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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-15 · Heft 265 (15.10.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 265 (15.10.1919)
Date
1919-10-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Me. 2Q? /Mm. Mittwoch m Oktober 1919 Verständigung seiner beiden Ministerpräsidenten, , des Grafen S tLngkh urw Grafe.» TiZ LU,_.eMetzMiser Franz Josef die Verordnungen, die den deutschen Stellen Einfluß «ruf die osterreichisch-unTnrische Außenpolitik crnräumten. MS Graf Tis za durch Sektivnschef THLllyezy von diesem Sachverhalt erfuhr, suchte ex bestürzt den Grafen BerchLold auf,, um van ihm hierüber Aufschluß zu verlangen. Graf Berchwld erklärte, die Tatsache nicht leugne »zu können. Tisza nahm dies« Mitteilungen nicht ruhig entgegen, Indern meldete sich am selben Tage beim Kaffer zur. Audienz, dem er seine Bedenken dahin vortrug, baß diese Äirfügnng nicht ausrcchterhalten werden könne, ohne daß die Großmachtstellung der Mona rchie stark erschüttert werde. \. Franz Josef ließ sich von den Einwendungen TfSzäS überzeugen, machte aber den Einlvayd, daß sie zu spät kämen, da diese Vereinbarung mit Kaffer Wilhelm bereits abgeschlossen wäre, und ztvar schriftlich. Das war der Grmch der ersten R e j s e T is z a s dr bas deutsche Hauptquartier, die großes Aufsehen erregte' und hon der europäischen Presse mit verschiedenen Vermutungen begleitet wurde- Tisza hatte vollen Erfolg. Seine Argumente überzeugten Kaiser Wilhelm derart, daß die Sache in freundschaftlicher Weise rückgängig gemacht werden bannte. Der Erfolg TiszaS war zugleich eine empfindliche Schlappe des Grasen Derchßold, die dann de« plötzlichen Abgang VerchtoM zur ^ge hatte. Wekerle über die Jndeufrags, 'r~ * ®«tt Dr. Welsrle, der stets der liberalste Magyare war und füt den die ungarischen Juden durchs Feuer gingen, hat jetzt die ungarische Judenschaft ganz merkwürdig im Stich gelassen. Er äußert sich einem Interviewer gegenüber wie ft»lgt: Er sei zwar nicht der Meinung, daß die Okdsberrevolution sowie der Bolschewismus den Jude« in die Schuhe geschoben werden könne und tr glaube auch, daß das Wirtschaftsleben des Landes jetzt noch des UnternehmuugsgeifteS der Juden bedürfe, die man nicht von heute auf morgen ersetze« könne. Aber die Juden dürften an führende Stelle« nicht zugelassen werden und man Müsse trachten, sie mit der Zeit zu ersetzen. Deshalb halte er es für nötig, haß sich die Sö hne de 3 Landes praktischen Laufbahnen zuwenden. t Nichts kann deutlicher den Zusammenbruch der jüdisch-assimilatorischen Politik in Ungarn erweisen, als dies« Aeußerung WeberleZ. Die ungarische Judenschaft, di« in ihrem rnagyarischen Chauvinismus so weit ging, daß ein Budapester Rabbiuer .de» Nachweis führte, dis magyarische Juden schafft stamme von Arpad ab, die mit Wekerle und Konsorten durch Dick und Dünn ging und an der politischen Pergewaltigung der nationalen Minoritäten im ehemaligen Transleithanien leider großen Anteil nahm, erntete die Früchte ihrer durchaus verfehlten Politik. Ihr größter magyarischer Freund, Weierle, will seine Juden aus dem ganzen öffentlichen Leben auSschlietzen und. stellt sie, diese Übermagyarischen Juden, de» „Sühnen des Landes" gegenüber, 1 Die jüdisch-nationale Bewegung in Ungarn ist von her offiziellen,' durchaus magyarisch-chauvinistischen Fndenfchaft mit urtglaubsichen Repreffalien kekärrHsi, ja als staatsfeindlich denunziert worden. Möge der Zeitpunkts in dem sogar rin Dr. Weßerle di« Jochen fallen läßt uich sie dem Zeitgeist opfert, eine neue Aera für die jüdische Politik in Ungarn bedeutest. "■ Jfcitn r. Tv«iria.i /SReA 4 Wahleuthattmig de» Oppofitiossparteis» ia Rumänien. Die Vergewaltigung der Minoritäten. Zürich, lS. Oktober. Der rumänische Gewährsmann der Jüdischen Preßzentralr, Mich, mcldck: Der neaerumänischeMiniüerpr 8 si den< ist nur eine Figur B r a 1 i a n u S und setzt dessen Pvlitck fort. Seine W e i g e r u n g, d i e M i n o r i t ä t s r e ch t« a nzurrkenne« und den Vertrag m u«terfer!igey. ist im Grunde ein« Spekulation darauf, daß die Alliierten, durch größere international« Schwierigkeiten abgelcnkt, bald aufhören werden, ihre Aufmerksamkeit dieser Sache zuwwenden. In der Bukowina, die jetzt rumänisch ist, haben a H t # ä t i» n o 1 e « Mino r»t «ten, die Ukrainer, die Deutsche» und die Juden, Wahlenthalton g für die Wahle« zur Konstituante proklamiert. Sie begrltnden diese» Schritt Mt glnchlaMcndm Proklamationen, in denen sie erklären, daß sie dmch die W a h l k r e.e S e i« t e 11B « b vergewaltigt werden, daß das Propottionalsystem für die Abstimmung nicht Mgelassm wurde, daß die Wahlagrtatlvn dmch Twudrrcht, Belagerungz-ustand und Pttßzensm verhindert würde. In Altrumänien diskutieren alle OpPositionS' Parteien die Frage der Wablrnthaltung wegen des VelaserungSzustandrS und der Prcßzmsnr. Die Vvz,aldemo" kratm, bte Liga Popornlm und die konservativ-nationale Partei haben bereits Wahlmchaltung proklamiert. Der Wiener KMsarbeiLermt für die KoaLMon SteatssekrEr Dr. Bmrer schetdrt ausdem Kabinett. Irr der gestrigen Sitzttttg der von de» Kommrmifts» verlangt-« Besprechung dsH Wiener KrsisaxSesterrates wurde das Dsrdleiden der Sozialdemokraten m der Regierungs« Mehrheit mit g e r L n H « r Majorität beschloffen. , Wie gestern adends in politischen Kreisen verlautet«, w^rd Tr. P a u e r, de« neu zu bildenden Regiernng «icht mehr anZehöre». Zur HebMg der LebMsmMelMfuhr. Ksrtfermz des StsatssekretLrs für Vr»8hrq«gsmese« mit de« Vertretern lichrr Missionen. Von unterrichteter Seite wird der Korrespondenz Herzog gemeldet: Infolge der Situation in der Äbensmitjelversyrgung, über welche der Maats» sekretätz für ErüährungSwestn, Dr. 'Boewe nf^ld- Ruß in der abgelaufenen Woche wiederholt berichtete, hat dieser an die in Wien anwesenden ausländischen Vertreter sich sowohl schriftlich als mürchlich gewendet, um.sie über die herrschenden trostlose« Ernährungs- Verhältnisse zu unterrichten und sie. zu einer Hilfeleistung z« Letvegen, um die fremdländischen Missionen über alle Einzelheiten zu unterrichte« und ihnen ein ausführliches GxposS überreicht. Der Vertreter Frankreichs, der Gesandte Alk!z6, hat sich noch vor seiner gestsrn erfolgte« Abreise nach Paris durch einen Vertreter im Ernährungsamte über unsere Verhältnisse eingehend informieren lassen. Der in Wien weilende italienische Minister MarcatelN, der zum Studium der hiesigen Verhältnisse in Wie« weilt, hatte mit dem Staatssekretär Dr. Loewenfeld- Ruß eine Konferenz, in welcher hie ErnährunysveMltnisse DeutschöstecreichS gründlich erörtert wurde«. Gr- - . i frenlicherweist haben die Italiener, die NW bereits eins-, mal dprch eine vorschußweise Lieferung von 5Ö0Ö Tonnen Getreide airs einer argen Verlegenheit ge-. haben, uns nach einem heute aus Ro m hier eingetroffsnen Telegramm eine neuerliche Vorschuß-' weise Belieferung von 8000 Tonnen Getreide bewMgt.. Mt dem Vertreter von England, dem Obersm» Sir Thomas Cunninghame, und Mister Butler sowie dem amerikanischen Vertreter, dem Obersts« Causetz, wurden bei Besprechung der Gesamtlage hauptsächlich die Schwierigkeiten erörtert, welche sich der Durchführung des jugoslawischen Vertrages ist dmr Weg stellen. Beide Missionen haben soryohl, was hie Lransportschwierigkeiten als auch was die Finanzlage betrifft, ihre Unterstützung zugesagt und finden hierüber noch weitere Verhandlungen patt. StaatssekretärDsktov Loewenfeld-Ruß Haide auch Gelegenheit, das Mitglied des Obersten Wirtschaftsrates, Sir William Goode, anläßlich seiner Anwesenheit in Wie« Wer unser« Ernährungsverhältnisse zu unterrichte«. Das SchicksKlOstzaUziens. Den ^Polnischen Stimmen" wird ans V a r s <Ü 9 « telkgraphiert: Die hiesigen Bläuer berichten übereinstimmend aus Bar«s, daß das ostgalipsche Problem endgülrig m ei» f ü r d i t Polen fl ttn st ig eS S! adrnm getreten ie». Dr« Fertrg« stelluag des Oßgalizun bktrcffcndm Dokumentes st ht unnntelbqr bevor. Gleichzutlg traf hier dre R^chnckt ein, daß Ministerpräsident P a d e r e w -8 t i aus London «ach Paris bereits zurückgekchrt ie,. Seme Rückfahrt «ach Polen dürfte gegen de» 20. d. M. erfolgen. DestMnsch-r Trrrsr Är Psttenva. Die Denckinsche« Br»atzlmgsrnwpen erschießen alle angesehenen Ukrainer. Im Bezirke Cyorol, Gouvernement Polrawa, wurden über 2LS Mrn'chen erschossen, unter anderem der Obmann der sozurldkmotrarischen Partei H « « k o. Arbiter P r e h o d a, di« Lehrer G r l g o r i e w i t s ch mit Frau. B r e n c o w und andere. Die LmlM dürfen »rcht bestcirm werden. UrrkchÄmK ej«sr Mdifchen LshrkMzel. An det ukrainischen Universträt in Kam'nctz wucde eine Lehrkanzel für jüdische Wissenschaft errichtet, an welcher Vorträge über Geschichte und Literatur des jüdischen Volkes sowie' über dre hebräische Sprache gelwstm werde« sollen. Dm Dount für diese Lehrkanzel hat das Mcnrstermm sät jüdische Angelegenheiten zu ernennen» Sine Abvrdnnng der Karpathen-RLrainer kn Prag. Dieser Tage empfing -er Präsident der tschechoslowakischen llkepublik Dr. Mafaryk ein? Abordnung der Karpathen-Ukrainer, bestehend aus zwölf Mitgliedern, unter anderem aus dem Obmann des Nationalrates Hw. Woloszyn, dem gewesenen ReichSratsavgeordneten Jack) OstaPrzuk. Dr. HiodorStryPsk und Dr. Braszczajko. Die Ubordnung brachte eine Reihe von Forderungen sotuohl in Fragen der Administration als auch in Fragen der Grenzen der Karpathen- Ukraine vor. Geklagt wurhe auch über Ungerechtigkeiten anläßlich der Volkszählung. Bekanntlich soll in der Kar- Pathen--Ukracn-e ein Direktortat mit Dr. Zackowiez. der jüngst aus Amerika zurückgekehrt ist, elngrsetzt werden. In den Verband - des Direktyriates treten außerdem Hw. Woloszyn, Tmkeniak, Bnza und Dr. BxaSzezajks. Es soll dies ei«« beratende, nicht aber eine gesetzgebende Körperschaft werde». Vorläufig führt diese- Amt Dr. Prejcha. Die Wvrdnung hatte auch Konferenzen mit he« Wnistern Dr. Benesch und Habermann» Aus Pole«. In W a r i ch a u zufuücit das noch ut\lc<i8uv c tfj.uuu, Saß daß sogenannte polnische PolarkorpS, welches an der Besetzung von Archangelsk triinahm, sich auf dem Hecmrves be- Mdet «nd dMDstMx MMS.jy WlW.ÄGBcu WS'de. . ZUlKUd. Stfii dLLSstseifis« der Rationalver- ' sarnmlung. HeuLl» vormittags tritt die Nationalversam m° lang zü ihrer ersten Sitzung nach den. Ferien zusammeur. Um halb 12 Uhr versammelte sich der Ha Up tausschnü und wird das ÄrbeitSpwgrmnm -er Nmionalverfammlung feststrlten. W ist beabsichtigt, zunächst de« ßlgliedrigen Natifikatio«Sansschuß zu wählen und gleichzeitig für jedes Mitglied diese- Ausschusses einen. Ersatzmann feststellen zu lassen. Anßerben., u-er^se zwti Vorlagen etng^brachi werden/ m zwar uuächst da. Gesetz velresfrud die Verü u h e r u n g v, n K u u st g r g e n st ü n d eu «n zueitenS eins Novelle zum Gesetze über die Erwervnng der bürgerscha ft, u«lche in HLvkunft die Sr- M8WWWMWWW>»W»MWWMNstNWWWWNWiWWIW> Werbung der Staatsbürgerschaft lediglich von der Neß» Hastigkeit abhängig wacht. ES wird also nicht mehr möglich sein, durch Kauf Heimatrecht in irgendeiner Gemeinde zu. erwerben, und ein derart erworbenes. Heimatrecht wird nicht mehr die Gmrndkage für hie Erwerbung der Gtaatsbürgerschaft bilde« können.' j Die Parteien der Koalition nahmen gestern die Berichte über die Neubildung der Arbeitsgemeinschaft entgegen. Die in viertägiger Beratung erzielten Vorschläge der Regierung, di« im'Wesen auf die Fortdauer des Koalitions systems hinaus lausen, fanden bei o den radikalen Flügeln der Christkichsozialen und der Sozialdenrokraten heftigen Widerspruch. Am schärfsten ist der Kampf bei den Sozialdemokraten, deren linker Flügel eine Verstärkung erfahre« hat, was auf die neuerlich Eingesetzte Tätigkeit der Kommunisten zurülk" -»führen ist. Die Christlichsozialen sind im allgemeine» für die Koalition, fordern jehoch unbedingt eine Wsehr ' der Regierung von den Arbeiterräten. Sie verweise« ‘ in der Diskussion aus eine in dar gestrige« „NeichLpsU^ publiziert« Meldung de- Polizeipräsidenten Schober an die interessierten Stagt-Lmwr, in welcher überdieTäftgwir der A r b e.i t o r r ä t e berichtet wird, Diese anrtltcha Relation hebt hervor, baß di« Arbeiterräte i« manchen Bezirken gut, in manchen schlecht und sogar ungesetzlich arbeiten. Es wird eins Anzahl von Uebergriffsn erwähnt und die Befürchtung ausgesprochen, daß ein Zusammenbruch der Verwaltung zu erwarten steh«,' wen« die Eigenmächtigkeiten der Arbeiterräte nicht aufhören. Wir meinen,, daß wir die JnstLftltiyu der Arbeiterräte gerade dem totalen Versage« der bureankvattschen Betivaltung zu verdanken haben. j In der christlichsozialen Bereinigung hielt Dvftor Schumpeter,- bisher noch immer. Staatssekretär der Finanzen, einen Bortrag über den vielgenannten Fsnanzplan. Es zeigte sich, daß ein Plan überhaupt nicht besteht. Dr. Schumpeter entwickelte bloß einige Ideen über die Verbreiterung der Steuerbasis unwiederholte feine Aeußerung, den lkriegsanleihebesitz der, Landwirte als Vermögensabgabe zum Emissionskurs annehmen zu wollen. Daß sich die Finanzverwaltung heute noch nicht feftlegen darf, liegt <uif t>«4 Hand. Das Auditorium Dr. Schumpeters konute sich auch mit ihm nicht einverstanden erklären. Uebrigens \ spricht man auch viel von schtvettn persönlichen Dfffe- , renzen zwischen Dr. Renner und Dr. Schumpeter. Auch Dr. B a«e r will zurücktreten und das Sozialisierungsamt dem UntrrstaaLssekretär D.r. Ellenb o gen überlassen. , Wie die „Deuffchösterr. Karr." herichtet, soll auch der Staatssekretär dos Innern. E lde r s ch, von seinem Posten scheiden und durch den Wiener Polizeipräsidenten Schober ersetzt werden, der zum Unterstaatssekretär ernannt werden soll. Der Wiener PoliZsitzräsidenL gegen dioMbev. griffe der ArbetterrMe. j ' Di» gestrige ^eichspr>si" veröffentlicht einen richt, den die Wiener Polizeipirektion am 3. Oktober: 4» bas Präsidium der niederSflerpeichifche« Landesregierung in Angelegenheit der „Mitwirkung der Arbeiterräte bei der Bekämpfung des KriegswucherS" gerichtet hat. In diesem Bericht des PoUzeipräitdenten Schober wird zunächst ses^ gestellt, -aß in manchen Bezirken das Zusammenwirken des KriegStvttcheramieS mit den Arbeit erräten ganz gut, in Violen Mr M ÄW.. MK MtzMWMÄ

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