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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-07 · Heft 257 (7.10.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 257 (7.10.1919)
Date
1919-10-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I 9tfc2ST Wien, Dienstag 7. Oktober 1919 Die zionistische Zahreskonferenz Amerikas. Die bisherige Leitung wiedergewählt. hervorgerufen, daß Bundesrichter B ran d e i$, Lev. ansollte. Eine gewisse Enttäuschung hat die Nachricht Die Kohlenlage andauernd kritisch Schlechter Kohleueinlaus. Neuerliche Einschränkungen. Das sind in großen Zügen die Bvrschläge der Gemeinde und, wie wir erfahren, dürfte das Staatsamt wahrscheinlich schon heute ihr« Durchführung anordnen. Die Ursachen degeringen KohlewewLKnfts. Wie wir schon wiederholt daraus hingewtesen haben, liegt die Ursache des geringen Kohleneinlaufes ttt den überaus großen Transportschwierigbeiten, welches wieder auf den großen Waggonmangel zurückzuführen sind. Die deutschösterreichischen Staatsbahns^ können den unausgesetzten Forderungen von Sonder-s zögen, welche in Oberschlesien verlangt werben^ wegen des Waggonmangels nicht Nachkommen, während in der Tschechoslowakei die noch immer g emeinsamen Wagen zum Holz- «nd Rübenführen verwendet werden. Neuerliche Reist Unserer Mterhändler «ach Prag und Berlin. Am Donnerstag begaben sich Staatssekretär Zerdik mit Sektionsrat Dr. Schüller neuerlich zu Verhandlungen nach Prag und Berlin. Mt ihnen reist Magistratsrat Dr. Fastenbauer, welcher bei to; Verhandlungen die Interessen der Gemeinde Wienvertritt. Von dem Erfolg dieser neuerlichen Intervention wird es abhängen, welchen Umfang die Einschränkung annehmen wird. erkannte Führer des amerikanischen Zionismus, nichH selbst auf der Konferenz sprechen wird, vielmehr wem als mutmaßlicher Referent der politischen Delegation» Professor Frankfurter auch als Referenten der zionistischen Palästina kommission. Dr. F r ie b enwa IV und Robert Szold angeküudigt. Die zionistisch^! Organisation Amerikas ist bereits die stärkste Larcks-! Mannschaft und ihre Beschlüsse bezüglich des Aufbaues! Palästinas verdienen daher die aufmerksamste Beachtung. Bekanntlich ist gerade die amerikanische Landesorganisation auch in der Forderung des sozialistischen Aufbaudes jüdischen Gemeinwesens pomngegangen und hat in den sogenannten Pittsburger Beschlüssen vor allem die uneingeschränkte Nationalisierung von Grund und Boden gefordert. Dies hat um so mehr Aufsehen erregt, als man gerade von Amerika die Geltendmachung kapitalistischer Tendenzen gefürchtet h§lte. PoMsche^RMdschau. Was ist mit den jüdische« Internierte« in Galizien? Bekanntlich haben die Polen auf ihrem Vormarsch in Oftgalizien zahlreiche jüdische Zivilisten ohne Angabe näherer Gründe unter Vorschützung von allerlei Verdachtsmomenten gefangen genommen und halten sie seither interniert. Unter den Internierten befinden sich einerseits angesehene Fürer des galizischen JudentmnSo andererseits auch Frauen und Kinder. Sie alle sitzen jetzt schon Wochen- und monatelang im Gefängnis und scheinen der Vergessenheit anheimgefallen zu fein. Bisher hat man es nicht für nötig gehalten, die Untersuchung gegen sie durchzuführen und die Internierte« entweder, falls Gründe zur Anklage vorhanden sind, dem ordentlichen Verfahren zuzuführen, oder aber sie fretzulasfen. Das Lemberger „Tagblatt" erinnert in einem dringenden Appell au das furchtbare Los dieser Unglücklichen. Das Blatt, bas unter polnischer Zensur erscheint, schreibt vielsagend: „Wenn ihr wüßtet, was wir wissen, dann würdet ihr alle, ihr sechsmalhunderttausend ostgalizische Juden und mit euch das jüdische Volk, ein so gewaltiges Wehklagen erheben, daß die Machthaber es hören müßten: Befreit die gefangenen Juden!" Wenn dem polnischen Staate daranliegt, der Wett zu beweisen, daß er nach den Erschütterungen den ersten Zeit die Entwicklung zu einem geordneten demokratischen Staatswesen anstrebt, dann wird er eiligst dafür sorgen müssen, daß diese unerhörte Grausamkeit ein Ende findet. Es ist eines Kulturstaates unwürdig, Gesängen«, und seien si« auch noch so schwere Verbrecher, monatelang im Kerker schmachten zu lassen, ohne sie vyr ihren Richtet zu stellen. Darum hoffen wir, daß es nicht nötig sein wird, baß erst die Kulturwelt ihre. Stimme zugunsten der internierten Juden in Galizien Uber ein weiterer Aufschub ist unzulässig. Nanmkekyj über die Judenstage in der Ukraine. Wir haben in unserem gestrigen Watte Aeußerun- M des ukrainischen Außenministers Demnickyj über bi« Judenfrage in der Ukraine wiedergegeben- .Die Aeußemnsen des Ministers sind allerdings wenig beruhigend, da sie nicht mehr als die bereits bekannten beschwichtigenden Versicherungen enthalten. Die Angelegenheit der ukrainischen Pogrome ist noch lange nicht aufgeklärt, obwohl gerade dje leitenden Männer der Regierung Petljuvas immer wieder darauf Hinweisen, daß in den anderen Teilen der Ukraine, di« von allerlei Bandenführern beherrscht sind, noch mehr Pogrome stattgefunden haben. Vollends befremdlich ist aber die Bemerkung des Ministers über die jüdische Untersuchungskommission. Wir haben seinerzeit gemeldet, daß Temniekyj an einzelne jüdische Persönlichkeiten, darunter Achad Haam und Üssischkin, die Aufforderung gerichtet hat, in eine Kommission zur Untersuchung der Pogrom« einzutreten. Die Genannten haben jchych den Antrag a b g e l e h n t; indem sie daraus vermissen, baß die Aufforderung nicht an sie als Privatpersonen, sondern an das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris als interterritorial« Vertretung des Mischen Volkes zu richten, wäre. Nun sagt Temniekyj, daß die Kommission unter Mitwirkung von Achad Hqam bereits ihr« Nachforschungen beerbet Hab«. Dem Minister muß hier ein offenkundiger Irrtum unterlaufen sein. W wäre hoch endlich an der Zeit, baß man damit aufhört, der Osffentlichksit allerhand anzweifelbare Mitteilungen zu mache«, Dis Pogrome find eine viel zu ernste Tatsache, als daß man sie dazu benützen dürfte, allerlei RkchtförtigungSmanövrr auszuführen. Das Finanzprogramm Dr. Bilmskis. Aus Warschau wird den „Polnischen Stimmen" telepMhiertr Daö Expvss des FinamministerS in der Budgetkommisston deS Landtages hat m allen politischen Kreise» den deylbar besten Eindruck hervorgerufen. Allgemein herrscht die Empfindung vor, daß es dem Finanzmimster gelingen wird, daS polnische Budget in verhältnismäßig kurzer Zeit zu sanieren, Die Mitteilung, daß eine staatliche Zwangsanleihe nicht geplant sei. ist natürlich mit großer Genugtuung ausgenommen worden. Verschieden, Steuerprojekte einzelner Kommissionsmitglieder sonnte Tr. BilinSki mit wohlwollendem Lächeln abwehren, da die Kommission den Gindruck gewonnen hatte, daß der von ihm entwickelt« Finanzplan unter den gegebenen Umständen als der einzig zweckmäßige bezeichnet werden muß.. Die Syrer gegen Fajisnl. LtM, Oktober, (Funkspruch.) DaS syrische Zentralkomitee hat in Erwiderung htzS Interviews Farsuls in London Nachstehendes bevlautbart: I.Emir Faisul vertritt bloß HedschaS und ist weder berechtigt iwoch befugt, Über dis syrischen Interessen zu sprechen. 2. All« seine Begründungen haben weniger Wert als jchs, dt« er den Alliierten, abspricht. S. Wenn, Syrien den Syriern gehörsn fall, kann dieser Grundsatz nicht sofM nach seiner Aufstellung verleugnet werden. ES iß unmöglich, daß zu dem europäischtzn Mandat noch «ine fremd« Oberherrschaft komme, welch« baS Mandat tatsächlich nndnrchführ- [fc<W MAchUt Zürich, K. Oktober. - (Privat.) Nach einem Kabeltelegramm wurde auf der Jahreskonferenz (Convention) der amerikanischen Zionismen in Chicago der bisherigen Leitung der amerikanischen zionistischen Federation nach heftigen Debatten von der Konferenz ' die Jdemnität erteilt und di« bisherige Leitung im Ganzen wiedergewählt. ♦ Obwohl bi« Konferenz in Chicago bereits Mitte September stattgofunden hat, sind bis heute keim Berichte hierüber hierhex gelangt. DieJahreskonftrenzder amerikanischen Zionisten ist seit den letzten KrtegSjahren eines der wichtigsten Ereignisse in der, gesamten zionistischen Weltorganisation. Zur Konferenz in Chicago waren tausend Delegierte angemeldet. . Mt größter Spannung hat man insbesondere dem politischen Referat entgegengesehen, das seitens der aus Palästina und Europa znrückgetehrten Delegat ten .erstattet werden Die gestrige Kohlensituati-sn war mit Rücksicht auf den Kohteneinlaus hie schlechteste, welche wir bis jetzt hatten, und wir stehen unmittelbar vor neuen Einschränkungen. die schon in den allernächsten Tagen in Kraft treten werden. Im Rathaus fand gestern eine Sitzung statt, in welcher die neuerlichen Einschränkungen festgelegt und nachmittags dem Staatsamt für Arbeiten zur Genehmigung vorgetegt wurden. Man erwartet, daß noch in dieser Woche die.nemn Einschränkungm durchgeführt werden. Der Umfang der Einschränkungen. Bei den neuen Einschränkungen handelt es sich in erster Linie um den Straßen bahn betrieb. Darnach soll der Verkehr erst um 6 Uhr früh beginnen und schon VW HM 8 Uhr abends geschlossen werdm. Die Gasbeleuchtung wird von der Drosselung nicht betroffen werden. Wohl aber wird der Bezug des elektrischen Lichtes in der Weise gedrosselt werden, als schon in nächster Zeit entsprechend der Zahl der Familienmitglieder und den Räumen ein gewisses Quantum vorgeschrieben werden wird. Bei den öffentlichen Lokalen - wich die Sperrstunde, neuerlich rückverlegt werden. (Offenbar handelt es sich um das Syrische Komitee in Paris, das ehenso französischen Interessen dient tote Faisul englischen. Der Gedanke des großarabischen Reiches, das alle Teile Syriens und auch Palästina umfassen soll, ist angesichts der Mandatpolitik der europäischen GroßmächtejedenfE ein. Hirngespinst. Doch müssen alte semitischen Rationen Syriens den größten Wert darauf legen, mit den Arabern in freundlichsten nachbarlichen Beziehungen und in brüderlicher Eintracht zu leben. Dieser Gedanke der Einigkeit sollte endlich an Stelle der fortwährenden Rivalität treten. D.Red.) Reorganisation der zionistischen Palästina- Kommission. Wie baS «Jüdische Volk"' aus Paris erfährt, soll die Zionistische Palästmakommisston („Waad hazirim"), grgen deren Zusammensetzung bereits mehrfach Beschwerden insbesondere seitens der palästinensischen Arbeiterschaft vorgebracht wurden, demnächst rekonstruiert werden. Es wird folgende Zusammensetzung gemeldet: Vorsitz: Professor W eizrn annl Mitglieder russischkiu, Dr. Ruppin, Bertbold Feiwel, Dr. Eder, Szold, em Vertreter des M i s r a ch i, ein Vertreter der P o a l e - Z t o n und d r e i Vertreter der I u d e n P a l ü" st i n a s. General Watsorr tritt zurück - Warschau» 6. Oktober. Der Pariser Korrespondent des »Juhiszen Folk" meldet aus sicherer Quelle, daß General W a t s o n, der Verwaltungschef Palästinas, demnächst zurücktreten werde. Seine Sülle werde ein General' einnehmen, dessen Sympathien für den Zionismus allgemein bekannt seien. Vertreter Dentsch-Lveftungarns beim Staatskanzler. Der Frirdcusd elegierte Dr. Beer unk Professor Wal- Heim (Verein zur Erhaltung bcß Deutschtums m Ungarn) erschienen als Vertreter DeMsch-Westungarns heim Staatskanzler und verwiesen auf die unerirtiglrchenundunbaltb a r e n Z u st ä n d e, bi« sich in Dentsch-Westungarn mr die Bevölkerung dadurch ergeben haben, daß das Land mit Oester- -reich noch nicht vereinigt wurde. Die beiden fragten den Staatskanzler Dr. Renner, welche Schwierigkeiten noch der im ^ricdensverlrage vorgesehenen Beremigpna Hr8 Landes mit Oesterrelch entgegenstchen. Staatökanzler Dr. Renner erwiderte, daß die ZeU der Leiden der deutsch-westungarischen Bevölkerung nicht mehr lange dauern w e r d c. Die Bedölkmmg möge sich daher noch in Geduld fassen. Der Anschluß NN Oesterreich fei absolut sicher. Telegramme. Die Pogrome itt der rlkrame. Sebastopol, 6. Oktober. (Funkspruch.) Die Schäden in der Ukraine lasten sich vorläufig nicht feststellen. Aeber 308 Dörfer find Vonkommen zerstört, bei den Pogrome« kamen über 30.000 Inden um- Leben. Schwierige Lage der Armee Denikins. Starke bolschemtkifche Angriffe. — Konflikt mit den Rumänen. Lemberg, -.Oktober. (Korr.-Bur.) Die »GazetaPoranna* meldet, die Lage der Ärmee DenikinS fei sehr ernst. Infolge der starkm b olschewikischen An griffe sind beide Flügel der Arm« DenikinS bedroht. Gegenwärtig konzentriert Denikm starke Kräfte bei Kiew, um dort einen entscheidenden Schlag »u wagen. Wie aus Bukarest gemeldet wird, ist es zu einem Konflikt zwischen rumänischen Truppen und Deuiftn gekommen. Denikin beabsichtigt, ganz Beßarabien zubesetzen, vmeS wieder Großrußland' einzuverleiben. Denikin betrachtet die Polen als Verbündete. ' Parts. 6, Oktober. lFunkspmch,) Aus Warschau wird gemeldet, daß Denikm angesichts der polnischen Erfolge gegen Sowretrußland Befehl gegeben hat, die Polen als Verbündete tu betrachten. Die Umklammerung Petersburgs. Paris» 6. Oktober. (Funksprnch.) AuS H e l f i n g j o v« wird gemeldet, daß die Truppen deS Generals Juden: r^ch zehn Werst 'vor P S k o w stehen, dessen Fall vevorstehe. Der linke Flügel der nordrussischen Arm« stehe im Forisch r eit en auf Petersburg 160 Kilometer vorder Stadt. Besternng im Befinden Wilsons. Washington, 6. Oktober. Präsident Wilson verbrachte eine sehr gute Nacht. Wenn man überhaupt von einer Veränderung sprechen will, kann man es nur im günstigen Sinne auffassen. Beratungen in Washington. Maris, 6. Oktober. (Korr.*Bur.) „(ä de Paris" mclbW aus Washington: L a n s r n a hat den Mmisterrat zu einer Sitzung einverufen. Der Mimsterrat soll sich angesichts der Krankheit deS Präsidenten über den Vorgang zur Sicherung d« Kontlnmtät ln der ausübenden Gewalt «Mprechen. Der Konares ist Nicht dafür, daß formell erklärt werde, daß der Präsibmt arbeitsunfähig sei. E< würde damit ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen, auf den sich der Kongreß berufen konnte, wenn er einmal etwa einen Präsidenten, der ihm nicht gesällt, kalt- WmWüe,

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