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Wiener Morgenzeitung · 1919-09-29 · Heft 250 (29.9.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 250 (29.9.1919)
Date
1919-09-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite % Wien, Montag 29. September 1919 4 tatb^ doch mit Würde, und Gesasferrheit dar Ende der schwierigen Lage »kwartet, in der sie sich befindet. Mch frem die Entscheidung noch eine Reihe von Wochen lauf sich warten Wt, dürfen wir doch mit Zuversicht glauben, daß sie zu guxstwr i>($ englischen Mandats fällt, und daß damit öle prgMsche Arbeit beginnen kann. In welchem Umfange daß dMm der Fall sei« wird, hängt von Faktaver: ab, dre mächtiger find als wir. Aber au« unsere eigene finanzielle und moralisch« Avast wird badet naturgemäß eine große Rotte stzwwn. Deshalb sollten wir die Zeit des Wartens zur Sammln klg und Vorbereitung benützen für die schwierigen Arbeiten dos Anfbaur-, nun bald beginnen sollen, sobald die Großmächte ihren Streit beglichen baben. Inland. Ein Vorschlag zur Unterbringung der Iuaimer Eisenbahner. Wo für die Sisenbahnerfamiliea sofort Wohnungen freigemacht werde« Könne«. Der Klub der jüdtschnatiyrralv« Bezirk sräte in der Leopold stad t hat in Angelegenheit der ans Zrraim evakuierten deutschen, Eisenbahner, welch« wegen des WohNungsmangesK inEffenbaümvagen unterzebracht worden, hei der V-zlrksvop. stehung einen Antrag eingrbracht, in welchem rS heißt; ..In dem großen Gebäude der Nordbahndirektwn, ferner in bm angeschwffenen Privattzause Hslzhaufergüslr i< in dem Hanse MüU^eldgasse U (Hsbarhaf), in hem großen Gebäude Kaiser JosefsLratze 3s, tu welchem .Abteilungen der Mrdbahndixekbi-n untergebracht sind, iufhtn sofort Wohnungen für diese Eisenbahner faruilien in genügender Anzahl zu beschaffen. Ganze Abteilungen der NordLahnbirelti-on sind seit dem Umsturz rnrr in sehr geringem Maße beschäftigt, so insbesondere dis ^ikmahmenkonivoNe, welche m dem Privalhauss Kaiser Iosefftraße 32 untergebracht ist, ferner insbesondere auch die Berkehrsabteilung vnfc emzeln« BnreauS der kommerziellen Abteilung. Es ist sehr leicht durchführbar, daß die Abteilungen in einer weit geringeren Anzahl von Räumen untergebracht werden und eine bedeutende Zahl von Wohnungen für dies« Eisenbahner frcigemacht wirb. Es sei auch daran erinnert, daß während des Krieges im Gebäude der Norbbahndtrektton das Linien kommando und Mtttärbuvsaus untergebracht waren, deren Raume jetzt frei sbehen müssen. Aus dem Gesagten geht hervor, daß sich die Frage der Unterbringung der Znaimer EisenbahnerfamtlieN sofort sehr günstig, lösen läßt. Der Bezirksvorstehung wird nahegelegt, gemeinsam mit der Wohnungskommission und den in Betracht kommenden Verwaltungsbehörden -en Vorschlag zu prüfen und die Freimachung eims der Nebengebäude der NordbahMceltt-SK für bi« gegenwärtig in Eisenbahnwagen hausenden Familien zu veranlassen." Aus diesem Anträge der Mtschnattorr-alen Bezirksräre mag man entnehmen, wie bw Not der evakuierte» Zuaimer Eisenbahner zu einer w ü sren Rassenhetze ausgenütz^ wird, anstatt den Betroffenen durcheineeinfach'SMaßnahmezuWahnu«- gen zu v erh elfen. I» den Deperchrncen der Norb- Lahndirektron, di« durchaus PrivathLufer waren, sind die Eisenbahner gewiß besser unbe^ebmcht, als in den von jüdischen Flüchtlingen bewohicete» Masseuquartiere«, Wir sind auch überzeugt, daß die Eisenbahner selbst schon aus kollegiale« Rücksichten dieser Art der Unter* fctir.-mg der Eiseub-Hnersamilüm gerrre znfttMwen werde«. Telegramme. Die EinschrSuLrmg des Eiseuvahrwsickehrin Deutschlautz. Berlin, 28. September. (Korr.-Bm) Das Wölfische Bureau meldet: Wie mir erfahren, ist die Blüttermeldmrg, daß Ende Oktober der Eisenbahnverkehr auf ein Minimum herabgesetzt werden soll, nicht zutreffend. Dagegen wich geplant» an dm Sonn, tagen nur noch etwa notwendige Arbetterzüge, die Milchzüge sowie je tkren Schnelhug aus jeder Strecke verkehren zu lassen. Eine weitere ÄrrschrLnkung des Personenverkehres hält dag Eisenbahn Ministerium für unmöglich. Die NSumnug des Baltikums. Berlin. 88. September. Das Wölfische Bureau meldet: Demnächst oegibt sich eine gemischte deutschalliierte Kommission nach dem Baltikum, um an Ort und Stelle die mit der Mumung zusammenhängenden Fragen zu klären und die Eigen Entscheidungen zu treffen. Damit die Maßnahmen der Kommission: von vorneherein entsprechend unterstützt werden, hat die deutsche Regierung mrgeochnet, daß den Truppenteilen, die den Abmarsch verweigern, die Löhnung gesperrt werde. Auch sollen die Angehörigen dieser Truppenteile aller VefforgrmH-ansprÄche verlustig gehen. Gegen eine dritte Kandidatur Wilsons. Amsterdam, 28. September. Dem Preßburem Radio zufolge verlautet, daß sich die demokratischen Führer in einer Zusammenkunft in Atlantic City gegen eine dritte Kandidatur Wilsons ausgesprochen haben. Nr. 260 Die Wiederaufnahme des SLratzeubahuverLehres Heute um 6 Uhr früh wv*dr der normale Betrieb der Wiener Straßenbahn nach einer achttägigen Pause wieder ausgenommen. Die Wiener Bevölkerung berüßte die ^Elektrische* mit großer Freude und er bestimmten Hoffnung, daß die leitenden Kreise alle Vorkehrungen treffen werden, dich diese Kalamität nicht mehr in Erscheinung treten wird. Man muß der Bevölkerung das Zeugnis ausstellen, daß sie die schwere verkehrslose Zeit mit Geduld und Ruhe ertrug; aber es ist fraglich, ob bei einer Wiederholung dieser Katastrophe und schlechtem Wetter die Bevölkerung ebenso ruhig bleiben würde. Nach Mitteilungen «uS privater Quelle habe« sich die KohlrneiMufe in Wien vorgestern und gestern etwas gebessert und sind insbesondere die Einläufe Süden Mährisch-O ft rauer Revier, in dem nunmehr nicht nur die partiellen Streites beendet, sind, sondern auch die Erhöhung der Produktion kräftig eingesetzt hat, gestiegen. Der Effekt des Prager Abkommens des Staat ssekretärs Zerdik, des Kohlenreferenten Hofrat Kloß und des SektionschefS Dr. Schüller sowie der Pextreter der Stadt Wien, das übrigens.noch der Ratifizierung durch die tschechische Regierung bedarf, wird jedoch erst Ende der Woche in die Erscheinung treten können, da die Lösung der Transvortfrage naturgemäß ebenfalls eine« wichtigen Bestandteil der Abmachungen bildete and zur Durchführung zirka eine Woche verlangt. Der Verlust per Gemeinde s Millionen Kronen. Die etnwöchige Panse im Wiener Straßenbahn- Verkehr wurde zur schon längst nötig gewesene« Reparatur der Motorwagen nsw. verwendet. Der Schaden, dev die Gemeinde Wien an entgangenem Fahrgelde erleidet, beträgt rund 8 Millionen Kronen. W« Ersatz an die Besitzer von Netz- und Stteckenkarlev wird Nicht erfolgen. Roch kein Abbau her Sparmaßnahmen. Während die Wiener Straßenbahn heute den Perkehr wieder voll ausnimmt, bleiben jedoch die in der Vorwoche getroffenen speziellen BeleuchtirugSsparmatznahmen, Sperre der HauStore um 8 Uhr sowie die Einschränkungen der Beleuchtung in den Gast- und Kaf feeh Lu fern vsw., vorläufig noch bestehen. Doch hofft man, daß bei günstigen Kohleneinläufen innerhalb einer Woche auch diesbezüglich sich die Aushebung der getroffenen Spar maß nah men als möglich erweisen wird. Polnisch- Hilfe. Dagegen dürften die polnische« Anlieferungen kaum die 80 Prozent der seinerzeit gemachten Zusagen übersteigen. Für di« zu erwartende polnische Aushilfe an Rohöl ist Deutschöstrrreich gewiß sehr dankbar, doch müsse» die Kessel unserer Lokomotiven nsw. für die Verwendung des Rohöls erst entsprechend geändert werdest, was naturgemäß geraume Zelt in Anspruch nehmen wird» Die Kshleuberforsnug der Industrie und der ProvrszMdte. Nach authentischen Informationen haben die Prager Abmachungen, welche über das Augirstabkommen sowohl bezüglich des Inhaltes als auch der Form weit hinausgingen, «inen -«artigen Charakter, daß.damit gc* rechnet werden kann, daß sowohl^ für die stä dtischen Gaswerke, für die fast ausschließlich die Ostrauer Kohle in Betracht kommt, aü auch für die städtischen Elektrizitätswerke die Sicherheit besteht, daß sie Nunmehr ihre» Betrieb werden ausrechterhatten können, wobei es Natürlich selbstverständlich ist, baß die allgemeinen Sparmaßnahmen zunächst fortdauem müssen, zumal außer der Anlage einer gewissen Reserve endlich auch der Industrie Kohle zugefühtt werden muß, um die Zahl der Arbeitss losen nicht zu steigern. Schließlich muß die Regierung auch aus den Einläufen gewisse Kohlenmengen nach den westlichen Länderninsbesondere nach Linz, Salzburg und Innsbruck dirigieren, beten GaS- und Elektrizitätswerke ebeusallS uotleideud sind. Die Verhandlungen in Berlin. In den allernächsten Tagen kehren unsere Kohlenunterbändlet von Berliu zurück, wo sie mit der deutschen Reichskohleukommission wegen erhöhter Kohleubelieferung DerrtschösterrerchS, insbesondere aus dem oberschlesischen Revier, dessen Förderuugsmengen erfreulicherweise konstant zunehmen, unterhandeln. Nach verläßlichen Informationen hat die deutsche Reichsköhlenkommission unseren Unterhändlern Zusagen gemacht, so daß auch mit einer Steigerung der deutsche« Kohlenzuschübe gerechnet werden darf. Warnung vor großem Optimismus. Alles in allem hat die Kohlenfituation wohl mit dem heutigen Tage ihre besondere Sch ä x f t verloren, doch kann nicht genug vor übertrieb rrren Hoffnungen gewarnt werden, da erst die Praxis zeigen wird, in welchem Umfange die «ns gemachten Zusagen tatsächlich auch eingehalten werden. Staatssekretär Zerdik wird nach seiner Rückkehr aus Berlin dem Kab'mettSrat« eingehend über das Resultat seiner Prager imdBerlinerKonferenzen referieren. Die zionistische Parteisteuer. Das Zionistische Landeskomitee für Deutschösterreich erläßt folgenden Aufruf: Der jetzige Zeitpunkt ist für unsere Be» weguug und daher für das Schicksal unseres Volkes entscheidend. Nur als st a r k e O r - ganifatiou mit entsprechend auSgestattete» Bureaus nud Aemteru können wir der Situativ« gerecht werden» Wir müsse« nicht nur die Agrtatio « s - und Propagandatätigkeit auf das höchste steigern und die Verbindung mit den Bruderorganifattoue« der ganzen Welt und nuferer zionistische« Zeutralleitung aufrechterhalten, sondern auch — im Sinne des Kopenhagener Manifestes und des Bsfchtnfles unseres letzte» Parteitages — die innerpolitische Arbeit besorgen und die Eroberung der KultnSgemeinde» und ihre Umwandlung in Volks gemeinden porbereiten. Dazu branchen mir Geldmittel, deren Höhe z« den Eivgünge« an rognlürer Parteistener in keinem Verhältnis stehen. Mir schreiben daher eine auherordentl i ch e Parte i st e n e r für das Jahr 1919 aus, die wir unter dem Titel eines Mischmarbeitrages bei allen Organisationen einheben. Zeder muß nach seinem Vermögen gehen. Unsere Idee ist im siegreichen Aufstieg begriffe», unsere politische Arbeit von Erfolg gekrönt. Gesinnungsgenossen l Ihr müßt Euer Aentzerftes tun, um «ns die weitere Arbeit zn ermöglichen. Euch trifft die Vsrantmortnng, ebenso wie die Leitung! Der Mifchmarbeitrag ist an das Z ionist i s ch eS a n d e s k o m i te e, H, Zirkus, gaffe 33, abzufnhren. Dia Eingänge an außerordentlicher Parteistener Mifchmarbeitrag) werden in der ^Jüdischen Zeitung" veröffentlicht werden. Zionistisches Landeskomitee für Dentschösterreich Jakob Weiner Ing. Robert Stricker. Eine allgemein-jüdische Hilfskonserenz. DaS Komit« der jüdffchen Delegationm zu Paris erläßt folgenden Aufruf: In dem Moment, indem der allgemeine Fried« kommen wird, steht daS Judentum der ganzen Welt vor einer außerordentlichen Aufgabe. Es gilt, jenen Brüdern, die durch die Frontkämpfe, durch Deportationeu, Pogrome. Okkupationm und sonstige Schreckm deS Krieges ruiniert worden find, die wirtschaftliche Wirderaufrichtuug zu ermöglichen. Der größte Teil der osteuropäische» Jude« befindet sich in rmem Zustand wirtschaftlich« Zusammenbruches, der ein« Anspannung sämtlicher jüdÜchcu Srästr erforderlich macht, wenn diese Mafien nicht untergeben soll«. Das» sind nicht um «ngrheme Finanzmittel notwendig, sonder» auch eine wohlüberlegte Systematisierung und Organisierung der ganzen Rekonstruitiynsarbeit. Leider haben in verschied«« Ländern bei wette« noch nicht alle Jude«, hie da« imstande sind, auch nur der primitiven Kfiicht gegenüber ihre« Brüderu genügt. Während Amerika Md einzelne Länder Europas für die vom Kriege betroffenen Judm Bewundernswertes geleistet «nd ein« große» Opfermut bekundet habe», gibt es bedeutmde Teile des jüdisch« Volkes, die trotz deS Anblickes ihrer hungernd« Md verschmachtenden Brüder bewußt »der «ubevmßt passive Gesinnung au den Tag SkSlegt babm. . Noch stehen die Form« nicht fest, wMe die Möglichkeit schaff« «erden, die Folg« der Katastrvph« z« vernichten oder S» «llderu. Go viel ist klar: die Hilfe muß von gewaltigen DiMmffone» sei« und zugleich nicht einer unzulänglichen, zeilweilig«. philanthropisch« Mio« gleich«, sondern einen ernsten wirtschaftlichen und soziale» Charakter trag«. Zwei große Aufgab« müffm also zugleich gelöst werden: Das richtige Brrteü«. Beide Anfgab« sind aber miteinander aufs «gste Verbund«, tzbck de« Form« der Hrlfe ergeben sich auch die Form« der Herbeischaffung der Mittel. Für eine großangelegte soziale Art der Rekonstruktion sind ganz andere Mittel aufzubring«, als für eine reine WohltütigkeitSaktion, sogar wenn sie m et» gewrfieS System gebracht wird. Was im Sinne einfacher Verschenkuug nicht zu erreich« ist. läßt sich durch Anleihen dum Verwendung kontrollrert wird, durch rin großangelegtes Gtzstrm der Herbeischasfung von Roh» Materialien oder ähnliche Methode« wohl durchführen. Ae mehr sichergestrllt wird, daß die Empfänger durch dag ganze System der Verwendung in die Lage versetzt werden, die ge" wähtte« Subtzmtion« zurückmerstattm, desto größer werden die' Möglichkeit« der Slvfbringnng grandioser Mittel sein. Gewaltige Probleme stehe» bevor. Um diese Probleme zu lös«, muß eine ungcheure Energie «tfaltet werden, begleitet von K«pt«»s sowohl der lokalen Verhäftnifie als der Situation und des Lebens der Jude» selbst. Wird diese Aktion in jedem Lande unabhängig organisiert und dmchgeführl, so muß das Werk chaotisch, philanthroplsch und »ur von vorüberaobmdem Nubm fein. Es wird den Untergang

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