Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 242 (21.9.1919)
- Date
- 1919-09-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Men, Sonntag Wiener Morgeuzeitmrg 21. September ISIS Nr. 242 ft Wie der Weltkrieg beschlossen wurde.!. W ie n, 21. September. Nachdem schon in den letzten Tagen in einigen Diener Blattern genaue Darstellungen des MimsterrateS vom 7. Juli 1914 veröffentlicht worden waren, in dem der Krieg gegen Serbien beschlossen wurde, tritt jetzt das Aeußere Amt ^nit einer Sammlung diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges vor die Bevölkerung. 6s magfüglich bezweifelt werden, ob die dlufwerfung der Schuldfrage im gegenwärtigen . Augenblick von Vorteil ist und ob ihre restlose Deantj Wortung durch solche Publikationen möglich ist. Sicher ' aber ist. das; geraoe durch den heutigen Schritt des Auswärtigen Amtes die seinerzeitige gemeinsame Re- . gicrnng in einer Weise belastet erscheint, daß man den Mangel eines ausreichend kontpetenten Gerichtshofes schwer, empfindet. Die Veröffentlichung, welche das bekannte Bercbtoldsche Rotbuch ergänzen soll, stellt mit der vollen Wucht einer öffentlichen Anklage dieSchuld der Clique Stürgih, Bilinski. Berchtold, Tisza, 8krobatin an dem Entschlüsse fest, Serbien mit Krieg zu über fallen. Diese Männer haben die Völker Oester- . reich-Ungarns wissentlich in den Krieg gejagt, sie haben - vor gan; Europa von der Schuld der serbischen Regie- ■ rnng Qit der Ermordung Franz Ferdinands gesprochen, obzwar ihr eigener Beamter, der Sektionsrat Wiesner, ausdrücklich die Unschuld der Belgrader Regierung festgestellr hatte. Die entscheidenden Besprechungen der österreichisch-ungarischen Minister, welche das bekannte Ultimatum an Serbien beschlossen, sind in einer Weise vor sich gegangen, als ob es sich um die Vorbereitung eines Kaisermanövers handelt. Widerstand leistete anfang ich nur Gras Tisza, aber auch er war der Meinung, man müsse gegen Serbien energisch einschreiten und die Welt gewissermaßen bluffen. Und jene adeligen Herren, die die Wissenschaft von der Politik und der Diplomatie gewissermaßen als ihr Privateigentum gepachtet hatten, sind in den Krieg gezogen, ohne sich darüber zu versichern, was Italien, Bulgarien und Rumänien dazu sagen würden. Sie haben gemeinsam mit Deutschland den Ueberfall auf Serbien vorbereiwt. Das Auswärtige Amt konstatiert ausdrücklich, baß Deutschland den Text des frechen Ultimatums 24 Stunden früher erfahren hatte als die anderen Mächte. Hätte Deutschland in diesen 24 Stunden den Krieg verhindern wollen, so hätte es dies tun können. Freilich saß auf dem so ungeheuer wichtigen Posten des Berliner Botschafters der Graf Szögyeny-Marich, ein schwachsinniger G^eis, der nicht die geistige Potenz besaß, die Wichtigkeit der ihm erteilten Aufträge zu j erkennen. Aber man war in Wien schon durch ftühere Miitrilungen des deutschen Botschafters und durch einen Briefwechsel zwischen den Kaisern Franz Josef und Wilhelm dessen sicher, daß das Bestreben Wiens,Serbien zu verkleinern und die russischen „Einkreisungsteudenzen" zu zerstören, auf die verständnisvolle Sympathie der Berliner Weltbeherrscher stoßen werde. Diese russischen Emkreisungstendenzen, von denen Kaiser Franz Josef am 5. Juli sprach, such übrigens eine ganz neue Terminologie in der an Fälschungen so reichen Äusdrucksweisen der paar Männer, die das Weltunglück erzeugten. Bisher nämlich hat man immer nur von einer englischen, gegen Deutschland gerichtete» Einkreisungspolitik gesprochen, -als deren Urheber man stets «Eduard VII. hezeichttete. Seine Pläne habe dann, so wurde weiter gelogen, Sir Edward Grey übernommen, dem die k. k. Schulbücherromantik die Rolle eines Mephisto zugewiesen hat, der den braven Faust Berlin-Menscher Abstammung zur Hölle führen wollte. Und doch stellt die Publikation des Staatsamtes für Neußeres gerade das Wirk« Sir Greys im hellsten Lichte der Geschlchte als ein auf die Erhaltung deS Friedens gerichtetes Streben hin und nimmt von den Schultern dieses Mannes viel von der Schuld, die eine geschäftige und bestochene Presse auf ihn gelegt hat. Die Publikation deS Auswärtigen AmteS ist eine sehr wertvolle Ergänzung zu den Aktenstücken, in denen Kurt Eisuer die Schuld des HohenzollernschenKlüngels erwiesen hat. Wir stehen noch viel zu nahe den Ereignissen des Krieges und sind durch seinen Verlauf ttttb durch sein Ende viel zu sehr mit den Sorgen um das tägliche Brot befaßt, als daß wir heute Muße hätten, Betrachtungen darüber anzustelleu, wie es hätte komme« können. Aber es ist gut, daß wir es uns immer und immer wieder sagen, daß ein solches Unglück nie mehr kommen darf und daß die Möglichkeit beseitigt werde» muß, baß eine Haudvoll Menschen, deren geistige Kraft unt:r der von Bierbankpolitikern bleibt, über daS Schicksal der Welt richten und raten darf. Die Völker müssen sich zusarnrnentun, um solche Bestien unschädlich zu machen. und der Geheimdiplomatie, in welchem Gewand immer sie auftreten mag, den GarauS zu machen. Dann wird die Welt den Frieden sichern können. £a>? Staatsamt für Aeußeres veröffentlicht ,L5ip lo- Mlitische Aktenstücke zur Vorgeschichte beS Krieges 1914. Ergänzung und Nachträge zum österreichisch »ungarischen Rotbuch, I., 28. Juni bi» 23. Juli 1914." Die mitgcteilten Dokumente erscheinen in textlich genauer Wiedergabe ihrer Vorlagen. Bearbeitet erscheint bas Gesamt auf die Entwicklung der Krise bezugnehmende Material. I t-)leich;eiiig werden weitere Veröffentlichungen, Und zwar ein 1 .'öeft nut beit Dokumenten von der Uebergabe des Ult ima-;iun-) tu Belgrad bis zur Kriegserklärung an er f) ic u -.'2. bis 88. Juli) und ein Heft mit den Äktenüüf>eu bi’ v.un Ho. August (daS ist bis zur KriegserNürung btt Monarchie an. Nelateu) angeküudigt. Den Anfang der Dokrtmentenreihe bildet eine im k. u.?. Ministerium der Aeußern verfaßte Denkschrift über die e n r o p ä i s ch e Lage, dis am 5. Juli mit einem Hand schreibe.« Kaiser FranziJosefs an Kaiser Wilhelm in.Berlin überreicht wurde. Der Hauptsache nach weist sie auf die unerläßliche Notwendigkeit der Klärung dies Verhältnisses Oesterreich-Ungarns zu Serbien und zu Rumänien hin, bas als höchst unbefriedigend und gefahrdrohend geschildert und' auf russische EinkretsungStendenzen zurückgeführt wird; als erforderlich bezeichnet di- Denkschrift ein Büttbui8 mit Bulgarien. dessen Bekanntgabe in Bukarest .Rumänien von der schon weit gediehenen Annäherung an Rußland zurückbringen könnte. Die Denkschrift, die e ben fertiggostellt war, als d ie furchtbaren Ereignisse von Sarajevo ein traten, schließt mit den. Worten: „Um so gebieterischer tritt an die Monarchie die Notwendigkeit heran, mit entschlossener 'Hand die Fäden zu zerreißen, die ihre Gegner zu einem Netze über ihrem Haupte verdichten wollen." In seiner aus Bor nHolm den 14. Juli 1914 datierten Antwort erklärte sich Kaiser Wilhelm bereit, die auf Vereitlung eines neuen Balkaubundes unter russischer Patronanz und mit der Spitze gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Politik der österreichisch-ungarischen Regierung nach Tunlichkeit zu fördern. Schon früher, am ü. Juli 1914, hatte der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin, Graf Szögyeny an Grgf Berchtold über eine Unterredung mit Kaiser Wilhelm berichtet, in der dieser unmittelbar nach Lektüre des erwähnten Handschreibens und der Denkschrift die deutsche, Unterstützung für den Fall, daß Oesterreich-Ungarn eine,kriegerische Aktion gegen Ser bien, für notwendig halten sollte, zusagte. Was die Stellungnahme der deutschen Regierung anlangi, hatte Unterstaatssekretär v. Zim mermann am 4. Juki dem Grafen Szögyeny geraten» an Serbien keine demütigenden Forderungen zu stellen. Der Reichskanzler, Herr v. Bethmann-Hvllweg» erklärte dem Botschafter am 6. Juli, eS sei Sache der Monarchie, z» beurteilen, was zu geschehen habe, um ihr Verhältnis zu Serbien zu klären; der Botschafter meinte auch f e ft ft e 11 e tt zu können, daß der Kanzler ein sofortiges Einschreiten gegen Serbien als radikalste Lösung der Schwierigkeiten Oesterreich-UngarnS am Balkan anseh«. (Der Botschafter war damals schon schwachsinnig. Die Red.) Die Beratung der diplomatischen Mtiort gegen Serbien bildete den Gegenstand des Ministerrates für gemeinsame Angelegenheiten am 7. Juli 1914. Graf Berchtold trat für eine „radikale Lösung" und „ein energisches Eingreifen" ein. Der österreichische Ministerpräsident» Graf Stürgkh bracht« zur Sprache, daß nach Ansicht' des LandeSckefS für Bosnien die durch die großserbische Agitation tn DoSnwn entstandenen Schwierigkeiten nur dann durch Verwaltungs- Maßnahmen im Lande selbst behoben werden könnten, wenn die Monarchie einen kräftigen Schlag gegen Serbien führe. Wenn nichts geschehe, würde er, Graf Stürgkh, die südslawischen Provinzen der Monarchie für verloren 'halten. Er stimme mit Graf Berchtold darin überein, daß durch einen diplomatischen Erfolg die Situation in keiner Weise gebessert werden könnte. Auch der gemeinsame Finanzminister, Herr v. Bil in skr, stand auf Serien deS Grafen Berchtold. Ebenso erklärte der k. u X Kriegsminister. Ritter v. K Lolbat in, daß ein bloßer divlomatischer Erfolg keinen Wert hätte, da er nur als Schwäche ausgelegt würde. Der ungarische Ministerpräsident 'Graf Tisza dir in einem Vorträge an Kaiser Franz Josef vam 1. Juli eine diplomatische Aktion auf dem Balkan einem Kriege mit Serbien vorzog, für den er den Augenblick und die internationale Lage nicht als günstig genug ansah, erklärte in diesem Ministerrat, daß sich die Lage in den letzten Tagen durch die in der Untersuchung der Sarajevoer Mordtat festgestellten Tatsachen und die Haltung der serbischen Presse geändert habe. Er empfehle jedoch, mit einer kriegerischen Aktion zurückzuhalten, wogegen Graf Berchtold einwendete, es sei deine Zeit mehr vorhanden, eine günstigere Situation abzuwaeten: man müsse mit der Tatsache rechnen, baß von feindlicher Seite ein Gntscheidungskampf gegen die Monarchie vorbereitet werde. Graf TiSza verlangte, daß man etst mobilisiere, nachdem konkrete Förderungen an Serbien gerichtet und diese zurückgewiesen, sowie ein Ult imatum gestellt worben seien. Graf .Berchtold schloß die Debatte mit der Erklärung, daß auch TiSzaS Vorschläge aller Wahrscheinlichkeit nach zu der von den übritzen Mitgliedern der Konferenz für notwendig gehaltenen kriegerischen Auseinandersetzung mit Serbien führen würden. Ein vom 13. Juli datierter Bericht des nach Sarajevo entsendeten SektionSrate» Ritter v. Wie Sn er an das k. u.!. Ministerium de- Aeußern betont, daß eine M i b» Wissenschaft der Belgrader Regierung an der Leitung des Sarajevo» Attentates oder dessen Vorbereitung durch nicht» erwiesen oder auch tue vt vermut«» sei. Vielmehr bestünde« Anhaltspunkte, die» als ausgeschlossen anmsehen. Wohl aber sei daS Attentat in Belgrad beschlossen und unter Mitwirkung serbischer Staatsbeamter vorberettet worden. Auch feien die bosnischen Zivil- und Militärbehörden überzeugt, daß die groß serbische Propagandain Bosnien von Serbien aus unter Förderung und mit Wissen und Billigung der Aelgrader Regierung betrieben wurde. In dem Ministerrate vom 19. Juli wurde der definitive Text der an Serbien zu richtenden Rote seftgestellt. Graf Berchtold konstatierte die erzielte vollständige Einmütigkeit in «Neu Frage». Gras TiSza hatte inzwischen seine Bede nie« falle« gelassen. Auf seinen Antrag wurde jedoch beschlossen, sofort bet Beginn d«S Kriege» den fremden Mächte« zu erklären, daß die Monarchie keinen Eroberungskrieg führe und nicht die Einverleibung des Königreiches beabsichtige. Bemerkenswert ist, daß Graf Berchtold schon vor der Ueberreichung deS Ultimatums in Belgrad damit rechnete, daß Italien die Aktion gegen Verbien zum Anlaß von KompensattonSforderungen nehmen könnte und den österreichisch-ungarischen Botschafter in Rom instruierte, wie solchen italienischen Forderungen entgegenzutreten sei. In Berlin war man, wie aus einer in der Sammlung mitgeteilten Unterredung des Grafen Berchtold mit dem deutschen Botschafter tn Wien, Herrn v. T s chi r s ch k y, hervorgeht, über die Haltung, die Italien im Falle eines Krieges gegen Serbien einnehmen würbe, schon in diesem Zettpunkte seh r besorgt. Die oft erörterte Frage, ob Deutschland an der Abfassung des serbischen Ultimatums beteiligt gewesen sei, erfährt ihre endgültige Klärung durch ein Schreiben de» Grasen Szögyeny an Berchtold vom 81. Juli. Der Botschafter empfiehlt darin dringend, dem Berliner Kabinett die Ultimatum-Note früher als de« anderen Kab inetten mttzuteilen, um die Verstimmung zu vermeiden, „die dadurch entstehen könnte, daß wir durch gleichzeitige Bekanntgabe unserer Note an Serbien an alle Kabinette. daSteuiae Deutschlands, unseres BundeSaenotten. auf die gleiche Linie mit den Regierungen der anderen Großmächte stellen würden". In der Tat erhielt dann Herr , von Tschirschky dieNote nur ungefähr 34 Stunden früher, als sie den übrigen Kabinetten zur lkenninis gebracht wurde. Uebec ihren Inhalt wurde aber auch Dir Edward G r e y vorher in vertraulicher Weise informiert. Aus einer Unterredung mit dem deutschen Staatssekretär des Aeußern, Herrn v. Jagow, teilt Szögyeny in diesem Schreiben mit, der Staatssekretär habe ihm klar zu verstehen gegeben, baß Deutschland zwar unbedingt hinter der Monarchie stehen werde, daß eS aber für hie deutsche Regierung gerade aus diesem Grunde von vitalem Interesse fei, beizeiten darüber informiert zu weroen, „w o ckin unsere Weg e führen" und insbesondere. ob eine provisorische Besetzung serbischen Gebietes oder eine Aufteilung Serbiens beabsichtigt sei. Gleichzeitig mit dieser Publikation erscheint in einem Wiener Verlage eine quellenkritische Darstellung der unmittelbaren Vorgeschichte der Jnternationa'en Konflagrativn deS Jahres 1914 unter dem Titel: Das Wiener Kabinett, üpb die Entstehung des Weltkrieges, besorgt mtt (Si> mächtigung deS Leiters des österreichischen StaatSamteS deS Meußern auf Grund aktenmäßiger Forschung von Doktor Roderich Gootz. DaS wesentliche Ergebnis, zu dem der Autor dieser Studie gelangt, besteht in einer exakten Darstellung der Behandlung, die die von Berlin weiter geleiteten und energisch befürworteten englischen Bermtttlungsschritte in Wien erfahren haben und in dem daraus abgeleiteten Nachweis, daß die deutsche R e g t e E u n fl, bie anfänglich eine energische Aktion der Monarchie gegen Serbien gutgeheißen batte, dies in der Voraussetzung tat» daß aus dem österreichifch-ungarisch-serbischen Konflikt kein Weltbrand entstehe und daß sie in ihrem darauf gerichteten Bemühen von Wien aus werde unterstützt werde«, ferner', daß die deutsch« Regierung ihrerseits die englische» Vermittlungsversuche auftichtig und mit größtem Nachdrucke in Wien unterstützte und daß Hie Schuld an der Erfolglosigkeit der englischen Bemühungen nicht ihr zufällt. Schließlich. daß und in welchem Grade der österreichisch-ungarische«. Ldegierung ein Anteil an dieser Schuld zuzuschreiben ist. WaS die anderen Mächte anlangt» bestätigt die Publikation die e r n st l i ch e Friedensliebe Sir E d w a r b G r e y 8 und liefert aus der Entstehungsgeschichte der österreichischungarischen Akten, der Zeit ihrer Abfassung und Absenkung die Erklärung für die besonders verhängnisvolle Tatsache^ baß. Grey in ben entscheidendsten Stunden dahin gelangte, an dem Wunsche der deutschen Regierung nach Vermeidung des großen europäischen Zusammenstoßes zu zweifeln. Der Abbau der Zentralen. Im SLaaLsümt für Handel finden gegentvärtiA, wie wir vernehmen, Beratungen über den Abbau der Zentralen statt, die, wie man ännimmt, in absehbares Zeit zu einer Mischung von freier Wirtschaft und Zwangswirtschaft führen werden. Sin weiteres Zögern in dieser Frage könnte angesichts btt Lrvflössen ErnühvungSverhä tuis>e i : W cu t-.vastcophale Folgen nach sich ziehen. Wir dürfen uns nicht wie in der Kvhlenfrage auf nichtssagende Formeln verlassen^ sondern müssen die durch den Krieg hervorgerufenett . Einschränkungen in Handel und Verkehr zu lockern suchen, wie dies von berufenen Vertretern der Bevolle^ rüng wiede^yvct gefordert wurde. Bei den Beratung^ im Staatsamt für Handel wurde, wie das „Neue Wiener Abendblatt" erfährt, die bestehende Devisenpolitik! einer Kritik unterzogen und dieser die Hauptschuld an der Entwertung der Krone zugeschrieben, die uns jede Möglichkeit benimmt, vom Auslände Nahrungsmittel und Rohstoffe zu beschaffen. Auf Grund von nicht einwandfreien theoretische« Grundsätzen werde eine Devisenpolitik eingeschlagen, die für die Entwertung der Krone verantwortlich gemachr werden muß. Deutschösterveich verfügt über gatttz bedeutende Bestände an Waren und Wertgegenständen, di« wir im AuSlande unter ben günstigsten Bedingungen verwerten konnten. Nun aber . schreibt unsere Devisenpolitik vor, daß, wenn zum Beispiel eine überzählige Maschine in bie Schweiz verkauft wird, der Verkaufspreis in Franken entrichtet: und an die Devisenzentvale abgeliefert werben muß. Deutschösterreichische Kronen werden als Kaufpreis nicht angenommen. Der Schweizer Käufer aber sagt sich, wenn bie deutschösterreichifche Krone nicht einmal in Deutschösterreich als Zahlungsmittel angenommen wird, wie minderwertig muß diese LKwne sei»? Wo denn sonst könnte die deutschösterreichische Krone verwertet werden? Diese Erwägvng ist eS in erster Linie, die baztt. geführt hat, daß man sich in der Schweiz um jeden Preis der deutschSsterreichifchen Krone zu entäußern sucht. Nun zeigt aber bie Erfahrung, daß die theoretischen Voraussetzungen» von denen.unsere Devisenpolitik ausgegangen ist, leider nicht zutreffen und man sollte glaube», daß der Tiefstand unserer Krone einen Entschluß, die bisherige Praxis zu verlassen, nicht besonders erschweren könnte. Der Zusammenhang zwischen dem Abbau der Zentrale» und einer Aenderung unserer Devisenpolitik ergibt sich daher von selbst, und man darf behaupten, daß der eigentliche Schwerpunkt unserer furchtbaren Ernährungslage in der Devisenpolitik gelegen ist. ES scheint auch, daß UnterstaatSsekretär Dr. Ellenbogen, der mit dankenswerter Energie an die Frage des Abbaues der Zentralen herangetreten ist, sein Hauptaugenmerk zunächst auf die Aenderung der Devisenpolitik richtet. ES wäre nur von Vorteil, wenn die Regierung auch in dieser Frage ben notwendigen Kontakt mit den Fachkreisen suchen würde. An unsere Leser! Mir bitten all« unsere Leser und Freunde» Zu» schrifteu für die „Wiener Morgenzeitung" nicht an di« einzelnen Mitglieder der Redaktion, sondern nur a» Ala Redaktion («Ifeft tu «dreisteren-