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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-19 · Heft 269 (19.10.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 269 (19.10.1919)
Date
1919-10-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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19. Oktober 1919 Sette 4 Wien. Sonntag , Nr. 269 Bombenattentat auf den Generalgouverneur von Kiew. Mahrisch-Oftrau» 18. Obober. (Dcheckio-slow. Preßbur? Das Warschauer Preßdureag meldet ans K a m e n e e*P o d o l s k. daß in Kiew em Bomdenattentat auf den Grnrralgouvnneur P r e d o w öciilfet wmde in dm Moment, als er mtt dem aruffnischen General Sermszldez in den Wagen stieg. Bredow wurde s ch w'c r v e r l e tz t. Botschafter Bunsen in Budapest. Budapest, 18. Oktober. <Nng. Trl.»Korr.-Bur.> Der Vewesene englische Botschafter in Wien Bunsen ist gestern in Budapest einqctroffen. Die Banknotenausgabe in Ungarn. Budapest, 18. Oktober, (Ititfl. Tel.-Kv' r.-Bur.s .Ui Nömadrk" veräffeittl'cht eine Unterredung mit drm Ftnamm'Nlster Baron Koranyr, der e>klärte, daß beranntl-ch dasPr.vil gmm der Oesterreichrsch-ungari'chcn Bank am 31. Deumber ablaufen werde, weshalb bte Bank k e l n e R o t e n me h r e m i 1 l lerer, könne. Es 'eien jedoch Verhandlungen «lnpeleitet wordm. um Mittel und Wege m lindm, damit d e Bank dre fincmucllen Ängelegenheiten der beiden Staaten auch weiterhin versehen könne, bis eine entsprechende anderweitige Verfügung erfolgen könne. In d'escr Anaelegenhert begebe sich M'nisterialrat Balko heute abends nach Wien, um mit dem V-re-Gouvrrneur der Ocstrlreichlsch-ungarischm Bank Dr. W r m m e r V e rhaudlungen über einen moäus vtveuäi zu führen. Kleine Nachrichten. Washington» 17. Oktober. Nach dem letzten Dttlketin sind die Beschwerden, an denen Pläüomt W > l s o n m den letzten.zwft Tagen litt, geschwunden. Der Kranke hat eine gute Nacht verbracht. Nom, 13. Oktober. In nächster Zeit rwrd der italienische Konsulardltnst in W a r s ch a u. Krakau, Posen. Lemberg und wahrschemlrch auch Lodz ausgenommen werden. Washington» 18. Oktober. (Funkspruch.) Nach den letzten Senatsdebatten wird die N a t i s r z i e r u n g des F, >ed.rns bis 25. Oktober und tue Enberukung des Völkerbundrates des Mitte November erwartet. Nom, 18. Oktober. Der TriestinerLlotzd bat den regelmäßigen Seeverkehr Triest-Bombay uud Trust—Japan ausgenommen. Berlin, 18. Oktober. Unter den B e x g l e n t e n des linksrheinischen Gebietes ist seit gellem ein Streik ausgebrochen, der als Protest gegen das willkürliche und bruiale Vorgehen der belgischen Besatzung bctrödjtet wird. Die Berliner Gesandtschaft. Rach Jnsormationrn hüstger pol t-scher Kiese steht eme Entscheidung betreffs der Neubrsetzmg des Berliner Geiandtcn' Postens unmittelbar bevor. Unter den m Betracht kommenden Persönlichkeiten steht der Innsbrucker sozialistische Abgeordnete Simon A b r a m an erster Stelle. Abram ist Herausgeber der „Innsbrucker Volkszeitung*. IfflilM! IgagBWWiaBI Volksgenossen! Nicht auf Grund kapitalistischer Berechnungen, sondern nur im Vertrauen auf Eure Unterstützung haben wir vor acht Monaten die »Wiener Morgenzeitung" ins Leben gerufen. Unser Vertrauen hat uns nicht getäuscht. Trotz aller Schwierigkeiten, die oft genug unüberwindlich schienen, ist die Leitung zu einem Sprachrohr geworden, das alle Eure Leiden und Wünsche vor das Ohr der ganzen Welt, vor die Regierungen der Völker trägt und diesen Wünschen Anerkennung erringt. Wertvolles ist auf diesem Wege bisher erreicht worden. Größeres steht uns noch bevor. Aber die „Wiener Morgenzeitung" soll nicht nur Euer Organ, sie soll auch Euer Eigentum sein. Jeder von Euch soll wissen, daß es Blatt ist und daß er daran Anteil hat. Vielen von Euch ist sie in dieser Zeit, wo Ihr oft in Eurer Not keinen anderen Schutz besaßet als diese Zeitung, ans Herz gewachsen. Aber Ihr mußtet' ihr bisher fremd und unbeteiligt gegenüberstehen. Der Gesellschaftsvertrag mußte den Betrag für den stimmberechtigten Anteil auf K 5000.— festsetzen. Dadurch wurde den meisten von Euch eine Beteiligung unmöglich gemacht. Das Blatt, das im moralischen Sinne nie etwas anderes war als das Eigentum des jüdischen Volkes, dem allein es dienen will, gehört im jmistischen Sinne einer beschränkten Anzahl von Aktionären. Aber es gibt eine Möglichkeit, Euch den gebührenden Anteil zu sichern: Tretet dem „Vers'« jüdische Preffe" bell Dieser Verein gibt Bausteine in Höhe von K 100.— aus, deren Erlös restlos in Anteilen der „Wiener Morgenzeitung" angelegt wird. So wird jedes Mitglied für seinen eingezahlten Beitrag Miteigentümer der Zeitung. Und wenn Ihr Euch an der Aktionärversannnlung beteiligen wollt, so werden die von Euch gewählten Vertrauensmänner dort Eure Wünsche vertreten. Volksgenossen I Daö jüdische Lagblntt dem indischen Volk! Jeder trete dem Verein keil Unsere Dresse ist unser einziger Schützt Für de« Verein jüdische Preffe Abg. Robert Stricker. (Aumeldimgen mit Angabe. wie vrrle Banste ne Über- ^»mmtn wkrbem sind an d,e Adresse des Vereines, Wien, 11, v,aborftraße 1/3, zu richten.) HfWjPCTW—aae Die Antrittsrede des neuen Präsidenten der SoziattfierungsKomniissioir. Grenze« der Sozialisierung. — Abhängigkeit vom Ausland. — Das Schreckgespenst. Gestern vormittags übergab der »bisherige Präsident der Oyzialii rlngskommlssiyn. Dr. Otw Bauer, sein Amt dem neuen Präsidenten Dr. Ellenbogen, der in seiner Antrittsrede die großen Schwierigkeiten kenn eichnete. welche der Sozialisierungsaktion im Wege stehen. Die größte Schwierigkeit liegt darin, daß wir die So ia i b rung in einem Augenblick durchführen sollen, in welchem unsere gesamte Wirtschaft nach einem fünfjährigen Krieg total verwüstet, Vox allem entgülert, in welchem un'er Geld entwertet ist. während eine So iali iorung, die rasch, entschieden und insbesondere den leidenschaftlichen Wünschen der arbeitenden Klassen entsprechend durchgesührt werden soll, nur möglich ist. ans dem Gipfelpunkt einer reich, n und voll entwickelten kapitalistischen Produktion. Erschwert werden die Verhältnisse noch dadurch, daß wir, vom Auslande abhängig, für den Au'bau unserer Wirtschaft auf Kredite des Auslandes angewiesen sind. So ivechcri wir, so hochsliegend unsere Pläne auch sein mögen, unserem Tätigkeitsdrang leider gewijse Grenzen ziehen müssen, die durch, die gekennzeichneten Tatsachen gegeben sintt. UMre Tätigkeit wird sich, vorläufig, so lange wir die Wüste der Wirtschast noch nicht befruchtet haben, hauptsächlich aus vier Gebiete beschränken mü'sen, auf jene Produktionszweige, in welchen durch die bisherige gebundene Wirt chaft ein großes Chaos entstanden ist, wo eigentlich nur zerstört und nicht aufgebaulwurde,wo wir also wieder von vorne beginnen mü'sen und daher mit der Sozialisierung einetzen lönncn; ferner auf jenen Gebieten, wo namentlich infolge Zerreißung unseres früheren Wirtschaftsgebietes die Produktion entweder vollständig oder zum größten Teile fehlt. Ferner auf Gebiete« die infolge der Eigenart der staatlichen Monopolisierung von selbst zustreben und endlich auf das weite Feld der k riegsärarischen Betriebe und dyr ehemals Habsbur,isch-dthrin i'chon Vermögen. Innerhalb Hie es Tätigkeitsfeldes wer en wir allerdings mit der So ia i i rang soweit als möglich gehen müssen. Nicht übersehen darf werden, daß in der Oeffentlichkeit weit verbreitete Vorurteile uub Mißverständnisse der Sozialisierung entgegensiehen, sowohl auf Seite der Arbeiter, die vielfach Sozialisierung mit Syndikalisierung verwechseln, als auch insbesondere auf Seite der Unternehmer, die die Sozialisierung als Schreckgespenst zu betrachten sich angewöhnt haben. Wir werden durch unsere Tätigkeit beweisen müssen, daß bie Sozialisierung nicht etwas Zerstörendes ist. wie vielfach inUnternehmerkceisen — manchmal etwas demagogisch — behauptet wird, daß sie vielmehr aufbauend wirkt »yd der Volkswirtschaft neue Elemente der Befruchtung zuführt. Ein solches volkswirtschaftlich wichtiges Element ist die stärkere Heranziehung der Arbeiter zu größerer Mitverantwortung im Betriebe und ihre Erziehung zu Verwaltungssunktionen und damit zu regem Interne am Aufbau der Volkswirtschaft. Die . günstigen Erfahrungen, die wir bisher mit der Sozialisierung in den früheren kriegsärarlschen Betrieben gemacht haben, beweisen dies. Wir werden uns davor hüten müssen, auf dem vorläufig leider so begrenzten Tätigkeitsfelde der Sozialisierung Irrungen zu begehen und dadurch den Gedanken der Sozialisierung zu kompronrittieren. Nur f) können wir die Sozialisierungsarbeit durch hie Fa hrlich leiten der Gegenwart rein Hindur chführen. Lansing vertritt Wilson. Berlin, 18. Oktober. (Korr.-Bur.) Das „Berliner Ta eblatt" meldet aus Dafelr Wie dis Londoner Blätter aus Washington berichten, hat infolge der Erkrankung Wilsons der Staatssekretär des Auswärtigen, Lansing, die Leitung der auswärtigen Politik übernommen. Die zionistische Iahreskonserenz in Amerika. Ein Budget von drei Millionen Dollars. Uebev die Jahreskonferenz der zionistischen Landesorganisation Amerikas, welche Mitte September eine Woche lang in Chieago stattfand und von der wir schon des öfteren berichtet haben, entnehmen wir den amerikanischen jüdischen Blättern, die jetzt hier eingetrosfen sind, noch folgende interessante Einzelheiten: Anwesend waren 714 gewählte Delegierte und mehrere tausend Gäste. Die größten Ovationen wurden dem Ehrenpräsidenten der Organisation, Oberrichter Lvuis D. .Brandes, dargebracht. Sowohl Brandeis als auch NroKlH a? rn n y f referierten über die Lage in PalästkW^mÄ^^^dt« politische Arbeit der Delegation in Paris. Bereits nach Beginn der Tagung machte sich eine lebhafte Opposition bemerkbar, die insbesondere «ine Demokratisierung der Leitung als ihr Programm verkündete. Die Opposition wollte schon die Wahl eines Präsidenten verhindern und verlangte, daß für jede Sitzung ein eigener Präsident gewählt werde. Während dieser Antrag abgelehnt wurde, hatte doch in der Schlußsitzung die Opposition einen gewissen Erfolg mit ihrem Antrag, daß die künftige, sünzkg Mitglieder umfassende Exekutive nicht mehr vom Parteitag, sondern durch direkte Wahl in den einzelnen Distrikten gewählt werden solle. Dieser Antrag wurde schließlich zum Beschluß erhoben, jedoch mit der Modifikation, daß dieser neue Wahlmodus erst nach einem Jahr in Kraft treten soll- Je 3000 Mitglieder eines Distriktes sollen künftig ein Mitglied in die Leitung entsenden. Bezüglich des künftigen Zionistenkongresses wurde eine Nesolution angenoinmen, daß der Kongreß in Jerusalem ftattfinden soll; sollte dies nicht möglich sein, sowirdscineAbhaltung ig Amerika gefordert. Ein Antrag auf Diskussion der Einwanderungsfrage wurde abgelehnt, dagegen eine Resolution angenommen. daß eine internationale zionistische Kommission sich mit der Angelegenheit befassen und einen Bericht übßr die Möglichkeit der freien Cinwauberinig nach Palästina veröffentlichen soll. Hierbei wurde bemerkt, daß, wenn man die Tore Palästinas»!: der Einwanderung schließt, man denjrnigen in di« Hände arbeiten würde, die auch, Amerika gegen die Einwanderung absperren wollen. Das Budget für das kommende Jahr wurde träges sind für die Kost-m der Palästinakommission bestimmt, 154.000 Dollar für die Beedürfuisse besonderer Zentralbnreans, 150.000 Dollar als Unlerstützungsfonds für die zionistischen Landesverbände in Polen, N.iMänien und an'eren durch den K.ieg ruinierten Länder. Eine l-albe Million Dollar sind für die admiuistratioen Ausgaben der amerikanischen Partei vorgesehen. 25.000 Dollar sind bcstinunt, für die Errichtung eines industriellen chemischen Laboratoriums in Palästina. Eine lebhafte Debatte rief ein Antrag aufSchaffung einer jiddischen Tageszeitung als Parteiorgan hß.vor. Gegen diesen Antrag sprach sich auch Brandeis aus. weil er einerseits die Sache für zn kostspielig und krästeraubend halt, andererseits nur hebräisch und nicht jiddisch als Nationalsprache anerkennt. BraudeiS wies daraltf hin. daß die meisten der bestehenden Zeitungen ohnedies mehr oder weniger zionistisch sind und daß es nicht darauf ankomme, nur darum eine Zeitung zn schaffen, damit die Leitung ein Organ habe, von dem die Opposition ausgeschlossen ist. Der Antrag wurde trotzdem vom Parteitag einer Kommission zur Durch/- führung überwiesen. Bezüglich der Arbeit in Palästina wurden zehn Resolutionen angenommen, welche zum größten Teil Anträge an die Leitung der Weltorganisation bezüglich der Schaffung ökonomischer Möglichkeiten, der Verbesserung der hygienischen Verhältnisse usiv. enthalten. Eine Resolution fordert die Abschaffung der Chalukkah und die systematische Ueberführung der Almosenempfänger zu produktiver Arbeit. Der wichtigste Punkt ist jedoch die Nesolution bezüglich des Pittsburger Programms, daS bekanntlich das Prinzip der Natwnelisierung des Bodens und die Forderung sozialer Gerechtigkeit in Palästina ausspricht. Die bezüglicheSlell« imChicagcerBeschluß lautet: „Die Aonferenz beschließt, an den Prinzipien des Pittsburger Programms bezüglich der ökonomischen Basis der nationalen jüdischen Heimstätte sestzuhalten. die Durchführung einer Massenkolouisation in Palästina zu studieren und vycznbereite» und die amerikanischen Delegierten znm nächsten Zionistenkongreß zu verpflichten, ihren Einfluß aufzubieten, um in der Gesamtorgauisation das Piztsbnrger Programm durchzusetzen." mit drei Mi Nomen Dollar festgesetzt (daS ist in österreichischem Geld unwsähr dreihundert Millionen Kronen). Ungefähr die Hälft« diejes Be- Jn der letzten Sitzung wurde die frühere Leitung mit Brandeis als Ehrenpräsident, Julian Mack als Präsident. Stephen Wise und Friebeuwald als Bl^epräfidenten wicdergcivählt.

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