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Wiener Morgenzeitung · 1919-09-18 · Heft 239 (18.9.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 239 (18.9.1919)
Date
1919-09-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 239 Wien, Donnerstag Die Grotzdeutfche« trete« nicht in die RegiernngskoaLitwn ein. Die 'Großdeutsche Bereinigung hielt gestern den tzanzen Dag über P^ratMgen ah, hie noch heut« und urorgeu andauern werden. Fn den gestrigen Verhandlungen befaßte man sich zuerst mit Hern Friedensverirag, dann mit dem Anschluß Westungarns. Schließlich wurde ein« allgemeine politische Debatte auf breiter. Grundlage ab geführt. Fn der Beratung gelangte hie Anschauung zum Ausdruck, daß die gegenwärtige Negierung verpflichtet ist, bis zur Ratifizierung H«8 Friedensvertvages iw Amte, zu verbleiben, derrn sie war es, die die Friehensperhandlungen in Saint-Germain führt«'und-daher auch ab warten müsse, bis hie Ratisi- -cherung erfolgt ist. Ayer selbst dann mühte, falls man wirklich hie Mitarbeit der Großdeutschen in der Regierung wünsche, ein anderer Kurs in der Regrerungs Politik Platz greifen Dre Großdeutsche Verewigung steht nämlich auf dem Standpunkt der Gesetzlichkeit und es müßten daher auch Garantien geschaffen werden, wvnackf alle Bürger des Stratrs seren es nun Beamte Arbeiter Bürger ufw-, hie.gleichen Rechte -haben unh daß -einerlei Uebergriffe von irgendeiner Seite erfolgen. EinKoasikionssystem, wie das der tetzigen Regierung, m dem zwei große Parteien arbeiten, dre g-emernsam dre Verantwortung tragen, dre einzelnen Verfügungen der Regierung aber wieder nicht beachten und in ihrer Presse bekämpfen, bietet für die Großdautschen keinen Anreiz zum Eintritt-. Will'man also die-Mitarbeit der Großdeutschen, muß man schon eine klarere, offenere und gerechtere Politik machen, als dies heute der Fall ist. Liegt ein diesbezügliches Programm -vor, dann werden sich die Großdeutschen diesem nicht entstehen, und werden dazu Stellung nehmen müssen. Spaltung bei den ChrisMchsozialen? Nach den Meinungsverschiedenheiten in der sozialdemokratischen Partei treten nunmehr auch die Gegensätze innerhalh der christlichsozialen Partei etwas schärfer in den Vordergrund. Die ehemals so einheitliche Partei Dr. Luegers ist nunmehr ziemlich deutlich, chr drei Gruppen geschieden, deren Führer M a t a j ö, Dr. W e.i s- Kirchner und Prälat Haufe r sind. Die Partei Matajas stellt gleichsam den äußersten rechten, o p p o s i.t i o n e l l st e n Flügel dar. - Die Bauernvertr et er sollen, durch die Abneigung der agrarischen Schichten gegen die gegenwärtige Regierung bewogen, separatistische Bestrebungen an den Tag legen. Dies ist nicht allzu wahrscheinlich, da Prälat Hauser geradezu als der Pfeiler der Koalition bezeichnet werden muß. während, wie bemerkt, die. Städtevertreter, besonders die Anhänger Matajas, eher gegen dys politische Zusammenwirken mit den Sozialdemokraten eintreten. Zn einer Spaltung iw der christlichsozialen .Partei dürfte es jedoch schon aus dem Grunde nicht kommen, weil die Partei zu gut weiß, wie wichtig das Zusammenhalten besonders bei den Jyahlen ist, und weil bei einem einmaligen Bruch zwischen Agrarier und städtischen Klerikalen die neuerliche Vereinigung sehr in Frage gestellt würde. Auslösung dev deutschböhmifchen Landesregierung. Wie die „B o h e m i a" meldet, wird in der nächsten Woche als Folge der Unterzeichnung des Fried cnsvcrtrages durch Deutschösterreich die Auslösung der deutschdöhmischen Landesregierung erfolgen. Die Autlösung.wird in feierlicher Form am Sitze der dmtschböbmischen Landesregitzmng -7im Parlament.— staitfiriden. Die Beamten der deulschdö brutschen Landesregierung, zirka 80 an der Zahl, werden mit Ausnahme eines einzigen Herrn, dar nach Böhmen zurückkchrt, um sich der polülscheu Laufbahn zuzuw/nden, in dm deutschösterretchischcn Staatsdienst Meruymmm und teüs in W t e n, teils in Linz und Salzburg den politischen Aemtern zügeteilt werden. Der Landeshauptmann Dr. L o d g m a n bembt sich nach Böhmen und wird dort weiter politisch tätig sein. lmndcShqnptmannftellvertreter Dr. Langenhan behält seinen Wohnsitz ut Wien. Frledensvevhandlnngett Mischen Rußland Md den nördlichen Randstaaten. Laut einer Meldung aus Litauen haben auch die lettische und finnische ebenso wie auch die estlänoische Regierung von der Sorvie 1 re g i erung ein Friedensangebot erhalten, T s ch it s ch erin betont, daß die Sowietregierung keine Angriffs absichten aus die Rqndstaaten habe. Et bestätigt zugleich, daß die Friedensverhandlungen mit der estnischen Regierung schon begönnernhaben. Die Friedensangebote der Sowietregierung werden allgemein dahin gedeutet, daß die RäteregieruNg sich lediglich für die Winterszeit eine Erleichterung schaffen will. Im allgemeinen ist die S t \ Ht tn uttg jedoch für eine Annahme her Friedens- *ang e b o t e der Räterepublik. Das englische Regierungsprograinm. L-oMmt» 17. Soptsmber. fTel.-KvmP.)' Otzß-ern würde in mehreren MillibIen Ex^rplaren eine Flugschrift. verbreitet, in der Vers ch .te d e n e M i ti i fl i t ihre Ansicht über die Zukunft des britischen Volkes und die politische Lage bekanntgebeü. Das Negierungsprogra tum, das im Herbst nach dem Ende der Parlamentsferien .zur Verhandlung gelangen wich, sieht vor: t. Arbeit: MaximalarbeitsWoche von 48 Stunden sttr das ganze Land, angemessen« Löhne für alle Arbeiter, MilbesümimutgSrvi'hl aller Arbeiter br.i der ■ pMizM Sutra* _Wiener Morgeuzeitimz 18. September 1919_ Seite 8 Die Entente gegen d'AnWnzio. Vueenri, 16. September» (Meldung des Korr.-Bur. Laibach.) Die Kommission bev Alliierten-Kommandantsn in Ahbnzia hat Heute früh beschlossen, daß alle alliierten Truppen sich ans hi- Kriegs schisse begeben. Äie Ausständrschen marschieren in der Richtung nach Martiniseia» östlich v o n F i u m e. Ferner wurde beschlossen, datz alle Italien treuenTr uppen Fiume v erlass en, wo nur die Aufftanvischen, etwa 350« Mann an der Zahl, mit zwei 10-ZentimeterMMerien verbleiben. Alle Kriegsschiffe der Verbündeten Verließen den Hafen nnd richteten ihre G e s ch ü tz e a« f h i e Gt a d t. Sobald das ganze Heer der Verbündeten den Hafen verlassen haben wird, wirb den Aufständischen ein U l t i m a t« m gestellt werden, daß fie binnen 24 Stnnden Fiume Zn' Verlassen haben. Wenn die Meuterer das Ultimatum nicht befriedigenbeantworten sollten» so wirmit alle« zur Verfügung stehenden Mitteln, das heißt mit Waffengewalt oder Hunger, gegen die Meuterer eingefchritten werde«' Die Brigade „Regina" wird zu den rsgisrungstreuen Truppen gezählt, hoch bemerkt man, datz auch sts den Aufständischen geneigt ist. Diese Brigade soll «ach Suschak abgehen, um die Demarkationslinie zu bewachen. Sie wird zwischen den Jugoslawen und hen Meuterern Ausstellung nehmen. ' Gerls, 17. September. (Korr.-Bur.) DieKainnler setzte dis Diskussion über den Friedens vertrag fort. C lernen tel legte di« wirtschaftlichen Bestimmungen bar und fragte, daß es ungerecht' wäre, Deutschland denn siegreichen Mächten gleichzu stellen, so lange diese yichr wiederhergestellt seiep. .Andererseits 'hätten''dir Alliierten-beschlossen, nicht einzeln mit Deutschland zu verhandeln. Frankreich habe die wirtschaftliche Unabhängigkeit wiedererlangt, die ihm der Frankfurter Vertrag genommen habe. Clementel stellte fest, daß das praktische Ergebnis der. Freiheit vörörst eine Hausse der Rohstoffe sei. , ' Barthou fragt, ob. die Kurse forisahren werden, zum Schaden Frankreichs zu steigen. Kloantwortete, daß, als die Freiheit der Ein- und Ausfuhr wiederhergeftellt worden sei, die Regierung darauf aufmerksam gemacht würde, baß die 'Disftrenz zwischen Ein-, unh Ausfuhr notwendigerweise ein Mißverhältnis der Kurse herbeisühren müsse.- Redner bemerkte schließlich, daß es'notwendig.fei, die nationale Produktion zu erhöhen. Clementel verzeichnetze eine Verbesserung im Wellfrachtenverkehr. Er bemerkte, daß die Führer der nationalen Industrie sich die Aufgabe.stellen werden, die Lage zugunsten-Frankreichs z-u gestalten,, namentlich in Amerika- Dev Minister erklärte, foaf3- Frankreich eines der öestgestsllten Länder Europas -sei und sich rasch wWvr zu Molen' vermöge. Alle Rohstoffe würden in dsu. franzöfischen Kolonien erzeugt/ das. französische Kapi-tat müsse ^-zukHüftig, < anstatt ins - Äuslanb zu lMtcherlr/^sur'- EnWMmtg dsv - Moduktion Hvankreichs und seiner Kolonien dienen. Andererseits werde die Möglichkeit vorhanden sein, in Deutschland billige Er». zeugnisse zu kaufen. Der Minister schloß mit einem! Appell an den Geist der ^Disziplin der Industriellen, sich in diesem Sinne, zu betätigen. -Biviani sagte, daß die Größe des Friedens-. Vertrages darin liege, daß er auf der Freiheit begründe^ sei. Er erklärte sich mit Vorbehalt van den meisten Bedingungen des Friedensvertrages befriedigt.- Die Rheingrenze hätte die Ueberwachungvon sechs Mil-. lionen Menschen der Rheinlande erfordert, von wo auK schlimme Schläge geben Frankreich h-ättsn pusgeheni können. Ära Sembat erklärte gr, daß FrcmKeWhj Derttschland ein Beispiel der Freiheit Mieten tnü#; Redner ist beköstigt über diejsnigen, die glauben, daß Deutschland, plötzlich, trotz der Mnürslle der Miierten> ,. Millionen von DöänEN auföveten könne, tund fügse - hinzu: Können Sie sich vor stellen, daß angesichts de^ großen England und des großen Amerika Deutschland eswagen könnte, Frankreich herauszufordern? Er glaube ebensowenig an den Einwand der Langsamkeit des amerikanischen Kongresses. Hinsichtlich der Kontrolle sagte Viviani, daß Artikel 26 Frankreich erlaube, zu verlangen, daß der Völkerbund stets zu beobachten habe, was in Deutschland vorgehe. In Besprechung der wirtschaftlichen Lage Frankreichs verlangte er, . daß die Finanz-abkommen des Völkerbundes verwirklicht würden. Schließlich forderte Redner von den ^Alliierten, daß sie das auf dem Schlachtfeld siegreiche Frankreich nicht am Tage, nach dem' Frichensschlusse auf dem wirtschaftlicken SckilaLtfelde oltne Lilke üeüen lalseu. MnslntßynärE Umtriebe in England. Eine arrfgedechte Verschwörung. Ä m st e r d a m, 17. September. (Korr.-Bur.) „Allgemeen Handelsblad" berichtet ans London: Der Regierung sind Beweise für die Existenz einer Verschwörung ln die Hände gefallen, hie von Anarchisten n n h A r b e i t e r n angezettelt ist nnd den Zweck verfolgt, revolutionäre S tr ei ks zu or g anisiereu und Gewaltmethoden in Anw e n d n n g z « H r l N g e n. Im Mittelpunkt dieser revolutionären Organisation, die die Absicht hat, mit Hilfe des p o! IH schen Mordes sich selbst der RegierungSgewalt zn bemächtigen/ steht die MchystMtz Workers FörLsvation, die jetzt von der Polizei verboten wurde. _ Erlglisch-russifchs Friedensverhandlungen? - Paris» 16. September. ^Journal des Debats" veröffentlicht einen Artikel von Viktor Toporow bezüglich des den Bolschewiken seitens Englands äuge b o t e n s n Friedens. Lenin habe eingewilligt, eine konstituierende Nationalversammlung einzuberufen. Toporow meint, eine von Lenin einbernsene Konstituante würde keine Bürgschaft bietSn. Das Blätt bestätigt, datz die Bolschewiken dem Ukrainischen Oberkommandanten P e t l fn r a Friedensvorschläge gemacht haben. — „Figaro" erfährt, Denikin wolle seinen a r s ch nach Moskau" erst dann fortfetzen,' wenn er die g anz e A kraine besetzt haben wird. essen an ber Arbeit, M-aßrmhmen gegen di« Arbeitslosigkeit, Ausdehnliug b-er BennittlungZtätigkeit bei ArbeitskÄnflikten, bessere Wohnungen' und gute Transportmittel. . - 2. Kohlenbergbau? Verstaatlichung der Bergwerke, Erhöhung der Verkaufsp.reis«, zunr.Vorteil der sozialen Verbesserungen in den Bergtverksdistrikten, Reorganisation und sparsame Verwalmn-g der .Grubenve.rtxetungen, NhchtaHrn« von Arbeitl'im w die Kontrollräte der Minendistrikte, sofortige Gründung einer Kont« Mission für dis Steinköhlettsörderuttg. 8. Handelspolitik: Freie Einfuhr aller Artikel mit bestimmten Ausnahmen vom -1- November! dieses Hahres an, keine Regierungsuntrtstöhung für Unternehmungen, öi0 im Aüslande arbeiten, Maßnay meu gegen die U«bersch wemung mit' a n Kl ä n d i s ch e n W ä r e n, Schutz besiiiumter Hausrndnstztien, di? in iien, notwendige erzeugen, dercu H.-.rsteltu»»g im Mlaude.nicht AMügsnb MswArM Mutz Mer. IÄuMen, Li« während des Krieges gebildet worden sind und die jetzt vhuei Schutz zugrunde gingen, Kontrolle der Gewinn^ die diese Industrien erzielen, Ausdehnung des technischen Unterrichtes auf all« Klassen der Br« dölkerung. Eine amtliche deutsche Stimme über die polnische Frage. MK«, 17. September. Zur polnischen Krag« wird i«| der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" ausgeführt, daß die polnische Regierung nicht in leichter Lage hi, weil sie ben* nationalistischen Parteien, besonders der Posener Rechten, - in der Vertretung nationalistischer Interessen nicht ftqrk genug erscheint. Deutschland braucht seine Haltung gegenüber Polen nicht zu rechtfertigen. Es will nichts anderes als das, waK der Friedensvertrag, den Deutschland und Polen ünterschrieben haben, ihm einraumt. Wenn an Stelle der Streitsucht und fortgesetzten Hetze ruhige Ueberlegung und der Wunsch zn fachlicher Auseinandersetzung sich dnrchringt, so wird Polen, g'.ikh Deutschland bereit finden, di« Verhandlungen tviedeu nusztwehmeu. ■ riwJti.Bii ^Vli i,

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