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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-19 · Heft 269 (19.10.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 269 (19.10.1919)
Date
1919-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die miLtsleurvPaische Kohlenkommissron in M Z h r i s ch ° O ft r a u hielt diese Woche ewige Sitzungen ad, in welchen hauMsachlich über die Mittel für die Milder u n gder Wiener Kohlennot und über die KohlenVerteilung «ns drei Revieren beraien wurde. In beiden Richtungen gelangte man zu keinem positiven Resultat. Bezüglich der Hilfe für Wien wird der Vorstand der Kohlenkommission, Oberst Nutti» mit der Lschecho-slowakischen Regierung verhandeln, zu welchem Zwecke er heute nachts nach Prag abreiste. Auch der tschecho-slvwakische Vertreter, Oberbergrat Durhch, hat sich heute nach Prag begeben. Die Kommission wird in der nächsten Woche die Sitzungen fortsehen. Die russische Nordwestarmee vor Petersburg. Amsterdam, 18. Oktober. (Korr.-Bur.) Nach einer Meldung des Reuterfchen Bureaus aus Helsingfors hat die russische Nordwestarmee Krasnaja-Zelka und Farskoje-Selo eingenommen. Dr. Reisch für die Schaffung einer neuen Noten- , ' bank. Antrittsrede des neuen StaatssekretKrs für Finanzen. Im Stacitsamte für Finanzen versammelte sich gestern, Nachmittags die Beamtenschaft dieses Ressorts, um sich von dem bisherigen Chef Dr. Josef Schumpeter zu verabschieden und den neuen Staatssekretär Dr. Richard Reisch zu begrüßen. Dr. S ch u m p e t r r hielt eine Abschikdsrcde, und nachdem ec sich entfernt hätte, betrat Staatssekretär Dr. Reisch dm EckpmngS'üal. . Settionschef Dr. M ü h l v e n z l begrüßte den Staats-, sekrrtkir namens der Beamtenschaft. Siaatssekretär Dr. Reisch führte aus: Der kommende Winter wird für unser hartgeprüstes Vaterland im allgemeinen ein s ch w e r e r s e i n, er >vrrd aber ganz besonders an Uris hier im Hause die höchsten Ansordenmgen stellen. Wir werden Opfer bringen, wir werden aber auch Opfer fordern müssen. c ' , Zu den verschiedenen Agenden, welche in diesem Hanse von scher veieinigt waren/gesellen sich in der nächsten Jett noch einige g a n v neuartige Aufgaben —' die Durchiü-tung der finanziellen Bedingungen des Fuedensvei träges, die hierdurch bedingten, weit ansgreifenden Vorarbeiten und die Auseinandersetzung oder besser gesagt, das Wiedarzusammenfinden mit ben Sukzessionsstaaten. Wir müsien uns in all diesen Belangen mit den historisch geworbenen Tatsachen a b f l n d em und uns den neuen Vcrliättiiisscri Bukarest, 18. Oktober. (Del.-Komp.) Die Agentur Dacia meldet: König Ferdina nd von Rumänien äußerte sich in einem ein in amerikanischen Journalisten gewährten Interview in folgender Wei'e über die rumänische Juden frage: Die'Mische Frage ist in Rumänien bis heute aus Wirtschaftliche.n Gründen nicht gelöst worden. In Rumänien ballen niemals Judenverfolgungen wrgen Na sen- oder Relig'onSzugehö-igkeit stat'gefunden. Rumänien kennt keine Pogrome (?!) wie andere Länder. Jetzt sind die wi'rt'chastlichen Schwierigkeiten geschwunden und eS sind deshalb keinerlei Gründe mehr dafür vorhanden, das; man 'den Juden Rumäniens die vollständige politische Emanzipation, vorsagerr soll. So lautet auch mein Versprechen, das ich während des Krieges dem Ja'sM jüdischen Komitee -bezüglich her Emanzipation-der rumänischen Juden gegeben habe. Dieses' Versprechen wurde durch die Dekrete dom September 1913 und Mn 1919 erfüllt. Als das e sie Dekret bei feiner Anwendung lech i ch: Schwierigkeiten aufkommen ließ, wurde es durch das zweite Dekret cr'etzt, demzufolge alleJudenRumä niens Staatsbürger des Reicher sind. Wenn auch bas letztere aus gewi'sen Gründen teilweise vndürchführbar fein sollt-». werden gewiß die notwendigen Modifikationen kommen, denn daS L«nd'Ist entschlossen, bk jüdische Krage für immer zu erledigen. Ich biu den Judrii immer wohlwollend gegenüber gestanden und ich hoffe, daß ihre Lage, wen» sie einmal Bürger? aeworoen sind, nichts m anpassen, wir müssen den Blick nach vorwärts richten «nd eine bessere Zukunft vorbereiten. So werden wn den Ententestaaten gegenüber unsere wirtschaftliche Situation klarlegen und darauf dringen müssen, daß deeLommission des reparations ie eher vollen Emblick m du durch den Frudensverttag geschaffene Lage erhält. s 7 ' . w <§,« e r s ch-Ü t i e-t t?t §- 0 e l d w e s e n bringt das Kieditshstem ins Wanken, wie umgekehrt das Versagen des Kredites durch die Nötigung, zur Noteuvreste zu greifen, das Geldwesen immer-weiter untergräbt. Hier Abhilfe zu schassen, tst umso dringender, als wir in unserer Versorgung vom Auslände abhängig sind und das Ausland uns die Fehler unserer Geld- und Kreditpoltik b 111 e r b Ü ß c n l 8 ß l. Wir müssen uns daher tott bei Notenpresseabkehren, auf die sukzessive Beseitigung der I n f l a t i o n und d i e S ch a f s u n g e i n e r n eue n Notenbank und Währung bedacht fem, worin zugleich dieVoraussctzllng ernerSanierung u n s e r e s B u d g e t s g e l e g e n i st. In der Hauptsache aber wird die Sanierung desBudgets und damit uuferes Kndites doch aus der Erschließung neuer Ernnahmsq nellen erwigen müssen,, in welcher. Al beit sich die Steuer-, Gcfälls- und Gebührcnseklion zu lecken haben wird. wünschen übrig lassen wird. Eine Annäherung und ein gutes Einvernehmen zwischen Juden und Rumänen ist notwendig. Ich werde alles, was au mir liegt, tun, um diese Annäherung herbeizusühren. Im neuen Rumänien darf es keine Judenfrage geben. alle Bürger müssen sich uneingeschränkt der gleichen Rechte im Staate erfreuen. Wir sind mit der Verhandlung der Minoritäteüfrage durch dieFriedenskonferenz nicht zufrieden. Ich habe die U.eb-cr',eugung, daß die Juden gute rumänische Bürger sein werden, zu ihrem eigenen Wohle und zum Wohle des Landes. (Es ist ganz klar, daß die Aeußcrungen König Ferdinands für die Oeffentlichkeit der Entente, besonders Amerikas, ge'pr^chen sind. Den Eingeweihten muß es! angLjichts der umr.-örten Leiden und Qualeti, die die Juden während des Krieges in Rumänien und den von diesem besetzten Gebieten zu erleiden hatten und die in dem Buch von Dr. S. Bernstein ,F)ie Judenpolitik der rrunäui'chen Regierung" aktenmäßig belegt sind, wie ein Zynismus anmuten, wenn der. König mit aller Naivität versichert, daß Rumänien immer ein P-?.rabier der Juden war. Hoffentlich ist seine Erklärung, daß es in Zukunft besser sein s-oll, ernster gemeint, als feine Bemerkungen über die Vergangens'eit. Warum sich aber Rumänien gegen da- Minon.ätenge^etz fa sträubt, wärs darnach nicht ein- -ufehen. Diese Wcige.uus ist &i« gutes Zeichen. Die Rrdaktiomj Die Versöhnung der Völker^ —7 Wien, 19. Oktober.! Der Ring um Lenin schlicht sich. Admiral Kok-« tfchak geht östlich des Urals vor, Denikin operiert m! der Ukraine gegen die Sowiettruppen und Generali Judenitfch greift mit Unterstützung der englischen Flotte,! der deutschen Truppen im Baltikum und des deutschen! Landadels, Petersburg direkt an. Schon soll sich ihm! Kronstadt ergeben haben und der Einmarsch in Peters-! bürg, der die Sowielregierung im Norden vom Meer absperren wird, scheint unmittelbar bevorzustehen. Diese! Gefahr' hat innerpolitisch zur Vereinigung sämtlicher! sozialistischer Parteien geführt, die sich um Moskcmj scharen, um die Ergebnisse der Revolution zu verteidigen. Ihr Widerstand wird aber kaum non Erfolg begleitet sein. Die Feinde sind zu zahlreich, als daß! ihrem Druck das Leninsche System widerstehen, könnte. . j Das Sowietsystem war in Rußland eigentlich! nur der Kultus der Gewalt, die in den Dienst einergroßen Idee gestellt war. Aber kein Werk der Gewalt! hat Dauer und so muß auch die Sowietrepublik nach mannigfachen Zwischenfällen und nach schweren Opfern an Blut und Intellekt zusammenbrechen. Alle diejenigen, welche sich auf Gewalt stützen, die Nationalistendie ihre Sache mit Handgranaten und Kanonen verfechten, die Bolschewiken, die ihre Ideen mit Bomben und Revolvern in die Wirklichkeit Umsetzen wollen, müssen sich durch die Wucht der Tatsachen belehren! lassen, daß die ganze Welt nach großen ehernen! Gesetzen ihren Laus vollendet. Eine Entwicklungj kann mit Gewalt eingeschränkt oder verzögert werden,! aber in jedem Falle tritt eines Tages die Reaktion! ein, die wieder so lange ihr Spiel treibt, bis die Ausgleichung im Sinne des notwendigen Kompromisses erfolgt. Für Rußland kommt jetzt das Wellentals Den -Zarismus hat das System Lenin mit öem roten Schrecken abgelöst. Ihm folgt nun der weißer, Schrecken. Für die großen Massen der Bevölkerung! ist aber die Farbe des Schreckens gleichgültig: Terror! bleibt Terror, ob im Dienste eines absoluten! Monomachen oder im Dienste der angeblichen Welt-! beglückung. J Die großen Denker haben uns gelehrt, daß der; Fortschritt der Menschheit nur durch Aufklärung, durch!. Bildung, durch Arbeit erreicht werden kann. In detj Bevölkerung selbst muß die Einsicht erweckt und ge-i . nährt werden, die ihr den Willen und die Energie! schafft, welche notwendig find, den Grund ihrer Leiderr! durch organische, gesetzgeberische und produktive Arbeid Zu beseitigen. Ebenso wie die Beglückungsidee betj absolutistischen Monarchen nur vorübergehenden Wert! hatte, so sind auch die Beglückungsideen , eines Lenim und Trotzki etwas Unnatürliches, so lange sie nicht: aus der Seele des Volkes selbst hervorgehen und so" lange sie nicht in dem Wlllen der großen Massen fitrdie Dauer verbürgt sind. j Trotz der grausamen und schmerzlichen Erfahrungen^ die die Welt mit der Religion der Gewalt gemacht^ hat, sehen wir heute noch immer die Nationalisten und Extremradikalen am Werke der Verhetzung. Dtts Friede, der nach fünf Jahren mit so großen Opfers erreicht worden ist, ist nicht der beste Friede. Die? Verträge von Saint-Germain und von Versailles haben allen Friedensbekennem tiefe und schwere! Enttäuschungen gebracht. Aber sie bedeute» doch den Frieden, sie ermöglichen ein Zusammenraffen der so lange vom Kriegshandwerk gs^ bundenen Kräfte und das, was in diesen Staatsverträgerp nicht verwirklicht worden ist, bleibt weiter das Zi«t der Menschheit ohne Unterschied der Nation. U»^ dieses Ziel zu erreichen, wird die Menschheit mtofc lässig arbeiten muffen. Das Selbstbestimmungsrecht de^ Völker, einmal proklamiert, bleibt nach wie vor der Grundgedanke der großen Verfassung der gesamtes Menschheit, wenn auch die Nationalisten und Jmperi^ listen der Siegerstaaten am grünen Tisch die Oberhand gewonnen und den tapferen Wilson aufs KranLenlagg^ gebracht haben. Die Idee lebt und sie wird immer meh^/ Einfluß auf die großen Massen gewinnen. Sie ist nicht der grüblerischen Phantasie einzelner Männer «tfc sprossen, sondern sie ist der Ausdruck der maltÄt- Sehnfucht aller Völker nach Freiheit, nach sicherem! Besitz der eigenen, angeborenen Schslle. mit der jedes! einzelne Glied des Volkes seelisch oerwachferr ift. ist der Sinn nach Selbstregierung, die Ablehnung jrtfid weder Fremdherrschaft. Es gibt Völker, die ferne vom der Heimat an dem bitteren Brunnen des Erils ifornj König FerNrmNh über hie MmiiNische Stt&eitfrage

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