Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 256 (6.10.1919)
- Date
- 1919-10-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Skr. 256 Wim, Montag 6. Oktober 1919 6ettt $ Tagesbericht.; Die Schmnckaffäre der Habsburger. Paris, 5. Oktober. „Exeelsior* erfährt fcur GchmuckaMre des Hauses Habsburg: Der Verkauf oder -ie Verpfändung sollte im Jahre 1913 erfolgen und der Erlös dazu dienen, Manuel wieder auf den portugiesischen Thron zu bringen. Der Schmuck wurde bis auf;in Perlenhalsband der Kaiserin Luise verkauft. Vom VrlöS wurden zwei Kriegsschiffe ausgerüstet und Waffen anzeschafft. Das Perlenhalsband wurde auf 1,800.000 Franken «schätzt, doch wollte man mit Rücksicht auf seinen historischen Wert 5 Millionen. Der Kriegsausbruch unterbrach die Verhandlungen. DaS Blatt meint, daß man es zwar nickt wisse, daß es aber möglich sei, daß die beiden Kriegsschiffe und die Waffen gegen Frankreich, oder seine Verbündeten verwendet wurden. ________ Arbeitsnachweis der Gewerbefekkio« dss Jüdischen Nationalrates. StellungsuÄ-end«: ' 82 Landarbeiter, a Bäcker, 3 Bäckergehilfen. 2 Gerber, I Fleifchhamr, 2 Photographen, 1 Seifensieder, 4 Zimmermaler, d Anstreicher, 2 BÜrstmbmder, 8 Kellner, 2 Buchdrucker, 2 ge» drit te Heizer, 3 ungeprüfte Heuer, 3 Hutmacher, 8 Uhrmacker» Mffm, 1 Krfielsckmied, 6 Maschinenschlosser, b Bawcklosscr, f Bauspengler, 8 Galanterispengler, 2 Spengler-Jnstallaleure, Gürtler, 8 Metalldreher. 1 Goldgraveur. 3 Elektromechaniker, i Chauffeure, 64 Hilfsarbeiter in Industriebetrieben, b Damenschneider, 6 Herrenschneider für kleine Kundenarbeit, 5 Kürschner, 1 Kutscher, 3 Glasirgehitten, 8 Buchhalter, 10 Kontoristen, § Kontorisiürnm, 6 Verkäufer (KommiS), 4 Platzagenten. 1 Ge- Mstsführer, 2 Magazineure, 6 Stenographinnen, ö Maschin* tchreiber, 12 Adrefsevschreiber. Offene Stellen r 2 Köchinnen (rituell), 1 Seifensieder, 1 Schnitt- «nd Stünzenmacher (Manschektemnopfe-Erzeuger), 1 Photograph mtt prrrnalistffchen Kenntnissen, 2 Praktikanten tBurcau^, 2 Lehrvsidchen (Damenschneidern), b Mädchr» für AllrS, 1 Strohhuträherm, 2 Geschaftsdimer. Die IudeKfrage in der Ukraine. Eine Unterredung Mit dem Der ukrainische Minister des Aeußcrn, der weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus geschätzte Publizist Wladimir Temnickyj hatte die Freundlichkeit, einem Aiiserer Mitarbeiter eine Unterredung zu gewähren, in der er sich über daS Problem der Juden in der Ukraine äußerte. Herr Temnickyj beantwortete unsere Fragen folgendermaßen: , Welche Maßregeln hat die ukrainische Regierung zur Verhinderung der Pogrome auf dem Gebiete der Ukraine er- Mlffen? In der Ukraine gibt eS, seitdem die Regierung P e t ljuras am Ruder ist, keine Pogrome. Ueberall herrscht Ruhe. Eines meiner Hauptbestreben ist jedoch, die Beweggründe der verbrecherischen Umtriebe auszudecken, die in der jüngsten Vergangenheit auf ukrainischem Gebiete, zu einer Zeit, da die Macht noch nicht in unseren Händen lag, zu Pogromen führten. Ich habe vvrgrschlagrn, daß eine Jüdische Untersuchungskommission i» die Ukraine zwecks Prüfung der näheren Umstände, unter denen die Pogrome veranstaltet wurden, entsendetwerde. Diese Mission, unter deren Mitgliedern wir den bekannten jüdischen Denker Ach ad Haam finden, hat ihre Untersuchung bereits beendet. Ihre wichtigste Feststellung ist, daß die Pogrome in Odessa, Jekaleriuoslaw und in anderen Städten der K i e w e r und C h e r s o n e r Gouvernements von den Reaktionären in Szene gesetzt wurden. Gab eS in dem Machtbereiche der ukrainischen Regierung überhaupt keine Pogrome? f Leider haben sich in ProSkuro w, Schmerrrrka und an einer Stelle in Wolhynien ebenfalls beklagens- Autzenminister TeumleKyj. werte Ereignisse abgespielt. Es muß aber festgestellt werden, daß' diese Pogrome eine Folge des Umstandes waren, daß ein ansehnlicher Teil der dortigen jüdischen Bevölkerung mit den Bolschewiken sympathisiert hat. Da wir jedoch wissen, daß der größte Teil des Judentums mit dem Bolschewismus sich picht ideutisiziert, beklagen wir diese Ausschreitungen und hoffen, daß die Drangsalierung unschuldiger Juden von nun an nicht mehr Vorkommen wird. Welche Rolle ist den Juden in der neuen ukrainischen Republik zugedacht worden? Jedenfalls eine bedeutende, dem hohenKulturgrade und der großen Intelligenz eines beträchtlichen Teiles des Judentums entsprechende. Bon den sechs Millionen Juden, die i n S ü d r u ß l a » d leben, sind der Ukraine, als dem größten der Randstaaten, ungefähr dreieinhalb Millionen zugesallen. Unter ihnen befindet sich eine Anzahl von bedeutenden Schriftstellern, Künstlern und Philosophen. So der bereits erwähnte Philosoph Achad Haam, der jüdische Nietzsche/ die hervorragenden Dichter B i a l i l und Abramowicz, der bekannte Publizist Dr. Klausen und viele andere, die nicht nur in der Ukraine, sondern auch in der europäischen gebildeten Welt -einen angesehenen Namen haben, und die die ukrainische Natron mit Stolz, als die ihren betrachtet. Wir haben angesichts der großen Bedeutung, die dem jüdischen Elemente innerhalb des Rahmens der ukrainischen Republik zukommt, ein Ministerium für die jüdischen Angelegenheiten errichtet und rechnen auch sonst auf tätige Mithilfe der jüdischen Intelligenz bei dem Aufbau unseres Staates. im Fußballverband. Während ans dem Sportplatz« im Prater das große Länderwettspiel. Oesterreichllngaru vor sich ging, dem auch alle Beamten und Angestellten des Fnßballvsrbarides beiwohnten, suchte» Einbrecher daS in der llnnagaffe 7 gelegene Heim dieses Sportverbandes auf. Es müsien ptt bitt Lokalverhältmfsen wohlvertraute Diebe gewesen sein, benen «ach Anböhrung der Kaffe, in welcher sich der Erlös des. Porverkauses befand, 70.000 Kronen in die Hände sielen. Der Diebstahl wurde erst in den Abendstunden bemerkt, als Herr Gußrn an n, der Sekretär des Verbände-, den Erlös der Tageseinnahme gleichfalls in die Kaste sperren wollte. Verdächtigt erscheinen zwei jugendliche Personen, die von der Hausbesorgerin in den NachmittagSstunden im Stiegeuhause bemerkt wurden. Die polizeiliche Anzeige wurde erstattet. * Die Schauspielen« als Diebsgenossin. Wie berichtet, vurde im April l. I. das Geschäft des ModewareMmdlers Siegfried L ö w, Wieden, Waaggaste 3, erbrochen. Mpohlen «urden Waren im Werte von K. 100.000. NachdernWhön im Füll l. I. eine mehrköpsiO Bande wegen dieses Einbruches verhaftet worden war, wurde am 29. v. M. auch der auch sonst wegen Diebstahls versolgte 21jährige Hilfsarbeiter Johann Lonfar verhaftet, der der Diebsbande angehört hat. Durch sie Erhebungen des Polizeikommisiariats Neubau wurde nun fest- Mellt, daß Toufar und feint Geliebte, die 30jährige gewesene Schauspielerin Helene Check, in der Nacht zum 22. v.M. eine» Einbruch m daS Stoffgeschäft der Firma Schwarz & Comp., tVindmühlgaste 2, verübt und Stoffe im Werte von K. 30.000 zestohle« haben. Helene Check wurde gleichfalls verhaftet und dem Tandesgerichte eiugeliefert. * Gefälschte Banknote«. In der Fisiale der Berkehrsban ln Meidling hat am 3. d. M. ein ungefähr 60jährigrr Mann, der Brillen trug und sich Josef Bauer nannte, 24 Stück Banknoten tat je 10QO Kronen und 40 Stück Banknoten zu je 100 Kronen -«««**•- iCJtjr w-—A-“ft— - Umder __ _ _ _ _ und trauen Schnurrbart. * Preisabbau — m England. Mit Genugtuung stellen die tuglifchen Blätter de» ersten nicht unbedeutenden Preissturz fest. Die Preist für Kleidungsstücke und Schuhe haben sich sehr ermäßigt. Anzüge sind jetzt für 7 Pfund 7 Schillinge statt für l0 Pfund 10 Schillinge zu haben, die Hüte sind billiger geworden, Katt 40 Schillinge wie im Sommer zahlt man jetzt bloß 85. Äuch die Preise der Fraumbekleidung nnd Hausartrkel senken sich täglich. * Ei» falscher Invalide als Bettler. Letzten Freilag saß beu Tag Über ei» junger Mann in her Universitätsstraße auf dem Pflaster. Er sah recht jämmerlich in seiner abgetragenen Kleidung» fctffc Uniform, halb Zivil, aus und hatte den rechten Unterschenkel porgestreckt und fest umwickelt, so daß man ihn für einen Kriegsinvalide» halten mußte. Paffanten beschenkten ihn reichlich. Schließlich wurde aber ein Rayonsinspektor der SicherheitSwache auf ihn rufmerksam und hielt den Mann zur AusweiSleistung an. ES stellte sich heraus, daß er der 28jährige Hilfsarbeiter Franz W o h l f a h r t st 8 d t e r ist, de? tm städtischen Asyl- und Werkbaus und wohnt trotz seiner Uniform nie beim Militär gedient hat. Am Beine hat er lediglich einen Ausschlag, der ihn angeblich stark schmerzen soll, Der Mann hatte die Taschen seiner Militörbluse ganz mit erbetteltem Kleingeld gefüllt. Er gab an, daß er dp» seinem Kollegen im WerkhauS Jokef Kellermann zum Straßenbettel animiert worden sei. Der Mann, behauptet Wohlfahrtstädter, Hab? ihm versichert, daß er selbst, der m der Stadt als falscher Invalide mit verbundenem Fuße bettle, täglich im Durchschnitt b e \ W-ci» bis vierstündig er „Arbeitszeit" spielend leicht L0 bis 7v Kronen verdiene. Der falsche Bettler wurde dem Bezirksgerichte augezrigt. * Die Exhumierung unseres Ga. Benno Rosenstrauch und die Ueberietzung in bie eigene Gruft findet Dienst a g den 7. d. M. um S Uhr vormittags auf dem Jentralfriedhofe (israel. Abteilung), 1. Tor, statt. * Palästiua-Gsrogim. Die vom Wiener Paläst'maamt direkt aus Palästina bezogenen Esrogim und Lulawim sind emgetroffen und gelangen im Lokale des Vereines „Jischuw Erez Israel", H, Praterstraße 9, 1. Stock, zum Verkaufe. Dieselben werden en detall und en gras an Interessenten abgegeben. Wieder Verkäufer genießen Rabatt. Der Reinertrag wtrd zur Schaffung eines Retsefonds für arme Palästina-Emigranten verwendet. * Der Karlsbader Erpresser verhaftet. Aus B e r l i n wird gemeldet: Der Erpresser Erich M a t t h e s, der im August d. I. in Karlsbad den Generaldirektor Gerstcnb erg aus Berlin zu entführen und zu berauben versucht hatte, ist gestern nachmittags auf der Rennbahn im Grunewald verhaftet worden. Man fand bei ihm noch eine größere Summe Geldes. Nach der Vernehmung unternahm Matthes einen Selbstmordversuch, indem er sich eine Kugel in die Brust schoß. Schwer verletzt wurde er ins Kranlrnhaus gebracht. Die zionistische Parteistener. Das Zionistische Landeskomitee für DentschSsterreich erläßt folgenden Aufruf: Der jetzige Zeitpunkt ist für «nfere Bewegung und daher für das Schicksal unseres Volkes entscheidend. Nur als st a r k e O r - ganifation mit entsprechend ausgestatteten Bureaus und Aemtern können wir Situation gerecht werden. Wir müssen nicht nur die Ägitations- und Propagandatätigkeit auf das höchste steigern und die Verbindung mit den Bruderorgamfationen der ganzen Welt nnd unserer zionistischen Zentralleitung aufrechterhalten, sonder« auch — im Sinne des Kopenhagener Manifestes und des Beschlusses unseres letzten Parteitages — die innerpolitische Arbeit besorgen und die Eroberung der Knltusgemeinden nnd ihre Umwandlung in Bvlksgemeinde» vorbereiten. Dazu brauchen wir Geldmittel, deren Höhe z« de» Eingänge» an regulärer Parteistener in keinem Verhältnis stehen. Wir schreibe« daher eine nutze t ot deutliche Parteipeuer für das Jahr ISIS aus, die wir unter dem Titel eines Attschwarbettrages bei allen Organisationen einheben. Zeder muß nach seinem Vermöge« geben. Ansere Idee ist im siegreichen Aufstieg begriffen, «nsero politische Arbeit von Erfolg gekrönt. Gesinnungsgenossen l Ihr müßt Euer Aeutzerftes tun, um uns die weitere Arbeit zu ermöglichen. Euch trifft die Verantwortung, ebenso wie die Leitung! Der Mischmarbeitrag ist äu das Z i o p nistische Landesko mitee»II.,Zirkusgaffe S3, abzuführen. Die Eingänge an außerordentlicher Parteisteuer (Mischmarbeitrag) werde« in de« «Jüdischeu Zeitung" veröffentlicht werden. Zionistisches Landeskomitee für Deutsch'österreich Jakob Meiner Ing. Robert Stricker. * Bauernfänger. Ein höchst MangenehmeZ Erlebnis hollr> am 8. d. M.'der aus Schlesim zugereiste Landwirt Karl Borgo.. Als er am Nachmittag auf dem Südbahnhof war, schlossen sich! chm zwei junge Männer an und boten ihm ihre Dienste an; sie! führten ihn in einem Einspännerwagen ins Hotel Kolbeck nach' Favoriten. Dort ließen sie ihn ein Zimmer aujnehmen. Dann lockten sie ihn aus dem Zimmer, luden sein Reisegepäck wieder auf den Einspännerwagen Md fuhren mit ihm fort. In einem Relsekoffer waren Wertsachen, amerikanische Dollarnoten und Kassenscheine im Betrage von 20.000 Kronen. Die Ausforschung der Diebe, die lichte Regenmäntel trugen, ist eingeleitet. * Mädchen UnteestütznngSoerein. Um für Mädchen,, die infolge des Umschwunges der Berhältniffe stellenlos geworden! sind, neue Erwerbsquellen zu erschließen, beabsichtigt der Mädchen- Unterstühungsvcrcin einen sechsmonatlichen Kunstgewerbekurs (Kunstbuchbinderei, Batik-, Flecht-, Strick- und Perlarbeiten) zui eröffnen. Bei genügender Beteiligung beginnt der Kurs ami 20. Oktober, der Unterricht wird wie an allen Anstalten diesesi Humanitären Vereines unentgeltlich erteilt. Die Ein-! schrcibungm finden vom 6. bis 8. Oktober und 13. bis 16. Oktober, zwischen 11 bis 1 Uhr vormittags m der Schulkanzlei. IX., Sec-! gaffe 16 a, statt. Die Bewerberinnen (mittellose Mädchen) haben^ Geburts-, Entlaffungs- und Jmpfzeognis mitznbringen. WM Palästina-Esrogim n Lulawim erstklassige Qualität, sehr preiswert Der Reinertrag wird stir Schaffung eines Reisefonds für anno Palästina-Emigranten verwendet TeiiaufsIoM „Jisita Erezlsrael“ I. Stock lraterstr.9: 60SI. Letzte Nachrichten. Die polnische Sozialdemokratie gegen den russischen Feldzng. Berlin, 5. Oktober. <Tel.-Komp.) Der Oberste Rat der polnischen sozialdemokratischen Partei erläßt einen Ausruf gegen den Krieg im Osten, mit dem bfo Reaktion in Polen die Niederwerfung des arbeitenden! Volkes bezwecke. Friedensverh andlungen der russischen Rand-' ftaaten mit den Bolschewiken. Berlin, 6. Oktober. (Tel.-Komp.) Nach einer Mitauer Meldung haben die Vertreter Finnlands, Estlands, Lettlands und Litauens in Dorpat beschlossen, mit den Bolschewiken Friedensverhandlungen einzuleiten. Die Verhandlungen werden Ende Oktober beginnen. Die Ententeverlreter sind damit einverstanden und sollen die Beziehungen zu den Randstaaten auch nach dem Abschluß der Verhandlungen mit den Bolschewiken nicht abbrechen. Großrußland, die Zukunft der Tschechy- Slowakei. Prag, 6. Oktober. (Privat.) In einer großen politischen Rede, die K r a m a r s ch am Samstag vor seiner neuerlichen Abreise nach Paris hielt, erklärte ec unter anderem: Der Hauptfehler der Pariser Konferenz war. daß Großruhland aus ihr nicht vertreten! war, und daß die kynttnentalen Fragen von transozeanischen Mächten gelöst wurden. Das Hauptproblem der auswärtigen Politik steht Kramarsch in Rußland, dort liege die ganze Zukunft des tschechoslowakischen Staates. Die Garantie eines tatsächlich gesicherten langen Friedens und die Selbständigkeit sämtlicher slawischer Völker liege in einem freien, demokratischen Rußland, das niemals ein Werkzeug