Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 257 (7.10.1919)
- Date
- 1919-10-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Dien -— --— -——. —.. Der engtische Eisenbahnerstreik beendet. Paris, 6. Oktober. (K-Zrr.-Bur.) Zur Be ileguntz kes englischen Streiks meLet „New Vork Herald" aus L o nd on: Als der Sekretär der Gewerkschaft der Eisenbahner, Thomas, gestern nachmittags nach der Konferenz in seinen Wagen stieg, sagte er zu den Umstehenden : „Alles vorüber, morgen wird gearbeitet", worauf die Anwesenden in stürmische Wser-Rufe ausbrachen und die Hüte schwenkten. Thomas hatte Mühe, sich aus dem Gedränge, das ihn umgab, tzu entfernen. pv;-j: London, 6. Oktober. (Funkspruch.) Die Regierung hat bei den Verhandlungen mit den Eisenbahnern zu« tzestimmt, daß der M i n d e st w v ch e n l ö h n v v n iö.l Schilling so lange in Kraft bleibe, als. die Kosten der Lebensführung mehr als 110 Prozent höher s ind, als vor dem Kriege. Ferner hat die Regierung zilgestimmt, daß kein Angestellter wegen seiner Haltung während des Uusstandes. bestraft oder entlassen werden würde. Die Oeffentlichkeit faßt den Eisenbahnerausstand als v oll ko m m e n e n F e h l s ch l a g auf. Die Eisenbahnergewerkschaft hat mehr als 300.000 Pfund 'Streikgelder ausgezahlt, ohne einen Erfolg zu erreichen. Die Vertretung Elsaß-Lothringens im französische« Parlament. Paris, 6. Oktober. (Funkspruch.) Elsaß-Lothringen wird durch 11 Senatoren und 21 Abgeordnete im französischen Parlament vertreten sein. Die f r an z ö s isch e Gesetzgebung wird durch Sondergesetz erst dann eingefi'chrt werden, wenn die Vertreter Elsaß-LothringenS au den Sitzungen teilnehmm. Bis dahin bleiben deutsches Recht rmd auch die Kirchengesetze *n Kraft. Der Völkerbund tritt erst 1920 zusammen. Berlin» 6. Oktober. Die ^Deutsche Allgemeine Zeitung" utelisct aus Basel: Nach einem Havasbericht aus Washington werde der Völkerbund nicht vor den ersten Tageu des nächsten Jahres zufammmtreten. Wie die Franzosen in Ludwigshafen hausen. Ludwigshafen» 6. Oktober. (Wolff-Bur.) Als vorigen Donnerstag ein Straßenbahnschasfner mehrere französische Soldaten zurechtweisen wollte, weil sie seinen Anordnungen nicht Folge leisteten und sich weigerten zu bezahlen, wurde er von ihnen verprügelt rmd blutig geschlagen. Ein im Wagen gleichfalls anwesender französische Offizier sah sich nicht veranlaßt, emzugretfen. Schließlich wurde der verletzte Schaffner, der nur seine Pflicht getan hatte, von einer hinzukommenden Patrouille festgenommen und fortgeführt. lieber seinen Aufenthalt ist bis jetzt noch nichts bekannt geworden. General von der Goltz und sein Stab in russischen Diensten. Berlin» 6. Oktober. (Tel.-Komp.) DaZ ,,8-Uhr-Abend« Mati“ berichtet ans Basel: Die Petersburger Telegraphen- Ageuim meldet den Uebertritt des Generals von der Goltz und seines Stabes zu den Russen. An amtlichen Berliner Stellen wird diese Nachricht als durchaus unzutreffend bezeichnet. Die Klage Erzbevgers gegen Helfferrch. Berlin, 6. Oktober. Das Wolffsche Bureau meldet: Das Auklagrmaterial des Reichsfinanzministers Erzb erger gegen den früheren Staatssekretär H e l f f e r i ch ist am 29. September der Staatsanwaltschaft zugefkllt worden. Zweigstellen einer italienischen Bank in Palästina und Syrien. Nom» 6. Oktober. Die BancadiRomahat Zweigstellen in Damaskus, Aleppo, Alexandrien, Beirut, Haifa und Jaffa errichtet, um die italienische Ausfuhr zu erleichtern. In Mersina, Adalia, Adana rmd Rhodus werden demnächst Zweigstellen errichtet werden. Die Iudenhetze in Ungarn. Eine Bestätigung des Obersten Hororvitz. Budapest» 6. Oktober. Der Oberst der' Bereinigten Stamm Nathan H o r v w i tz veröffentlicht folgendes: Am 21. nnd 25. v. M. habe ich S i o f o k besucht. Ich habe gründliche Einsicht in die Angelegenheiten genommen und habe gefunden, daß tatsächlich mehrereerwiesene Falle vorgekommen sind, in welchen Juden mißhandelt, jasogar er mordet wurden, Bankbeamterrstreik in Krakau. Krakau, 8. Oktober. (Privat.) Die Beamten des Wiener Bankvereines, der Verkehrsbank und der Vankgesellschaft „Mercur" in Krakau sind infolge Ablehnung der Lohnfordernngeu in den AuZsiand getreten. Flucht zweier Slowakenfirhrer nach Amerika. Prag, 6. Oktober. (Privat.) Wie der „V e c e r" meldet, sind die beiden Slowakenführer Hlinka und Jehlicka nach Amerika geflüchtet. Das Blatt verlangt, daß die Vereinigten Staaten von Amerika um ihre Auslieferung angegangen werden sollen. Die Politik des Dr. Kramarsch. Eine Znterpelation an die Regierung. Prag, 6. Oktober. (Teb-Komp.) Dr. Kramarsch ist gestern nach Paris abgereifi, von dort begibt er sich am Donnerstag mit der französischen Müsion nach Odessa, um die Unterstützung der Armee D e n i k i n durch die Entente in die Wege zu leiten. Diese Meldung bringt das Abendblatt des „Pravo L,du" und fügt noch hinzu, daß in der Nationalversammlung an die Regierung eure Anfrage g e st e l l t werden wird, ob sie darüber Aufklärung geben könne, was Dr. Kramarsch mit dieser Reise bezwecke. ^Kramarsch",' schreibt das Blatt, „fährt auf eigene Faust nach Odessa, sein Standpunkt ist dem des Dr. Bcnesch entgegengesetzt, was auch in der am SamStag abgehaltenen Ministerratssitzung rugestünden wurde". Dr. Lodgman mit dev Führung der Deutschen in der Tschecho-Slowakei betraut. Am 3. Oktober fand in Aussig eine Besprechung von Vertretern der dcutschböhmischen bürgeruchen Parteien statt. Doktor Lodgman wurde, als Vollmachtträger der genannten Parteien siir die Führung einer einheillichen deutschen sudetenländischen Politik bestellt und mit der Fühlungnahme Mit den an den Beratungen nicht vertreten deutschen Parteien im tichechoFowakifchen Staate betrat. <*.«• Jüdischer National Kalender 5680 5. Jahrgang * Herausgegeven von Otto Abeles nnd Ludwig Batü Umschlag nnd Buchschmuck von JakobLöw Dieses zionistische Jahrbuch wird unter anderem Beiträge enthalten von: Schalom Asch, Ch. N. Bialik, Uriel Birnbaum, Max Brod»Z.P.CHajes,L.A. Frankl,ArturFreud, Eugen Hoeflich, Hermann Kubisch, Leopold Komperl, Gottlied Leon, H. Margulies, Emft Müller, I. L. Perez. Marek Scherlag, Abraham Schwadron, Emil Stein, Robert Stricker, Robert Weltsch und Arnold Zweig Kernworte. / Reicher Bilder schmuck./Preis bei VoransbesteUnngK.lv./Destellungen find z« richten an den Verlag Jüdische Zeitung Wien, 2. Bezirk, Taborstratze 1 Die deutschen Sozialdemokraten in der Tschecho-Slowakei gegen eine Koalition mit den Bürgerlichen. Prag, 6. Oktober. (Tschecho-slow. Preßbur.) Wie das „Präger Tagblätt" von infornnerter Seite erfährt, hat dir Parteileitung der deutschen Sozialdemokratie in der tschecho-slowakischcn Republik beschlossen, den Eintritt in den deutschen Volksrat, wozu die Partei aufgefordert wurde, abzulehnen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, an der Errichtung des deutschen Nationalrates, der dem Zwecke eines einheitlichen Vorgehens in allen gemeinsamen politischen und Nationalsragen dienen soll, nicht teilzunehmen. Meldungen über die Verpachtung der tschechischen Bahnen an die Englander. Prag» 6. Oktober. (Tel.-Komp.) In hiesigen Eisenbahnerkreisen verlautet, daß hier gegenwärtig eine englische Kommission weile, die den Zustand der tschecho-slowakischen Startsbahnen prüfen soll. Die Ueberprüfung steht mit dem Plane im Zusammenhang, den gesamten Betrieb der tschecho-flvwakischen Stratsbahnen gegen Entrichtung des PachtschillingS in ausländischer Valuta an ein wglssches Konsortium zu verpachten. Ob eS zum Abschlüsse des Geschäftes kommen wird, ist allerdings noch zweifelhaft, weil die Kommission den Zustand der Bahnen als sehr schlecht bezeichnet. Verurteilung eines tschechischen sozialdemokratischen Redakteurs. Prag, 6. Oktober. (Tel.-Komp.) Wie die „Narodni Listtz" heute meldet, wurde der Redakteur deS sozialdemokratischen „Rovnosi", Votava, in Brünn durch das Kreisgericht in Prfek zu einem Monat schweren Kerker verurteilt, weil er m einer öffentlich gehaltenen Rede folgendes sagte: „Heute lebm wir im Frieden, aber, wie jetzt die Verhältnisse sind, können wir schon morgen ein Herd des Krieges sein. Die Revolution m Bayern rmd Rußland kann sich ausbreiten. Ich ermahne Euch, Jünglinge, die ihr einrücken sollet, dieS keinesfalls zu tun, und wenn Ihr dennoch emrücket, so kämpfet unbedingt nicht gegen die Ungarn. Beschlüsse der tschechischen Sozialdemokratie gegen die Diktatur. Prag, 6. Oktober. Die erweiterte Vertretung der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt gestern und heute in Prag in Anwesenheit d<8 Ministerpräsidenten T u s a r, der Minister H a b r m a n n, H a m p l und Dr. W i n t e r unter dem Porsitz des Abgeordneten N e m e c eine Konferenz ab, an der 191 Delegierte aus dem ganzm Gebiet der Republik und Niederösterreich teilnahmrn. Ueber die allgemeine Lage und die Politik des Klubs referierten der Vorstand des sozialdemokratischen Klubs Ab- * geordneter B e ch y n e sowie Direktor S k a l e k. An der Debatte beteiligte sich auch Ministerpräsident Tusar. Bezüglich der politischen Lage wurde mit allen gegen zwei Stimmen eine Resolution angenommen, in der da§ bisherige Verhalten der Partei gebilligt wird. Die Idee der Diktatur wird ab gelehnt und der Beschluß der Partei hinsichtlich der Teilnahme an der Regierung bestätigt. Bon dieser Taktik müßte Abstand, genommen werden, wenn die Koalitionsparteim durch irgendeine Tat gegen die Arbeiterschaft und ihre Ziele das weitere Verbleiben der Partei in der heutigen Konstellation unmöglich machen würden. Die Partei erllärt, daß sie inmitten de§ europäischen Ringens zwischen den revolutionären und reaktionären Mächten auf der Seite der revolutionären Demokratie steht und den innigen Äwnsch hege, daß Europa mit Rußland Frieden schließe und ihm znr Ruhe und Konsolidierung verhelfe. In dieser Richtung wolle die Partei auf die auswärtige Politik der Republik Einfluß nehmen. Die Annage der radikalen Richtung, die in der Forderung gipfelten, daß dir Partei aus die Teilnahme an der Regierung verzichte, wurde» mit großer Mehrheit abgelchnt. An unsere Leser! Wir bitten alle unsere Leser und Freunde» Zuschriften für die „Wiener Morgenzeitnng" nicht an die einzelnen Mitglieder der Redaktion, sondern nnr an die Redaktion selbst zu adressieren» " Die Antisemitenversammlung. Der Sonntag ist in voller Ruhe verlaufen. Es gab' nur gerin g fügige Ausschreitungen der jngenblichen, aus Mittelschülern bestehenden Garde des Antisemitenbundes, die einen Neberfall auf das Stadlparkrestaurant versuchten, auf der Landstraße ein Automobil bedrohten und sonstigen Unfug verübten. Auch das Publikum, das die Reden in und vor dem Rathause - anhörte, war politisch nicht ernst zu nehmen. Es war durchaus unreife halbwüchsige Jugend, die von den Rednern vergiftet und von Gymnasiallehrern Und Kouleurstudeuten später zu. den Heldentaten angeeiftrt wurde. In der Volkshalle sprach der Landtagsabgeordnete B o l k e r, der nach einem Zeitungsbericht folgendes gesagt haben soll: „Wir wollen keine Pogrome veranstalten. Mögen die G'alizianer leben, wie sie wollen, aber nur recht weit von uns. Hingegen ist es Tatsache, baß von den Ostjuden ■ ein geistiger Pogrom über die, ganze Christenheit ergeht., Die Negierung hat uns soeben die Nachricht übermitteln v lassen, daß heimische jüdische Finanicers gemeinsam' mit,' Amerikanern uns einen MMardenkredit zum Ankauf von Lebensmitteln verschafft haben. Es erfüllt uns mit Befriedigung, daß das bodenständige Judentum mitberaten und mithelfen will, damit das Elend der Bevölkerung. gemildert wird. Aber das' ändert nichts äu unserer "• Stellung zum Ostjudentum." '' •{ '• Diese Mitteilung des Abg. Volker enisp'richt nicht'' den Tatsachen. Es sind lediglich auf Ersuchen der Regiemng.. Verhandlungen einer Wiener, Bankengru-ppe Mit amerikanischen Banken eingeleitet worden und < es verlautet, baß die Amerikaner geneigt.wärest, ein«»' Kredit von zehn Milliarden Kronen zu bewMge», den sie von verschiedenen Garantien abhängig machen. Man kann -' , sich vorstellen, welche Garantien das sein können. Die Aus-, Weisung von tausenden Bürgern der alten Monarchie befindet sich bestimmt nicht barunten. Amerika fordert die A r b e i t sfähigkeit Deutschösterreichs als Voraussetzung für die. Kreditfähigkeit. Nun 'betrifft die von dem Sozialdemo-.' traten Sever auf Verlangen -es Herrn.Austerlitz'ver-; fügte Ausweisung in der überwiegenden Mehrheit ehrlich, arbeitende Menschen, während sie die reichen Schieber in. Ruhe läßt. Uebrigens ist es lächerlich, in einem 'Staat, dessen. Der kehrswessen. durch Kohlen-, und Waggonmangel zusammenbricht,' von einer Massenaustoeisung zu sprechen. Die Mitteilung des Abg. Volker, die nach llnseren, Informationen ursprünglich der bekannte Jerzabc! 'hätte. machen sollen, ist freilich nicht zu dem Zweck erfolgt, bie- Versammelten zur Ruhe zu veranlasferr. Sie ist daraus: angelegt, das „bv b e n ständige Judentum" in de:t. ' Krieg gegen da§ Ostjildentüm hineinznreißen und' dis in weiten.Wischen Kreisen unzweifelhaft bestehendr politische Verbitterung einerseits, gegen Juden, andererseits gegen bie Republik auszunützen.' Wobei möglicherweise auch die leise' Hoffnung mitschwingt, dort endlich für die elend schlecht ßc*: führte monarchistische Propaganda jüdiffhe Mitarbert zu bekommen. Diese Hoffnung ist aber vergeblich. Und ebenso, die' Spekulation auf einen in der antisemitischen Phantasie-bestehenden Gegensatz zwischen Ost-- und Westjndentum, für den: übrigens auch bei den in Frage kommenden, amerikanische n Kreisen kein Verständnis zu finden wäre. . Jedenfalls ist mit Freude zu konstatieren, baß am'. Sonntag kein Blut geflossen ist und daß die. Veranstalter. der Versammlung mit ihren' diesbezüglichen' Plänen, Lank beit Vorbereitungen und dem Takt der Polizei kern Glück: ' hatten. Auch -er so viel geleugnete mlNtarchistische 'iGrunb-. charakter der Demonstration konnte sich' sticht ' durchsetzen. Die Mbsinguug der „VolksHymne" auf dem Schwarzenbergplatz fand erstaunlich wenig Begeisterung. ■ . .. Die Behörden haben sich gestern veranlaßt 'gesehen^, mit Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse und' auf die Haltung der Ententemissivnen die Veranstaltung derartiger Kundgebungen für die Zukunft zu untersagen. Wien braucht Mrhe und Arbeit, aber keine Straßenkrawalle,' ' die zu den traurigsten Konsequenzen in einer Stadt führen, könnten, die von der Mildtätigkeit des Auslandes lebt. Die Behörden müßten sich aber doch auch' entschließen, der stillen Agitation, die mit reichsdentschem Kapital arbeitet, entgegenzutreten und den vielen anonymen Flugschriften den Gar au; zu machen, ln jbc.iett zum Zweck des , Pogromes und der Plünderung nicht nur die lebenden Juden, sondern auch bie toten jüdischen Opfer des Krie-' g es beschimpft worden. Es gibt kein jüdisches Haus, das nicht einen Toten oder Vermißten zu beweiiten hätte. 'Zu Sausenden sind die jüdischen Soldaten in Rußland, in Serbien,. in Albanien, in Italien als stumme Helden der Pfllckjt . ge- . fallen, sind jüdische Offiziere an der Spitze 'von' Sk: i (Heilungen in der bewußten Absicht geopfert worden, da:- centum ein bißchen zu verringern. Wenn nun heute „n.: " Pamphlete von jenen Offizieren geschrieben und ungestört verbreitet werden, die sich ihre Täpsorkeitst. . auszeichnungeir durch Siege über serbische Buben, über albanische oder italienische Frauen erworben haben oder den Krieg an der Stubenring-Front durchgehalten haben, fo; :, wäre es Sache der Regierung, meinen wir, einer solchen'' frechen und gemeinen Hetze einen Riegel vorznschieben. Sio: öffne die Archive der Feldgerichte und die Welt tvird staunend erfahreit, daß bas Kapitel „Kriegsgreuel" gerade durch'/ deutschn ationake Offiziere, Aubitori: und' Aer zte österreichischer Herkunft in ungeahnter!Weise bereichert wurde. Diese Leute, die für das Vaterland in der Weise kämpften, daß sie Waren der Frouttruppen im Hinterland verkauften, daß sie mit Marschrouten, .mit offencst ' Befehlen, mit Lebensmitteln, mit Valuten unverschämtester Schmuggel trieben und durch des Kaisers Rock gedeckt waren, ' dürfen nicht das Maul ausreißen und bas Erbarmen des- Hinterlandes anrufen. Sie haben am Tod der Monarchie genau so viel Schuld,, wie ihr Armee-Oberkontmando, wie '. ihre sieggekrönten Heerführer und Generalstäbler, wie ihre Hängepolizei und' alle die Errungenschaften österreichischer Provenienz.. Was sie im Krieg gelernt haben, wollen sie jetzt anwenden: ein bißchen plündern, ein bißchen kontroi'tos wirtschaften. Es wird dafür gesargt werden, daß ihnen das Handwerk gelegt toitbk Praktisches Ehristent«m. Dem Bericht eines „christlichen" Montagblattes . über bis Antisemitenbemonstratio n entnehmen wir folgendes Kulturbokument. „Das Wort erhielt, mit großem Beifall begrüßt, Kooperator Schm i d t (von St. Rochus), der unter anderem ausführte: Schon während des Krieges.war der Juden Maß' voll, so daß sie für ihre Existenz nach der Heimkehr der Frontsoldaten fürchten mußten. Aber die Juden waren schlau, schoben ihre Schuld zu den Schulden anderer. Unser Heer wurde zermürbt und geschlagen. Sie gründeten sich 'ein« Judenschutztruppe. Wir brauchen keine Bürkerei und Kriecherei vor HöflingenI Wir brauchen keine Monarchie und keine:. .ÄÄ LMM,. M tveM wirr 7. Äktober 1919 Slr.257- Tagesbericht.