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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-03 · Heft 254 (3.10.1919) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 254 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Sk. 254 Wien. Freitag 3. Oktober 1919 Seite 7 Kommunales. Die Lebensmittelversorgung Wiens. Nil» trostloser Gericht de» Bürgermeisters. — Die Ge- «eirrdevertretrlng gegen denBerkaufvonKunstwerden. I« gestrigen Stadtrat erstattete Bürgermeister R eu- Manrr unter Zugrundelegung von Ausführungen des iMaat-seikeiärfür Dollsernährung Dr. Loewensel d-N u ß einen Bericht über die Versorgung der Gemeinde Wien mit HebsnSmtttel. Der Bericht bietet ein trostloses Bild unserer Lebensmittelversorgung. In demselben heißt es unter anderem: Die Versorgung mit Getreide ist ralttomme» unznrelchend. Mt der eigenen Ernte kann lediglich Oberösterreich und das flache Land Niederösterreich versorgt werden; alle übrigen Gebiete, insbesondere Wien sind auf Zuschüsse angewiesen. Wir hüben in Argentinien 40.000 bis 50.000 Tonnen Getreide eingekauft und ist diese Menge zum größten Teil schon verschifft und im Abtransport begriffen. Transportschwierigtkiten wache» dies fast unmöglich. Das Ansuchen, bei der Entente wegen der Zufuhr über Rotterdam einzuschreiten, wurde abgewiesen und wir nach Triest verwiesen. Die Zuschübe von dort sind in der Kelten Zeit vollkommen ins Stocken geraten. Derzeit sollen 1? Eijenbahnzüge zwischen Triest und Graz wegen Kvhlenmanget steckengeblieben fein- Wir haben Kohle und Lokomotiven entgegsngesandt, die Z üge sind aber bis haute noch nicht ein ge langt. Und selbst wenn sie em-tresfen, bleiben diese Zuschübe wett hinter unserem Tagesbedarf zurück. Im jugoslawischen Vertrag hatten wir uns die Einfuhr von 5006 Tonnen Mehl gesichert. Allein der Vertrag ließ die Fixierung des Kaufpreises offen, es würde, was ein großer Fehle« war, lediglich der Weltmarktpreis festgelegt. Zu diesem, der mit Rücksicht auf unsere schlechte Valuta sehr hoch ist, schlägt die jugoslawische Regierung noch 300 Kronen Ausfuhrzoll pro Meterzentner dazu. Endlich hat die Bek grader Regierung b\t zum Abtransport per Schiff zstgsführte Kohl» beschlagnahmt, so daß die CArfs« von Belgrad nicht abdampfen können- Wir hätten die genannten 5000 Tonnen bereits vor 14 Tagen bekommen sollen rrnd haben heute noch nichts. Für die Einkäufe im Auslande fehst uuS die nötige Valuta. Die Regierung braucht für,die Importe von Mehk, Getreide, Kartoffeln und Kondensmilch für die nächsten drei Monate allein 70 Millionen holländische Gulden, das sind zwei Milliarden d^urschö'terreichischer Kronen. Dabei bekamen wir weder Fleisch noch Fisch«, weder Käse noch Retz* Da uns jede Valuta mangelt, wurde der Vorschlag gemacht. hie Kunstgegenständ« Oesterreichs an amerikanische Kunsthändler zu veräußern. Um nur ein Minimum von Getreide und Fett bis Ende November importieren zu können, bedürfte man 17 Millionen holländischer Gulden, die in den nächsten 10 Tagen zur Verfügung stehen müßt«:. Wir haben somit in den Länder« kei nenennenswerte Ernte, keinerlei Vorräte und ist die Situafciött schon derart schl tmm, daß außer Wien, Niederhsierreich und Okevösterreich alle Länder und ««sorgtsind. Wte» ohne Pferdemlschfutter. Zu diesem furchtbaren Mangel an Mehl und Gerrstda tritt noch in Wien die Futtermittelnot. Wenn im letzten Augenblick nicht irgend eine günstige Wendung eintrttt, Mt Wien.in der nächsten Zeit ohne Pferdemischfutter da. Um das Mischfutter Herstellen zu können, werde man sich gezwungen sehen, den anrollenden Mais aus Jugoslawien für das Pferdefutter zu verwenden. Der MaiS inländischer Ernte (ft noch nicht reif und kann daher nicht heranFezogen werden. Ab 1. November hat Wim kein Fleisch mehr. Aehnllch wie mtt diesen Artikeln steht eö auch mit Fett Und Fleisch. An ersterem sind in Dien derzeit 1450 Tonnen im Anrollen und sollen noch 8440 Tonnen übernommen werden..' Diese Menge deckt in Wien bei der 13 Dekagramm- Quote den Monatsbedarf. Die Regierung hat ferner größere Mengen in Triest halb auf Kredit, halb auf Barzahlung angetanst. Wenn sie die dazu nötige Valuta nicht ausbringt,, wird das Fett sogleich in Triest verkauft werden. Die Versorgung Mens mit Fletsch ist mit dem angekauften und vorhandenen Vorräten auf einen Monat gedeckt. Ab 1.November hat Wien kein Fleisch mehr. Die »olle Brot» und Mehlguote zweifelhaft. In der übernächsten Woche wird Wien schw erlich kntt der vollen Brot- und Mehlauote versorgt werden. Dr. Renners dringendes Ansuchen b'ei der Entente um Unterstützung wurde bis heute noch nicht beantwortet. Dar Ansuchen bei den Amerikanern tourde abgelehnt, d» die Kredite Oesterreichs völlig erschöpft sind. Dertmhrung des Stadtvats gegen de» Verkauf von Kunstwerken. Nachdem der Bürgermeister seinen Bericht erstattet hatte» stallte Stadtrat Br« itner den Antrag, daß die Gemeinde Wien sich grundsätzlich gegen den Verkauf der Kunstwerke aussprecheü möge, dagegen aber der Negierung nahelegen soll, aus sämtliche im Bereiche Deutschöfterreichü befindlichen Wertpapiere, wie Valuten, sowie »nder« Geldwert besitzenden UmlausSmtttel und Wert- Gegenstände Hand zu legen. Diesem Antrag schlossen sich auch die Christllchsozialen «t und es wurde beschlossen, daß der Bürgermeister und ein Vizebürgcrmeister ferner der Antragsteller Stabtrat Breirner sowie die Stadträte Dr. Kienböck und B a u g 6 i n sich heute zum StaatSkanzler Dr. Renner begeben, um ihm die Verwahrung der Gemeinde Wien gegen den geplanten Verkauf der Kunstwerk« zu überreichen. Gleichzeitig soll dem^GtaatSkanzler de« Antrag vorgelegt werden, die innerhalb DeutWsesrretchS umlaufenden ausländischen Weckmittel und andere Wertgegenstände zu dem Zwecke der LebenSmlttelbeschasfrmg herarrzu,liehen. Wie mitgoteilt wird, sollen bereits binnen zwölf Tagen zunächst daS Silberservice aus den verschiedenen Hosschlössern sowie einzelne antike Möbel und Gemälde, die zwar wertvoll, aber angeblich für unseren KMtbesltz nicht Unentbehrlich sind, unter dem Hammer kommen, und zum Verkauf«' »der zur Verpfändung nach Amerika gelangen. Gestern vormittags hat beim Unterstaatssekretär Glöckel die erste Sitzung der Kommission, der auch als Beirat bereits Direktor L e i s ch i n g beigezogen wurde, stattgcfunden. Errichtung eines Spielplatzes fll« den Ai»bargatten, II., Aspern all««. Rach einem Blicht be« Siadlrates S i e a l. beschloß der Stadl »nt, -r„ an das Schulgebäude mt U.Bezirk. Aweinaller 5. grenzenden Gumo :m Ausmaß von ungefähr 3400 Oiiadralmcier, bei* CS'ocirnm v > T oti.uucflulicvuun^* kommrss'con »ft, zur Emchtnug eine« 3 \) i c l i» 1 u y c ß für Den p. biiditett. Die zionistische Parteisteuer. Das Zionistische Landeskomitee für Deutschösterreich erlätzt folgenden Aufruf: Der jetzige Zeitpunkt ist für unsere Bewegung und daher für das Schicksal unseres Volkes entscheidend. Nur als st a r k e O r - gsnifation mit entsprechend ausgestatteten Bureaus und Aemtern können wir der Situation gerecht werden. Wir müssen nicht nur die Agitations- und Propagandatätigkeit auf das höchste steigern und die Verbindung mit den Brudsrorganifationen der ganzen Welt und unserer zionistischen Zentralleitung aufrechterhalten, sondern auch — im Sinne des Kopenhagener Manifestes und des Beschlusses unseres letzten Parteitages — die innerpolitksche Arbeit besorgen und die Eroberung der Knltusgemeinden und ihre Umwandlung in Vrlksgerneinden vorbereiten. Dazu brauchen wir Geldmittel, deren Höhe zu den Eingängen an regulärer Parteisteuer in keinem Verhältnis stehen. Wir schreiben daher eine auherordsntl i ch e P a r t e i st e u e r für das Jahr ISIS aus, die wir unter dem Titel eines Mifchmarbeitrages bei allen Organisationen einheben. Jeder muß nach seinem Vermögen geben. Arisere Idee ist im steereichen Aufstieg begriffen, unsere politische Arbeit von Erfolg gekrönt. Gesinnungsgenossen l Ihr mützt Euer Aeützerftes tun, um uns die weitere Arbeit zu ermöglichen. Euch trifft die Verantwortung, ebenso wie die Leitung! Der Mischmarbeitrag ist an das Zio» nistischeLandeskomitee, II., Zirkusgaffe 33, abzuführen. Die Eingänge an autzerordentli^r Parteisteuer (Mischmarbeitrag) werden V der „Indischen Zeitung" veröffentlicht werden. Zionistisches Landeskomitee für Deutschösterreich Jakob Weiner Ing. Robert Stricker, Die Ernährung. Der Marktbericht. Da eö bedauerlicherweise gerade in dieser Woche nicht möglich war. Rindfleisch an^urgeben. waren die Hausfrauen fteHev« etfvi« bemüht, auf den Märken Erlatzi für daS fehlende Fletsch m suchen, aber le,dn"war die Möglichkeit, einen solchen zu finden, sehr gering. An der Großmarktballe komm nur 150 Kilogramm Gänse znm Verkaufe, die heareiflicherweise rasch vergriffen waren. Andere Fkeischgattnngeu fehlten gänzlich. Auch die F i s ch m ä r k t e boten nichts Nennenswertes, steilaebalten wurden nur Brachten u, K 18.--- und gewässerte Stockfische zu K 11.50 da- Kiloaramm. Nicht einmal die kleinen toten Karpfen waren zu haben. Heute dürste eS tote Karpfen bei einzelnen Ständen geben, doch «m in sehr klemen Mengen. Die Grünwarenmärkte waren nur knapp ans» reichend beschickt. Imme»dm must man die Beschickrma mit Rücksicht ans die vorgeschrittene IabrcSzeit und die Verhäktmffe >n Ungarn, von wo wie Heuer nichts bekommen, nochmals günstig bezeichnen. . An O b st herrscht kein Mangel. DaS Tiroler Obst ist wohl sehr teuer, dpch befinden fich unter den Sendungen der letzten Tage sehr schöne TafeiMel. Auch Birnen gnttr Dualität find auf den Märben zum Preise von bl b.60 daS Kilogramm m haben. Es ist Haber unbegreiflich. daß die Straßenverkäufer mühelos 8.— tfir V. Kilogramm Birnen erzielen. Reste von G »e r n wurden gestern aus den meisten Märkten auSgcgeben. _ Indische Kinderausspeisuirg. Eröffnung einer dritten rituellen Kindcrkiiche. Im LWe des Monates Oktober .wird die d r i t t e rituelle K i n d e r a u s s p t l f u ng der amerikanischen Kinderh ilfsaktion inder Rosauerkaserne eröffnet. Nur bepürstige unterernährte schulpflichtige Kinder im Mer von 6 bis 14 Jahren werden nach vorheriger ärztlicher Untersuchung ausgenommen. Anmeldungen werden beim American Joint Distribution Committee, 1I.( Praterstrafie 17, entgegengenommen. Auch für die schon bestehenden Ausspeisungen, U., Vorgarten st ratze, WU-helms» ka ferne und XX., Denisgasse 33, können daselbst Kinder angemeldet werden. Die Brot- und Mehlversorgung. Wie ptmcldet wird, destkhk Nlr unsere Vct'cnSm-ttelversorgnna zumindest für dic nächstm uvci Wochen noch k c l n A n t a tz z U r B c s o r g n , 8. Für die kommende Woche wird die Mehl« ration zur Hätste in Vkrschlrsmnehl und zur Hältre in Bohnen nuSgelokgk weiden. Der Bedart iüc die Woche vom lS. bis zum l!t, Otto der lmm ttir jeden Fast als gedeckt d"rachtet weiden. Wie t'Tiicr m Ktftc«lt iv rd, find bc'eiiS g ftci 11 ntcljicie G c- U c i D c i ü ß c QLtä ^ußoiLuwicn euiücuoücm Kein Grotzküchenbetrieb der ^Hegea". Wie uns mitgeteilt wird, hat die „Hegea" in ihrer gestrigen Generalversammlung den Beschluß gefaßt, angesichts der Schwierigkeit der Beschaffung von Buluta und Bedarfsartikeln von der Errichtung eines Großküchenbetriebs ab- Zusehen. Die Bestrebungen nach Herstellung eines direkten Verkehres zwischen Produktion und Konsum zum Zwecke der billigen LebcnSmittclbeschaffuntz werden sowohl die ,Hegea", als auch andere mit dieser Frage befaßten Körperschaften fortsetzw. W. I. W. Der tür morgen in Aussicht genommene Fleischverkauf entfalt gänzlich. _ Preiserhöhung für Himbeersaft. Die Höchstpreise sür HiMbcersa>t weiden wie folgt erhö t: Erzeugerpreise K1430.—, K 1480.-, K 1580.—, Großhandelspreise K 153c.—, K 1555.— und K 1580.— piv 101) Kilogramm. Die Kleruverschleißpreise ervöhen sich um 8.— pro Kilogramm, so daß 1 Kilogramm Himbeersaft im Detailhandel auf K 16.30 zu stehen kommt. Abgabe von Kartoffeln. Von Freitag bis Sonntag wnd im V. Bezirke ll, Kilogramm Kartoffeln vro Kops zum Preise von K 2.60 fiir daS Kilogramm abgegeben. Abgetrennt wird der Abschnitt nOu der Kartoffelkarte. Gerichtssaal. Die Arrsweisungsverordnung als 5dündigu«gss gAUNd. Der Richter des Bezirksgerichtes Neubau, LandeZgmchtSrat Dr. G a g st 8 t t e r, hatte sich gestern mrt den Anwendungen gegen erne gerichtliche Kündigung zu beschäftegen, welche die Bermlelerin Josefine P. gegen den Mieter» Privatbeamten Ludwig S., beim Bezirksgerichte Neubau erugebracht hatte. D>e Vermieterin brachte als gesetzlichen KundlgungsLrwld den Umstand vor, daß der Mieter und seine Famtlie A s.Sl ä n d e r s e i e n, welche unter die Äuswecsungsverordmmg fielen und daß fie fürchte, mit der Polizei Scherernr» zu hador, wenn fie den Mietern mcht kündige. Der Bertret« des Mieters. Dr. Georg Werner, wies darauf bin,^ welche Verwirrung durch die zweckwidrige und üderflüsfige Auswev'ungSvcrordnmi^ in die Köpfe der Bevölkerung gebracht worden sei. so daß. wir im gegenstäMrchm Falle, um» sogar glaube. 4>erechtigr m sein, s r l d st d i e Polizei z « s Vielen und die Answeisungsverordnung in etflener Regie durchruf ühren. Im übrigen habe der Mieter, welcher in Wien frx angestellt sei, bereits am 15. September um fcie Ausentballsdewillignng für sich und seine Familie angesucht, welchem Ansuchen zweifellos stattgegeben werden wird. Ueber Belehrung des Richters, daß die V e r m i e t e r i n nicht berechtigt sei. die ArlsweisungsverordnMg als einen gesetzlichen Kündigungsgrund geltend zu machen, zog die Be»Mieterin die Kündigung zurück und verpstcchtete sich zur Zahlrmg der öiifßelaufenm Kosten. Die Hausbesorger und die Wohnungsnot. In einer gestern vor dem Bezirksgerichte 'Leovoldstadt durchgeführten Strafcrhandlung erhielt man Aufklärung darüber, wie die lreiwerdenden Wohnungen okmr Haustorzettel oder sonstige Au« kündigung sofort vermietet werben. Der Hausbesorger Karl Pletz war gestern vor dem Strafrichter LandeSgerrchtSrat Dr. Schober wegen Betruges ongellagt. weil er der Privaten Katharina D e u t i n g e r emr freiwerdcnde Wohnung gegen ein Honorar von K 50 zugesagt, aber nicht vermittelt hatte. Die Anzeigerin gab an, Pletz habe ihr eine lange Me von Wohnungssuchende« gezeigt, die er vorgemerkt habe und denen er nach der Reihenfolge der Anmeldung eine treiwerdendr Wohnung in „seinem^ Hauie zuwenden werde. Neben den Namen jedes einzelnen Wohnungswerbcrs sei das Vermittlungshonorar verzeichnet gewesen. das der Hausbesorger erhalten habe: K 100 bt§ 300 vro Person. Dies sei offenbar ein großer Wink gewesen, daß auch fie (Zeuginl K lOO bis K SOO geben solle, fte habe aber bloß % 50 gegeben und bade gut daran getan, denn erne Wohnung habe sie n'ckt erhalten, trotzdem sie schon last ein Iah« lang warte. Der Angeklagte erklärte. cS sei in Wien üblich, daß der Hau-ibesarger gegen ein Honorar Vormerkungen aus eventuell freiwerdende Wohnungen autnehme. Er hatte auch der Am» zelgeriu erne Wohnung zuaewiesen, bis die Reihe an sie gekommen wäre, aber die Reihe sec eben noch nicht an sie gekommen, wert vor ihr viele ander« vorgemerkt waren. Der Richter sprach den Angeklagten vom Betrug frei, weil seine Angabe, daß er der Anzeigerin schließlich doch ein« Wohnung zugetvlese» hätte, mcht widerlegbar sei. Dagegen wurde der Angeklagte sofort der Pol) sei überstellt, weck die Polizeldlrektion m einer Zuschrift dleAbschiebvng deSAngcklagte» angekündigt hatte. _ Literatur u. Wissenschaft. Boris Esawinkow. Aus den Erinnerungen eine- Terroristen. MusariomDerlag, München. Dieflehte, schmale Büchlein ist aufschlußreicher über die Getstesvertassnng der russischen Revolutionäre, als es dickleibige Kompendien je fern könnten. DaS. nmkwihdigste daran ist. daß eS den schon zur Bühnenlearnde gewordenen Tuvns des Edel- Anarchisten übetzengend bestätigt. Die hier vetöffentlichten Erinnerungen beschäfugen fich mit dem Attentat auf den Groß, tllrsten SergmS. dem damaligen Geneialgouvernenr m Moskau, dazu Winterbeginn 1006 ausgeübt und zu sc,nnn Tode tuhrte Ist die schlichte Erzählung des ganzen Vorganges an und fiir sich schon in'eressant. wirft doch her Umstand, dost dies vor bereitete Attentat, als schon alle Vorverettungm getroffen worden waren und die Gelegenheit sich tn einer kaum wiederkehienden Wctse bot. von allen Beteiligten, notz der damtt orrblindcnen hcichstcn Lkbensgcfahr. autgeschoben wurde, weck der Gioßfiiist w de» allcS Erwarten nicht allein, sondern Mit Frau und Kind erschien, cinscharseS und auftlärcnhes Licht auf drr Mentalität der Terroristen. „ Slawinkow, anadeliger GntSbesitzerssamilie fianimend, betagtste fich schon al- Student m der revolnlionäten Bewegung» .wm de später Führer der sozialrcvolutionären Kampfgruppe, wurde emgeipettt..zum Tode verurteilt, entkam, ohne sich von seiner mKmm Belangung abbrmgen zu lasten, lehu dann int Ausland, wurde dann unter KerenSkr KriegSminlsteD organisierte später den Steuer gegen dre Bvlschcwikcn und verliert sruher an. Schdiie des politischen Profils, da er sich sogar ander Oigaiu'alion der Denilil,scheu Monarch-strnarmee beteiligt. _ ha.

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