Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 243 (22.9.1919)
- Date
- 1919-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mm«kE«p!lrr: Kreis IDE- H-Äre Hkffastßtttr trti i JBt<S! Mit Zusirll^ng in4 Hru«: Jfctwurtlidf. . . . K 7.- Sttm»lfiiDri0 . . .. 30.— tfAtktfUiri? . . . ., 40.- '®att{iö!jj?tg . . . ., 80.— v Mt Pojlvnlan-: «hmai'Hr. . . .2C V.SO ^iwf»*lfiJ»tr:a . . .. 88.— Äelfcfalitffe . . . „ 44.— ©«tslä^rla . . . ,. 88.— ffffrtfIftTt* Itirtiittoi* ft»tt 44038, Kvfraltft«* 4U1Ö, *f> «ItO» iener Nr. 243 Wien, Montag, den 22. September 1919 Lrris 90 HM» prrMf* M» das Arrstinrdr MovaMch . . «XK&50 UkartMINbvls •*• yä?§Ü*“" j^jaUrfah»ig^.. '“V St-d-I»»!»» «.KdmtnrSratlour VMM. ..»«.KT-»' »astkparkass»»>A«M» N». 150.898 ... .. 1. Jahrgang u« „ssssissi' r Die Kohlenhilfe der Entente für Wien. Die Ostrauer Kohlenksmmifsion wird der ReparaLronsLommrssion unterstellt. Mähr.-Ostrau, 21. September. (Korr.-Bur.) Die hiesige ^Morgenzettung" erführt, daß der Oberste Rat die Kohlenkommission in Mahr.-Osirau ersucht hat, über die jetzigen Kohlen- >orrüte im Kattowitzer, Dombrowaer und Ostrau-Karwiner Revier Bericht zu erstatte«. Dasselbe Blatt bringt folgende Radiodepesche ans Paris: In de« hiesige« führende« FLnanzkreisen der Friedenskonferenz wird dev Vorschlag gemacht, daß die Kohlenkommissio« in Mühr.-Ostra«, welche organisch eine Subkommisfio» der europäische« Kohlenkommissio« in Paris ist, in ein SnbkomrLee derReparati» ns ko «Mission verwandelt werde. Cs hat sich die Anschauung heraus gebildet, daß dadnrch die Mäh r.-O st rauer Kohlenkommission ans eine gesetzliche Ärnndlage gestellt würde, weil auf diese Weife die Ostrauer Kohlenkommission dem Artikel 224 des Friedensvertrages mit Oesterreich angepatzt wäre, der sich haupLsüchlich aus die Aufteilung der Kohle und die KohLenprodukLion der interessierten Mächte bezieht. Damit wäre der jetzigen Situation abgeholsen, welche die Ostrauer Kohlenkommission Zu vollkommener Machtlosigkeit gegenüber den beteiligten Staaten verurteilt, und die DsLrauer Kohlenkommission könnte mit einer solchen Vollmacht ausgestaLLet werden, wie sie unter allen AmstLnden notwendig ist, wenn sie tatsächlich Geltung haben soll. Die KohLeNkaLastrophe. Clewerreeau an Dr. Renner. Sa int-Ger main». 21. September. Auf die Note des Staatskanzlers Dr. Nenner an den Präsidenten der Friedenskonferenz betreffend die schwere Kohlenkrise Oesterreichs richtete der Präsident dev Konferenz an den Konsul Maherhauser behufs Aebermittlnng an den Staatskanzler eine Röte, wo rin er mitteilt, daß der Oberste Rat die Frage geprüft und den Bericht des Präsidenten des Kohlenkomitees L o u ch e u r ««gehört habe. Loucheur habe der Kommission in Mährisch- Ostrau die Weisung erteilt, alles Menschenmögliche zu tun, um de« Kohlenbedarf Oesterreichs zu decken. Wien ohne Elektrische. Der erste Tag. Die Einstellung des Straßeubahnverkehres in Wien, an welche zahlreiche Optimisten bis zur diesmal wirklich „letzten Blauen^ nicht glauben wollten, hat nicht nur das äußere Blld der Stadt, sondern auch das gairze Arbeitsgetriebe vom Grund aus verändert und wird erst heute, zum Beginn der Arbeitswoche, seine ganze katastrophale Wirkung Zeigen. Sollte die Krise nicht in ein bis zwei Tagen überwunden fein und es nicht zum mindesten möglich sein, früh, mittags und abends einen Verkehr der Elektrischen zu ermöglichen, so müßte die Arbeitszeit in den Bureaus und Fabriken geändert werden und die Mittagspause entfallen, wobei gar nicht au die Miglichkeit gedacht werden darf, daß' bei anhaltendem Kohlenmangel schließlich die Sparmaßnahmen auch auf die gewerblichen und fabriksmäßig en Betriebe aus gedehnt werden m üßt eit; und auch die Beleuchtung?oerhältniffe in Wien bis Zur kleinsten Kammer herab in der empfindlichsten Weise beeinträchtigt werden müßten. Die Einstellung der Elektrischen am Sonntag hatte, naturgemäß das äußere Straßenbild sehr belebt. Für hie Llusflirgsorte bedeutet dies einen beträchtlichen Schaden und das Erholungsbedürfnis der Wiener konzentrierte sich zumeist auf die Kaffeehäuser, [ Gasthäuser, Parks und Stehweinhallen, die euren Massenbesuch mrfwiescn. Nachmittags waren Kinos, Theater rmd Varietes ansverkauft. Die Situation in der Kohlenkrise hat nach den Berichten, die dem Staatsamt für Verkehr vorliegen, am gestrigen Sonntag kerne Aendernng erfahren. Das Elektrizitätswerk kann nur mit den spärlichen Aushilfen den Betrieb kümmerlich aufrecht halten, an eine Wiederaufnahme des Betriebes der Straßenbahnen kann keineswegs gedacht werden. Hoftat Dr. Kloß ist gestern abends m Mährisch-Ostrau nngetroffen. Dis gestern abends lag noch kein Bericht des HofrateS über feine Verhandlungen mit der Kshlenkvnunffsion in Ostran vor. Man nimmt im Staatssekrctariat für Berkehr an, das; Hoftüt Kloß auch den Montag noch, zu Besprechungen in der Kohlensrage verwenden und Dienstag wieder in Wien eiutreffen wird. Gegen Abends brach nitf die verstörte Stadt das Schicksal einer vollständigen Deroute ein. Der Regen strömte auf die Straßen, und die Leute,, die sich schon damit''vertraut gemacht hatte«, .den. 'Weg-nach.Hause 'zurückzulcgen, .-Müßten nun stündeMnge. in dem.üiMrgehen-- "d'e8''WMr»MW 'dgßimvalldern. -Nebec- ÄotpfüM und : gairze Wasserströrne, über ein dunkles, unerhellle» und unsichtbares Kotmeer flüchtete« die Leute. Der Frcndeuaucr Glanztag schloß in einer chaotischen Verwirrung. Ec zerrann und zerging gleichsam in der Regenflut. Die Rennbesucher konnten "in der Dunkelheit im los'orechendeu Trubel, in der Flucht vor dem stururgepeitschlen Wasser ihre Wagen nicht finden. Noch me brach ein Festtag der. Freudenau so traurig ab. Nichts anderes blleb von diesem schwarzen Sountag gerettet als ein paar Stunden kümmerlicher Kaffeehausuachl. Das Licht wurde um 8 Uhr abgedreht, die Gäste mußten sich, in dem engen Lichtkreis einer kümmerlichen Karbidlampe versammeln, die rum Anbrennen einer Zigarette weit besser als zur Kaffeeyausbeleuchtung Verwendung gesunden hätte. Es war alles rn allem ein tief* trauriger Wiener Ersatzsonn tag — ein Vorgeschmack dessen, war uns der heurige Winter noch bringen wird. Mögliche Aendernng der Arbeitszeit kn den Fabriken und Bureaus. Die Kalamitäten des gestrigen Sonntag? boten nur ein schwaches Vorspiel dessen, was die Bevölkerung heute und an den folgenden Werktagen, an denen die Straßenbahn nicht verkehrt, durchzumachen haben wird. Abgesehen von den permanenten Betrieben, deren Arbeiter und Bedienstete größtenteils in angemessener Entfernung wohnen, handelt eS sich bei der vollständigen Einstellung des Straßenbahnverkehres und der Unmöglichkeit eines entsprechenden Ersatzvcrkehres von hente früh an für tausende und tausende Erwachsene und. Schulkinder, im Durchschnitte um eine Stunde früher aufzustehen, um rechtzeitig in das Bureau, in die Fabrik, in die Schule rc. zu kommen. Bei Tausenden von Personen wird es sich aber anch um den Verzicht ans die ohnedies mehr als mogcre Mrttagskost handeln, da die Mittagspause nicht dazn hinreicht, den Fußmarsch nach Hause und wieder zurück anzutreten, wobei die Sorge für das Schuhwerk ebenfalls mitspielt. Sollte die Krise nicht in ein bis zwei Tagen überwunden und es nicht zumindestens möglich sei,;, früh, mittags und abends einen Verkehv mit der Elektrischen zu ermöglichen, so müßte die Arbeitszeit in den Bureaus und Fabriken entsprechend geändert werden und die Mittagspause entfallen, wobei gar nicht an die Möglichkeit gedacht werden darf, daß bei anhaltendem Kohlenmangel schließlich die Sparmaßnahmen atrch ans di? gewerblichen und sabriksmäßigen Betriebe ausgedehnt und anch die BelcuchtnngSvcrhältnisse in Wien bis zur kleinsten Kaminrr berab m der empfindlichsten Weise bcemkrächligt , werden müßten. Die Einstellung des Stratzenbahnverkehres und die Aerzte. Um trotz der Einstellung des Straßenbahnver-' kchres de« Aerzten Gelegenheit zu geben, ihren Der-! Pachtungen nachzukommen, hat die n.-ö. Landesregierung! bte Betriebsordnung für das Personen-Lohnfuhrwerk dahinabgeändert, daß Aerzte in der kritischen Zeit auch! anderweitig bestellte oder zum! B a hnhofdienst kommandierte F u h r-i werke für unaufschiebbare Fahrten! in Anspruch zu nehmen berechtigt! sind. Bon den Besitzern, beziehungsweise Lenkern von- Privatfuhrwerken wird erwartet, daß sie in Berück-! sichtigung der Umstände und des Humanitären Zweckes! dem Ansuchen von Aerzten, ihnen zu einer dringenden Berufsfahrt in ihrem Wagen einen Platz einzuräumen oder den Wagen auf kurze Zeit zur Verfügung zu stellen,, möglichst entgegenkommen. Der Friedhofsverkehr. Die Einstellung deS Straßeubahnverkehres bedingt von beute an auch die IlnMöglichkeit, Verstorbenen die letzte Ehre durch Teilnahme am Begräbnisse zu erweisen, zumal insbesondere die Erreichung des Zentralfriedhoses zu Fuß nahezu ausgeschloffen, erscheint und Autos und sonstige Vehikel entweder überhauvt nichb autztttrerben sind oder Hunderte von Kronen kosten. Selbst die allernächsten Verwandten von Verstorbenen sind durch die Einstellung des Tranttvahverkehres in die peinlichste Situation' ver-, setzt, .was sich insbesondere heute zeigen wird, da am Montag! mit Rücksicht ans den als BeerdigmigZtag nicht in Betrachd t'ommenden Sonntag die Zahl der Begräbnisse eine wesentli^i höhere ist. Keine Aussicht auf Wiederanfnahme des Stratzenbahnverkehres. Die Einstelluitg des Straßeribahnverkehres in Wietthät bereits am . gestrigen Sonntag zu der: schwersten.. fKMstWten gestiert'. Die kMstrophalen -^Fölgeu..cher ^85«^. ^kMsemstrlluug! mm den erst fMte als dem erfteir! Ärbei'lsiäge in ihrem vollen ürnsange zum Ausdruck kommen. Leider besteht, wie un§ von der. Direktion des städtischen Elektrizitätswerkes mitgeteilt wird, ' vorläufig keine Aussicht auf Wiederaufnahme des Verkehres. Nu« falls, die Kohlenlteferungen in den näcl stell Stunden eine namhafte Verbesserung erfahren sollten, ist mit einer.! Wiederaufnahme des Betriebes der Straßenbahnen zu rechnen — jedoch kaum vor Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche. VerhQudlmrgerr der Regierung mit den TsHschen und Pole«. Di: Regierung ist vollauf damit beschäftigt, sowohl im Wege direkter Verhandlungen mit den tschecho-slowakiichcn und polnischen Funktionären als auch den deutschen Gewerken auf eine sofortige Erhöhung der Anlieferungs- Menge hinznarbeiten und, soweit wir dies imstande sind, Kompensationen anzubieten. Wenn von polnischer Seite J der Mangel an Waggons, von tschechischer Seite die Herabsetzung der Fördermenge auf mehr als die Hälfte 'und von deutscher Seite die ungeheure Inanwruchuahme der ' deutschen Kohlengruben seitens Frankreichs als Grund für die Nichteinhaltung der übernommenen Lieserungsverpflichtnngen angegeben wird,' so erklärt dies nur teilweise die jetzt hereingebrochene Katastrophe, deren Vorboten schon seit Monaten in unheimlicher Weise sich zeigten und es unmöglich machten, auch nur die geringste Reserve ülr ein durch Streiks oder Maggonnmnael bedingtes Vakuum anzulegcu, ganz, abgesehen^ davon, daß in normalen Zeiten mit Oktoberbeg'ntn die Wintcrversorgung der Stadt mit Kohle zu dem überwiegenden Teile durchgeführt war. Die Vertreter der hiesigen Missionen sind bereits in Kenntnis davon, daß der Oberste Rat in Paris sich mit dringlichen Aufforderungen nach Prag, Mährisch-Ostran und Warschau gewendet bat, die Belieferung Oesterreichs mit Kohle' gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages vonSaint-Germain durchzusühren, wobei die b'ezeichneten Regierungen das Hauptaugenmerk auf die Erhöhung der Produktion nnd die Beistellnng von Waggon? aus der aemeinsamen Liqnidationsmaffe zn legen haben/ Man. hofft, daß der Kohlenreferent im Staatsamte für Verkehr, Hofrat Kloß, dessen Rückkehr für Ulittwoch hier erwartet wird, bereits heute in der Lage sein wird, der Rcgienmg zu berichten, daß die Belieferung Wiens mit Kohle in entsprechendem Ausmaße erhöht werden wird, wobei aber das Hauptaugenmerk darauf gelegt wird, daß eS sich nicht?un eine vorübergehende aushilfsweiff. Steigerung der Vellsfernng, sondern um eine dauernde r handeln muff.