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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-17 · Heft 267 (17.10.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 267 (17.10.1919)
Date
1919-10-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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beite 2 Wien. Freitag 17 Oktober 191« Nr. 267 Inland. Nationalversammlung. Dcn gestrigen Tag über wurden die Verhandlungen über die Ko a litionsbestrebuntz e.n fortgcf eljl Einzelberatungen wechselten, mit Klubsitzungen ab. Das Programm wurde von beiden Parteien einmütig genehmigt. In einzelnen Personenfragen ist schon eine Einigung erzielt worden. Als Nachfolger des ausscheidenden Ing. ZerdiL tritt der Christlichsoziale Abgeordnete H e i n l als Staatssekretär für Handel. Heute werden den ganzen Tay'über die Verhandlungen fortgesetzt Man hofft, bereits am Samstag dem Hauptaüsschutz und am gleichen Nachmittag der Nationalversammlung die Kabinettslifte zur Wahl vorschlagen zu können. Die Besetzung des F i n a n z p o r t e f e u i l l e s ist n o ch n i ch t e r^ o l g t. Nach wie vor hat Dr. N e i s ch als Negierungskandidat die meisten Aussichten. Die Sitzung selbst war von keinem besonderen Interesse. Einige Ausfälle gegen die Ostjuden, die 'Abgeordneter Anger er. em Gro'rdetitscher sich, schuldig war. wurden vom Abgeordneten Stricker kräftig zurückgewiesen. Das Heimatsgesetz wird in der heutigen Sitzung verhandelt werden. \ Nachstehend der Sitzungsbericht: Präsident Hauser eröffnet die Sitzung um 4 Uhr nach' mittags. Die DerLutzerung von KuristgegenstLnden. .Abgeordneter S ck i e g l (Sozialdemokrat) referiert über die Vortage der Regierung betreffend einen Gesttzkntrviüf» womit die Staats» raierung zur Verpfändung einzelner Gegenstände aus köstlichem Besitz ermächtigt wird/ Der „Mutwille". Abgeordneter MÜller-Guttenbrvnn ^Großdeutsch) wendet sich gegen das Unternehmen, daö nur schein» bar über dre Valuta'chmierigkeilen tnnweghelfen soll. Als Abgeordneter des e r ü e n Wiener Wahlkreises, m Uebcreinsi mmung mit der Großdenffckirn Vereinigung und der gtbilb-ttit Welt müsse er. gegen diese Kulturschändung protestieren. Wenn e>n Geschichtsschreiber die Gcichrchre der jungen Republik schreiben wird, wird er sagen können: Me Betriebe standen still, nur du Notenpresse arbeitete. Jeder Kaufmann hat mehr Kredit als der Staat. Wir hätten dm Fiedensve irag nicht un crfd)ie'bfji sollen. Abgeordneter Dr. Adler iLonaldemokrat) r Das häncn sie sich v o r dem Kriege überlegen sollen, tm Jahre löu! Abgeordneter M ii l l e r - G n t t e n b r u n n: D ese Vorlage entspricht-dem Mutwtlien, sie tst der erste Spatenstich zum Tode Wiens. Abgeordneter S ch r e g l (Sozialdemokrat): Wer hat den Mut, von »Uebennut" zu reden! Abgeordneter Müller: Dem ersten Schritt wird bald ein zwmrr folgen. Der Appetit der nat'vnalen Staaten wird wachsen. Der 20jährige Kunstfucden ist durch den Verkauf gebrochen. Der Erlös 'für dieses Gesetz grbört den Invaliden, . Witwen und Warfen. Die rufe ich auf, ihren Anspruch anzumeldrtt. Ei» Protest. . Abgeordneter Dr. Gürtler schnstl'chsozral) protestier' gegen das Wort „Mutw.lleli" des Vorredners. Mutwille »st es. wenn man Opposi ton gegen den Aufbau des°'S!aate§ beticibt. wie der Vorredner. Vom Aisschauen der GodelinS tsi noch niemand satt geworden! Müller-Gultenbrunn weih keinen anderen Ausweg, aber er kritisiert. Der Aufruf der Invaliden ist wüste Demagogie. W»r haben die Verpfi'chiung. Hunger zu stillen und Rohstoffe ius Land zu bringen, ohne die w«r nie leben lönnm. Der Anlatz zur Heiterkeit. Abgeordneter Friedmaun (Demokrat protestiert gegen den Verkam. der uns nicht hclsen kann und helfen wird. Die Sonntdcmokraien wollen den Krieg iür diesen Verkam verantwortlich machen, nein, die ISmonailrche unmögliche Wi'tfchaftöpolilrk, die Son rli» sierungZbestrebungcn und ... (Zwffchemuf: .. . und dl^Ien» tralen! Stürmische Heiterkeit.) Abgeordneter" Friedmrnn: ... die Irntraken sinb daran schuld. Ich glaube nicht, daß meine Worte Anlaß zu Heiterkeit bieten können. Wir stnd in «ine so sch'reckl che Situation geraten, daß'wir einen Plan aufstellen müssen, waö wtc veräußern können Denkt man doch sogar daran, die Bahnen zu versteigern. Bei dreser Unaufrichtigkeit des Regrrrens dm* man sich nicht wl»nd>'rn. daß der Kredit untergraben, weroe. R'dner emvffehtt zwei Abändernngsanträge.' da er vom Präsidenten w.cderhott ermahnt wurde, zur Sache zu kvrcchm. Adgeordarrec Wader (großdrutsch): Das ist ja verboten! Glu Bauernoertreter. Abgeordneter G r u b e r (chrrstlichsoüal)! Was nÜtzm uns Kunfischätze. wknn wir keine LedenSmittel haben. Redner begrün« es, daß nicht immer beim vroduzicrenden Bauer rfQu nert w ro. sondern auch aus andern» Wege versucht tmtb, Mehl und Brot zu schaffen. . Abgeordneter W i t t c r n i g g sSozialdemvkrat) beantragt Schluß der Debatte. Angenommen. Kun und Karl. Generalredner eontr» Abgeordneter Dr. A n g e r i t lgroßdeutlch): Diese Vorlage ist ein Weg zur Katastrophe. Di« Arbeitslosen haben ein Hrrdmgeld gekostet. Redner wundert sich gegen die Gcwälr, ung des AsylreckteS an Beta K u n und Ge» »offen. Das erschüttert den Kredtt im Auslrnde. Auch der Kaffer Karl «ft tn der Schweiz. Be a Km gehört auch h n! K,»lS Vermögen wurde nicht zurückbehalten, we wir eS verlingt baden. Die Sozialtsterungsbestredungen »»stören den Staat und den Kredit. Die Verbessert»»« der Ernährung darf nicht allen zugute kommen r d i e j ü d i s ch e n Ost j u d e n z. B., d.e uns oussaugcn.... . I Abgeordneter Stricker; Damiterhöhen Tie natürlich JhrenKredit im Auölande! Für S i e r st j < d e r I u d'e r n W u ch e r e r! Abgeordneter Dr.Ä n g r r e r: Wir sind für das National' judentum» aber wir sind auch gegen btt jüd schen Banken nnd Mnanzlente. Cr wirft den Ehttstl'klffozialen vor. bufi sie m Wien mit den Sozialisten in der Regierung sitzen, m der Provinz aber schimpfen sie über du »I u d e n s o z i". Redner verlangt Au'» llärung über die Mundt.otmachung Dr.Bchum« p.« t e r 8, den seme Parte» nicht gebracht habe. DaS sei zumindest verdöckttg! . . Abgeordneter Par rer lchristlickffo-lal) r Ihr sr,d felg! Ihr habt dre alte Monarchie zugrunde gerichtet. Ihr Rep - iepnblik auch zugrunde. Abgeordnem Anger, er GeLMÜarzdr. richtet die Aber das gehört nicht zum % Die böser Die christlichsozial-deutschnationale GListesgeinelnschaft treibt unentwegt die tollsten Blüten. Mit dem „Durchhalten" haben sie P^ch gehabt, ihr sonstiges Programm ist aUch sehr wurmstichig — was aber tun, um die Wähler bei Humor zu art-alten und -Len Drahtziehern in Berlin-Potsdam den notweirdigen Eiser za dokumentieren- Nun, wenn gar nichts mehr zieht, geht man wieder auf die Jubenhah, veranstaltet Massenkundgebungen ckit zwei Dutzend Teilnehmern und verewigt bie c Mani'est-aDw'ri deutsch ch.istlichen Geistes im Organ des Nniversitätspvofessors Hu gelmann, dem „Deutschen Volksblatt". Dessen Langweiligkeit wird nicht vermindert durch einen Bericht über eine „machtvolle Kundgebung des christlichen Neubau", worein Teutone. nämlich Herr LandeZrat Dr. Nepustil,gegen die bösen Ostjuden loszog. Das Blatt meldet in seiner gestrigen Abendausgabe: „Lanbes^at Dr. Nepustil sprach über das Jude »Problem und betonte, daß in unserem Staate, der kein .Rechts-, sondern ein Kncchlsstaat sei, der freie Wille des Bürgers in den Kot getreten werde. Er brachte erschütternde Beispiele aus dem Leben der vertriebenen Eisenbahner, die in Eisenbahnwagan der Nordwestbahn wohnen müssen, während die Eindringlinge aus dem Osten uns ausrauben und knechten, Schleichhandel and Wucher en gros betreiben und uns zu ihren Sklaven erniedrigen. Nicht Haß, sondern Selbsterhaltungstrieb sei eS, der uns zwingt, die Forderung aufzustellen: Hinaus mit den Osttu den! Wir müssen uns selbst, unsere Heimat und unsere Bolksgenossin schützen vor dem Zusammenbruch, wie ihn das jüdische Treiben heraufbeschwört." Ostjuden. Was die Eisenbahner anlangt, so haben wir an dieser Stelle wiederholt nach gewiesen, daß für sie vhnewciters Wohnungen tu den verschiedenen überflüssigen Bahnämtern und sonstigen staatlichen Gebäuden geschaffen werden könnten. Die Vertreter des „praktischem Christentums" werden die Eiseubahncr lieber erfrieren lassen, als ein so herrliches Agitationsmittel aus dev Hand geben. „Hier wohnungslose Eisenbahner, Hort wuchernöd Ostjt.ti. en" — mit dieser schamlosen Gemein» heit gedenken die Herren noch lange Prosit zu machen. Denn die Dummen werden nicht alle. ( Im übrigen sind wir Herrn Nepustil schon einmal begegnet, als er während deS Krieges als Hinterländler die faustdicksten Lügen über die Ostjirden erzählte. , Ein Versuch. ihm zu entgegnen, wurde von der StürgkhschrM Zensur vereitelt. « Das dümmste Blatt von Wien läßt sich aus Wels melden: „Ost jüdische Gefahr für Oberösterreich. Aus Wels wtrd den „Wiener Stimmen" geschieben: Angeblich aus Wi'n au ^gewiesene Ostjuden trachten in O^eröfterre!ch festen fassen. Kürz--^ li.h ist ein g öderer „Trupp" solcher Hebräe: am Bahnhof in Weis ange.ommen. Aber das Auge des Gesetzes wacht noch tn Wels »rnd so wutden sie sofort Wieder mit gebundener Marschroute nach Men (roohin denn sonst! d. Red. der „Wiener Stimmen") abgvschoben. Gott sei Dank ist uu'er Land noch. so ziemlich' judenreln. In den gegentpär.igen Zeiten ist aber ein erhöhtes Augenm rk, be'onders am Lande, notw-endtg.^ Gott sei Dank, daß das Welser Auge des Gesetzes nüchtern war 'und die Gefahr für die Kröpfe bemerkte! P, äsident S e i y« Sehr rditiß! lHcittrkM Avgw'dnc e> D'. Ä n g e r k r: W'nn man einr Nrben« reg^rnng bcstkbni läßt, dann darf man sich Über nichts wundern «n dickem Staate. Abgeordneter'S e i v e'l (christllchsozial): Sie wissen kemen Weg, nur dru, zu iriusi-u-tn! ' . Abgcordueikr Dr. Ä n g e r e r: Die Kunsischätze sollen dem Volte zur Vc,f grmg grsiellt wetden! Rust: Da bat es was davon! 'Heimkeit.) Präsident Seih ersucht dm Rkdner. der über die KoalttivnSlrrse unter Heuerten spricht, zur Sache zu sprechen. Glue politische Frivolität. Generali ebner pro Tr. E > S l e r (SozialdemokreN erklärt die Airs ührungkN der Bo>r<dner als pol'ii'che ^rtvolitäk. Das bähe sich schon tut Jahre 1017 ae-echt. Die Herren Großdeutschen haben nichiS oeteim und Nichts veraessm, die Großdeutschen baden keine pvsi we Arbeit im letz en Jahre g leiüet, noch m ibrm und dm i n t e r n a t i o n a l - t a p r t.a l i st i» scheu Jiidenblättern gräu 'ere. Die' Grpß-- deulschen wollen keine produktive Arbeit des Wirderauüau''s. Abgeordneter Dc. Wader (gtoßdcmsch):. Wo sind die Beweist? AbiUordnrter Dr.. G i S l e rDie.% rbetterrä 1.« vertraten we völlige-usammmbrechende ErckutivgewaU benn Umsiurz. Die Ardeiterrüte haben das Schlimmste von duscm Staate abgc wehrt, den Diimerkncg verhindert. Hierauf wstd die Vorlage itt der Auöschnßfasfung floßt» tt o m m e n und btt Styung peschlosim. Nächste Sitzung heme 8 Uhr nachmittags. Der Berkanf dev Wiener Kanftwerke. Im E nlaui der lchtcn Sltzung der P r a g e r Nationalversammlung be'and sich anch eine Anirage der Abgeordneten K v a v i l und Gmoffen an den Mmtsierprä denten über den Verkant der Kunst- und d.i st orrschen Denkmäler inderösterrelchischen Nrpubllk. In der Anwaae beim eS unter anderem, daß sich um-r den Dcnkmälnn offenbar eine motre An'-ahl von kostbaren Gegt' ständen und Kunstwellm befinden, die mit Recht indastschechlsche Nakionaleig'entum gehören, das einst aus dem tichechi^chrn Staate nachWnn oder andcrxwvbin^in daSGebiet des ehemaltfll-n Oesterreich Derfstkelt ist. vmchlrpvt oder verschleudert wurde. Di^'em tschechischen Narionaleiaentrim droht durch den ge» planten Verkauf etne neue und ernste Grtahr, die durch einr rkcht» reitrae Äkiion unserer Regikl ung verhindert werden muß. Die An» tragsiester fordern vom Ministeipräfidenten Bericht. waS du Reorerung diesbczüülrch unternommen hat und waS sie zu unternehmen gcdentt. ___ Die Vornahme einer auherordentNche» Volkszählung. Die Regierung hat der Nationalversammlung eine Gesetzvorlage über du Vornahm' e nei Volkszählung zugrhrn^ lassen, in der iS unier anderem heißt: Unbeichadet der regelmäßigen Volkszählung ist eine auverordentliche vereinfachte Volkszählung vorzunehmen. Als Stichtag g lt der 8l. Dez-mber lstlff.' Die Regierung w'rd etruäch ig', diesen St'chtag bei Bedari um höchstens e«nen Monat hinausmrstckn. Aus bicfe außerordentliche Volkäblung finden die Best.rnmungen der dem G.setze vom *29. März IH60, R.-G Bl. Rr. 67, au ckchloßener» Vorschrtsl Über dre Vornahme der Volkszählung sinng'mäße Anwendung. Die Reg'erung ist jedoch rrmächttgt. anruvldnen. daß einzcine Best mmungen dieser Borichrift »r r ch r arrmwcnden stnd, oder rickckben abzuändern und die sonst zur DurchiÜhnng erforderlichen Anordnungen zu treffen. Dre Bearbe-nag Mid Ve> öffenrl'chuna der Ergebniste obliegt der starrstischen Zentialkontmission. DickeS Gesetz will am Tage der Kundmachung m Kraft. Mit sem-r D>nch'iihrung wird der Staatssekretär für Inneres und Unterricht betreut. In der Begründung zu dieser Vorlage heißt e» unter anderem: De Anfstesinna der Programm: für die Versorgung der Bevölkerung mit Bedarfsartikeln letzt d>e f 1 di c * c Kenmn'S mannigfaltiger, die Bevölleiung betreffender Tarmchen vor. us In den U:»traum teil dev. letzten auf Grund dieses Gesetzedurchgetiihstm Volks älilnng fallen nun d.e infolge des KifgeS und feines unglücklichen AuS» arS kaigelretenrii dUichg'kffcudeN Verändkiungen. Hikth-'r een namentlich die Enistrhung neuer Etaaisgebtde aus iencm SiaalSgebiete, am Welchesich dicke ckäblung bezog, und die zwerfrlioS eingetr-ttnen we-rgebenden V^r» schiebnng'n in ven BevölkerungSverhältnissen. insbe» l kondere auch «n der als ortsantätsia zu bezeichnenden Bevöttermra. Alle dicke Veränderungen in ihren verschiedenen Rrchtungrr» genau »» erfassen, rv'vd Amgabe der nächstcn ordent» lchcn Volks»aklung sein, dre nach dem früher bezogenen Gesetze erst Ende des I.rhreS 1920 stattfinden wtrd. während es kür ^>e 2tut svcnvaltung von der gvöstlm Wichtigkeit ist, möglichst rar ch zur Kenntnis des ziffernmäßiam AnSdincks der tm* getretenen Veränderungen zu gefangen. Da nun iür eine de! äfftlicheVorauSo>'rlegunü der aus Giund des oben bezoaemnGcirtzcK durchzu'ührenden oreentlichen Voltszäblung aus einen früheren Zeilvuntt die nvlwendtge Vordere>tungszeil fehlt, so erübrigt kem anderer Auoweg, als die möglichst rar'che Durchführung einer vereinfachten außer orderitlichen VoikSzähtung, deren Ergebn-S in wenigen 'Monalen - all 0 mindestens ein Jab» vor dem Bckanntwerd.n der regelmäßig umfasfendcn VolkSzählungSergedNtsse — vorltegcrr wnd. __ Eine Vorstufe zur DonauföderaUon. Aus Paris wird gemeldet: Auf Initiaüve einer alliierten Macht wird unter der Patronanz der Entente eine Konferenz von Vertretern der National st aaten und der österreichischen Republik slvttfinden. In dieser Konferenz werden alle gemeinsamen Fragen eingehend erörtert werden und Abmachungen über die kÜnftigenBeziehungen zwischen Oesterreich und den Nationalstaaten vorbereitet werden. Im Wege provisorischer Vereinbarungen wird man dafür sorgen, dasi die dauernde Belieferung Oesterreichs, mit den notwendigen Artikeln seitens der Nationalstaaten schon jetzt, also vor Finalisierung jener desini- 1 i v e n Vertrüge, ermöglicht wird. ’ Man verspricht sich in Entenlekreisen von diesem Auskunftsmittel einen sehr guten Erfolg, insbesondere eine gewisse Bindung der Teilnehmer, die bisher gefehlt hat. weshalb eingegangene Uebereinkommen verschiedenster Art plötzlich nicht emqehalten wurden. Dadurch seien die fortwährenden Krisen entstanden. Von italienischer Seite wird im Zusammenhänge mit dieser Meldung behauptet, es handle sich um den neuerlichen Versuch, ejne Vorstufe der Donausöde r a t i 0 n zu schaffen. Das wird jedoch in Paris entschieden bestritten. Polittsche^undschau. „Am deutschen Wese« mutz die Welt genesen.» Dieser Wahlspruch der alldeutschen Weltrnveiniger, welche die Erde mit Pulver und Blei von «velscher, slawischer und jüdischer Unmoral befreien wollen, wird durch eine Berliner Episode trefflich illustriert. Herr Josef Knauer, früher Hanptg.schäflSführer des antisemtllschSn Deutsch:» Volksbundes in Berlin-Schöneberg. wurde mit der Leitung des politischen Aufklärungöbienstes bei der berühmten Brigade Lettow- Borbeck betraut. Er hat also in der deutschen Reichswehr eine offizielle Gtettunz erhalten. In dieser Eigenschaft hat er die bekannter« Pogrom-Flugblätter „Die Juden Deutschlands Vampire" und „Ende des Militarismus — Anfang der Judenherrschaft" herausgegeben und, mit feinem Namen gefertigt, irn ganzen Reiche verbreiten lassen. Er hat diesen famosen „Aus« klürungsdienst" tm Aufträge der „Republik" Deutschland un> auf ihre Kosten besorgt. Nach monaielanger Arbeit ist eS endlich gelungen, den Reichöwehrminister' No öle zu belvegen, die Abberufung Kua>lecs anzu«. ordnen. Ob Knauer damit sür die NeichStvdhr tatsächsächlich erledigt ist» tst bei den ctgenllichen Machtverhältnisjen im Reiche noch sehr zu bezweifelt,. Aber

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