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Wiener Morgenzeitung · 1919-09-27 · Heft 248 (27.9.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 248 (27.9.1919)
Date
1919-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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.. ~i itx. m Wie«, «Samstag 27; GMychev,LM Seite« Paderewski Über Pole«. Bern, 86. September. Paderewski gewährte einem Redakteur des »Jntransigeant* eine Unterredung, in der er btc Nachricht dementierte, daß er die Absicht habe, zirrüchrutreten. Er sagte, daß die augenblicklich« Tag« Polen- «Hrordrntlich schmierig sei. Besonders sehe er di« wirtschaftliche Lage Polens nicht als rosig an« Dole», so führt« er auS, habe weder Lokomotiven noch Eisenbahnwagen. »och Kohle Md Rohstoffe. ES hänge selbst, waS seiue Ernährung betrifft, vom Auslände ab. Wattn eS auch Petroleum und Holz in Menge besitze, so köMe 68 diese Güter a»S Mangel an Transportmitteln nicht auMhren and verkaufe«. Der Wechselkurs sei infolge der großen Einfuhr sehr schlecht. Polen lebe unter «uem Prvvisorim», daS tödliche Gefahre« » sich berge, vor all«« die Gefahr der Revolution. (Rn polnischer Sieg über die Bolschewiken. Beelis» 88. September. Wie der „Vorwärts" meldet, ist die große Schlacht bei Kraktzesk an der Düna »ach zehntägigem Verlause mtt einem vollständigen Siege der polnischen Truppen entschiede» worden. Bedckttende bolfchewikische Streitkräfte wurden umnngt mrd anfgeriebrn. Die Polen machten 1500 Gefangene, außerdem wurde viel Kriegsmaterial erbettlet. Das ganze Süduser der Düna -wisch«« Dünaburg und DiSue ist in polmschem Besitze. Die bolschewikische« FriedensvorschlLge z«rückgewiese«. vfttaeUt 86. September. (Korr.-Buc.) „Echo de Paris* veröffentlicht ein Interview mit Kraschm, dem bolschewikischen FriedrnSdelegierlen in HelsingforS. Kraschin bestätigt» daß die bolschewikische« Friedensvorschtäge von Petljura zurückgewiesen worden sind. Großfürst Michael — russischer KrönprLtendent. Beeil«» 86. September. (Korr.-Bur^ Einer Kopenhaaener Meldung drS.Abend" zufolge wird über Helsin afarS auSRuylarib tzemüdet, daß Großfürst Nikolai Nikolajewrtsch sich eml den Prinzen- Inseln bestude, wo er zurzeit bannt befchäfttgl sei, seine Er. rnummgen m d,stieren. Großfürst Michael weile m Haum- «nartter KolrschaeS und trete dort als Kronprätendent ans. Er wolle sich bei der erste» günstig«» Gelegenheit zmn Zote» ansrufe» laste«. TrotzkiS Kampfansage au Amerika und England. AmftevVa«, 86. September. „New Dorf Hersld" und andere amerikanische Blätter melden, Trotzt, habe erklärt, daß der weltmnfaffvrde Kampf gegen den Kapitalismus und gegen Amertia und England werde fortgesetzt werden. Der Gehalt des deutschen Reichspräsidenten. Oevltat 25. September. lKorr.-Bur.) Der HauptattSfchüß der Nationalversammlung hat heute den Haushalt dr- Reichspräsidenten emmülrg m der Form genehmigt, daß das Gehalt rmf 100.000 Mark, die Gesamtausgabe aus 600,000 Mark (im Voranschlag 704.000 Mark) ermäßigt wurde. 1OO.OO0 Mark stehen zur freien Disposition de§ Präsidenten, über die Rechnung zu legen ist. Das Bureau des Präsidenten »«saßt anstatt der gefordert« drei Räte drei Referenten. Auslösung der deutsche« National« Versammlung. BonN», 86. September. (Korr^BE Wie die „Vosstsche LeituagE a«S Esten meldet, wird der ^Rhrimsch-westphällschen Zeivma* ans parlameniartschm Kreisen mitaeteilt, daß gewisse Anzeichen daraus hindrutru. daß sich die Rtgicmna mit der baldige» Auflösung der Nationalversammlung beschäftige. Für die Neuwahlen dürfte rin früherer Termm als bisher in Aussicht genommen sein. Die englischen Eisenbahner wollen verhandeln. Amsterdam; 28. September. (Korr.-Bnr.) ^Telegraaf" meldet aus London: Im Menbahnkoustm ist eine wesentlicheVesserung «ingetrew». Der Eisenbahnerverband hat beschlossen, die Gnladung des Ministers für Transportwesen anzunohmrn. Die Abstlmcknng über die RegiernngSform in Luxemburg. Vrststel, 86. September. (Tel.-Komp.) Sonntag sinket in Luxemburg dre Volksabstimmung der neuen Verfassung statt. Die Luxemburger werden über zwei Fragen abstimmen: 1. ob sie die heutige Dynastie behalten wollen oder eme Republik Vorzieher, S. ob Luxemburg er» wirtschaftliches Bündnis mit Frankreich oder Belgien schließen, oder selbständig bleiben soll. Bor einem Angriff der Italiener. Belgrad, 24. September. Wir aus Spalatv berichtet wird, werden in dem besetzten Gebiet verdächtige Bewegungen italienischer Truppe« beobachtet. Verschiedene Dörfer «nd Snllmigen, die von de« Italiener« bereits geräumt worden waren, wurde» von ihnen neuerdings besetzt. Italienische Abteilungen sind in Povranica, emer mit Tra« durch eine Straße verbunden«« Ortschaft, zvsvmmrngezogen. desgleichen in Labm, wo die Italiener allem Anschein nach Art,Vene nnd PanzerantoS brreitstellen. terner wurde eine Verstärkung der Truppen bemerkt, welche die »emarkütronSlinie - besetzt haltm, und zwar namentlich in der Nähe von Cigna. Alarmierende Nachrichten über von de« Italienern geplante, unmittelbar bevorstehende Angriffe auf verschiedene Ortschaften gehen von Mund r» Pkurrd und Hab«» bre Bevölkerung Dalmatiens in große Aufregung versetzt. Die neuen tschechischen Staatsnoten. , Prag, 26. September. (Privat.) Wie die »Narodni Lisch" meldet, befinden sich bereits 983 Millionen in neuen Staatsnoten zu K 100,— «nd K 600.— im Umlauf. Dis zum 31. Oktober d. I. müssen alle abgeftempelten 100-Kronen-Banknoten emgezogen werden. Rach diesem Tage werden sie aas dem Verkehr gezogen. EifenbahndiebftShle in der Tschecho-Slotvakei. - Prag, 86. September. (Privat.) I« der letzten Sitzung der Budweiser Handelskammer wurde bekannt-yobe», daß jüngst von 118 Waggons Ware« aas Frankrach «ls der Strecke von Oberhaid bis Vndwcks 88 Waggons verloren ging«. StratzonbahnreduKtion in Pvag. »Prag, 26. September. (Privat.) An der gestrigen Sitzung deg BerwaltungSratrS der Prag« elektrische« Unternehmvnam wmde bericht», daß infolge deS KohKamangelS der Straßenbahnverkehr i« lLmife deS MomttS Oktober wird weknt- ‘Jt CleMeneeau über den FriedensverLrag. Di« Unvollkommenheit des Vertrages „Wir find die Herren." — Eine ' P«rIS, 28. September. (Sfow^Jut.) MtnisterprSIi. bout Cleinen oeau hielt gestern ln der Kummer unter großer Gpamrnng feine Rede über den Friedens- Vertrag, zu der bas Wortgefecht zwischen ihm und dem Generalberichterfchtter Ba rt ho u in der vorgestrigen Sitzung die Einleitung hikdeto. Man merkte dem Ministerpräsidenten, wie die Blätter berichten, Ermüdung an. Er war weniger kräftig nnd weniger munter als gewöhnlich. Die Kammer hörte ihn mit Ruhe nnd Aufmerksamkeit an; nur die Sozialisten unterbrachen ihn durch lärmende Kundgebungen und Zwischenrufe. Der Vertrag, führte der Ministerpräsident ans, vollbringe Dinge, die einzig dastehen. Um sie zu würdige«, genüge es, darauf hinzuweisen, baß Frankreich mit großer Freude während deS Krieges einen Frieden angenommen hätte, der ihm nichts als Elfatz-LothringM gebracht hätte. Der Sieg habe aber Frankreich befähigt, darüber hinanszngehen, Völker zu befreie« und neue Staaten z« gründen. Es sei Frankreich gelungen, das Feld seiner aus die Befreiung gerichteten Tätigkeit üuszudeynen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede betonte der Ministerpräsident, daß er die Unvollkommenheiten des Vertrages nicht verkenne. Im weiteren Verlaufe feiner Ausführungen wiest der Ministerpräsident auf die , Lage §» der Mrla hi», wo eS Gesellschafter gebe, di« sich mit nicht sehr freundlichen Augen ansehen. Wir tun, fuhr Redner fort, was wir können, um sie zu einer Verständigung zu bringen. Sie Horen uns auch an und wir find ihren Regierungen, dankbar. Aber auch anders/' wo gibt «S Augenblicke, wo der Regierung ihre Untertanen entschlüpfen. Zn de« Vor gängln in Amerika bemerkte der Ministerpräsident. daß er fest auf die Ratifizierung des Vertra ges durch den Senat rechne. Den Republikanern, die ihre Sympathien für Frankreich bei jeder Gelegenheit zum Ausdrück bringen, rufe er zu, sie mögen sich beeilen, d-n Völkerbund zu schließe, der em großer Triumph Per Menschheit sein werde. Der MirnsterpräsLent wies sodann den Vorwurf, baß er daß Parlament von den FriedensverhanLlung-en ferngehalten habe; mit oer Bemerkung zurück, daß die Verfassung ihm diesen Weg vorgeschriebe« habe und daß die Beteiligung der Kamrwer oder auch nur der Kommissionen, die nicht weniger als 340 Mitglieder zählen, die Lage sehr verwickelt hätte. Auf einen Widerspruch bei den Sozialisten erwidert Redner, daß er von der Natur die unglücklich- Gabe mitbekommen habe, nicht nur seinen Feinden, sondern auch den Freunden zu mißfallen, weil er, dt einer Handlung begriffen, alle Meinungen opfere, wenn es sich um Interessen des Landes handle. Anfangs habe die Konfev-rrz schlecht geharchclt. Man habe Reden gehalten und nichts getan. Dann sei , — Friede« für die Menschheit. —1 neue Aera für die Menschheit. die Methode gEtderb und brr Biererrat geschaffen worden- Die Besprechungen seien vertraulich gewesen- Man habe gearbeitet, nnd die Erfolge hättzeu sich ein» gestellt. Die Konferenz habe etwas geschaffen, was tu der Geschichte mehr Raum einnehme, als der Gin-, zug Mohammeds in Konstantinopel. j Bei Erörterung der Schwierigkeiten aus her Konferenz weift Llemenoean darauf hin, daß es sich darum handelte, den Frieden zwischen den Vievm und dann für die Menschheit zu schließen. Es handelte sich darum. daß kein Bruch erfolge oder doch» daß bit öffentliche Meinung die Urheber eines solchen verurteilt hätte. Sein Ziel sei es geweseneinen Frieden der Solidarität zu schließen. Ein solcher komme nicht Plötzlich durch Befehl von oben, er brauche Zeit, damit daö Wort sich in die Tat umsepe, damit bas Gefühl vor Solidarität sich bei den Verbündeten ebenso durchsetze wie in Frankreich. Auch in der Frage der Entwaffnung Dentschkanvauf dem linken Rheinufer sei für Redner die SoWärWk der Verbündeten das wichtigste gewesen, die er niemaW geopfert hätte, außer wenn ihm unannehmbare Bedingungen gesteM worden wären. *' Elemeucean reflektierte sodann auf den Äorwnrf, den der Abgeordnete Marin ihm gemacht, indem er sagte, daß Frankreich durch den Vertrag auf. eme Politik der Wachsamkeit heruntergeschraubt! werde. Marin irre, wenn er glaube, daß noch einem, solchen Kriege Frankreich der Wachsamkeit enthoben werden könnte. Der Friede dringe Frankreich viele Opfer, viel Elend, viele Laste« und Schwierigkeiten. Leider werbe bkeßer Zustand! lange dauern. Di« Menschheit Ludere sich, nicht so rasch. j Der Ministerpräsident schließt mit den Worbe»'» Mit Hilst nuferer Verbündeten habe« wir gesiegt Wir find die Her««. Das Frankreich des Vertrages wirb fein, was. aus ihm machen. Die Verwünschungen der Na chw elt werden aber auf Sie fallen, wenn Sitz verkennen, was er für die Zukunft Frankreichs enchM Der Vertrag eröffnet eine neue Aera für die Welt. Sein Wert wirb aber davon abhängejn, wie Sie ihn verwirMchen. j Der sozialistische Abgeordnete Renanbek, vernach Elernenceau spricht, erMrt sich mtt dessen Rebe n i ch t z ü f i i e b c n, da sie nicht genügende Aufklärung gebracht habe. Der Vertrag zeige nicht eine Entwicklung der internationalen Politik. Zu ihrer Einleitung wärt die vollständige Entwaffnung Deutschland S notwendig gewesen. Nur die vollständige B«- nichtung der deutschen Militarismus hätte Beruhigung bringen können. Die Sicherheit der Zukunft liege ausschließlich beim Bölkerbunh, in dem auch die besiegten Nationen eintreteu müsse« mü> der nur werbe leben können, wmm «£ fozialistifthe Doktrinen annehme. Jüdische Volksgenossen! Was der Jüdische Nationalrat den Juden ist und was er für sie leistet, wird mit jedem Tage klarer. Die jüdischen Mandatare find unaufhörlich tätig, um den Juden zu ihrem Rechte zu verhelfen, sie leisten Unübertroffenes auf dem Gebiete ver Aufklärung und der Wahrung jüdischer Würde. Vor nicht zu langer Zeit hat vas energische Dazwischentreten des Jüdischen Nationalrates für Deutschösterreich die Erlassung eines Ausweisungsbefehles gegen die jüdischen Flüchtlinge zu verhindern gewußt. Auch jetzt, wo die Mndmachung doch erfolgte, ist der Jüdisch« Nattonalrat nach Kräften bemühh das Aeußerfte abzuwenden; er stellt sich scbützend vor die Volksgenossen und geht ihnen mit Rat und Tat an die fand, jedermann mutz es aber auch als eine hrenpflicht ansehen, dem Jüdischen Nattonalrat seine schwere Ausgabe zu erleichtern. Daher ergeht an alle volksbewußten Juden die Aufforderung: Zahlet Volkssteuer! Zahlet sie so rasch alS möglich! Auch wer gezahlt hat, mache eine weitere Anstrengung! Gebe jeder so viel er käst«, ja mehr als er kann! Jüdischer Nationalrat für DeuLschSstevreich Einzahlungen werden bei allen Wimer Wechselstuben der Mereur A.-G. und bei unserer Kasse, Wien»!!., Taborstnatze 20a (.)errn Erwin Ko h n), entgegengenommen. Der neue tschechische Finanzminister. - Prag, 26. September. (Privat.) Hmte trat wegen dn Demission des Finanzminlsters Dr. Horaczek ein Ministerrak zusammen. Mlmsterpräsidmt Tukar erschim abettdS beim Präsidenten Mafaryk in Audienz. Die Ursache der Demifstov l btit to alterten Parteien «icht daS notwendige Verständnis für du Bewill,guntz der Steuern. Infolge der Freigabe der bei der Abstempelung zurückgehaltene« .Heineren Betrage sind die Steuerämter durch neue große Arbeite« Überlastet, wodurch die Bw mögenZkonskriptton aufaehalten ist. Auch beim Umtausch der Ein« nnd Zweikronennoten seien Fehler gemacht norden. Schließlich stimmte auch Dr. Horaczek dem Zuckerprojekt nicht M, das dv, Handelsminrster vvrschlägt. Als sei« Nachfolger ist der auösichtS« reichste Kandidat Dr. Englisch, der jchoch »ls Gozialdemokra! der RegierungSmeh-heit nicht angchört. Die Einfnhrverrechuung in der Lschecho- Slowakei. > Prag, 28. September. (Privat.) Dir tschecho-ssowakffch, DrvisenMträle gibt den Exporteuren bekannt, daß sie sämtlich, an sie ergangenen Erläge mit dem Kurse jenes Tageverrechne^ an dem die Gutschrift eintrifft. Kein deutscher Landsmannminister im Kahinet» Tnsar. Prag, 26. September. (Tschecho-slow. Preßbur.) »Cesft Slovo erklärt, daß nie daran gedacht wurde, in die Regierung Tusar irgendeines deMsichru Politiker als 8 a » d Smannmiaisterzu berufen. Gr werde auch in Zukunft «ichi der Versuch einer solchen Lösung der deutschen Fra« gemacht werde». Der Staat kann m der Regierung nur Partei Vertreter brauchen, welche nicht bloß die Regierung bilden, sonder« anch für dieselbe dt« gamd Verantwortung übernehmeu, Rur s» kömreu die Deutsche» ms Kabinett kommen. Iournalisteukonferenz in der Tschocho- Slowttke^» * Prag, 86. September. (Privat.) Am 5. Oktober sttchck im Deutschen HauS in Prag die erste reichSgewerkschaftliche Konst«« der dentsthe« l^urmttsst« in d« tschächo-siowMche« Achndtck KM

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