonerl* den ganzen Tag. Umgekehrt der Anblick eiueS frischen, fröhliche« GesichtchenS als erster Morgengruß stirnint die eigene Seele froh »nd auch das wirkt »achl Weüd« vm dreS mm aus dieses oder Seite ff —--—s Inland. Nationalversammlung. Am Dienstag soll der neue Staatssekretär de» Finanzen, Dr. Reisch, in der Nationalv-ersammlung sein Exposö über die finanzpolitischen Richtlinien seiner Amtsführung erstatten und hierbei einen Finanzplan vorlegen. Seine Referate werden bist Grundlage für die Arbeiten des Budget- und Finanz ausschusses bilden, die am Ende der Woche beginneni sollen. Unter den Vorlagen, die in dieser Woche di« Nationalversammlung beschäftigen sollen, kommt dem! Gesetz über den Schutz der Republik größere Bedeutung zu. Diese Vorlage verdankt weniger eineml aktuellen inneren Anlaß ihr Entstehen, als vielmehr der Nervosität der'Negierung, die sich-aus den Vorgängen in Budapest, herleitet. Der Entwurf setzi Strafbestimmungen für politische Verbrechen fest, dis bie innere und äußere Sicherheit des Staates bsdrohen oder sich gegen die gesetzgebende Gemalt oder bie Autorität der Rechtsordnung richten. An die Stell« des Begriffes des Hochverrates tritt der Volksverrat; aber eS ist nur das Wort geändert. Wio. die alte Monarchie, stellt sich auch die Republik unter!' den Schutz der Wli ei: Sie vertraut weniger der staatSi» bürgerlichen Einsicht' der Bürger, als den Staatsanwälten und trägt nur in einer Richtung dem Ncchtsgefühl Rechnung, indem sie nämlich Ausländer bei Angriffen auf die Staatshoheit für straffrei erklärt. Aber damit anerkennt sie in gewissem Sinne den Chauvinismus. Die Vorlage muß aber schwere Bedenken erwecken wegen der Möglichkeit einer Unterbindung der Rede- und Verfammlungsfreiheit, indem sie die Aufforderung zum Volksverrat, begangen „vor einer Menschenmenge", unter Strafsanktion stellt. Auch der Absatz »des § 8, wonach die Preisgabe eines; Geheimnisses, dessen Wahrung um des Wohles btt Republik willen geboten ist, als Verbrechen gestempelt wird, riecht nach der Monarchie. Was ist das, ein Geheimnis? Und kann es nicht Situationen geben, wo die Preisgabe eines Geheimnisses höchste Pflicht wird. Wenn jenkand zum Beispiel die Schlacht vons Tennesch-Kubin, die der Berchtold erfunden hat,, als Lüge enthüllt hätte, würde ihn Renner einsperren lassen? Der Autor dieser Vorlage hat wenig Verständnis für das Wesen des republikanischen Geistes» dagegen viel mehr für den alten Staat. Weshalb zum Beispiel fehlt die wichtige und leider aktuelle Abwehr der öffentlichen Verhetzung gegen Nationen oder Konfessionen? DaS bedroht den Staat weit mehr als die lächerliche Preisgabe von Geheimnissen, die doch nurdie Geheimdiplomatie beschützt. Die Wiener Neparatio nskommissio«. Die Ai beit deS Wiener Subkomckees der Neparation-- kvmmiision wird in nächster Zeit beginnen. Der arneiikanifche Deleffieile Colonel C. B. S m i t h ist bereits in Wien einge-> ti offen. Als englischer Delegierter wrrd S»r Wrllam G o ob ttmgieien. Nach dem uilpumgkichen Plane hätte die ReparanonS» kommsssion ihre Tätigkeit erst nach der Rat-siziernng deS Friedens von Saint-Gnmam beginnen soll«. Mit Rückstcht aus dir diängrnden Verbältnisse wurde jedoch verfügt, daß das Wiener Komttre schon vorher, wenn auch in Unoffizieller Weise» semr Wut amkett eröffne. % ■ Colonel S mit!) und Colonel Causeh haben sich »ach Prag begeben. Eine rumänische Gesandtschaft in Wie«. Bukarest» 20. Oktober. (Tcl.-Kompp Die Agentur Dem« meldet: Nach einer Mitteilung der offiziösen ^L' Jndependanee Romaine^ wird in der nächsten Zeit an Stelle, d« rumänischen L i a u i d i e r ur n g S k v m m i s s i o » , n Wien eine rumänische Gesandtschaft treten, bte ousschttesrl'ch reich-'iiniänifche Dwlom'iten angeboren werden. jenes Zeichen an. dem wir je nachdem eme glückliche oder unglückliche Bedcnttmg beimesskn. so erklärt sich die in der Folge einlretcnde glclchmiige W-rkung durch Autosuggcstwn. Die Prophezeiung wird zur Ui suche ihrer eigenen Ei füllung, und in diesem Lichte betrachtet, gewinnt mancher Aberglauben in einem gewissen Sinne ein Stückchen Berechtigung. Ein besonders günstiges Zeichen ist die Gebnrt eines Kind^ in der ^Glückshaube*, eine Bezeichnung, der wir schon bei den Römern begegneten. Auch der Fund eines Hufersens bedeutet Glück. Die Bedeutung der Spinne ist eine verschiedene, je nach der Tageszeit, zu der wir sie erblicken: „Spinne am Morgen, Kummer und Sorgen; Spinne am Abeno, erquickend und labend". Ob hier nicht der Reim bet Vater des Gedankens gewesen ist? DaS Work.: .Unberufen" enthüllt unS eine tiefe Psychologie. Es ist ein Nachllaug der antiken Idee, welcher Schiller in seinem „Rmg drS PolykrateS* solch melsierba'ten Ausdruck gegeben hat: .Mw grauet vor det Götter Neides Aber daS Wortlein .unbeillfenals Zusatz erlaubt unS ja, ungkstiaft Rühmliches und Günstiges von und über unS zu berichte». Besser aber ist es und sicherer, zugleich auch noch dreimal unter« Tisch anzuklopsen, wenn wir .unberufen" sagen. An koipelllche Vorgänge knüpft der Aberglaube mit Vorliebe an. DaS tat er schon im Altertum. Klingt daS linke Ohitz so redet man UebleS von unS. klingt daS rechte, GuteS. 3* manchen Gegenden Deutschlands gilt das Umgekehrte. DaS Aust stoßen belehrt unS darüber, daß jemand in der Ferne an uni denkt. Juckt die rechte Hand, so wird man Geld ausgcbcn, juckt die linke, so erhält man welches. Jucken ,m linken Nasenloch läßt nnS ettvaö GuteS ertahrcn,. Jucken mt rechten, Unerfreuliche-. Auch hierbei gilt in anderen Gegenden das Umgekehrt«. Diesen und ähnlichen Anschannngrn sind wir un Vorstehenden bereits bei den Arabern begegnet. Als weissagende Vögel gelten m der Gegenwart dewnderS der Kuckuck, das Küuzch« «mb b<£ Bad«.