Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 243 (22.9.1919)
- Date
- 1919-09-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 223icu, Montag Wiener MorgeuzeitunA 22. September 191S Nr. 243 Die Sperrstunde der Gast- und Kaffeehäuser. Gemäß einem Erlaß des Staatsamtes für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten vom 20. d. M, hat der Punkt II de§ Erlasses dieses StaotSarnteS vom 19. d. M. sulge-ndeimaßm zu lauten: „Gast- und ScLanklokalitätcir jeder Art einschließlich der Autvmatenbüftts. sowie K.'.sseebLuier dürfen Gas' und elektrische Energie nur bis 8 Uhr abends benützen; .-insofern dieselben über Ersatzbslerrchtung versügeu, können sie auch nach 8 Uhr abends, wie bisher, vsseahalten." Acht Ahr-Eperre für Konzerte, Kinos und VarieLSs. PunktM hat zu lauten: „Konzert- und Vortrag § s ä l e aller Art, L i ch t s p i e l t h e a i e r, B a r.i c f e §, B a r s . und mit Schankgewerbe verbilndcue Berguügungslokale nMenumacht U iyx abends von den Besuchern verlassen und von den llnternchmern geschlossen werden,";!< ZnLZÄLrkchr in der Strecke HkUpLzoLaMt— Wien Rsrdöahnh'of. s . /. Infolge Einstellung des StraßmbahndÄehM werden a's Montag den 22. September die. derzeit nur zwischen Hürteldorf-Hackiug. und Hauvtzollawt, täglich vertehrerrdcu BeLbindungsbahnzüge brS auf WiewMrdbühnaas geführt. Es verkehren demnach auf der Strecke hLLpizollanü—Wien-Rordbahnhof Züge mit der Abfahrt vom^ Hauptzollamt um 6 Uhr 53 Mm. früh und um K Uhr!O ittin. abends und in der Gegenrichtung ab Wien-Nvrdbahrihof um 7 Uhr 18 Mm. vormittags und 6 Uhr 3 Min. nachmittags. Diese Züge nehmen in der Station Radetzkyplatz Md Pratersiern Aufenthalt. Dis deutsche KohLerranSHUfe. Reichsprafivent Ebrrt verspricht Hilfe. Wien, den 21. September. Vom StaaiZamt für öffentliche Arbeiten wird uns MitgeLeilL: Unser Geschäftsträger in Berlin, Professor Doktor Ludo tzartmaun hat gestern beim deutschen Reichspräsidenten Ebert vorgesprochen und ihm den durch die Äohlennot drohendm Zusammenbruch WienS in ausführlicher Weise dargelegt. Präsident Ebert hat daraufhin die bindende Zusage gemacht, sich sofort mit den betreffenden Ministerien inS Einvernehmen zu fetzen und für eine sofortige Belieferung Oesterreichs mü Kohle ans Deutschland Sorge zu tragen. Reichspräsident Ebert wies dabei allerdings auf die drückenden Verpflichtungen hin, die Deutschland Frankreich gegenüber durch Kohlenlieferungen auf 'sich nehmen mußte, wodurch es ausgeschlossen erscheint, daß die Lieferungen aus Deutschland allein die österreichische Kohlennot zu beseitigen imstande sein werden. Ter Bericht über diese Intervention ist gestern dem Staarssekretanat für Aeußeres zugegangen, das hiervon sofort alle dafür in Betracht kommenden ^amtlichen Stellen in Kenntnis setzte« Anch in Berlin eine Kohlenkrise. V rrlin, 20. September Oberbürgermeister Wermuth fuU gh den Minister des Innern und an den Reichs- Koblenkommis'är dringende Telegramme gerichtet, worin er nm sofortige Zmvetsung von Kohle bittet, da sonst Berlin infolge der geringen Kohlenzufnhr in Kürze ohne Licht sein werde. Die Ursache der Kohlennot wird in der ungenügenden Förderung erblickt. Die Förderung soll gegenüber dem Friedensstand fetzt bereits um 50 Prozent zurückgegangen sein. Dis Verhandlungen rvsqen Austeilung der Kohle in Oftrair, Mährisch-Ostra», 20. September. (Meldung, des Dschecho-Slowalisch-sn Preßbureans.) Heute um oUhr uachmittags wurde die Plenarsitzung der interalliierten Avl)l?nl^mmisswrr in Anwesenheit des amerikanischen, französischen, tschechischen, italienischen und polnischen . LSertrcr-ws eröffnet. Die Deutschen waren nicht vertreten. Die Regierung der tschecho-slowakischen Republik pertrill irr der Kommission Oberbergrat Eugen Durhch. Geg^uftand der Verhandlungen war die Besprechung der Erklär-.rag der tfchecho-slowakischen und der polnischen Reglcrung betreffend die Grundsätze, nach denen die Aufteilung der Kohle erfolgen soll. Die Besprechung wird Montag fortgesetzt werden. AnZünftige Waggonöeiftellnng im Ostraner Revisr. Mähr.»Ostr«M, 81. September. (Priv.-Tel.) Die Wagenbeistellung im Ostrau-Karwin >k Revier ist a n d a u e r n d u n g ü n st i g. In der zweiten August Hälfte wurden bei einem Nvrmalbedarse von 36.444 Waggons nur 10.989 Waggons beigestellt. Die gesamte Waggonbeistellung betrug im August £2.727 Waggons, während für den Normalbedarf 61.50t) Waggons erforderlich gewesen wären. GruLenarbeiterarrSftand. ....... . . .. lnsirr fotbcrtca eine Uebkrprüiuug bei* Löhne burth die L o h n k a m- « i f s» o n. Dir BtteiedSlütuva sah sich genöMi vieler Kbr« dcrmrg zilutnunu^'n. woraui dieArbeuwieiui oufgmvmm.'nwuidü. Durch bru ivur^ r.ch FoidetUusfsU uop 17.W0 Meteor zentn<r' vcrursuchr. Mttttürrevolution in der Türkei. Entsernurrg des Sultans? Bukarest, 21. September. (Fmckspmch.) Das NnmÜrrische Prrtzbureau meldet: Alach» richten aüs Konftarrtitto-sl zufolge dsabstchtigen Mustafa Kemal Pascha mrd E n p e v P a s ch a in Msinasie« einen m ä ch Liga n t U r Kisch e n '© iaat za ervichterr, dessen Ansgeftattnng vor iedsr iüchere« Einmischung geschützt werden soll. Die türkischen Revolutionäre habe«^le Absicht, dM Prinzen S s l i m znm Gultan des nenen Lürkischeu Staates zu praklamreren. Die FrrederrsVerharrÄLNNgen . Sswietrußlemds mit Set Errtente. Bertin, 22. September. (Tel.-Komp.) Eine Stsckhvlmer Meldung des „Berliner besagt, daß die Petersburger SvwieLregisrnng die Valkskommiffare zur Einleitung van FriedeusvevhLu-lrrnZsn mit der Entente auf der Basis der vvn dieser aufgesterLteu Bedlngnttsen bevollmächtigt habe. Die erste Kvnfersuz Zwischen den bolschewMschsn Ver- LrsLsrn und derrsn der Nandftaaten fand am W. SspLerpöer statt. Wie VerlarrLst, wollen vfe Rkndstaaten nur gLrueinsam verhandeln. agesbericht. Die pslnrfche Kriegsmarine. Haag, 21. September. (Tel.-Komp.) Hollandsch Nüuwsbureau meldet ans Parts: Es steht nunmehr fest, daß die p o l n i f ch e K r i e g s f l o t t e aus 4 großen Kreuzern und 16 Torpedobooten bestchrn mtrd. Sie wird insgesamt eine Besatzung von 3500 Mann und 150 Offizieren erhalten. Die tschechischen Schulfsrdsrungen. Eine Wiener tschechische Abordnung Selm Stsats« Kanzler. Gestern wurde eine Abordnung dco bebecho-sl^wakrschen NaLionalansschusses, bestehend LUS dem Mgeordneten Franz Dvorschal, Borsihendendes tschechoslowakischen Nationalausschusses für Niederösterreich, dem LandtagsabgeordneLen und Dorsitzenden-Estellvertretev des tschecho-sloivakischen NationalausschusfeS F.A.Kltmefch,dsmRechtsanwalt Dr. FranzBahalo, dem Stad trat und Mitglied des Bezirksschulrates Bohumil Sirotek und dem NechtSanwalt Doktor Arthur Kan to r vom Staatskanzler Dr. Renner im Beisein des Sektionsrates Dr. Krüger in Angelegenheit der Errichtung tschechischer Schulen in Wien empfangen. Der Staatskanzler betonte einleitend, daß in dieser Frage strenge int Geiste des, Friedens Vertrages vorgegangen werden wird. Er müsse ausdrücklich feststellen, daß er irgendeinen Zusammenhang dieser Frage mit der Kohlenversorgung Wiens nicht zu geben könne. Der Staatskanzler bedauert, daß dis fortwährende Retznng der nationalere Empfindlichkeiten auf allen Seiten die sachgemäße Behandlung aller Minderheitsfragen sehr hpeinträchtige. Er verurteile diese Treibereien und wünsche vielmehr eine solche Atmosphäre zu schaffen, die die sachliche Behänd lung der Schnlfragen ermögliche, und ersuche die Vertretung des Nationalausschusses auch ihrerseits in diesem Sinne vorzugehen. Nach eingehender Darlegung der Wünsche des NativnälausschusseS wurde vereinbart, den ganzen Fragenkomfilex einer Donnerstag abends beginnenden Enqüete zu unterbreiten, an der auch Verübter des Nationalausschusses töilnehrnen werden. Die Abordnung nahm die Ausführungen des Staatskanzlers mit Dank zur Kenntnis. Alt den jüdische« Feiertagen erscheint tzer Jüdische National-» Kalender 5680 5. Jahrgang * $«?att»0e0eft«tt non vtto Bbol»* «nb Ludwig yatü rrmschlag und Buchschmuck von Jakob LS« Dieses Zionistische Iahchach wird unter anderem Beiträge enthatteü von: SchaloM Asch, CH. N. Bialik. Urtel Birrchaum. Max Brod, Z.P. Ch ajes. L. Ä. Frankl,Artur Freud. Eugen Hoeflich» Hermann Kadffch, Leopold Komps«, Gottlreb Leon. A. Margülies, Ernst Mllsr» I. L Petez. Marek Scherlag, Abraham Schwadron, Emil Stein, Äpbect Striche^ Novsct Meltsch und Mold Aweig Kernworte. / Reiche» Bttderschnrnck. / Preis bei Vor« NNsbeste8nn-A.1y./VesteUunse»st»d-u»icht«n«nden Verlag Jüdische Zritung Wrerr. 2. Bezirk, L-horstrabe 1 Di§ Rückkehr jüdischer Feristtkindsr aus Holland. Ankrrust von 440 jüpischen Ferien Kindern. — Durch schnittliche GeMichtsMniahme 1v L^ilogrürnm. — Di« bisherigen Lsistungen dir holländischen JirLenschast für die. Wiener jüdischen Kisder. . Die echviungShrdürfligsten jödrschen Kmder, welche vvn ber Frn'rEwn dtS Jüdische« Vtoiwnalrales und der SvMm HilfLgrmrinschast bcc Frau Amtia Müller am Sä. Jub zu gastdchev Mischen Familien nach Holland entsendet.: wmch-»,/:sinh fFttiM-sstO um '/.? Uhr. LM an der Zahl, wohlbchaUen in Wien emgetrvsfm. Sre wurden in Sonderwagen der' elektrcscheu Straßenbahn geschloffen zur Produktenbörse gebracht mch vot allem ihr, Körpergewicht frstgestellt. Ihr '• Gesundheitszustand und ihr AMehen übertriffr alle Ettvarinngen, Sie haben' eme G e wich t S z.*» n a h mrvvn durchs ch nit t l i ch 10 Kilogramm zu verzeichnen. Unser Berichterstatter sprach auf dem Wcstbahn» hose mit Kindern verschiedeiter Gruppen. Was er über die liebevolle Behandlung und über die F ü r s o r g e, welche die jüdrschen holländischen Pflegeeltern rhren Schützlingen tin» gedcihm lreßen. aus Kindermund vernahm, war wrrllich rührend. Die . h o l l ändifcheu Juden haben Gr oßartiges s ü r dreseKiudergel eistet, ihnen nicht nur einen wunderschönen Ausenthalt bereitet und sie ausgezeichnet verpflegt, sondern die meisten Kinder durchaus fast v ollk o m m e u « e u bekleidet, so daß diese Erholungsreise der in ihrer Gesundheit bedrohten, nnterernährlen Kinder gleichzeitig eine Bekleidungsaktion wurde. Bekrnrntlich ließen es die holländischen Juden bei diesem ersten LiebcSwerk nicht bewenden. Die erste Expedition, welche aus 600 Kindern bestand, wurde von^ drm zweiten Ki.ndertran Sporte nach Holland, welcher 800 Kinder umfaßte, abgelöst und cs besteht die Hoffnung, daß noch eine dritte große Gruppe von Kindern von den Juden Hollands für euren Monat wird ausgenommen werden. Jedes Kind erhielt ein Paket Lebensmittel i m G ewi ch t e v o n 4 K i l o g r a m är von dem für Zwecke der Kinderaltion gebildetem Komitee der holländrschen Jude», in welchem Butter, Kakao. Zucker und Haferflocke» enthalten waren. Bor ihrer Rückreffe wurden die Kinder befragt, ob sie nicht noch weiter bei ihren Pflegeeltern zu bleiben wünschen. Tatsächlich sind 60Äindernvch für eine» ganzeuMonat bei ihren Gastgebern verblieben. , In der holländischen Grenzstation hat Frau A » i t t a M ü l l e r. welche gegenwärtig in Holland weckt, den Zng destchtrgt und ihre Schützlinge begrüßt. Nicht vergessen seren dir T r a n § p o r t f Ü h r e r und die B e g l e i t s ch w e st e r n, welche btt zweite Expedition bis zur holländischen Grenze geleiteten und sofort den Rücktransport der heute in Men angelangten jüdischen Kinder übernahmen. Der Sorgsamkeit und Pflichttreue dieser echten K i n d e r f r e u n d r ist die musterhafte Ordnung zu danken, tu der sich die Expedition vollzog. Das Verdienst, welches sich die holländische Judenschast durch ihr Llebeswerk um die Wiener jüdischen Elendskinder erworben hat, die bekanntlich von den meisten anderen Expeditionen auSgrschloffen blieben, läßt sich im Augenblick noch gar nicht ermessen. Ihre edlen Intentionen zielen auch ebensowenig wie die der schweizerischen und dänischen Judm, die in ihrer werktätigen Liebe für die Wiener jüdischen Kinder miteinander wetterfern, gewiß nicht dahin/ DonkeZbezeugunge» mrd Lobpreisungen einzuheimsen. Aber daß ihr Beffviel nun auch die wiener Judenschast anregen möge, soweit sie Pittel zur BerfüyMrg hat. »ach Kräfte» für die jüdische Kinderattion beizusteuern —- das haben die Juden der neutralen Länder gewiß verdimt and das wäre auch ihr schönster Lohn. (Sitte Kundgebrmg der VtaatSimgefterttew Der Aentralverband der deutschöstepreichrfchen Staatsbegmtepvereine veranstaltete gestern nachmmagS iit der Volk-Halle de- Rathauses eine Persamutlung der StaätSangestMten, die sich zu einer energischen Kundgebung der StaatSangestelltenschaft gestaltete. Der Referent Oderrechnungsrat Fritz Schrnidt schilderte hie.Notlage der Beamtenschaft und protestierte in scharfen Worten gegen die Minberbewe'rtung d e r g e i st i - e n Arbeit. Die Staatsangestellten wollen nicht auf die Straße gehen, sie wollen auch die . >«'■ '<*';l i '!» -im^i K«*■*!" »».»!*> .. ' Jüdische SLudettLen. Wir fordern ertch alle ohne Unterschied auf, sich euch in einer Sache von Zrotzer ÜVichtigkeit und Lragmeite «och heute bis 7,6 Uhr nachmittags im Lokale dys Jüdischen Hoch, i fchnlanLschnffes. l%f Atjerstratze efnzn- | finden, wo Ihr oiihere Ansklüenng erhalten! werdet. « Vas Prüstdivm [ veö Jüdische« HochschnLausschnffes.