Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 235 (14.9.1919)
- Date
- 1919-09-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ' Wien, Sonntag Me««e Movge«-ekiu«A - .—. vt->. . —-» - -- 1 ' ■' - |"1 YWti« i-taai'A.-mM »-rwiy.-nTr.iw rfgtffiH Die Ernährung. Der Marktbericht. : Ge litt« boten so ziemlich alle Markte ei« etw<is ' sremchlicheres Bild, doch hieltm die Vorräte auf allen Marktgebieten infolge der außerordentlich starken.Nachfrage nicht lange arn . .. , In der Großmarkthalle waren bte Vorräte an Spcc^ itttb Selchstersch mn 8 Ahr vormittags geräumt, auch Geflügel, von welchem cs gestern über 1000 Kilogramm gab, war um' diese Stunde wicht mehr zu haben. Kalbfleisch fehlte gestern gänzlich. G e ru ü s e war gestern so ziemlich ausreichend vertreten. Auch die Auswahl war etwas größer, da von dm Abendmärkten verhältnismäßig günstige Zufuhren' eingetroffen sind. Weißkraut kam in etwas größeren Mengen an, auch Paradeiser befanden sich vnter den auswärtigen Zufuhren. Das O b st a n g e b o r bestand der Hauptsache nach wieder nur aus Acpfeln und Birnen, Preiselbeere« und Himbeeren sah man hie und da in ganz kleinen Mengen. Sehr schlecht war es gestern.nm die Fischm 8 r k t e bestellt, die nur über geräucherte Adriatische verfügten. Eier waren aus nahezu allen Markten, aber nur in stemm Mengen zu haben. Die Mehlsorgen in Böhmen. Prag, 12. September. (Tschecho-slow. Preßbur.) Eine Erklärung des Ministeriums für Bolksernährüng besagt: Der Stand der Mehlversorgung ist sehr ernst, denn mit der erhöhten Vrolquote wird der Bedarf in nächster Zeit auf 250 Waggons täglich in Böhmen. 86 Waggons in Mähren und 29 Waggons m Schlesien anwachsm, zu deren Deckung täglich bloß 120 Waggons Betreibe in Böhmen abgeliesert werden, während tu dm anderen Ländern das Verhältnis nicht günstiger ist. Dir Einfuhr von Hereide aus dem Auslände rst m dm letzten Tagen stärk zürückltgangen. Es ist deshalb notwendig, daß der beschleunigten Äüs- «ahlung und dm enrsprechmdeu Abgaben von Getreide das größte Augenmerk zugewendet werde. Abgabe von Schweinefett. Dom 14. bis 20, September Zelangm 12 Dekagramm Schweinefett für den Kopf zur Allsgabe,' o daß auch die Fettkartenabschnitte für nichtrahoniertcs Fett zur Einlösung kommen. Bei den städtischen S.chweinespeckabgabestellen «erdm für die Person 12 Dekagramm Schmalz zum Preise von £ 5.34 gegen,Abtrennung des „^^-Abschnittes Nr. 157 und der »eidm Abschnitte Nr. 157 für nichtrayoniertes Fett der Fettkarte rusgegeben. Organisierte Leibraucher mit lila Meblbezugskartcn. ^halten die Fcttqnote bei der Verschleißstelle ihrer Konsumenten- »rganisativn. Ansere Mehlversorgung.' Da der Mehlbedarf Wiens Dr die Berbrauchswoche vom 21: dis 27. b. M. msolge des »edmtrnden Rückganges der Mehlscndungen aus den Entente-- Änderu und des erheblichen Ausfalles in der Aufbringung der?eimischm, Ernte bisher mcht sichergestellt werden konnte, hat Bürgermeister Reumann über Ersuchen des Staatsamtes für HMernährung 280 Waggons Mahlprodukte ans den letzten Reserven der Gemeinde Wien zur Behebung des augenblicklichen Ikotstaudes zur Verfügung gestellt. Abgabe von Kondensmilch. Zur Verbesserung der Nilchversorgung der Kinder in Wien wird aus den zur Veriügung siebenden Milchkonscrpmvorräten in der Zeit vom 14. bis aim 27. September an die Kinder vom vollendeten 1. bis mm vollendet« 6. Lebmsjahre Kondmsmilch abgegeben. .Jedes Kind vom 1. bis zum 2. Lebensjahre, hat Anspruch auf 3, jedes Kind vom 2. bis zum 6. Lebensjahre auf eine Dose. Dte Ab- °;abe der entfallenden Quote, dte auch in Teilmengen bezogen, «erden kann, erfolgt gegen Vorweisung der Milch karte zum amt- -ich festgesetzten Preise von K5.— für eine Dose. Die Milchabgabeiellen sind verpflichtet, bei jeder Abgabe von Kondensmilch eine »er Zahl der verkauften Dosen entsprechende Anzahl der Tagcsrbschnitte der ,135. und.136. Woche beginnend .mit dem vkontagsabschnitt der 135. Woche — von der Milchkarte abzurennen. R ahrmi ttelzubutze« für Kinder. Vom 17. bis *6. September werden für die Kinder bis zu 14 Jahren, für alle »rer Altersstufen, als Zubuße je ein Kilogramm Haferflocken abtegeben. Haushalte, die unt dem Mehlbezuge bei städtischen llbgabestcllcn rayoniert sind, erhalten die Nähnnittclzubußen für Kinder bei den städtischen Abgabestellen für Kmderzubußen, Mit- Uieber von Berbraucherorgamfationen bei der Verschleißstelle ihrer Organisation. Der Bezug der Zubußen ,erfoIßt für alle vier lllrersstufen gegen Vorweisung der gelben, beziehungsweiselilafarbenen Mehlbezugskarte und Abtrennung des Abschnittes „3" »ec blauen, braunen, rosa- oder lilafarbenen Milchkarte. ' Kfain- »nckaufspreis K 3.40 für ein Kilogramm. Haferflocken und Pferdefleisch für Mindestbemittelte. Jn'der nächsten Woche erhalten alle Besitzer der rosafarbenen Einkaufscheine für Wohlfahrtfleisch ein Achtelkilogramm haferflockeu fürden Kopf des Haushaltes zum Preise von 40 Hellex gegen Abtrennung des Abschnittes 28 in den Geschäften und Standen der Großschlächterei an folgenden Tagen: Samstag.!0. September für A bis F, Dienstag, 23. September, für 6 dis X, Donnerstag, 25. September, für L bis R und Samstag,!7. September, für S bis Z. Außerdem wird die.Abgabe.von. Wohlfahrt fletsch (Pferdefleisch) cm jene Besitzer der rosafarbenen' Linkanfscheine ftattfinden, die in den Ständen 15. Bezirk, Storihengasse, Ntubcmgürtrl, Lvhrgaffe rayoniert sind. Abgetrennt vird der links oben bestndliche, durch eine Rosette gekennzeichnete Abschnitt des rosafarbenen Emkaufscheines. Für jede Person des Haushaltes werden 10 Dekagramm zum Preise von X r— abge-' reden werden. Abgabetage sind dieselben wie für Haferflocken. Lederrymitiekabga-e für städtische Angestellte. An Rahonierte: die vorgeschnebenen Waren, und 1 Ei für btn Kops. An Nichtrayomerte: Aepfel, Tafelsalz, Mohn, Sardellen- -enfl Scheuertücher, ferner Kochkisten, Sparkocher, Chiffon. Schürzen, Knabenanzüge aus Zellblattstoff. — Die Flöridsdorfer Kunden werden ersucht, ihre rayonierten Waren am 15., 16. oder 22. September zu besorgen, da dieses Zweiggeschäft vom 17. bis 20. September wegm Ausbesierung geschlossen bleibt. J Leo« Erdstern. (»Helle Nacht" M Siugstmnne und Klavier, Üniversal-Edition, Wren. — Ztvei ^'Eütden op. 12. F. E. C. Leuckart, Leipzig. — Zwei Klavterstücke op. iS, F. E. C. Leuckart, Leipzig. — - Drei Lieder für Singstimme und Vianoforte op. 14, F. E. C. Leuckart, Leipzig.) Das Beispiel eines Schaffenden, der^ sich ohne die Hilfsmittel des geschäftlichen Betriebes durch die Wirkung seines Werkes allem durchzüsetzerrmreiß». gibt Leon Er d st e i n, ein Künstler, der in Wien seine musikattsche Ausbildung erfahren hat und von hier aus alljährlich eine Anzahl von wertvollen Kompositionen zu seinen deutschen Verlegern sendet, die längst .erkannt haben, wie rasch sich das Gute zu verbreiten pflegt. Es gibt nichts charakteristischeres für seine Art, als die Tatsache, daß man sich seiner gewöhnlich nicht erinnern will, wenn von Meistern des Liedes die Rede ist, Haß aber er es war, der beim Preisausschreiben dK-'-Wiencr Tonkünstlerpereines unter Hunderten von Bewerbern den ersten Preis davontrüg. Das gekrönte Lied „Helle Nacht" gelaugte dann freilich zu größter Popularität, Erdstcin stammt noch Ms der Schule Doors uud Iah. Nep. Fuchs, als-deren Schüler er ' schon mit seinen Arbeiten Aussehen erregte.-Eine große Zahl von Klavierwerken, die zu den besten Bereicherungen ber jtioberttett .Literatur für dieses Instrument gehören, ein dickletlnLer.'Band von Liedern und zahlreiche Kämmcrmusikwerke enthalten feine bisherige schöpferische Tätigkeit. (Daß er auch ein Bühnenwerk vollendet bat, - ein musikaltfches Lustspiel, das sich' Hettbergers' „Opernball" ' an Fetnhett des Humors und Kiiltiviertheit des Stils an die Seite stellen darf, sei in Parenthese verraten.)/ Dte beiden Terzenetuden op. 12 zeigen die pädagogische Seite, des-Kontponlsten, wahrend die Klavierstücke- „Präludium" und „ Intermezzo “ op 13 uns. tiefer ju feine Werkstatt blicken lassen. Das Präludium gehört mit seiner' originellen Harmonik, der schwungvoll geführten Melodie und dem -eigenwillig belebten Passagenwerk zu den besten" Ein-' gcbtmgen Erdstems.' Das oft komponierte ^Glückes genug" hat auch er in Mltsik gesetzt, ohne vor abträglichen Vergleichen fürchten -zu müssen, „Dämmerstunde"- ist nach Art des Cornelius'schen Liedes „Ein Ton" über' einem durch gehends scstgehaltenen 5 komponiert. -Das letzte der neuen Lieder „Aa>, wenn cs -nur die Mutter tvüßt'"- äst wegen seiner Sang-- und Dankbarkeit jeder' Sängerin - aufs wärmste zu eurpfehlen, wie Erdstein überhaupt eine regere -Anteilnahme der Oeffmtlichkeit verdienen würde. : ■ ' M.. Aus den Theatern. E Der Spirlplan des Burgtheaters in der kommenden Woche ist wie folgt.fcstgesetzt-:^Heute: „G h g e s u n d s e r n Rin g". Anfang-lkrl Uhr. — Montag, den.15. d. M.: „D i e Fahrt i n § B l ä u e".' Ansgng 6 Uhr. — Dienstag, den 16. d. M: »l i d e Ä". Anfang 6 Uhr. — Mittwoch, den 17. d. M.: ,A l t - H e i t e t b.-t x g". Anfang 6 Uhr. — Donnerstag, den' 18. d. M.": m Ü iaGalo t.t i". Anfang 6 Uhr. —. Freitag,, den 19. d. M. .: „Rena iss a n-c e". Anfang V»7 Uhr. —Samstag, den 20. d. M., zum erstenmal: „Ein Ges ch l e ch t".-Anfang'7 Uhr: -- Sonntag, den 21. d. M.: „Ein ,JS p.i e l p t a;it -L§ s S ch-o-.n h ntit n e r. Sch l o ß- -. t h e'ä. t e r s".'SoMag, den 14. d. M.: „D'as Kon z. e r 1". Anfang 6 Uhri.' — 'Montag, den" 15. d. M.: „Logik d es Herzen s".' Anfang V,7 Uhr. Dienstag, den 26t d.'M.: „Der W t i b § t c uf'e l". Anfang %U1 Uhr. — Mittwoch, den 17. d. M., und Donnerstag, den. 181 d. M.: „Das K o n z e r t"... Anfang 6 Uhr. — Freitag, heb 19. d. M.: „M i n n a v o n B a r uh e I nt", Anfang 6 Uhr. — Samstag, den 20. d. M.: „Dte M i t s ch u l d i g t u% Von ihm alle Tuge n d". Anfang V27 Ufa:.. Sonntag, den 21. d. M.: „D i e N e uvermahlten", »Der etnge&tlb cte Kranke". Anfang 6.Uhr,; Im W i e n e.r Ko m § d i e n b a u s findet Donnerstag. den 18. d. M/ die'Ausführung von Gnllparzers „M e d e a" mit Irma Strunz * itt der Titelrolle statt. — Mittwoch den 17. d. M., 2 Uhr nachmittags, gelangt „Kabale und Lieb e", -Samstag d.en. 20. d. M... Vs 3 Uhr nachmittags „Trude Le, h nt. a n tt“ zur Wiederholung. — Mittwoch den 17. d. M., 7 Uhr üllends, geht der „G e w i s s e n s w u r m", neu einstudiert' vom Regisseur Karl K n e i d i n g e r. als Sepavatvorstellung^ -des sozialdemokratischen Wahlvereines - des XX, Bezirkes in .Szene. ö Samstag den .20. b. M. sppcht Paul T y n d a l l im mittleren Konzertbaussaal unter dem Titel „Dichtung und Mmschheit" Goethe, Herder, Lessing, Schiller, Holderem. Hebbel und andere. Orgel: Pwf. Lous D i t s. Karten an der Konzerthausfasse und im Bühttenveremskartenbureau!., Franz Joseskat 65. DieDirektion der O pe rteilt mit: Herr Dr. S ch si P P,,e r . ist an einer Angina erkrankt und mußte für hcüte absagem An seiner Stelle wud in der heutigen Vorstellung „M e r--st e rst u g e r" Herr Werner Eng e l den Hans -Sachs singen. Den iür Donnerstag angesetzten „Fliegenden Holländer" singt Herr Dr. Schipper. In der N e.u e.n Wiener Bühne gelangt am Montag den 15, d, M. D i m P f e l zur Aufführung.. von Dienstag'den 16. dis Freitag den 19/d.M. wird die „B ü ch.s e der Pandör a"'gegeben. Am Samstag den 20.d.M. findet die Erstaufführung von Ludwig B i r o s Komödie „D i e geld e Sittestatt. itt allen VreiSiaaen. Reparaturen unter Karantte. Farbt'ändcr für alle Systeme, ersttlässigeö Material. Mitteilungen der „Rohö". Montag den 15. d. M. Z e n t r a l m a g ä z i n, P i a r i st e n g a s s e IS: Abgabe von frischen geleuchteten Eiern und Früchtenmarmelade für die Mitglieder des VU. Bezirkes, »nd zwar von Nr. 1 bis 2000 von 8 bis 12 Uhr und von Nr. 2001 bis 4000 von %% bis 5 Uhr. Bezugskarte für 1919 dorzuweisen. — Magazin, l., N i b e l ungengass e 7; Haselvüfie, Kartoffelwalzgrieß, Sardellenpasta, Sen), Masol und chinesischer Tee von 9 bis 12 Uhr und von 8. brs 5 Uhr. — 1l. Bezirk: Abgabe von Früchtenmarmelade, Kartoffelwalzgrieß, Reibtücher imb Kleinigkeiten von 8 bis 12 Uhr. — IV., V„ XIX. Bezirk: Abgabe von Früchtenmarmelade,, Sardellen in Okl, llteibtücher. Kartosselwalzgrieh und Kleinigketten von 8 bitz 12 Uhr. — X. und XU, Bezirk: Sardellen in Del, Kartoffelwalmrikß, Neibtücher, Kleinigkeiten von 8 bis 12' Uhr. ' — UI., IX.. Xlfl„ XVII. Bezirk: Geschlossen. Leop, Kürzet, Wim, VII., Westbahnstraße 23. ... vs ' Telehpon 31537^ . «os ttolvtN' ei. Oarnenbüte vei-Uen »ach neuest. Mo$e prompt und billigst modernisiert XViri., Währinger Gürtel 2l und VII., JIariahllf«rstras«o ae DIE; NEUE GOLD-EINLÖSEANSTALT Dana J, LANDE, IX. Seclisschimmelgasse 26 , 2»hlt 4ie stüqhsten Preise für Gold, Silber, Brillanten, Perlen uud falsche Zähne. Ueherzeugen . Sie sich von der Beellität meines Anbotes. 60 14. Septembtzr ISIS Nr. 238 —- - - -... . r-.~t Literatur «^Wiffeufchaf^ Strindberg und unsere Zeit. i In der von Alexander von Bernus herausgegebcuen gcistesr wisienschaftlichLn Zweimonatsschrift „Das. Reich" (Dretlänoecpev - jag,- München Wien-Zürich) untersucht E. Solfram tt,' einem Aufsatz über Strindberg tm Spiegel seiner Werke daS ' Problem' seines Lrbnts als Zeitproblem. Die Abhandlung will keme literarische oder kritische. Betrachtung sein,' vielmehr will fie - hie Motive der großen Dichtungen Striudbcrgs in der. Eigenart. unserer Zeit begründen und die Ursachen und Wirkungen bet Dtrirrdbergfchen Seelenkonstellation und ihrer" Aeußernngrn aus» ' dcckeni Strindbergs Meisterwerke find in der Hauptsache Kon« sesfionkn, Bekenntnisse, seit jenem, grandiosen Umschwung, d-ei im : „Inferno" geschildert lvird,. der Sptegel. des getstigru Ringens'mit dem unlösbaren Widerspruch des LeSms. Alle' die s siNenschen dieser Werke verbrüdert ein gemeinsames Leiden; ftr sind nicht mehr im Vollbesitz der Kräfte, welche der Artuatur des Menschen -eigen sind. „Ein böses Fatum scheint ihnen allen das-, geistige Rückgrat gebrochen zu haben, jenen innereu 'Halt jfab Hort, den der gläub'ge Jude, des Herrn gedenkend, seinen Stecken und Stab nennt." Dieser seelische Zustand seiner Gestalten ' ist ' ein Svmptom der Vorgänge in Strindbergs Innerem, von dmeu" seine „Lebensgeschichte" Kmtde gibt. Wolfram gibt an der Hand der Werke Strindbergs eine feme Analyse des zeritralen Problems, daS. auch das tyvische Problem des Menschen unserer Zeit ist: der Versuch, a b s e.i t s der Tradition zu leben. Die völlige Loslösung des Menschenbewußtselns vor« der Tradition ist durch die materialistische ', Lebensauschauung des 19. Jahrhunderts vorbereitet worden; für den losgelösten Menschen aber gibt es im eigentlichen Sinn kein. Ich,' denn der Verstand allein kann die Existent eines unsterblichen individuellen Wesens im Meuschen nicht bejahen. „Dadurch, daß die materialtftische Strömung ■ des vergangenen.Jahrhuuderls die - alte Hertschast der Religion gebrochen hat, gibt sie dem Mensche« . F r e i h e i 1 pnd'überläßt ihn sich selbst . . . Aber der junge.i Mensch entbehrt des inneren Haltes, wie aller' äußeren Stützen, wie sie die Tradition meist bot, als sie noch die Verhältnisse bet * Familie und Kaste bestimmte. Er hat als einziges Gut die Frei" heit; aber nichts ist beschwerlicher., als. gänzlich frei zu sein. - Des- halb benützt er seine Freiheit, mit sich schnell irgendwo anzugliedern, wo man schon eine Gesinnungs- und Meinungssahne . herausgehängt ' hat; Körperschaften und Vrreme bieten den notwendigen Ersatz ' für die. Stutzen * der Tradition. So findet der Einzelne im Mitlschwimmen in einer schon vorhandenen Meinung B e f r e r n n g. v.o n s e i ri er F r e i h e i t. Derjenige aber, dem ein "starker Wille zur/Erkenntnis die Beauemlichkeit solchen llnterscklnvfcns versagt, steht vor der ungeheuren Ausgabe, alles selber auskosteu zu müssen... Der Mensch,. der sich abtrennt von der Tradition,-verfällt.-dg«- -Fluch des Deuteronpmmm: er ist göitverlafien, er hat keme Stütze,- - er ist vogelsrei. Auch des Stärksten harrt das Inferno,, und wie . Strindberg wird er erfahren, was cs heißt, allein dem Anstun« des das Gemüt verftorenden, elementaren Lebens standzuhallen. Wie Strindberg wird er, an-sich verzweifelnd, die . alten Begriffe der Tradition, Gott, Schuld, - Sühne, Gerechtigkeit, .hecanziehen,. oder dem Wahnsinn verfallen." — Für Strindberg war die Anknüpfung, an diese „Tradition" noch möglich, weil er in dec Rellgivsität seiner Kindheit noch -etwas hatte, woraus er schöpfe» konnte. Das Problem unserer Zeit ist, wie dte nächste Generation, die völlig materialistisch erzogene Jugend der nächsten Zukmtft,die auch diese religswe Kindbertsermnerung nicht mehr hat, dr«. Kampf mit'den „Mächten" standhalten soll. - - > Man wird gegen die-Auffassung Wolframs, insbesoudvee gegen seine Einschätzung der Tradition als festgefügter geistiger .Ordnung' (tut nicht vielmehr die Anknüpfung an dem lebensvendenden. M y t h o s uns not, ebenso wie Strindberg?) manche Einwendung erheben können^ trotzdem enthält seine Darstellung der - zerstörenden' - und -' rütkrästenden Wirkung des extremen- -Rationalismus. der. das menschliche ZusammenhangSbewußtseur' ' aufl.ösie und den Menschenauf das Feld' des materiellen Wett»' bewcrbes hinattsspie, viele, wertvolle und einleuchtende Momente, so daß cs sich rechtfertigt, hier auf.den interessanten Aussatz und damit auch aus :bie bemerkenswerten Zeitschrift hmgewtesen zn habm.. ... —o— . Bo« der Wiener UpiverfitäL. Dienstag den 23. d. M. begrünen an' .der Wiener , llmversitat die Inskriptionen für. daZ Wintersemester 1919/20. Die Eimchreibungen werden bis inklusive Donnerstag den.9. Oktober vorgenommcn. Die Vorlesungen beginnen, jedoch schon am 1. Oktober. Im Sommersemester des ab-» gelaufenm Stüdienjahres betrug .die Zahl der ordentlichen Horetz 9360, die der außerordentlichen 1155; zusammen 10.515' Horyc, Mit dem Tage des Znskrtptionsbeginncs wird auch das neugewählte akademische Oberhaupt Hofrat Brofeffor Dr. Ernst Schwind sowie die neügewählieu Dekane Hofrat Proseffor Doktor Swoboda, Hosrat Profeffor Dr. Graf Wenzel Gleisbach. Professor Dr. -Albin Habrda und- Profeffor Dr. Karl Diener ihr« akademischen Ehrenämter übernehmen. Inskription a« dev GxportaKavemie. An der Export« akadrmie, die vom nächsten Studienjahre ab in die Hochschule für Welthandel umgewandelt wird, finden die Inskriptionen vom l.biS 4. Oktober statt. Büchereinlauf. Julius B a b: Die deutsche Nevolutionslhrik, Verla- Eduard Strache. Wien. — Romain Rolland: Johann Christof und Johann Christof in Paris. Verlag Rütten und Loemng, Frankfurt am Main. — Paul E b e r h a r d t: Die Neligion und wir von hmte,. Verlag Friedrich Andreas Perthes^ A.-G., Gotha. — Gustav Winter: Das Tahlorshstem und wie man es m Deutschland ein.führt, Verlag C. Fiudeiser^ Leipzig. — ' Prof. Dr. N i c o l a h; Wem gehört' das Kind, Verlag Peter Kreuer. Frankfurt am Mam. — Geora H i r s ch f 'e l d t: Michael Lewinoffs letzte Liebe, Verlag Paul .Eberhart,. Leipzig. — Andreas Latz ko: Der letzte Mann, Oskar L o e r k e: Das Gvldbergwerk, RobntBraunr Gang in der Nacht, Friedrich B u r s ch a l l: Vom Charakter und der Seele, Bernhard-B er n s o n: Die Besreitm^ Oskar Schürer: Kleine Lieder, sämtliche Werke in der Pfortebücherei, Dretläyderve^lag, München. -7-' August S t r i« d b e r g : Das rote Zimmer, August S 1 r i « d b e r g: Am vssenm Meer, beide Werke im Verlag Georg Müller, München. - -- Frank W ed eki nd : Feuerwerk, Verlag Georg Müller,München. — Zain el Ä b i d i n: Die Stellmig der Frau in Indien, Verlag Neue..Orieut-G. m. b.H.,-Berlm 50. — Hugo Hnasrr Reichslagsreden -? gegen die dmtsche Krieaspolitik. Verlag E. Berger &' Co., Berlin. -- Karl K a «t S k tz: TerrvnS««g und Kommunismus, Verlag E. 'Berger L Co.. Berlin W 62. — Woodrow W i l s 0 n, Derlagsanstalt für Literatur und Kunst, Berlin. Üitevavrsche Nertevscheinmege« des 24. LSMkt» Verlages. Drei epische'Dichtnntzt« von Mar Wiener, eine der großen Hosftmngen des neujüdifchen SchrüttmaS, werde« » Kürze der OeffentUchkeit übergeben. — Der p«e V^ichtbauh Mi Otto A b e l e S, „Genesnns". betite«. wirb a>« UvnmtzM «ch Verehrern des Künstlers eine nMo»»»e« Gabe bebe««. — Der erste Band einer gaStzerva Ryhe vo» lleberseyunam d« jildischen geistlich« Lhrik in der UeberdfagWg y« Merr Wrea« befindet sich in Borbrreituny. . '