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Wiener Morgenzeitung · 1919-09-24 · Heft 245 (24.9.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 245 (24.9.1919)
Date
1919-09-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Men, Mittwoch' 24. September 1919 Nr. 245 Die französische Psychose. - PLriS, 23. September. CH« „Libertüknüpft «1t bi« ' Unterzeichnung dsS Protokolls in DsrsatlksV Vt« Frage, wi» 'lange die NnabhLngtgteit Oesterreichs fichergesteM sei. Denn auch bi» Zukunft Oesterreichim Völkerbund siege, der einskinnniy beschitetzea müsst, ft weist doch die Fdlmaner Affäve om Li» Möglichkeit edreS deutschen VeivaltstreicheS hin. Mmr habe mit eb^ru preußischen Detttschland zu rechne», daS nicht leicht ank die Annexion der österreichischen Brüder verzichten werde. Die italienische Presst und die Sozialisten stehen ans seiner Seite. Wird Frankreich stark genug stm, die Ber- A rvirklichung dieses Planes zu verhindern, der filr Frankreich geradezu beängstigende Gefahren heraüfbeschwören würde, tvenn auch die Deutschen Böhmens zu Deutschland kämen- Damit wäre Deutschland trotz der Amputationen, die eS erlitten hat, an Bevölkerung und Geburtenüberschuß Frankreich gewaltig überlegen. Könnte Frankreich, oh,ß sich zum Selbst- »rrord zu entschließe«, jemals diese Lösung grmehmeu? Um jeden. PreiZ müßte sie verhindert werden. Der Kongreß der französischen Radikalsozialiften. Paris, 23. September. (Korr.-Bur.) Auf dem Kongreß der radikalen und sozialistisch-radikalen Partei wurde beschlossen, bei Auftechterhaltung des Grundsatzes, daß sie kerne Gemeinschaft mit den Sozialisten habe, in der kommenden Wahlkampagne, das Hauptgewicht auf die. Zusammenarbeit aller Lircksrepublikaner zu legen, die auf dem Boden der weltlichen, demokratischen und sozialen Republik stehen. Die Wahlen sollen mit den Gememdewahlen beginnen und mit den Kammerwahlen enden. Der Kongreß verlangt, daß die Wahlen möglichst bald stattsmden und daß die Preß- und die-Bersanrmlungsfreiheit wieder hergestellt werde. In den Beratungen der Ausschüsse wurden als Ziele der Partei aufgestellt: Einführung staatlicher Monopole, wo es notwendig ist, besonders die Verstaatlichung der Eisenbahnen und der Versicherungsgesellschaften. Alle Gesellschaften sollen auf der Grundlage der Beteiligung der Arbeiter am Gewinn ausgebaul sein. Die Amerikaner blockieren Fiume. Fiume, 23. September. Gestem sind hier zwei amerikanische Dampfer mit Lebensmitteln und Wareneingetcoffen. Als die Amerikaner die Lage in Fiume erkannten, fuhren sie nach Saloniki weiter, ohne in Fiume Waren abgeladen zu haben. Die Finanzoperationen der tschechische« Regierung, ,' Prag, '23. September. (Tel.-Komp.) Oer Hanbewtnrnift« Dr. Heindler hat heu.tr die Vertreter der Prager Presse zn sich geladen, um ihnen Aufklärungen über de« von der Prager Kreditbank vorgeschlagenen Valutakredit von £09 Millionen Franks zu erteilen- Dieser Kredit soll durch Perpfändung deS gesamten tschecho-stowakischen Zuckers an die unter Führung der Soicete Generale stehende französischholländische Finrnzgrupp» herbetgeschafft werden. .Der Minister sprach über die Notwendigkeit, vor Eintritt deS Herbstes und Winters die Industrie, in erster Reihe die Textllindustrie, iri der Tjchecho-Glowakei in Gang zu bringe«. Sonst könnte geschehen, daß all« bestehenden Handelsbeziehungen der Tschecho-Slvwakei absterben und ihr« Stellung auf dem Weltmarkt völlig verloren gehe. Die , Republik könne sich -licht weiter damit behelfen, daß sie Arbeitslosenunterstützungen zahle. Sie brauche dringend Arbeit und Auslands Valuta. Doch seien alle bisherigen Bemühungen' gescheiwrt. Auch 1 bk geplante Ausnahme eines amerikanischen Kredites von 6 Vs Millionen Dollar fei nicht zustande gekommen. Ueber die Bedingungen deS bei der französisch-holländischen Finmrzgruppe tzmfzunehmerrden Kredites äußerte sich der Minister, daß sie sehr hart seien, doch müsse sich die Regierung diese» Bedingungen fügen, da sie und die Industrie sich i« einer Zwangslage Lsftnden. Der Miuisterrat hat de» geplanten Kredit in große« Zügen bereits genehmigt. Eine wichtige Bedingung Mr die Gewährung des Kredites ist auch, daß 100 Millionen Meter- Mtner Zucker vertragsgemäß an Frankreich, gelleferL werde«. Wnziehnng der Gin- und Zwei-Kvoneimvie« Ln Tschecho-Slotvakien. K-ag, L8. September. (Tel.-Kvnrp.) In der DtrirEe» der RiLtiyu«-vsrstn»«rung wurbs et» Besetzen twurs augeuomm«», tv-sd««H dsr FtssuMirrister Per ^chscho-ll-swaAschsn RrpuSAk »emLchtigt wird, die Bin- «nb Zwetkro sennsLsv tm AnSt«uschwege dem Xrrüans zÄhsn mrd dabei eine Gebühr jbo*. itö Prozent des Nominales der Bau5- ^vde einzuheben. Die GÄckhe ftLl auf bisst: Weise tzrnßehvbe» werden, daß mU einem bestimmten Tage der ZechlungSwerL dsc Einkronenuote» auf ^0 Heller und d«r Zweikronrunsten auf U K rn r?-e 8V Heller tschechs-slowakischer PVLhrurrg heravgesttzt wird. Weiters solle« mm fötoniSmixzi M ft ei« mrd je fünf Krsve« ausjtzsgeben werde«, nrck zw« wird der Umlauf m Einjmrd Zweikrouennsdsr vAf 300 bis 400 Millionen Dronrn» dße i» die «ene WÄMmg um Kr tauscht werden stuvsftn, geschätzt. Die DrncKo-stsu dieser «Lvä» TtaatSjterteft Scstückssn 30 MMoLL« fsm. Ursprünzlich '*?arnt bzfä? sed?'h ttvr 7\/p Milhirm^n ®cow#\ fsst- Dsretzt/ ja daß stch ein vou Mitt^uarr -tzsonen «rßibt. Zur Deckung divfts Drftzi« solfta -trm die alten Kronermsteu die erwährtts NeduzieriWA hhreK MerM erfahren»- Eine deutsche Sektion beim tschechische» Landesverteidigungsministerinm. Prag, 23. September. (Tel.-Komp.) Ein Redakteur der „Bohemia^ erfährt von informierter Seite, daß der Plan bestebe, beim tschechischen Landesverteidigungsministerium eine deutsche Sektion einzurichten und die Stelle des Vorstandes mit einem höheren tschecho-flowakifchen Stabsoffizier deutscher Nationalität zu besetzen. Gleichzeitig mit der Errichtung dieser Sektion wird eine Verordnung erlassen werden, wonach die Dienstsprache für in Deutschböhmm, Mähren und Schlesien zu errichtenden deutschen Truppenabteilungen bis zum Battalllonskommando Me deutsche sein solle. Der berüchtigte Paragraph 14 soS in Tschecho- Slowakien Geltung erhatten. Prag, 23. September. (Privat.) Der Nationalversammlung wwde heule ein Gesetzentwurf vorgelegt, der dem Paragraph 14 der österreichischen Verfassung beinahe vollkommen entspricht. Die Regierung soll ermächtigt werden, bei außerordentlichen Zuständen den Verordnungsweg zu betreten,, wo sonst'ein Gesetz erforderlich wäre, und zwar überall, wo es dringende Bedürfnisse erheischen oder Verzug Schaden bringen kann. Dieses Gesetz hat keine Geltung für Verfassungsänderungen mrd dauernde finanzielle Belastungen. Durch eine besondere Verordnung sollen auch die Gemeinden zur Mitwirkung herangezvgen werden. Vom Paragraph 14 unterscheidet sich dieses Gesetz dadurch, daß es auch in der ZeÜ der Parlamentstagung in Krast ist. Das Ergebnis der Ernte in TIchecho-Slowakien. s Prag, 23. September. (Privat.) Rach Erhebungen ' des * Staatsamtes , für Statistik wurden in Böhmen in den vier Hauptgetreidearten 15 Millionen Quadratmeter, das ist zirka 3'7 Millionen Quadratmeter mehr als im Vorjahre geerntet. Die Ernte kann als sehr gut bezeichnetwerden. Der jüdische Religionsunterricht in der Slowakei. s Prag, 23. September. (Privat.) Nach einem Erlaß des Schulministeriums vom 28. August darf der Religionsunterricht für jüdische Schüler in der Slowakei nur noch in diesem Schuljahre in deutscher Sprache erfolgen. Im nächsten Jahre müssen sich die jüdischen Religionslehrer vor einer Prüfungskommission über die Erlangung der slowakischen Sprache ausweisem Antisemitische Exzesse in Nürscha«. s Prag, 23. September. (Privat.) Wie die ^Narodni Polüika" meldet, kam es in Nürschan zu antisemitischen Ausschreitungen. Nach einer durchzechten Nacht kletterten zwei Bergleute gemeinsam mit zwei Taglöhnern über den Zaun des Hauses des Moriz E ck st e i n, drangen in den Laden ein und verlangten Schnaps. Als sie diesen nicht erhielten, zertrümmerten sie die Wohnungseinrichtung, warfm die Waren auf die Straße, die von der Menge fortgeschleppt wurden. Aehnlich gingen sie dann beim Kaufmann Karl K a u s m a n n vor, wo große Mengen Tabak geplündert wurde. Die Gendarmerie war machllos. Die Exzedenten erhielten großen Zuzug, so daß Müitär aus Staab und PUsen requiüert werdm mußte. Sieben Personen wurden wegen Anteilnahme gp den Pliinderungen verhaftet. Das beste Mittel zur Propaganda undAufkiärur\g bildet die Broschüre des Der jMMe Nationalismus. Preis K 2.50. - Zu beziehen durch die Administration der „Wiener Merger»- Leitung", Wien, It. 6er.,Taborstraeee 1—8 4ea fiflitrages, gcQ»a Nut flogM V6reSna«n<htfm Tfetobnahato wwd nfohto Die HasardspielaffLre in de» böhmische» Wettkurorten. s Prag, 23. September. (Prin.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung kam die Hasard« spielaffäre in Karlsbad und Manenbad zur Sprache Dort wurde bekanntlid) den ganzen Sommer über iy großem Stil unter den Augen der Behörden Hasard gespielt Wie sich nun herausstellt, hatte der Sekrets »es Ministeriums des Innern, Bradac, beim Bezirks» bauptmann m Karlsbad verlangt, daß die Spielgesell» schaft geduldet werde. Diese Gesellschaft führte nämlich 5 Prozent des Gewinnes für gewisse militärische Zwecke des Staates ab. Der Sekretär verlangte vom Vezirksharrptmann, dem Unternehmen Leine Schwierig« keitm zu bereiten und dasselbe im Bedarfsfälle zv unterstützen. Das Ministerium wurde interpelliert, wie es dieses Vorgehen, das nicht nur . gegen die Moral, sondern auch gegen den § 612 des Strafgesetzes ver» stoße, erklärt und begründet. Der Tagesumsatz der Gesellschaft war, nebenbei bemerkt, so hoch, daß' der lüprozentige Gewinn sich täglich auf 60.06V bis 80.000 Kronen stellte. Der Wien-^Prag—Berliner Schnellzugs» Verkehr. s Prag, 23. September. (Privat.) Wie das »Prager Taqblatt" von kompetenter Seite erfährt; find die Perhandlungen über den Verkehr des Wien—Prag—Berliner Schnellzuges noch nicht abgeschlofien. Aus Dresden ist bisher noch keine Antwort eingelangt. Auch bei uns ist die Frage infolgt Lokomotiven- und Kohlenrnangels noch nicht gelöst. Südslawische Kundgebungen für Fiume. Belgrad, 23. September. In der heutigen. Sitzung KeS Minifterrates, drr unter dem Vockve des Tdroniolgers von w bis l Uhr stattkind. «urdr die Beratung mtt dm Mit« gliedern der südslawischen Frledensdelegation svrtgrsetzt. Während dieser Srtznnq demonfirlerlen die Umversitätshörer, die eben von einer anläßlich der Grergniffe m ‘ffrtmtt einbernfen en Bersammluug zurückkrhrten. vor dom Gebäude des MmillmumS Är «nswärtige Aagelegenheiten mit Rufen für das jugo» stawrscke F nme. Um & Uhr beriet der Mmiüerrat unter dem Vorsitze bei Thronsvigers neuerlich mit den Muglttdem der Delegouvu. Tagesbericht. Die Verantwortung. Der unselige, technisch uttdurchführbare Ans« weisungserlaß hat die Lage der Inden in Wien sehr verschärft. ES darf »richt verschleiert werden, daß dunlle Kräfte am Werke sind, die schwer geprüfte Wiener Bevölkerung immer mehr aufzustacheln und die vollkommen erschöpften, verbitterten Menschen auf die.Jnden zu Hetzen. Die Versammlungen, des „Antisemitenhundes", die Sprache der judenfeindlichen Preßorgane, die massenhaften Flugzettel, d« überall verteilt und angeheftet werden, sind nur allzu deutlich. Die Wiener Bevölkerung ist gutartig und zum großen Teil längst darüber aufgeklärt, welches die wirklichen Ursachen der trostlosen Lage der Großstadt sind. Aber daß: mit systematischer Wühlarbeit von bestimmten Kreisen dahin gearbeitet wird, den Unmut der Massen auf den jüdischen Prügelknaben abzulenken, steht leider fest. Eine gwße' Verantwortung in solch krisenhaften Zetten. trägt auch die jüdische-Bevölkerung. Jeder Hatz die Pflicht, barem zu denken, daß sein persönliches Gehaben in Einklang zu bringen ist mit der gegen« wärtigen Situation. Er muß vor allem Würde bewahre«. DieS sei eindrjnglichst allen jenen gesagt^ welch« ihre kleinlichen Eitelkeiten nicht lasse« können. Was sonst bloß geschmacklos unv lächerlich ist, kann in solchen Augenblicken aufgepeitschter Ersegungen. für andere Dolkssenosse« gefährlich »verden. Wir meinen »wr allem daS Gehaben vieler jüdischer Frauen,^ die gedankenlos sich recht auffallerrd kleiden und 'mit Schmuck behängen, und ihrer Männer, die so gerne überaus nobel tmr. Mögen diejenigen, die diese Zeilen angehen, a« den hohen jüdischen Feiertagen ihr unbescheiderreS Wesen daheim lassen und sich den Vorwurf ersparen, d'iv künstlich gezüchtete Erregung der Massen verstärken. ", ES ist nicht viel verlangt, aber alle, die bisst;Zelle« lesen, mögen eS wissen und weibertragem Wa§ hier gefordert wird, ist vo« Bedmrtnng. Eine Aktion zur Sozialisierung des Advokatenbernfes. Der Ausschuß der Wiener Mvokrienkammer kam! in den letzte» Tagen in die Lage, sich über di» Frag«! der Sozialisierung der WvvSaturZkanzleien zuj äußern. Ein Komitee von Mitgliedern deZ Brrbandes.! Wiener Rechtsanwälte hat nämlich eine Aktion zür^ Sozialisierung des AdvvkatenberufsS in der Form, daß!, den Angestellte« eins prozentuelle Be-» teiligungandem Ertrage der Ad vokatnrSkanzlei gewährt werden soll,eingeleitet. Begründet' wurde dies damit, daß die AdvokatttrSkanzleien in den » Großstädten meist den Charakter eine- Unternehmens! tragen, b«S den Änderten Zeitvevhälinissen R^chnungl' tvagvn /«ürsst». An Mehrzahl der Mvvmrsu nets daher gsbietrrisch die Fvage a» der Bebeillgung ihrer WnMestrllts« m Nr Kanzleirmkünfw« Hera«, wobei etz «it Kücksicht auf die Vchwcmkmrge« deS Anwalt-,

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