Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 269 (19.10.1919)
- Date
- 1919-10-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 26S B-...- Wien, (oomttag i- .- — mir-fM-»imaii^tw 19. Oktober 191V Seite 3 -:-:---.'---^ IKlMd. Dev KoMLionspakt. _ 1 Dre^ „Arbci^r^Z-Litimg" Hub die „ReichSpost" veröffenknchtett gestern die Vereinbarungen, die zur Erneuerung der Koalition geführt haben.. Die Abmachungen sind für . dis Christlichsozialen vom Präsidenten Hauser und .dem Abgeordneten Dr. Seipel, dem Vizepräsidenten der Sozialisterungskommission, für die Sozialdemokraten von den Abgeordneten Eldersch und Dr. Bauer unterfertigt. Daß die Negierung die für die weitere Entwicklung der P-olittk so bedeutsame Vereinbarungen als Zuckerl behandelt, das man der befreundeten Presse verabreicht, ist nicht in •e« Ordnung. Die Oeffentlichkett besteht denn doch nicht aus Lesern der Negierungsorgane allein. Die Abmachungen enthalten nichts Neues, find übrigens auch vielfach zweideutig und unklar. Interessant ist einzig und allein die Vereinbarung über die Arbeiterräte,' durch welche die Christlichsozialen wenigstens auf dem Papier gesiegt haben. DaS Einverständnis, den Frieden in den Bestimmungen über den Minoritäten schütz loyal durchführen zu wollen, wirkt wohltuend. Wir wollen aber doch die Praxis abwarten. Der Anschluß an Deutschland verschwindet vollständig in der Versenkung. Die Vereinbarungen zwischen dem Verband der sozialdemokratischen Abgeordneten und der christlichsozialen Vereinigung, auf Grund deren die Koalition gebildet und die Regierung eingesetzt wurde, besagen: Für die allgemeine Politik der Regierung und für RegierungShandlungen, die einvernehmlich beschlossen worden find, tragen beide Parteien solidarisch dieVerautwortuzrg. Die beiden Parteien werden ihre Presse und ihre Organe in den Landern und Gemeinden in dem Sinne zu beeinflussen bemüht sein, daß sie durch die Form ihrer politischen Kämpfe' die Zusammenarbeit in der Staatsregiesrung und in der Nationalversammlung^ nicht gefährden. , Zur Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen den koalierten Parteien bestimmen beide eine gleiche Zahl von Vertretern, die auf Merlan gen einer der Miben Parteien v.der der Negierung zu Besprechungen, zusammentreten. Fimuzvesorm. Die nächste dringendste und wichtigste Aufgabe, ist. die Ordnung unserer Finanzen. Sie soll' den Wiederanfbau Unserer Volkswirtschaft, emleiten. Hierbei werden vor allem folgende Gesichtspuntte maßgebend sein: ' 1 1. Die einmalige Vermö ge ns ab gäbe ist schleunigst durchzuführen. Wird die subjektive Methode , der Vermögensabgabe gewählt, so müssen die Abgabesätze von den -großen Vermögen sehr hoch sein und es - muß die Abgabe von dazu geeigneten Objekten (Aktiengesellschaften, anderen Großuitternehmüngen, womöglich auch von ' Wertzi papieren) nach der objektiven Methode voraus enthoben werden. Ländlicher und stLdpisMelr^B'e s'itz müssen gl eich m äß ig belastet werden. Kr' i e g.s a n l e i h epapiere werden an Zahlungsstatt angenommen. Der Kurs, zu dem sie angenommen werden, wird unter den Begebungsknrsen, jedoch mit Ber ü ü s i ch t i g.u n g der Belehnungs g renze sestzusetzen sein. ' Das Kreditsystem darf nicht erschüttert werden, für soziale Fürsorgeinstitute sind besondere Bestimmungen zu treffen. Ein möglichst großer Teil de§ Erträgnisses muß zur Beschaffung ausländischer Zahlungsmittel verwendet werden. Im übrigen soll die Vermögensabgabe zur Abbürdung der Kriegsschuld, zur Deckung laufender' Defizite und ) zur Sicherung, des staatlichen EinslusseS auf vollswirtsch'a ftlich besonders wichtige ' lln'ternrhrnungen r verwendet werden. 2. Anforderung von G olb, Juwelen und auslän disch en D ertp aPie rcn zur Beschaffung von Zahlungsmitteln für die Lebensrnittelimporte. Die Anforderung erfolgt gegen volle Entschädigung, die jedoch in Staatsschuldverschreibungen geleistet werben kann;. eilt Teil des Entschädigungsbetrag rS kann auf Rechnung der Vermögensabgabe zuriickbehalien werden. Die ' Maßregel ist durch Appell an die patriotische Opsertvilligkeit. der Bembc—wgoironwi ArrroldZWeigs „Die SLrrLrmgSeMaels". (Zum ersten Male aufgeführt in dcr Neuen Wiener Bühne am 18. Oktober.) Peinlich, höchst peinlich, daß dieses Theaterstück der Gegenstand «irrer Srnsationsaffäre wurde. Beim Lesen wirkt die Dichtung wie bas Bekenntnis des neuen Juden, den die Not des eigenen Blutes und die Gunst der Zeit erkennen ließ, was unsterblich ist ein seinem Volke, der die Erlösung, zeigt aus Irrfahrt und Erniedrigung. Der Stoff des Dramas ist der berüchtigte, Mitnalmorbptozeß von Lisza-Eszkar. Aber was der Dichter auö diesem Stofs geformt hat, bas ist die Tragödie des jüdischen Volkes, mit Herzblut geschrieben/ergreifend durch das Bekennen der Mitschuld des Judentums an feinem Schicksal, groß im Vör- Scifjctt, unerbittlich im Rufe nach Reinigung. ' * Gott ist getrennt von seiner Glorie und der Mensch Ist da, sie ihm tviederzübringen. Semael, der Satan, der „Engel des Antriebs" ist da, daß der Mensch wühle zwischen ihm und Gott, daß er den Satan überwinde. Semacl will verhindern, daß die Glorie, die ■ Scheck)ina, zu Gott zurückkehre und der Messias komme. Da ruft ihn Gott an: „Kriecht! DaS Herz meines Volkes soll erglühen in Läuterung. Die Funken der Seelen sollen aussteigen, si-r sollen Maschiach rufen im Sturm der Verzweiflung. Bringe die Lüge des Blutes über die Häupter Israels und diene, Knecht!" So wird die Nitualmdrdgeschichte in dem faustischen Vorspiel cingeleitet, das die urjüdische Lehre vom „KidduschHaschem", der Heiligung Gottes durch den Menschen, in einer zu gedrängten und zu wenig einfachen Sprache enthält. Mtt ungewöhnlicher Kraft werden bann die historischen Ereignisse batgestellt, von einer Reihe überirdischer Szenen begleitet, in denen der' Dialog zu erlesenem Wohlklang gestimmt ist. Die Gestalt beS Knaben Moritz Scharf, den Semael zum Werkzeug wählt, hat der ■ jung« Dramatiker mit sparsamsten Mitteln erstaunlich gut gezeichnet: Nach den Qualen,. dir man ihm jusügt, um ihm ein GastäudiiiS abznpressrn, überlegt das Kind: „Jede Woche will er mich zweimal hauen lassen — nein, nein! DaS tut so weh! Warum soll ich nicht lügen? Ec will doch belogen sein, ec will durchaus! ... Und eS schadet ja auch nichts. Mein Vater weiß ja, eS, ist nicht wahr. alle, ivissen'H ia; sie volkerung und durch strenge Strafbestimmungen möglichst wirksam zu gestalten. 3. Die Herstellung einer wertbeständigen Währ u ng ist mit aller Kraft anznstreben. Eine 'Notenbank ist ohne Verzug zu errichten, sobald der erforderliche Goldschatz oder Devisenvarrat durch eine Valutaanleihe beschafft werden kann. 4. DaS Steuersystem ist durch eine regelmäßige Vermögens- und VermögenszuwachSstcuer , auSzugestalten. Di» direkten Steuern, mit Ausnahme der HauszinSsteuer, und die Gebühren sind in dem der Geldentwertung entsprechenden Ausmaß zu erhöh«:. Auch die indirekten Steuern werden erhöht werden müssen; doch wird die politische Möglichkeit ihrer Erhöhung davon abhängig sein, in welchem Ausmaß die besitzenden Klassen belastet werden. Eine Wohnung s.aufwand st euer für größere und luxuriöse Wohnungen und andere Luxussteuern, eventuell in der Form einer Umsatz st eue r von Luxuswaren, sind einzuführen'. 6. Die Teilung der S teuer quellen zwischen dem Staat und den Ländern, insbesondere die Ueberlassung der Rcalsteuern an die Länder, ist in Aussicht '-zu nehmen. 6. Im Nahmen der Finanzreform ist die Neuregelung der Bezüg e der Staats« n gestellten, insbesondere ihre automatische Anpassung an die Bewegung der Lebensmittelpreise, dorzusehen. 7. Die Anpassung der Verkaufspreise der staatlich bewirtschafteten Lebensmittel an die Selbstkostenpreise ist auzustreben.,'Sie sitzt jedoch Einrichtungen voraus, durch die die Löhne, Gehalte und Pensionen den Lebensmitttlpreifeir angepaßt werden. . ' Die neu« Verfassung wird. Deutschösterreich als B u n d e s- . staat konstituieren. Deutsch-Westungarn wird als ein besonderes Land dem Bunde an gehören. Gleichzeitig mit der Verfassungsresorm ist die Reform d e r V e r wa.ltung durchzuführen. Die politischen Behörden erster Instanz sind so schnell und so vollständig als möglich M demokratisieren. ' Das Mißtrauen der Bevölkerung gegen die Bureaukrati» erfordert die Heranziehung vo n VertrauenAmännern der Bevölkerungskreise als Hilfsorgane der staatlichen Verwaltung. D Die übrigen Punkte handeln über den Schutz der staatsbürgerlichen Rechte, die Demokratisierung des neuen repüblikanischen Heeres,-die Notwendigkeit der Durchführung dev begonnenen S ch u l r e s o r m. Der Absatz über die a u s-) wärt:ge. Politik verpflichtet zu loyaler Durchführung des Fricbensvertrages, inbesondere Verzicht auf jede Äns ch l u ß a g i t a tio n, Durchführung der Bestimmungen des Minoritätenschutzes, .insbesondere 'Erfüllung der t s ch e Ä i sch e n S ch u l s o r d e r u n g e n, Herstellung freundlicher Beziehungen''zu 'ö'eu Nachbarstaaten. '' Bezüglich bet' Ernähr tt it g s fra ge verpflichten sich die Parteien, auf die ihnen nahxstehsu^LN Bevölkerungsteile einzuwirlen, damit sie bis Notwendigkeit einer. Zusammenarbeit aller Teile deS Staates ein sehen.' Neue indirekte Landessteuern: oder Beschränkungen wes Verkehrs zwischen den Ländern sollen ver-- mieden, die bereits bestehenden nach Möglichkeit abgebaut werden. Ein selbständiger Verkehr der Länder mit dem Auslände ist nur mtt Zustimmung der Staatsragierung-. statthaft. Die kriegswirtschaftlichen Organisationen sind planmäßig «bzubauen. - Die S t a a t K k o m. m i s f'i o n ' f -fi r @ o g i « l f 11 r ii n g hat das noch ausstSnd'ge Kummunalisikrungsgesktz. zur Erled.gmig zu brmgen, bei der Umwandlung knegsäryrlscher Betriebe und ehemals dabsbllrg'sMloLhrmgrscher Vermozrnsobjekte in - geMmwnp.chaftltch«>4lyte>chehMWg?u-.-.WlMvlxken. und per. , Gründung nenec Astimgrsell'chaften sowie KapitalserhLbungeN r bereils bestellender, die im, Gesetz über die gemelümirtschcifstichen Anstallen vorgesehenen Vorrechte des Staates! wahrmnehmen. Das semerzril von der StaatStrgirmng ausgestellte Sozialisierungsvrogramm blerbt in Geltung, wobei jedoch anerkannt wird, daß die Z e i t u n d d i e U m st ä n d e s e i n e r B e r w i r k-. lichnng nach der sin an zielten und kreditpol it i s ch e n L a g e bestimmt weiden müssen. Schließlich folgt noch eme Berembarung bezüglich der in Behandlung itchcuden s o z r a l p o l i tischen Gesetze. werden sagen: Der Moritz hat gelogen, und gut. Da ist noch das Gericht; sie werden den Männern glauben und mir nicht; sie werden sagen: Er hat gelogen, weil der Vary ihn so gehauen hat." Wie er sich dann in der Rolle des Lügners inrmer mehr gefällt, wie er nach Aufdeckung, seiner Lüge dürch den StaatZänwält allein steht , zwischen den zerrissenen Thorarollen in der von den Bauern zerstörten Synagoge und sich ins Schach,tnresser stürzt, ist, herausgelöst, das dichterisch Bedeutendste, dieser. Tragödie und trägt Arnold Zw-eigs eigenen Stempel, Wenn auch die Anlchnung au Wedekind sichtlich wird. Von den zahlreichen, scharf umtlffmtt Bildern, in die sich die Handlung auflöst, seien noch einige schöne Eindrücke festgehalten: Vor allem das Gebet der Juden in der Untersuchungshaft. Der Rabbi kasteit sich und ruft die Sünden: . . um di« Hast unseres LebcnS, um dis Gier nach Geld, um die Schmach des Derleugnens, ... um das Leihen auf Zins, bas Langen nach Fremdem." Und Josef Scharf'zählt die Sünden, die er an dem Sohne beging: „Ich habe khn von den heiligen Büchern sortgenommen zu Handreichuügen: Ich habe gewollt, er sollte in große Städte ohn« Jüdischkett gehen, ein Verdiener, ein Lauer, . eti| Fremder sollte er werden." — Trefflich die antisemitische Rede des Abgeördneteu von Jstoczy vor dem Gerichtsgebaude. Dvr Dichter, der die Sendung fühlt, die Wahrheit zn bringen, vermeidet jede karikierende Geste und deckt den Lieferen Grund des Hasses auf, die Fremdhett: „Wer von euch kennt einen Juden richtig? Keiner kennt ihn. Der Jude lacht nicht mit uns und trinkt nicht mit uns und trauert nicht mit unS und sitzt für sich da, wie ein Stein, den auch keiner kennt." — Da ist noch diese packende GerichtSszene, auS der der leidenschaftliche Protest des Magyaren Dr. Hötvös gegen den Ritualmordwahn förmlich aufschießt und da ist dieseandere Gericht im hinnnlischen Blau, daS dia Erzväter über den Untersuchungsrichter Vary abhaltrn. Si« sprechen ihn frei. „Er handelte wie ein Tor, der dir Kröte erschlägt, weil er vernieint, in ihrem Haupte finde er einen Edelstein. Er sah da- Bild der Gekechtigksit verzerrt und bLrmnrig und strebt« ihm zu. Er brachte Läuterung über da? Volk, und schuf, daß es sich anftürmte, schreiend zum Herrn und Maschiach heranzvg an lich>" Allo Sehnsucht und alle Seelennot seines Volkes TelegrüMme. Vor dem Rücktritt des MnserraLes. , Versailles, 18. Oktober. Die „Chicago Tribüne^ nntttilt, soll eme Kommission dm F ü n f e r r a t e r q setzen und als Z'ntrnlorgan der verftbikbrnen Ausschüsse, die« die AnSiiilirimfl des FrudcnsnerlrageL zn überwachen haben, tätig sein. Frantterck, Italien und England wüiben in dieserKommissioä von Anfang an vertreten scm. Javan und Amerika aber erD nachdem sie den Friedensoerttag rcilisizlert haben. w Frankreichs FinanzLage. Paris» 18. Oktober. Finanzmmisier Klotz vekfuchä gest-'rn m seiner in der Kammer grhaitenen Rede den P c f f t W mismus zu zerstreuen, der sich bei der Beurteilung M französischen Finanzlage bemerkbar mache. Eg sei wahr, das) Franker ch vor dem Kriege niemandes Schuldner und der Gläubiger der gdnzen Welt gewesen sei. Aber auch ievt sei Frankreich ein Glciubigerland^ Den gewiß bedeutenden Schuldenlasten-, ständen wichtig« Forderungen gegenüber. Der Staat habe noch groß« Sinnahmsmoglichkelten und das Land könne noch Steuern flM tragen, drc um 5o°/0 das gegenwärtige Kontingent übersteigen.; Die Wiederherstellung der Tndvstrie. U Haag» 18. - Oktober. kKorr.-Bur.) „Niruwe Courantl meldet aus A t l a n 1 t c C i t y. daß die industrielle HandelR konferenz. die Montag dort eröffnet wnd, über die Ve« bessernng der industriellen und wirü s ch a f t l i cfi c n Lage, vor allem mü Bezug aus die AuS-s dehnüng der Kredite beraten wird. Außerdem wird auch über di« Wiederherstellung der durch den Krieg vernichteten I n d u st r t <(. beraten werden. Ein Anfftanv lu Wsftp ersten. * Haag» 18. Ok-obrr. (Kolr.-Bur.) Laut dem „N i e u w « Courant" soll in W e st p e r s i e n ein Aufstand' gegcuj den englischen Einfluß in Nordwestpersten ausgebrochen sein. ." ■ ■ - . •> . Bor eirrev Wendung Ln Angarn? 7-v,' - Budapest, 13. Oktober. (Ung. Trl.-Korr.-Bur.), WtSs ,Al j N.e m z e d e k" meldet, bereitet sich m dcr Politik ein? e n t s ch e i d e u d e Wendung vor. Gestern erschien beim Mmistcrprcrstdrnten Friedrich Bie< Leitung der eycmaligens Arbcitsvartek. darunter die gewesenen Minister LadiZlauZ L n k a s^ und Baron H a r k a n y r. und verhandelten mit chm länger akZ^ Mi Stunden über die politische Lage. Bis Streiks M BeEu. ^'. .BevUrt» 18. Oktober. In den Berliner ElestrizitÜtswerke« haben auch heute die ausständigen.Maschinisten und. Herzer tii Arbeit noch nicht voll wieder anfkenommen. % Berllrr» 18. Oktober. Das ArLeitsrnimstmum teikt mit':., In den . hcmigrn Verhandlungen der Vertreter deS Metalls nidustriellenyerbaudeZ out den Berlretern des MetallarKcitevi'- verbanpes wurden die Nnpartenschen deS Schiedsgerichtes endgültig gewählt. Die Verhandlungen finden D i e n s 1 a s ^dr'MtagS statt. > ... Eichhorn Ln der denkfchen NaLronal-; VSLsNMMlANg. °.i^ Syxicht vor dem leeren Hause. V BeErr» IS. Oktober. (Kor.-Bur.) In der hvvüM Sitzung der Nationalversammlung ergriff bei Beraiüng dK Etats des Arbeitsmirttstcriums der unabhängige Sozialist nutz, fikhere Polizeipräsident von Berlin Eichhorn daS Wort.? Sofort bei Beginn seiner Ausführungen verließ e n sänch.' liche Abgeordnete mit Ausnahme der Parteigenossen Eichhorns' mid ebenso d-e Mitglieder der Negierung d e n S a a l. Slufj der Prästdententtibüne blieben nur brr Präsident und ein Schrift»; föfirer zurück.! hat aber der Dichter in die letzte Szene gegossen und da^l- Pathos seiner Sprache zu edler Schlichtheit gebändigt. Die! Sagengestalt beS Baalschem streitet gegen AkiLah für den; Knaben' Moritz Scharf, der aufwuchZ, „genährt mit Uftter-j Lrückung und getränkt mtt sremd-n Wassern." „Du kennsts nicht das Leben in diesen Ländern," ruft er Akibah zu,' „und wie es die Seele schwächt." Von Gott zur Enischeidung; berufen, bestimmt Baalschem dem Knaben, der „ein GefäA des Maschiach war, ein Bote der Glorie und ein Wagens GotteS," daß er wiedergeborenwerde als Bauer, im'Landes der Väter, „m Freiheit, Wissen und Freude." , \ |. J v Bei der Vühnenansführung — vielleicht wirkten -da! die geringen technischen Mittel der Neuen Wiener Bühnen mit — gingen so ziemlich alle Qualitäten des Werkes ver-f toren. In den Vordergrund traten die krassen Vorgänge^ des Prozesses, während dis bessere Hälfte, die überirdische/ verloren ging. So kam eS, daß Arnold Zweigs ernstes; Gedicht wie ein Kinofilm wirkte. Die Gebetszene im Kerker! mußte versagen, well man statt derEjüdlschen Bußestimmung eine ordnungsmäßige — Litanei zu hören und ein —, Abendmahlbild zu sehen bekam. Da die Rolle deS Staatsanwaltes zn stark gestutzt wurde, der Schauspieler, welcher, den Advokaten Dr. EötvöS gab, versagte und der obens erwähnte himmlische Rechtsspruch über den Untersuchung^ richter Vary wegsiel, standen — sagen wir daS nur offen' — zuviel pechschwarze Christenseelen der unschuldig leide«» den Judenheit gegenüber und daS liegt, mtt Verlaub, nichts in den Intentionen der Tragödie. Manches szenische Ungemach kam hinzu und die an sich braven Vorträge elne-,> jüdischen GesangSvereineS ersetzten die himmlische Sphärenmusik so merkwürdig, baß der Schritt vom Erhabenen zun^ Lächerlichen fast getan war. Immerhin tat die Spielleituntz ihr Möglichstes und die zahlreichen Mitwirkrnden fetzten iha ganzes Können ein. Die hochbegabte Elisabeth Vergney war als Moritz Scharf auSgezrichnet und von den übrige» Mitwirkenden seien insbesondere Ludwig Stärk» Mikich (ein teuflischer Untersuchung-richter!), Sugen.J d n f eifij «nd Kurt Lesse» hsrt»orgrh»br«. vmmy Förster ,F)umruhctt" in MaSke und Ausdruck hervorragend. Nack Schluß der Vorstellung dankte Direktor Emil Geyer namens des Autors Uh° dc.n starken Beifall. : J Otto Ab ekeA.!