Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 245 (24.9.1919)
- Date
- 1919-09-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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IgtM*» Wien, Mittwoch 24. September 1919 Seite 3 Telegramme. Der Vroler Landtag und der Friedeusvertrag. . ^Jrnadruck, 28. September. (Korr.-Bur.) An Stelle der ursprünglich vorgesehenm Tagesordnung der heutigen Sitzung wurde vereinbart, dm gemeinlamm Antrag aller drei Parteien betreffend die Stellungnahme des verfaffunggebenden Landtages von Tirol -um Friedensverttage von Saint-Germain in P-rbandluug zu ziehen. Dieser Antrag der Abgeordneten Dr. Stump f, A a p p o l d i und Hre.il lautet: Der verfassunggebende Landtag von Tirol erblickt ln dem von der Nationalversammlung her deutschösterreichischen Republik angenommenen WQPiumttfeit Friedensvertrag mit dm alliierten und «Moziiertm feindlichen Staaten eine unerhörte DergewEgung des Landes Tirol. Per Anschluß Vorarlbergs an die Schrssiz. Vorn, 23. September. (Korr.-Bm.) In der «gestrtzen Sitzung des Nationalrates führte Bundesrat Cal ander bei Behandlung des Geschäftsberichtes pro 1918 unter anderem aus: Was o« Vorarlberger Frage b e 1 r i f f t, so hat der Bundesrat an seinem Standpunkt nichts geändert. Ich habe hier erklärt, daß der Bundesrat die Frage prüfen werde» sobald zwei Boraussetzungm «Mut feien» nämlich die Anerkennung des Selbstdeftimnmngsrechtes der Vorarlberger dutch Oesterreich und dessen Anerkennung durch die Pariser Konferenz. Beide Voraussetzungen sind nicht in Erfüllung gegangen und der Bundesrat hat keinen Anlah. sich heute mit diesem Problem M befassen. Wir müssen abwatten, ob sich eine Derknlaffung zeigt, aus die Frage wieder näher Hiazagehev. Friedrich verspricht. V. Budapest, 28. September. Ministerpräsident Viephan Friedrich berief Sonntag vormittags «ine Abordnung der Budapefter Iudenschaft, um sich über die Wünsche und Beschwerden der Juden zu unterrichten. Es waren vom Vorstand der Kultusgemeinde Hoftat Franz S z e k e l y, Baron Adolf Ä o h n e r und Alexander Lederer erschienen. Der Ministerpräsident erklärte der Abordnung, er habe sie berufen, um die Klagen der Judenschuft zuhören, denn er wolle den heutigen unhaltbaren Zuständen ei» Ende bereiten, die Ursachen der Klagen »und möchte daher die Ansichten der m Kreise hören. Die Mitglieder der Abordnung betontm di erster Reihe die Notwendignett der Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung und Ruhe in.Budapest «ie in der Provinz, und verlangten, daß alle Schuldigen, die gegen die gesetzliche Ordnung verstoßen haben, besttast werden, ferner daß i n allen Lehranstalten und Aemtern die Wiederherstellung in den ftüheren Stand erfolge, daß das Propagandaministerium ausgelassen. daß aus den Drachialformationen die Juden nicht weiter ausgeschlossen werden. In diese mögen vielmehr sowohl aktive wie nichtaktioe jüdische Offiziere Aufnahme finden. Der Ministerpräsident erklärte, er werde bestrebt sein, in möglichst kurzer Zeit allen vorgebrachten Wünschen zu entsprechen. Die Entente will Friedrich anerkennen? Paris, 23. September. „Chicago Tribüne* meldet: Andauernd erhalten sich die Gerüchte, daß det Oberste Rat im Begriffe sei, die Regierung Friedrich anzuerkennen und daß er ihr in Bälde die Friedensbedingungen übergeben «erde. Die Abänderung der deutschen Verfassung. Versailles, 28. September. (Korr.-Bur.) Testern Nachmittags hat Frechen von L e r s n e r das Protokoll und die Beilage zu dem Schreiben, das die alliierten und affoziierten Mächte am 11. d. M. der brutschen Regierung in Betreff des Artikels 61 der deutschen Verfassung gesandt haben, unterzeichnet. Wiederherstellung des Friedenszuftandes -wischen China und Deutschland. Berlin, 23. September. <Tel.-Komp.) Das Reichsministerium des Auswärtigen hat bei der niederländischen Regierung als Schutzmacht der Chinadeutschen angefragt, ob das Präsidium der chinesischen Republik in einem Erlaffe tatsächlich die Wiederherstellung des Friedenszustanves mit Deutschland verkündet habe und hat darauf eine befriedigende Antwort erhalten. Die deutsche Regierung wird nach Empfang der diesbeztzglichen offiziellen Eröffnung $$inos wahrscheinlich auch ihrerseits die Wiederherstellung des Friedenszustandes mit China bekanntmachen. Dies erscheint deshalb notwendig. da China bekanntlich den Friedensvertrag von Versailles nicht unterzeichnet hat. Pls Kohlenbergwerke in Tesche» an die Amerikaner verkauft. Poel», 28. September. (Korr.-Dnr.) -Daily Mail* infolge dir Kohlenbergwerke m Teichen« Gebiet an Ameetkaner Wien in Not. Die KohlenstLuation unverändert. H'euke ist der vierte Tag der Kohlenkatastrophe und eine merkliche Besserung in der Situation ist nicht emgetreten. Alle Informationen und Erklärungen der staatlichen und kommunalen Aemter lauten dahin, daß die trostlose Lage Wienabsolut keine praktische, greifbare Aenderung erfahren hat. Trotz der Ratifikation des Prager Vertrages haben sich die Kohleneinläuft nicht erhöht. Das war der Stand am gestrigen Tage. Die wenigen Tonnen Kohle, die gestern in Wien einlangten, genügten gerade, um das Elektrizitätswerk vor dem Stillstand zu bewahren, und den Eisenbahnverkehr, der bereits schwer bedroht war, in notdürftigem Gange zu erhalten. Wie groß die Gefahr bereit» für unsere Approvisionierung ist, geht daraus hervor, daß einige Güterzüge mit Lebensmitteln auf der Cüdbahustrecke stehen geblieben sind, daß wir also tatsächlich vor dem Abgründe stehen. Et« Berlmitbarmig des GtaatSamteS für Sffeulllche Arbeite«. Im Staatsamt für öffentliche Arbeiten wird mttgeteilt, daß sich bezüglich des Kohlencin laustes absolut nichtgeändert habe und daß die Not in Wien aufs höchste gestiegen fei. ES sei zu erwarten, daß die heute in Prag beginnenden Verhandlungen nitt Unseren Negierungsvertretern von Erfolg begleitet sein werde». Auch der Oberste Wirtschaftsrat in Paris und die interalliierte Kohle ntommission tn Mührisch-Ostrau arbeiten jetzt mit aller Kraft, damit die Kohlennot in Wien endlich ein Ende finde. Die gegenwärtig« Lage sei aber so ernst und kritisch, wie noch nie Die ElektrüitkttZ verke befinden sich in größter Not. weil die Zu sch übe aus dem böhmischen Kohlenrevier auf einen bisher noch nicht beobachteten Tiefstand gelangt find. Es sind am 2V. d. M. 69 Tonnen, am 21. 84 Tonnen böhmische Kohle eingelangt, das ist nicht einmal der zehnte Tel! der vertragsmäßigen Meng«.' Es kann deshalb kein Zeitpunkt für den Mban der Sparmaßllahrrrrrr angegeben werden. Vorläufig bestehe keine Aussicht auf eine Besserung des peinlichen Zustandes. * Das Sttatzsublld. Seit gestern früh, wo Schönwetter eingetreten ist, sind die Straßen von .einer flutenden Menge förmlich übersat. Verzweiflung und Apathie kann man aus den Gesichtern der zahllosen Fußgänger herauslesen, die Polnischer Bergarbeiterkongretz in Teschen. MLHr.-Ostrau, 23. September. (Tschecho-slow. Preßbur.) Sonntag fand in Teschen ein Kongreß der dortigen Bergarbeiter statt, an welchem Vertreter aller Organisationen, der polnischen sozialistischen Partei, des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, der sozialen Fürsorge, des Handels und der Industrie teilnohmen. Die Delegierten vertraten 25.000 organisierte Bergarbeiter aus dem schlesischen und Krakauer Revier, aus den galizifchen Salzbergwerken und aus den Petroleumrevteren. Die Delegierten aus Kongreß- Polen vertraten 15.000 organisierte Bergarbeiter. Die Beratungen des Kongresses galten dem Zusammenschluß der Organisation zu einem Verband sür alle polnischen Länder. * Das Schicksal Ostgallzierrs. Haag, 23. September. (Ukr. Pressedienst). „Petit Journal"', »L'Homme Libre" und ,Figaro" berichten, daß der Oberste Rat unter dem Vorsitze von P i ch o n das ga lizisch e Statut berat, dessenEntwurf eine regelrechte Verfassung, die Ernennung einer wirklichen Regierung uüd die Einberufung einer gesetzgebenden Versammlung vorsieht, Affenttsrung der Jahrgänge 1990 und 1991 j in Polen. Mährisch Osten«, 83. September. lTschecko-slow. Preßbur.) Den Krakauer Blättern ziffolae wurde gestern eme Kundmachung v«öffentl>ctit. wonach die Jahrgänge 1900 und 19! >1 z„m Militärdienst werden unberufen werde«. Die Änuieldungen werden am 6. Oktober beginnen. Denikin gegen Petyura. Paris» 83. September. Die bei dm Westmächten aus Odessa über Konstantmopel eiugctrossrnen Nachrichten über den Konflikt, der durch Denlkins Eindringen in Krem zw.schcn Denikin «nd Petliura entstanden ist, lauten sehr kritisch und gefährden den Kampf gegen den Bolschewismus. Es ist zwischen Petljura und Denikm z« enem offenen Kamvf gekommen und alle Vermittlungsversuche der Militärmisstonen scheiterten bisher an der Haltung DmidnS, der ei klm t, er betrachte P tjnra als russischen Untertan und könne daher n cht mtt ihm für ein tfanö vechwdeln, d ss'n Schmal durch ene all» russische Konst kuante eist enisch edcn werden würde. Er kordett d»e Unterwmuna Pr'ljmaS mtt r seine B fehle und evenio deS ganzen von Pelliwa deseyten Gebotes. Diese Antwort DenikinS erstört jede Möglickikeit ekner Einiguna m gemeinsamen Kample gegen die Roen A>me n ES »st gewiß, daß Petliura, der j<tzl über eine zahlt eiche und gm geführte Armee verfügt, <S adlehnt. dtt Nolle eines Untergebenen eines rnistschen Generals zu ivrelnt und die Anerkennung der i iUsaddsvMttrt d« UktttlL« wrdsr. abgespannt und gehetzt, nur mühsam ihren Geschäften nachgehen, weil ihnen ihr tägliches Verkehrsmittel, die Straßenbahn, fehlt. Vereinzelt nur sieht man ein Ersatzlohnfuhrwerk auftauchen. Dagegen feiern nach wie vor die Fiaker- und Einspännerkutscher sowohl als die Autochausfeure nach wie vor ihre Orgien. Die Fahrtane bleibt für diese Herrschaften ein unbeschriebenes Blatt. Ist die Bevölkerung dieser Klasse gegenüber wirklich vogelfrei, kann oder will die Behörde nicht einschreiten? Aerztliche Berufsfahrten mtt Platzfuyrwerk. Die Landesregierung hat in einer gestern verlautbarten Verordnung verfügt, daß die Len^r von Platzwagen (Auto, Einspänner oder Ziveispänner) für die Dauer der Einstellung oder Einschränkung des Straßenbahnverkehrs verpflichtet sind, Aerzte zn Berussfahrte n anfzunehmen sowie Beistellunge« zu solchen Fahrten anzunehmen, auch dann, wenn hierdurch die Einhaltung eines Bahnhoftrienjtes oder einer anderen Fahrbestellung verhindert wick. Für die Fiaker wurde aus diesem Anlasse ein Tarif von 15 Kronen süc die ersten sechs Minuten und von 5 5kronen für die folgenden je sechs Minuten ,Lstg>L,etzt. Dir Kohleunot und die Schule». Der Landesschuftat hat unter Hinweis auf die Schwierigkeiten, die sich der Versorgung mit Kohle und mit aude,.en Heizmaterialien im kommenden Winter entg.geusteslen werden, an alle Lehr- und Erziehungsanstalten sowie an alle Bezirksschulräte einen Erkrß gerichtet, laut welchem im Interesse der Allgemeinheit jede nur irgend tunliche Einschränkung im Verbrauche von B rennmaterialien, an sämtlichen Unterrichtsanstalten einzutce.en hat und bei der Beschaffung und Verwendung des unbedingt benötigten Brennmaterials rechtzeitig alles Geeignete vorzu^hren ist, um alljälligen, bei sorgsamer Gebarung Vermeidbaven Unterbrechungen des Unterrichtsbetriebes wirksam voczubeugen. Die nötigen vorbereitenden Maßnahmen siE sofort einzulelten. — Wie die Schulen auch nur diejes knappe Quantum an Kohle oder Hott beschafft» sollen, wird in dem Erlaß Nicht gesagt. Die Wiederaufnahme des Stratzenbahnverlrehres am Freitag oder Samstag. Me wir erfahren, ist btc Kohlenlage andauernd trostlos, Gestern abends ist Staaissekretär Dr. Z e r d i k nach Prag abßmtfi Heule abends umd sein Bericht hier erwartet, so daß morgen früh die Negierung bte Entscheidung treffen kann, ob und wann der Straß endahn betrieb wieder ansgenommen werden kann. Wenn der Prager Bericht günstig ist. so wird dt« Straßenbahn Freitag oder Samstag wieder verkehren. D»r Folgen dielrS KonstikteS m«chn» sich seit dem Kampf« um Kiciv deu:l!ch fiilitbar. In mehreren Frontabschnitten sind bi« Bolschewiken bereits zur Qffenstve iibergegangen und Denrkm bat Milbe, sich zu behaupten. In Pariser Konferenzkresen ist di«' Ansicht durchgedrungen, daß eine Vermittlung der Entente zwischen P^ljurü und Denikm Erlotg haben muß, wenn Nicht die über di« Bolichewikcn m der Ukraine errungeum Stege wieder verlorm» gthen sollten. Denikin soll rrne Prollamatio« veröffentlicht haben, «i welcher alle Anhiinger Petljuras auigetordert werden, i« Denlkins Aimee rmzutretrn, widrigenfalls ste als Hochverräter betrachtet wurden. Die ^Neue Zürcher Zettung* meldet auS PariS: Die Inter» alliretle Mission, welche sich gegenwärtig in der Ukraine besindrti bat Weisung erhalten, Berhanblmigen zwischen Denikm und Peiljum zu eröffnen und wenn diese erfolglos fern sollte«, ihre« Sanzen Emstuß oufzubirten. um einen Zusammenstoß zwischen den Ifirtitteirt und Denikin zu verhüten, da dies die Rückkehr des Bolschewismus erletchkein könnte. Die Mtsstvn har außerdem Weisung erhalten, alle Munition, weiche die Alliierten über Odessa schicken werden, zwischen den Armeen Denikins und Petljnras zu verteilen sowie auch das Kriegsmaterial der frühere« lusstichen Annce. welches Rumänien angesauge» hatte, den anti» bolschcwtkischcn Truppen zu lrefern. Ern polnisches Ultimatum an Lsttlanb. P etersburg» 23. September. (Funkspruch.) Aus Bielo-Ostrow wirb gemeldet, daß nach Mitteilung des lettischen Insormationsbureaus Polen an L e t t» l a n d ein Ultimatum wegen Räumung der von den Letten besetzten Gebiete bis zu einer bestimmten Linie gerichtet har. widrigenfalls Polen an L e 1 t l a n d den Krieg erklären würde. Die Konferenz für Arbeiterfragen in Washington. AmsterdaN,, 23. September. „Daily Matt" erhält vor ihrem Berichterstatter für Arbeiterfragen über ' die in Washington abzuhaltende Konferenz die Mitteilung, daß die Regierung dev Vereinigten Staaten an alle alliierten, und neutralen Länder Einladungen abgeschickt habe, und daß möglicherweise aus Deutschland und Oesterreich Vertrete zugelassen werden würden. Da diese beiden Länder noch. nicht dem Bötterbunde angehören, ständen sie auch nicht aus der Liste dev Einladungen. Ihren Vertretern werde aber sür die Reise nach Washington, »vo dis Konferenz selbst über die Frage ihrer Zulassung entscheiden wirb, kein Hindev« nis in den Weg gelegt werden. Bisher haben, wie BarneS dem Berichterstatter mitteitw, 45 Länder die Einladung angenommen. Wie BarneS sagte, ist eS aber der schwächste Vunkt ver stonierrnz, daß sie nicht besugt ist, den verschie-« denen LL id-rn die Durch ü'irung der Beschlüsse zur Pflicht zu mache,,. Boi den "Verhandlungen in Paris find die fran- 'öi.chen, ttaiirnischen und belgischen Delegierten für dieses Sieitit der Konferenz e.'ngetr-t«.,. aber dir anderen Delegierten waren dagegen, weil sie fürchteten, daß ihre Länder di«Ä als Beeinträchtigung der Souveränität aus hem. Gebiete hjK ArbLilargesei^eliuttü..betrachtea würden»