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Wiener Morgenzeitung · 1919-09-22 · Heft 243 (22.9.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 243 (22.9.1919)
Date
1919-09-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' Jtr. Z43 Eien. ciIioaiüg iltima ratio, de?r Streik, vermeiden; sie find aber entschlossen, auch zn diesem- Mittel zu greifen, wenn ihre anderen Schritte erfolglos bleiben sollten. (Stürmischer Beifall.) Es wurde eine Resolution beschlossen, in der insbesondere die sofortige Besoldungsreform mit Rück- Wirkung, vom 1. September 1919 unter Zugrundelegung «ne» MiudestbezugeS von 1000 Kronen monatlich und die Aktivierung der Staatsangestelltenkamnrer verlangt werden. Streik des technischen Personals Lsr VolÄsbLhue. M b«r Volksbühne, deren Leitung bereit'' seit einiger Zeit mit den Theaterräten wegen Lohnforda-i rungen der Schauspieler sowie des technischen Personales zu kärnpftn hatte, setzte gestern plötzlich ein Streik des technischen Personales, ein. der die Absage der gestrigen Sonntagsvorstellung zur Folge hatte. Die Direktion der. Volksbühne teilt uns über den Streikausbruch folgendes mit: Nach den voran gegangenem Verhandlungen zwischen den Direktoren der Volksbühne und dem Theaterrat war die Vereinbarung getroffen worden, die Kremiere des narren Stückes. „Rosa Alischul" abzuwarten und dann endgültige Ahmachungan über Lohnerhöhungen zu treffen. Trotz dieses bindenden Beschlusses hat das technische Personal'plötzlich heute nachmittag erk.ärt, daß es in der Wendvorstellung den Dienst nicht mehr versehen wirb, wenn nicht heute gleich seine Forderungen — fast lOOprogentigo Lohnerhöhung — bewilligt würden. Das Schauspielerensemblie war bereit, in der Vorstellung mitzuwirken. Es blieb nichts anderes übrig, als die Vorstellung des neuen Stückes, die vollständig ausberkauft war, abzusagen. Die Direktion erklärt es für ausgeschlossen, die erwähnte Lohnerhöhung des technischen Personals zu bewilligen, da der Etat - der Volksbühne diese Mehrleistung nicht ertrage« könne. * Äon anderer Seite erfahren wir, daß im ausverkauften Hanse beinahe eine Panik entstanden wäre, dv der Beleuchter, entgegen den behördlichen Vorschriften, seinen Posten verließ und inr Saale sämtliche Lampen aus schaltete. Infolgedessen war die Direktion außerstande, das Geld für die gelösten Billetts sofort zurückzuerstatten, es steht selbstverstcurdlich an den Kassen zur Verfügung. Die Direktion hofft, daß die Vorstellungen von heutc an wieder aufgeuomrnen werden können. Die große Kücherraktion für den Mittel- und Ardeiterstand. Die große Küchenaktion, die über Anregung der früheren Gräfin Eleonore Rosa Colloredo-Mels von der ,^ rgea", Nutzpflanzenverw-ertungsgesellschaft int Oktober in Wirksamkeit treten soll, hat das größte Interesses des Mittel- und Arbeiterstandes in Wien gefunden. Durch Ausschaltung jeglichen Zwischenhandels, durch Bezug der Lebensmittel direkt vom Produzenten hofft die Gesellschaft, um de« außerordentlich billigen Preis von K. 3.80 täglich Frühstück, Mittag- und Abendessen bieten zu könmn, wobei einmal wöchentlich sogar Fleisch verabfolgt werden soll. Das bisher hei den Kriegskttcheu übliche charitative System erscheint dabei hier ausgeschallet. Solange die in Betracht kommenden Domänen der österreichischen Landwirte — die ,Hegea" ist eine Gründung der Landwirtschaftlichen Gesellschaft — nicht die erforderlichen Lebensmittell liefern, ist der überseeische Ankauf von Waren erforderlich. Zu diesem Zwecks wurde der „Hegea" von einem der vornehmsten Wiener Bankhäuser ein SV Milli-onWkvedit zur VerfLgung gestellt. Bövur noch die' neue Küchenaktion ihre vielversprechende ^ällgkeit aufnehmen konnte, hat sich bereits ein Konflikt mit der Kommmre Wien ergeben. Die Wneinde hat-nämlich) ä8 Kriegslüchen in Betrieb, Mren weiters Existenz mangels jegliche Geldmittel in Frag« gestellt ist. Die ,Hegea" wollte nun diese Küchen Mit ihren Einrichtungen übernehme, hi? Kommune Wien setzt aber dieser Forderung große» Widerstand entgegen. Sollte der Standpunkt im Rathaus keine Aenderung erfahren, so wird die neue Küchenaktion, die bereits mit dsr -r\ -'ft nofärgrischen Güter Fühlung genommen hat, die Küchen in den Pa l mH L u s a r n des neuen Hofburggartens «der in der ehemaligen Hof - Reitschule nnrerbring««. Di« geschäftliche Leitung des neue« Unternehmens liegt in der Hand eines sech-köpfigen Direktoriums, dem her. Präsident der. Landwirtschaftlichen Gesellschaft GMMls, DsgierungLrat Professor Heidlor, RatHorsky und Frau Eleonore Collorebo-MeV angehöve» werden. Rsuisiyu im Stundenhotel. Hotel ,>Lsty" wird für Wohnungszrvecüe ««gefordert. Das skandalöse Treiben in den sogenannten Stundenhotels hat schon seit geraumer Zeit nicht nur die Oeffentlichksit, sondern auch Etliche Stellen beschämt und wiederholt wurde im Zusammenhang mit der Frage der Abstellung des Treibens davon gesprochen, daß im Hinblick auf die herrschende Wohnungsnot gewisse Hotels für Wohnzwecke in Anspruch genommen verdien sollten. Mun sind beim Polizeikvmmissariat Innere Stadt viedekholt Auzesgeü über bje Vyraönge im Hotel ,E i t Y", Walisischgasso, eivgelouftn, Auch Ms teleyh^isäiem Wege wurden Bewerben eingebracht, die Abhilfe zogen das Treiben her Gäste ir. diesem Stundenhotel Wiener .verlangter. Cs hieß, lwß das Treiben die Nachirühe der Anrainer empfindlich störe, dal? das freie und schamlose Benehmen vor dem LolelNergernis errege, und daß namentlsiH die gegenüber womuniden Parteien an den Szenen, die sich hlukcr den omnolö uuvcrhäugten Hotclfensiern abspielen. Anstoß nehmen. . Aus allen diesen Gü'rnden haben polizeiliche Organe schon am- 26; Au ui'st.' nachts. Vas genannte Hotel einer eingehenden Revision unterzogen und .dabei folgende Festsirllnngnt gemacht: Das Hviel,' welches 35 freie Zimmer hat." war bis ank eine Jahrespartei von «Lnwdenqüsten"^ besucht. In allen . Zimmern wurden Pärchen ongcirofsen. Bon den Fichrien waren nur acht gsheiwe Prostituierte,... während die anderen kouirollierte Prost iüm'lte waren. Von dm g?b?imen Prostituierten wurden zwei bei der örzllichenllutersüchnn^ als krank befunden und wußten ins Spital abgegeben werden. ■, ' .. - # Rach -den gemachten Feststellungen wrlrden die Hotelzimmer an wirklich Wohnrmgsuchende üöerhaitpL nicht abgegeben, sondern sie blieben anSschliefilich für Sjundcngäfte Vorbehalten. Nach dem aufliegcnden Rapport wurden die einzelnen Zimmer iht Lause eines Tage» und einer. Nacht oftmals, bis zu mehr .als zehnmal vermietet.- Obwohl das Hotel während - eines Tageoftmals voll besetzt, war, waren im Fremdenbuch jeweils im Durchschnitt nur fünf Personen als Gäste eingetragen., In der Regel waren es bloß die letzten Gäste, die erst gegen M'rgen.das Hotel verließen. Mit Räckficht auf die angeführten Feststellungen hat das PoltzeikommNariat Innere Stadt, denn WohnnnhLamte im ersten Bezirke den Antrag gestellt, das Hotel ^Cith" d er gegenwärtigen B estimmung .zu. entziehen und für Wohnzwecke in Anspruch z u n e h m e n. Auf Grund dieses Antrages fand bereits eine kommissivnelle Besichtigung statt, und da sich die Komm Mission von der Stichhältigkeit der Beanstandungen die Ueberzengung verschafft hat, ist Zn erwarten, daß das Hotel tatsächlich für Wohnzwecke in Anspruch genommen werden wird. * Lev Verband dev jüdische« Zyvaliden in Wie» hat von der Kuliusgcmkinde 40 Karten für Bewlätze im Saal« der Prodrcklenbörse zugewieien erhallen. Jnvahde, Welche sich Montag und D'enstäg zwischen 4 und 6 Uhr nachmittags im Burean des Jüdischen RaiionalrateS, 'II., Taborstraße 20 a, melden, erhalten die verfügbaren Karten von den Herren Brüser und Marner, Vorstandsmitglieder des Jnvalrdenverbandes, zugewiesen. * Schmuck um 109.000 Kronen gestühle«. Am 20. d. At. um 9.Uhr abends wurde der Hofiatsgattm Margarete Crame r, Vegagalfe Nr. 8 wohnhaft, beim AuSgang an der Tlnkunftscste des' Südbahnho es aus einer ledernen Handtasche eine kleine grünlederne Kassette gestohlen, in der stch Schmucksachm im Werte von ungefähr 100.000 Kronen befandc«. Die zionistische ParLeisteuer. Das Lkonkstifche Landsskomttee für Dsutschösterreich erLLßt folgenden Aufruf; Der jetzige Zeitpunkt ist für unsere Bewegung und daher für das SchiÄfa! unseres Volkes entscheidend. Nur als ftarke Organisation mit entsprechend ansgestatteten BrrreanS und Aemtern können wir der SUnatlou gerecht werden. Wir müssen nicht nur die Agitations- und PropagandatLtigksit auf das h'öchste steigern und die Verbindung mit den Brnderorgauifationen der ganzen Welt und unserer zionistischeu FeutralleiLung aufrechterhalteu, sondern auch — im Sinn« des Kopenhagensr Manifestes und des Beschlusses unseres letzten PavteLLageS die innerpolitische Arbeit besorgen und die Eroberung der KulruSgerneinden und ihre Amwandiung in Bslksgemeinden vorbereiten. Dazu brauchen wir Merdmirwr, deren tzShe z» den Eingängen an regulärer ParteLfteuer in reinem Derhültnis stehen. Wir schreiben daher eine antzerordsnt» l i ch s P a r t e i ft eA e rfür das Jahr ISIS aus, die mir unter dem Titel eines MischmÄrdettrüges bei allen Orgaurfationen einhebru. Zeder must nach seinem VermZZen geben. Ansertz Idee ist im siegreichen Aufstieg begriffen, unsere poetische Arbeit von Erfolg geMSnt. Eesiuuungsgenossen l Zhr müßt Euer Aetttzerftes tun,' um «ns die weitere Arbeit zu ermSglichen. EnH trifft die VerautryorLung, ebenso wie die Leitung l Der Mischmarbeitrag ist an daS Zio- «i ft i sch e Land es ko mite t, H., $ivkw* gaff« 33, abzuführen. Die Eingänge an außerordtzMicher Parteisteusr sMischrnarbeitsag) werde« in der ^Jüdischen Zeitung" vsrSffentlicht werden. Zionistisches LandeS^onütee für DdütfchvsMMch' Jakob Weiner Ing. Robert Stricker. . , ,22. September 1918 f Seite 8_J Fioniftrsche Sektion für die Bezirke XU bis XV _ , Di6rr Tage fand die Gründung der zwmMcken Sektioni . für die Bc^lle XU lns XV statt. Auf Anregung der Sektion Junen-' A'kst wurde em^püt beiMte BertramuSmLnnersitznng. mchnufe«,! . um hie ersten Schrille ztt brsprkchen. Nach eingchender Dehatw' wurde ein vrovisoriichcs Prüstdimn, bestehend aus den Herrrw »re G old sch mied, 'MoseS G'o ttd enk er .und ftrln- P o l l n t gewühlt, das sich zur Ausgabe machte, zur Ers^ssuug. aller im Schronsbrrüch wohurndne Juden «neu Kälasia anzül.egen.,Ferner wurde beschlossen, eine großftigige Propagandafi'r? die zionistllche Adee M den Bezirken XU bis XV aufzn-- nehm.cn. Es ist zu erwarten, 'da« die neu gegriwdete Sektion,- für deren Gmwiälung sich in bcn Bezirken regstes Jwerefse kimdgcht, bald eiuesiatll'.chr M'itgüederanrahl anftuwelsenchübsn wnd. Me ru^dey genannten Bezirken wohnhaften Zivmsten werden ausgasordert, ihre Adresir. zwecks Müarbeit dem. Sekretär schrittlich an dn Adresse: Zionistisches B er ein 8 h e i m z u H an. de n d es/S e kr e t a r § H. Fel r x P o l l a k, V!., A rn r r l i n g st r a ß e 19, bekanntzugeben. Ausschseibung. Drr Jüdische'Hochschutansschnß bereitet süc das Winter* senrester eine hkeihe von H o ch s ch n l k n c s e/l vor, die der Ausbildung der jndlschm Studenten in den wichtigsten Gebieten des iüdlschm Wissens dienen sollen. Zunächst m beschrankrem Umiange gedacht, werden sie hoffentlich die Vorstufe zu eitler Wischen Volkshochschule bilden. Tn^Etrichtung einer^ jüdischen Volkshochschule erweist sich mehr und mehr als ein dringendes Ersordern:S. Es fehlt eine * zentrale Institution, welchedem Einzelnen, msbeiondcre dein - Studenten, die Möglichkeit gibt, sich wirklich gründliche KennNillte ln den -ahllcichen jüdffchm Fragenkomplexen anMignrü. Noch gestatten es die beschränkten Mittel, vor allem aber der sr'chlbare Mangel an atrSceichendeu. geschulten Lehrkrüsten nicht, ein solches Werk umsaffend m Angriff zu nehmen. Um ihm aber tue Wege zu ebnen, beabsichtigt der iübts$e Hochschulcutsschuß, im kommenden Wintersemester wenigstens mit der Einrichtung zentraler Hochschulkurse den Anfang zu. macheu, die sich vorläufig auf die allerdringendsten Teilgebiete beschränken, hoffentlich aber bald weiter ausgebaut werd?n.k8mren. Der Lehrplan nimmt bis aus weiteres in Aussicht: 1. Eine historische Gruppe, in welcher die verschiedenen Epochen der jüdischen Geschichte behandelt werden. Der nmionalWffchert Bewegung bleibt hierbei eine besonders ausführliche Berücksichtigung gewährleistet. 2. Eine sozialpolitische Gruppe, in welcher eine Einführung in die verschiedenen Theorien des Soziaiismus und Nationallsmus angebpten wwd, 8. eine Paläftinagruppe, die m:t Rücksicht auf bte Unzulänglichkeit des vorliegenden Materials mehr dm Charakter einer Studiengruppe, eines Seminars tragenwird. Die hebräische Sprache wird selbstverständlich als eine Einführung in die Literatur der neueren Zeit nach Mögllchkerr mitenibezogen werden. . - Um diesen Lehrplan auszusühren, benötigt der HochschulauZschuß noch eine Reihe von L ehrkräfteo» die bereit {mb,; im Rahmen dieses vorgeschriebenen Lehrplanes Teilgebiete zur Bearbeitung zu übernehmen, Emzelvorlräge zu halten oder zusammenhängende Kurse zu veranstalten. Wir ersuchen daher alle unsere Gefinmmgsgenoffen, die sich solcher Aufgaben grwachftn fühlen, unter Angabe ihrer Ansprüche fich bei uns schriftlich zu bewerben und hierbei nach Möglichkeit bereits Gebiet oder Thema bekanntzugeben. Der in Aussicht genommene detaillierte Lehrplan wird ans Wunsch zngängig gemacht. Jüdischer Hochschulausschusr IX., Alserftraße 28. Letzte Nachrichtsu. Die Kohlem»ertorg««I Sesterreichs. Am st er dum, 20. September. Havas und Reuter melden ergänzend aus B r n f f « i, daß dsr interaMerts Oberste WirLfchaftsrat sich Ln einer hentrZen Sitzung mit ver Frage der KohlenVersorgung O e st e r r e i ch s, mit der europiiischerr KohLentsge und mit dev VrrteiLung der BoKKnLsnnag« befaßt hat. AutzerdeW bexiet er über die Frage der von Dentsckkand auf dis auf das rechte Msrnufer gebrachten Wepesn ansevregten Zölle fowre über die Frage der Rohstoffe, die Dsntfchland besitzt uns die es den ÄMerteu gegen Austausch für andere Erzeugnisse geben könnte. Kaiser WLLHelM foK ausgeliefert Weede«. . Brüssel, 20. September. ^Reuter.) Die Zeitung „Libee Belgigue^ meldet, der Gesandte der Niederlande Lu Paris sei in Kenntnis gesetzt worden, das Holland innerhalb L4 Lagsn eine Aufforderung zur Auslieferung Haifer Wilhelms erhalten werde. HeravsetzVng der MiMürdienstzriL iv / FraAkreich. Bersaillrs. AI. September. (Korr.-Buc.) Zn der SenatsLommrssion für Heerwesen erklürte Senator D o n m e r e, daß die Milstär- Visnstz'eit in Frankreich ohne Gefahr aus ein Jahr herabgesetzt werden könne»

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