Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 269 (19.10.1919)
- Date
- 1919-10-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien. Sonntag 19 Oktober 1919 Nr. 269 H—-- ----- *■..., — — - Durst stillen müssen, Völker, denen eine grausame Geschicke bisher den Besitz der eigenen Heimat verwehrte. Diese Völker vertrauen auf die, wenn auch langsam so doch sicher wirkende Macht der Idee, die die Selbstgenügsamkeit des einzelnen zur Voraussetzung für das Zusammenleben der Völker erhebt. Weder eine soziale noch eine nationale Idee läßt sich gewaltsam durchführen oder dauernd sichern. Nur die Versöhnung der Völker im Sinne des Selbstbeftimmungsrechtes und des Völkerbundes können die Sittlichkeit des internationalen Zusammenlebens festigen und der Welt den ewigen Frieden bringen. Unheilbare Blindheit. w JlMen, 19. Oktober. Die tschechischen Juden, bas ist die Partei der organisierten tschechischen Assimilanten, scheinen sich in der letzten Zeit der besonderen Sympathie der tschechischen Regierung zu erfreuen. Die tschechische Negierung fördert ihre Orgamsationsbestrebungen, jene paradoxe Tendenz des Zusammenschlusses zum Zwecke der Auflösung, und der Leiter des tschechisch°jttoischen Propagcmdaburearrs, Dr. Alfred Fuchs, soll, wie wir erfahren, vcn der tschechischen Regierung zum Mitglied der tschechischen Propagandakommtssion für Tescheu ernannt worden sein, weil man sich von seiner Tätigkeit eine Beeiuflussu rigider Juden im Abstimmungsgebiet zugunsten der Tschechen verspricht. Lallte diese Nachricht, die sehr glaubhaft klingt, wirklich charakteristisch für die Auffassung der Judenfrage seitens der maßgebenden Faktoren sein, so ist sie nur pieder ein Beweis der unheilbaren^ verhängnisvoll/:» Verblendung in der Betrachtung nationaler Fragen, Me ein Erbstück der österreichischen Monarchie ist. Die Juden im Teschner Gebiet sind bisher teils deutsch, Mls polnisch orientiert gewesen, keinesfalls aber tschechisch. Die einzige Möglichkeit, sie für den tschechischen Staat zu gewinnen, wäre, sie als Juden ihrer Eigenart gemäß zu behandeln, als jüdische NatioliaUtäi anzue rkennen, dadurch dem nationalen Zwist zu entziehen und gleichzeitig die Verwaltung -es Staates so einzurichten, daß die Juden die Ueberzeugung gewännen, daß sie in diesem Staat eher ihr Kecht sinden werden als in dem polnischen. Wenn die Legierung aber die Juden nicht für den tschechischen Vtaat, sondern für die tschechische Nationalität gewinnen will und ihnen zu diesem Zweck einen fanatischen Assimilanten auf den Hals schickt, so tut sie dasselbe, was die Deutschen iw alten Oesterreich, insbesondere in Böhmen, was die Polen und Ungarn gemacht haben und was so katastrophale Folgen für!ms ganze Reich hatte. Die Tschechen wenden sich heute in blindem Haß gegen die Juden in der Slowakei, veil sie ihnen vorw-rfen, daß sie zur Zeit der vtagyarenherrfchaft magyarisch gesinnt waren; gleichzeitig aber tun sie genau dasselbe, was damals die Magyaren taten: sie wollen die Juden als Instrument ihrer nationalen Gewaltpolitik verwenden und sie teils durch Ueberredung und Propaganda, teils durch Gewalt sur Assimilation zwingen, obwohl sie im sozialen Leben iruch den assimilierten Juden deutlich ablehnen. Alle Tarnungen der Nationaljuden, welche nicht nur das V-ohl der Juden, sondern das Wohl deS Staates wollen, lind vergeblich. Obwohl Präsident Masaryk selbst sich im Ausland von der Bedeutung der Nationaljuden überzeugt hat und sowohl den Führern der amerikanischen Nationaljnden als auch dem Prager Nationaleat wiederholt sein volles Verständnis für die jüdischrationale Bewegung ausfprach, scheint sein Einfluß doch nicht stark genug zu sein, um den Wall von Gedankenlosigkeit, der den Gesichtskreis der aus Oesterreich übernommenen tschechischen RegiermrgsLeamten umnebelt, zu durchbrechen. Man muß leider manchmal zweifeln, ob die tschechische Opposition in Oesterreich wirklich das österreichische System treffen wollte, denn in Wirklichkeit haben die Tschechen diesem System nach Oesterreichs Vernichtung eine gesicherte Heimstätte in ihrem Land bereitet. Sie operieren noch heute mit Vorliebe mit österreichischen Ausnahmsvevordnungen und der von ihnen gehaßte und bekämpfte Graf Stürgkh lebt nur noch in ihrem Lande weiter. Ebenso scheint man sich jetzt bei Behandlung der Juden frag« auf die rlte österreichische Verfassung und die österreichischen Gesetze stützen zu wollen. In Oesterreich gab es bekanntlich keine Mi'che Nation, weil dieses vermoderte und verstaubte Staatsgerippe eben überhaupt nicht wußte, was draußen im wirklichen Leben vorgeht. Aber wir glauben, daß das in.der ganzen Geschichte einzig dastehende klägliche Ende Oesterreichs, an dem doch auch bis Tschechen mitgewirkt haben, für alle Zeiten eine Lehre sein sollte, was dem Staate geschieht, der dauernd die Wirklichkeit ignoriert und seine Existenz auf einem System von Unterdrückungen aufbaut. Dir Mission des errn Fuchs ist symptomatisch für diese Politische lindheit. Wir glauben, daß wenige Tschechen den Ehrgeiz haben, die Juden für die tschechische Nation zu gewinnen; wenn sie sie jedoch für den S t a a t gewinnen wollen, was wir für durchaus möglich und wünschenswert hatten, so mögen sie sich rechtzeitig darauf be- Iinnen, daß man hierfür andere Mi tel anwenden muß; >enn auch die Zeit ist heute eine ander«, auch die jüdische Nation läßt sich nicht mehr als willenloses Werkzeug mißbrauchen. ES ist ei» gefährliches Spiel, einem Volke feine Würde zu nehmen, ihm ein ktzW.eS. Bekenntnis aukurlötigea und dann von ihm Der Kampf gegen Sowietrußland. Kronstadt gefallen. London» 18. Oktober. (Korr.-Bnr.^ »Daily Erpreß" meldet aus H e l s t n a f 0 t §: Kronstadt hat sich nach einer Beschießung durch die britische Flotte ergeben. Gnsichd weise verlautet, daß Juden sich Mittwoch abends m S a n k t Petersburg e i n m a r s ch r e r l sei. Die Menschewiken unterstützen die Bolschewiken. Moakn«, 18. Oktober. (Funkspruck 1 Sfttt 16. Oktober fand >n Moskau e ne Versammlung der Menschewiken statt, in der beschlossen wurde, dre Bolschewiken angesichts der derzeitigen polnischen r^age ans allen Kläffen im Kample gegen d'r zaust,schen Generale zu u n t r r st ü y e n. um mit der Nerublik gleichzeiüg du Errungenschaften der Revolution zu verteidigen. Heftige Kämpfe bei Gakschina. Adoskau, 18 Oktober. cFunffpri Frontbericht vom 16,1). M Im Gebiet von Archangelsk olme j.'de Veränderung. Westlich von Krasnaja Gorta und bei G a t s ch i n a bett > ge Kampfe. Im Gebier von Level drüvgtrn nniere Truppen den Gegner mn mcl>r als 90 Werst zrnück. Südlich von Kiew verfolgen wir den we chenden Gegner. Beider Einnahme der Stadt wurden ungeheure Mengen von Prvv'ant und Kriegsmaterial erbeutet, die Armee Deniklns wu de durch den plö'ff chrn Angriff ü b e r r u m p.e l t und zersprengt. Dre Stadt K r o m i wurde nach schweren Kämpfen besetzt. Die bol'chewistische Front durchbrochen. Amsterdam, 18. Oktober. «Privat.) In Moskau herrscht infolge des Bonückens der Heere Judenilsch Uiid Drnikin g r 8 s> t e Spannung Die Bolschew tcn sind n chi mebr imstande, die erregten Boltsmassen nieder «halte,,. Die Auflök ung des bvischewlkischenHeereSrß allgemein An M'-br-ren Stellen ist du bol'chcw'lifche F ont durchbrach en uud eS fehlt an Reserven, um die Front w.eder herulstelltn Amsterdam, 18. Oktober. Dnn »T,elearaaf* mwkge meldet .Dacky Expreß" aus H«limg>0ls zur Einnahme von Kronstadt, daß d>e Beschießung durch d>e rngli'chr Flotte außerordentlich heftig war. Dre Fenster in den Häusern der benachbarten sinnischrn Grenzdorier wurden infolge des Lu d uckes emacd,nickt. In der russischen Küche tn Helsinasors wurde die Belrckung St. Petersburgs sesllrch be» gangen. Gitschina geräumt. Moskau, 18. Oktober. ^Funkiprueh.) Frontbericht vom 17.: Wirhaben Gatschina geräumt. Jin Grb et von Lep el ri'ickren mrr weiter vor, wobcr wrr Geangene machten und große Mengen von Kr reg 'matt! iak erbeuteten. F a st o w wnrde von uns nach bcjitßcm Kamps besetzt. Im Geb.er von Tschernrgow amgen wir znm Auguff über und sieben 20 W e r st nord o st lrch von Tschernrgow. Im Gebiet von W o r o n e s ch näbe,te sich unsere Kavallerie bis a«' zehn Weist der Stadt. Zwischen Wolga und Don g>ng der Gegner zum Angriff über und drängte unsere Truppen an einigen Stellen zurück. Im Gebiet von Ural und Oreubu>g Ruhe. Im Gebet von Kurgan rücken unsere Truppen dem weichenden Gegner nach. Treue und Charakter zu verlangen. Das jüdische Volk ist sich selbst durch' zwei Jahrtausende treu geblieben; vor der Welt wiü> es als aufrechter Charakter erst daun dastehen können, wenn diese Welt darauf verzichtet, eS nur in Sklavenketten sehen zu wollen. Deutschlands Schuld an der polnischen Iudennot. In der »Jüdischen Rundschau* (Berlin) charakterisiert Justus B e r g e r, der im Kr.ege als Leiter deS jüdischen Arbeitsamtes in Warschau taug war« die Eigenart der ostlüdlschen Einwanderung nach Deutschland während des Krieges, wo nian die Juden öl8 Arbeiter heranzuzirhen bemüht war Mid nach dem Kr,ege, wo eS sich meist um PogromllüchtllNge handelt. Dabei enrwiift er folgendes beachtenswertes Bild von dem Derhalten der deutschen Behörden zu den Juden in Polen, d:e geeignet sind, endlich einmal dre Wahrheit über daS an de» polnifchen Juden begangene Unrecht aufruhellen: Dre Politik der deutschen OkkupalionSbrhörden in Polen gegenüber den Juden gehört ui den f i n si e r st e n Kapiteln diese- Krieges. Dieselbe deutsche Verwaltung, die bei ihrem Einmarsch in Polen sich den Juden als Befreier anpueS. bat sie später den Polen politi'ch vollkommen preiSgcgrben. bat in einer bewundernswerten Unfähigkeit «ÜeS getan, um den nationalen Zusammenschluß der Juden zu hindern und durch erne ganz üble Einmischung in ihre murren Verhältnisse alle Z rsryuugSbestrebungen am polnischen Judentum zu fördern und hat sie wirst sckaffl'ch ,n einer Werse a u S g e b r u t r t und r u r n i e r t, die ohne gleichen in der Geschichte dasteht. Vrcl schlimmer aber noch erlS die Unfähigtert und Brutal«t 8 t der deutschen Besavungsbehörden in der Behandlung der Judenirage war das Verhalten einer großen Zahl der deutschen Militär- und Beamten. Sie haben die polnischen Juden b e st o h l e n. b e r a u b » und v e r g e w a l t i g t. der sel>m»>tz>gste jüdische Krämer war dicke« Herren gut genug. um sich an seinem Geide znbereichern, sie haben sich von ihnen bezahlen laßen für jede amtliche Verrichtung, zu der sie ge wungen waren, sie haben von ihnen verlangt, daß sie chncn ihre Töchter in die Bureaus schicken» damit der ileini'te ReiseausweS bewilligt wurde — dieselbe« Krerfe, die sich jetzt nicht genug tun können in Klagen über dre Drohende Versuchung Deutschlands durch eene gar nicht bestehe» e Mische Masicneinwanderung. haben den deutschen Namen in Polen geschändet durch chre skrupellose Beutegier und haben alle moralischen Begriffe dort so erschüttert, habm die Juden derart unglücklich gemacht, daß auch die we« estgehknde Wideigutmachung acht a»»S>t'chen würde, »m das Ansehen deS deutschen Namens Sei den polnischen Juden w eder herzusiellen. Ich rede nicht Blaue hinein. Wrr kennen d>e Fälle, und sind in der Lage, sie zu belegen. Der Fast jener Oisiuere, die rn PruShauh jitdi'ckie Frauen während De* zwaugSweise von Landsturml Uten (nicht etwa von Schwestern uoraeuvmmcnen Eurlausung photographierten, ist de» wertem ' Nicht daS greulichste Merkmal sittlichi-r Verwahrlosung, daS dm Großteil der drul'chen Besatzung in Polen auszeichuete. Es mag dem neuen Deutschland eine moralische Befriedigung sein, daß es imstande ist. durch G Währung des Asylrechtes an em paar unter dem Druck der poluisch.'y Verfolgung entlaufenen Juden etwavon dem wl'der gutzuiuachen. was die Träger des irühcren Regimes an den polnischen Juden gesüuvi.üt haben." Das Rätselrate« ln Angarn. (Bon unserem Budapester Korrespondenten.) Gewisie Vorgänge, die sich zw'sckien dl-m Min>steipräsidente« Friedrich, dem Almceoderkominandanken H o r t h y und den Rumänen m Budapeit in den letzten Wochen abwlckien, haben trotz der von beiden Se stn beabsichtigten Gehrimbäl'ung w--mgßenS so viel durchsickern lasten, daß dre R<staurat'vn dec. Monmchre rn Ungarn jetzt rrn Brennpunkt der allgeuie>nen D skussion steht. Es rst merkwürdig, daß es noch rmmer so viele Politiker und Denreter der öffentlichen M inung gibt, die den wahren Stand der Dinge in Budavest v^leni'M und dem MlNiffe,Präsident-it Friedrich noch ]o viel Glaub-n schenken, daß er die Frage über die enggüliige Staatsiv'.m Ungarns l»nd über die Union des zukünftigen Königs wnkl ch drr Naiion zur Enlschciduna Überlasten wird. Bor allem darf bet der Erörterung des monarchistischen Problems in Ungarn n cht außer Acht gelrsten werden, daß die stärkste Parte» des heutigen Unnarn. die chrrstl'chsoziale unter der Ftthirnrg des Ministers Karl H rr s z a r unvee-rngt für die Wieder-« eryfetzung der Habsburger ist. Huszar selbst, der eine der elnstuüreickisten Pc>sönlichke>rcn un gegen» wärt gen Kabinen ist. zahlt seit siher zu den glühendsten Ver'hiern des Ex-Kön gd Karl. Er hat ja auch der irühere» Heirschersamille ein Berherrltchuna-werk gewidmet, und zwar gerade im letzten Monat der 'Rcg'rrungI.'ätigkeil Ka>ls. Der ungarische Kultusm nister macht übrigens auch jetzt gm kein Hehl da'anS. daß er entgegen ntlen von der Gentry lau'gewordenm P.'ün'chm nach miicmi engl ichen P inzen sich mrl dem ganzen Eiiifliiü feiner Partei 'llr die Rückk'hr Karls einseyen werde Aber auch Friedrich ist iür die Wieder kehr der Habsbu'ger. Er hat. diesbeziigl ch e«nen ganz brst>mmten Pakt mit dem Eizherrog Josef abaeschlosten Daß dreier Pakt auch tan,schlich kingedalien weiden soll, dafür w>rd zw,->fcllos der »mgaiische Almeeoberkommandan Horthy Sorge tragen, der ml! ferne,n ganzen Anhang gerade in der letzten Zert demorift'altv slir dre Haböbuiaer ringeireltn ist. Man muß sich überhaupt darauf a faßt mach n. daß ^rr polit sche Entwicklung in Ungarn künftighin unket einem starken Drucke der neuen, eigentltch der allen aus k.und k.Genkr.il''täblcrn sich rrhu'icrcnbt«, Militär käste stehen w-rd. Horthy hat seine ganz bestimmten Pläne, die er zweifellos zu verwirilrchen trachten w.rd, somrr nur, drr Rnnränen aus Budapest abgezogen sind ... Aber noch eine andeie überaus rinffußrelche Persönlichkeit setzt sich heule mit aller Kurst für die Nnckberunmg der Habsburger ein. Es rst dieder nngariiche Fiustprim is C s e r n o ch,: der jetzt als dci'igntcrter Vorsitzender des Starisraicß. der nt Brldmrg begriffen «st, gilt. Cie,noch steht in liiniästem Kontakt mit Erzherzoa Jose! und nicht zuletzt um den Stinilnnngsmachem für Karls Rttckber ufrm.q. P o l z e r u n d W i n d i s ch g r ä tz. Ja. v ellckcht haben lene Politiker Nicht unrcch'. die behaupten, daß Ciernoch, wenn er tat'ächlich der Präsident deS SiaatSrates werden sollte, nur der Platzhalter tür den aut die Rückkehr nach Ungarn wartenden Ex» König Karl fein wird. Man sieht al'v, daß genügend Tatsachen' dat'üc sprechen, nm sich Uber die voibrst minie Perlon d-'s zu»' ki'n't gen Königs von Ungarn nicht hinmegtästschsn zrr lasten.^ Drrse falschen Gerüchte gehen s.lbstvcrständlich von Furduch aus, der absichtlich den rvahrty Sachverhalt so lange verschleiern will.- bis er den Nationalstaaten mit ^einer vollzogenen Tatsache aus-' walten sann, da er vor einer" Intervention der Tschechen Und Jugoslawen m Par-S eine höllüche Angst hat. Man darf darauf gckp.rnnt sein, wckche Entwicklung die Drnge in Ungarn nehmen werden. Btkll'icht steht dieses a>mc Land wieder an r** Schrvrlle rmeS neuen bedenklichen Abenteuers... . Lloyd George über die türkische Frage. Uebrr die Rede Llovd Georges in Sbessield meldet ..D a l l Y ÜÄair noch folgendes: Lloyd Georye versprach, daß bis rum Iahresschluü 98 Prozent aller Mobilrsicrtrn m England abgerüflet haben würden. Arck dre Orr e ntfragen übergehend, erklärte Lloyo G.'orge, der Friede mit der Türkei könne nicht geschlosfen werden, solange sich dre B e r e » n i fl t e n Staaten n , cht entschieden haben, ob sie am Uivilriatlonswerk außerhalb Amerikas weiterhin terlzrmehmcn und die Bürde solcher Kulturarbeit auch jenleits deS Ozeans zu tragen gcw llt sind. Dickes aber sei die heilige Sendung der angel- »üchsischen Raste in den verschredmstcn Teilen der Welk. Sol-rüge mdrssnr die Blu'Sbrüder jenirrrs des Ozeans, gleichen Stammes * und gleichen Sinnes, teuren best inmten Entschluß m - der türkischen Frage gefaßt hätten, laste sich bi« Zukunft der Trümmer d e S v 1 t o m a n i s ck, e n R e i ch e s nicht bestimmen. Jab'hundertel,mg gequälte und geknechtete Menschen strecken ihre Al me nach Anierika ans. das ihnen Erlösung und Frerhtlt bringen könnte. England könne daß n cht allem besorgen, ebenso wenig wie Frankreich. England l« bis zur Grenze dessen gegangen, was es zu leisten vermag. Werter m gehen wäre von Uebrl. Solange aber mit der Türkei kein Friede gckck,losten sei, erscheine eS für Enaland trotz der großen 5kvstm rmmöglich. vvllilünd'g abznrüstcn. Es sei für das brit'sche Reick Lue für dre g a n z e W r l t v o n höchster W i ck t i g t e»t, daß soviel Unrulschrcdcnes schnell und reinlich entschieden werde. n r » Beunruhigung in Paris wegen unserer sinanziellen Lage. Washington, 13. Oktober. iFunkipnich' »911» G^o c f Herold" berichtet aus P a r r S, daß die aus W r e n rrmieffcnden Berrchte über die i l n a n z r e l l e Lage, welche die Beschaffung von Heizsioffen und Nahmngsm t ein unmöglich mache, die Frledeir^koilserenz stark beunruh'ge. Dre österreichisch' Krone, dre im Fr reden 1" Cents hatte, gilt heule weniger als 1 Cent und rst rn den letzten Tagen um 40"/« gefallen. Biele Delegierte kalten es für a u S g e s cb l o s s c n. daß Oesterreich brS zur nächsten Ernte das Ä u 8 l a n g e n f i n d e. ohne daß die Eniente erne» entsprechenden Kredit zur Ausrichtung der unglücklichen Währung zur Verfügung stelle. Der Verkauf der Knnstschätze. Die gestrige ^Wiener Zeitung" bringt den Wortlaut deS Gesetzes Über den Bertauf der Kunüschätze. Darnach w.rd die Regrerung elmächtigt, ans sdiatlichein Besitze Gegenstände vyn gckchtchtl chem, künstlerischem oder kulturellem Werl (Antiau täten, Gemälde. Miniaturen. Zeichnungen uiw.i zu verpfänden, zu neräußern nnd auSzuführen. soweit nicht Brstintmungeu des Staats- Vertrages von Saml^Germain rntgegenttrhen. \