Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 231 (10.9.1919)
- Date
- 1919-09-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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, Sk. 231 Wien. Mittwoch lurrg soll im Lernst einer Oktoberwoche dieses Jahres' Vorzenommen werden und die Aufbringung von 35 Millionen Dollar ■ zum Ziele haben." Gedenkt der Verband, den Brüdern in Galizien momentan auch mit L e b e n s mit t e l n beizuspringen? „Es hat -sich in New-York sogar schon eine - Gesellschaft zu'. diesem Zwecke gebildete Es ist dies die „Ameriean-Eurvpean Service Company", welche die Sache auf rein g e s ch ä f t li che r Basis betreibt. Eine amerikanische Familie will den galizischen Angehörigen Lebensmittel zukommen lassen. Die; Gesellschaft überhebt sie der Mühe des Einkaufes. Es genügt, wenn man beim Schalter 10 oder 15 Dollar erlegt und die Adresse angibt und schon wandert ein kleines KiKchen, enthaltend 20 Pfund Mehl,-18 Stück Toiletteseife, 5 Pfund Fett, einige Hausmedikamente u. bergt nach Galizien. Es sind zwei Kistentypen geschaffen worden, je nach dem Preise von 10 oder 15 Dollar.". Wie überwinhen Sre die -momentanen Werkehrsschwierigkeiten? „Das ist auch eine meiner Aufgaben. Mit einem Dampfer kommen demnächst 40.000 solcher Lebensmittelkistchen nach Danzig. Ich werde sie nach'Warschau schaffen und von dort an die Adressaten gelangen, lassen. ^Sollte diese erste Sendung glücklich an den Mann kommen, so steht eine weitere Sendung von .-einer Million Kisten zu erwarten." j Hat Ihr' Verband zum Zionismns Stellung 'genommen? . „Sogar eine sehr klare, indem er sich rückhaltlos der zionistischen Organis ation a n s ch l o ß. Wenn ich nach der Stimmung, die in Amerika herrscht, Urteilen soll, so ist das Palästinaproblem im zionistenlfremrdlichen Sinne vollstänbig gelöst. Auch die Er- -vrngenschaft auf dem Gebiete der' Minderheitsrechte wird .sehr. hoch ein geschätzt und der Vorkämpfer dieser'Rechte .in. Paris, Herr Louis Mar sh all, hatte bei seiner Rückkehr nach New-Pork einen königlichen Empfang" j Wir lesen oft von kolossalen Demonstrationen in ^Amerika. Ist der Eindruck an. Ort und Stelle ebenso groß wie im Ausland? . , ^Dte letzte Demonstration gegen die Pogrome in Hot ersten Jumtagen hat bewiesen, daß wir die öffentliche Meinung und di« Presse zwingen können, von uns Notiz zu nehmen. Während die.jiddischen Tagesblätter -für dte Demonstration Propaganda machten, verhielt jfich> die - englisch-amerikanische, Iresse gleichgültig, fast ablehnend. Am Vortage der Demonstration waren-wir gezwungen, halbe Druckseiten in englischen ' Blättern gegen Bezahlung mit. PwpagandMvtikeln auszufüllen. Ms dann die jüdischen Arbeiter um 1 Uhr mittags die Arbeit nivderlegen und zum Massenmeeting strönsten, als der Verkehr in weitem Umkreise von den nachdrängen- J&ett Massen, welche im - strömenden Regen ausharrten, lahmgekegt worden war, war die Press« gezwungen, Extraausgaben zu veranstalten, ja 'manche Blätter'Kjjji zwei, ja sogar drei Extraausgaben an diesem Abend mit Berichten über die Demonstration erscheinen." Wie ist dte Stellungnahme der amerikanischen WdMheit den Polen gegenüber? .! . ^Zm allgemeinen eine zuwartende. Die Polen H'aben den Vertrag über die Minderheitsrechte' unter-!fchrieben. Wir wollen sehen, ob sie ihn ernstlich durchführen. Sollte sich das.Gegenteil zeigen, so ist das amerikanische Judentum stark geling, um die amerikanische Regierung zu einem Eingreifen zu zwingen." Damit war dte Unterredung zu End«. Italien gegen den Papst. Wie der römisch» Korrespondent der »Vossischen. Zeitung* meldet, kann nunmehr der Wottlaut des Paragraphen 1b des Londoner Vertrages vom 96. April 1915, dessen Bestehen S o n n i n o adleugnet», in genauer uebersetzung des Origival'' ie#t$ folgendermaßen feftgelegt werden : Frankreichs England und Rußland verpflichten sich, d en Einspruch zu unter, stützen, den Italien erheben wird, argen febenb?*!l i ehiaen Barsch l a g. der einen Vertreter des H e i l i a e n Stuhles berechtigen sollte, bei den Verhcmdsyngen zum F r r e d e n und über die Lösung dev durch den gegenwärtigen Krieg aufgeworfenen Probleme Melassen zu werden. , Petlprra gegeu Deniktu, ^Drr MrainlschePr^hienfi meldet: Rach den ckngetroffenen iNchMlichen amtllchm Buchten ging der Gnnchme Kiews durch die ukrainischen Trappen ein scharfer Kampf mit den Roten Truppen voraus, der ans beiden Seiten große Opfer Erforderte. Die ukrainische« Offiziere und Soldaten wurden von dm breiten Schichten der Kiewer Bevölkerung überaus freudig ihrmd die ukrainischen Truppen rasch dir Stadt durchzog« und hierauf im Norden den zurückgehendm Bolschewiken nepe Kämpfe lieferten, näherten sich jenseits deSDMtr größere Reüerabteuungen der sogenannten FreichilliaenatMee Denikms dm Stadt, deren kleine ukramlsche Besatzung, sich ihnen mtgegenstmte. So kam eS infolge de- Angriffes der großruffifchen Freiwilllam zu einem blutigen Kampf zwischen den Truppen DenikmS und Demuras. Wie verlautet, haben die im Hauvtauartier weilenden EnttntevWm bei Denikm Vorstellungen erhoben. Keine Auflösung der Narydni Vhbor im deutschen Gebiet. > Pie tschechische Regierung hat die Auflösung Mer Ratödni WybormBöhmen vertitgt. DletschechischenNationalansschÜfle wehren sich gegen diese RegmungSmaßnahme. Eine Ibalredrige Abordnung dieser Vyboe. erfchlen beim Ministerpräsidenten Tnsgr, nm von ihm wenigstens dre Erhaltung, der Nationalansschüfse in dem „germanisierten* Gebiet zu erreichen. Wie verlautet, ist cS nach einstündiaer Beratung zu emer für die NationalauSWsie vliustigm Verständigung mit der Regierung bekomme«. Wiener Mo^genZpitrm§ 10. September 191S Seite 3 Der MagHsrische Schrecken in Westungnrn. Mtr amtliches Protokoll. I» Bruck an ber Leitha sind nenerliH zahlreiche Flüchtlinge aus Deutsch-Westpagarn, itzbesoHerc aus dem Wieselburger Komitat eingetrofstn, biinfolge der * magyarischen Gewalttaten über die Grenze nach Deutschösterreich gingen. Ueber die Vorfälle in - der Großgemeinde des Wieselburger Komitates, Gols, wur.de bei der Grenzbehörde ein amtliche§ Protokoll ausgenommen, das unter anderem die folgende Darstellung enthält: Letzten " Samstag und Sonntag verübten die Magyaren in Gols', einer am nordöstlichen Ufer des Neusiedlersees gelegenen, völlig deutschen Großgemeinde von gegen 2800 Einwohnern, Gewalttaten, die die ganze Gegend in Angst»ünd Schrecken versetzten. Wie bereits gemeldet, wurden die Aufrufe der Magyaren zur Einrückung des Jahrganges 1898 (der 21jährigen) begreiflicherweise von den Deutsch-Westnngarn nicht befolgt, loeil der Anschluß Deutsch-Westungarns an Deutschösterreich für die nächste Zeit bevorsteht und niemand mehr unter magyarischem - Kommando militärische Dienste leisten will. Der Aufruf zur Einrückung wurde in Gols am Freitag den 5. d, M. verlautbart. Da niemand elnrückte, erschien am Samstag, eine Patrouille von .12 Wann, bis an die Zähne bewaffnet und mit Handgranaten ausgerüstet, unter Kommando eines Leutnants, in der.Gemeind«. Der Leutnant ging mit den .Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett in Begleitung'eines Gemeindegeschwornen in die Häuser, ,um die Einberufenen abzuholen. Er erllärte, wenn die Leute, die. einrttcken' sollen, nicht bis 4. Uhr zur Stelle seien, so lasse er die Eltern erschießen. Plötzlich herrschte der Leutnant die Leute au, sie mögen sofort verschwinden.. Als die Leute dieser Aufforderung nicht rasch, genug Folge leisteten, wurde den Soldaten befohlen, - mit Gewehrkolben auf sie dreinzu schlagen. Die Soldaten, sämGche Unteroffiziere, ^schlugen auch mit aller Kraft/auf dte Zuhörer mit dem Gewehrkolben ein und.verfolgten die Flüchtenden bis indie Häuser, Es , wurden zahlreiche Leute verwundet Und es gab infolge der Kolbenschläge mehrere schwere S chädelverletzungen und - einigen,.zumeist älterern Männern, wurden Arme und, Bernde gebrochen. Als Kn junger Bursche einen Soldaten fragte, warum mit derartigen rohen Gewalttätigkeiten vorgegangen werde, gab der Soldat auf ihn z w e i S ch ü s s e ab, dje aber zum -Glück ihr Ziel verfehlten. Dies war' das. Zeichew chazu/daß säintliche 'Soldaten' .-der : - das Fetter erSfsnete«, Die- Soldaten der Patrouille setzten hierauf die Suche in Hen Häustrtt )ort mch trafen' unter anderen auch eine Gruppe von' Arbeitern, Dreschern, die gerade aus einem Hause heraustraten^ Ohne den' geringsten Grund 'stürzte der Leutnant mit den Soldaten auf die harmlosen'Leute los, "der Leutnant begannden Nächsten mit seinen Fäusten zu > bearbeiten und die Soldaten schlugen auf dte Drescher mit den Gewehrkolben los. Als die Leute entsetzt auseinanderstoRn^ eröffneten die Soldaten neuerdings das Feuer und es gab wieder zahlreiche Verwundungen,', darunter eine, schwere. Der . Drescher Franz -'Steiner, der einen Hüstenschuß erhalten hatte, blieb am Platze liegen'.- Einer Frau, welche sich bemühte, ihren verwundeten-.Sohn in einem Hause zu - bergen, wurden von disr Soldateska einige Schüsse nachgesendet. 'Don den magyarischen Soldaterk wurden auch Dum-Dum-Geschossr verwendet, und ein. derartiges Geschoß wurde auch bereits der amerikanischen Mission in Wien übergeben. Als niemand mehr auf der Straße zu sehen war, da sich alles vor Augst in den Häuserir. verkrochen hatte, begab sich der Leutnant in di« Gemeindekanzlei, wo er erklärte, wenn die Einberufenen nicht zur Stelle gebracht werden könnten, so würden die älteren. Leute oder wer sonst immer gefunden würde, an ihrer Stelle mitgenommen werden. Wenw der Widerstand fortdaüere, so würden sich in Gols Dinge ereignen, an die die Leute noch llmge denken würden. Unter anderem drohte der Leutnant mit Brandstiftung. Somlteg den 7. b. M'. nachmittags erschien dann eine Truppe von 20 Mann mit einem Maschinengewehr unter Kommando des Rittmeisters Koschuch und' des Leutnants, der lagsvorher mit' der Patrouille die' Untaten in Gols verübt hatte. Die Soldaten begaben sich wieder in die einzelnen Häuser, nm die Einberufenen zu holen. Es wurde aber keiner angetwffen, da sie bereits^ geflüchtet waren. Stgjt ihrer wurden nunmehr die Väter in Haft, genommen und' abgeführt, ältere. Männer im Alter von 60 bis. 70 Jahren. Pies geschah unter furchtbarem Geschimpfe und großen Drohungen; die Leute wurden „Schweine" und „Hunde" genannt und es wurde ihnen angedroh^ - daß der Ort -werde an gezündet werden', alle Leute der Ortschaft müßten erschlagen werden. Als derRtttmeister geftagt tmtrbe, ob er denn das Recht zrl solcher Getoalttaten hätte, erklärte er: . „Ja, das habe ich." 9 Zahlreiche Bewohner, von Gols sind über die Grenze geflüchtet und befinden sich auf österreichischem Boden. t Man vermutet, daß die von den Magyaren verübten Gewalttaten in erster Linie darauf zurückzuführen sein, daß der christlichsoziale NattenaliLüternninister der Budapester Negierung, Bleyer, welcher vor zirka zwei Wochen in Gols eine Dersamm-, . lungsrebe gegen den Anschluß halten' wollte,, nicht angehört worden war. Als er damals gegen. Deutschö sterreich damit Stimmung machen wollte, daß er erzählte, in Deutschösterreich herrsche der K o mm uni s mns und / Bela Kwu ,? sei' hier fteunbschaftlich ausgenommen worden, antworteten ihm die Leute, das seien Lügen, Bela Kun sei in. Oesterreich perhaftet worden. Minister Bleyer mußte sich damals uitverrichtetex Dinge «ms Gols entftrnen. Der Stuhlrichter von Neusiebel, Gyöngtzösi, erklärte,, daß alle Einberufenen, welche nicht einrücken würden, standrechtlich erschossen werdend Einzelne der . Soldaten aber, welche Sonntag nach Gols gekommen waren, warnten aber die Leute, einzurücken, die Eingerückten würden zweifellos verschleppt werden und niemals mehr in ihre Heimat zurückkommen können. Bezeichnend für.die magyarische Propaganda ist es auch', daß Plakate angeschlagen worden sind, in denen es heißt,' daß in Oesterreich wieder der Kommunismus herrsche. . Alles solle sofort einrücken, um die Gefahr, ditz durch den . österreichischen Kommunismus für Ungarn drohe, abzuwenden. > a* TElbgMMMT. TMIonschef EichhofföftbL'«eichrscher.Ge?anLLsr in Paris. Basel, 9. September. (Tel. der „Wr. Morgen-. zeituug".)'Staatskanzler Renner wird noch Mittwoch Saint-Gemain mit dem größten Teil der Delegation verlassen. Es, bleibt - nur Sektionschef Ei ch h o ff zurüch. der bis. zur Wiederaufnahme der divlomatischen Beziehungen Len Berkehr Oesterreichs mit den Etttentestaaten aufrechterhalten wird. Die Nationalstaaten Werden rmterzeichnen. Paris,.9. September. lKorr.-Bur.) ^Pelit Parisirn"meldet übereinstimmend mit andern Blättertz, man ytüube in Konferenz« kreisen nickt mehr, daß Rumänien, Jugoslawen und die Tichecho- Slowakei chre Unterschrift uni er den Vertrag von SamEermam verweigern würden. Man hofft, mit Rumänien zu einem Aus-« gleich zu gelangen^ und du serbischen Forderungen durch' ein. Zusatzprotosoll halbwegs zu befl-edigen. WaS die Tschrcho- Slomake: betrifft, so erklärt Bcnrsch im ^Petit Paftsien",daß sein Land seiner Memung - hcn Vertrag .ruhig unterschreiben könüe. da du Lösung der Teschcner Frage nicht darin enthalten sei. Di« Tschrchv-Slowakei behalte trotzdem' freie Hand für ihre Stellungnahme in der Teschener Froge. die durch ein späteres Sonderabkommen, gelost werden müsse. Im Übrigen stehe er mit seiner 'Regierung in stetem PlunungSaustausch ' über die Frage der Unterschrift. ' ‘; Drmobrttsterang ln SüÄtsrol. . Innsbruck» fl. September. Aus M e.r a n wird berichtet, daß rttil Ende August Inr besetzten Deutsch-Südtirol die Militär- ' Gewalt durch/die Zivilgewalt abgeld'st wrwde. Die Truppen kehren nt ihre Heimat zurück und werden durch Friedensgarnisonm - '.ersetzt» - . > Der neue deutsche Gesandte in Argeuttnient Rew-Dork,. 9. September. (Tel.-Komp.) Die : „Mw ^)ork Times" erfährt aus Buenos Aires, daß der Präsident von Argentinien die Ernennung des Freiherrn von dem Bussche-Warttinghausen zum deutschen Gesandten in Argentinien genehmigt hat. Litauen von dev Deutschen gerävW. Königsberg, 9. September. tKorr.-Bur.) Die Räunnmg - Litauens südlich der Memel ist planmäßig ohfte Zwischenfall verlaufen, - Der Friedensvertrag vor dem amerikanischen Senat. - Belmar.fl September. Emrkspr«) Dev Vorsitzende des SenatsaWschusses 'iir auswärtige Angelegenheiten, 8 o d g e, hat gestern mtgeteilt, i ' der FriedenSvertrag am Mittwoch'den 10. d. M. dem S nu'l.zugew «eikn und voraussichtlich r>om nächsten Montag an zur Verhandlung kommen wird. Der Zeitpunkt der vararMcktlichen Beendigung der Debatte könne auch nicht annähernd bestimmt werden, weil jeder einzelne Punkt des Vertrages besprächen und eingehend behandelt werden würde.. Der Bericht des Ausichuffes ümfaffe 2500 Worte und überdies noch dm Worilaul der vorgeschlagenen Acnderungen und Vorbehalte. Wilsons Schwache. VZafhin-gton» 9. September. (Tcl.-Komv.) Der Senatsanöschuß hat e'inkN'Berecht über eme p r i v a t e A u S s p r-a ch c nhalten, dir am 1. Juni zwischen dem Iren W a l s h und W i l s p n Über Vre wischen Angelegenheiten stattgefunden hat. Wilson hat sich in dieser Unterredung sympathisch über die Iren ausgesprochen und erklärt, daß viele Wünsche, die er gerne r n P a r i s d u r ch g e s e tz r hätte, wegen der Opposition der anderen nicht du r chü e s ü.hxt.werde n ko ante u.