Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 262 (12.10.1919)
- Date
- 1919-10-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Abraham ibn Daud 1× ep/2109364
- Ernst Troeltsch 1× ep/1025703
- Israel Zangwill 1× ep/1026550
- Julius Bab 1× ep/1011035
- Leopold Kompert 1× ep/1026150
- Ludwig August von Frankl 1× ep/1023644
- Otto Abeles 1× ep/1015616
- Robert Stricker 1× ep/1006793
- Sholem Asch 1× ep/1000021
- Wrocław 1× ep/1002369
- Zecharias Frankel 1× ep/1007681
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Seite 6k Wien,'SonMtz' •linrtwiii^am i 12. Oktober 1919 Ti «t 262" LiLeratAr N^Wisienschaft. Jakob GuLLMkMn. Wicdec. ist cin Bedeutender aus unserer Mitte geschieden,, ein Großer im Reiche der jüdische» Wissenschaft, ein Wichtigerem- Geistesleben der deutschen Huden, ein Hervorragender im Gesamt--- iudentun: — ein Unersetzlicher. In Breslau starb vor einigen Lupen im Alter von 7s- Jahren der dortige Rabbiner der Lynagocren-Gemeinde, Prozessor Dr. Iab Gnttman :ine der markantesten und. schärfst ausgeprägten Persönlichkeiten!>e§ modernen JudeninmZ: ein Gelehrter von bestem Ruf und Klang,''meiner der ältesten Rabbiner Deutschlands, langjähriger. Vorsitzender dcZ deutschen Rabbinerverbandes, Vorsitzender der Rrsellschaft Zur Förderung der Wissenschaft deS Judentums seit ihrer Gründung, einer der bedeutendsten geistigen Führer der Lunchen Jndcnheit. Zwciundvicrzig Jahre und darüber, bis in die letzten Monate feines Lebens entfaltete Gultmann eine emsige, erfolgreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Wiflenschaft des Judentums. Seine reiche Begabung und feine große Arbeitskraft widmete er fast ausschließlich der jüdischen Religionsphilosophie und/ihrer Geschichte. Ir stellte-sich die Ausgabe: die historischen Tatsachen aufzudecken, die geschichtlichen Zusammenhänge zu verfolgen uud die großen philosophischen Gesichtspunkte und Eutwicklrmgsreihen herauszuarbeitcu, die einzelnen Autoren in, ihre literaturgeschichtlicben Zusammenhänge hinemzustellen md aus diesen Zusammengehörigkriten heraus ihre Systeme zu erkennen, ihre Lehren zu erfassen und ne desto schärfer zu umzeichnen, desto klarer darznstellen und ihre Wirkungm uud Ausstrahlungen nachzuweisen. So 'hat :r uachgewiesen: 1. den Zusammenhang der jüdischen Religions- Philosophie mit der Philosophie und Theologie der Araber und -as Verhältnis der jüdischen Autoren späterer Zeit zu ihren Vorgängern im Judentum selbst, 2. den Einfluß der jüdischen Religionsphilosophie ans Philosophie und Theologie der christlichen Scholastik rmd der christlichen Denker bis in die Rei'ormaiionszeit. Außer einer großen Zahl von Aussätzen, Abhandlungen und Besprechungen in verschiedenen Zeitschriften Md Sammelwerken sind seine großen Arbeiten za nennen: 1. Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud"aus Toledo (1879), 2. Die Zicligionsphilosophie des Saadja (1882), 3. Die Religisnsphilosophie des Salomon ibn- Gabirol (1889), 4. Das Verhältnis des Thomas von Aquino zum Judentum und zur jüdischen Literatur '(1891), 5. Die Scholastik des dreizehnten Jahrhunderts in ihren Beziehungen zum Judentum Md zur jüdischen Literatur (1902), 6. Der Einfluß der' maimonidrschen Philosophie ans das christliche Abendland (1908), 7. Die religivnZPhilosophischeu Lehren des Isaak Abravanel (1916). Guitmanns Arbeiten zeichnen sich aus durch souveräne. Beherrschung des Stoffes, (Gründlichkeit, Sachlichkeit, tiefes Eindringen in Grift und Sinn der Systeme und einzelnen Lehren, systematische Uebersichtlichkeit, Klarheit der Darstellung, originelles und überraschendes Finden, aber ohne Sucht, zu verblüffen; keine Verschwendung überflüssigen Scharfsinns, kein Phrasenprunk, keine glänzende Ausmachung, sondern gründliche, tüchtige, ehrliche and dauerhafte Arbeit. Besonders seine Arbeiten über Saadja und G a b i r o l sind grundlegende Werke für das Studium der jüdischen Religionsphilosophie, unentbehrlich für jeden, der sich mit der wiffenschaftlichen Erforschung dieses schwierigen Gebietes beschäftigt. Guttmann schrieb keine zusammenhängende Geschichte der jüdischen Philosophie, oberer ist ihr klassischer Darsteller. Der Mangel an Zusammenfassung wird reichlich ausgewogen durch den Vorteil der eingehenderen Behandlung der einzelnen Systeme, woraus auch viel für das Verständnis der Texte resultiert. So sind seine Darstellungen Geschichte und Kommentar zugleich. - Sechsundvrerzig Jahre hindurch , wirkte er als Rabbiner. Zuerst als Hrlfspcediger in Breslau, als Rabbiner in Hildesheim, von wo er als einer der bedeutendsten Prediger Deutschlands nach Breslau an die Stelle Joels berufen wurde, 1890. Wie er in der Wissenschaft den von seinem Lehrer Joel eroffneten Weg verfolgte, so wirkte er als religiöser Führer in der von seinem Meister Zacharias Frankel vorgezeichneten Richtung: Entwicklung Md Fortschritt bei sesshafte« am Ueberl'iescrten. Seine wiffenschaftliche Bedeutung und seme vorzüglichen persönlichen Eigenschaften erwarben ihm die Liebe und Verehrung seiner Berussgenoffen und weiter Kreise der deutschen Jndenhelt deren Führer unK Berater er wurde. Die „Gesellschaft zur- Fördrrung der Wissenschaft des Judentums" verdankt zum großen Teile ihm ihren inneren Ausbau und ihre äußere Vergrößerung. Formell ihr zweiter Vorsitzender, war er ihre eigentliche Seele; er diente ihr mit seiner wissenschaftlichen Erfahrung, seiner praktischen Begabmg und Initiative. Nun hat er sein arbeits- und erfolgreiches Leben abgeschlossen« Er wird nicht vergessen werden. ___ B. Aptowitzev. Ernst Troeltsch, Deutsche Bildung. Darmstadt 1919, Otto Neichls Verlag. Mark 1.80. Troeltich zieht aus der Niederlage deutschen Geistes in diesem Kulturkrieg (...„in dem freilich noch, nicht aller Tage Abend ist...") die Erkenntnis, daß das, was der Krieg nn Vordergrund zeigte, gar mcht wirklich der deutsche Geist war. Um dem deutschen Geist, der unter dem Druck des kapitalistischen Mechanismus und, der vordrängenden Zwecke ganz verkümmert, ist, um zu beleben, bedarf es m den Tagen der Einkehr, bte Deutschlands Niederlage brachte, der , Besinnung darauf, was eigentlich deutsche Bildung ist. Dabei darf man sich nicht mit Retormversuckm begnügen» sondern muß die Grundlagen, die Elemente der Bildung untersuchen. Drei Ströme sind da vor allem wahrMnehmen: der antike Hmnarnsums, die christlich-abendländische Kultur und die nordisch-germanische Geistigkeit. Diese drei Mächte müssen daher wieder aufgerusen werden und beherrschend muß das religiöse Element sein. Tvoeltsch entwirft hier kurz seine Auffassung von Christentum, die er schon andernorts aus'ührftch dar gelegt har; es ist eine eigentümliche Weiterbildung des Protestantismus, „von allen konfessionellen Schranken freie, -.ein aus Seele und Liebe zusammengezogen« Christlichkeit". Man wird dabei freilich dm Verdarbt nicht los, Laß diese nationalisierte Nckigion mcht viel mehr als Literatur bleibt; jedenfalls darf ZWEI URTEILE UEBERs •DIE FLUCHTAUS JERUSALEM NOVELLEN VON JAKOB FINGERMANN „Two stories of such different worlds and periods reveal a taleat of no ordinary character“. ISRAEL ZANGWILL (London) ,',Zwei in bestens Deutsch geschriebene Erzählungen. Die erste, die im Orient spielt, müsste man von Lia Rosen vortragen hören. Es ist ein Harnisch« klang, ein Stuck Bibel und ferne Zeiten steigen auf.. HERMANN BLUMENTHAL („Jüdische Volkstimme“) R. LOEWIT VERLAG / WIEN I., FLEISCHMARKT l man bezweifeln, ob in ihr die Kraft der Wiedergeburt steckt, die Troeltsch anstrebt. Aus 'der Abgrenzung gegen die Romantik geht schon hervor, wie genügsam düse neue Religion ist. Aber dennoch würde man wünschen, daß etwas von dem hier Gesagten Gemeingut würde, und daß es ehrlicher Anstoß zu einem Neubeginn, ■ nicht aber neuer Vorwand für Ueberhcbung werde. Denn so ehrlich auch Troeltsch' Aufruf zur Verinnerlichung gemeint sein mag, es schlägt doch immer wieder, in und zwilchen den Zeilen, der Geist des vreussilcher, Geheimen Negrrruugsrates durch. Auch die Anrempclung des Judentums und seiner „ahasverischen Neigungen" fehlt nicht. (Seit wann hat das Judentum ahasvmsche „Neigungen*, Herr Geheimrat? Haben nicht vielmehr ihre christlichen Völker das Volk der Propheten-, die sie freilich schon abgetan haben, in.grausamer Vergewaltigung in den Abasvensmus hinemgerwängt..?) Trotz allem: eines der sympathischesten Büchlein, die über das deutsche Kultur-. Problem der Gegenwart, geschrieben wurden: weil es eindringlich mahnt, daß Einkehr not Mt. — «eh. Die deutsche Nevolutionslyrikr. Herausgegeben von Julius Bab. Verlag Ed. Strache. Wien und Leipzig 1919. Julius Bab hat in einem ansprechenden Bande eine Aus" wähl ans der revolutionären Lyrik von vier Jahrhunderten zusammengestellt. Die Gedichte find natürlich nicht gleichwertig, manche nur von historischem Interesse, andere wieder über die Jahrhunderte hinweg lebendig und frisch. Bab hat den Begriff der Revolution nickt zu eng in politischem oder sozialem Sinn gefaßt. Goethes „Prometheus" eröffnet den Band. Jede Auflehnung menschlichen Geistes gegen erniedrigende und versklavende Fesseln ist Revolution und Luthers „Eine feste Burg ist un^r Gott“ gehört so gut her wie Georg Herweghs »Bundeslied". Eine starke Leidenschaft dmchglüht diesen Band, Zeugnis ablegend von dem stets sich erneuernden Sprrl menschlicher Kräfte und dem stets wirdcrkehrenden Kampf um daß höchste Gut, die Freiheit. Einführung und Anmerkungen geben dem Buch auch populär belehrenden Inhalt. Bücherschau. Janitto Benavmto: Der tugendhafte Glücksritter, Veilag Georg Müller, Miinchen. — Pauk Rohrbach: Politische Erziehung, Verlag F. Engelhorns Nachfolger, Stuttgart. — Paul Kornfeld: Himmel und Hölle. Verlag S. Fischer. Berlm. — Bernhard Shaw: Die -roße Katharina, Verlag S. Fischer, Berlin. — Dr. W. Kraßmoller: Nationale Einheitsschule, Verlag Beyer & Mann. Langensalza. — Rabindrauach Tagore: Nationalismus, Verlag Kart Wolfs, Leipzig. ■ Arnold Zweigs Tragödie «Ritualmord in Ungarn" (Die Sendung Cemarls) gelangt am 18. d. M. in Wien zum erstenmal zur Aufführung. Die Buchausgabe ist in Wien einactroffen und in der BuchhandlMg Lowit erhältlich. (Geheftet K 9.60, gebunden K 17.30.) Anläßlich dieses Theatererelgnisscs sei aus die übrigen Werke des Dichters verwiesen: „©te Novellen um Claudia". (Geheftet K 19.20, gebunden K 28.80.) «Geschichtenbuch". (Gebunden K 23.04). «Abigail und Nabal". (Gebunden K 19 20.) Sämtliche aug-reigten Bücher sind durch die BuchhandlMg R. Lowit, Wien, 1, Notenmrnistraße 22, zu beziehen, woselbst auch ein Kartenverkauf sür dw ersten Aufführungen drs Stückes eingerichtet wurde. ■m Infolge unvorhergesehener technischer Schwierigkeiten erscheint der Jüdische Rationalkalender 5680 s. Jahrgang hersusgegcben von Otto Abeles ii. Ludwig Bat- Amschlag und Buchschmuck von Jakob Löw erst in dm nächsten Tagen. Dieses vornehm ausgestattete zionistische Jahrbuch enthält Beiträge von: Schalom Asch, CH. N. Bialik, Urtel Birnbaum, MaxBrod, Z.P.CHajes» L. A. Frankl, Artur Freud, Eugen Hoeflich, Hermann K a d i f ch, Leopold Kompert,Gottlieb Leon,H.Margulies, ErnstMü!ler»J.L.Perez. LeonReich, Marek Scherlag. Abraham Schwadron, Emil Stein, Robert Stricker. Bernard T ag; Robert WeUsch und ArnottiZm erg -- Keruworte. / Reicher Bilderschmuck. / Preis Lei Bors ausb ejtcllungK.10./ Bestellungen sind zurichteu an den Verlag Jüdische Fettung Wien» 2. Bezirk, Tadorstratze 1 Die bereits bestellten Exemplare gelangen sosort nach Erscheinen zur Versendung Kommunales. Sitzungen im Rathause. Der S t a d t r a t hält Mittwoch, Donnerstag und Freitag vormittags Sitzungen ab. — Der G e m e iudernt tritt am Freitag um 4 Uhr nachmittags zu einer Geschäftssitzmrg zusammen. Bon dm auf der Tagesordnung befindlichen Geschästsfiücken find zu erwähnen ein Ber/cht über die Gebühre» sür die der Dienstordnma unterstehenden Angestellten der Gaswerke, Elektrizitätswerke, Straßenbahnen und der Lagerhäuser, ei» Bericht über die Geldbeschaffung zur Durchführung des Uebev« einkommens siber die Pachtung der Ubbstaler Steinkohlen-Bergbaue, ein Bericht über die Grundsatz^ für die Ankündtgungru m dm Straßenbahnwagen. Die Schulforderungen der Wiener Tscheche«. Prag, 11. Oktober. (Privat.) In Besprechung der gestrigen Vorgänge im W i ’e u e r Gemeinderat macht „N a- . rodn » Listy" den folgenden Vorschlag: Die Tschechen be-. sitzen in Wien drei Schulgebäude. In den neun städtischen Bezirken konnte in je einem Schulgebäude «ne Woche hindurch vormittags deutsch/ nachmittags tschechisch unterrichtet werden, in der nächsten Woche umgekehrt. Auf diese Wesse würdm die Wiener wenitzstens zeigen, daß sie den guten Willen . haben, den berechtrgten Wünschen der Tschrchru cnlgegenzukommen. __ Bühne rmd Kunst. Richard Strauß: Die Frau ohne Schatteu. (Uraufführung an dev Wimer Oper am 10. Oktober 19LS.) Das Bündnis zwischerz Hvfmannsthal und Sttauß, das nun die vierte gemeinsame Arbeit zeitigt, hat mit „Elektra" seinen Ursprung genommen. Der Geist Oskar Wildes war es, der sie zusammenführte: Mit seiner „Salome" hatte Richard Strauß das Wagnis unternommen, ein Buch, das durchaus nicht für die Vertonung bestimmt war, sich als Operntext zu eigen zu machen. Der Versuch gelang, ja, mehr als das, ex zeigte, daß der moderne Musiker, seit Wagner die schematische Form der Oper gesprengt habe, keiner ' anderen dramatische» Grundlage bedürfe, als das ge- - sprochene Schauspiel sie bietet, und der Begriff Livrett» keine Diminuierung im Sinne, eines Werturteils bedeuten müsse. Er eröffnete die Möglichkeit, Textdichter und Komponisten als nahezu gleichwertige Faktoren anzusehen. Mit anderen Worten, er schuf die „Literaturoper^, in deren Zeichen sich die weitere Entwicklung dev Strauß'schen Kompositionen bewegen'sollte. Der Kom-' ponist der „Salome", der die musikalische Formel für ' die Umwandlung der stärksten dramatischen. Triebkräfte: Liebe und Tod. in: Erotik und Blutrausch gefunden - hatte, führte eick naher Weg zu- Hofmannsthals Ve--. arbeitung der „Elektra".' Es war die Besiegelung der künftigen Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Wiener' Dichter und dem deutschen Meister. „Rosenkavalie^ und „Ariadne" waren die nächsten Etappen auf dem Wege zur neuen Märchenoper „Die Frau ohne Schatten". Ern Märchen im Stil und Gewand der von ihm so hochgehaltenen Erzählungen der Tausend und einen Nacht hat Hofmannsthal für den befreundeten Komponisten gedichtet. Man sollte meinen, daß sich hier mit Notwendigkeit das orientalische Kolorit auf die Musik übertragen, daß Strauß auf den Spuren dev „Königin von Saba" oder der „Aida" wandeln müßte. Aber es braucht wohl nicht versichert zu werden, daß Strauß den Lokalton nicht mehr hervorkehrt als in der „Salome", daß er, deutlich gesagt, ebenso, deutsch bleibt wie dort. Auch der Dichter hat ja aus jener Märchensammlung nur das Dekorative, wie die Landschaft und das Kostüm, entlehnt, im übrigen aber aus alten deutschen Sagenmotiven und den Ergebnissen moderner Seelenforfchung die stoffliche Grundlage seines Buches gewonnen, dessen Inhalt an dieser'Stelle bereits geschildert wurde. Das Märchenhafte dieses Stoffes ist freilich alles eher als volkstümlich. Es stammt nicht aus naiver Erzählerfreude, sondern kom'nit von der Literatur her, beschwert mit der ansprüchsvollen Diktion des Goetheschen Alterstils. Mer es ist ein Dichter, der den Stofs gemeistert hat, und ein feiner Kenner der Schaffensbedingungen des Komponisten. Fern von! aller Opernschablone, ist es doch voll innerlicher Musik. Schon der Dialog kommt der Vertonung entMen^ ES ist kein Zueinandersprechen, sondern eine Aneinanderreihung von arienartigen Gefühlsergießungen und Schilderungen der einzelnen Personen. Die Charaktere sind voll Leben und Empfindung, die Sprache dichterisch edel und trotz der Einheit des Stils nach dem Wesen des Sprechenden individuell gefärbt. Nur die dramatische Oekonomie laßt Wünsche offen, - wie bei den ritardierenden Einschiebseln des zweiten Aktes oder im oratorienmäßigen Aufbau des Schlusses, der an die letzten. Szenen des „Faust" erinnert und auffättigerweise auch beim Komponisten Erinnerungen an dessen Vertonung durch Mahler erweckt hat. '; . An diese Dichtung hat nun Richard Strauß dis Summe feines verschwenderisch reichen Könnens ge^ wendet. Im Vollbesitze eines Stiles, der die souveräne Beherrschung aller Ansdrucksmittel des Orchesters bedeutet und schon bestrebt ist, sich selbst zur Einfachheit zuxückznrufen, wo ihn ein Schwelgen in neuen Schwierigkeiten locken könnte, hat er ein Werk 'geschaffen^ chre fürs erste -nicht Zu überhMgM FW '