Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 231 (10.9.1919)
- Date
- 1919-09-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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\' Seite 4 Wien, Mittwoch Wiener MqrgenzeitrmF £0,'September 1919 Nr. 231 rr---;---—— Amerikanische Vorschüsse an Italien. Rom, 9. September. (Tel.-Komp.) Die Bereinigten Staaten haben Italien neue Vorschüsse im Betröge voul? Mlllronen Dollar gewährt. >Gie Forderungen der englischen Arbeiter. - Haag, 9. September.. (Tel.-Komp.) Hollandsch Nieuwsbureau meldet aus London: Der Gewerkschaftskongreß in Glasgow wurde mit einer Rede des Vorsitzenden Bunning eröffnet, welcher erklärte, 'daß die britische Regierung ihre Stellung sehr gefährde, wenn sie nicht beachte, daß der Krieg gegen die russische Sowjetrepublik dem englischen Volke widerstrebe. Im Zusammenhänge damit verteidigte Bunning darauf die seinerzeitige Haltung tos Parlamentsausschusses der Arbeiterpartei isi der Frage des direkten Verfahrens und betonte, es existiere in England keine einzige politische Arnderung, die die Arbeiter nicht aus gesetzlichem Wege burcy die Wahlurne durchsetzen könnten, daher wäre ein allgemeiner Streik nur, das Eingeständnis einer Schwäche, die in Wirklichkeit gar nicht besteht. Anderenteils trage aber die Regierung an dem Wunsche eines heiles der Arbeiterschaft nach einem britischen Streik selbst eine große Schuld, und zwar dadurch, daß sie ihr Versprechungen hinsichtlich der Dienstpflicht und der Verstaatlichung der Eisenbahnen nicht eingelöst habe. Redner rügt in der Folge seiner Ausführungen die eigenmächtigen Streiks, die ohne Rücksicht auf Parteibeschlüsse veranstaltet werden und meint schließlich: Wir können vertrauensvoll erwarten,-daß innerhalb kmzer Zeit eine Arbeiterregie- , rung in England entstehen wird. Es ist keilte Regiemng in England möglich, die nicht das Vertrauen des arbeitenden Volkes besitzt. Keine Teilnahme Englands an der Offensive in Rußland. ' Helfingfors, 7. September. (Korr.-Bur.) In einer Unterredung mit dem Vertreter der „Helsingm Sanomal" hat der hiesige englische Geschäftsträger geäußert, daß aut eine aktive Teilnahme Englands an einem Vorgehen . gegen den Bolschewismus kaum zu rechnen sei, da dieser G.edanke in den verschiedenen politischen Kreisen Englands ans scharfen Widerstand stoße. Englisches Protektorat über Estland. ÄKährisch-Ostrau, 8. September. (Meldung der Poln. Leu-Agent.) ,91 o m a Reforma* gibt einen Bericht des litauischen Preßbureaus wieder, wonach die Engländer das Protektorat über Estland übergeh men werden. Es verlautet, daß die englische Kommission » Reval^die Zivil- und Militärverwaltung übernimmt. t: Estland will Frieden. .. Moskau, 9. September. (Funllvr. des Korr.-Bur.) Die Knrsche Regierung ist mit der russischen Sowictregierung iu Fnedensverhandlungen eingetreten. Rücktritt Clemeueeaus? " Eine Dortragstournee in Amerika. l r Tswsterdarn, 9. September. Der Pariser Korrespondent des sozialistrschen ^Daily Herald" berichtet, daß C l e menceau nne siebenwöchige Bortragsreise durch die Bereinigten Staate): unternehmen werde, die, wie verlautet, seinen dauernden Abschied toom. politischen Leben einleiten soll. Angeblich verhandelt Lloyd George^auch über.eine englische Bortragsreise in Amerika.; Abreise der Morgenthau-Kommisfio«. Warschau, 9. September. (Tel,, der „Wr. MorgenM") Botschafter M o r g e n 1 h a n rmd die übrigen Mitglieder der amkrikanischeu Kommission sind aus Galrzten wieder eingetroffen. v Die Kommission hat ihre Arbeiten bereits beendet und dürste noch in der e r si e n H ä l f t e S e p t e m b"c r nach Paris abrnseri. - ‘ Petljura durch Deuikin aus Kiew verdxängt. Warschau, 9. Septrrnber. (Tel. der ..Wr. Morgenzlg.*) „Kuryte Waräzawski" meldet, daß dre Arnrce D e n i k i n s Kiew g e n o m m e n und die.Abteilungen P e t l j u r a 8 hinansgesagt habe. Denikin habe erklärt, daß er Petljura nicht anerkenne, dagegen werde er bestrebt sein, im Einvervetzmm mit P e t r u sze w i c z und seiner Regierung zu handelnd BrauueissuerMud in Galizien. Warschau, 8. September. Die Polnische Telegraphen- Agentnr meldet, daß bei Rudniki am San ein größeres Lager von Limonit (Brauneisenerz) aufgefunden wurde. Vertreter einer englischen Firma haben sich aus den Fundort begeben, um die Nachforschungen fortzusetzen. v. ' Gegen Kolikschak. Haag, 9. September. (Telt-Komp.) Hollandsch Nieuwsburean meldet aus' New-Pork: Die Erklärung dafür, weshalb die Vereinigten Staaten bie Negierung Koltschak nicht anerkennen können, ist in dem Geheimabkommen zu erblicken, das im Jahre l9l6 zwischen R ü ß l a n d u n d Japan geschlossen wurde.' Bolschetvikische Anruhen in Sibirien. London» 9. September. (Tel.-Konrp.) „Daily Chronicle" meldet ans Tokio: Im Hin t e r l a n d e v o n Wladi« w o st o k haben bolschewitrsche Unruhen stattgesimden. Die Rumänen justlfizieren ungarische Bols^ewiKen. Budapest» 9. September. (Ung. Tel.-Korr.-Bnr.) Die rumänische Behörde verhaftete dieser Tage in Kecskemct den gewesenen Slalionskommandanlen der. Roten Garde, den Eisenarbeiter Johann Meszaros, der während der Kommunisten-- herrfchaft 70 unschuldige -Personen hmrichten ließ. Meszrros > wurde vom rumänischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde bereits vollstreckt. Auflösung deutschböhmischer Bezirksver- * tretunge«. Prag, 9. September. (Tel.-Komp.) Die Landesverwaltungskommiffion in Prag hat die BezirksvertMungen in Aussig und Karbitz aufgelöst und an deren Stelle Verwaltungskommissionen eingesetzt. Klofae reist nach Sibirien. Prag, 9. September. (Tel.-Kvmp.) Lcmdesoerteidigungsminister Klofae wird, wie die ^Lidovi Nooym" meldet, im Oktober dieses Jahres zur tschechoslowakischen Legionsarmee nach Sibirien adreisen. Schmeral überfiedett nach Amerika. Prag» 9. September. (Tel.' der «Wr. Morgenztg.") Der bekannte sozialdemokratische Politiker Dr. S ch m e r a l, der wegen seiner „österrcichnchm" Gesinnung von den Radikalen stark angefeindet und gesellschaftlich boykottiert winde, übersiedelt nach Amerika. Er ist bereits nach Paris ab'gereist. E-2 IBMi-Kl m I Herren-u- Damenbüte werden nach neuest. I jvtode prompt und billigst modernisiert S-—~-I XVIJt., Währinger Gürtel 21 und VXX., Kcu-ialiilferatrasae 86 | der feindlichen und neutralen Staaten und beim internatio-i naleu Komitee vom- Ryten Kreuz in Genf.wurde der deutsch- - österreichische Gefangenendienst in Bern unter der Leitung de^, Generalleutnants Rudolf Slattn Pascha eingerichtet. Wyri Gefangene,ldienst in Bern funktioniert, vorzüglich. 's ' - Zur Fürsorge für die aus Sowiet-Rußland Rückkehrenden wurde im März -1919 je eine Uebernahmskommission in Polen, Ostgalizien, beziehungsweise in,,der Westukraiue ausgestellt. Die Kommission in Polen konnte bisher noch keine nennenswerten Erfolge erzielen, weil die Polen einerseits Kriegsgefangene aus Sowiet-Rußland nicht passieren lassen, andererseits, aber Ansprüche darauf erheben, über das für diese ' Kommission gewidmete Sauitätsmaterial selbst frei^zu bis-; ponieren, das heißt, sie beabsichtigen dieses Material fnd eigene Zwecke zu verwenden. D'te bisherigen Vorstellungen und Proteste^ zeitigten keinen entsprechenden Erfolg. Nunmehr wird angestrebt, dieses Material unter den Schutz des iuternationalen Roten Kreuzes zu stellen. ' Die Mission iu Ostgalizien arbeitet befriedigend; doch, werden auch der Einreise weiterer für die Ausgestaltung des. Dienstes dringend notwendiger Mitglieder von polnischer Seite immer neue Schwierigkeiten entgegengestellt. '> Am M. März ist eine aus vier Personen bestehende Mission des internationalen Roten Kreuzes zur Bereisung bttsibirischen Lager abgegangen. ^..Diese Mission hat in Japan Smiitätsmaterial um 10 Millionen Jen gekauft. Gegenwärtig wird Serbien durch den hiesigen Dertreter des dänischen Roten Kreuzes bereist. Nach dem Bericht seines. Sekretärs,, welcher eineu Teil der Reise mitmachte und eben rückkehrte, ist die Lage der Gefangenen dort eine , recht ungünstige. ' ' ' ' Nach dem Umsturz und der damit verbunden gewesenen, .. Ausl.ösujig', der k. u. k. Kriegsgefangenenmissionen in Petersburg und. Kiew hat sich dort ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, welcher den gesarnten Kriegsgesangeneuschutz für diese 'Gebiete an sich zog. ' > \ Am traurigsten liegen die Verhältnisse in Turkcstan. Der dortige dänffche.Hesandtschaftsdelegierte wurde nach' dem Umsturz verhaftet und nach Petersburg abgeschoben, Ivo er sich auch noch befinden soll, so daß gegenwärtig in den noch der Sowtetgewalt unterstehende» Teilen Turkestans eigentlich lerne Gefangenenfürsorge besteht und die Gefangenen bollstündig sich sÄbst überlassen sind. Ein großer Teil ist iu die dortige Rote Armee eingetreten. Im Machtbereich bc£ Engländer ist eine aus der seinerzeit, k. u. k. Expositur in, Baku hervorgegangene kleine ungarische Mission tätig, die sich einer weitgehenden Unterstützung durch die Engländer, erfreut.- und sich auch' der deutschösterreichischen , Kriegsgefangenen annimmt. Diese Mission wurde kürzlich mit Geld und Sauitätsmaterial versorgt. . Nach den Bor - Käukasusgebieteu (Raum NoworoWk, Jekaterinoslaw, Rostow am Don), wo sich 60.000 Kriegsgefangene aller Nationen befinden sollen, ist kürzlich ein vom liquidierenden Kriegsministerium ausreichend''' mit." 'GÄb-, dotierter Delegierter abgegangen, um ben Heimtränsport:.dieser Leute in die Zllege zu leiten. Italien hat sich der Entsendung eigener Missionen, ebenso wie solcher ententenationalervollständig ablehnend gezeigt. Wenn nach Friedensschlnßder Rücktransport, der Kriegs-. gefangenem systematisch einsetzen kann, werden zur vrdeniX lichen. Durchführung des Dienstes noch ander« Missionen <iit* gesetz twerdeu müssen. Die Kriegsschaden Polens. Warschau» 8. September. Das polnische Ministerium für öffentliche Arbeiten hat festgestellt, daß in Kongreßpslen tvährend der Kämpfe 1914/15 349.075 Hauser vernichtet wurden, das sirch 10'8 Prozent des Vorkriegsstandes. ' Die polnische Armee in Rußland. Mahrifch-Ostrau, 8. September. (Poln. Tel.-Agent.) Zufolge Anordnung des Reichsoberhanptes P i l s « d s k i und der Genehmigung des Obersten Kommistariares des Volksrates nt das Mrütär des früheren russischen Okkupationsgebietes dem Oberkommando der polnischen Truppen unterstellt worden. Die Organisierung der Zionistischen Tätigkeit f; in Polen. _ ■ Warschan, 4. September. (Tel. der „Wr. Morgerrstg.") ersten Sitzung des. umgewählten Zentralkomitees^ der Monistischen Organisation in Polm wmde der bisherige Präsident Dr. K l n m e l wieder gewählt. Die Arbeit des Zentralkomitees. wurde nach Ressorts geteilt, und zwar für Palästina, Politch Kultur, Wirtschaft, Finanzen, Organisatton. und Propaganda, - ^rlag uud Presse. Aus dem Plenum des ZeutralkoMees wurde ein Präsidium gewählt, bestehend aus den Reffortrefeventen » i t c, Grünb ä um, Brande, ö Tr tat a s, K l u m e l, H u r w i c z, O l s ch w a n g e*, Schalkowrcz, Go 1 tllieb und Dr.Th o n. Das Budget ist mit drei Millionen Mark festgesetzt worden. Die einzelnen Kommissionm haben ihre Arb eitm bereits ausgevomuten. Die Pressekommission befaßt sich ernstlich mit der Verwirklichung des Beschlusses der. Landeskonferenz, das hebräische Wochenblatt ^Hazfirah -rn.em.Tagblatt zu^verwandelu. , >t ,‘ Prof ^Gotthard 'über den Pogrom in Minsk. Krakau,-9. September. (Tel.--der „Wr. Morgenztg.") Das Mckgued der Morgenthau-Kommissio«, Prof. Gotthard, äußerte sich dem „Nowy Dziennik" zufolge über den Pogrom in ' Minsk, daß er während des Pogroms selbst ^anwesend-war und das, was,,^er mtt , eigenen Augm gesehen habe, nie vergessen tvKok» ■ *fy1 . ■ , Das jüdisch-amerikanische Äilfswebk für , V,V, ' v Polen. Worlcham» 9, September. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Vertreter des Iouint Distribution Committee für Polen, Dr. B o g.e-n„ 'sst für einige Monate nach Amerika abgereist. Einem-vo»'ftmer^Mreise 'veröffentlichten Berichte ist M entnchmen, LäßHgegeulvärtig .889 Orte in Polen durch dieses Komitee uuterstütztMerden, Die Gesamtsunune der linicrsiüiöungen für nie 3eitvom^.,,JLbruar bis 1. September-1919 beläuft -sichauf MMTMark." > Tagesbericht. —— » Die Kriegsgefangenen. Die Staatskommission 'für Kriegsgefangene Hat an den Hauptausschuß der Nationalversammlung einen umfangreichen Bericht über ihre Arbeiten erstattet. Die Kommission 'schätzt die Zahl der Kriegsgefangenen in Sibirien auf 300.000 bis 400.000Dtann, davon 120.000 aus Deut sch ö sterrerch. In Sowretrußland und T.urkestan dürsten sich ej ,40.000 bis 50.000Mann, in Serb test 10.000 bis 16.000 befinden. In Italien wurden am 1. Mär '97.819 Deuischösterreicher und 81.872 Ungarn gezählt. Der Abtransport aus Italien befindet sich in vollem Gange und soll in zwei Monaterr 'beendet werden.- Aus Ostsibirren, das unter, japanischer und . amerikanischer Verwaltung steht, kommen gute Nachrichten, dagegen sehr traurig« ausMestsrbirren, wo die Gefangenen in die politischen Wirren hineingerissen wurden. 70 Prozent sollen in die Rote Mmee erugetrete^^ sein. Auch irr. Turkestan, wo die Rüteregierung sogar teikwekfÄ aus rmgarischen Soldaten besteht, kämpfen 00 Prozent ber^ Kriegsgefangenen in der Roten Armee. Doch will die Räteregierung die Heimkehr organisieren. Der Durchzug einer österreichischen Hilfsmission »ach Sowietrnßkanb wurde bisher stets von Pole» und "Ukrainern" verhindert. Die Hilfeleistung für die Heimkehrer, wird insgesamt 200 Millionen Krone» erfordern. 'Die Hckimtehrer sollen bis zur Ente lassimg eine tägliche Löhuung von eurer Krone und bamr einmal 50 Kronen verhalten. Dazu konnnen noch, die Kosten firr Bekleidung, ärztliche Hilfe und Fürsorge. ' Ueber die OrgcmEation der gesamten- Kriegsgefangene^ fürsorge sagt der Bericht: Auf Grund des Gesetzes vom 3. April 1919 steht an der Sstitze des gesamten Kriegsgefangenendienstes die Staatskommission. Die ausführende, leitende Stelle sst das Kriegsgefangenen- und -Zivilinterniertenamt, welches gegliedert ist in die Amtsleitung,' die Ostgruppe (Rußland, Rumänien, - China, Japan, Westukrcrine), die Westgrnppe (Italien und Serbien und die ehemaligen feindlichen Staaten), ökolwmischadmiuistdative Gruppe (Bekleidung und Gebührenangelegenheiten der Heirntehrer), die Zivilinterniertengruppe, die Accskunstsgrujipe: und .tras H,itfsamt:.i, , - -Zur ' allgemeineu^^ertreiung der Kriegsgefangenenau gctzZAWteL $&&& Zu den Pogromen in -er Ukraine. beehrte Redaktion! Ihre Mitteilung, daß die Ukraine^ eine jüdische Untersuchungskommission bezüglich der dort vor-' gekommenen Pogromfälle fordert, hat in jüdischen Kreise» lebhafte Befriedigung herhorgerufeu, zumal nur auf diese Weise'unzweifelhaft festgestellt werden kann, wer diese endlosen Judenmassakers verschuldet und zur Verantwortung zu ziehen sei. Daß der ukramische Minister des Aeußern dem Mut findet, die Besten des jüdischen Volkes als Richten in dev Sache anzurufen, darf wohl als Beweis dafür aufgefaßt werden, daß seine Regierung hier nichts vertuschen und.nichts beschönigen tvill. Herr T-e.mnyzkyj versichert übrigens, daß die Pogrome in Odessa, Jekaterinoslaw und andren Städten des Kietver und Chersoner. Gouvernements von bo'.lschewikischer Seite inszeniert wurden, in deren Händen: sich alle diese Städte und Ortschaften seit Beginn des Jahres 1919 bis aüf den heutigen Tag (2. September) befinden, und. daß nur Unkenntnis der tatsächlichen Sachlage oder vorsätzliche Bosheit die ukrainisch-republikanische Regierung für diese Ausschreitungen afif ukrainischem Territorium verantwortlich machen kann. Mit derselben Sicherheit gibt. er. auch zu, daß in Proskurow,' Schmerinka uyd> in einen: Falle in Wolhynien eszu anttjüdischen Exzessen ^kam, die sich, aber als Art „Notweyr" darstellen. DieseÄ Territorium unterliegt der ukrainischen Regiernug, die jede Verantwortung fite die dortigen Vorkommnisse zu tragen hat. ' Es wird deshalb Sache der 'Untersuchungskommissionj sein, diese Vorfälle genauest zu prüfen und insbesondere festznstellen,. wem hier die Hauptrolle .zufällt, und ob es wahr ist, baß ein großer Teil oer jüdischen Bevölkerung mit den russischen Bolschewiken sympathisiert und einen Aufstand bol« sthewiki scheu Charqkters gegen die, Ukrainer'organisiert hat, so daß sie gezwungen waren, zu. Abwehrnmßregeln zu igreffen. Wir .zweifeln'rncht. daran, baß die iikraimsche Regieru.ng, wenn sie mit' solcher' Offenheit ein Bekenntnis ge^en: die Pogrome ablegt und sie auch dort, wo dieselben nationalen oder sozialpolitischen Motiven entsprungen , sind, entschieden verurteilt, den von ihr selbst vorgeschlagenen jüdische» Vertretern sämtliche Details Über die "Geschehnisse mitteilen und Gelegenheit geben wird, sich. an Ort und Stelle zu informieren und orientieren zu können. Die Juden in der Ukraine bilden eine starte Minderheit und wer dort regieren: und die Zügel fest in Händeri. haben will, muß mit ihnen als mit einem Faktor rechnen. Die Regierung Petljuras. hat das ehrlich- Bestreben, mit den Juden im besten Einvernehmen zu leben, aber dem Wort muß. jetzt die Tat folgen. Es darf nicht wie in Polen geschehen, wo man - sich nachgerade gewöhnt hat, die Inden als Inventar zu. beträchterr, mit dem man nach Belieben umgehe» kann- Die Po-, grome in der Ukraine werde» auf.Wunsch der ukrainischen Ree gieruilg unterstuht, und die Schuldigen ernrittelt werde», ' wobei wir die G.ewisUeit.halten...werd^p, daß'es die wirktich. SchnId.iLO... j 4. ' «