Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-09-02 · Heft 224 (2.9.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 224 (2.9.1919)
Date
1919-09-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979301--01995-2987460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Sette S Wien, Dienstag 2. September l‘Jl£ Politische Rundschau. Die katholischen Interessen in Palästina. Stern, 1. September. In der Zeit vom 21. -5. OkDbe.- findet in Einsiedeln ein internationaler katholischer Palästinakongreß statt. Die Anregung hierzu ging vom Komitee des Schweizer Heiligenlandvereines aus. Der Zweck des Kongresses ist die'Wahrung und Kräftigung der katholischen Interessen in Palästina und 'die Erhaltung der heiligen Stätten dortselbst sowie der Rechte der katholischen ÄÄtt daran. * ■ DkM bemerke» wir; Die Liyniltische OrMüft^ion -hat stets erklärt, daß durch die Errichtung des silbischen GernettzwepewS in.Palästina die Interessen und Pfühle der christlichen Religjonen nicht verletzt werden solle.n. Auch die Erklärung Balfours, welche die Grundlage der ziouPischen. Politik geworden ist, spricht davon, daß durch die Erfüllung des zionistischen Planes die .Rechte and.-.-er Gruppen nicht beeinträchtigt werde« 'dürfen. Die heiligen Stätten sollen nach zionistischem Vorschlag exterritoriaksiert werden, so daß auch die katholischen Wünsche befriedigt werden. Die Juden, endlich in ihre Heimat zu neuem Leben zurückgekehrt, wölken mit allen Völkern und Religionen in Frieden und Einigkeit leben. "Sie tschechischen Sozialdemokraten gegen die Zuteilung Teschens a» Pole«. Au8 Prag wird gemeldet: Sonntag vormittags fand auf dem Altstädter-Ring eine von der tschechischen sozialdemokratischen Partei emberufene Volksversammlung statt, in der gegen die Loslösung Teschens von der kschecho-sbotvakrfchen Republik protestiert wurden Es sprach unter anderen der gewesene Minister Doktor Vrbenskh. Hierauf wurde ein« Resolution angenommen, d^e sich entschieden für die Erhaltung Teschens für die tschecho-flowakische Republik ausspricht. Eine fünlgliedrigs Deputation wurde zu allen Prager EnteuteMsstonen geschickt, um ihnen de« Inhalt der Resvkution bekanntzugeben. Rach der Versammlung fand ein großer DenurustrationSumzug statt. Die Schandtaten in Weftmtgar». Während die ungarische Regierung mit frecher Stirne ekle Ausschreitungen gegen die westungarischen Juden ableugnet und in alle Welt verkündet, es herrsche in Westungaru die schönste Ordnung, laufen bei unS fortgesetzt neue Nachrichten ein über btt an Juden verübten Untaten. <No erhalten wir von zuverlässigen Augenzeuge« nachstehende Mitteilungen: Auch in Steiuamanger herrscht in den letzten Tagen eine wahre Pogromstimmung. Die Brutalitäien und Ausschreitungen werden vom Militär verübt, daS vielfach von allerhand zweifelhaften Offizierseleurenten angeführt wird. In Steinamanger ttmrttf die S y nagog« mehrere Male von Soldaten umzingelt und durchsucht und die anwesenden Juden am Leben bedroht. Man stellte ihnen in Aussicht, daß sie in den nächsten Tagen all« ans geh äugt würden. Mehrere jüdische Bürger wurden verhaftet und im Gefängnis schwer mißhandelt, so die Juden Benedikt, Buchiirger, Bergstein und Holländer. Angesichts des Wütens des Mobs ist die Polizei sowie die Staatsanwaltschaft machtlos. Oberst Lehar, der in Steinamanger residiert, sttht den Ausschreitungen ruhig zu. Die Beschtverden jüdischer Offiziere über die Vorfälle erledigt er in der Weise, daß säm tltche jüdischen Offiz iare ainovisrt wurden. Man hat versucht, eine Viirgertvache zu orp irisieren, aber dazu, hat sich viel Gesindel gemeldet, das früher im Solde der Roten Garden staub und jetzt dir Juden, die sich im Interesse der Aüfrechterhchktung der Ordnung zur Dürgerwache gemeldet haben, aufs schwerste bedrohen. I« Kis-Ezell hat der dortige Richter, der unter dem komruunistische» Regime leine geringe Rolle spielte, einem Juden die Bitte verweigert^ btt dort ermordeten Juden rituell begraben zu lassen. Die amerikanischen Delegierten gegen die Rumänen. „New AorkHerald" veröffentlicht einen Bericht fctueö Pariser Korrespondenten, daß di« amerikanisoyen Delegierten bei der Friedenskonferenz von der Lage in Ungarn, angewidert und ungehalten sind. Nach den allerletzten Nachrichten aus Budapest setzen hie Rumänen trotz der Ententenoten ihre Raubzüge auf Waren und Lebensmittel fort. Diese Zustände haben dtt amerikanischen Delegierten dermaßen erregt, daß stt ganz öffentlich erklärten, die Friedenskonferenz müstt entweder dtt Rumänen unter Aufsicht.setzen oder sich auf unbestimmte Zeit vertagen. Die amerikanischen Delegierten würdei. vorziehen, nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren. Sie sind der Ansicht, daß durch die Ünfähigttii der Konferenz, die Rumänen im Zaum zu palte'k. den Serben genügend Beispiel gegeben sei, es den Rumänen gleich zu tun unb einfach eine Armee nach Teuresvar zu entsenden. Man könne sich nicht des Gesiidis erwehren, daß daS französische Außenamt vollständig versagt habe, und daß es den Rumänen — vielleicht mit Absicht zu verstehen gegeben habe, baß dtt Lyinpathlen des französischen Volles auf ihrer Seitt wären. Jedenfalls betone die französische Presse mi; verlcbwindenden Ausnahmen und mit Beharrlichfcit dtt R-.Uim'imigkeit. die Rumänen anständig und mit N^chsich:?,u behandeln. Wiener Morgenzeitrmg Nr. 823 Amerika und die Friedensbedingungen Di Rede des Senators Knox. Das Preßbureau Radio meldet aus Washington: In seiner Red«, worin Senator Knox fordert, daß die Bereinigten Staaten es ab lehnen sollten, den Versailler Friedensvertrag zu unterzeichnen und euren Sonderfrieden mit Deutschland schließen sollten, führte er aus, durch seine harten und grausamen Bedingungen legt der Friedensvertrag Deutschland Strafen auf, die die internationalen Gesetze verletzen. Der Fxttdenszustand tritt ja doch ein, sobald drei Großmächte den Vertrag ratifiziert haben. Die Vereinigten Staaten sollten ihren eigenen Frieden schließen. Ich bin der Ansicht, daß wir gegenüber Deutschland auf alttaus dem Krieg entstandenen Entschädigungsansprüche verzichten und dafür sorgen sollten, daß Deutschland statt dessen Kredite erhält. Wir sollten auch jegliche Teilnahme oder Mitgliedschaft an den Kommissionen und Ausschüssen, die vom Friedensvertrag vorgesehen sind, ablehnen. Wilson hat im Jahre 1917 erklärt, das Kriegsziel der Vereinigten Staaten sei, die autokratische Macht zu stürzen und das deutsche Volk in die Lage zu versetzen, selbst über fein Schicksal zu bestimmen. Dieses einzige Krttgsziel der Vereinigten Staaten ist bei der Unterzeichnung des Waffenstillstandes erreicht worden. Dtt Vereinigttn Staaten müssen aus dem Kriege gehen, wtt sie in den Krieg gezogen sind: frei, unabhängig und als Herren ihres Schicksals. Unter Bezugnahme auf den Ausschluß Rußlands ans der FrttdenSregelung faßte Knox: Glauben Stt denn, baß Deutschland, das unter den Bedingungen dieses FrttdenS leidet und schwankt, sich einfach mit Gnadenspenden begnügen wird, die wir ihm als Krumen vom Tische d-S Siegers gewähren? Dieses Volk wird ebensowenig aufhören, einen Plan zu schmieden, um seine frühere hohe Stellung wieder zu erlangen, wtt der Sütan, der in. dtt Tiefe der Hölle geschleudert wurde. Ob Deutschland Mitglied des Völkerbundes ist. wenn dieser zustandekommt, oder außerhalb des Völkerbundes: Deutsche Agenten werden trohbent im (So Heimen, ja offen mit den früheren Verbündeten Deutsch« lands, dem unbefrttdigten Japan und Rußlands zs« famckwnwirken. Wenn Deutschland dabei Erfolge hat, muß Europa zugrundegehen.^ ' - * Abänderungen durch dey Senats ausschttß. Nach einer Meldung des Preßbureaus Radio aus Washington hat der Senats ausschuß für auswärtige Angelegenheiten weitere A b ä n d e r U n g santr ä ge der Senatoren Johnson und Fall angenommen. Wtt bisher, so wurden auch diese Anträge wieder mit neun gegen acht Stimmen angenommen- Mr. C u m b e r stimmtt üiit den Demokraten gegen alle Abänderungsanträge. Der einzige Mänderungsantrag, über den noch abgestimmt werden muß, ist ein vom Senator Fall eingebrachter, worin die vollständige Streichung des Teiles XM des Frttdensvertrages gefordert wird. Inland. Telegramme. Einberufung des Hauptausfchusies uud der Nationalversammlung. Amtlich wird gemeldet: Der Präsident der' Nationalversammlung hat den Hauptausschuß für Freitag den 6, September, 6 Uhr abends, und dtt Nationalversammlung für SamStrg den 6. September, lUhr nachmittags einberufen. Dtt Tagesordnung beider Sitzungen bildet dtt Beschlußfassung über de» Vertrag von Saint- Germatn. - « In den nächsten Tagen wird sich das ganze-politische Interesse auf dtt Vorgänge im Parlament konzentrieren, wo der Hauptansschuß und btt Nationalversammlung zusammentreten werden, um zum Friedensvertrag endgültig Stellung zw nehmen. Dtt Parteiobluäimer haben ihre Klubs einderusen. Dtt (khristlichsvztaken halten ihre Kludsitzung am Freitag um 8 Uhr nachmittags, die.Großdeutschen und Sozialdemokraten am Samstag um.. 10 Uhr vormittags ab. Wegen der Dringlichkeit und Wichtigkeit der Beratungen wurden btt Abgeordneten von ihren Parteiobmännern ersucht, zu den Sitzungen bestimmt zu erscheinen. Der Sitzung des HauptanofchusseS am Freitag geht eine Sitzung des KabtnettSrateS voran. Sowohl im Kabinettsrate als auch im Hauptausschuffe wird der GtaatSkanzler Dr. Renner über dtt letzten BerhandlungSphasen in Saint-Germain berichten und sich auch über noch vorgenommene Aenderungen äußern. In parlamentarischen Kreisen steht man'den bevorstehenden Beratungen mit großem Interesse entgegen und dtt besondere Aufmerksarnttlt wird man den Verhandlungen der Parteien zuwenden, dtt nunmehr über ihre endgültige Haltung zum Friedensvertrag beschließen müssen. Vizekanzler Fink reist heute abends nach Vorarlberg, wo er mit dem von Saint-Germain kommenden GtaatSkanzler Dr. Renner zusmnmenkommen und diesen nach Wie» begleiten wird. Dem «mfgetauchten Wunsche nach Erledigung des Frttdensvertrages eine größere Pause in den parlamentarischen Beratungen eintrete« zu lassen, dürftt kaum entsprochen werden. Zu de« jüdischen Feiertage» erscheint der Jüdische Nationalkalender 9680 5. Jahrgang ¥ Heranagegeben von Otto Abeles und Ludwig BatS Umschlag und Buchschmuck von JakobLvw Dieses zionistische Jahrbuch wird unter anderem Beiträge enthalten von: Schalom Asch, Ch. N. Dialik, Uriel Birnbaum, Max Brno, Z. P. Chajes. L. A. Frankl, Artur f reud, Eugen Hoefllch, Hermann Kadlsch, eopold Kompert, Gottlieo von Leon, Ernst Müller, I. & Perez. Marek Scherlag, Abraham Schwadron, Emil Stein, Robert Stricker, Robert Weltsch und Arnold Zweig Kernworte. / Reicher Bilderschmuck. / Preis bei Bor» ausbeftevung K. S. / Bestellungen find zu richten au Leu Verlag Jüdische Zeitung Wien, 2. Bezirk, Taborstratze 1 Die englischen Guthaben in DentschSsterreich. London, 1. Srvtember. (Tel.-Komp.) Die Eikläruug des HcmdrlsamteS, daß für die Behandlung der Guthabin britischer Staatsangchoriger in Oesirrrcich eine andere Regelung gelte als für Deutschland, bat in britischen Geschäftskreisen großes Erstaunen erregt. Durch die neue Anordnung wird eS den britischest Staatsangehörigen möglich gemacht, ihre Guthaben . durch ri«r lediglich von britischer Seite getroffene Regelung rmzuholm. während gegenüber Deutschland eine allgemeine Regelung vorgesehen ist. Alle britischen Handelskammern protestmen gegen dtt Abmachung, da, wtt sie bemerken, dtt allen englischen Guthaben, dir auf Kronen lauten, nur ein Zehntel des früheren Wertes ausmachen würden, wahrend die österreichischen Forderungen i die t« Pfund Sterling zahlbar sind, einen höheren Wert erhalte« würden. Line Rechtsverwahrung Deutsch'Südtirols. Innsbruck» 1. September. (Korr^Bur.) Am 29. August , hatte« die Führer der polit scheu Parteien Südtirols ekve Besprechung mit denr Gcneralkommlsfär C r ed a r o. wober sie vorerst ritte R ech t s v e r w a h r« n g g e g e n d i e Ein, v e r l e i b u n g Deut ich - S ü d t i r o t S i n ' d a - König reichJialren einlegtenund sodann dem Genrralkommissär die Beschwerden her Beo3lke>'ung über die Urbergriffe der italienischrn Behörden zur Kenntnis brachten. Credaro sagte die Abstellung der Mängel zu und betonte neuerlich seinm bereits kundgegebenen Standpunkt, daß Sprache, > Sitten und Gebräuche der deutschen Bevölkerung den Schutz ber i italienischen Regierung finden werden. Den Vertretern vcr Meraner Kurvorstehnng erklärte Credaro, rS fei die feste Absicht der ltalicuifchen Regierung, daß die deutsche Bevölkerung ihre deutschen Schulen haben solle. Angarn und die Entente. Bukarest, 1. September. (Tel.-Komp.) Die Agmtm Dana meldet: Ministerpräsident Dratianu erklärte im gestrigen Mmisterrate, das Verhalten der Alliierten Ungarn' gegenüber stehe aus dem Grunde noch nicht fest, weil die Entente in dieser: Hinsicht bisher zu keiner EinigMg gelangen konnten. Jedenfalls werde man den Verlaus der inneren Vorgänge in Ungarn rbwarten müssen, ehe entschieden werden könne, ob Ungarn zur Unterzeichnung des Fricdensvertrrges mit Deutichosierreich eingelade« werden soll. Die rumänischen Truppen werden solange.in Budapest verbleiben, btS Rllmcrnien die Garantie dafür hat, wegen seiner Nordgrenze keinerlei Besorgniffe mehr hegen zu Müllen. Der amerikanische Senat gegen Wttson. Amsterdam, 1. September. Das Preßbureau Radio meldet aus Washington, daß der Gcldbewilligungsausschuß die Ausgaben Wilsons für die amerikanische Friedensdclegatton einer Prüfung unterziehm und einzuhalten fordern wird, bevor er die nachträglich verlangten 825.000 Dollar bewilligt. Desgleichen besteht die Absicht, eine Untersuchung Über den von Wilson geforderten I00-Mlllionkn-Dollar-Derte«dlgungsfonds anzustellen und Lanstng zu ersuchen, Erklärungen darüber abzugeben. Wilson- Vortragsreise. Amsterdam, 1. September. (Kvir.-Dur.) Wie daS Pich. bnreau Radio aus W a s h i n g 1 o « meldet, wird Präsident Wilson heute Washington verlasien. uw seine BortragSreis« anzutreten und am SO. d. M. wieder zurückkrhren. Die Friedenskonferenz wird den ganzen Winter hindurch arbeiten. Saint-Germain» 1. September. (Korr.-Bur.) »QtoiiminP glaubt, daß dtt F r r«d e n s k o n i e r r n z den ganzen Heilst, vielleicht den ganzen Wmter über zu arbeiten babm werde. Man glaube, vaß sie <br Werk ,m Fiühjahr mit der Einberufullg der ersten Bersamnäung deS Völkerbundes beschließen werde. Anvnhen in Montenegro. Rom» 1. September. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Rach sitk»! düngen deS Remerschen BurcauS ist die Lage in Montenegro ungemein ernst. Ucberall im Lande finden Gefechte statt. Dtt Montenegriner haben die Bahnverbindung A n r iv a t i—V irpazar unterbrochen. Die Serben senden andauernd Trlipvenverstäi kungeli nach Montenegro, das durch daS > Borarücu der Serben erbittert ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.