Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-10-12 · Heft 262 (12.10.1919) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 262 (12.10.1919)
Date
1919-10-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979339--02345-2987848
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Serie 4 12. Oktober 1911 Wien. Sonntag §K. 262 Tagesbericht. Jüdische Schädlinge. Die Berliner Zeitschrift „Im Deutschen ^Edich", Organ de; Zentralveceines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, das Blatt der jüdischen Assimilation und des Kampfes gegen das Nationaljudentum, schreibt: „Angabe -er Religion tu Abgangszeugnissen. Uns wird geschrieben: Die Schulverwaltung hatte unter der alten Negierung den Brauch, die Abgangszeugnisse mit der Angabe der Religion zu versehen. Es braucht nicht näher auZgeführt zu werden, welche Folgen dieser Brauch für die schulentlassenen jüdischen Jünglinge hatte; die Zahl der Begabten ' unter unserem Nachwuchs«, die -eine Unterdrückung ihrer Karriere dieser Notiz verdanken, ist gewiß nicht gering. Unter diesen Umstanden verdient folgende. Mitteilung weitere Verbreitung: Als mein vom Heere entlassener Sohn auf Grund ministerieller Verfügung sein gymnasiales Reifezeugnis erhielt uick» auf diesem sich wiederum die erwähnte Notiz befand, habe ich mich beschwerdesühr-end an das Provinzial-Schulkolsegium gewandt uni) um die Fsrtlüssung dieser Formel gebeten. Es ist hierauf dem Ersuchen stattgegeben und ein neues Zeugnis ohne dies« Formel mir ausgehändigt worden.Dies« Tatsache seizurNachachtung allen Interessenten nahege legt!" Die Jüdischnatwnalen predigen stolzes, offenes Bekenntnis znm Judentum und kämpfen unentwegt dafür, daß die Zugehörigkeit zum Judentum den Bürger im vollen Genüsse der Staatsbürgerrechte nicht beeinträchtigen dürfe. Die jüdischen Assimilanten, die „deutschen Staatsbürger mosaischen Glauüeüs", machen sich die Sache bequemer. Sie kämpfen dafür, baß die Juden das Recht erhalten, ihr Judentum zu verstecken und sich durch Hintertüren einzuschleichen. Sie erteilen dem jüdischen Jüngling den Rat, sein Judentum zu verschweigen. Das genügt für den Anfang. Was aber dann? Der Jude, der solcherart einen Posten erlangt hat, muß doch, um sich zu behaupten, tveiter den Anschein aufrecht halten, Nichtsud« zu sein. Und schließlich kommt es zum Abfall. Gegen diese frivole Theorie des SichhiueinschwindelnS müssen sich wohl beide Teil« wehren, die nichtjüdische Gesellschaft und das jüdische Volk. Wir Jüdischnationalen können nicht nachdrücklich genug dieses würdelose Treiben verurteilen und vor aller Welt erklären, daß wir Juden .solcher Gesinnung als Schädlinge betrachten, die abzuweisen eine Pflicht der jüdischen und ein Recht der nichtlüdischen Gesellschaft ist. Wir wollen uns unsere Glelchberech- Ligung erkämpfen, als ganzes Volk wollen wir das; wir wollen aber nicht, daß sich jüdische Individuen einen Ersatz für diese Gleichberechtigung auf eigens Faust erschwindeln. .Erstaunlicher als die Würdelosigkeit ist vielleicht noch die Dummheit dieser Sorte von jüdischen Menschen, welche das Schwindelrezept frank And frei abd.rucke». Die Kinofeucho. Kino int Prater. Hat das Alleinaufführungsrecht für den Senfations-Detsktivfilm „Fiaker Nr. 13" tm Lanzen zweiten und zwanzigste» Bezirke. Auf den Plakaten^ Eine nackte Frauengestalt zwischen den Notre-Dame-Mrmen. Das Gesicht, zur Hebung ihrer sonstigen Körperlichkeit, vermummt. Eintrittspreise: Drei, vier und sechs Kronen. Spieldauer: Ungefähr drei Viertelstunden. Nach einem harten Kampf um die Billetts stehen die Leute aneinander^« ireßt länger als eine halbe Stunde und warten auf den Einlaß. Arbeiter, Taglöhner, Handlungsgehilfen, Mmfmädchen, Tippfräuleins, Dirnen. Lassen sich von Dienstleuten der hinter der Kassa thronenden Besitzerin anschreien, dirigieren, über gute Sitten im vornehmen Kino belehren, lesen die Inhaltsangabe. Eine dicke Atmosphäre vom Dunst alter Kleider und Schweiß kn dem schmalen Warteraum — schließlich drängt sich die Menge wie eine Herde unter Angstrufen, Schreien und Schimpfen zum .Kunstgenuß in den Saal und wird von den Karten» aünehmern förmlich zu den Plätzen getrieben. Natürlich ausverkauft. Was gibts auf der Leinwand zu sehen? Elegante Menschen, kostbare Frauenkleidee, «in sparsames Quantum anreizender Entblößthelt, fabelhaft eingerichtete Wohnräume, übers lietzend-rr Reichtum und eine unendliche Serie von Betrügere ei und blutiger Verbrechen. Unglaublich dumm die .Handlung", unsäglich stumpfsinnig die Äufeinanderhäufung vonKttalleficUen und — das ist leider schon eine Binsenwahrheit — für dieses Publikum eine Gaunerschule. Die Ainoseuche hat entsetzliche Dimensionen angenommen, zieht den Leuten daS Geld auA der Tasche, verdirbt sie und frißt sich von Tag zu.»Tag weiter. Wird immer dreister mit ihren jetzt schon wirklich anstößigen Plakaten, die der Schuljugend nicht gerade zuträglich sind. Man muß den Behörden zurusen: Eindämmen und gewissenhaft zenfurlerren! Die Sorge um die Volks gesundhit. Won Benjamin Doll, Leiter der Aktion „Wiener Kinder zu Familien aus- Land" in Gmünd. Während man insbesondere während des l tz en Sommers 'barangegairgen ist, den kranken jüdischen Kindern wenigstens etwas zu hLlscn, geschah für deren Eltern und überhaupt für Erwach jene nichts, Mas geeignet gewesen wäre, den Kranken iiGüiiiia. oder. Luuüudeü LLüerunL Lu Lrinaen. Lp liecht Die Iudenhetze in Ungarn. Et« Aufruf der Budapest«* Iudengtmetude. Budapest, 11. Oltoter. (Ung. Tel.-Korr-Bvr ) Dt« Vertreter der israelitischen Gemeinde von Budapest und Umgebung veröffentlichen <nnen Ausruf an die ungarische Nation, worin sie darauf verspeisen, daß Hunderte von jüdischen Soldat«« im Weltkrieg« an der Seite ttzve? christliche» Kameraden ihr Mut für ihr geliebtes ungarischesBaterkffnd vergaffen habest. Die ungarische Judsnfchaft stehe hem Kommunismus in jeder Beziehung, geistig und materiell, fern«. Die jüdische Religion und das jüdische Familienleben schließen jedwede Jdentifizierun g des Judentums mit dem Kommunismus aus. Die Tatsache, daß viele der Bolschewiken der jüdischen Rasse entstammen, schmerze die Judenschaft aus tiefster Seele, hoch seien die) nicht Juden und die Judenschaft habe keinerlei Gemeinschaft mit ihnen.< Der Aufruf verweist schließlich darauf, daß tKtsche* Kaufleute, Gewerbetreibende und Grundbesitz^ genau so unter dom Kommunismus zu leiden hatten, wie ihre christlichen Mitbürger. Ein antisemitischer Bischof. Budapest, 11. Oktober. . (Ung. Tel.-Korr.-Dur.) „Uj Nemzedek" hgtte eine Unterredung mit dem Bischof van Stnhlweisrenburg. Dr. Ottokar Prochaska, welcher»sich dahin äußerte, daß die Judenfrage heute in Ungarn die brennendste Frage sei, hie nicht oberflächlich gelöst werden dürfe. Der Bischof verwies darauf, daß der Kommunismus von den Juhe» gemacht worden sei und. sagte, bei der Lösung der Judenfrage müsse man daraus Bedacht nehmen, daß das Land nur soviel Juden dulden dürfß, als eS erträgt, was nicht wilden Antisemitismus bedeute, sondern eine Frage der Selbstverteidigung der Nation sei. (Die Vertreter des praktischen Christentums" vermehren sich. In Wien hat sich ein "hitzköpfiger deutschnationaler Kaplan hervorgetan, tm gesegneten Stuhlweißenbupg hat der höchste Geistliche obige Worte der Liebe und Duldsamkeit gefunden. Da muß man wirklich fragen, ob der durch Aufreizung zu Exzessen geführte Pöbel, oder ob die Ausstreuer gefährlicher Schlagworte die Schuld am unaufhörlichen Blutvergießen tragen. Die Reh.) Auswanderung von Juden aus Wsftnngarn. Aus Oedenburg wird der Korrespondenz Universal gemeldet: Die seinerzeit vyn den Weißen Warden in Czelldömök verübten P o g r o m e, die bekanntlich fünf Todesopfer und eine große Anzahl von Be wunde.en forder en, veranlaßten die Judenschaft dieses Ortes und vieler anderer Dörfer Westungarns, das Land unter Mitnahme ihrer Habseligketten zu verlassen. unser Volk-lörp«« täglich dahin, ohne daß die Gemeinschaft sich ihrer Pflicht erinnert, M' helfen. Die Ueberlaiwng der unentgeltliche» Ordination in den Spitälern einerseits, der Mangel an Spital-betten andererseits» treffen die gesamte Wiener Bevölkerung wohl schwer, am meisten aber die jüdisch» Bevölkerung. Wer unter de» Juden ausgewachsen ist, weiß, daß der primitive Jude sich mit allem ab findet, auch mit seiner Krankheit. Pr hustet wohl, spuckt Blut, hat keinen Appetit und. magert sichtlich ab, aber er l<Lgt sich „Gott wird Helfen". Wie sehr nun die Tuberkulöse unter unseren Armen Platz gegrlsfan hat. bedarf keines Beweises. Der) ohnehin phlegmatische Jude sucht nur im äußersten Falle die Ambulanz in einem öffentlichen Spitals auf. Daß er dort nicht gründlich untersucht werden kann, nimmt auch nicht wünder, wen» man bedenkt» daß zum Beispiel bei der internen Abteilung oft SO hi» 100 Patienten warten, um daranznkommen. ES müßte ein jtiok che» BolkSgefundheitSamt inS Leben gerufen werden! Dies hätte sowohl für weitest« Aufklärung zu sorgen, alS auch durch Ausgabe von Fragebog en Statistiken durch'ufüheen. Es. müßte auch in enger Zusammenarbeit mit der sozialen Fürsorge stehen, in erster Linke aber müßten so bald als möglich Äylbulatorie», mindestens je zwei im 2. und 20. Bezirk errichtet und von Aerzten geleitet werden, die Einblick in die jüdische Seel- Haben. Anschließend an diese Ambulatorien müßte« vorläufig mit provisorischem Charakter einige Räume für jedes Wnbulatorium als Krankensäle eingerichtet werden. Diese soll«, die GrAndlagen eine» zukünftigen große» jüdischen Spitals im 9. Bezirke bilden. Die Ambulatorien jetzt, beziehungsweise da» Spital späterhin, werden sehr leicht zu erhalten sein. Es ließe» sich momentan im 2. oder 8Q. Bezirk zwei bis drei Komplexe mit je 10 Räumen finden, oder wenn die» nicht der Fall ' fein sollte, könnt« man ja tm Prater oder sonst im 20. JÖejfcf leicht einige transportable Baracken aufstellen und dies» alö Spitäler mit provisorischem Charakter einrichten. Dies käme nicht mik der Judenschaft, sondern der ganzen Bevölkerung Wien» zugut«. Ich glaube, dieser Vorschlag dürste insbesondere beim Staattamt für volk-grsundheil, dessen Leiter, Professor Tandler, sicherllch für aste- Nützliche zugänglich Hl, Unterstützung finden. Dre Gelder hierfür wären einerfeit ödurch Spenden austubringyl, anbererktitS dadurch, daß man diese Smäler, bezirhungsweck« Ambulatorien «ach dem Prinzip der Kranken» kästen eimichlet. Gelänge es zum Beispiel durch Abklärung 5000 Mitglieder hierfür zu gewinnen, so könnte daS Einkommen pro Monat, wenn jedes Mitglied bloß K ß.~ zabll. einen großen Teil drr Kosten decke». Hierfür hätte iedeS Mitglied Berechtigung auf freie Bthandlung, Verabreichung von Medilamentm und freies Beit tm gegebenen Fall«. Ich weiß einig« medizinisch« Persönlichkeiten von hervorragendem Rckmen. die stch dieser Sache zur Verfügung stelle« würden. Dieser Plan würde um so leichter verwirklicht werden können, als bei uns Juden die Krankrnjllrsorge doch ziemlich weit, allerdings schlecht, entwickelt ist. Wir baten ja ,n Wien allein mindestens bst Krankenmterstützungsvereme und Vereine mit ähnlichem Charakter, würde man all dieß ztzfammmtu» und würde auch das Joint Distribution- Committee ln Wien etwa» mUhelten, dann wäre es bald möglich, aut der Sache anzusangrn. Die Kohlenprlse. Steigende Belieferung. Gestern lag eine günstigere Belieferung vor. die stch aus alle Kategorien erstreckt. Dem Elektrizitätswerk konnte der Bedarf zwner Dcosteltage zugefchoben werden. > Mährisch-Dstrau sandte 88 WaggonS, von denen 40 Waggonde« Gaswerke« zugewies«« wurden. Obers ch l r s i e n stellte sich nach langer Alt wieder mit einer günstigeren Lieferung von 981 Waggonrin. 68 Waggonerhielt da- Elektrizitätswerk. der Rest wurde auf die Industrie, die sonstigen Verbraucher und dre Eisenbahnern verteilt. P o l r n war m.t 48 Waggonvertrete«, die zma größten Teil dcm Elektrizitätswerk zugeschanzl wurde». Bi« Epstrmaßnah metu*** Die gestrige .Wiener Zeitung* bi achte eine VollmaS ritwklf krmg über di« Einschränkungen beim Verbrauch an GaS und Elrktrizirüt. Die Bollmg-anweisuny. deren Einzeldnten wir bereits mitgeleilt habe«, tr.tl mrt heutigem Tage itt Kraft. Mangel an Güterwagen. Amtlich wird mrtgetnlt r DenAnsordenmgen an gedeckten Güterway«st für besonders dringliche Senduilaen. wie für Ltbensnlittck. Ktttgsaefangkne, Internierte und Wchltinge, für L:quld«erungSgü<er, für SonderzÜge der EnlenteMlMonen konnte nur durch eme weitgebende Drosselung der Versa d uji g cnttprpchrn werden. Run sind die Wagenbestände m DkutschSsterreich m letzter Zert weiter a es unke«, während gltlchzeiiig die Wagenanfordkrnngm für die vorgenannten Transporte zugevommkN babm, so baß zu vtsürch'en rst, daß auch für dm aller dringendsten Wagenbedat s nicht mehr die volle Wagenzahl au'geb rächte werden kann, wenn nicht alle Kräfte m Staate zur Besserung unserer Wagenlage zujammcnwlrken. * Pogrom-Maisenstiftung des Iüdischew Nationalrates für Deutschösterreich. Der Jüdische Natlonalrat für Deutschöfterrerch haßyhie Errichtung einer Stiftung für Pogrom-Waisenkinder beschlossen.^ Das Stlftungskapital beträgt 100.000. Dre viesfährigen Finsen werden zu je ii 1000 an vier jüdische Pogrom- Waisenkinder verteilt. Bewerber, die von Pogromopfern obstammen, unmündig und mittellos sind und eine Erziehungsanstalt (Kindergarten, Schule o. dal.) in Oesterreich besuchen» haben ihre entsprechend delegten Gesuche bispätestens 15. November beim Präsidium des Jüdischen Nationalrateg für Deutschöfterreich. Wien. u.. Taborstraße 20 a, einzurelchen. Wien, im Oktober 1910. Das Präsidium des Jüdischen Nationalrates für Deutschösterreich.. Heule den 12. Oktober» Q Uhr abends» tm Großen Musik- Vereins-Saale» I. Gifelastraße Neßßrenten: Abg. Ino. Stricker. Adolf Mhm, Dr. Leon Reich u. Gemeinderat Dr. L.Plaschne- Iuden erscheint in Massen! Die jüdischen Kinderstüchen. Noch im Laufe des Monate- Oktober wird die dritte rituelle Kinderausspeisung der amerikanischen Kino er Hilfsaktion in der Roßauerkaserne. eröffnet. Nur bedürftige unterernährte schulpflichtige Kinder tm Alter von 6 bis 14 Jahren werden nach vorheriger ärztlicher Untersuchung ausgenommen. Anmeldungen werden beim American Joint Distribution Committee, ll., Praterstraße 17, entgegen« genommen. Auch für die schon bestehenden Ausspeisungen, ll., Vorgarten st raße, Wilhelmskaserne. und XX., D e n l s g a s s e 33, können Lorlselbst Minder ameineldet werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.